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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri – Bittere Anklage per Werbetafel

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Kinostart: 25. Januar 2018

Von Volker Schönenberger

Drama // Vier Golden Globes stehen bereits zu Buche – als bestes Drama, für Martin McDonaghs Drehbuch, Hauptdarstellerin Frances McDormand und Nebendarsteller Sam Rockwell. Bei den Oscars ist „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ für sieben Trophäen nominiert und geht als einer der Favoriten ins Rennen. Guillermo del Toros „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ hat allerdings satte 13 Oscar-Nominierungen eingesackt

Mildred stellt drei Anklageschilder auf …

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ – das sind drei großflächige Werbetafeln am Rande der Gemeinde Ebbing, die die 50-jährige Mildred Hayes (Frances McDormand) für ein Jahr mietet. 5.000 Dollar zahlt sie dafür an den Verkäufer Red (Caleb Landry Jones), und lässt in schwarzen Lettern auf knallig rotem Grund drei Schriftzüge anbringen: „Raped, while dying“ („Vergewaltigt, während sie im Sterben lag“) und „And still no arrests?“ („Immer noch niemanden verhaftet?“) und „How come, Chief Willoughby?“ („Wie kann das sein, Polizeichef Willoughby?“)

Kein Mitleid mit dem todkranken Polizeichef

Sieben Monate zuvor war ihre Tochter Angela vergewaltigt und ermordet worden, und Mildreds Trauer weicht zunehmend einer Wut auf die örtliche Polizei, weil die ihrer Meinung nach nichts tut, um den Täter zu finden. Sie lässt sich in ihrem Aktionismus auch nicht davon erweichen, dass Polizeichef Willoughby (Woody Harrelson) in einigen Monaten an Krebs sterben wird. Damit bringt sie nicht nur dessen Mitarbeiter gegen sich auf, sondern viele Leute im Ort. Auch ihrem Sohn Robbie (Lucas Hedges) fehlt zunehmend das Verständnis für seine Mutter.

… und stellt so die örtliche Polizei bloß

Mit feinen Hinweisen auf polizeilichen Rassismus birgt das Drama einigen Zündstoff für die US-Gesellschaft. „So how is it all going in the nigger torturing business, Dixon?“ „It’s persons of color torturing business these days.“ („Wie läuft’s im Nigger-Foltern-Geschäft, Dixon?“ „Heutzutage heißt das Menschen-anderer-Hautfarbe-Foltern-Geschäft.“) „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ setzt ganz auf starke Dialoge mit viel schwarzem Humor. Aber es ist kein grobschlächtiger Humor, und er wird begleitet von etlichen überaus bewegenden Momenten, wenn sich die Tragik einiger Figuren offenbart. Die Dialoge erfordern Aufmerksamkeit, dennoch empfehle ich die Originalfassung, auch wenn sie aufgrund provinziellen Slangs noch mehr Konzentration erfordert. Die deutsche Synchronisation kenne ich allerdings nicht, sie mag anständig sein.

Große Schauspielkunst

Der ursprünglich aus dem Theater kommende Regisseur Martin McDonagh hat das Erzähltempo genau austariert. Im kleinen Ebbing – ein fiktiver Ort – geht es ruhig zu, das schlägt sich in der Handlung nieder. Dennoch sind über die gesamte Laufzeit keinerlei Längen zu verzeichnen. Große Schauspielkunst konnte erwartet werden, sie wird auch geboten. Oscar-Prognosen sind immer schwer, aber wenn sich Frances McDormand Anfang März neben ihren Academy Award für „Fargo – Blutiger Schnee“ dessen Zwillingsbruder ins Regal stellen kann, könnten sich ihre Konkurrentinnen um die Hauptdarstellerinnen-Trophäe nicht beklagen. Mal fühlt man enorm mit ihrer Mildred, mal bringt sie einen gegen sich auf, wenn sie sich wieder mal wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt. Diesen Zwiespalt soll McDormand erst einmal eine nachmachen. Sie ist unbestreitbar eine der großen Schauspielerinnen unserer Zeit.

Der todkranke Willoughby kann sie nicht erweichen

Als Nebendarsteller konkurrieren mit Woody Harrelson und Sam Rockwell gleich zwei Ensemble-Mitglieder von „Three Billboards …“ um den Oscar, und ich weiß wirklich nicht, wem ich den Goldjungen mehr gönnen würde. Rockwell spielt den Cop Dixon – und sich die Seele aus dem Leib, aber Harrelson liefert einmal mehr eine enorm souveräne Leistung ab. Rockwells Rolle ist vielleicht etwas vielschichtiger angelegt und damit schauspielerisch dankbarer. Na ja – auch in ihrer Kategorie ist die Konkurrenz bemerkenswert. In einer kleinen, aber feinen Nebenrolle ist „Game of Thrones“-Star Peter Dinklage zu sehen.

Premiere in Venedig

„Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ feierte im September 2017 beim Filmfestival in Venedig Premiere und erhielt dort mit dem Golden Osella Award für das Drehbuch gleich den ersten Preis. Auf einer ausgiebigen Festivaltour hagelte es weitere Auszeichnungen und Nominierungen. Vielleicht wird es am Ende ein Oscar, vielleicht werden es sieben, auch eine Zahl dazwischen oder gar keiner sind denkbar, aber so oder so: Großes Schauspielerkino adelt ein tolles Drehbuch. Einen Oscar hat Martin McDonagh bereits: 2006 wurde er für seinen Kurzfilm „Six Shooter“ prämiert. Mit seiner dritten Langfilm-Regiearbeit nach „Brügge sehen… und sterben?“ (2008) und „7 Psychos“ (2012) schiebt sich der englische Drehbuchautor und Regisseur weit in die Liga von Hollywoods Spitzen-Filmemachern hinein. McDonaghs älterer Bruder John Michael schreibt ebenfalls Drehbücher und führt Regie, bislang fürs Kino bei „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“, „Am Sonntag bist du tot“ und „Dirty Cops – War on Everyone“.

Der zornige Dixon ebenfalls nicht

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Frances McDormand sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Woody Harrelson unter Schauspieler.

Auch Robbie hat es nicht leicht mit seiner Mutter

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
USA/GB 2017
Regie: Martin McDonagh
Drehbuch: Martin McDonagh
Besetzung: Frances McDormand, Woody Harrelson, Sam Rockwell, Caleb Landry Jones, Kerry Condon, Alejandro Barrios, Jason Redford, Darrel Britt-Gibson, Abbie Cornish, Peter Dinklage
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 

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Arlo & Spot – Wenn Dino und Mensch Freunde werden

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The Good Dinosaur

Kinostart: 26. November 2015

Von Matthias Holm

Computertrick-Abenteuer // Zwei Filme in einem Jahr? Ein Fest für alle Pixar-Fans! Nachdem bereits „Alles steht Kopf“ für mich ein absoluter Geniestreich war, bringt das Animations-Studio zum ersten Mal in seiner Geschichte einen weiteren Film im selben Jahr heraus. Die Geschichte hinter „Arlo & Spot“ ist allerdings turbulent: Ursprünglich für 2013 angekündigt, gab es immer wieder Probleme beim Ausarbeiten der Handlung. Leider merkt man das den Film auch an.

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Ob dieser sonderbare Geselle den Weg kennt?

Arlo lebt zusammen mit seiner Familie auf einer Farm. Während seine Geschwister fleißig bei der Arbeit helfen, bleibt für den kleinen Dinosaurier nur das Füttern der Hühner über. Doch schon bald möchte sich Arlo beweisen, indem er den Futterdieb fängt, der die Farm plagt. Durch einen unglücklichen Zufall wird der sanftmütige Dinosaurier von seinem Zuhause weggespült. Also macht er sich auf den Heimweg – und trifft dabei jenen Futterdieb, einen jungen Menschen.

Meteorit oder nicht Meteorit?

Die Prämisse: Der berühmte Meteorit hat die Erde nicht getroffen, die Dinosaurier konnten weiterleben. Das ist interessant, nur bringt es erzählerisch nicht wirklich etwas, sondern wird lediglich für einen guten Anfangsgag benutzt. Im Grunde genommen hätte man auch ein normales Dinosaurier-Setting nutzen und die Menschen durch andere Tiere ersetzen können. Auch wenn es schon sehr lustig ist, dem Jungen Spot dabei zuzusehen, wie er sich wie ein Hund verhält.

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Eine merkwürdige Reisegruppe

„Arlo & Spot“ ist ein Film voller Gegensätze. In erster Linie möchte er ein Kinderfilm sein und schafft das auch über weite Strecken beinahe perfekt. Doch hin und wieder kommen erstaunlich düstere Themen und Dialoge, die man in einem Animationsfilm nicht unbedingt erwartet. Zu nennen seien da der Triceratops im Wald, der all seinen Haustieren Namen wie „Killer“ gibt, und die Geschichten von drei Tyrannosaurus Rex und wie sie zu ihren Narben gekommen sind.

Homage an den Western

Gerade der Abschnitt mit den Fleischfressern fühlt sich seltsam losgelöst vom Rest des Films an. Nachdem wir über weite Strecken eine typische „Finde den Weg nach Hause“-Geschichte gesehen haben, wechselt „Arlo & Spot“ auf einmal das Genre und wird zu einer Western-Hommage. Und auch wenn die gut inszeniert ist und sehr viel Spaß bringt – aus einem Guss wirkt das alles nicht, eher wie Flickwerk.

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Lagerfeuer-Romantik

Doch zum Glück wissen die Leute bei Pixar, wie man an Emotionen rüttelt. Dafür brauchen sie nicht mehr außer ein paar einfache, aber extrem eindringliche Bilder. Und die funktionieren einwandfrei, ich hatte für die Pressevorführung zu wenige Taschentücher eingepackt. Allerdings überspannen die Drehbuchautoren auch hier leider den Bogen für ihre Zielgruppe zu sehr. Denn auch wenn das erste dramatische Ereignis ein durchaus bekanntes Motiv aufweist, ist die Inszenierung so düster geraten, dass ein Elternteil bei der Pressevorführung mit dem Kind hinausgehen musste.

Trotz allem gut

Dennoch ist „Arlo & Spot“ ein guter Film. Die Witze sitzen zu 99 Prozent und die Animationen sehen fabelhaft aus. Gerade die Natur ist perfekt animiert, das Wasser sieht zum Beispiel richtig gut aus. Die etwas rundlich wirkenden Figuren setzen dazu ein harmonisches Gegenstück und wirken vor allem für die Jüngeren extrem knuffig.

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Glühwürmchen gehen immer

Am ehesten kann man den Film mit „Oben“ und „Merida – Legende der Highlands“ vergleichen. Denn obwohl die Geschichte äußerst konventionell erzählt wird, macht er doch mehr Spaß als so mancher Film anderer Animationsstudios. Dass Pixar dabei nicht der zweite ganz große Wurf des Jahres gelungen ist, sei ihnen verziehen.

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: The Good Dinosaur
USA 2015
Regie: Peter Sohn
Drehbuch: Peter Sohn, Eric Benson, Meg LeFauve, Kelsey Mann, Bob Peterson
Originalsprecher: Jeffrey Wright, Frances McDormand, Raymond Ochoa, Jack Bright, Sam Elliot
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakate, Szenenbilder & Trailer: © 2015 Disney/Pixar. All Rights Reserved.

 

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Fargo – Blutiger Schnee: Kristallklare Kälte

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Krimidrama // Wie konnte ich nur aus den Augen verlieren, was für ein wunderbarer Film „Fargo – Blutiger Schnee“ ist? Allein die erste Szene, in der mit William H. Macy, Steve Buscemi und Peter Stormare drei großartige Schauspieler aufeinandertreffen: Autoverkäufer Jerry Lundegaard (Macy) heuert im Winter des Jahres 1987 in Fargo (North Dakota) die beiden Ganoven Carl Showalter (Buscemi) und Gaear Grimsrud (Stormare) an, seine Frau zu entführen. Das Lösegeld will er mit den beiden teilen, weil er in Geldnot steckt.

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Eher ein Würstchen: Autoverkäufer Jerry

Der verunsicherte Autohändler, der sich souverän gebende Carl (tatsächlich ist er es nicht), der kein Wort verlierende Gaear – toll! Die Entführung in Minneapolis (Minnesota) gelingt den beiden Berufskriminellen noch einigermaßen, doch bald pflastern Leichen ihren Weg. Das ruft im Provinzort Brainerd die hochschwangere Polizistin Marge Gunderson (Frances McDormand) auf den Plan. Marge geht bedächtig vor, erweist sich aber als cleverer als Jerry, Carl und Gaear zusammen – was allerdings nicht allzu schwierig ist.

Die wunderbare schneebedeckte Provinz wird von obskuren Gestalten bevölkert. Die Gewaltausbrüche sind drastisch (die Häckslerszene!), der Humor ist staubtrocken und lakonisch, die musikalische Untermalung sparsam, aber wirkungsvoll. Für ihr Originaldrehbuch erhielten die Coen-Brüder verdiente Oscars, auch McDormands brillante zurückgenommene Darstellung der hartnäckigen Ermittlerin war der Academy die Trophäe wert – der Oscar als beste Hauptdarstellerin 1997 katapultierte sie in Hollywoods A-Liga.

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Polizistin Marge ermittelt beharrlich

Der Film ist bereits 2009 erstmals auf Blu-ray erschienen. Nun hat Twentieth Century Fox Home Entertainment dem Coen-Kleinod eine Frischzellenkur in Form eines neuen digitalen Transfers spendiert, der sich sehen lassen kann. Da mir auch die ältere Blu-ray vorlag, war ein Vergleich möglich: Das neue Bild erstrahlt in ganzer Pracht, Körnigkeit wurde weitgehend eliminiert (wobei Körnigkeit bei älteren Filmen nicht zwangsläufig stört). Über die Tonqualität ist mangels geeigneter Surround-Ausstattung kein Urteil möglich. Ob das Bild den Austausch der Blu-ray rechtfertigt, ist schwer zu bewerten. Wer „Fargo – Blutiger Schnee“ als Coen-Connaisseur jedoch bislang nur in DVD-Form vorliegen hatte, dem sei das Upgrade ans Herz gelegt. Meisterwerke kann man sich ruhig mal in bestmöglicher Form ins Regal stellen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Frances McDormand sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Steve Buscemi unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 11. April 2014 als Blu-ray

Länge: 98 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Ungarisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Portugiesisch, Türkisch, Holländisch, Norwegisch, Griechisch, Ungarisch, Polnisch
Originaltitel: Fargo
USA/GB 1996
Regie: Joel & Ethan Coen
Drehbuch: Joel & Ethan Coen
Besetzung: Frances McDormand, William H. Macy, Steve Buscemi, Peter Stormare, John Carroll Lynch, Steve Park
Zusatzmaterial: Audiokommentar des Kameramanns Roger A. Deakins, Dokumentation: Minnesota ist nett zu jedem, Trivia Track, American Cinematographer Article, Fotogalerie, Kinotrailer, TV-Spot, Wendecover
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

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Gaear (l.) und Carl agieren eher glücklos

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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