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Jumanji – Willkommen im Dschungel: Vom Brett- zum Videospiel

Jumanji – Welcome to the Jungle

Kinostart: 21. Dezember 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Abenteuer // Das Fortsetzen alter Stoffe scheint neben Reboots, Remakes und Franchises ein neues Markenzeichen von Hollywood zu werden. Im vergangenen Jahr hatte man so zum Beispiel bereits den unsäglichen zweiten „Independence Day“-Teil, dieses Jahr wurde, qualitativ hochwertig, „Blade Runner“ fortgesetzt. Nun wird, 22 Jahre nach dem Original und 12 Jahre nach dem Quasi-Spin-off „Zathura“, auch „Jumanji“ mit Robin Williams weitergeführt.

Gefangen im Videospiel

Vier Teenager (Alex Wolff, Morgan Turner, Ser’Darius Blane, Madison Iseman) der gängigen Highschool-Klischees werden zum Nachsitzen verdonnert. Beim Entrümpeln finden sie eine alte Videospiel-Konsole mit dem Spiel „Jumanji“. Doch aus einer flotten Partie zwischendurch wird nichts – die vier werden wortwörtlich in die Spielwelt gezogen. In Gestalt ihrer ausgewählten Avatare (Dwayne Johnson, Karen Gillan, Kevin Hart, Jack Black) müssen sie nun die Dschungel-Landschaft von Jumanji vor einem bösen Despoten (Bobby Cannavale) retten, der die Kontrolle über das gesamte Tierreich übernommen hat.

Die vier Helden müssen sich gegen …

22 Jahre sind eine lange Zeit. Dessen sind sich wohl auch die Macher von „Jumanji – Willkommen im Dschungel“ bewusst. Wo zum Beispiel „Blade Runner 2049“ darauf aufbaute, dass die Kinobesucher den Vorgänger kennen, gibt es hier nur einige kleine, aber feine Referenzen auf den Originalfilm. So verprellt man sich zwar nicht seine jüngere Zielgruppe, holt aber auch nicht alle Nostalgie-Fans ab. Auch wirken die Gefahren, die hier im Dschungel lauern, im Gegensatz zu den ausufernden Eskapaden aus dem ersten Film erstaunlich zahnlos – statt verrückter Kreaturen werden meist gesichtslose Schergen bekämpft. Somit hätte der Film problemlos etwas Eigenständiges sein können – allerdings tut das „Jumanji“-Branding nicht weh.

Mit viel Spaß bei der Arbeit

Denn „Jumanji – Willkommen im Dschungel“ ist ein launiger Film. Man merkt allen Beteiligten an, wie viel Spaß sie bei ihrer Arbeit hatten. Der erste Teil in der Schule trieft nur so vor Klischees, ist aber versiert genug inszeniert, um ein Interesse für die Figuren zu wecken. Dass man es hier mit Archetypen zu tun hat, hilft dann auch beim Videospielpart, die Figuren zu brechen. So spielen alle vier Protagonisten ein krasses Gegenteil von sich selbst: Zum Beispiel wird der schüchterne, Gefahren vermeidende Nerd zum muskelbepackten Superhelden. Das funktioniert meist gut, gerade Jack Black als Avatar einer selbstverliebten, Instagram-süchtigen jungen Frau ist zum Brüllen komisch.

… Flusspferde …

Leider fällt Kevin Hart ein wenig raus. Nachdem er mit Dwayne Johnson bereits in „Central Intelligence“ gezeigt hat, dass er nicht nur den Haudrauf-Komiker geben kann, fällt er hier in alte Muster zurück. Das passt gar nicht zu der manchmal aufbrausenden, aber eher reservierten Figur, die vorher von Ser’Darius Blane verkörpert wurde. So entsteht ein Kontrast, der gerade dadurch hervorsticht, dass dies nur bei diesem Figuren-Paar der Fall ist.

Setting wird kaum genutzt

Dennoch spielen sich alle mit einem gehörigen Schuss Selbstironie durch die äußerst simple Geschichte. Die wird durch einige Videospiel-Elemente – wie Charakter-eigene Stärken und Schwächen – aufgepeppt, die sogar für einige Lacher sorgen. Aber auch hier wurde wieder einiges an Potenzial verschenkt, Stichwörter wie „Cutscenes“ fallen vielleicht ein bis zwei Mal, aber außer in ein paar Momenten wird das Setting wenig genutzt.

… Motorradfahrer und …

„Jumanji – Willkommen im Dschungel“ wird vermutlich nicht den Kultstatus erreichen, den sein Vorgänger innehat, dafür hat er zu viele Schwächen. Dennoch gibt es genügend spaßige Szenen und Interaktionen, sodass die zwei Stunden Laufzeit enorm schnell vergehen. Wer über schlecht getrickste CGI-Kreaturen und einige Versäumnissen hinwegsehen kann, wird sicherlich eine gute Zeit im Kino haben.

… Albino-Nashörner zur Wehr setzen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Dwayne Johnson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Jumanji – Welcome to the Jungle
USA 2017
Regie: Jake Kasdan
Drehbuch: Chris McKenna, Jeff Pinker, Scott Rosenberg, Erik Sommers, nach deinem Buch von Chris Van Allsburg
Besetzung: Dwayne Johnson, Karen Gillan, Jack Black, Kevin Hart, Bobby Cannavale, Nick Jonas, Alex Wolff, Morgan Turner, Ser’Darius Blane, Madison Iseman
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 

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Ostwind – Aufbruch nach Ora: Auf Spurensuche in Spanien

Ostwind – Aufbruch nach Ora

Von Volker Schönenberger

Familien-Abenteuer // Mika (Hanna Binke) träumt mal wieder – diesmal von einem seltsamen Symbol, das Pferde ins Heu getrampelt haben. Ihr Freund Milan (Jannis Niewöhner) weist sie darauf hin, dass es sich bei dem Symbol um ein Brandzeichen handelt – das ihres Hengstes „Ostwind“. Mika geht der Spur der Herkunft ihres Pferdes nach und findet heraus, dass „Ostwind“ offenbar von einem alten Gestüt im spanischen Andalusien stammt. Ihre Tätigkeit als „Pferdeflüsterin“ im zum Therapiezentrum umfunktionierten Gestüt Kaltenbach nervt sie sowieso gerade – zu viele ignorante Pferdebesitzer ohne Gespür für ihre Tiere erwarten Wunderdinge von ihr. Also auf nach Andalusien! Natürlich nicht ohne „Ostwind“, ist ja klar.

Abschied von Milan – Mika bricht nach Andalusien auf

Nachdem „Ostwind – Zusammen sind wir frei“ (2013) und „Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach“ (2015) hauptsächlich rund um das Gestüt Kaltenbach spielten, geht es in Teil 3 auf die iberische Halbinsel. Diesmal muss Mika vollständig ohne ihre von Nina Kronjäger und Jürgen Vogel verkörperten Eltern auskommen, und Gestütsbesitzerin Maria Kaltenbach (Cornelia Froboess) sowie Herr Kaan (Tilo Prückner) sind eher Randfiguren zu Beginn und am Ende. Immerhin reisen ihr ihre Freundin Fanny (Amber Bongard) und Kumpel Sam (Marvin Linke) bald hinterher. Der Wiedererkennungswert ist also trotz allem hoch.

Ora zu finden, erweist sich …

Neu an Bord ist Sam 2: Sam(antha) (Lea van Acken, „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“) ist die Tochter des andalusischen Gestütsbesitzers Pedro (Thomas Sarbacher), der in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckt. Mika kommt dort als Saisonaushilfe unter und freundet sich nach schwierigem Start mit Sam an. Deren Tante Tara (Nicolette Krebitz) hat sich mit ihrem Bruder – Sams Vater – zerstritten und lebt als Eremitin in der Ruine eines alten Gestüts – eben jenes Gestüts, von dem „Ostwind“ stammt.

… als gar nicht so einfach

Ging es im ersten Film um ein Mädchen, das zu sich selbst und seiner Bestimmung finden muss, und im zweiten um die finanzielle Schieflage des Gestüts Kaltenbach und ein geheimnisvolles weißes Pferd im Wald, so ist diesmal ein andalusischer Pferdehof zu retten. Das soll mit der Wiederbelebung eines traditionsreichen Pferderennens gelingen, das zuletzt vor Jahrzehnten ausgetragen worden war.

An der Quelle

Mehr noch als die beiden Vorgänger setzt „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ auf Pferdebilder. Die setzt Regisseurin Katja von Garnier („Bandits“) gewohnt eindrucksvoll in Szene, zumal auch andalusische Wildpferde eine Rolle spielen. Der Soundtrack spielt dabei eine wichtige Rolle, schwillt zu den gern in Zeitlupe gehaltenen Bildern der anmutigen Tiere in Bewegung stets an. Die Story ist dabei nicht unbedingt nebensächlich, ihre Wendungen sind allerdings recht vorhersehbar und simpel. In Teil 2 wurde das Gestüt Kaltenbach am Schluss auch eher im Vorbeigehen gerettet, das ist hier nicht viel anders.

Der Start mit Sam gestaltet sich schwierig

Nicht jeder situationskomische Gag sitzt, aber der Komödienanteil bildet auch keinen Schwerpunkt. Etwas unfreiwillig komisch wirkt allerdings der an sich versierte Martin Feifel in der Rolle des ersten spanischen Reiters, dem Mika begegnet – später bekommt seine Figur noch anderweitige Bedeutung. Klar, dass er Mika als „Chica“ ansprechen muss. Vielleicht hätte man bei der Besetzung einiger Rollen erwachsener Spanier etwas über den Tellerrand deutscher TV-Schauspieler hinausschauen müssen, das gilt auch für den Rancher Pedro und seine Schwester.

Wieder vereint

Bleibt abschließend die Bewertung durch die Zielgruppe: Meine neunjährigen Zwillingstöchter waren wie von den beiden Vorgängern auch von „Ostwind – Aufbruch nach Ora“ begeistert, ihre Freundinnen ebenfalls. Also wohl alles richtig gemacht.

„Ostwind“ ist zu Hause

Veröffentlichung: 7. Dezember 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Ostwind – Aufbruch nach Ora
D 2017
Regie: Katja von Garnier
Drehbuch: Lea Schmidbauer
Besetzung: Hanna Binke, Jannis Niewöhner, Amber Bongard, Marvin Linke, Lea van Acken, Tilo Prückner, Cornelia Froboess, Thomas Sarbacher, Nicolette Krebitz, Martin Feifel
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Packshot & Trailer: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH, Fotos: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH / SamFilm GmbH / Marc Reimann

 

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Paddington 2 – Leckere Orangenmarmelade

Paddington 2

Kinostart: 23. November 2017

Von Matthias Holm

Familienkomödie // 2014 überraschte Regisseur Paul King viele Zuschauer. Seine Adaption des „Paddington“-Stoffs erwies sich als zeitgemäß, blieb aber gleichwohl der Vorlage treu. Nun folgt der zweite Teil um den peruanischen Bären mit rotem Hut und Dufflecoat – und der übertrumpft seinen sympathischen Vorgänger sogar.

Dieb Paddington?

Tante Lucy wird 100. Ein stolzes Alter für Bären. Da reicht die selbst gemachte Orangenmarmelade nicht, Paddington (deutsche Stimme: Elyas M’Barek) muss ein besonderes Geschenk besorgen. Sein Auge fällt auf ein schönes Pop-up-Buch über London, was jedoch nicht ganz billig ist. Zwar sammelt Paddington mit einigen Jobs das nötige Geld ein, doch plötzlich wird das Buch gestohlen – und Paddington verdächtigt! Während der Bär das Leben im Gefängnis ordentlich aufmischt, versucht Paddingtons Ziehfamilie Brown, den wahren Täter zu finden.

Paddington entdeckt das perfekte Geschenk

Die große Stärke des ersten Films war es, dass eine bekannte Geschichte – das Zusammenfinden der Familie – mit ordentlich Slapstick und einer großen Menge an Kreativität gewürzt wurde. Auch diese Elemente finden sich im zweiten Teil wieder, so befindet sich zum Beispiel Mr. Brown (Hugh Bonneville) in einer Midlife-Crisis und Sohn Jonathan (Samuel Joslin) möchte aus irgendeinem Grund nur noch J-Dogg genannt werden. Durch die unbedarfte Perspektive von Paddington wirken diese durchaus bekannten Probleme wieder so skurril, dass man sich das Lachen nur schwer verkneifen kann.

Hugh Grant als heimlicher Star

Das Tolle aber an „Paddington 2“ ist, dass er nicht nur ein bloßer Aufguss von Teil 1 ist. Vielmehr sind das Teile der Geschichte, aber der große Plot um das Pop-up-Buch nimmt einen viel größeren Teil ein. Hier darf einer der Neuzugänge glänzen: Hugh Grant ist als nicht mehr allzu gefragter Schauspieler Phoenix Buchanan der heimliche Star des Films. Eitel, überkandidelt und in den seltsamsten Verkleidungen treibt er den Plot voran, der einen schönen Twist in Richtung Abenteuer erhält.

Was plant Buchanan?

Währenddessen darf Paddington sich wieder austoben. Ob im Friseursalon, als Fensterputzer oder in der Gefängnisküche, wo der Bär hingeht folgt ihm das Chaos. Und das ist auch gut so! Die Slapstick-Momente sind natürlich vollkommen übertrieben, gefallen aber mit ihren immer absurder werdenden Kapriolen Jung wie Alt. Dass neben diesen humoristischen Einlagen auch sehr herzliche Momente Einzug in die Familienkomödie erhalten und sie so nicht zur bloßen Nummern-Revue verkommt, ist dem Team hoch anzurechnen.

Für die ganze Familie

Dazu kommt die Kreativität in der Gestaltung. Ob nun der famose Soundtrack von Dario Marianelli oder unzählige kluge Wortspiele, Bildideen und Szenenübergänge, „Paddington 2“ ist zu jeder Zeit eine Wonne für die Sinne. Wenn da noch ein perfekt aufgelegtes Schauspiel-Ensemble hinzukommt, in dem sowohl die alten Bekannten, neuen Freunde und diversen Gaststars ihr Bestes geben, steht einem perfekten Familienfilm nichts im Wege. Auch wenn man danach großen Hunger auf Orangenmarmelade hat.

Die Browns wollen Paddington helfen

Zur Rezension des Vorgängers geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sally Hawkins sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Brendan Gleeson und Hugh Grant unter Schauspieler.

Knastkoch Knuckles (Brendan Gleeson)

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Paddington 2
GB 2017
Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King, Simon Farnaby, Jon Croker, nach den „Paddington“-Büchern von Michael Bond
Besetzung: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Samuel Joslin, Madeline Harris, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Peter Capaldi
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Studiocanal Filmverleih GmbH

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2017/11/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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