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Ninja – Die Killermaschine: Ein Shinobi im Wilden Westen

Enter the Ninja

Von Lucas Gröning

Action // Wenn man Kinder fragt, was sie werden wollen, wenn sie erwachsen sind, kommen vermutlich viele Antworten, die sich auf die jeweils aktuelle, oder auch die historisch gewachsene Popkultur beziehen. Einige werden antworten, dass sie sich als Cowboy Schussduelle im wilden Westen liefern wollen, einige wollen ihr Schwert wie ein glorreicher Ritter für die Krone des Königs schwingen, wiederum andere wollen wie Luke Skywalker oder Rey mit einem Lichtschwert gegen die bösen Sith in den Kampf ziehen. All diese Beispiele werden durch eine spezifische Eigenschaft geeint: den Kampf. Die Anwendung von Gewalt fasziniert uns bereits in Kindertagen und diese Faszination lässt uns, einmal implementiert, für den Rest unseres Lebens wohl nicht mehr los.

Cole absolviert erfolgreich seine Ausbildung zum Ninja

Ein weiteres Beispiel für eine Figur, die sich in die vorher benannte Reihe problemlos einfügen könnte, ist der Ninja. Ich für meinen Teil war bereits als Kind fasziniert von den dunklen, vermummten Gestalten, die in der Lage sind, sich durch die Nacht zu schleichen und ihre Feinde auf die leise, unbemerkte Weise auszuschalten. Stets wohnte diesen Figuren eine mysteriöse, unergründliche Seite bei, und die eigentlichen Motive ihres Handelns blieben, wie sie selbst, im Dunkeln. Dadurch werden die im feudalen Japan entstandenen Assassinen zum einen extrem interessant, zum anderen wohnt ihren schnellen, präzisen Kampftechniken etwas unglaublich, nun ja, Cooles bei.

Vom Regisseur von „Delta Force“

Umso mehr freute ich mich auf den Film „Ninja – Die Killermaschine“ von Menahem Golan, produziert im Hause Cannon Films. Der Israeli ist vor allem bekannt für seine Regiearbeiten „Delta Force“ (1986) mit Chuck Norris und „Over the Top“ (1987) mit Sylvester Stallone sowie als einer der beiden Köpfe von Cannon Films. Für „Enter the Ninja“, so der Originaltitel, holte sich Golan erneut einen absoluten Superstar an seine Seite, der die Hauptfigur seines Filmes spielen sollte: Franco Nero. Der Italiener erlangte weltweit Berühmtheit für seine Darstellung der Figur Django in Sergio Cobuccis gleichnamigem Italowestern von 1966, der außer vielen inoffiziellen Fortsetzungen mit „Djangos Rückkehr“ (1987) auch ein offizielles Sequel nach sich zog, in welchem Nero erneut mitwirkte. Fortsetzungen hat auch „Ninja – Die Killermaschine“ zu bieten. In „Die Rückkehr der Ninja“ (1983) und „Die Herrschaft der Ninja“ (1984) übernahm jedoch nicht mehr Franco Nero die Hauptrolle, sondern ausgerechnet ein Darsteller, der im ersten Film einen der Gegenspieler des Italieners mimt: Shō Kosugi, für den „Ninja – Die Killermaschine“ das Leinwanddebüt markierte. Der Streifen war Startschuss dafür, dass sich Kosugi in den 80er-Jahren zu einem der profiliertesten Darsteller für Ninja-Filme entwickelte.

Folglich nimmt Cole den Kampf gegen eine Vielzahl von Verbrechern auf, doch …

Nun zum Film selbst, in welchem ein gewisser Zachi Noy („Eis am Stiel“) eine Nebenrolle als „The Hook“ hat: Die Story erzählt sich relativ gradlinig und unkompliziert: Der Amerikaner Cole (Franco Nero) will unbedingt in den Rang eines Ninjas erhoben werden und muss für diese Ehre eine letzte Prüfung bestehen. Nachdem er diese erfolgreich hinter sich gebracht hat, wird er von seinem Meister, sehr zum Missfallen seines Kontrahenten Hasegawa (Shō Kosugi), zum Ninja ernannt. Hasegawa sieht Cole aufgund seiner amerikanischen Abstammung als unwürdig des Ranges eines Shinobi an. Im Anschluss verlässt Cole den Orden, um seinen alten Freund Frank (Alex Courtney) auf den Philippinen zu besuchen. Frank, mit dem Cole vor langer Zeit gemeinsam beim Militär war und dort im angolanischen Buschkrieg gekämpft hat, ist inzwischen zum Alkoholiker mutiert und lebt mit seiner Frau Mary Ann (Susan George) auf einem Anwesen. Die beiden besitzen darüber hinaus Teile des umliegenden Landes und stellen diese als Arbeitsfläche für die Einheimischen zur Verfügung. Schon bald wird Cole klar, dass das idyllische Leben trügerisch ist, denn die Schergen des Immobilienmoguls Venarius (Christopher George) tyrannisieren die Bevölkerung und versuchen alles, um Frank dazu zu bringen, ihrem Boss das Areal zu überschreiben. Nun ist es an Ninja Cole, sich dem Despoten in den Weg zu stellen. Nach einigen verherrenden Niederlagen ersucht Venarius selbst die Hilfe eines Ninjas, der sich dem Neuankömmling in den Weg stellen soll, womit die Stunde von Coles altem Rivalen Hasegawa schlägt.

Eine Orgie der Gewalt

Viele Gedanken kamen mir beim Sichten des Films in den Sinn und lange fragte ich mich, was das übergeordnete Thema von Menahem Golans Film ist. Geht es um die Macht des raubtierhaften Kapitalismus, der auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückschreckt, um sich die Schwächsten der Gesellschaft einzuverleiben? Geht es, in diesem Zusammenhang, um das Klären von Eigentumsverhältnissen zwischen dem Großkapital und dem Kleinbürgertum? Bearbeitet der Film Fragen von Rassismus und der Zuschreibung von Identitäten aufgrund von Herkunft? Nach dem Sichten muss man sagen: Es ist all das und doch nichts davon. „Ninja – Die Killermaschine“ zieht all diese Themen auf, mal mehr mal weniger stark, weigert sich jedoch, sie konsequent zu bearbeiten. Stattdessen nimmt er eine klare Position in all diesen Bereichen ein und konzentriert die jeweiligen Gegenseiten in den Antagonisten des Films, namentlich in Venarius und seinen Schergen. Diese repräsentieren das kriminelle, bösartige, rassistische Großkapital. Folglich fällt es auch uns Zuschauern einfach, diese als Antagonisten fern jeder Ambivalenz anzunehmen und ihnen bis zum Finale nur das Schlechteste zu wünschen. Cole, Frank und Mary Ann wiederum repräsentieren die Gegenseite. Cole zieht als strahlender, die Antagonisten bekämpfender Held die Zuschauer ganz automatisch auf seine Seite, Frank wirkt mit all seinen Problemen und seiner dennoch kämpferischen Art sympathisch und Mary Ann zieht als sich um ihren Mann sorgende und kümmernde, aber dennoch emanzipierte Frau ganz automatisch die Sympathien auf sich. Diesen krassen Gegensatz und diese klare Klassifikation in Gut und Böse nutzt der Film, um der Seite der Antagonisten eine Welle der Gewalt entgegenzuschleudern, die vom Zuschauer schon fast nicht mehr hinterfragt werden kann. Dafür landete „Ninja – Die Killermaschine“ 1983 auf dem bundesdeutschen Index, 2008 erfolgt turnusmäßig nach 25 Jahren die Listenstreichung.

Wildwest auf den Philippinen

Neben dem Zuschauer ist es auch der Staat, der die dort herrschenden Konflikte nicht hinterfragt. Im Gegensatz zum Zuschauer nimmt er jedoch nicht einmal mehr eine klare Position ein, er enthält sich dem laufenden Konflikt gänzlich. Die Länderein auf den Philippinen werden so zu einem unkontrollierten, gesetzlosen Raum, in dem stattdessen das Recht der Stärkeren gilt. In gewisser Weise erinnert die dargestellte Welt an den Wilden Westen, der sich ebenfalls durch eine teils rechtsfreie Zone auszeichnet, womit eine direkte Referenz an die Schauspielkarriere von Hauptdarsteller Franco Nero gegeben ist. Gerade der von ihm verkörperte Cole versucht, anstelle des Staates die Ordnung wiederherzustellen und der unkontrollierten Macht der Tyrannei Einhalt zu gebieten. In dieser Rolle des klassisch-westlichen Helden macht Nero einen hervorragenden Job, eine allzu große Herausforderung wird an ihn jedoch nicht gestellt. Er gibt den sympathischen Strahlemann, verhaut die bösen Jungs und spendiert dem Zuschauer ab und an ein paar ganz witzige One-Liner. Lediglich in den Passagen, in denen Nero tatsächlich in das Kostüm eines Ninjas schlüpft und mit der Eleganz eines Shinobi gegen die heraneilenden Feinde kämpft, fremdelt er mit seiner Rolle. Es sind Passagen, die charakterlich so gar nicht zu Neros eigener Existenz als Darsteller, aber auch nicht zu seinem generell sehr an einen Cowboy angelehnten Charakter passen wollen. Die geistliche, nachdenkliche, und in sich gekehrte Identität als Shinobi tut sich schwer damit, sich mit der zu vereinbaren, die Cole repräsentiert, wenn er als Zivilbürger unterwegs ist. Die dadurch entstehende Unglaubwürdigkeit ist die wohl größte Schwäche des Films.

… bald stellt sich ihm sein alter Feind Hasegawa in den Weg

Es bleibt nicht die einzige. Die Kulissen sind teilweise recht lieblos und detailarm gestaltet, die Bilder zeugen in den meisten Fällen von wenig Innovation und die Dialoge wirken in weiten Teilen schon recht trashig. Wenn man allerdings in der Lage ist sich auf diesen trashigen Charakter einzulassen, wird man mit „Ninja – Die Killermaschine“ recht viel Spaß haben können. Wer sich sich allerdings auf die Suche nach einem ernsten Ninja-Film mit glaubwürdigen Darstellern, vielschichtigen Figuren und vielleicht auch spektakulären Actionsequenzen begibt, ist bei Golans Werk an der falschen Adresse.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 4. Oktober 2019 und 22. Mai 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Enter the Ninja
Alternativtitel: Die Rache des Ninja
USA 1981
Regie: Menahem Golan
Drehbuch: Dick Desmond
Besetzung: Franco Nero, Susan George, Shô Kosugi, Christopher George, Alex Courtney, Will Hare
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow
Label 2019: HanseSound
Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 

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Das Verfahren ist eingestellt – Vergessen Sie’s! Der üble Alltag hinter Gittern

L’istruttoria è chiusa: dimentichi

Von Ansgar Skulme

Gefängnisdrama // Der Architekt Vanzi (Franco Nero) blickt auf ein beschauliches Leben in wohlhabenden Verhältnissen zurück, als er seine Haftstrafe in einem von Korruption und Brutalität durchzogenen Gefängnis antreten muss. Dort sitzen Menschen ein, die weit schlimmere Verbrechen begangen haben als er selbst, doch es gibt kein Entkommen für ihn – nur das Warten darauf, dass man ihn eines Tages wieder freilassen wird. Er findet Freunde und falsche Freunde, wird ausgenutzt und muss mit ansehen, wie anderen die Freundschaft zu ihm zum Verhängnis wird. Eine tragische Odyssee nimmt ihren Lauf.

Das Leben kann so schön sein, wenn man nicht eingesperrt ist

Lose auf dem Roman „Tante sbarre“ von Leros Pittoni basierend, ist Damiano Damiani ein düsterer, überzeugender Blick hinter die Fassaden eines Gefängnisses geglückt. Sein Name in Verbindung mit Franco Nero war schon damals eine Art Erfolgsgarantie. Gemeinsam hatten sie „Der Tag der Eule“ (1968) und „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (1971) gedreht. Nero schätzte Damiani sehr und nutzte die Gelegenheit gern, wieder mit ihm zusammenzuarbeiten. Es folgten noch zwei weitere Kooperationen – eine davon erneut mit Damiani in der Regie („Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?“, 1975), eine andere mit Nero und Damiani vor der Kamera („Der Mordfall Matteotti“, 1973). Damiani mochte Cameos und begrüßte Angebote anderer Regisseure an ihn, als Schauspieler in deren Projekten mitzuwirken. Auch in „Das Verfahren ist eingestellt – Vergessen Sie’s!“ ist er in einer kleinen Rolle als Vanzis Anwalt zu sehen.

Morricone Marke „Weniger ist mehr“

Auch wenn man Franco Nero die Belastungen und Ängste im Gefängnisalltag stellenweise nicht so recht abkauft, der Verfall zu wenig sichtbar wird und das gute Aussehen manchmal zu sehr im Vordergrund steht, macht er sich zumindest ganz gut darin, den tief gesunkenen Architekten in einem ihm fremden Milieu widerzuspiegeln. Er wirkt deplatziert, aber das schadet dem Ansinnen der Geschichte nicht unbedingt. Der beliebte Star hilft dem Film in jedem Falle dabei, Größe zu generieren und somit dabei, gehört zu werden.

Die Gefängnisinsassen demonstrieren für ihre Rechte

Ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Erfolges ist ferner der Umstand, dass der Film überraschend sparsam mit Musik umgeht. Dies erhöht den Realismus in der Erzählung umso mehr. Überraschend, weil immerhin Ennio Morricone als Komponist zu Buche steht, der hier allerdings alles andere tat, als die Musik in den Vordergrund zu schreiben. Ein gutes Beispiel dafür, was für ein ungemein empathischer, kluger Film- und Musikversteher dieser legendäre Meister ist. Einer, der ganz laut und pompös, aber auch behutsam leise kann, sich immer wieder neu erfand, interessante Instrumentationen erprobte und selbst die Stille als Form der akustischen Unterfütterung zu nutzen weiß. Auffälligerweise steht der Film damit obendrein völlig im Kontrast zum genialen, epischen Originaltrailer, der äußerst stark von der Musik in Zusammenwirkung mit den Bildern lebt. In diesem visionären, recht modern anmutenden und ziemlich spannenden Trailer dominieren gewaltige, bedrückende Klänge, bedeutungsgeladene Bewegungen im Bild und Gesichter die Wirkung des Geschehens. Ein Trailer, der den Eindruck erweckt, dass er sehr lange und detailliert konzipiert worden sein dürfte. Es ist wohl davon auszugehen, dass auch die Musik im Trailer von Morricone stammt. Dass das bemerkenswerteste Musikstück der Produktion nur im Trailer und nicht im Film zur Geltung kommt – da die Erzählweise in dieser Geschichte und die Wünsche Damianis im Film wenig Spielraum für den Komponisten boten –, dürfte Ennio Morricone ansonsten nur selten passiert sein.

Gesichter mit Charakter

Spätestens aufgrund der Tatsache, dass Franco Nero in der Hauptrolle nicht unbedingt seinen überzeugendsten Auftritt erwischte, zeigt sich die sehr gute Auswahl der Nebendarsteller als anderer wichtiger Baustein. John Steiner als fiesen, mörderischen Mistkerl zu besetzen, ist zwar nicht unbedingt innovativ, aber effektiv. Er spielt die Rolle inspiriert, mochte sie noch so viele Klischees erfüllen und sein Image besiegeln. Dazu mit Ricciardetto De Simone ein Mann, der im wirklichen Leben eine lebenslange Haftstrafe bekommen hatte, aber vor dem Dreh begnadigt worden war, so dass er nicht nur als Darsteller weiterhelfen, sondern auch viele Erfahrungen einbringen konnte. Turi Ferro, der bis dato eher als Theaterschauspieler bekannt war, nutzte in der Rolle des korrupten Wärters die Gelegenheit, um in einem erfolgreichen Film bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Georges Wilson ließ man für eine recht kleine Rolle extra aus Frankreich kommen. Riccardo Cucciolla bewies, dass er im damaligen italienischen Kino nicht nur ein gefragter Synchronsprecher war, sondern auch vor der Kamera sogar in ganz sensiblen Momenten mimisch zu überzeugen verstand. Auch die Darbietungen von Antonio Casale, Luigi Zerbinati, Corrado Solari und Claudio Nicastro geben Zweifeln keinen Raum: Dieser Film ist großes Kino der Gesichter und der Charakterdarsteller.

Koch lässt alte Traditionen hochleben

Man hätte in den vergangenen Jahren manchmal den Eindruck gewinnen können, dass sich Koch Films langsam vom italienischen Genrefilm der 60er und 70er verabschiedet, da das Label früher wesentlich mehr Filme aus dieser Sparte veröffentlicht hat. Da ist es schon eine Hausnummer, dass nun ein solch bedeutender Damiani-Film in bester Bildqualität kommt – noch dazu weltweit erstmals als HD-Abtastung auf Blu-ray und DVD; und mit „Töte alle und kehr allein zurück“ steht schon das nächste Italo-Highlight bei Koch in den Startlöchern.

Im Knast gilt das frühere Leben nichts mehr

Viel auszusetzen gibt es an dieser Veröffentlichung von „Das Verfahren ist eingestellt – Vergessen Sie’s!“ nicht. Schade ist lediglich, dass es die alternative Synchronfassung aus der DDR nicht mit auf die Blu-ray und DVD geschafft hat – der Film lief dort wohl unter dem Titel „Die Untersuchung ist abgeschlossen – Vergessen Sie alles!“. Es gibt mehrere Filme mit Franco Nero aus der damaligen Epoche, zu denen sowohl eine in der Bundesrepublik als auch eine in der DDR entstandene Synchronfassung existiert. Manche der damaligen italienischen Produktionen wurden sogar ausschließlich in der DDR und nie in der BRD synchronisiert. Bei Koch kann man allerdings so gut wie sicher davon ausgehen, dass die Fassung enthalten wäre, wenn sich eine realistische Option zur Veröffentlichung geboten hätte. Insofern ist dem Label hier kein Vorwurf zu machen. Stattdessen gibt es, wie bei Kochs Italo-Veröffentlichungen üblich, immerhin ein lobenswertes, informativ mit Anekdoten gespicktes Featurette, das aus drei Interviews mit Beteiligten zusammengestellt wurde.

Richtige von falschen Freunden zu unterscheiden, kann überlebenswichtig sein

„Girolimoni – Das Ungeheuer von Rom“ (1972), „Ich habe Angst“ (1977), „Goodbye und Amen“ (1978) sowie „Die tödliche Warnung“ (1980) bilden eine Reihe weiterer Damiani-Filme aus seiner im Kino erfolgreichsten Phase, die bisher auf eine DVD-Veröffentlichung in Deutschland warten. Jemand wie Damiani hätte auch mal eine Box verdient. Es bleibt spannend, was Koch noch alles aus Italien zutage fördern wird.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Der Gefängnisleiter bekommt viele Missetaten nicht mit

Veröffentlichung: 14. Juni 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: L’istruttoria è chiusa – dimentichi
Deutscher Alternativtitel: Die Untersuchung ist abgeschlossen – Vergessen Sie alles!
IT/F 1971
Regie: Damiano Damiani
Drehbuch: Massimo De Rita, Dino Maiuri & Damiano Damiani, nach einem Roman von Leros Pittoni
Besetzung: Franco Nero, Riccardo Cucciolla, John Steiner, Turi Ferro, Claudio Nicastro, Antonio Casale, Georges Wilson, Ferruccio De Ceresa, Ricciardetto De Simone, Luigi Zerbinati
Zusatzmaterial: Featurette mit Interviews, Booklet, Originaltrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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Der Mann aus dem Eis – Ötzi, ein brachialer, sensibler Rächer

Der Mann aus dem Eis

Kinostart: 30. November 2017

Von Iris Janke

Steinzeit-Abenteuer // An die Schlagzeilen vom September 1991 um den Fund des mumifizierten Steinzeitmenschen, der in den Ötztaler Alpen gefunden wurde, kann sich beinahe jeder erinnern. Jetzt hat Regisseur Felix Randau („Die Anruferin“) versucht, die letzten Wochen im Leben von Ötzi nachzuvollziehen und auf die Leinwand zu bringen.

Kann sich für das Alpenpanorama nur wenig begeistern: Kelab

Wissenschaftler fanden bei radiologischen Untersuchungen der Mumie des Ötzi heraus, dass der Steinzeitmensch von hinten von einem Pfeil getroffen wurde. Wie bei einem aktuellen Mordfall rankt sich nun die Handlung von Drehbuchautor und Regisseur Felix Randau um die mehr als fünf Jahrtausende in der Vergangenheit liegende Bluttat. Die Rolle des brachialen Bergbewohners Ötzi alias Kelab spielt Jürgen Vogel. Wäre die mehr als 5.000 Jahre alte Mumie irgendwo in Nordamerika gefunden worden und nicht in in Europa, hätte es vermutlich nicht über 25 Jahre gedauert, um aus dem spektakulären Fund ein Spielfilmdrama um Rache und Hiebe, um Liebe und sexuelle Bedürfnisse in einer längst vergangenen Zeit zu kreieren.

Jürgen Vogel als Ötzi

Ein US-amerikanischer Ötzi wäre vermutlich von einem großen Hollywood-Kaliber wie Mel Gibson („Braveheart“), Gerad Butler („300“) oder Leonardo DiCaprio („The Revenant“) verkörpert worden. Alle drei sind bestens vertraut mit Stoffen dieser Art und somit auch mit den Vorstellungen von Regisseuren wie Mel Gibson selbst, Zack Snyder oder Alejandro González Iñárritu, was die Brutalität und Gepflogenheiten vergangener Zeiten betrifft, die ein Darsteller auf die Leinwand zu bringen hat. Aber egal, Jürgen Vogel gelingt seine Umsetzung des Ur-Rächers vor dem majestätischen Bergpanorama der Alpen. Vogel lebt den sagenumwobenen Ötzi – da verschwindet der Mensch Jürgen Vogel, den wir mit Glatze und schelmischem Zahnlücken-Grinsen kennen.

Hält den Klan zusammen: Steinzeit-Frau Kisis

In den Nebenrollen als bis zur Unkenntlichkeit geschminkte und verfremdete Ursteinzeitmenschen: Franco Nero („John Wick – Kapitel 2“) als Ditob, André Hennicke („Victoria“) als Krant und Susanne Wuest („Ich seh, ich seh“) als Kisis. Trotzdem, Vogel füllt die Leinwand allein, er rennt durch den Schnee, jagt, schießt und metzelt – das reicht, damit sich empfindlichen Zuschauern der Magen umdreht. Aber so war das damals halt, denkt der im Gesicht grün gewordene Zuschauer beinahe gnädig. Die Altersfreigabe von zwölf Jahren halte ich für arg niedrig gegriffen – selbst wenn man auf den historischen Wert des Films verweisen will. Nebenbei gesagt, und so viel zum historischen Wert des Films: Die eigentliche Handlung ist frei erfunden. Fakt ist lediglich, dass Ötzi hinterrücks (vermutlich mit einem Pfeil) getötet wurde.

In unverständlichem Idiom

Das Leben in der Jungsteinzeit wirkt mit Hilfe der eigens erfundenen Sprache, die auf dem Rätischen basiert, besonders authentisch. Untertitel fehlen komplett. Was vom Ötzi in Erinnerung bleibt, sind ein durchgängiges Rachemotiv, das in rohe Gewaltorgien ausartet und an „300“ – Zack Snyders Metzelei in Schwarz-Weiß-Rot – erinnert oder an die hochgelobte, teilweise ebenso brutale, US-TV-Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Im Unterschied zu „Game of Thrones“ mag jedoch der emotionale Funke bei „Der Mann aus dem Eis“ nicht so recht überspringen. Die Handlung des Films ist eher mager. Der Zuschauer ordnet zwar auch ohne verständliche Worte oder Untertitel das Rachemotiv ein, etwa, wenn eine Familie einfach abgeschlachtet wird. Doch vielleicht liegt es gerade an der unverständlichen und damit fehlenden Sprache, dass der Film zwar authentisch erscheint, gleichzeitig aber trotz viel Film-Blut auch seltsam blutleer.

Alter Steinzeit-Kämpfer: Steinzeit-Mann Ditob

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Weiß den Pfeil zu benutzen: Steinzeit-Mann Krant

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Der Mann aus dem Eis
D/IT/A 2017
Regie: Felix Randau
Drehbuch: Felix Randau
Besetzung: Jürgen Vogel, Susanne Wuest, André Hennicke, Franco Nero, Sabin Tambrea, Martin Schneider, Henry Buchmann
Verleih: Port au Prince Films

Copyright 2017 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Port au Prince Films, Fotos auch: © Martin Rattini

 

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