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Doctor Strange in the Multiverse of Madness – Marvel und die Parallelwelten

Doctor Strange in the Multiverse of Madness

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Irgendwo in einer Dimensionsebene zwischen den Universen kämpfen die junge America Chavez (Xochitl Gomezl) und Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) gegen eine dämonische Kreatur. Das Buch von Vishanti kann ihnen dabei helfen, aber es zu erreichen, erweist sich im Eifer des Gefechts als schwierig. Der Dämon gewinnt die Oberhand. Als sich ein Portal öffnet – erwacht Doctor Strange. Hat er alles nur geträumt?

Wanda Maximoff will die Welt wechseln

Die Hochzeit von Dr. Christine Palmer (Rachel McAdams) steht an, doch Strange bleibt kaum Gelegenheit, seiner Ex-Verlobten – widerwillig – nach der Zeremonie zu gratulieren: Das einäugige Monstrum Gargantos verwüstet die Straßen von New York City. Mit Unterstützung des obersten Zauberers Wong (Benedict Wong) gelingt es Doctor Strange, die riesige, tentakelbewehrte Kreatur unschädlich zu machen. Nebenbei retten sie America Chavez, die ebenso wie das Wesen aus dem Nichts aufgetaucht ist. Sie klärt Strange auf: Das Multiversum existiert! Chavez hatte mit einer Version von Doctor Strange aus einem anderen Universum gegen die Kreatur gekämpft. Die junge Frau kann Portale zwischen den einzelnen Universen öffnen und hindurchschlüpfen. Sie hat allerdings noch nicht gelernt, diese Fähigkeit zu kontrollieren.

Weil Strange auf Gargantos Hexenrunen entdeckt hat, kontaktiert er Wanda Maximoff alias Scarlet Witch (Elizabeth Olsen), um mehr darüber zu erfahren. Doch es stellt sich heraus, dass ausgerechnet sie darauf aus ist, America Chavez ihre Spezialfähigkeit auszusaugen. Die Scarlet Witch will sich unbedingt in ein Universum teleportieren, in welchem ihre Söhne Billy (Julian Hilliard) und Tommy (Jett Klyne) existieren.

Kein Problem für den MCU-Erstkontakt

Marvel (respektive Disney) ist seit jeher clever genug, jeden Beitrag zum Marvel Cinematic Universe (MCU) auch für sich allein funktionieren zu lassen, weil man sonst mit einem neuen Film kaum neues Publikum generieren könnte. Insofern kann man mit nahezu jedem Film in diese fantasievolle Welt einsteigen, weshalb also nicht auch mit „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“? Der zweite Film mit dem Doktor als Hauptfigur beginnt gleich rasant mit Actionsequenzen, die Stranges Fähigkeiten zur Geltung bringen. Zwischendurch ein paar ruhige Szenen mit Dialogen – schon hat man ihn kennengelernt.

Doctor Strange in der Rückschau

Andererseits schadet es nichts, wenn man mit Doctor Strange bereits ein wenig vertraut ist. Also erinnern wir uns: Am Ende von „Doctor Strange“ (2016) hatte die Titelfigur ihr Schicksal als oberster mystischer Wächter der Erde angenommen. In „Thor – Tag der Entscheidung“ (2017) half Strange dem nordischen Gott Thor (Chris Hemsworth), dessen Vater Odin (Anthony Hopkins) zu finden. Im Showdown von „Avengers – Infinity War“ (2018) kostete das Fingerschnippen von Thanos (Josh Brolin) Doctor Strange samt der Hälfte allen Lebens im Universum das Leben – zum Glück nicht endgültig, wie wir es in „Avengers – Endgame“ (2019) gewahr wurden. In „Spider-Man – No Way Home“ (2021) schließlich musste sich Doctor Strange erstmals mit den Tücken des Multiversums herumplagen, und dort dockt „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ zeitlich an. Ergänzt sei zudem, dass eine nicht ganz unbedeutende Vorgeschichte von Wanda Maximoff in der bei Disney+ ausgestrahlten Serie „WandaVision“ (2021) erzählt wurde. Wenn man diese kennt, wirkt Scarlet Witchs Wandel zur Antagonistin nicht ganz schlüssig.

Durchblick trotz Chaos

In unterschiedlichen Paralleluniversen des Multiversums geht es logischerweise unterschiedlich zu. Das kann schon an Verkehrsampeln beginnen, wie Doctor Strange bemerkt, als er bei Grün über die Fahrbahn gehen will. Und es setzt sich bei Begegnungen mit Superhelden fort, die uns vormals im „klassischen“ MCU noch nicht begegnet sind, beispielsweise auf der Erde Nummer 838 (die MCU-Erde der Ereignisse aller anderen Filme trägt die Nummer 616). Klingt verwirrend? Ist es aber gar nicht so sehr. Es ist den Drehbuchautoren des MCU hoch anzurechnen, dass es ihnen gelingt, die Geschichten samt der Vielzahl der darin auftauchenden Figuren so übersichtlich zu gestalten, dass man als herkömmlicher Kinogänger noch durchsteigt. Vordergründig scheint zwar Chaos Programm zu sein, dies kann man allerdings recht problemlos entwirren. Das kann man natürlich auch als Simplifizierung kritisieren – wenn man will. Wir wollen das einfach mal nicht. Jedenfalls bleibt die Einführung der einen oder anderen Parallelwelt unproblematisch. In einer Sequenz durchqueren Doctor Strange und America Chavez zwar etliche Universen in kürzester Aufeinanderfolge, das hat aber keine erzählerische Tiefe, sondern dient lediglich als visuelles Gimmick – ein sehr schönes visuelles Gimmick.

Apropos: Visuell bekommen wir das geboten, was wir aus dem Marvel Cinematic Universe gewohnt sind: perfekte Tricktechnik in überbordenden Bildern. Die Progatonisten und Antagonisten fuchteln mit Armen und Händen herum, schon bilden sich Schutzschilde, Feuerpeitschen, kleine und große Detonationskörper und weitere Mittel zum Zweck des Kampfes. Ein bisschen geht es auch in den Nahkampf. Die Schauwerte sind gegeben. All das schaut gut aus und ist von Regisseur Sam Raimis Lieblingskomponist Danny Elfman passend musikalisch untermalt (wie gewohnt mit kaum Unterbrechungen), aber die große Wow-Reaktion mag sich nicht mehr einstellen. Wir kennen diese Bilder eben schon zur Genüge.

Auftritt Bruce Campbell

Da wir gerade bei Sam Raimi sind: Dessen Buddy Bruce Campbell („Tanz der Teufel“ & Co.) darf nicht fehlen, ihm gönnt der Regisseur wie schon beispielsweise in Raimis drei „Spider-Man“-Filmen (2002, 2004, 2007) einen launigen Kurzauftritt. Diesmal gibt Campbell einen Pizzaverkäufer, der Doctor Strange übellaunig begegnet, woraufhin der seinem Gegenüber eine ganz schön gemeine Strafe angedeihen lässt. Wer hätte gedacht, dass der oberste mystische Wächter der Erde so fies sein kann?

Paralleluniversen

Paralleluniversen bilden ein fesselndes Gedankenspiel sowohl in der Kosmologie als auch in der Science-Fiction in Literatur und Film. „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ greift die Theorie durchaus faszinierend auf, verlässt die inhaltliche Beschäftigung damit aber bisweilen zugunsten bombastischer Action. Sam Raimi gelingt es immerhin, seiner Regiearbeit mit Leichtigkeit, Spaß und sogar ein paar Horrorelementen seinen Stempel aufzudrücken und sogar diverse „Tanz der Teufel“-Anspielungen und -zitate unterzubringen – kein einfaches Unterfangen angesichts der gigantischen Größe des Marvel Cinematic Universe. In zeitlicher Nähe zum Marvel-Abenteuer gelangte im Übrigen mit „Everything Everywhere All at Once“ (2022) ein Science-Fiction-Film mit Michelle Yeoh in die Kinos, der sich ebenfalls mit einem Multiversum befasste und dabei größere erzählerische und charakterliche Tiefe erlangte.

Am Ende von „Doctor Strange in the Multiverse of Madness“ wird wenig überraschend die Rückkehr des Titelhelden angekündigt. Dazu passt die obligatorische Midcreditszene, während die Endcreditszene lediglich Bezug auf eine vorherige Szene nimmt und keinen Vorboten eines kommenden Marvel-Films darstellt. Das Marvel Cinematic Universe bleibt natürlich dennoch eine Gelddruckmaschine.
Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Raimi haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Elizabeth Olsen unter Schauspielerinnen, Filme mit Bruce Campbell, Benedict Cumberbatch, Chiwetel Ejiofor und Patrick Stewart unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 28. Juli 2022 als UHD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 126 Min. (Blu-ray), 122 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte u. a.
Originaltitel: Doctor Strange in the Multiverse of Madness
USA 2022
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Michael Waldron
Besetzung: Benedict Cumberbatch, Elizabeth Olsen, Chiwetel Ejiofor, Benedict Wong, Xochitl Gomezl, Rachel McAdams, Jett Klyne, Julian Hilliard, Michael Stuhlbarg, Hayley Atwell, Anson Mount, Lashana Lynch, John Krasinski, Patrick Stewart, Sheila Atim, Adam Hugill, Bruce Campbell, Andy Bale
Zusatzmaterial: Audiokommentar, Wie das Multiversum entstand, Der Wahnsinn hat Methode, Gestatten: America Chavez, Pannen vom Dreh, zusätzliche Szenen, Wendecover
Label/Vertrieb: Marvel Deutschland / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Packshots & Trailer: © 2022 Marvel Deutschland / Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

 
 

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Solomon Kane – Die Trilogie wäre verdient gewesen

Solomon Kane

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Im Jahr 1600 erobert der britische Krieger Solomon Kane (James Purefoy) mit seinen Männern in Nordafrika eine osmanische Festung. Er hofft auf große Reichtümer, doch unvermittelt steht er im Thronsaal dem „Devil’s Reaper“ gegenüber, der im Auftrag des Teufels Kanes Seele einfordert. Der Söldner entkommt mit Müh und Not. Ein Jahr später hat er der Gewalt abgeschworen, seinen Reichtum der Kirche geschenkt und sich in ein Kloster zurückgezogen, um Frieden zu finden und sich vor den dämonischen Kräften zu verbergen. Doch seinem Schicksal kann er nicht entgehen. Eines Tages gebietet ihm der Abt (Robert Russell), das Kloster zu verlassen und heimzukehren.

Solomon Kane giert nach Gold

Auf seinem beschwerlichen Weg begegnet Kane dem frommen Puritaner-Ehepaar Crowthorn (Pete Postlethwaite, Alice Krige) und ihren Kindern, die im Planwagen in Richtung Küste unterwegs sind, um nach Nordamerika auszuwandern. Er schließt sich ihnen für eine Weile an, aber bald kreuzt der kleine Trupp die Pfade des bösen Hexenmeisters Malachi (Jason Flemyng, „Ironclad – Bis zum letzten Krieger“) und seiner Schergen. Kane sieht sich gezwungen, seinem Gewaltverzichts-Gelübde abzuschwören.

Nach Vorlagen des Schöpfers von „Conan der Barbar“

Es hat Vorteile, einen Film zu schauen, ohne die Vorlage(n) zu kennen. Da ich weder mit den „Solomon Kane“-Erzählungen des US-Schriftstellers (und „Conan der Cimmerier“-Schöpfers) Robert E. Howard (1906–1936) noch mit den darauf beruhenden Marvel- und Dark-Horse-Comics vertraut bin, konnte ich völlig voreingenommen an die 2009er-Verfilmung der englischen Regisseurin M. J. Bassett herangehen. Ihre dritte Regiearbeit nach den beiden ebenfalls ansehnlichen Horrorfilmen „Deathwatch“ (2002) und „Wilderness“ (2006) hat mir in ihrer schmutzigen und regnerischen Düsternis einer frühen Neuzeit ausgesprochen gut gefallen.

Ein Scherge des Bösen

Titelheld Solomon Kane begibt sich auf eine Heldenreise der finsteren Art, um die junge Meredith Crowthorn (Rachel Hurd-Wood) vor der Verdammnis zu erretten. Erlösung ist dabei allerdings nicht unbedingt eine Option, auch wenn er mit seinem Rückzug ins Kloster zu Beginn noch darauf gehofft haben mag. Aber er hat wohl zu viele Sünden auf dem Kerbholz, und der Bruch seines Gelübdes wiegt schwer, lautere Motive hin oder her. Ein paar Rückblenden enthüllen Solomons schwierige familiäre Vergangenheit, die ihn erwartungsgemäß einholen wird. Als sein Vater Josiah Kane ist der große schwedische Charakterdarsteller Max von Sydow („Das siebente Siegel“, „Der Exorzist“) zu sehen, der immer ein Gewinn ist, auch hier in seinen nur zwei recht kurzen Szenen. Der nicht zuletzt aus der Serie „Rom“ (2005–2007) bekannte Hauptdarsteller James Purefoy („High-Rise“) macht ebenfalls eine gute Figur, sei es bei den diversen vorzüglich choreografierten Schwertkämpfen, sei es beim Vermitteln des Zwiespalts, in welchem sich Solomon Kane befindet.

Meredith wird verschleppt

„Solomon Kane“ wirkt eher geerdet als „over the top“, was dem vergleichsweise geringen Budget von 45 Millionen Dollar geschuldet sein mag. Aus dieser Not machte das Produktionsteam eine Tugend, denn so bleibt uns ein überbordendes Effektgewitter erspart, dass doch nur zu Lasten der Story gegangen wäre. Ein paar Fantasy-Elemente sind so übertrieben inszeniert, wie es auch sein muss, ansonsten überwiegen begrenzte Settings und eine ironiefreie Stimmung. Gut so. Ob das dem Geist der Vorlage gerecht wird, vermag ich aus den erwähnten Gründen nicht zu beurteilen, aber da die Geschichten von Robert E. Howard eher im Bereich des Pulp und der Low Fantasy angesiedelt sind, scheint mir das gut zu passen. Die Gewalt ist drastisch, auch wenn die Kamera nicht jedes blutige Detail zeigt – immerhin sollte der Film ein großes Publikum inklusive vieler Jugendlicher in die Kinos locken, was eine zu hohe Altersfreigabe durchkreuzt hätte.

Vom kanadischen TIFF zum deutschen Fantasy Filmfest

Anfang 2008 hauptsächlich in Tschechien gedreht, feierte „Solomon Kane“ im September 2009 seine Weltpremiere beim Toronto International Film Festival (TIFF). In der Folge gastierte das Werk auch Sitges International Festival of Fantastic and Horror Cinema in Katalonien sowie dem portugiesischen Fantasporto Film Festival, im August und September 2010 auch beim Fantasy Filmfest in diversen deutschen Großstädten. Die Festivaltour half an den Kinokassen jedoch nicht viel, seine Kosten spielte das Fantasy-Abenteuer nicht einmal zur Hälfte ein. Das torpedierte die Produktion zweier Fortsetzungen der als Trilogie geplanten „Solomon Kane“-Saga. Bedauerlich, das Potenzial war vorhanden, und der nunmehr einzige Film um diesen düsteren Krieger kann Freunden deftiger Fantasy bedenkenlos ans Herz gelegt werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Pete Postlethwaite, James Purefoy und Max von Sydow haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Erwartet ihn ewige Verdammnis?

Veröffentlichung: 7. Oktober 2010 als Blu-ray und DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Solomon Kane
TSCH/GB/F 2009
Regie: M. J. Bassett
Drehbuch: M. J. Bassett, nach Vorlagen von Robert E. Howard
Besetzung: James Purefoy, Max von Sydow, Rachel Hurd-Wood, Pete Postlethwaite, Jason Flemyng, Alice Krige, Mark O’Neal, Robert Orr, Richard Ryan, Frantisek Deak, Christian Dunckley Clark, Ian Whyte, Thomas McEnchroe, Andrew Whitlaw, James Babson, Marek Vasut, Robert Russell
Zusatzmaterial: Featurette „MTV“ (1:19 Min.), Making-of (4:14 Min.), Interviews (32:46 Min.), Hinter den Kulissen (16:28 Min.), Darstellerinfos, Originaltrailer, DVD-Empfehlung, Trailershow, 8-seitiges Booklet
Label/Vertrieb: Constantin Film / Highlight

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot: © 2010 Constantin Film / Highlight

 

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Conan – Der Barbar: Arnie auf dem Weg zum Weltruhm

Conan the Barbarian

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Abenteuer // Ab 1932 veröffentlichte Robert E. Howard (1906–1936) im US-amerikanischen Pulp-Magazin „Weird Tales“ 17 Kurzgeschichten um den Krieger Conan der Cimmerier. Dessen Abenteuer spielten sich in einem vom Autor ersonnenen Hyborischen Zeitalter ab (auch Hyborische Welt genannt), welches Howard in einem Essay mit dem Titel „The Hyborian Age“ skizzierte. (in voller Länge im Netz zu finden). Conan erlebte später weitere Abenteuer durch andere Schriftsteller, er trat in Comics in Erscheinung und wurde Protagonist von Gesellschafts- und Videospielen, weiteren Kinofilmen und Fernsehserien.

Titos Tod

Als bekannteste Conan-Umsetzung gilt zweifellos die 1982er-Kino-Adaption „Conan – Der Barbar“ unter der Regie von „Apocalypse Now“-Drehbuchautor John Milius („Die rote Flut“). Das Drehbuch stammt von Oliver Stone, wurde aber von Milius zusammengekürzt und umgeschrieben, weil Stones Version so lang war, dass die Umsetzung das Budget gesprengt hätte. Ursprünglich war Jugoslawien als Drehort vorgesehen und die Vorproduktion war dort bereits angelaufen. Doch nach dem Tod des Staatspräsidenten Tito im Mai 1980 wirkte das Land instabil, weshalb der gesamte Tross nach Spanien umzog, zumal sich die dortige Filmindustrie in einen besseren Zustand befand als die jugoslawische. Die Dreharbeiten in Spanien fanden schließlich von Januar bis April 1981 statt.

Nach dem Untergang von Atlantis

Eine Stimme aus dem Off leitet die Saga von Conan ein: Ich will von einem Zeitalter berichten, das begann, als Atlantis im Meer versank, und das endete, als die Söhne des Aryas die Macht eroberten. Ich will erzählen von Conan, der dazu ausersehen war, in dieser Zeit der großen Abenteuer seine Stirn, hinter der sich viele Sorgen verbargen, mit der Juwelenkrone von Aquilonio zu schmücken. Ich will die Geschichte meines Herrn erzählen. Dies platziert die Handlung des Films zeitlich gemäß der Literaturvorlagen, da Robert E. Howard das Hyborische Zeitalter nach dem Untergang von Atlantis beginnen ließ.

Ab in die Sklaverei

Als Kind erlebt Conan (Jorge Sanz), wie das Dorf, in dem er lebt, von Thulsa Doom (James Earl Jones) und dessen Kriegern überfallen wird. Die erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner werden niedergemetzelt, und der Knabe muss mitansehen, wie sein Vater (William Smith) von Hunden zerfleischt wird und Thulsa Doom Conans Mutter (Nadiuska) mit einem Schwert köpft, das Conans Vater selbst geschmiedet hat. Die Kinder des Dorfs werden versklavt. Fortan muss der Junge tagein, tagaus eine Mühle in Bewegung halten. Die jahrelange Fronarbeit macht aus Conan (nun Arnold Schwarzenegger) einen bärenstarken jungen Mann, ein wahres Muskelpaket. Er wird verkauft, sein neuer Herr (Luis Barboo) lässt ihn Gladiatorenkämpfe austragen. Conan lernt zu kämpfen und zu töten, bleibt in zahllosen Auseinandersetzungen unbesiegt. Er wird sogar im Schwertkampf ausgebildet, lernt lesen und sein Selbst zu erkennen. Sein Drang nach Freiheit wird eines Tages erfüllt, als sein Herr ihn unvermittelt freilässt. Das Abenteuer beginnt.

Bald bildet Conan mit dem Dieb Subotai (Gerry Lopez) und der Amazone Valeria (Sandahl Bergman, „Red Sonja“, „She – Eine brutale Reise in die Zukunft“) ein Trio. Der Muskelprotz sinnt immer noch auf Rache an Thulsa Doom und dessen Hauptschergen Rexor (Ben Davidson) und Thorgrim (Sven-Ole Thorsen), die einen ominösen Schlangenkult führen.

Low Fantasy

Zugegeben: Man sieht „Conan – Der Barbar“ seine literarische Herkunft aus der sogenannten Low Fantasy an. Diese wird zutreffend auch „Sword and Sorcery“ (Schwert und Magie) genannt, wer dem nun gar nichts abgewinnen kann, wird diesen Filmklassiker der 80er-Jahre müde belächeln. Es verleitet auch zum Schmunzeln, Arnie treuherzig durch die fantasievollen Kulissen und prächtig in Szene gesetzten spanischen Landschaften stapfen oder reiten zu sehen. Sein Conan bleibt dabei recht wortkarg, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass sein breiter steirischer Akzent nicht allzu sehr zur Geltung kommen sollte. Der Österreicher nutzte dem Vernehmen nach die Gelegenheit, sich von seinen ungleich erfahreneren Darstellerkollegen James Earl Jones und Max von Sydow (Kurzauftritt als König Olric) Schauspieltipps geben zu lassen. Zur Vorbereitung hatte er monatelang hart trainiert. Für Schwarzenegger war die Titelrolle des Conan ein großes Ausrufezeichen auf dem Weg zum Weltruhm als einer der größten Stars Hollywoods überhaupt (Weltruhm als einer der erfolgreichsten Bodybuilder hatte er ja bereits). Dass er dafür seine erste von bis heute neun Nominierungen für die Goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler erhielt, wird er verschmerzen. Apropos Awards: Sandahl Bergman erhielt für ihre Rolle der Valerie 1983 nicht nur von der Academy of Science Fiction, Fantasy & Horror Films einen Saturn Award als beste Schauspielerin, sondern auch von der Hollywood Foreign Press Association einen Golden Globe als bester neuer weiblicher Star.

Soundtrack von Basil Poledouris

Geredet wird generell nicht allzu viel, umso mehr Bedeutung erhält der aus klassischem Orchester und vielköpfigem Chor zusammengestellte Score, der viele Stimmungs- und Tempowechsel entscheidend prägt. Heutzutage kommen ja viele Hollywood-Blockbuster nahezu ohne musikalische Pausen aus (was gelegentlich nervt), das war nach meiner Erinnerung in den 80er-Jahren noch nicht so. Hier schon, und es nervt nicht, sondern passt perfekt, da ausgesprochen zielgerichtet und pointiert eingesetzt. Die Filmmusik von Basil Poledouris hat sogar einen eigenständigen Wikipedia-Eintrag. Der Komponist war bereits in der Storyboard-Phase der Vorproduktion in die Entstehung des Films eingebunden.

Gekämpft, getötet und gestorben wird ausgiebig, und das dank Schwertern, Äxten, mächtigen Hämmern und Pfeilen sehr blutig, bemerkenswert für einen Blockbuster, der ein vielköpfiges Publikum anlocken soll. In dem aus diversen Kulturen, Ländern, Mythen und Sitten zusammengesponnenen Sammelsurium eines Fantasy-Universums herrschen eben raue Sitten. Das vielköpfige Publikum kam so oder so zusammen: Weltweit spielte das Werk mehr als das Dreifache seines Budgets von 20 Millionen Dollar ein. Bei der zeitgenössischen Filmkritik stieß es auf durchwachsene Resonanz, in der Rückschau hat sich der Blick auf den Film deutlich gebessert. Die damals gelegentlich zu bemerkende Unterstellung faschistoiden Gedankenguts scheint vom Tisch. Für mich ist „Conan – Der Barbar“ ohnehin Eskapismus in Reinkultur, dem ich keinen gesellschaftlichen oder politischen Subtext unterstellen mag. Gleichwohl mangelt es etwas an Augenzwinkern.

Aus Conan wird Kalidor und Kull

Nach einiger Zeit krönte er sich selbst zum König. Doch das ist eine andere Geschichte. Mit diesen Worten endet „Conan – Der Barbar“ in der deutschen Synchronisation. Die englische Originalfassung ist da schon etwas deutlicher: And this story shall also be told. Zu deutsch: Und diese Geschichte soll ebenfalls erzählt werden. In Richard Fleischers Fortsetzung „Conan – Der Zerstörer“ (1984) wurde sie allerdings nicht erzählt, denn darin wird der Barbar keineswegs zum König. Womöglich wäre sie im dritten Teil der als Trilogie (oder mehr) geplanten Reihe erzählt worden, doch zu „Conan – Der Eroberer“ kam es nicht mehr, weil es Arnie in andere schauspielerische Gefilde zog. Stattdessen wurde das Drehbuch umfunktioniert, sodass viel später „Kull – Der Eroberer“ (1997) in die Kinos kam. Erwähnt sei in dem Kontext auch Richard Fleischers „Red Sonja“ (1985) mit Brigitte Nielsen in der Titelrolle und Arnold Schwarzenegger als Held Kalidor. Ursprünglich sollte es sich dabei auch um Conan handeln, aus lizenzrechtlichen Gründen wurde die Figur aber umbenannt.

Auch Ralf Moeller war schon Conan

Eine Serie „Conan, der Abenteurer“ mit Ralf Moeller als Conan kam 1997 und 1998 nicht über die üblichen 22 Folgen einer Staffel hinaus. Erwähnt sei außerdem „Conan“ (2011) von Marcus Nispel („Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“) mit Jason Momoa („Justice League“) in der Titelrolle. Im Original mit „Conan the Barbarian“ exakt wie der Schwarzenegger-Vorgänger von 1982 betitelt, ist der Film jedoch nicht als Remake anzusehen, da sich die Story aus anderen Conan-Erzählungen von Robert E. Howard speist (gesehen habe ich ihn bislang aber nicht). Wie der Stand bei der Anfang 2018 angekündigten Conan-Streamingserie und dem seit langer Zeit geplanten Kinofilm „The Legend of Conan“ ist, entzieht sich meiner Kenntnis; dass man lange nichts davon gehört hat, spricht dafür, dass beide Vorhaben den Weg alles Irdischen gegangen sind. Arnies „Conan – Der Barbar“ kann all das ohnehin nichts anhaben. Mit dem heutigen Blick wirkt das Fantasy-Abenteuer zwar etwas cheesy, es ist und bleibt aber ein wuchtiger 80er-Klassiker.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Milius haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit James Earl Jones, Arnold Schwarzenegger und Max von Sydow unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. November 2016 als Blu-ray im FuturePak, 15. März 2012 als Blu-ray, 14. Januar 2004 und 31. August 2001 als DVD

Länge: 132 Min. (Blu-ray), 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Conan the Barbarian
USA/MEX/SP 1982
Regie: John Milius
Drehbuch: John Milius, Oliver Stone, nach Vorlagen von Robert E. Howard
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, James Earl Jones, Sandahl Bergman, Gerry Lopez, Max von Sydow, Ben Davidson, Sven-Ole Thorsen, Cassandra Gava, Mako, Valérie Quennessen, Luis Barboo, William Smith, Nadiuska
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Arnold Schwarzenegger & John Milius, Making-of: „Conan Unchained“, entfallene Szenen & Special Effects, Bildergalerien, Originaltrailer
Label/Vertrieb: Concorde Video

Copyright 2022 by Volker Schönenberger
Untere Packshots: © Concorde Video

 
 

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