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The Stalking Dead – Mein kopfloser Ex: Horror in YouTube-Ästhetik

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Clinger

Von Matthias Holm

Horrorkomödie // Die erste Liebe ist immer etwas ganz Besonderes. So auch für Fern Petersen (Jennifer Laporte). Allerdings merkt sie recht schnell, dass ihr Freund Robert (Vincent Martella) etwas zu anhänglich ist. Als Fern letzten Endes Schluss machen will, wird Robert dabei durch einen blöden Zufall geköpft. Das hält ihn nicht davon ab, Fern weiter seine Liebe zu gestehen – er kehrt als Geist zurück. Nun muss die Teenagerin also einen Geist loswerden, ohne Robert allzu sehr aufzuregen. Denn wütende Geister können ziemlich fies werden.

Amateurhaft in vielen Belangen

Dem unter anderem durch Kickstarter finanzierte Film sieht man sein schmales Budget an den meisten Stellen an. Vor allem aufgrund seiner amateurhaften, beinahe sterilen Optik und des simplen Schnitts hat man das Gefühl, ein überlanges YouTube-Video zu sehen. Auch die Schauspieler füllen ihre Rollen nicht wirklich aus, mit Ausnahme von Jennifer Laporte kommt niemand im Cast über das bloße Aufsagen des Textes hinaus.

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Was kann bei einer solchen Konstruktion schon schiefgehen?

Dafür punktet der Film an anderen Stellen. Jennifer Laporte ist wie erwähnt als Hauptfigur gut gewählt, sie vermittelt überzeugend den Liebes- und Leidensweg von Fern. Was „Clinger“ (engl. für Anhänger), so der passendere englische Titel, dann noch hervorhebt, ist sein Humor. Der herrscht vor allem in den Dialogen vor, die teilweise rabenschwarz, teilweise obskur und absurd sind. Hätte man Schauspieler mit einem besseren Gespür für Timing gehabt, wäre der Film eine ganze Ecke witziger ausgefallen.

Wenige, aber riesige Blutfontänen

Auch die Gewaltszenen stechen heraus. Davon gibt es zwar nicht viele, aber wenn sie da sind, wie die anfangs erwähnte Enthauptung, dann werden sie sehr gut und mit viel Kunstblut inszeniert – das passt zum Humor des Films. Zumindest hat man bisher keinen Film gesehen, in denen ein Mann brutal von Teddybären zerfetzt wird und dessen Geist daraufhin seine eigene Leiche wegträgt. Die Kuscheltiere werden übrigens allesamt gesprochen von Regisseur und Drehbuchautor Michael Steves. Der FSK war all das eine Freigabe ab 16 Jahren wert. Dass die Blu-ray und DVD mit einem FSK-18-Logo daherkommen, liegt an einigen FSK-18-Trailern im Zusatzmaterial.

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Sex mit Toten kann blutig werden

„The Stalking Dead – Mein kopfloser Ex“ ist ein B-Movie. Mehr erwartet man aber auch von nicht von einem Film, der mit 15.411 Dollar über Kickstarter finanziert wurde. Und dafür macht Michael Steves mit seinem ersten Langfilm einiges richtig, wenn auch nicht alle Zahnräder ineinander passen. Dafür haben wir aber einen kurzen, sehr unterhaltsamen Rohdiamanten. Und danach sucht man doch als Genre-Fan.

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Mit Spielzeugwaffen zur Geisterjagd

Veröffentlichung: 1. September 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 77 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Clinger
USA 2015
Regie: Michael Steves
Drehbuch: Gabi Chennisi, Bubba Fish, Michael Steves
Besetzung: Jennifer Laporte, Vincent Martella, Julia Aks, Shonna Major, Alicia Monet Caldwell, Taylor Clift
Zusatzmaterial: Filmtrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2016 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2016 Tiberius Film

 

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Filmgenres – Kriegsfilm: Überblick oder Kanon? (Buchrezension)

Filmgenres Kriegsfilm

Filmgenres – Kriegsfilm

Film // Wir Filmgucker wollen ja gern wissen, woran wir sind. Dafür brauchen wir Schubladen, aus cineastischer Sicht: Genres. Reclams „Filmgenres“-Reihe stellt einige davon vor. Da mich die Gattung des Kriegsfilms seit jeher interessiert hat, habe ich mir eben jenes Reclam-Buch vorgenommen.

Was ist ein Kriegsfilm?

Eine 20-seitige Einleitung der drei Herausgeber Thomas Klein, Marcus Stiglegger und Bodo Traber eröffnet das im typischen Reclam-Gelb gehaltene handliche Taschenbuch – die drei stellen später auch selbst ein paar Filme vor. Diese Einleitung ist sehr aufschlussreich und hätte durchaus etwas länger ausfallen dürfen, vielleicht aufgeteilt auf mehrere Texte. Zu mehreren erwähnten Aspekten würde ich gern mehr erfahren. Das beginnt schon bei der Definition des Terminus „Kriegsfilm“, den Autoren zufolge eine filmische Reflexion technisierter moderner Kriege seit dem Ersten Weltkrieg. Ich kann der Argumentation folgen, obwohl ich sie mir etwa in meiner eigenen Rubrik „Krieg“ nicht zu eigen mache – dort nehme ich ganz bewusst auch Filme wie „Der Löwe von Sparta“, „Die Normannen kommen“ und „300 – Rise of an Empire“ auf. Kurioserweise zweifle ich bei diesen Filmen tatsächlich, ob ich sie als Kriegsfilme deklarieren kann. Da wäre mir etwas mehr inhaltliches Futter hilfreich gewesen.

Was ist ein Antikriegsfilm?

Ein weiterer interessanter Aspekt ist die in der Einleitung aufgestellte These, der Erste Weltkrieg habe deshalb so viele als „Antikriegsfilme“ bezeichnete Werke hervorgebracht, weil dessen spezifische Struktur sich für die Darstellung der Sinnlosigkeit des Krieges besonders gut eigne: das vergebliche Sturmlaufen der Infanteristen aus den Schützengräben, die dabei massenweise niedergemäht werden. Davon ausgehend, hätte man trefflich über die Definition von „Antikriegsfilm“ reflektieren können, eine schwierige Frage, die mich seit längerer Zeit umtreibt. Das kommt leider zu kurz, wäre eine längere Abhandlung wert.

Die Neubelebung des Genres durch die Auswirkungen des „New Hollywood“ und des modernen Blockbuster-Kinos wird thematisiert, die Autoren beleuchten eine Kontinuität, die von „Die durch die Hölle gehen“ bis hin zu „Der schmale Grat“ reicht. Auch darüber hätte ich gern ausführlicher gelesen, aber das kann eine Einleitung natürlich nicht liefern, insofern werde ich das im Anschluss folgende Literaturverzeichnis zu Rate ziehen.

65 Filme von 1916 bis 2004

Verteilt auf 34 Autoren, stellt das Buch 65 Filme in chronologischer Folge ausführlich vor, beginnend mit dem britischen „The Battle of the Somme“ (1916) von Geoffrey H. Malins und Charles Urban, endend mit „Brotherhood“ (2004) von Kang Je-gyu, der wie so viele südkoreanische Filme die schmerzhafte und opferreiche Teilung Koreas thematisiert. Dazwischen finden sich natürlich Abhandlungen über die Filme, die einem bei der Nennung des Genres Kriegsfilm automatisch in den Sinn kommen: Das geht von Lewis Milestones „Im Westen nichts Neues“ („All Quiet on the Western Front“, 1930), David Leans „Die Brücke am Kwai“ („The Bridge on the River Kwai“, 1957), „Wege zum Ruhm“ („Paths of Glory“, 1957) von Stanley Kubrick und „Die Brücke“ (1959) von Bernhard Wicki über „Der längste Tag“ („The Longest Day“, 1962, diverse Regisseure), Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“, 1978), „Apocalypse Now“ (1979) von Francis Ford Coppola, Wolfgang Petersens „Das Boot“ (1981), Oliver Stones „Platoon“ (1986) und „Full Metal Jacket“ (1987) – erneut von Kubrick – bis hin zu Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ („Saving Private Ryan“, 1998) und Terrence Malicks „Der schmale Grat“ („The Thin Red Line“, 1998).

Kompakter Überblick

Es handelt sich ausnahmslos um ambitionierte bis große Werke, insofern kann durchaus von einem Kanon gesprochen werden, auch wenn die Herausgeber diesen pathetischen Begriff vermeiden. Das hat Vorteile. So bietet das Buch anhand der herausragenden Beiträge einen kompakten Überblick über die verschiedenen Epochen des Kriegsfilmgenres.

Wo sind die Schmuddelfilme?

Nachteil: Die schmuddeligen Streifen fehlen vollständig, etwa die billigen Italo-Radaufilme der 80er-Jahre. Ohnehin kann man sich die Frage stellen: Sind herausragende Filme überhaupt typisch für ein Genre? Sie heben sich ja gerade aus der Masse heraus. Andererseits: Sie haben das Genre geprägt.

Deutlich wird diese Lücke beispielsweise im Beitrag über Ridley Scotts „Black Hawk Down“, der 2001 von Bombast-Experte Jerry Bruckheimer produziert worden ist: Autor Vinzenz Hediger schlägt in seinem Text eine Brücke von John Fords Western „Der schwarze Falke“ („The Searchers“, 1956) zu Kriegsfilmen wie „Der Soldat James Ryan“ und eben „Black Hawk Down“: Das Motiv der Rettung Verschleppter sei in den 90er-Jahren im Kriegsfilmgenre zurückgekehrt, es habe sich geradezu als Subgenre entwickelt. Hediger verkennt dabei, dass etwa Chuck Norris schon 1984 in „Missing in Action“ Kriegsgefangene im Dschungel aus den Fängen des Vietcong befreit hat, Sylvester Stallone ein Jahr später in „Rambo II – Der Auftrag („Rambo – First Blood Part II“) ebenfalls. Nur sind das eben künstlerisch wenig anspruchsvolle, gar reaktionäre Radaufilme, die da unter den Radar fallen.

Nicht nur die üblichen Verdächtigen

Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn an der Qualität der Autoren ist nichts auszusetzen. Bei nahezu jedem Text sind mir Erkenntnisse vermittelt worden, die ich über den betreffenden Film noch nicht hatte. Und obwohl es doch in hohem Maße die üblichen Verdächtigen sind, die „Filmgenres – Kriegsfilm“ vorstellt, sind doch ausreichend Anregungen für Filme vorhanden, die einem zur Sichtung nicht ganz so schnell in den Sinn kommen wie „Apocalypse Now“, „Platoon“ und dergleichen.

Michael Verhoevens in bayerischer Mundart gehaltene deutsche Vietnam-Reflexion „o. k.“ mit Eva Mattes, Friedrich Thun und Gustl Bayrhammer sei als Beispiel genannt, die 1970 die Berlinale aufmischte. Auch „Johnny zieht in den Krieg“ („Johnny Got His Gun“, 1971) von Dalton Trumbo ist ein eher ungewöhnlicher Kandidat, weit mehr Psychodrama als Kriegsfilm und doch auf erschütternde Weise schreckliche Folgen des Krieges abbildend.

Auch die „08/15“-Trilogie ist Thema

Besonders löblich ist es, dass auch die drei Filme der erfolgreichen „08/15“-Reihe von Paul May aus den Jahren 1954 und 1955 vorkommen, jene deutschen Militär-Abenteuer nach der Vorlage von Hans-Hellmut Kirst. In diesen Filmen mit Joachim Fuchsberger sind so viele Aspekte des Zweiten Weltkriegs außen vor gelassen worden, dass sie maßgeblich dazu beitrugen, wie über Jahrzehnte das Bild vom braven deutschen Landser und der unbefleckten Wehrmacht in der bundesdeutschen Öffentlichkeit geprägt worden ist. Autor Knut Hickethier stellt das auf sechs Seiten anschaulich dar.

„Filmgenres – Kriegsfilm“ erfüllt nicht ganz meine Erwartungen, aber das liegt in erster Linie an eben diesen Erwartungen und nicht am Buch. Es liefert einen ausführlichen Überblick über prägende, wahlweise herausragende Beiträge zum Genre. Als Nachschlagewerk über die enthaltenen Filme kann es ebenso dienen wie zur Lektüre am Stück, um sich dem Kriegsfilm zu nähern. Trotz des wissenschaftlichen Duktus ist es verständlich geschrieben. Kennern wie Nichtkennern der Materie sei es empfohlen.

Autoren: diverse
Herausgeber: Thomas Klein, Marcus Stiglegger, Bodo Traber
Herausgeber der Reihe „Filmgenres“: Thomas Koebner
Deutsche Erstveröffentlichung: 2006
379 Seiten, 20 Abbildungen
Verlag: Philipp Reclam jun., Stuttgart
Preis: 9 Euro

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
 

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Marcus Stiglegger – Verdichtungen: Über den Zusammenhang von Mythos und Moderne im Film

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Verdichtungen

Gastrezension von Simon Kyprianou

Filmliteratur // Die Texte dieses Bandes ergründen die vielschichtige Dialektik zwischen Mythos und Moderne vor allem mit Blick auf die populäre Kultur und ihre Medien, um daraus deren Ikonologie und Mythologie verständlich zu machen.

So fasst Marcus Stiglegger sein Buch „Verdichtungen – Zur Ikonologie und Mythologie populärer Kultur“ zu Beginn des letzten Kapitels sehr schön und kompakt selbst zusammen. Es ist eine Arbeit über den Zusammenhang von Mythos und Moderne, über den Zusammenhang vermeintlicher Gegensätze, die öfter aufeinanderprallen als man vielleicht vermuten mag.

Einstieg mit Clint Eastwood

Schon die Eröffnung von Stigleggers Buch bereitet Vergnügen: ein Szenenfoto aus Clint Eastwoods „Pale Rider – Der namenlose Reiter“, einem Film, der ganz wunderbar mit Ikonographie spielt (und der beizeiten in der Clint-Eastwood-Reihe von „Die Nacht der lebenden Texte“ vorgestellt werden wird). Dieses Foto ebnet der Thematik des Buchs den Weg.

Stiglegger entfernt sich mit „Verdichtungen“ aber von dem Fokus auf Genre und vom Fokus auf einen bestimmten Filmemacher, vielmehr widmet er sich seiner keinesfalls leichten Grundfragestellung. Dabei geht er kaleidoskopisch vor, nähert sich der Frage von allen Seiten. Er untersucht dabei Themen wie Transzendenz, Opferrituale, Zombies, ikonische Momente, Stars, die Vergänglichkeit des Ikonischen und das Heldenbild in der Modere. In stets kurzen Kapiteln geht er auf die verschiedenen Arten der Ikonen ein, gibt einen Überblick über seine Gedankengänge, wobei er durchaus in die Tiefe geht.

George A. Romero und seine Zombies

Dabei sind seine Thesen mal brillant, hier und da auch mal streitbar, aber niemals beliebig, niemals uninteressant. Obendrein formuliert Stiglegger stets wunderbar. Besonders das Kapitel über Zombies ist wunderbar gelungen. Darin bezieht er sich vornehmlich auf George A. Romeros Filme und ihre politische und ideologische Ausrichtung. Ebenso aufschlussreich ist seine Analyse der Ikonen des Starsystems und deren Vergänglichkeit. Seine herangezogenen Filmbeispiele sind dabei weitläufig: Sie reichen von „Gladiator“ und „Die Passion Christi“, über „Martyrs“ bis hin zu „Das verflixte 7. Jahr“.

Stiglegger legt mit „Verdichtungen“ ein durch und durch wissenschaftlichen Ansprüchen genügendes Werk vor, dass sich Popkultur im Allgemeinen und Film im Besonderen nähert – und das von einer ungewöhnlichen, aber hochinteressanten Seite. Mit 170 Seiten Länge ist es ebenso elegant knapp gehalten wie sein klangvoller Titel. Ein überaus lesenswertes Buch, sehr ambitioniert und mit äußerst aufschlussreichen Erkenntnissen zur Beschäftigung mit Popkultur.

Zur Person Marcus Stiglegger

Über den Autor: Der Filmwissenschaftler Marcus Stiglegger hat laut eigenen Angaben einen „Hang zum Ungewöhnlichen“. Neben Professuren und Dozententätigkeit an verschiedenen Hochschulen ist er regelmäßiger Kolumnist für „Deadline – Das Filmmagazin“. Er produziert Bonusmaterial für die Labels Camera Obscura, FilmArt, Subkultur, Anolis, X Rated und ’84 Entertainment. Stiglegger ist zudem Musiker (Vortex, MARS) und hat 1999 das Drehbuch zur Episode „Auge um Auge“ der TV-Serie „Der Fahnder“ geschrieben.

Unter seinen zahlreichen Publikationen: „David Cronenberg“ (Bertz + Fischer, 2014), „Kurosawa – Die Ästhetik des langen Abschied“ (edition text + kritik, 2014), „Dario Argento – Anatomie der Angst“ (Bertz + Fischer, 2013), „Nazi-Chic und Nazi-Trash – Faschistische Ästhetik in der populären Kultur“ (Bertz + Fischer, 2011), „Terrorkino – Angst/Lust und Körperhorror“ (Bertz + Fischer, 2010), „Filmgenres – Kriegsfilm“ (Reclam, 2006), „Filmgenres – Western“ (Reclam, 2003)

Autor: Marcus Stiglegger
Deutsche Erstveröffentlichung: 17. September 2014 als Taschenbuch
168 Seiten
Verlag: Eisenhut Verlag Silvia Stolz-Wimbauer, Hagen-Berchum
Preis: 12,90

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 

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