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Schlagwort-Archive: Flüchtlinge

Gewinnspiel: 3 x Gestrandet auf DVD

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Verlosung

„Gestrandet“ dreht sich um fünf Asylsuchende aus Eritrea und ihren Aufenthalt in einer Gemeinde in Ostfriesland, wo sie während der Wartezeit auf ihren Asylbescheid untergebracht worden sind. Pandora Filmverleih hat mir von der Flüchtlings-Doku drei DVDs zum Verlosen zur Verfügung gestellt, die ich gern unters Volk bringe. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner!

Teilnahme am Gewinnspiel ist nicht schwer

Wie gelangt Ihr in den Lostopf? Ganz einfach: Begebt euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (genau: dort unter der Rezension, nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Mittwoch, 30. November 2016, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels Erfahrungen nicht beantworten, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen in der Verlosung. Nicht greinen, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache. Natürlich ist es völlig in Ordnung, Sorgen zu formulieren. Rechtsradikales Gedankengut und Wutbürger-Geseiere werde ich allerdings nicht hinnehmen.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen).

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die DVDs gewonnen haben

– Barbara,
– Wulf Brandt,
– Sebastian Graf.

Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Meine Rezension von „Gestrandet“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

 

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Gestrandet – Von Eritrea nach Ostfriesland

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Gestrandet

Von Volker Schönenberger

Flüchtlings-Doku // Integration durch Boßeln: Kaum sind Ali, Aman, Hassan, Mohammed und Osman im ostfriesischen Strackholt eingetroffen, werden sie schon eingeladen, an einem Wettkampf dieses Straßen-Volkssports teilzunehmen. Keine schlechte Idee, steht dabei doch ohnehin die Geselligkeit im Vordergrund. In Ostfriesland ist das Boßeln weit verbreitet.

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Deutschunterricht im Freien

Strackholt mit seinen 1.500 Seelen liegt im Landkreis Aurich, tief im ostfriesischen Hinterland. Weitab vom Weltgeschehen, möchte man meinen, aber von wegen: Anfang 2014 treffen fünf Flüchtlinge ein, um dort den Ausgang ihrer Asylverfahren abzuwarten. Sie alle stammen aus dem nordostafrikanischen Eritrea, einem Einparteienstaat, in dem Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind. In ihrer Heimat haben sie Familien zurückgelassen, zum Teil Frau und Kind, und den beschwerlichen Weg in die Ferne angetreten – die Route durch die Sahara bis nach Libyen, von dort übers Mittelmeer nach Europa. Wer in den vergangenen Jahren den Kopf nicht völlig im Sand stecken hatte, weiß, mit welchen Strapazen das verbunden gewesen sein muss und wie lebensgefährlich die Route ist.

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Hassan nimmt an einem Volkslauf teil

Der Ostfriese ist zweifellos bodenständig und womöglich recht pragmatisch von Natur. Sicher aber nicht so dumm, wie uns seit Jahrzehnten all die Ostfriesenwitze weismachen wollen (und da in der Doku kein Witz vorkommt, erzähle ich auch keinen). Jedenfalls nehmen speziell zwei Strackholter Bürger die fünf Neuankömmlinge zügig auf: Helmut Wendt, pensionierter Lehrer und Schuldirektor, und die Journalistin Christiane Norda. Mit einigen anderen Mitstreitern gründen die beiden den Asylkreis Aurich. Es gilt, ohne viel Tamtam tatkräftig Hilfe zu leisten. Helmut gibt den fünf Eritreern Deutschunterricht, erklärt beim Rundgang durchs Dorf auch mal Sinn und Funktionsweise des örtlichen Kondomautomaten. Christiane liest mit ihnen Behördenpost und begleitet sie aufs Amt. Die Ausweise werden zwecks Prüfung der Echtheit eingezogen, das dauert. Auch die Freizeit will gestaltet werden, wir sehen die Teilnahme an einem ostfriesischen Traditionslauf. Zum Schutz der fünf und ihrer Angehörigen werden sie lediglich mit ihren Vornamen vorgestellt, detaillierte biografische Daten bleiben ausgespart. Wir erfahren, dass Aman seine Frau in Eritrea zurücklassen musste, auch Mohammed hat noch Familie in Eritrea. Osman ist gehörlos, fern der Heimat ein zusätzliches Handicap.

Warten auf den Asylbescheid

Fünf Monate, zwölf Monate, 19 Monate – die Wartezeit auf den Asylbescheid zieht sich, das zehrt an den Nerven von Helfern und Geholfenen. Die 1983 geborene Dokumentarfilmerin Lisei Caspers kommt den fünf Eritreern in Strackholt mit ihrem Kameramann Fabian Klein sehr nah, zeichnet ihren Alltag und das Engagement der Helfer auf und verzichtet dabei auf jedes Pathos. Ehrenamtliche wie Flüchtlinge äußern sich auch gegenüber den Filmemachern, geben Beweggründe und Gefühle preis. Hier sind es speziell Aufnamen von Osman, die nachwirken – er verschafft sich mit Gebärden sehr plastisch und verständlich Ausdruck. Der Frust der Asylsuchenden über die lange Wartezeit macht sich bemerkbar, auch Helmuts Erwartungshaltung an die fünf führt zu kleinen Konflikten. Auf musikalische Untermalung verzichtet Liesei Caspers – gut so. Das sind zusammengesetzte Momentaufnahmen, denen bisweilen etwas die Dramaturgie zu fehlen scheint. Aus anderer Perspektive kann man aber auch unterstellen, dass die junge Regisseurin womöglich bewusst auf einen dramatischen Spannungsbogen verzichtet hat, um eine zurückgenommene Bestandsaufnahme vorzunehmen, die frei vom Verdacht jeder Willkommenskultur-Überdrehtheit ist. Es reicht ja schon, wenn Wutbürger versuchen, Helfer wie Christiane Norda und Helmut Wendt als Gutmenschen zu diskreditieren (und die Wutbürger damit nur ihr eigenes Schlechtmenschentum offenbaren).

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Christiane Norda ist unermüdlich

Apropos Wutbürger: „Gestrandet“ ist kein lautes Fanal gegen Fremdenhass, sondern ein leises Plädoyer für Nächstenliebe ohne Aufsehen und Anpacken ohne Scheu. Die Begegnungen zwischen Flüchtlingen auf der einen und Helferin, Helfer und anderen Bürgern auf der anderen Seite wirken im Einzelfall etwas unbeholfen. Es wird auch deutlich, dass die fünf Neuankömmlinge im beschaulichen platten Land absolute Exoten sind, die neugierig beäugt werden. Nichts gegen einzuwenden. Das Verständnis wächst, die Scheu schwindet.

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Das Warten zermürbt

Wir schaffen das“, hat mal jemand gesagt. Das war zu einem Zeitpunkt, als Christiane Norda und Helmut Wendt schon längst dabei waren, es zu schaffen, Ali, Aman, Hassan, Mohammed und Osman einen menschenwürdigen Aufenthalt zu ermöglichen. „Gestrandet“ bricht die Flüchtlingsdebatte herunter auf Menschen. Menschen, die zu uns kommen, sei es auf der Flucht vor bitterer Armut oder politischer Verfolgung; und Menschen, die sich für die Neuankömmlinge engagieren.

Humanismus tut Not

Vermutlich wird sich kein Wutbürger von der Doku davon abhalten lassen, bei der nächsten Demo wieder „Das Boot ist voll“ zu skandieren oder rassistisches Gedankengut zum Besten zu geben; aber als Gutmensch darf man doch ein wenig davon träumen, dass ein paar Unsichere und Unentschlossene „Gestrandet“ zufällig zu sehen bekommen und ein paar Denkanstöße mitnehmen – gar Denkanstöße, die sie von der dunklen Seite der Macht entfernen. Wer sich bewusst für die Sichtung der Doku entscheidet, hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin schon verinnerlicht, dass es keine Alternative zu humanistischem Verhalten gibt. Insofern ist es schwierig zu bestimmen, für wen „Gestrandet“ eigentlich gemacht ist. Trotz seiner provinziellen Verortung ist der Film doch ein Mosaikstein einer globalen Gemengelage, die uns auf viele Jahre begleiten wird. Schon deshalb lohnt sich „Gestrandet“. Prädikat sehenswert.

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Ein-Euro-Job im Straßenbau

Aus dem Presseheft des Films erfahren wir, dass Ali, Aman, Hassan, Mohammed und Osman mittlerweile allesamt als Flüchtlinge anerkannt worden sind. Amans Frau hat ebenfalls den riskanten Weg von Eritrea nach Deutschland bewältigt, die Eheleute sind vereint. Mohammed war dabei, seine Familie nachzuholen, Ali und Hassan sind gemeinsam in die Stadt gezogen (welche Stadt auch immer gemeint ist). Lediglich Osman lebte zuletzt noch in Strackholt, er sollte 2016 endlich Gelegenheit bekommen, die deutsche Gebärdensprache zu lernen. Christiane Norda und Helmut Wendt engagieren sich weiterhin in der Flüchtlingshilfe. Da kann man nur sagen: Hut ab!

Welche Erfahrungen habt Ihr in den vergangenen Jahren mit Flüchtlingen gemacht?

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Osman beim Einkauf – kein leichtes Unterfangen für einen gehörlosen Eritreer in Ostfriesland

Veröffentlichung: 18. November 2016 als DVD

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gestrandet
D 2016
Regie: Lisei Caspers
Drehbuch: Lisei Caspers
Zusatzmaterial: entfernte Szenen
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Pandora Filmverleih

 
 

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Seefeuer – Wo Ausnahmezustand Normalität ist

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Fuocoammare

Kinostart: 28. Juli 2016

Von Volker Schönenberger

Flüchtlings-Doku // Filmpreise dienen oft der Selbstbeweihräucherung einer glitzernden Showbusiness-Welt, bisweilen sind sie jedoch auch eindeutige – und wichtige – politische Statements. Das gilt ganz sicher für den Goldenen Bären der 66. Berlinale: Die Jury unter dem Vorsitz von Meryl Streep vergab die bedeutende Trophäe 2016 an den Dokumentarfilm „Seefeuer“, der das Leben auf Lampedusa zeigt. Die italienische Insel dient seit Jahren Flüchtlingen als erste Anlaufstation, die sich von Nordafrika aus auf die lebensgefährliche Fahrt durchs Mittelmeer mit Ziel Westeuropa begeben haben.

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Samuele wird leicht seekrank

Der italienische Filmemacher Gianfranco Rosi nahm für „Seefeuer“ drei weitere Preise aus Berlin mit nach Hause: den Amnesty International Filmpreis, den Preis der ökumenischen Jury und den Leserpreis der „Berliner Morgenpost“. Obendrein erhielt er mit dem Spezialpreis einen „Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke“. Verdiente Auszeichnungen für einen wichtigen Beitrag zur Flüchtlingsdebatte.

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Auf Lampedusa vertreibt er sich die Zeit

Die etwa 20 Quadratkilometer große Insel Lampedusa, zwischen Sizilien und Tunesien gelegen, gelangte seit März 2013 in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit, als 300 von dort kommende afrikanische Flüchtlinge in Hamburg eintrafen und sich unter massiver Unterstützung der Bevölkerung zu „Lampedusa in Hamburg“ gruppierten und in verschiedenen Unterkünften eine vorläufige Bleibe fanden, darunter der St. Pauli Kirche.

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Derweil spielt sich im Mittelmeer …

Regisseur Gianfranco Rosi bleibt mit seinen Bildern auf Lampedusa und in den umliegenden Gewässern. Wir lernen Samuele kennen, einen zwölfjährigen Insulaner, der sich die Zeit damit vertreibt, mit seiner Steinschleuder auf Kakteen zu schießen. Der etwas ungelenke Junge lockert den Film bei aller gebotenen Ernsthaftigkeit ein wenig auf. Auf dem Boot wird er seekrank, also weist ihn sein Vater an, sich auf Schwimmstegen im Hafen abzuhärten. Der Arzt Pietro Bartolo berichtet von Albträumen, die er nach Erlebnissen beim Retten von Flüchtlingen bekommt. Die Sprachbarriere erweist sich bei der Behandlung seiner Patienten als Hindernis.

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… ein permanentes Drama ab

Ohne belehrenden Kommentar wirken die Bilder für sich, auch auf dramatisierende Musik verzichtet der Regisseur. Die Gegenüberstellung an sich harmloser Alltagsverrichtungen der Inselbewohner mit dem Alltagsdrama der Flüchtlinge auf See wirkt nachhaltig und braucht keine künstliche Verstärkung der Dramaturgie. Wer die humanistischen und humanitären Grundlagen in seinem Inneren mit sich trägt, versteht auch so. Filmguckern ohne menschenfreundliche Gesinnung hilft auch keine plakative Inszenierung.

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Unterkühlt und dehydriert

Immer wieder Rettungsaktionen auf See. Auch beklemmende Bilder bleiben uns nicht erspart. Wir bekommen von Seelenverkäufern gerettete Menschen zu sehen, apathisch, starr, völlig dehydriert, dem Tod näher als dem Leben. Wer überlebt, wer stirbt – es bleibt offen. Am Ende Leichen.

Recht so, Berlinale!

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Hoffnung Europa?

Länge: 108 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fuocoammare
IT/F 2016
Regie: Gianfranco Rosi
Drehbuch: Gianfranco Rosi
Mitwirkende: Samuele Pucillo, Pietro Bartolo, Maria Costa, Francesco Mannino, Samuele Caruana, Giuseppe Fragapane, Francesco Paterna, Mattias Cucina, Maria Signorello
Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Filmplakat & Trailer: © 2016 Weltkino Filmverleih GmbH, Fotos: © 2016 21 Uno Film

 

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