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Doc – Ein Mythos wird entzaubert

Doc

Von Volker Schönenberger

Western // Schon der Prolog gibt die coole und gedrückte Stimmung vor: Auf dem Weg nach Tombstone betritt Doc Holliday (Stacy Keach) einen heruntergekommenen Saloon im Nirgendwo und lässt sich vom schmierigen mexikanischen Barkeeper ein warmes Bier einschenken. Mit nur einem Pokerblatt gewinnt er von Ike Clanton (Michael Witney) das leichte Mädchen Katie Elder (Faye Dunaway) für die Nacht. Am nächsten Morgen treten der Doc und Katie den schwierigen Ritt nach Tombstone an. Dort trifft der an Tuberkulose leidende Revolverschwinger Holliday auf seinen alten Freund Wyatt Earp (Harris Yulin). Der ist Marshal des Bezirks und hat politische Ambitionen. Um die umzusetzen, will er in Tombstone aufräumen – unter anderem mit den Clantons.

Marshal Wyatt Earp räumt mit Gesindel auf …

Der Filmtitel „Doc“ verdeutlicht es bereits: Anders als andere filmische Aufarbeitungen der Schießerei am O. K. Corral im Oktober 1881 wie „Faustrecht der Prärie“ (1946) und „Zwei rechnen ab“ (1957) steht in diesem Fall nicht Wyatt Earp als strahlender Ordnungshüter im Fokus der Geschichte, sondern Doc Holliday als zwar nicht lebensmüder, aber gebrochener Westmann. Der von Stacy Keach bravourös verkörperte Holliday will an sich nicht in die Auseinandersetzung zwischen den Earps und den Clantons hineingezogen werden; andererseits verspürt er nach wie vor große Loyalität gegenüber seinem alten Weggefährten.

… und hat ehrgeizige Pläne

Wyatt Earp seinerseits ist alles andere als der tapfere Held, als der er in anderen Verfilmungen gezeigt wird. So skrupellos wie opportunistisch nutzt er die Gunst der Stunde, wenn sie sich ihm bietet. Mir jedenfalls ist bislang kein unsympathischer porträtierter Wyatt Earp begegnet. Da halten wir uns doch lieber an Doc Holliday, auch wenn dessen Manieren ebenfalls nicht von schlechten Eltern sind – sich kurz mal eine Frau am Pokertisch zu erzocken, ist nicht gerade die feine Art. Und im Finale begeht er eine Kurzschlusshandlung, die den Atem stocken lässt und Fragen aufwirft.

Die Schießerei am O. K. Corral

Regisseur Frank Perry („David und Lisa“, „Meine liebe Rabenmutter“) hatte zuvor keinen Western inszeniert. Das merkt man gar nicht, er fängt die staubige Stimmung in Tombstone vorzüglich ein und hat auch bei Begegnungen der Kontrahenten ein Händchen für die Inszenierung der angespannten Stimmung verfeindeter Revolverschwinger. Die Dialoge fallen mal wortkarg, mal wortgewandt aus – ein reizvoller Kontrast. Ein Bleigewitter sollte niemand erwarten, erst beim Showdown am O. K. Corral geht es hoch her. Gegenüber den historischen Ereignissen nahm sich Perry einige Freiheiten, allein was die Zahl der Todesopfer der Schießerei angeht. Dennoch heißt es im Allgemeinen, „Doc“ zeige gegenüber vielen anderen Verfilmungen Wyatt Earp noch am ehesten so, wie er wirklich war. Das vermag ich aufgrund der Gnade der späten Geburt nicht abschließend zu bewerten – die Auseinandersetzung fand etwas vor meiner Zeit statt.

Doc Holliday will mit Katie Elder ein neues Leben beginnen

Es hat den Anschein, als befinde sich „Doc“ etwas unter dem Radar der Westernfans – weniger als tausend User-Wertungen in der IMDb stehen zu Buche (Stand Mai 2017). In Deutschland ist Ende März 2017 immerhin erstmals eine Blu-ray in akzeptabler Qualität erschienen und die DVD neu aufgelegt worden. Es lohnt sich! Western mit aufrechten Helden sind zwar immer wieder schön anzuschauen, aber dieser etwas andere, entmystifizierende Blick auf den Mythos von Wyatt Earp und Doc Holliday gehört zu den Highlights der Wyatt-Earp-Western und damit in jede Westernsammlung, die sich gut sortiert nennen will.

Der Showdown naht

Veröffentlichung: 31. März 2017 als Blu-ray und DVD, 9. Januar 2012 als DVD (KSM GmbH)

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Doc
USA 1971
Regie: Frank Perry
Drehbuch: Pete Hamill
Besetzung: Stacy Keach, Faye Dunaway, Harris Yulin, Michael Witney, Denver John Collins, Dan Greenburg, John Scanlon, Richard McKenzie, John Bottoms, Philip Shafer, Ferdinand Zogbaum, Penelope Allen
Zusatzmaterial: Biografien, Bildergalerie, Trailershow
Label: Black Hill Pictures GmbH
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos, & Packshot DVD: © 2012 KSM GmbH, Packshot Blu-ray: © 2017 WVG Medien GmbH / Black Hill Pictures GmbH

 

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Die drei Tage des Condor – Paranoia-Kino für Verschwörungsfans

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Three Days of the Condor

Von Simon Kyprianou

Thriller // Joe Turner (Robert Redford) hat einen wunderlichen Beruf: Er liest Crime-Literatur für die CIA, um mögliche Mordmethoden zu studieren und zu katalogisieren. Eigentlich ein ruhiger Bürojob in einer als American Literary Historical Society getarnten Außenstelle des Geheimdienstes – ganz so, wie Turner es haben will.

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Turner (r.) trifft den Killer

Doch als der Schreibtisch-Agent eines Tages von der Mittagspause zurückkommt, findet er seine Kollegen allesamt ermordet vor. Auch Turner steht auf der Abschussliste des Killers (Max von Sydow). Bald findet er heraus, dass die CIA selbst in dem Komplott eine Rolle spielt. Auf seiner Flucht trifft Turner auf Kathy Hale (Faye Dunaway), mit deren Hilfe er zum Angriff gegen die Verschwörer übergeht.

Zuschauer und Hauptfigur bleiben ahnungslos

„Die drei Tage des Condor“ ist voll und ganz Paranoia-Kino der 70er-Jahre: Bei aller Präzision und Detailfreude werden doch weder die Handlung noch die Figuren wirklich ausbuchstabiert. Viele Details werden zwar gezeigt, später aber nicht mehr aufgegriffen, über viele Handlungsstränge und Motivationen bleibt man im Ungewissen. Damit bindet uns der Film an seine Hauptfigur, die ebenso ahnungslos und naiv in die Machenschaften der Geheimdienste stolpert, dessen Teil sie ironischerweise ja selbst ist – ein unwissendes kleines, aber funktionierendes Rädchen in der großen Allmachts-Maschinerie.

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Kathy hilft dem Agenten

Nach und nach schürt der Agententhriller Misstrauen gegen diesen „Staat im Staat“, dessen eskalierende Allmachtsfantasien immer schwerer zu verschleiern sind. Sydney Pollack erzählt langsam und ausgiebig, lässt sich viel Zeit, um seinen Thriller bedächtig aufzubauen und die Figuren bei der Eskalation der Geschehnisse genau zu beobachten – manchmal auch mit feiner Ironie. Besonders die behutsam gezeichnete, wunderlich fragile Beziehung zwischen Redfords und Dunaways Figur bleibt mysteriös und ist gerade darum so interessant.

Max von Sydow als eiskalter Auftragskiller

Der Regisseur und sein Star arbeiteten ja mehrfach zusammen, so in „Der elektrische Reiter“ (1979), „Jenseits von Afrika“ (1985) und „Havanna (1990). Redford wird von Pollack ganz wunderbar inszeniert: Zuerst stolpert er mit herrlicher Tumbheit, später marschiert er mit trotziger Entschlossenheit durch den Thriller. Sein aufgekratzter Charakter wird dabei perfekt von der mysteriösen und passiven Faye Dunaway ausbalanciert. Als eiskalter Auftragskiller sorgt der große Max von Sydow für so manche Gänsehaut. Das Ende ist konsequent offen – keine Frage wird beantwortet, es gibt keine Sicherheiten, die Paranoia kennt kein Ende.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Robert Redford sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 25. April 2014 als Blu-ray, 16. September 2010 als Digibook-DVD in der Arthaus Collection Literatur, 18. September 2009 als Digibook-Blu-ray in der Studiocanal Collection, 27. Februar 2001 als DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Dänisch, Französisch, Holländisch, Italienisch, Norwegisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch
Originaltitel: Three Days of the Condor
USA 1975
Regie: Sydney Pollack
Drehbuch: Lorenzo Semple Jr., David Rayfiel, nach einem Roman von James Grady
Besetzung: Robert Redford, Faye Dunaway, Cliff Robertson, Max von Sydow, John Houseman, Tina Chen
Zusatzmaterial: Etwas über Sydney Pollack, Mehr über den Condor, CIA: Geheimkrieg‚ Undercover Operations – Eine Episode der Serie von William Karel, Audiokommentar von Sydney Pollack, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2014 Studiocanal Home Entertainment

 

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