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Horror für Halloween (VII): Schwarzer Freitag – Den Gangster im Kopf

Black Friday

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Von „Die schwarze Katze“ (1934) bis „Der Leichendieb“ (1945) standen Boris Karloff und Bela Lugosi für acht Filme zusammen vor der Kamera. Im 1940 uraufgeführten „Black Friday“ allerdings haben die beiden Horror-Ikonen keine gemeinsamen Szenen. In Deutschland lief der Film nie im Kino, erst spät unter dem Titel „Schwarzer Freitag“ im Fernsehen. Die bislang einzige Heimkino-Veröffentlichung ist mittlerweile vergriffen und wird zu Sammlerpreisen gehandelt: die „Bela Lugosi & Boris Karloff Edition“ von 2008, die mit „Die schwarze Katze“ und „Der Rabe“ (1935) zwei weitere gemeinsame Filme des Duos enthält, dazu „Tödliche Strahlen (1936) mit Lugosi und „Der Henker von London“ (1939) mit Karloff.

Auf dem Weg zum elektrischen Stuhl

Die Haupthandlung von „Schwarzer Freitag“ wird von einer Hinrichtungsklammer umrahmt: Dr. Ernest Sovac (Karloff) soll für einen Mord sterben. Auf dem Weg zum elektrischen Stuhl überreicht er einem Journalisten unter den anwesenden Zuschauern sein Tagebuch – dessen Zeitung habe als einzige fair über Sovac berichtet. Der Reporter beginnt zu lesen. Der erste Tagebucheintrag datiert auf einen Freitag, den 13.:

Eine Auto-Verfolgungsjagd unter Gangstern mit wilder Schießerei endet damit, dass der Verfolgte Red Cannon verunglückt. Dabei wird der Literaturprofessor George Kingsley (Stanley Ridges) schwer am Kopf verletzt. Er und Red Cannon werden ins selbe Krankenhaus eingeliefert. Dort versucht Dr. Sovac, seinen Freund Kingsley zu retten, indem er ihm Gehirnzellen des sterbenden Gangsters einpflanzt. Die Transplantation gelingt, doch bald bemerkt Kingsleys Ehefrau Margaret (Virginia Brissac) eine beunruhigende Wesensveränderung an ihrem Mann.

Karloff und Lugosi

Bela Lugosi ist vergleichsweise selten zu sehen. Er spielt den mit Red Cannon verfeindeten Gangster Eric Marnay. „Schwarzer Freitag“ vermengt auf so clevere wie spannende Weise Motive des SF-Horrorfilms mit einem kernigen Gangsterdrama. Boris Karloff gibt souverän den Mediziner, der zwar von humanitären Motiven getragen wird, sich aber vornehmlich von seinem wissenschaftlichen Ehrgeiz antreiben lässt und letztlich daran zugrunde geht. Stanley Ridges („Sein oder Nichtsein“) überzeugt in einer Quasi-Doppelrolle – im Körper des bedauernswerten George Kingsley gewinnt mal Red Cannon die Oberhand, mal kommt Kingsleys Persönlichkeit zum Vorschein. Das gibt „Schwarzer Freitag“ einen reizvollen Unterton von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“. An sich war Boris Karloff für die Rolle des George Kingsley vorgesehen – eine richtige Entscheidung, ihn umzubesetzen. Dieser feine Beitrag aus dem weiten Feld des Universal-Horrors hat endlich eine Neuveröffentlichung auf Blu-ray und DVD verdient.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Boris Karloff und/oder Bela Lugosi sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. August 2008 als Bestandteil der „Bela Lugosi & Boris Karloff Edition“ (5, DVDs, die weiteren Filme: „The Black Cat“, „Der Rabe“, „Tower of London“, „The Invisible Ray“)

Länge: 70 Min. DVD
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Black Friday
USA 1940
Regie: Arthur Lubin
Drehbuch: Curt Siodmak, Eric Taylor
Besetzung: Boris Karloff, Bela Lugosi, Stanley Ridges, Anne Nagel, Virginia Brissac, Edmund MacDonald, Paul Fix, Murray Alper, Jack Mulhall, Joe King
Zusatzmaterial: Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

 

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Das Gesetz der Familie – Im White Trash Englands

Trespass Against Us

Kinostart: 3. August 2017

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Brendan Gleeson („Am Sonntag bist du tot“) als Vater und Michael Fassbender („Alien – Covenant“) als sein Sohn in einem Gangsterfamiliendrama – da kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Und an der Schauspielkunst der beiden ist dann auch nichts auszusetzen – an der ihrer Mitstreiter ebenfalls nicht. Trotzdem fehlt es bei der Ausgestaltung von Fassbenders Figur an ein paar Details, was ich aber nicht ihm anlasten will. Insgesamt hinterlässt „Das Gesetz der Familie“ einen zwiespältigen Eindruck.

Familienoberhaupt Colby Cutler duldet keine Widerworte

Gleeson spielt Colby Cutler, Oberhaupt einer Familie von Kriminellen, die in der englischen Grafschaft Gloucestershire am Rande der Gesellschaft lebt – haust, ist an sich der passendere Begriff für das Dasein in schäbigen Wohnwagen, umgeben von Chaos und Schrott. Bei ihren Raubzügen sitzt Colbys Sohn Chad (Fassbender) am Lenkrad, schlägt den Polizeiwagen mit Chuzpe und Glück stets ein Schnippchen. Er unterwirft sich den Regeln, die Colby macht, der seine Kinder bewusst nie zur Schule geschickt hat. Insgeheim wünscht sich Chad jedoch für seine Kinder ein anderes Leben als das vermeintlicher Freigeister ohne Sinn für die Bedeutung von Bildung und ohne Krankenversicherung. Auch seine Frau Kelly (Lyndsey Marshal) sorgt sich um die Zukunft der gemeinsamen Kinder, erkennt aber, dass Colby die Zügel in der Hand hält.

Chad lenkt die Fluchtautos …

Der White Trash strömt „Das Gesetz der Familie“ aus allen Poren. Die Bezeichnung „Heim“ verbietet sich für die Wohnwagensiedlung der Cutlers. Kein Wunder, dass Chad aussteigen will, aber Blut war schon immer dicker als Wasser. Ohne dass das jemals ausgesprochen wird, ist anzunehmen, dass der Clan zu den Pavees zu zählen ist, einer im angelsächsischen Sprachraum beheimateten Volksgruppe von Jenischen oder Travellern.

… selbst wenn sie arg auffällig lackiert sind

So recht deutlich wird nicht, weshalb Colby Cutler das Heft so stark in der Hand hält. Sohn Chad erscheint deutlich cleverer, auch wenn er bisweilen zu viel riskiert. Sympathieträger sind Vater und Sohn beide nicht. Chad noch am ehesten – bis er den etwas zurückgebliebenen Gordon (Sean Harris, „Prometheus – Dunkle Zeichen“), den Colby einst in die Familie aufnahm, auf eine Weise demütigt, die beim Zusehen schmerzt. Colby hingegen mangelt es an Empathie dafür, was in seinen Kindern und Enkelkindern vorgeht. Zwar geht ihm die Familie über alles, aber viel tut er nicht dafür.

Für seine Familie will er nur das Beste

Der breite, undefinierbare englische Slang der Originalfassung ist als Pluspunkt des Milieufilms zu werten, verlangt aber nach Untertiteln. Ob die deutsche Synchronisation das auffangen kann, vermag ich nicht zu beurteilen. Hier sind wir dann bei Michael Fassbender. Der in Heidelberg geborene und in Irland aufgewachsene Schauspieler ist längst im großen Hollywood angekommen, wo klares Englisch gesprochen wird. In „Trespass“ Against Us“, so der Originaltitel, spricht er Slang wie alle anderen, so weit, so gut. Er raucht überall, auch im Wohnwagen direkt neben seinen Kindern, kann nicht mal lesen. Trotzdem wirkt Fassbenders Aussehen eine Nuance unvollständig, Gesicht und Frisur mögen nicht recht zur White-Trash-Existenz im Südwesten Englands passen. Aber vielleicht habe ich auch nur zu viele Fassbender-Darbietungen aus Hollywood gesehen.

Aber was ist das Beste für die Cutlers?

Ein paar Verfolgungsjagden peppen „Das Gesetz der Familie“ auf. Die Actionszenen sind rasant inszeniert. Das Finale hinterlässt die Zuschauer dann mit einem unbequemen Gefühl der Unvollständigkeit. Wo die Reise für die einzelnen Mitglieder des Cutler-Clans hinführt, bleibt offen – auch und besonders bei Chad, der eine Dummheit begeht, die aber vielleicht doch gar nicht so dumm ist. Darüber mehr zu schreiben, wäre allerdings ein unfairer Spoiler. Ob einem der Ausklang ge- oder missfällt, liegt vermutlich auch sehr im Auge des Betrachters.

Überraschender Besuch am Morgen

Als Mischung aus Familien- und Krimidrama funktioniert „Das Gesetz der Familie“ recht gut, seine Botschaft bleibt aber unklar. Für einen Unterhaltungsfilm ist er in einigen Sequenzen zu unangenehm zu schauen, zu tiefergehender Auseinandersetzung mit Fragen zur britischen Unterschicht regt er aber auch nicht an. So bleibt sehenswertes Schauspielerkino, das aber vermutlich wenig Aufmerksamkeit erhalten wird.

Chad wird festgenommen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Fassbender und/oder Brendan Gleeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das Ehepaar erhält bittere Nachricht von der Schule seiner Kinder

Länge: 99 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Trespass Against Us
GB 2016
Regie: Adam Smith
Drehbuch: Alastair Siddons
Besetzung: Michael Fassbender, Brendan Gleeson, Lyndsey Marshal, Rory Kinnear, Killian Scott, Sean Harris, Kingsley Ben Adair, Gerard Kearns, Tony Way, Barry Keoghan, Alan Williams
Verleih: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Fotos: © 2017 Koch Films

 

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The Drop – Bargeld: Wunderbares Gangsterdrama

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The Drop

Von Simon Kyprianou

Krimidrama // Das 2002er-US-Remake von Jean-Pierre Melvilles „Drei Uhr nachts“ von 1956 trägt den Originaltitel „The Good Thief“. Der doch etwas plakative Titel „The Good Thief“ passt gut zu der ebenfalls plakativen, metaphorischen Herangehensweise von Michaël R. Roskam an „The Drop – Bargeld“.

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Auf den Hund gekommen: Bob

Bob Saginowski (Tom Hardy) arbeitet als Barkeeper in der Bar seines Cousins Marv (James Gandolfini). Die Bar gehört allerdings in Wirklichkeit der tschetschenischen Mafia. Alle paar Monate wählt diese eine ihrer Bars als „Drop-Bar“ aus, als Umschlagpunkt aller illegalen Geldgeschäfte des jeweiligen Tages. Eines Tages findet Bob einen verprügelten, blutenden Pitbull-Welpen in der Mülltonne der schönen Russin Nadia (Noomie Rapace). Er beschließt, sich um den Hund zu kümmern. Dabei kommt er auch Nadia näher. Gleichzeitig bahnt sich in der Bar Ärger an: Marv hat es satt, sich von der Mafia kontrollieren zu lassen und plant einen Überfall auf seine eigene Bar und zwar an besagtem Tag, an dem die Bar als „Drop-Bar“ auserkoren und damit voll mit Geld ist.

Hommage an Jean-Pierre Melville

„The Drop – Bargeld“ ist eine Hommage an Jean-Pierre Melville, speziell eine Hommage an „Bob le flambeur“, so der Originaltitel von „Drei Uhr nachts“. Bob Saginowski ist hier der gute Dieb. Der verletzte Hund, der völlig unschuldig die geballte Grausamkeit der Welt abbekommen hat und um den sich Bob aufopfernd kümmert, ist Roskams manchmal allzu offensichtliche Metapher für Bobs Charakter.

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Ein Hund – der Weg ins Herz einer Frau

Roskam erzählt seine Geschichte kontemplativ und bedrohlich ruhend. Abgeklärt untersucht er die dreckige, urbane Welt in der seine Figuren leben, die kleinen, engen Wohnungen, die schäbigen Straßen. Ebenso ruhig beobachtet er die immer fortschreitende Eskalation und die fatalistischen, schicksalsergebenen Entscheidungen seiner Figuren.

Bob in der Welt der Gangster

Bob ist ein durch und durch passiver Charakter, er ergreift nicht die Initiative, er reagiert nur auf Situationen. Er wird in die Verbrechen hineingezogen, findet sich im Chaos wieder und wird dann zum Handeln gezwungen. Er kennt die Regeln und Funktionalismen der Gangster-Welt, er kennt die Abgründe und Sünden, und obwohl er sie verabscheut, obwohl er fremd wirkt in dieser Welt, ist er doch auch ein funktionierender Teil dieser Welt.

Tom Hardy ist grandios, er spielt diesen Mann den nichts mehr erschrecken kann, der alle Abgründe seiner Welt kennt, mit großer innerer Ruhe und Abgeklärtheit. Einen so schön inszenierten und geschriebenen Gangsterfilm gab es lange nicht zu sehen.

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Marv (l.) plant einen Coup

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Hardy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 16. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Drop
USA 2014
Regie: Michaël R. Roskam
Drehbuch: Dennis Lehane, nach seiner Kurzgeschichte „Animal Rescue“
Besetzung: Tom Hardy, Noomi Rapace, James Gandolfini, Matthias Schoenaerts, John Ortiz, Elizabeth Rodriguez, Ann Dowd, James Frecheville
Zusatzmaterial: Von der Kurzgeschichte zum Kinofilm, Hinter den Kulissen des Films, Schauplatz Brooklyn, Die Hunde im Film, James Gandolfini spielt „Marv“, Audiokommentar von Michaël R. Roskam und Dennis Lehane, Bildergalerie, Kinotrailer, nur Blu-ray: entfallene Szenen (Millie und Bob unterhalten sich in der Bar, Bob hängt den Weihnachtsbaumschmuck ab, Bob spricht mit dem Pfarrer, Bob schimpft mit Rocco)
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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