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Miami Exposé – Im Genre der hartgekochten Bullen

Miami Exposé

Von Ansgar Skulme

Krimidrama // Ein Flugzeug explodiert, bald darauf wird ein führender Polizeibeamter Miamis ermordet aufgefunden. Umstände, die Lieutenant Bart Scott (Lee J. Cobb) dazu zwingen, seinen geplanten Rückzug aus dem Polizeidienst vorerst auf Eis zu legen. Seine Verlobte (Eleanore Tanin) hat bereits ihren früheren Mann im Polizeieinsatz verloren und erwartet daher von Scott den Ausstieg vor der Hochzeit. Der jedoch ist, trotz gewachsener Vernunft und Altersweisheit, im Grunde seines Herzens immer noch einer von der ganz abgebrühten Sorte. Er will und muss den Tod seines Freundes und Vorgesetzten persönlich aufklären, das ist er sich und ihm schuldig. Es dauert nicht lange, schon ist Scott auf dem Weg nach Kuba, um eine flüchtige Zeugin (Patricia Medina) einzufangen, mit deren Hilfe er vielleicht den Fall lösen und die in Miami sitzenden Drahtzieher entlarven kann.

Mit einem semi-dokumentarischen Cameo des damaligen Bürgermeisters von Miami, Randy Christmas, der sich vorab belehrend ans Publikum wendet, startet „Miami Exposé“ zunächst eher bieder in seine Geschichte (so ähnlich findet man es übrigens auch in anderen Noirs dieser Epoche mit verschiedenen Verantwortungs- und Würdenträgern). Dann allerdings folgt ein augenscheinlich von Jules Dassins großem Noir-Klassiker „Stadt ohne Maske“ (1948) inspirierter Off-Erzähler – bei Dassin so spannend und stilbildend wie kaum ein anderer Erzähler im gesamten Noir-Corpus – und reißt das Ruder blitzschnell herum, nur viel mehr Raum bekommt dieser Erzähler dann überraschenderweise nicht. Dem Rest der Geschichte merkt man bedauerlicherweise das niedrige Budget teils ziemlich deutlich an, jedoch überrascht das im Großen und Ganzen bestenfalls durchschnittliche Krimidrama mit einem der aus meiner Sicht potenzialreichsten Ermittler der Noir-Geschichte.

Cobb als abgebrühter Cop

Eine schöne Eigenheit des Noirs ist, dass hier auch mal Darsteller und Typen das Gesetz vertreten, die man auf den ersten Blick vielleicht eher auf Seiten der Gangster verorten würde. Für das klassische Hollywood als Heldenbild ein ansonsten eher ungewöhnliches Szenario. Es geht oft, im Vergleich mit anderen Genres, besonders wenig um edle, hübsche, junge Helden oder gar Strahlemänner, sondern um kernige Kerle. Harte Bandagen werden mit noch härteren Gesetzeshütern bekämpft – finster aussehende Männer tun hässliche Dinge, um üble Gesellen in den Griff zu bekommen.

Lee J. Cobb beweist in „Miami Exposé“ recht schnell, dass er den harten Hund vom Dienst sehr glaubhaft darzustellen vermochte und die dafür geeigneten Posen auch gut verstanden hatte. Dieser Film ist für viele Beteiligte kein Aushängeschild, für Cobb allerdings geradezu ein Bewerbungsschreiben. Man möchte fast ein wenig wehmütig werden, dass er eine derartige Hauptrolle nicht zeitnah in wesentlich größeren Produktionen wiederholen durfte. Ihm kauft man wirklich ab, dass der von ihm verkörperte Police Lieutenant eine ganze Menge gesehen, erlebt und überlebt hat. Ein Filmbulle der Sorte, die sich mit Kippe im Mundwinkel und einem bereits brennenden Streichholz in der Hand noch die Zeit nimmt, einfach mal innezuhalten, um dann mit verbrauchter Stimme einen trockenen Spruch rauszuhauen.

Tubbs auf der anderen Seite des Gesetzes

Sehenswert ist das Krimidrama zudem auch als finales Projekt von Edward Arnold („Meet Nero Wolfe“), der während der Produktion starb, mehrere Monate vor dem Kinostart. Ob es tatsächlich ein Zufall sein kann, dass seine Rolle in diesem in Miami spielenden Film den eher ungewöhnlichen Nachnamen Tubbs trägt, der knapp 30 Jahre später schließlich auch einer der beiden Hauptrollen der 80er-Kultserie „Miami Vice“ übertragen wurde, möchte man fast bezweifeln – zumal Miami für den Film noir auch ein vergleichsweise ungewöhnlicher Handlungsort ist und „Miami Exposé“ sich mit „Miami Vice“ somit in gewisser Weise eine Klinke in die Hand gibt. Für Fans von Edward Arnold dürfte „Miami Exposé“ aber eine gewisse Bewährungsprobe gewesen sein. Nicht nur, weil man ihn auch aus erheblich teureren Filmen kannte. Um dies genauer zu erklären, ist jedoch ein kurzer Spoiler notwendig. Wer den überspringen will, liest einfach ab der nächsten Zwischenüberschrift weiter.

Ob Edward Arnold die für ihn geplanten Szenen abschließen konnte, ist schwer zu rekonstruieren, jedoch wirkt der Film gen Ende in jedem Fall zumindest ein wenig, als würden Bausteine fehlen – unter anderem kommen die zum Titel beitragenden Exposés, deren Inhalte die Grundlage für die Erpressung diverser Einflussträger bilden sollen, eigentlich kaum zur Geltung. Gruselig allerdings ist, dass eine Schlussszene mit Edward Arnold durchaus vorhanden ist, in der dieser hervorragende Mime regungslos, wie paralysiert, einem Opfer gegenübersitzt, das er gerade erschossen hat. Eine finale Szene mit einem Schauspieler in Schockstarre, der dabei nahezu aussieht als hätte er soeben einen Schlaganfall erlitten, welcher wenig später dann wirklich starb, ist schon ziemlich starker Tobak. Zumal er dann auch nicht mehr spricht, obwohl seine Figur nicht erschossen wurde, sondern jemand anderen erschossen hat, wirkt es für Augenblicke geradezu als sei er kurz vor oder mitten in seiner letzten Szene mit offenen Augen vor der Kamera verstorben. Der Nachgeschmack ist bitter – auf eine Art allerdings auch ein bärenstarker Abgang von der Leinwand, nach großartiger Karriere, der im Gedächtnis bleibt.

Sterne von Columbia

Da es sich um eine Regiearbeit von Fred F. Sears, mit Patricia Medina in der größten Damenrolle und beispielsweise Michael Granger in einer Nebenrolle handelt, merkt man – unabhängig von Cobb und Arnold – recht schnell, dass man sich in einem 50er-Jahre-Columbia-Film befindet. Zugegeben: Sears hat sicherlich einige bessere Filme als „Miami Exposé“ gedreht. Vor allem aus den Szenen mit Edward Arnold und seinem krummen Geschäftspartner, der von Alan Napier gespielt wird, hätte man wesentlich mehr herauskitzeln können. Sowohl Napier als auch Arnold haben zwar schon allein ihres Aussehens wegen eine so starke, charismatische Leinwandpräsenz, dass gewissermaßen ihre bloße Anwesenheit ein Statement ist – aber, dass sie deutlich unterfordert wirken, wenn man sie aus anderen Rollen kennt, ist dennoch schade. Zudem setzt der Film auch den Showdown ziemlich in den Sand.

Patricia Medina wiederum merkt man für meinen Geschmack immer wieder an, dass sie mehr Talent hatte, als es viele ihrer B-Filmrollen hergaben. Darunter auch eine gesunde Portion Selbstironie, die sie vor der Kamera zu zeigen bereit schien. Ich assoziiere sie allerdings aus heutiger Sicht so stark mit Columbia Pictures wie kaum eine andere Dame des 50er-Hollywoods. Mehr Abwechslung im Stil von Orson Welles’ „Herr Satan persönlich!“ (1955) hätte ihrer Karriere vermutlich gutgetan. Ein Regisseur wie Welles hätte vermutlich nicht auf sie gesetzt, wäre da nicht ein gewisses Etwas der ganz besonderen Art gewesen. Bereits kurz nach „Miami Exposé“ kippte ihre Karriere sehr stark weg vom Kino, in Richtung von Gastrollen in TV-Serien.

Michael Granger, der hier den Gangster Ascot spielt, ist mir vor allem durch seine wenigen, aber prägnanten Interpretationen von Indianerhäuptlingen im 50er-Jahre-Hollywood-Western im Gedächtnis geblieben, wo mir seine sehr ruhig und besonnen wirkende Rollenauslegung gut gefiel und mich an zuvor gesehene Karl-May-Filme aus den 60er-Jahren erinnerte. Ein Ansatz, den ich für das 50er-Hollywood in der Form als eher untypisch empfand. Gemeint ist insbesondere seine Darbietung in „Battle of Rogue River“ (1954), ergänzend kann man „Fort der Rache“ (1953) hinzuziehen. Als Gangster, wie hier in „Miami Exposé“, hat er ebenfalls etwas Stilbildendes an sich. Er hätte vermutlich einen guten Al Capone abgegeben – im gleichnamigen Biopic von 1959 verkörperte jedoch Rod Steiger diese Rolle. Granger war, aufgrund seiner prägnanten, angenehm tiefen Stimme in späteren Jahren eher vor dem Mikrofon als im Bild gefragt. Nach über 15 Jahren Pause von Kino- sowie Fernsehrollen vor der Kamera feierte er 1977 in einer Folge von „Kojak – Einsatz in Manhattan“ eine Art kurzes TV-Comeback, ehe er 1981 im Alter von nur 58 Jahren starb. Ein gutes Beispiel für einen meiner Meinung nach völlig unterschätzten Schauspieler des 50er-Hollywoods, der leider nicht viel über einige TV-Rollen und ein paar größere Kinorollen in relativ kostengünstigen Produktionen sowie ein paar kleinere Rollen in größeren Filmen hinauskam, zwischen die sich auch mehrfach ungenannte Auftritte mit sehr kleinen Parts gesellten. Karriereverläufe dieser Art sind in diesem Kapitel der Filmgeschichte keine Rarität – auch bei talentierten Darstellern nicht. Der Produzent Sam Katzman setzte mehrfach auf ihn, wodurch unter anderem alle drei namentlich in den Credits genannten Auftritte von Michael Granger in Filmen unter der Regie von Fred F. Sears – darunter „Miami Exposé“ – und eine gewisse Bindung zu Columbia Pictures für wenige Jahre zustande kamen.

Sicher ist nur, dass man sterben muss

Obwohl sich Lee J. Cobb mit der Zeit durchaus einen gewissen Namen gemacht hat, hat es dieses Krimidrama selbst in den USA bis heute leider nicht auf DVD geschafft. Eine deutsche Synchronfassung wurde offenbar nie erstellt. Mag auch sonst nicht viel für „Miami Exposé“ sprechen, halte ich die Aspekte, Cobb hier mal in einer 50er-Hauptrolle sehen zu können und dass man Edward Arnolds Abschiedsvorstellung noch dazu bekommt, schon einmal für gute Argumente, die diesen Film interessant machen. Zudem wäre „Miami Exposé“ bei mir, der Darbietung Lee J. Cobbs wegen, auf jedem noch so kleinen Filmstapel vertreten, würde mich jemand um Tipps für besonders griffige Polizistendarstellungen im Film noir fragen, die bis heute als Inspiration Sinn machen, wenn man im Geiste dieses Genres agieren will. „Miami Exposé“ ist für den US-Noir der 50er phasenweise in etwa das, was „Ein Dollar zwischen den Zähnen“ (1967) für den Italowestern ist – ein Film, dem man das geringe Budget konstant anmerkt, der mit einigen schauspielerischen Nadelstichen aber bemerkenswert zielsicher ins Schwarze trifft und sogar stellenweise großartige Momente generiert, die die eine oder andere wichtige Zutat des Genres erstaunlich gut zu repräsentieren vermögen. Der Film noir braucht Figuren – darunter auch Gesetzeshüter –, die den Eindruck vermitteln, dass ihre erste Idee, wenn sie den Sensenmann bei sich daheim im Wandschrank fänden, wäre, ihm eine Zigarette anzubieten und ihm erst mal Feuer zu geben, ehe über den Rest abgerechnet wird. Zumindest diese eine Hausaufgabe macht „Miami Exposé“ absolut bravourös und sticht dahingehend viel Konkurrenz aus – das ist eine ganze Menge wert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lee J. Cobb sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Länge: 73 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Originaltitel: Miami Exposé
USA 1956
Regie: Fred F. Sears
Drehbuch: Robert E. Kent
Besetzung: Lee J. Cobb, Patricia Medina, Edward Arnold, Alan Napier, Michael Granger, Harry Lauter, Eleanore Tanin, Chris Alcaide, Hugh Sanders, Barry L. Connors
Verleih: Columbia Pictures

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Angriff der Riesenkralle – Was ein hässlicher Vogel!

The Giant Claw

Von Andreas Eckenfels

Science-Fiction // „Datum: der 17. des Monats. Wetter: trübe, bedeckt. Zeit: 13.32 Uhr. Ein bedeutsamer Moment in der Menschheitsgeschichte. Der Moment, in dem ein Elektronikingenieur namens Mitch MacAfee etwas am Himmel entdeckte. Etwas, das beinahe der Anfang vom Ende allen Lebens auf dieser Erde war.“

Unheil im Anflug: Mitch und Sally trauen ihren Augen nicht

Wie so häufig in den B-Movies der 1950er-Jahre schwört zu Beginn ein Off-Kommentator die Zuschauer mit unheilschwangeren Worten auf das weitere Geschehen ein. Welches Grauen das Publikum allerdings bei „Angriff der Riesenkralle“ zu sehen bekommen sollte, darauf war niemand vorbereitet. Das unbekannte Flugobjekt mit der Größe eines Schlachtschiffes, welches Ingenieur Mitch MacAfee während eines Testflugs zu Gesicht bekommt, sorgte schon bei der Erstaufführung im Jahr 1957 zunächst für ungläubiges Staunen – und dann für großes Gelächter. Wie überliefert ist, sah auch ein Großteil der Filmcrew das Monster erstmals während der Premieren-Vorstellung. Mitch-Darsteller Jeff Morrow soll aus lauter Scham noch während der Vorführung den Kinosaal verlassen haben.

Riesenvogel aus dem All

Dabei hält Regisseur Fred F. Sears („The Werewolfׅ“) lange die Spannung aufrecht, was für ein seltsames Wesen Mitch gesehen haben will. Weder Offizier Edward Considine (Morris Ankrum) noch Analystin Sally (Mara Corday), mit denen Mitch zusammenarbeitet, schenken ihm zunächst Glauben. Das Geschöpf kann von keinem Radar erfasst werden, auch das Militär findet zunächst keinen Hinweis darauf, dass das unbekannte Flugobjekt wirklich existiert. Erst als sich merkwürdige Geschehnisse häufen, immer mehr Flugzeuge samt Piloten verschwinden und ganze Landstriche verwüstet sind, wird die Bedrohung ernst genommen. Das Monster ist zu Beginn nur als Schatten schemenhaft zu erkennen und gibt krächzende Laute von sich. Erst Fotoaufnahmen bringen Gewissheit: Es handelt sich um einen Riesenvogel aus dem All, welcher die Menschheit auslöschen will!

In der Einführung zum Film bezeichnet Dr. Rolf Giesen den Vogel als „Comic-Bussard“ und als eine „der schlimmsten Attrappen der Monsterfilmgeschichte“. Tatsächlich fällt einem beim ersten Anblick des Monsters die Kinnlade herunter. Der Vogel mit dem langen Hals, den großen Nüstern, den spitzen Krallen und dem kleinen Büschel Haare auf dem Kopf ist ein Wesen, welches wohl nur eine Mutter hübsch finden – geschweige denn lieben – kann. Wie es im Booklet-Text von Ingo Strecker heißt, wurde die Marionette aus Budgetgründen in zwei Varianten für Nah- und Fernaufnahmen vermutlich in Mexiko gefertigt. Eine Endkontrolle wurde wohl nicht vorgenommen.

Ausgewogener Speiseplan

Doch hat man sich an das Federvieh erst mal gewöhnt, besitzt es hohen Unterhaltungswert. Es ist wirklich ein Riesenspaß, dem Vogel dabei zuzusehen, wie er per Rückprojektion angeflogen kommt und schmatzend einen weiteren Piloten verschlingt, der sich mit einem Fallschirm retten wollte. Für eine ausgewogene Ernährung stehen aber auch mal ein paar Teenager auf dem Speiseplan – oder das Wesen krallt sich einfach einen kompletten Zug während voller Fahrt von den Schienen. Dass die Eisenbahn samt angehängten Waggons klar als Spielzeugmodell zu erkennen ist, sorgt dabei für zusätzliche Erheiterung.

Der Riesenvogel aus dem All fordert immer mehr Opfer

Ein großer Pluspunkt von „Angriff der Riesenkralle“ ist, dass es Regisseur Sears trotz des lächerlich wirkenden Monsters tatsächlich gelingt, die Bedrohung für die Menschheit größtenteils aufrechtzuerhalten. Der Riesenvogel stellt sich als äußerst hartnäckiger Zeitgenosse heraus. Selbst Atomwaffen zeigen bei ihm keinen Effekt. Während es sich der Vogel in New York bequem macht, versuchen Mitch und Sally verzweifelt, das Geheimnis des Wesens zu ergründen. Die erfahrenen Darsteller Jeff Morrow („Wenn die Ketten brechen“, „Metaluna IV antwortet nicht“) und Mara Corday („Tarantula“) liefern dabei eine solide Leistung ab.

Recycling aus Kostengründen

Falls euch ein paar Szenen aus anderen Filmen bekannt vorkommen, ist das kein Zufall: Bei der Zerstörung New Yorks und ein paar weiteren Sequenzen, bei denen Menschen panisch durch die Straßen rennen, nutzte Sears teilweise Material aus seiner eigenen Regiearbeit „Fliegende Untertassen greifen an“ (1956). Auch kurze Szenen aus „Dreißig Sekunden über Tokio“ (1944) und „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ (1951) wurden aus Kostengründen recycelt.

Die bedrohliche Situation spitzt sich zu

Wie hoch der Film unter Genrefans im Kurs steht, zeigt auch das Ranking der US-Website Cinemassacre, auf der der „Angry Video Game Nerd“ sein Zuhause hat. Dort wurde das sympathisch-hässliche Federvieh auf der Liste der beliebtesten Riesenmonster noch vor Kultfiguren wie Godzilla, Gamera oder King Kong auf Platz 1 gewählt.

„Angriff der Riesenkralle“ kam nie in die deutschen Kinos und wurde erstmals 1996 auf RTL ausgestrahlt. Nun hat Anolis Entertainment dem unvergesslichen Monster innerhalb seiner „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe einen optimalen Nistplatz in HD bereitet, von wo aus der Riesenvogel aus dem All weiter seine Kreise ziehen kann und für zahlreiche weitere herunterfallende Kinnladen sorgen wird.

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Angriff der Riesenkralle“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Fieberhaft wird nach einer wirksamen Waffe gegen das Monster gesucht

Veröffentlichung: 13. April 2017 als 2-Disc-Edition (Blu-ray und DVD)

Länge: 74 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Engisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Giant Claw
USA 1957
Regie: Fred F. Sears
Drehbuch: Samuel Newman, Paul Gangelin
Besetzung: Jeff Morrow, Mara Corday, Morris Ankrum, Louis Merrill, Edgar Barrier, Robert Shayne, Morgan Jones
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Ingo Strecker und Thomas Kerpen, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Ivo Scheloske, Einleitung von Dr. Rolf Giesen über die Spezialeffekte, amerikanische Titelsequenz, spanische Titelsequenz, amerikanischer Kinotrailer, Super-8-Fassung, Bildergalerie, Booklet, Wendecover
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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The Werewolf – Wissenschaft statt Vollmond

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The Werewolf

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Den Mythos geprägt haben die Universal-Studios ab 1941 durch die fünf „Wolfsmensch“-Filme mit Lon Chaney jr in der Hauptrolle. Dieser Mythos ist ein übernatürlicher. „The Werewolf“ von 1956 hingegen findet einen anderen Ansatz, erklärt die Gestaltwandlung wissenschaftlich – nichts mit Vollmond und Silberkugeln. Eine Stimme aus dem Off führt zu Beginn des Films an, den Glauben an Werwölfe gebe es seit Ewigkeiten: The legends have persisted from the beginnings of man’s memory of time. Why? Why haven’t these tales died? The tales that say wolf-men roam the earth.

Nach der Bluttat Flucht in die kalten Wälder

Ein verstört wirkender Mann (Steven Ritch) findet sich ohne Gedächtnis im abgelegenen Örtchen Mountaincrest wieder. In einer Gaststätte nimmt er einen Drink, wird kurz darauf draußen von einem anderen Gast angegriffen, der ihn in einer dunklen Gasse um sein Geld erleichtern will. Doch der Verstörte ist alles andere als wehrlos, der Angreifer stirbt mit zerrissener Kehle. Duncan Marsh – seinen Namen erfahren wir erst später – flieht in die verschneiten Wälder, greift dort den Deputy Ben Clovey (Harry Lauter) an und verletzt ihn am Arm. Während Cloveys Boss Sheriff Jack Haines (Don Megowan) die Verfolgung des Mörders organisiert, versucht Duncan Marsh das Geheimnis der jüngsten Geschehnisse zu ergründen. Die Spur führt zu den beiden Wissenschaftlern Dr. Emory Forrest (S. John Launer) and Dr. Morgan Chambers (George Lynn).

Jagd auf den Werwolf

Die Schlinge um den bedauernswerten Duncan Marsh zieht sich immer mehr zu. Spätestens wenn seine Frau Helen (Eleanore Tanin) und sein Sohn Chris (Kim Charney) ins Spiel kommen, lässt uns sein Schicksal nicht mehr kalt. Duncan weiß, dass etwas Schlimmes mit ihm geschehen ist, aber er kann nichts dagegen tun und sieht keinen Ausweg. Das ist auf einem B-Movie-Level bewegend inszeniert und dramatisch. Die fesselnde Hatz auf Marsh bietet eine kurze Phase der Erholung, nachdem er sich gestellt hat und zu seinem und dem Schutz anderer hinter Gittern gelandet ist.

Gestaltwandlung per Überblendung

Die Werwolf-Verwandlung erfolgt mittels Überblendung wie bei „Der Wolfsmensch“. Das ist technisch natürlich veraltet, aber ansehnlich. Den Schwarz-Weiß-Bildern nach zu urteilen, war es dafür erforderlich, das Gesicht von Schauspieler Steven Ritch mit mehreren Masken auszustaffieren. Mit seiner wissenschaftlichen Schlagseite steht der Film in guter Tradition der 50er-Jahre, als Science-Fiction und Horror oft zusammenfanden. Sogar atomare Strahlung spielt eine Rolle! Mangelt es „The Werewolf“ im Bereich des SF-Horrors somit etwas an Originalität, kann er bei Werwolf-Filmen damit umso mehr auftrumpfen – eine willkommene Abwechslung.

Eine Produktion von Sam Katzman

Fred F. Sears – nie gehört? Das überrascht nicht, viele seiner Regiearbeiten haben es nicht nach Deutschland geschafft. Der SF-Horrorfilm „Angriff der Riesenkralle“ („The Giant Claw“, 1957) und der Western „Der Teufel holt sie alle“ („Badman’s Country“, 1958) gehören zu den wenigen. „The Werewolf“ lief in den US-Kinos seinerzeit im Double Feature mit Sears‘ „Fliegende Untertassen greifen an“ („Earth vs. the Flying Saucers“, 1956), der es in Deutschland sogar auf eine DVD geschafft hat – sie ist allerdings mittlerweile vergriffen. Für „The Werewolf“ hingegen muss man auf eine spanische DVD zurückgreifen. Oder besser noch: auf die in den USA erschienene „Icons of Horror Collection – Sam Katzman“ mit vier Filmen des B-Movie-Produzenten Sam Katzman. Angeblich existiert in Deutschland eine 45-minütige Super-8-Fassung ohne Ton, aber gibt es noch Filmfans, welche die dafür erforderliche technische Ausrüstung haben? Will man Super-8-Fassungen überhaupt sehen, außer als Gimmick im Bonusmaterial von DVDs und Blu-rays? Dass „The Werewolf“ in absehbarer Zeit eine deutsche Heimkino-Veröffentlichung erfährt, ist wohl nicht zu erwarten. Die „Icons of Horror Collection“-Version aus den USA langt aber auch. Es lohnt sich!

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Veröffentlichung (USA): 16. Oktober 2007 als Bestandteil der „Icons of Horror Collection – Sam Katzman“ (2 DVDs mit „The Giant Claw“, „Creature with the Atom Brain“, „Zombies of Mora Tau“, „The Werewolf“)

Länge: 79 Min.
Altersfreigabe: FSK nicht geprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Werewolf
USA 1956
Regie: Fred F. Sears
Drehbuch: Robert E. Kent, James B. Gordon
Besetzung: Don Megowan, Joyce Holden, Eleanore Tanin, Kim Charney, Harry Lauter, Larry J. Blake, Ken Christy, James Gavin, S. John Launer, George Lynn, George Cisar, Steven Ritch
Zusatzmaterial:
Vertrieb: Kurzfilm „Midnight Blunders“ (1936, 17:02 Min.) & Zeichentrick-Kurzfilm „Terror Faces Magoo“ (1959, 6:30 Min.), Trailershow
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

 
 

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