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George A. Romero (III): The Crazies – Fürchte deinen Nächsten: So dürfen Remakes sein

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The Crazies

Von Volker Schönenberger

Bevor jemand den Zeigefinger hebt: Ich weiß, dass George A. Romero beim Remake lediglich als Executive Producer an Bord war. Mir reicht das als Grund, den Film im Rahmen unserer Romero-Retrospektive vorzustellen.

Horror // Ein schöner Frühlingstag in der Landgemeinde Ogden Marsh in Iowa. Ein Baseballspiel läuft, Sheriff David Dutten (Timothy Olyphant) schlürft gerade guter Dinge seinen Kaffee, als ihn sein Deputy Russell Clank (Joe Anderson) auf Gemeindemitglied Rory aufmerksam macht. Der Mann schlurft apathisch aufs Spielfeld – mit einem Gewehr in der Hand. Als Dutton ihn zur Rede stellt, richtet Rory die Waffe auf den Sheriff, der gezwungen ist, den Bürger zu erschießen.

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„Was haben Sie getan?“ Der Wahnsinn hat begonnen

Rorys fatales Verhalten ist nur das erste beunruhigende Ereignis, dem weitere folgen. Etliche Einwohner von Ogden Marsh verändern sich, wirken emotionslos und kalt. Eines Nachts schließt ein Farmer seine Frau und seinen Sohn im Haus ein und steckt es in Brand. Während das Gebäude niederbrennt, mäht er den Rasen.

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Judy wird isoliert …

Breck Eisners Remake des George-A.-Romero-Films von 1973 ist als ironiefreier Hochglanz-Horror-Actionfilm weniger rau als das Original, hält sich aber inhaltlich recht nah an die Vorlage. Das ist mehr Effektkino als bei Romero, allerdings eben auch sehr effektiv inszeniert. Der Regisseur der Vorlage fungierte beim Remake als ausführender Produzent (Executive Producer).

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… und fixiert

Der Horror kommt in etlichen Sequenzen ganz wunderbar zur Geltung, etwa in der Szene mit dem Schuldirektor und der Mistgabel. Auf der Bahre festgeschnallt ansehen zu müssen, wie ein offenkundig Wahnsinniger andere Gefesselte durchbohrt – ein beunruhigender Gedanke. Auch die Szene in der Waschanlage gefällt: Während draußen der Helikopter der Regierung darauf lauert, die Flüchtenden abzuschießen, die sich mit ihrem Auto ins Gebäude gerettet haben, haben drinnen ein paar Wahnsinnige die Waschanlage in Gang gesetzt und versuchen, ins Auto einzudringen.

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Mordlust in ihrer reinsten Form

Worum geht es? Wir haben es mit Infizierten zu tun, die ein Virus zu mörderischen Bestien macht. Sheriff Dutten und seine schwangere Ehefrau, die Ärztin Judy (Radha Mitchell), müssen sich aber nicht nur dieser Gegner erwehren, sondern auch des Militärs, das den Ort abriegelt und ohnehin hinter dem Ausbruch der Suche steckt. Die Duttens versuchen, in Begleitung von Deputy Clank und Judys Sprechstundenhilfe Becca (Danielle Panabaker) aus der Gefahrenzone zu fliehen. Aber wer ist infiziert? Ein augenfälliger Unterschied des Remakes zum Original ist das Fehlen der Perspektive des Militärs. Wir sehen das Agieren der Soldaten, jedoch stets aus dem Blickwinkel der Bürgerinnen und Bürger. Dass Motive und Entscheidungswege des Militäreinsatzes überhaupt nicht thematisiert werden, nimmt dem Remake viel von der politischen Dimension, sie zu zeigen, war aber offenbar auch nicht beabsichtigt.

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Die Infizierten brechen aus

Der Film war an den Kinokassen zwar nur ein moderater Erfolg, angesichts seiner Qualität verwundert es dennoch etwas, dass es fünf Jahre gedauert hat, bis Breck Eisner nach „The Crazies“ eine weitere Regiearbeit übertragen bekommen hat. Das Fantasy-Abenteuer „The Last Witch Hunter“ ist aber in erster Linie für Vin-Diesel-Fans interessant. „The Crazies“ ist ein runder und mitreißender Horror-Actionfilm, der unter all den Horror-Remakes zu den besseren Vertretern zu zählen ist.

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Die Flüchtlinge bahnen sich ihren Weg durchs verwüstete Ogden Marsh

Im weiten Sinne kann man „The Crazies – Fürchte deinen Nächsten“ dem Zombiegenre zuordnen, wobei Infizierte an sich nicht als Zombies gelten – auch Danny Boyles „28 Days Later“ (2002) ist streng genommen ja kein Zombiefilm. In dessen Fußstapfen tritt Breck Eisners Film recht unverhohlen. Kurioserweise erörtert der Autor des Mediabook-Booklets genau diesen Unterschied zwischen Zombies und Infizierten, gibt aber gleichzeitig auch einen kurzen Abriss über die Geschichte des Zombiefilms, verortet „The Crazies“ indirekt somit selbst im Zombiegenre. Aber egal. Das Mediabook aus dem Hause ’84 Entertainment ist sehr ansprechend aufgemacht, letztlich aber nur ein Repack der Studiocanal-Veröffentlichung des Films.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von George A. Romero haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Radha Mitchell unter Schauspielerinnen, Filme mit Timothy Olyphant in der Rubrik Schauspieler.

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Veröffentlichung: 20. November 2015 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, drei Covervarianten à 222, 333 und 444 Exmplare), 4. November 2010 als Blu-ray, DVD im Steelbook und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Crazies
USA/UAE 2010
Regie: Breck Eisner
Drehbuch: Scott Kosar, Ray Wright
Besetzung: Timothy Olyphant, Radha Mitchell, Danielle Panabaker, Joe Anderson, Christie Lynn Smith, Brett Rickaby, Preston Bailey, John Aylward, Joe Reegan
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Breck Eisner, Making-of: Paranormal Pandemics, Make-up Effects: Rob Hall In Action, Visual Effects, Featurette, Probeaufnahmen für Kampfszenen: Truck-Station, Leichenhaus, Dutton-Kampf, Die Vorlage von George A. Romero, Storyboard Galerie, Trailer, Wendecover, nur Blu-ray: „The Crazies“ Motion Comic Trailer, „The Crazies“ Motion Comic Episode 1 + 2, Behind the Scenes
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshot deutsche Blu-ray: © 2010 Studiocanal Home Entertainment

 

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