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Casbah – Verbotene Gassen: Film noir mit Gesangsleinlagen

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Casbah

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Dreimal innerhalb kurzer Zeit ist Henri La Barthes unter dem Pseudonym Detective Ashelbe veröffentlichter Roman „Pepe Le Moko“ verfilmt worden: Die erste Adaption unter dem Titel „Pépé le Moko – Im Dunkel von Algier“ mit Jean Gabin in der Titelrolle datiert von 1937. Der französischen Umsetzung folgte ein Jahr später die US-amerikanische mit Charles Boyer und Hedy Lamarr. 1948 schließlich brachte Regisseur John Berry „Casbah – Verbotene Gassen“ ins Kino – nun auch in Deutschland auf DVD erschienen. Der Vollständigkeit halber sei auch die italienische Parodie „Totò le mokò“ von 1949 genannt.

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Inez liebt Pepe, doch er weist sie zurück

In „Casbah – Verbotene Gassen“ ist der auch als Sänger erfolgreiche Tony Martin als notorischer Juwelendieb Pepe Le Moko zu sehen, weshalb der Film – für ein Krimidrama ungewöhnlich – mit einigen Gesangseinlagen aufwartet. Vor der Polizei verbirgt er sich in der Kasbah von Algier, der befestigten Altstadt der algerischen Hauptstadt. Beschützt von den Bewohnern, wähnt er sich sicher, auch wenn der neue Polizeichef Louvain (Thomas Gomez) alle Kräfte mobilisiert. Der listige Inspektor Slimane (Peter Lorre) setzt mit Carlo (Douglas Dick) einen alten Weggefährten Pepes als verdeckten Ermittler auf den Ganoven an. Pepes Freundin Inez (Yvonne De Carlo) riecht zwar Lunte, doch er selbst traut Carlo den Verrat nicht zu und hat sich zu seinem Unglück in die auswärtige Schönheit Gaby (Marta Toren) verliebt.

Tony Martin oder Jean Gabin?

Mangels Sichtung der beiden Vorgänger kann ich die drei Romanverfilmungen nicht miteinander vergleichen. Gemeinhin gelten Jean Gabins und Charles Boyers Darbietungen als überzeugender als die von Tony Martin. Immerhin kann er besser singen (Dean Martin war aber charmanter). Peter Lorre („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“, „Casablanca“) sehen wir gern zu, wie er auf durchtriebene Weise das Netz um Pepe spinnt. Natürlich hat das Melodram nicht das Format von „Casablanca“, aber welcher Film hat das schon?

Bisweilen hat „Casbah – Verbotene Gassen“ eine Leichtigkeit, die ihn in die Nähe einer Krimikomödie rückt. Letztlich gewinnt aber das dramatische Moment klar die Überhand. Cherchez la femme ist schon manchem Kerl zum Verhängnis geworden.

Emigrant John Berry

Der Film markiert die vierte Regiearbeit von John Berry (1917–1999), der auch als Schauspieler aktiv war. Anfang der 1950er-Jahre in der McCarthy-Ära als Kommunist denunziert, emigrierte er aus den USA und drehte fortan in Europa, darunter als Ko-Regisseur ohne Nennung in den Credits „Atoll K“ (1951), den letzten Film von Laurel & Hardy. 1957 inszenierte Berry das Historiendrama „Die schwarze Sklavin“ mit Curd Jürgens. Dreimal drehte er mit Eddie Constantine.

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Inspektor Slimane benutzt Gaby als Lockvogel

Die Koch-Films-Veröffentlichung von „Casbah – Verbotene Gassen“ in der Reihe Film Noir Collection überzeugt im gewohnten schmalen Mediabook mit aufschlussreichem Booklet-Text über die Romanvorlage und die drei Adaptionen sowie guter Bildqualität der DVD. Einziger Wermutstropfen: die fehlenden Untertitel. Immerhin sind deutsche wie englische Tonspur gut zu verstehen. Ein würdiger Titel der Reihe und ein ungewöhnlicher Film noir mit Gesangseinlagen, endlich erstmals bei uns fürs Heimkino erschienen.

Die Film Noir Collection von Koch Films (vormals Koch Media):

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Veröffentlichung: 28. April 2016 als DVD

Länge: 82 Min. (europäische Fassung), 89 Minuten (US-Langfassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Casbah
USA 1948
Regie: John Berry
Drehbuch: Leslie Bush-Fekete, Arnold Manoff, Erik Charell (Musical-Story), nach einem Roman von Henri La Barthe (als Detective Ashelbe)
Besetzung: Yvonne De Carlo, Tony Martin, Peter Lorre, Märta Torén, Hugo Haas, Thomas Gomez, Douglas Dick, Katherine Dunham, Virginia Gregg
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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Die Nacht hat tausend Augen – Vom Fluch, die Zukunft zu kennen

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Night Has a Thousand Eyes

Gastrezension von Simon Kyprianou

Krimidrama // Bühnenmagier John Triton (Edward G. Robinson) arbeitet mit den typischen Tricks und Schwindeleien und tut so, als könne er die innersten Wünsche der Leute erkennen und ihre Zukunft voraussagen. Eines Tages beginnt er unvermittelt, wirklich in die Zukunft zu sehen – er kann schlimme Dinge erahnen, die passieren werden.

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Die Polizei glaubt Triton (2. v. l.) seine Geschichte nicht

Diese Bürde und die damit verbundene schuldhafte Verantwortung sind zu viel für seine Schultern. Triton verlässt seine Verlobte Jenny (Virginia Bruce) und seinen besten Freund Whitney Courtland (Jerome Cowan) und lebt über Jahrzehnte isoliert und anonym in der Großstadt. Eines Tages sieht er den Tod von Jennys Tochter Jean (Gail Russell) voraus. Sie und ihr Freund Elliot Carson (John Lund) schenken seiner Warnung keinen Glauben, doch immer mehr seiner Vorhersagen bewahrheiten sich.

Zärtliches Drama

Film noir trifft es im Fall von „Die Nacht hat tausend Augen“ nicht recht, es ist ein ganz wunderlicher, idiosynkratischer Film. Am ehesten kann man vielleicht von einem Mystery-Thriller sprechen, oder auch schlicht von einem zärtlichen Drama.

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Auch Carson (l.) ist skeptisch

Regisseur John Farrow erzählt seinen Film gewissenhaft und genau. In der ersten Hälfte erzählt er mit exzessiv gebrauchten Voice-over die Vorgeschichte seines Protagonisten. Die klug genutzte Stimme aus dem Off gibt die schmerzliche Innensicht auf Triton frei, dessen Gabe eher ein Fluch ist. Schuld und Gewissensbisse treiben Triton zur Flucht vor sich selbst in die Isolation.

Die Perspektive wechselt

Erst in der zweiten Hälfte stößt Farrow den Kriminal-Plot an, der als fesselnde Murder-Mystery inszeniert wird. Spannend zu beobachten ist auch der geschickte Perspektivwechsel, der zwischen den beiden Filmhälften stattfindet. Das Voice-over in der ersten Hälfte versetzt den Zuschauer in Tritons Perspektive, wohingegen die zweite Filmhälfte aus der Perspektive der Polizei, beziehungsweise Carsons Perspektive erzählt ist, also einer der Fähigkeiten Tritons gegenüber kritischen Sichtweise, sodass der Zuschauer vor die Wahl gestellt wird.

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Dennoch wird Jean unter Bewachung gestellt

Ganz grandios ist Edward G. Robinson, der still und leise spielt, von tiefer Trauer ergriffen. Sein tragisches Schicksal, dem er nicht entfliehen kann und das Farrow zu einem konsequent negativen Ende führt, erinnert dann doch wieder an den Film noir.

„Die Nacht hat tausend Augen“ ist ein wunderbarer Film. Erfreulich, dass er in der Koch Media Film noir Collection endlich bei uns veröffentlicht worden ist.

Die Film Noir Collection von Koch Media:

01. Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia, 1946)
02. Spiel mit dem Tode (The Big Clock, 1948)
03. Schwarzer Engel (Black Angel, 1946)
04. Desert Fury – Liebe gewinnt (Desert Fury, 1947)
05. Der schwarze Spiegel (The Dark Mirror, 1946)
06. Du und ich (You and Me, 1938)
07. Der General starb im Morgengrauen (The General Died at Dawn, 1936)
08. Der Mann mit der Narbe (Hollow Triumph, 1947)
09. Ausgestoßen (Odd Man Out, 1947)
10. Briefe aus dem Jenseits (The Lost Moment, 1947)
11. Chicago Joe und das Showgirl (Chicago Joe and the Showgirl, 1990)
12. Schritte in der Nacht (He Walked by Night, 1948)
13. Detour – Umleitung (Detour, 1945)
14. Das schwarze Buch (Reign of Terror aka The Black Book, 1949)
15. Zeuge gesucht (Phantom Lady, 1944)
16. Unter Verdacht (The Suspect, 1944)
17. Der unheimliche Gast (The Uninvited, 1944)
18. Ministerium der Angst (Ministry of Fear, 1944)
19. Die Killer (The Killers, 1946)
20. Opfer der Unterwelt (D.O.A., 1950)
21. Die Nacht hat tausend Augen (Night Has a Thousand Eyes, 1948)
22. Der gläserne Schlüssel (The Glass Key, 1942)
23. Casbah – Verbotene Gassen (Casbah, 1948)
24. Die Narbenhand (This Gun for Hire, 1942)
25. Die rote Schlinge (The Big Steal, 1949)

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als DVD

Länge: 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Night Has a Thousand Eyes
USA 1948
Regie: John Farrow
Drehbuch: Barré Lyndon, Jonathan Latimer, nach dem Roman von Cornell Woolrich
Besetzung: Edward G. Robinson, Gail Russell, John Lund, Virginia Bruce, William Demarest, Richard Webb, Jerome Cowan, Onslow Stevens
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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Opfer der Unterwelt – Bei Ankunft tot

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D.O.A.

Von Simon Kyprianou

Krimidrama // Eine eigentlich harmlose Urlaubsreise nach San Francisco bringt für den Rechtsanwalt Frank Bigelow (Edmond O’Brien) viel Unheil mit sich: Er wird in einer Bar vergiftet. Das Toxin, so teilen ihm die Ärzte mit, greift seine Organe an und wird ihn innerhalb der kommenden Tage unweigerlich töten. Bigelow nutzt die ihm bleibende Zeit, um mit seiner Freundin Paula (Pamela Britton) ins Reine zu kommen und seinen Mörder zu finden.

Bigelow will vor seinem Tod reinen Tisch machen

Die Prämisse ist natürlich hervorragend: Wir kennen das Ende, wir wissen, worauf der Film hinausläuft. In dieser Prämisse, die alle Hoffnung auf ein Happy End, auf Erlösung von Anfang an negiert, stecken der geballte Pessimismus und die Hoffnungslosigkeit des Film noir. Der Rest des Films ist in einer Rückblende erzähltes Aufklären der Begebenheiten, denn kurz vor seinem Tod schleppt sich Bigelow zur Polizei um alles zu erzählen.

Tour de Force eines Todgeweihten

Ganz in der Tradition von zum Beispiel „Tote schlafen fest“ hetzt Rudolph Maté seinen Protagonisten von einem Verdächtigen zum nächsten, lässt ein unübersichtliches Mosaik aus Beweisen, Indizien und Motiven entstehen, indem der Durchblick immer schwerer fällt. Der Regisseur beschleunigt seine Tour de Force durch ständige Ortswechsel, Telefonate und den situativ gegebenen Zeitdruck des sterbenden Protagonisten.

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Ein Sterbender jagt seinen Mörder

Stets mit der Gewissheit des unvermeidlichen Ausgangs im Fokus, inszeniert Maté, wie plötzlich das Unheil mit dem Leben eines gewöhnlichen Menschen kollidiert, der zuvor nie mit Verbrechen in Kontakt gekommen ist und wie er sich mit den Funktionalismen dieser Welt arrangieren muss. Dabei kam Maté bei seiner stilvollen Inszenierung sicher seine Vergangenheit als Kameramann zugute.

Bigelow quetscht die Femme fatale aus

Die finale Konfrontation mit dem Mörder inszeniert Maté im Gegensatz zum rasanten, ruhelosen Rest des Films wunderbar minimalistisch. Nüchtern treten sich Mörder und Opfer in einer tristen Szenerie gegenüber und Maté erzeugt einen großartigen Moment von bedrückender Stille. Im selben Gebäude, in dem hier Täter und Opfer aufeinandertreffen, fanden später auch Ridley Scotts „Blade Runner“ und J. Lee Thompsons „Murphys Gesetz“ mit Charles Bronson ihr Ende.

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Das Ende ist nah

Das 1988er-Remake „D.O.A. – Bei Ankunft Mord“ mit Dennis Quaid und Meg Ryan ist ebenfalls anständig geraten, erreicht aber nicht die Intensität des Originals. „Opfer der Unterwelt“, besser „D.O.A.“, wie er im Englischen heißt, was im Polizei-Jargon „Dead on Arrival“ („Beim Eintreffen tot“) bedeutet, ist ein wunderbar kalter, unerbittlicher Thriller, von Koch Media auf einer guten DVD veröffentlicht.

Die „Film Noir Collection“ von Koch Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als DVD

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: D.O.A.
USA 1950
Regie: Rudolph Maté
Drehbuch: Russell Rouse, Clarence Greene
Besetzung: Edmond O’Brien, Pamela Britton, Luther Adler, Beverly Garland, Lynn Baggett, William Ching, Neville Brand, Laurette Luez, Jess Kirkpatrick
Zusatzmaterial: Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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