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War – Statham gegen Li

War

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Die FBI-Agenten John Crawford (Jason Statham) und Tom Lone (Terry Chen) planen im Hafen von San Francisco einen Einsatz gegen Gangster der Triaden. Doch jemand kommt ihnen zuvor: Der berüchtigte Auftragskiller Rogue (Jet Li) ist im Auftrag der japanischen Yakuza bereits damit beschäftigt, die chinesischen Konkurrenten auszuschalten. Crawford und Lone greifen ein, und als Rogue drauf und dran ist, Crawford zu töten, verpasst ihm Lone eine Kugel ins Gesicht. Der Killer stürzt ins Wasser. Er taucht allerdings kurz darauf im Haus des FBI-Agenten wieder auf, um grausame Vergeltung zu üben. Als Crawford kurz darauf mit seiner Frau Jenny (Andrea Roth) dort eintrifft, kann er nur noch mit ansehen, wie die verbrannten Leichen seines Partners, dessen Frau und der kleinen Tochter aus dem vom Feuer zerstörten Gebäude herausgetragen werden.

Rogues Rückkehr

Crawford entwickelt eine Besessenheit, den Mörder zu fassen, die seine Ehe zerbrechen lässt. Drei Jahre später leitet er die FBI-Abteilung für das organisierte Verbrechen aus Asien, das sich in Kalifornien ausbreitet. Und er bekommt seine Chance, denn Rogue kehrt zurück. Der Auftragsmörder hat offenbar die Seiten gewechselt und räumt nun im Auftrag des Triaden-Oberhaupts Li Chang (John Lone) unter den Gangstern des Yakuza-Bosses Shiro Yanagawa (Ryo Ishibashi) auf, für den er zuvor gearbeitet hatte.

Noch kann Crawford (r.) Rogue nicht ans Leder

Der titelgebende „War“ ist natürlich ein doppelter Krieg: zum einen zwischen den Yakuza- und Triaden-Gangs, zum anderen zwischen dem rachsüchtigen FBI-Agenten und dem eiskalten Killer. Regisseur Philip G. Atwell inszeniert das phasenweise durchaus rasant, verpasst aber die Gelegenheit, die beiden durchtrainierten Actionstars Jason Statham und Jet Li von der Leine zu lassen. So hätten sie gern öfter mit vollem Körpereinsatz in Erscheinung treten können. Der Krieg der asiatischen Kriminellen vermag zu fesseln, etwas mehr Raffinesse hätte ihm aber gutgetan. So bleibt „War“ trotz einiger ansprechender Actionsequenzen mit hohem Gewaltgehalt ein Film der verpassten Möglichkeiten. Frei von Überraschungen bleibt der Actionthriller aber zum Glück nicht.

Musikvideo-Regisseur dreht einzigen Spielfilm

Atwell hatte bis dato vornehmlich Musikvideos gedreht, darunter für Eminem, Marilyn Manson und 50 Cent. Kurz vor seinem Kino-Regiedebüt inszenierte er zwei Episoden der herauragenden Cop-Krimiserie „The Shield – Gesetz der Gewalt“ (2002–2008). „War“ spielte zwar an den Kinokassen sein Budget wieder ein und erwies sich vor allem auf dem Videomarkt als profitabel, erhielt aber in erster Linie negative Kritiken. So wurde beispielsweise Jet Lis hölzerne Darstellung des Killers bemängelt. Ich fand die beherrschte und eiskalte Aura des chinesischen Actionstars durchaus angemessen, zumal Schauspielkunst im Actiongenre ohnehin nicht das wichtigste Kriterium ist.

Gedreht wurde in Vancouver, was erklärt, dass San-Francisco-Lokalkolorit ausbleibt. Der Film beendete Atwells Laufbahn. Da gibt es allerdings größere Rohrkrepierer, deren Regisseure anschließend munter weitermachen durften. Die Kombination des Duells zwischen FBI-Agent und Auftragskiller sowie der Yakuza-gegen-Triaden-Story schöpft ihr Potenzial nicht aus, dennoch bietet „War“ anständige Actionkost.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jet Li und Jason Statham haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Mai 2008 als Blu-ray und DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: War
USA/KAN 2007
Regie: Philip G. Atwell
Drehbuch: Lee Anthony Smith, Gregory J. Bradley
Besetzung: Jason Statham, Jet Li, Nadine Velazquez, John Lone, Devon Aoki, Luis Guzmán, Saul Rubinek, Ryo Ishibashi, Sung Kang, Mathew St. Patrick, Andrea Roth, Mark Cheng, Kane Kosugi, Kennedy Montano, Terry Chen, Steph Song, Annika Foo
Zusatzmaterial: Making-of (29 Min.), entfernte und verlängerte Szenen (2 Min.), Die Filmmusik (9 Min.), Texttafeln mit Darstellerinfos, Trailershow, 4-seitiges Booklet
Label: Constantin Film
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2008 Constantin Film

 

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Horror für Halloween (VII): Schwarzer Freitag – Den Gangster im Kopf

Black Friday

Von Volker Schönenberger

Diesen Beitrag von 2017 habe ich im Oktober 2021 minimal überarbeitet und ergänzt.

SF-Horror // Von „Die schwarze Katze“ (1934) bis „Der Leichendieb“ (1945) standen Boris Karloff und Bela Lugosi für acht Filme zusammen vor der Kamera. Im 1940 uraufgeführten „Black Friday“ allerdings haben die beiden Horror-Ikonen keine gemeinsamen Szenen. In Deutschland lief der Film nie im Kino, erst spät unter dem Titel „Schwarzer Freitag“ im Fernsehen. Die lange Zeit einzige Heimkino-Veröffentlichung ist mittlerweile vergriffen und wird zu Sammlerpreisen gehandelt: die „Bela Lugosi & Boris Karloff Edition“ von 2008, die mit „Die schwarze Katze“ und „Der Rabe“ (1935) zwei weitere gemeinsame Filme des Duos enthält, dazu „Tödliche Strahlen (1936) mit Lugosi und „Der Henker von London“ (1939) mit Karloff.

Auf dem Weg zum elektrischen Stuhl

Die Haupthandlung von „Schwarzer Freitag“ wird von einer Hinrichtungsklammer umrahmt: Dr. Ernest Sovac (Karloff) soll für einen Mord sterben. Auf dem Weg zum elektrischen Stuhl überreicht er einem Journalisten unter den anwesenden Zuschauern sein Tagebuch – dessen Zeitung habe als einzige fair über Sovac berichtet. Der Reporter beginnt zu lesen. Der erste Tagebucheintrag datiert auf einen Freitag, den 13.:

Dr. Sovac übergibt seine Aufzeichnungen einem Journalisten

Eine Auto-Verfolgungsjagd unter Gangstern mit wilder Schießerei endet damit, dass der Verfolgte Red Cannon verunglückt. Dabei wird der Literaturprofessor George Kingsley (Stanley Ridges) schwer am Kopf verletzt. Er und Red Cannon werden ins selbe Krankenhaus eingeliefert. Dort versucht Dr. Sovac, seinen Freund Kingsley zu retten, indem er ihm Gehirnzellen des sterbenden Gangsters einpflanzt. Die Transplantation gelingt, doch bald bemerkt Kingsleys Ehefrau Margaret (Virginia Brissac) eine beunruhigende Wesensveränderung an ihrem Mann.

Karloff und Lugosi

Bela Lugosi ist vergleichsweise selten zu sehen. Er spielt den mit Red Cannon verfeindeten Gangster Eric Marnay. „Schwarzer Freitag“ vermengt auf so clevere wie spannende Weise Motive des SF-Horrorfilms mit einem kernigen Gangsterdrama. Boris Karloff gibt souverän den Mediziner, der zwar von humanitären Motiven getragen wird, sich aber vornehmlich von seinem wissenschaftlichen Ehrgeiz antreiben lässt und letztlich daran zugrunde geht. Stanley Ridges („Sein oder Nichtsein“) überzeugt in einer Quasi-Doppelrolle – im Körper des bedauernswerten George Kingsley gewinnt mal Red Cannon die Oberhand, mal kommt Kingsleys Persönlichkeit zum Vorschein. Das gibt „Schwarzer Freitag“ einen reizvollen Unterton von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. An sich war Boris Karloff für die Rolle des George Kingsley vorgesehen – eine richtige Entscheidung, ihn umzubesetzen. Dieser feine Beitrag aus dem weiten Feld des Universal-Horrors hat sich die Neuveröffentlichung im Mediabook von Wicked Vision redlich verdient.

Den Arzt treibt sein Ehrgeiz voran

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Boris Karloff und Bela Lugosi haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Auch der Gangster Eric Marnay (M.) mischt mit

Veröffentlichung: 30. Juli 2021 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 3 Covermotive à 333 Exemplare), 14. August 2008 als Bestandteil der „Bela Lugosi & Boris Karloff Edition“ (5, DVDs, die weiteren Filme: „The Black Cat“, „Der Rabe“, „Tower of London“, „The Invisible Ray“)

Länge: 72 Min. (Blu-ray), 68 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Black Friday
USA 1940
Regie: Arthur Lubin
Drehbuch: Curt Siodmak, Eric Taylor
Besetzung: Boris Karloff, Bela Lugosi, Stanley Ridges, Anne Nagel, Virginia Brissac, Edmund MacDonald, Paul Fix, Murray Alper, Jack Mulhall, Joe King
Zusatzmaterial 2021: Audiokommentar mit Filmhistoriker Constantine Nasr, Dokumentation „A Good Game: Karloff und Lugosi bei Universal (4) – ,Black Friday‘“, „Trailers from Hell“ mit Joe Dante, Originaltrailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Robert Zion
Zusatzmaterial 2008: Trailershow
Label/Vertrieb 2021: Wicked Vision Distribution GmbH
Label/Vertrieb 2008: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2021 Wicked Vision Distribution GmbH

 

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Das Gesetz der Familie – Im White Trash Englands

Trespass Against Us

Kinostart: 3. August 2017

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Brendan Gleeson („Am Sonntag bist du tot“) als Vater und Michael Fassbender („Alien – Covenant“) als sein Sohn in einem Gangsterfamiliendrama – da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und an der Schauspielkunst der beiden ist dann auch nichts auszusetzen – an der ihrer Mitstreiter ebenfalls nicht. Trotzdem fehlt es bei der Ausgestaltung von Fassbenders Figur an ein paar Details, was ich aber nicht ihm anlasten will. Insgesamt hinterlässt „Das Gesetz der Familie“ einen zwiespältigen Eindruck.

Familienoberhaupt Colby Cutler duldet keine Widerworte

Gleeson spielt Colby Cutler, Oberhaupt einer Familie von Kriminellen, die in der englischen Grafschaft Gloucestershire am Rande der Gesellschaft lebt – haust, ist an sich der passendere Begriff für das Dasein in schäbigen Wohnwagen, umgeben von Chaos und Schrott. Bei ihren Raubzügen sitzt Colbys Sohn Chad (Fassbender) am Lenkrad, schlägt den Polizeiwagen mit Chuzpe und Glück stets ein Schnippchen. Er unterwirft sich den Regeln, die Colby macht, der seine Kinder bewusst nie zur Schule geschickt hat. Insgeheim wünscht sich Chad jedoch für seine Kinder ein anderes Leben als das vermeintlicher Freigeister ohne Sinn für die Bedeutung von Bildung und ohne Krankenversicherung. Auch seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal) sorgt sich um die Zukunft der gemeinsamen Kinder, erkennt aber, dass Colby die Zügel in der Hand hält.

Chad lenkt die Fluchtautos …

Der White Trash strömt „Das Gesetz der Familie“ aus allen Poren. Die Bezeichnung „Heim“ verbietet sich für die Wohnwagensiedlung der Cutlers. Kein Wunder, dass Chad aussteigen will, aber Blut war schon immer dicker als Wasser. Ohne dass das jemals ausgesprochen wird, ist anzunehmen, dass der Clan zu den Pavees zu zählen ist, einer im angelsächsischen Sprachraum beheimateten Volksgruppe von Jenischen oder Travellern.

… selbst wenn sie arg auffällig lackiert sind

So recht deutlich wird nicht, weshalb Colby Cutler das Heft so stark in der Hand hält. Sohn Chad erscheint deutlich cleverer, auch wenn er bisweilen zu viel riskiert. Sympathieträger sind Vater und Sohn beide nicht. Chad noch am ehesten – bis er den etwas zurückgebliebenen Gordon (Sean Harris, „Prometheus – Dunkle Zeichen“), den Colby einst in die Familie aufnahm, auf eine Weise demütigt, die beim Zusehen schmerzt. Colby hingegen mangelt es an Empathie dafür, was in seinen Kindern und Enkelkindern vorgeht. Zwar geht ihm die Familie über alles, aber viel tut er nicht dafür.

Für seine Familie will er nur das Beste

Der breite, undefinierbare englische Slang der Originalfassung ist als Pluspunkt des Milieufilms zu werten, verlangt aber nach Untertiteln. Ob die deutsche Synchronisation das auffangen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Hier sind wir dann bei Michael Fassbender. Der in Heidelberg geborene und in Irland aufgewachsene Schauspieler ist längst im großen Hollywood angekommen, wo klares Englisch gesprochen wird. In „Trespass“ Against Us“, so der Originaltitel, spricht er Slang wie alle anderen, so weit, so gut. Er raucht überall, auch im Wohnwagen direkt neben seinen Kindern, kann nicht mal lesen. Trotzdem wirkt Fassbenders Aussehen eine Nuance unvollständig, Gesicht und Frisur mögen nicht recht zur White-Trash-Existenz im Südwesten Englands passen. Aber vielleicht habe ich auch nur zu viele Fassbender-Darbietungen aus Hollywood gesehen.

Aber was ist das Beste für die Cutlers?

Ein paar Verfolgungsjagden peppen „Das Gesetz der Familie“ auf. Die Actionszenen sind rasant inszeniert. Das Finale hinterlässt die Zuschauer dann mit einem unbequemen Gefühl der Unvollständigkeit. Wo die Reise für die einzelnen Mitglieder des Cutler-Clans hinführt, bleibt offen – auch und besonders bei Chad, der eine Dummheit begeht, die aber vielleicht doch gar nicht so dumm ist. Darüber mehr zu schreiben, wäre allerdings ein unfairer Spoiler. Ob einem der Ausklang ge- oder missfällt, liegt vermutlich auch sehr im Auge des Betrachters.

Überraschender Besuch am Morgen

Als Mischung aus Familien- und Krimidrama funktioniert „Das Gesetz der Familie“ recht gut, seine Botschaft bleibt aber unklar. Für einen Unterhaltungsfilm ist er in einigen Sequenzen zu unangenehm zu schauen, zu tiefergehender Auseinandersetzung mit Fragen zur britischen Unterschicht regt er aber auch nicht an. So bleibt sehenswertes Schauspielerkino, das aber vermutlich wenig Aufmerksamkeit erhalten wird.

Chad wird festgenommen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Fassbender und/oder Brendan Gleeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Ehepaar erhält bittere Nachricht von der Schule seiner Kinder

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Trespass Against Us
GB 2016
Regie: Adam Smith
Drehbuch: Alastair Siddons
Besetzung: Michael Fassbender, Brendan Gleeson, Lyndsey Marshal, Rory Kinnear, Killian Scott, Sean Harris, Kingsley Ben Adair, Gerard Kearns, Tony Way, Barry Keoghan, Alan Williams
Verleih: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2017 Koch Films

 

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