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Conan – Der Barbar: Arnie auf dem Weg zum Weltruhm

Conan the Barbarian

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Abenteuer // Ab 1932 veröffentlichte Robert E. Howard (1906–1936) im US-amerikanischen Pulp-Magazin „Weird Tales“ 17 Kurzgeschichten um den Krieger Conan der Cimmerier. Dessen Abenteuer spielten sich in einem vom Autor ersonnenen Hyborischen Zeitalter ab (auch Hyborische Welt genannt), welches Howard in einem Essay mit dem Titel „The Hyborian Age“ skizzierte. (in voller Länge im Netz zu finden). Conan erlebte später weitere Abenteuer durch andere Schriftsteller, er trat in Comics in Erscheinung und wurde Protagonist von Gesellschafts- und Videospielen, weiteren Kinofilmen und Fernsehserien.

Titos Tod

Als bekannteste Conan-Umsetzung gilt zweifellos die 1982er-Kino-Adaption „Conan – Der Barbar“ unter der Regie von „Apocalypse Now“-Drehbuchautor John Milius („Die rote Flut“). Das Drehbuch stammt von Oliver Stone, wurde aber von Milius zusammengekürzt und umgeschrieben, weil Stones Version so lang war, dass die Umsetzung das Budget gesprengt hätte. Ursprünglich war Jugoslawien als Drehort vorgesehen und die Vorproduktion war dort bereits angelaufen. Doch nach dem Tod des Staatspräsidenten Tito im Mai 1980 wirkte das Land instabil, weshalb der gesamte Tross nach Spanien umzog, zumal sich die dortige Filmindustrie in einen besseren Zustand befand als die jugoslawische. Die Dreharbeiten in Spanien fanden schließlich von Januar bis April 1981 statt.

Nach dem Untergang von Atlantis

Eine Stimme aus dem Off leitet die Saga von Conan ein: Ich will von einem Zeitalter berichten, das begann, als Atlantis im Meer versank, und das endete, als die Söhne des Aryas die Macht eroberten. Ich will erzählen von Conan, der dazu ausersehen war, in dieser Zeit der großen Abenteuer seine Stirn, hinter der sich viele Sorgen verbargen, mit der Juwelenkrone von Aquilonio zu schmücken. Ich will die Geschichte meines Herrn erzählen. Dies platziert die Handlung des Films zeitlich gemäß der Literaturvorlagen, da Robert E. Howard das Hyborische Zeitalter nach dem Untergang von Atlantis beginnen ließ.

Ab in die Sklaverei

Als Kind erlebt Conan (Jorge Sanz), wie das Dorf, in dem er lebt, von Thulsa Doom (James Earl Jones) und dessen Kriegern überfallen wird. Die erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner werden niedergemetzelt, und der Knabe muss mitansehen, wie sein Vater (William Smith) von Hunden zerfleischt wird und Thulsa Doom Conans Mutter (Nadiuska) mit einem Schwert köpft, das Conans Vater selbst geschmiedet hat. Die Kinder des Dorfs werden versklavt. Fortan muss der Junge tagein, tagaus eine Mühle in Bewegung halten. Die jahrelange Fronarbeit macht aus Conan (nun Arnold Schwarzenegger) einen bärenstarken jungen Mann, ein wahres Muskelpaket. Er wird verkauft, sein neuer Herr (Luis Barboo) lässt ihn Gladiatorenkämpfe austragen. Conan lernt zu kämpfen und zu töten, bleibt in zahllosen Auseinandersetzungen unbesiegt. Er wird sogar im Schwertkampf ausgebildet, lernt lesen und sein Selbst zu erkennen. Sein Drang nach Freiheit wird eines Tages erfüllt, als sein Herr ihn unvermittelt freilässt. Das Abenteuer beginnt.

Bald bildet Conan mit dem Dieb Subotai (Gerry Lopez) und der Amazone Valeria (Sandahl Bergman, „Red Sonja“, „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“) ein Trio. Der Muskelprotz sinnt immer noch auf Rache an Thulsa Doom und dessen Hauptschergen Rexor (Ben Davidson) und Thorgrim (Sven-Ole Thorsen), die einen ominösen Schlangenkult führen.

Low Fantasy

Zugegeben: Man sieht „Conan – Der Barbar“ seine literarische Herkunft aus der sogenannten Low Fantasy an. Diese wird zutreffend auch „Sword and Sorcery“ (Schwert und Magie) genannt, wer dem nun gar nichts abgewinnen kann, wird diesen Filmklassiker der 80er-Jahre müde belächeln. Es verleitet auch zum Schmunzeln, Arnie treuherzig durch die fantasievollen Kulissen und prächtig in Szene gesetzten spanischen Landschaften stapfen oder reiten zu sehen. Sein Conan bleibt dabei recht wortkarg, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass sein breiter steirischer Akzent nicht allzu sehr zur Geltung kommen sollte. Der Österreicher nutzte dem Vernehmen nach die Gelegenheit, sich von seinen ungleich erfahreneren Darstellerkollegen James Earl Jones und Max von Sydow (Kurzauftritt als König Olric) Schauspieltipps geben zu lassen. Zur Vorbereitung hatte er monatelang hart trainiert. Für Schwarzenegger war die Titelrolle des Conan ein großes Ausrufezeichen auf dem Weg zum Weltruhm als einer der größten Stars Hollywoods überhaupt (Weltruhm als einer der erfolgreichsten Bodybuilder hatte er ja bereits). Dass er dafür seine erste von bis heute neun Nominierungen für die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler erhielt, wird er verschmerzen. Apropos Awards: Sandahl Bergman erhielt für ihre Rolle der Valerie 1983 nicht nur von der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films einen Saturn Award als beste Schauspielerin, sondern auch von der Hollywood Foreign Press Association einen Golden Globe als bester neuer weiblicher Star.

Soundtrack von Basil Poledouris

Geredet wird generell nicht allzu viel, umso mehr Bedeutung erhält der aus klassischem Orchester und vielköpfigem Chor zusammengestellte Score, der viele Stimmungs- und Tempowechsel entscheidend prägt. Heutzutage kommen ja viele Hollywood-Blockbuster nahezu ohne musikalische Pausen aus (was gelegentlich nervt), das war nach meiner Erinnerung in den 80er-Jahren noch nicht so. Hier schon, und es nervt nicht, sondern passt perfekt, da ausgesprochen zielgerichtet und pointiert eingesetzt. Die Filmmusik von Basil Poledouris hat sogar einen eigenständigen Wikipedia-Eintrag. Der Komponist war bereits in der Storyboard-Phase der Vorproduktion in die Entstehung des Films eingebunden.

Gekämpft, getötet und gestorben wird ausgiebig, und das dank Schwertern, Äxten, mächtigen Hämmern und Pfeilen sehr blutig, bemerkenswert für einen Blockbuster, der ein vielköpfiges Publikum anlocken soll. In dem aus diversen Kulturen, Ländern, Mythen und Sitten zusammengesponnenen Sammelsurium eines Fantasy-Universums herrschen eben raue Sitten. Das vielköpfige Publikum kam so oder so zusammen: Weltweit spielte das Werk mehr als das Dreifache seines Budgets von 20 Millionen Dollar ein. Bei der zeitgenössischen Filmkritik stieß es auf durchwachsene Resonanz, in der Rückschau hat sich der Blick auf den Film deutlich gebessert. Die damals gelegentlich zu bemerkende Unterstellung faschistoiden Gedankenguts scheint vom Tisch. Für mich ist „Conan – Der Barbar“ ohnehin Eskapismus in Reinkultur, dem ich keinen gesellschaftlichen oder politischen Subtext unterstellen mag. Gleichwohl mangelt es etwas an Augenzwinkern.

Aus Conan wird Kalidor und Kull

Nach einiger Zeit krönte er sich selbst zum König. Doch das ist eine andere Geschichte. Mit diesen Worten endet „Conan – Der Barbar“ in der deutschen Synchronisation. Die englische Originalfassung ist da schon etwas deutlicher: And this story shall also be told. Zu deutsch: Und diese Geschichte soll ebenfalls erzählt werden. In Richard Fleischers Fortsetzung „Conan – Der Zerstörer“ (1984) wurde sie allerdings nicht erzählt, denn darin wird der Barbar keineswegs zum König. Womöglich wäre sie im dritten Teil der als Trilogie (oder mehr) geplanten Reihe erzählt worden, doch zu „Conan – Der Eroberer“ kam es nicht mehr, weil es Arnie in andere schauspielerische Gefilde zog. Stattdessen wurde das Drehbuch umfunktioniert, sodass viel später „Kull – Der Eroberer“ (1997) in die Kinos kam. Erwähnt sei in dem Kontext auch Richard Fleischers „Red Sonja“ (1985) mit Brigitte Nielsen in der Titelrolle und Arnold Schwarzenegger als Held Kalidor. Ursprünglich sollte es sich dabei auch um Conan handeln, aus lizenzrechtlichen Gründen wurde die Figur aber umbenannt.

Auch Ralf Moeller war schon Conan

Eine Serie „Conan, der Abenteurer“ mit Ralf Moeller als Conan kam 1997 und 1998 nicht über die üblichen 22 Folgen einer Staffel hinaus. Erwähnt sei außerdem „Conan“ (2011) von Marcus Nispel („Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“) mit Jason Momoa („Justice League“) in der Titelrolle. Im Original mit „Conan the Barbarian“ exakt wie der Schwarzenegger-Vorgänger von 1982 betitelt, ist der Film jedoch nicht als Remake anzusehen, da sich die Story aus anderen Conan-Erzählungen von Robert E. Howard speist (gesehen habe ich ihn bislang aber nicht). Wie der Stand bei der Anfang 2018 angekündigten Conan-Streamingserie und dem seit langer Zeit geplanten Kinofilm „The Legend of Conan“ ist, entzieht sich meiner Kenntnis; dass man lange nichts davon gehört hat, spricht dafür, dass beide Vorhaben den Weg alles Irdischen gegangen sind. Arnies „Conan – Der Barbar“ kann all das ohnehin nichts anhaben. Mit dem heutigen Blick wirkt das Fantasy-Abenteuer zwar etwas cheesy, es ist und bleibt aber ein wuchtiger 80er-Klassiker.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Milius haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit James Earl Jones, Arnold Schwarzenegger und Max von Sydow unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. November 2016 als Blu-ray im FuturePak, 15. März 2012 als Blu-ray, 14. Januar 2004 und 31. August 2001 als DVD

Länge: 132 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Conan the Barbarian
USA/MEX/SP 1982
Regie: John Milius
Drehbuch: John Milius, Oliver Stone, nach Vorlagen von Robert E. Howard
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Sandahl Bergman, Gerry Lopez, Max von Sydow, Ben Davidson, Sven-Ole Thorsen, Cassandra Gava, Mako, Valérie Quennessen, Luis Barboo, William Smith, Nadiuska
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Arnold Schwarzenegger & John Milius, Making-of: „Conan Unchained“, entfallene Szenen & Special Effects, Bildergalerien, Originaltrailer
Label/Vertrieb: Concorde Video

Copyright 2022 by Volker Schönenberger
Untere Packshots: © Concorde Video

 

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Der Würgeengel – Wenn die Gäste partout nicht gehen wollen (und können)

El ángel exterminador

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Drama // In einem vornehmen Anwesen in der Calle de la providencia (Straße der Vorsehung) bereiten die Bediensteten eine Dinnerparty vor, während sie gleichzeitig davon reden zu gehen. Gesagt, getan: Als die gastgebenden Eheleute Edmundo und Lucía de Nobile (Enrique Rambal, Lucy Gallardo) mit ihren hochwohlgeborenen Gästen von einem Opernbesuch kommend die Villa betreten, verlassen Teile der Dienerschaft bereits das Gebäude. Am Ende wird einzig der oberste Hausdiener Julio (Claudio Brook) geblieben sein.

Zur Zerstreuung etwas Hausmusik

Die Abendgesellschaft zieht sich bis tief in die Nacht. Als es vier Uhr vorbei ist, betten sich die Gäste nach und nach zum Schlaf – auf Sofas, Sesseln, sogar auf dem Boden, und das, obwohl keineswegs eine Übernachtungsgesellschaft auf dem Plan stand. Nicht einmal am nächsten Morgen begeben sie sich heim oder an ihr Tagwerk. Nach und nach bricht sich eine Erkenntnis Bahn: Eine unsichtbare Macht scheint alle Anwesenden am Verlassen der Villa zu hindern. Sie alle sind in einem der großen Räume des Erdgeschosses gefangen, obwohl weder Türen noch Fenster versperrt sind. Nach 24 Stunden machen sich Unruhe bis hin zur Panik breit.

Bürgertum und Christenheit

Machen wir es uns einfach: Mit „Der Würgeengel“ liefert der legendäre mexikanische Filmemacher Luis Buñuel („Ein andalusischer Hund“) einmal mehr einen beeindruckenden Kommentar zu einem in dekadenter Sinnlosigkeit erstarrten Bürgertum ab. Machen wir es uns weniger einfach: Ich habe keine Ahnung, was uns Buñuel mit diesem Film sagen wollte. Am gehobenen Bürgertum hat sich Buñuel bekanntermaßen gern abgearbeitet, etwa in seinen letzten Filmen „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ (1972), „Das Gespenst der Freiheit“ (1974) und „Dieses obskure Objekt der Begierde“ (1977). Nicht nur in „Der Würgeengel“ bekommt auch die katholische Kirche ihr Fett weg. Am Ende erweist sich die Hoffnung auf Erlösung durch den christlichen Glauben als trügerisch. Wenn sich in der letzten Einstellung des Films eine Schafherde auf die Tore des Doms zubewegt, trägt das auch nicht unbedingt zur Erhellung bei.

Schnell macht sich Wassermangel bemerkbar

Die Verwirrung beginnt aber bereits zu Beginn, wenn der Regisseur das Eintreffen der Abendgesellschaft zweimal zeigt, beim zweiten Mal aus einem etwas anderen Winkel. Was hat das zu bedeuten? Jedenfalls wird es nicht die einzige Wiederholung bleiben. In einem Raum finden sich ein paar Schafe und ein Bär, von den de Nobiles anscheinend für irgendeine Vorführung zur Zerstreuung ihrer Gäste herangeschafft, zu der es aber nie kommt, weil sich ja das Personal davongemacht hat. Soll die Absurdität der Anwesenheit der Nutztiere und des Wildtiers im Haus die Dekadenz der oberen Zehntausend illustrieren? Denkbar. Diese absurden Elemente machen den surrealen Charakter des Werks aus, ohne dass surrealistische Elemente in die Bildgestaltung einfließen. Selbst die Blockade der Menschen im Innern wird nicht mittels irgendwelcher visueller Effekte thematisiert. Sie gehen einfach nicht hinaus, begründen dies eine Weile mit unbestimmten Motiven, bis sie erkennen, dass es offenbar eine unsichtbare Gewalt gibt, die Macht über sie ausübt.

Roger Ebert findet erst spät eine Erklärung

Der US-Kritikerpapst Roger Ebert schrieb zweimal über „Der Würgeengel“: einmal im Januar 1968, nachdem das Werk im August 1967 seine US-Premiere gefeiert hatte, und einmal im Mai 1997 im Rahmen von Eberts „Great Movies“-Rezensionsreihe. War er 1968 noch überzeugt, es sei unmöglich zu sagen, was der Film bedeute, sah das für Ebert 1997 schon ganz anders aus: Die Dinnergäste würden offensichtlich die herrschende Klasse im Spanien der Franco-Diktatur repräsentieren, die sich das Bankett selbst bereitet habe, indem sie im Spanischen Bürgerkrieg die Arbeiter besiegte. Das ist natürlich eine legitime Interpretation, allerdings konnte ich gar nicht feststellen, ob „Der Würgeengel“ tatsächlich in einer spanischen Metropole wie etwa der Hauptstadt Madrid spielen soll oder vielleicht doch eher in Mexiko-Stadt, wo er gedreht wurde.

Der Schrecken bleibt nicht greifbar …

Während der Sichtung von „Der Würgeengel“ kam mir Ben Wheatleys SF-Drama „High-Rise“ (2015) mit Tom Hiddleston und Luke Evans in den Sinn. Ob sich Romanautor James Graham Ballard beim Schreiben seines 1975 veröffentlichten Romans „High-Rise“ von Buñuels Werk inspirieren ließ? Nicht auszuschließen. Beiden Filmen ist gemein, dass sie den Verfall von Sitte und Anstand und das Abblättern der Zivilisationstünche in begrenzten Räumlichkeiten abbilden.

… und greift gleichwohl weiter um sich

„El ángel exterminador“, so der Originaltitel, feierte seine Weltpremiere im Mai 1962 beim Filmfestival in Cannes, wo der Film im Wettbewerb um die Goldene Palme gezeigt wurde (die allerdings an Anselmo Duartes „Fünfzig Stufen zur Gerechtigkeit“ ging). Dort gewann er den FIPRESCI-Preis, den Preis der internationalen Filmkritik. Verdienter Lohn für ein beeindruckendes Werk, das sich herkömmlichen Versuchen einer Erklärung entzieht und in seiner Narration weit jenseits des Mainstreamkinos angesiedelt ist.

In der arte-Mediathek verfügbar

Die deutsche Blu-ray von „Der Würgeengel“ weist laut Eintrag in der Online-Filmdatenbank auf dem Cover einige Ungereimtheiten auf. So seien die Angaben zu Ton- und Bildformat falsch, auch die angegebene Laufzeit von 98 Minuten entspreche nicht der tatsächlichen Länge des Films auf der Disc. Auf dem Cover findet sich der Aufdruck „Wendecover“, tatsächlich gebe es keines. „RC 2“ auf einem Blu-ray-Cover ist natürlich auch falsch, da Regionalcodes von Blu-rays nicht mit Zahlen, sondern Buchstaben angegeben werden. Obendrein lasse sich die Tonspur nicht über das Menü wechseln, sondern nur während des laufenden Films. Eine sonderbar schlampige Arbeit, da lobt man sich die TV-Ausstrahlung des deutsch-französischen Kultursenders arte im Oktober 2021. Bis zum 5. Dezember 2021 kann das Fantasy-Drama in der arte-Mediathek gesichtet werden.

Gibt es ein Entkommen?

Veröffentlichung: 23. Juni 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: keine
Originaltitel: El ángel exterminador
Internationaler Titel: The Exterminating Angel
MEX 1962
Regie: Luis Buñuel
Drehbuch: Luis Buñuel
Besetzung: Silvia Pinal, Jacqueline Andere, Enrique Rambal, José Baviera, Augusto Benedico, Luis Beristáin, Antonio Bravo, Claudio Brook, César del Campo, Rosa Elena Durgel, Lucy Gallardo, Enrique García Álvarez, Ofelia Guilmáin, Nadia Haro Oliva, Tito Junco, Xavier Loyá, Xavier Massé, Ofelia Montesco
Zusatzmaterial: Originaltrailer
Label/Vertrieb: Endless Classics

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2017 Endless Classics

 

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Chroniken der Finsternis (I) – Der schwarze Reiter: Mit Nikolai Gogol in die ukrainische Provinz

Gogol – Nachalo

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Abenteuer // Irgendwo in der Nähe des Dorfs Dikanka in der zentralukrainischen Oblast Poltawa sitzen zwei schmutzige Männer an einem Lagerfeuer und essen. Ein Dritter kommt per Pferd hinzu, er hat eine nackte junge Frau dabei. Mit der Entführten will sich das Trio nun vergnügen, doch dazu kommt es nicht: Ein weiterer Reiter mit dunkler Kapuze kommt heran. Er stellt sich vor den dreien auf und plötzlich wachsen ihm mehrere Hörner aus dem Körper. Die drei Kerle sind schnell niedergemetzelt, doch für die junge Frau bedeutet das keineswegs die Rettung: Der Gehörnte fügt ihr mit dem Messer eine tiefe Wunde zu und scheint ihr Blut in sich aufzunehmen.

Vision oder Wirklichkeit?

Wir schreiben das Jahr 1829. Der erfolglose russische Schriftsteller Nikolai Wassiljewitsch Gogol (Alexander Petrov) hält selbst so wenig von seinen von der Kritik missachteten Werken, dass er selbst die gesamte Auflage aufkauft, nur um sie anschließend zu verbrennen. Obwohl mit zartem Gemüt gesegnet, arbeitet er bei der Polizei von St. Petersburg, um als Schreiber Mordfälle zu dokumentieren. Dabei erleidet er gelegentlich Visionen, in denen er unbewusst Hinweise auf die Täter niederschreibt. Der erfahrene Kriminalbeamte Guro Yakov Petrovich (Oleg Menshikov) erkennt Gogols Gabe und nimmt ihn mit in die Provinz, um die Morde an drei jungen Frauen aufzuklären.

Modernes russisches Kino

Das moderne russische Kino ist in seiner Farbenpracht und mit seinem Ideenreichtum einen Blick wert, wie wir spätestens seit „Wächter der Nacht – Nochnoi Dozor“ (2004) wissen. Es hat sich trotz optischer Annäherung an westliche Sehgewohnheiten seinen eigenen Charme bewahrt, und sei es aufgrund der für uns frischen Gesichter der Darstellerinnen und Darsteller sowie des Zugriffs auf den eigenen Mythenschatz. Diese visuelle Kraft ist auch bei „Chroniken der Finsternis (I) – Der schwarze Reiter“ zu bemerken, wobei nicht mit dem Einsatz von CGI gespart wird und das auch gut erkennbar ist. Aber das haben wir in Hollywood-Produktionen schon schlechter gesehen.

Guro Yakov Petrovich (2. v. l.) und Nikolai Gogol (3. v. l.) ermitteln in der ukrainischen Provinz

Der Name der Hauptfigur ist nicht zufällig gewählt. Nikolai Gogol (1809–1852) gilt als einer der wichtigsten Schriftsteller Russlands. Sein Werk ist von düsterer Fantastik durchzogen. Die „Chroniken der Finsternis“-Trilogie ist inspiriert von „Abende auf dem Weiler bei Dikanka“, einer Sammlung von acht volkstümlichen ukrainischen Geschichten, die Gogol 1831 und 1832 niedergeschrieben und veröffentlicht hat.

Ein russisches „Sleepy Hollow“?

Als verhuschter und furchtsamer, gleichwohl tapferer Dichter überzeugt Alexander Petrov („Attraction“), im Westen noch ein recht unbeschriebenes Blatt. Das erinnert in einigen Aspekten frappierend an Tim Burtons „Sleepy Hollow“ (1999) mit Johnny Depp. Wer das Fantasy-Abenteuer mag, müsste auch an den „Chroniken der Finsternis“ Gefallen finden. Bevor der Fall der Frauenmorde restlos aufgeklärt ist, gibt es nach einer guten Stunde plötzlich einen Bruch, und Gogol ermittelt nun allein in einem neuen Fall weiter. Der ist zwar mit dem ersten verwoben, stiftet aber Verwirrung. Hier haben sich Regisseur Egor Baranov („Blackout“) und die Produzenten offenbar etwas verzettelt zwischen der Schnittfassung für die Kinoauswertung und der Konzeption als TV-Serie – es existiert auch eine achtteilige Schnittfassung fürs russische Fernsehen. Das schmälert etwas den Genuss – ich für mein Teil musste mich erst wieder auf das Geschehen eintakten. Als das geklappt hatte, ging es aber problemlos wieder.

Nur ein Trugbild?

Das Label capelight pictures hat „Der schwarze Reiter“ mit seinen beiden Fortsetzungen „Der Dämonenjäger“ und „Blutige Rache“ als Steelbook mit drei Blu-rays und als 3-DVD-Edition veröffentlicht, jeden der drei Filme auch einzeln als Blu-ray und DVD. Allzu viel Aufmerksamkeit scheinen die „Chroniken der Finsternis“ international nicht erhalten zu haben, auch in Deutschland hält sich die Bekanntheit in Grenzen. Zu Unrecht – ich jedenfalls freue mich auf die Sichtungen von „Der Dämonenjäger“ und „Blutige Rache“.

Abschied für immer?

Die drei Teile der „Chroniken der Finsternis“ im Überblick:

1. Der schwarze Reiter (Gogol – Nachalo, 2017)
2. Der Dämonenjäger (Gogol – Viy, 2018)
3. Blutige Rache (Gogol – Strashnaya Mest, 2018)

Veröffentlichung: 5. Juli 2019 als Blu-ray im 3-Disc Edition Steelbook und 3-Fach-DVD „Chroniken der Finsternis – Die Trilogie“, Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gogol – Nachalo
RUS 2017
Regie: Egor Baranov
Drehbuch: Aleksey Chupov, Natasha Merkulova
Besetzung: Alexander Petrov, Oleg Menshikov, Evgeniy Stychkin, Yuliya Dzutseva, Taisiya Vilkova, Yan Tsapnik, Evgeniy Sytyy, Sergey Badyuk, Artyom Tkachenko, Marta Timofeeva
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos und unterer Packshot: © 2019 capelight pictures

 

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