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Die Teufelsbrigade – Hetzjagd durch den Dschungel Floridas

Distant Drums

Von Ansgar Skulme

Western // Der Marine-Leutnant Richard Tufts (Richard Webb) beteiligt sich 1840 im von Sümpfen durchzogenen Florida an einer wichtigen und gefährlichen Mission: Unter Führung von Quincy Wyatt (Gary Cooper), der schon seit langem in der Gegend lebt, soll ein Fort inmitten der wilden Natur vernichtet werden, das von Waffenhändlern als Umschlagplatz genutzt wird. Von den illegalen Geschäften profitieren unter anderem die in Florida beheimateten Seminolen, welche der Armee seit geraumer Zeit erbittert Widerstand leisten. Ihr Häuptling Ocala (Larry Chance) hasst Quincy Wyatt wie der Teufel das Weihwasser. Die Mission verläuft zunächst nach Plan und die Soldaten können sogar einige Zivilisten aus dem Fort befreien, doch auf dem Rückweg kommt es zum Desaster. Wyatt bleibt nur die Wahl zwischen dem sicheren Tod oder dem Weg durch die Everglades, wo neben den Seminolen auch viele wilde Tiere und gefährlicher Morast lauern.

Die Seminolen sind das einzige Volk nordamerikanischer Ureinwohner, das von den „weißen Eroberern“ nie gänzlich besiegt wurde. Von 1817 bis 1858 gab es insgesamt drei Seminolenkriege, die schließlich zu einer Zwangsumsiedlung des Stammes führten. Infolgedessen leben sie heute nicht mehr im nördlichen Florida, sondern im Süden dieses Bundesstaates sowie im erst 1907 den Vereinigten Staaten von Amerika beigetretenen Oklahoma. „Die Teufelsbrigade“ spielt während des zweiten dieser Kriege. Dem Film wird zuweilen attestiert, er sei eine Art Western-Remake des ebenfalls von Raoul Walsh inszenierten Kriegsfilms „Der Held von Burma“ (1945) mit Errol Flynn in der Hauptrolle. Dies sollte jedoch nicht über die Qualität des Werks hinwegtäuschen. Zugegebenermaßen zeichnet er ein sehr negatives Bild von den ihr Land brutal verteidigenden Seminolen; nichtsdestotrotz zählt er aber zweifelsohne zu den temporeichsten Western der 50er-Jahre sowie der vorausgegangenen Jahrzehnte – wobei man guten Gewissens behaupten kann, dass „Die Teufelsbrigade“ zu den bis heute am wenigsten beachteten Western Gary Coopers gehört, was insbesondere aufgrund der Zusammenarbeit mit einem Regisseur wie Walsh erstaunlich ist. Festzuhalten ist ferner, dass die Seminolen – bis auf den Häuptling – immerhin auch tatsächlich von Seminolen gespielt wurden und nicht, wie leider auch ab und an zu erleben, von Laiendarstellern oder Stuntmen mit schlecht sitzenden Perücken.

Angefangen bei der Musik …

Schon in den ersten Minuten bietet der Film geradezu eine Lehrstunde, wie man den Zuschauer clever fesselt. Zunächst setzt die Musik von Max Steiner ein, dessen furioses Titelthema mit seinem ähnlich gearteten Auftaktthema zu dem John-Huston-Klassiker „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948) – einer der berühmtesten Abenteuerfilme des klassischen Hollywoods und einer der absoluten Männerfilme schlechthin – konkurrieren kann. Darauf folgt unmittelbar eine Einstellung zweier Seminolen, die mutmaßlich ihre Kriegstrommeln schlagen. Dies vermischt sich mit Steiners Komposition und die robuste, dynamische Marschrichtung des Films mitsamt einer bedrohlichen Grundstimmung, die den nahenden Existenzkampf der Kulturen einläutet, ist somit bereits in aller Deutlichkeit transparent, bevor die Texttafeln des Vorspanns überhaupt erst eingeblendet werden. Es sei dahingestellt, inwieweit sich Walsh hier von Byron Haskins Paramount-Western „Am Marterpfahl der Sioux“ (1951) inspirieren ließ, der mit einer genialen, epischen Einstellung eines uralten, singenden Indianers in Großaufnahme beginnt, die den Zuschauer ebenfalls noch vor den ersten Schrifteinblendungen des Vorspanns überrumpelt. Beide Filme starteten binnen weniger Monate in den US-Kinos. Denkbar, dass Walsh und sein dänischer Cutter Folmar Blangsted, aufgrund der Kürze der Zeit, vor dem Schnitt noch gar keine Möglichkeit hatten, diesen Film zu sehen und es zu dieser Dopplung nur kam, weil es eben ein so gut fesselndes Stilmittel ist. Auch die nächsten Minuten des Films sind von narrativ geradezu malerischer Schönheit: Geschickt, wie das Geschehen mittels einer Landkarte verortet und somit schnell zum großen Abenteuer in einer exotischen, fremden Welt stilisiert wird. Tufts taucht mittels einer sich bewegenden schwarzen Linie auf der Karte und nachfolgend in üppigen Technicolor-Bildern geradezu in das Abenteuer ein. Urig, wie Regisseur Walsh den Zuschauer bereits mit dem ersten auftauchenden Indianer täuscht – der ist einer der wenigen friedfertigen Ureinwohner in diesem Film, wird aber vorgestellt als hätte er düstere Absichten.

Wie in vielen Western zu erleben, gibt es einen guten und einen bösen Stamm: In diesem Fall sind die Creek die guten und die zahlenmäßig deutlich präsenteren Seminolen die bösen Indianer. Herrlich, das Grün des Dschungels, der zur Todesfalle zu werden droht, aber doch so prachtvoll und farbenfroh erscheint. Auf ihre Art fesselnd, die eingeflochtenen dokumentarischen Aufnahmen aus der Tierwelt. Heroisch, das erste Auftauchen von Gary Cooper. All dies bündelt sich nach dem ohnehin schon fulminanten Start in fast schon melancholischen Bildern binnen weniger Minuten, die zunächst etwas Tempo herausnehmen, dafür aber ungemein immersiv wirken. Kurios, wie das Händeschütteln mit den Creek zudem bereits frühzeitig als Gag etabliert wird, der dem Film später einen sympathischen Abschluss bietet. Dazwischen jedoch entfacht Walsh für mehr als eine Stunde zunächst einmal ein beachtliches Action- und Exotik-Feuerwerk – er schuf damit eines der besten Dschungel-Abenteuer des klassischen Hollywood-Kinos. Zur Ruhe kommt man erst nach dem Finale. Wenn die Gejagten einmal ausruhen, lassen bedrohliche Trommeln oder die Kriegsschreie der Indianer aus dem Off meist nicht lange auf sich warten.

Cooper in seiner vielleicht coolsten Rolle

Die schauspielerischen Leistungen in Actionfilmen – und für damalige Verhältnisse ist „Die Teufelsbrigade“ ein Action-Abenteuer der Vorzeigekategorie mit ungewöhnlich wenigen Atempausen – werden gern einmal mit oberflächlichen Argumenten heruntergespielt. Bei genauerer Betrachtung aber stellt man fest: Gary Cooper hatte in dem Film eine gar nicht einmal einfache Aufgabe vor sich. Seine Mission bei der Darstellung von Quincy Wyatt könnte man so formulieren: „Die ganze Zeit weglaufen, aber trotzdem heroisch wirken“. Ein Widerspruch, der aber funktioniert. Bereits in seiner ersten Szene wird er eingeführt als sei er eine Art lebende Legende. Dieser Wyatt hat viel erlebt, ihm hat das Leben tragisch und übel mitgespielt, aber er ist kaum totzukriegen – so viel ist schon nach kurzer Zeit klar. Sein letzter Grund weiterzuleben ist sein Sohn, aber dieser Grund ist ein ganz besonders guter.

Dem Anspruch, der große Quincy Wyatt zu sein – zwar keine historische Persönlichkeit, aber inszeniert als sei er eine –, wurde Cooper sehr gut gerecht. Bemerkenswert ist insbesondere, wie er die vermeintlich einfachen, dialogfreien Momente in den Actionszenen gestaltet, wenn die Seminolen die Flüchtenden gerade wieder einmal fast eingeholt haben. Immer wieder, wenn Wyatt zurückblickt und sieht, wie die Meute ihm und seinen Mitstreitern dicht im Nacken sitzt, spielt sich auf seinem Gesicht eine ganze Menge an Anspannung, aber auch Entschlossenheit ab. Man hat Cooper selten so gesehen. Sehr fokussiert, sehr taff, und glaubwürdig unter Strom stehend. Er macht plausibel, dass Wyatt immer wieder in Sekundenbruchteilen waghalsige Entscheidungen treffen muss, wobei er oftmals von allen als erster mit dem Tod bedroht ist. Gleichzeitig überzeugt er mit melancholisch-romantischen Zwischentönen: Die Liebesgeschichte, die hier nur eher beiläufig erzählt wird, ist ungewöhnlich überzeugend. Cooper und Mari Aldon nähern sich auf sehr sanfte Art und Weise, die Musik von Max Steiner dazu geht ans Herz und nie verliert Coopers Quincy Wyatt seinen Humor. Großartig eine Szene, in der ihn seine Angebetete und Leutnant Tufts dabei beobachten, wie er sich mit einem blanken Messer rasiert und dem deftigen Geräusch der Klinge lauschen, die die Barthaare vertilgt.

Die Chance zur ersten großen Rolle

Die Dynamik des Films lebt maßgeblich von Coopers nuancierter, sehr cooler, mit dem notwendigen Humor und einer sehr menschlichen Seele unterfütterten Performance, die sich gut mit dem äußerst extrovertierten, auf sonderbare Weise übertriebenen Spiel von Larry Chance – in der Rolle des ihn jagenden Seminolen-Häuptlings – ergänzt. Chance, dessen wilde Gesten seinen Häuptling Ocala – offenkundig eine namentliche Referenz an Osceola, der zum Zeitpunkt der Handlung des Films allerdings schon tot war – wie einen unkontrolliert wütenden Orkan erscheinen lassen, und der auf bedrohliche Weise einfach zu durchgeknallt wirkt, um zur nicht ernst zu nehmenden Karikatur verkommen zu können, spielte später noch diverse ähnlich geartete Rollen im Western. In „Die Teufelsbrigade“ stand er am Anfang seiner Karriere, weshalb er in Produktionsunterlagen zu seinen ersten Filmen, wie auch diesem, als Larry Carper aufgeführt wird. In keinem dieser ab 1951 erschienenen Filme wurde sein Name allerdings im Vorspann erwähnt. Erst ab 1952 berücksichtigte man ihn in den Vor- bzw. Abspännen und führte ihn nun als Larry Chance auf; erstmals in dem durchaus sehenswerten, mitten im 18. Jahrhundert angesiedelten Low-Budget-Western „Battles of Chief Pontiac“, wo er an der Seite von Lex Barker und Lon Chaney Jr. agierte. Kurios, dass „Die Teufelsbrigade“ ihm frühzeitig seine letztlich bedeutsamste Kinorolle bescherte; bemessen an der Bedeutung der Figur für die Geschichte, aber auch bemessen daran, dass der Film von Raoul Walsh inszeniert wurde, für Warner Brothers entstand und Gary Cooper in der Hauptrolle als unmittelbaren Gegenpart zeigt. Dass ein Schauspieler seine rückblickend wichtigste Filmrolle bereits gespielt hatte, bevor er sich sein langjährig verwendetes Pseudonym zulegte, kam in der Filmgeschichte bisher zweifelsohne nicht allzu häufig vor.

Wilhelm schrie, bevor es Wilhelm gab

Mag der Film für die erzählte Geschichte, für seine Dramaturgie und für die stilistische Inszenierung zu Unrecht kaum beachtet worden sein, hat er seinen Platz in den Geschichtsbüchern eigentlich trotzdem längst sicher. Auch in diesem Zusammenhang wurde „Die Teufelsbrigade“ genau genommen aber übergangen – zumindest was die Namensvergabe anbelangt. Die Rede ist vom sogenannten Wilhemsschrei (engl.: „Wilhelm Scream“), der noch Jahrzehnte später in zahlreichen wirklich berühmten Blockbustern – beispielsweise in der „Star Wars“- und der „Indiana Jones“-Reihe – sowie auch in Computerspielen verwendet wurde und in „Die Teufelsbrigade“ das erste Mal auftauchte. Als „Wilhelmsschrei“ werden sechs kurze, ähnlich geartete Tonaufnahmen eines Schmerzensschreis bezeichnet, die sich seit „Die Teufelsbrigade“ wie ein Running Gag durch die Filmgeschichte ziehen und von denen zumindest zwei erstaunlich häufig immer wieder aufs Neue aus dem Archiv geholt und verwendet wurden. Aufgenommen wurden diese kurzen Schreie angeblich von Sheb Wooley, der in „Die Teufelsbrigade“ eine kleine Rolle als Soldat in Wyatts Gefolge spielt. In den Szenen dazu sieht man, wie drei Indianer bei dem Angriff durch Wyatts Männer auf das Fort sterben – hierfür wurden drei verschiedene der sechs Aufnahmen verwendet – und später, wie einer der Flüchtenden von einem Alligator unter Wasser gezogen wird und sich mit dem Schrei auf tragische Weise vom Publikum verabschiedet. Die Alligator-Szene war letztlich der Auslöser, dass die sechs Schreie aufgenommen wurden, wie sich an dem Arbeitstitel „man getting bit by an alligator, and he screams“ erkennen lässt, unter dem sie zunächst archiviert wurden. Die Aufnahme, welche für alle sechs Schreie offenbar in einem Rutsch ohne Unterbrechung erfolgte, entstand erst nach dem Dreh – daraufhin fügte man die Schreie im Schnitt in die entsprechenden Szenen ein. Die Bezeichnung „Wilhelmsschrei“ geht allerdings nicht auf „Die Teufelsbrigade“ zurück, sondern auf den von Gordon Douglas in 3D inszenierten Western „Der brennende Pfeil“ (1953), der ebenfalls eine Geschichte vom Widerstreit zwischen Soldaten und Indianern – in dem Fall Cheyenne – erzählt. Dieser Film wurde erst ab Februar 1953 gedreht und kam gut eineinhalb Jahre nach „Die Teufelsbrigade“ ins Kino. Der Soldat, der darin mit einem der sechs Schreie versehen wurde, trug den Namen Wilhelm. Seither tragen alle sechs Tonaufnahmen den Namen „Wilhelm“ bzw. „Wilhem #1“ bis „Wilhelm #6“. Aber: Ohne „Die Teufelsbrigade“ kein Wilhelmsschrei!

Wo bleibt die deutsche Heimkino-Auswertung?

Wer „Der Schatz der Sierra Madre“ mochte, wird „Die Teufelsbrigade“ nicht nur der ähnlich gearteten Musik Max Steiners wegen mögen, sondern auch weil der Film gleichsam exemplarisch und stilbildend eine Story hartgesottener Männer erzählt, wobei Action, Tempo und der exotische Schauplatz des von wilder Natur gekennzeichneten Floridas, hier als urtypische Motive des spannenden Abenteuerkinos, wie es Männer häufig lieben, ebenso gut funktionieren wie die Goldsuche als großer Klassiker unter den Abenteuerfilm-Themen zuvor in „Der Schatz der Sierra Madre“. Auf King Vidors hervorragendes, sehr gut vergleichbares Technicolor-Western-Abenteuer „Nordwest-Passage“ (1940), das die Natur in ebenso tollen Farben zeigt, sollte ursprünglich ein zweiter Teil folgen. Dieser wurde schließlich verworfen – aber wenn es im klassischen Hollywood genau den einen, einzig wahren Film gibt, der narrativ perfekt an diese Vorlage anschließt und praktisch für das fehlende Sequel entschädigt, so ist das „Die Teufelsbrigade“. Lediglich spielt der Film etliche Jahrzehnte später, bietet jedoch sehr ähnliche Stilmittel, Figuren, Settings und Situationen. Nicht zuletzt schließt er mit seiner abenteuerversessenen Story und den großartigen mit Farben überfüllten Technicolor-Bildern sowie hinsichtlich seiner Darstellung der Indianer aber auch gut an Coopers beide unter der Regie von Cecil B. DeMille entstandenen Farbwestern „Die scharlachroten Reiter“ (1940) und „Die Unbesiegten“ (1947) an. In den deutschen Fassungen dieser beiden DeMille-Western hatte Gary Cooper mit Peter Pasetti zudem seinen wahrscheinlich am besten passenden deutschen Synchronsprecher, der ihn darüber hinaus leider nur noch in der Kinosynchronisation von „Wem die Stunde schlägt“ (1943) sprach. Wolf Martini in „Die Teufelsbrigade“ ist eine ziemlich ungewöhnliche Besetzung, für die es bei diesem einen Film blieb. Allerdings macht die Tatsache, dass die Wahl auf den sehr rau, tief und kernig klingenden Martini fiel – der ansonsten, neben einigen anderen Stars, beispielsweise auch öfter einmal die sehr robusten Charakterdarsteller Ward Bond, Lee J. Cobb und Ted de Corsia sprach – deutlich, dass man sich bewusst war, welch taffen Charakter die Rolle für Coopers Verhältnisse hatte. Cooper war zuvor nie so sehr Actionfilm-Darsteller wie hier und war es auch danach nie wieder – und dieser Tatsache trägt die Synchronfassung letztlich Rechnung.

In den USA wurde das Werk im September 2014 schließlich mit einer Blu-ray gewürdigt, nachdem es bereits zehn Jahre zuvor eine DVD mit guter Bildqualität, aber knappem Bonus auf den Markt geschafft hatte. In Deutschland allerdings lief der Film nicht nur schon verdammt lange nicht mehr im Pay- geschweige denn Free-TV, was ihn selbst von anderen hierzulande eher seltenen Western recht bekannter Stars und/oder Regisseure noch einmal abhebt – letzte Ausstrahlungen auf Premiere Nostalgie und Kabel 1 gab es in den 2000er- bzw. 90er-Jahren –, sondern er wartet zudem nach wie vor auf jegliche Form der DVD-Veröffentlichung. Auch dieses Merkmal teilt sich „Die Teufelsbrigade“ leider mit „Nordwest-Passage“. Aber als Cineast hofft man ja doch, dass es wenigstens die Tonfilme von wirklich sehr bekannten Regisseuren der klassischen Hollywood-Ära, die von Stummfilmzeiten an über Jahrzehnte erfolgreich waren – und dieser Status gilt sowohl für King Vidor als auch Raoul Walsh – irgendwann einmal lückenlos ins Heimkino geschafft haben werden. Regisseure wie Vidor und Walsh waren für das Classical Hollywood, sei es nun im Stummfilm oder im Tonfilm, im Farbfilm oder in Schwarz-Weiß, genauso wichtig wie Truffaut und Godard später für die Nouvelle Vague oder Rossellini und Fellini für den italienischen Neorealismus der 40er- und 50er-Jahre. Sie verhalfen der Ära zu einigen ihrer Höhepunkte und haben daher vergleichbare DVD-Editionen verdient, die mehr als nur ihre berühmtesten Filme würdigen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Raoul Walsh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Gary Cooper in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung (USA): 23. September 2014 als Blu-ray und DVD, 11. Mai 2004 als DVD

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Distant Drums
USA 1951
Regie: Raoul Walsh
Drehbuch: Niven Busch, Martin Rackin
Besetzung: Gary Cooper, Mari Aldon, Richard Webb, Arthur Hunnicutt, Larry Chance, Ray Teal, Robert Barrat, Dan White, Sheb Wooley, Angelita McCall
Verleih: Warner Brothers
Vertrieb (USA): Olive Films

Copyright 2017 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

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Der Vagabund von Texas – Gary Cooper als Bruder Leichtfuß

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Along Came Jones

Von Volker Schönenberger

Westernkomödie // Kaum im Örtchen Payne Ville angekommen, macht der gutmütige Herumtreiber Melody Jones (Gary Cooper) ganz neue Erfahrungen: Selbst hartgesottene Kerle haben Angst vor ihm. Des Rätsels Lösung: Man verwechselt Melody Jones mit dem gefürchteten Postkutschenräubert Monte Jarrad (Dan Duryea) – die identischen Initialen sind schuld daran. Zunächst gefällt sich Melody Jones in der Rolle des Haudegens, vor dem die Männer zurückschrecken. Der Naivling denkt nicht darüber nach, wie nah er so einer tödlichen Kugel kommen könnte. Zum Glück nimmt sich die aparte Cherry de Longpre (Loretta Young) seiner an. Die hat allerdings etwas zu verbergen.

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Vagabund Melody Jones wird für einen Banditen gehalten

Gary Cooper als jungenhafter Tunichtgut – ein seltenes Bild. Der Oscar-Preisträger („12 Uhr mittags“) war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten allerdings schon ein Mittvierziger, was man bei genauem Hinschauen auch sieht. Er konnte 1945 aber auch bereits auf eine stattliche Filmografie und vier Oscar-Nominierungen zurückblicken, war gut gebucht, und das nicht nur in Western.

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Cherry de Longpre beschützt den jungen Mann

„Along Came Jones“, so der Originaltitel von „Der Vagabund von Texas“, funktioniert gut als leichtfüßige Westernkomödie mit parodistischen Anklängen. Sicher kein wichtiges Werk in Gary Coopers Filmografie, aber die Dreharbeiten dürften ihm Spaß gemacht haben. Bedeutsam ist der Schwarz-Weiß-Western dann aber doch, weil er Coopers einzige Arbeit als Produzent darstellt. Singen darf er auch ein paar Mal. Fast hätte ich übersehen, dass Cooper mit Loretta Young eine Schauspielerin an seiner Seite hatte, die drei Jahre später einen Hauptrollen-Oscar für „Die Farmerstochter“ („The Farmer’s Daughter“, 1947) verliehen bekam. Alles in allem bietet „Der Vagabund von Texas“ amüsante Westernunterhaltung ohne Tiefgang.

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Wie lange hält Melody das Spiel durch?

Regisseur Stuart Heisler gilt es hierzulande noch zu entdecken. Sein Krimidrama „Der gläserne Schlüssel“ („The Glass Key“, 1951) ist jüngst in der „Film Noir Collection“ von Koch Films erschienen, die ein Jahr später entstandene Robinsonade „Insel der Verheißung“ („Saturday Island“, 1952) auch erst kürzlich. Das war es womöglich schon, von ein paar Folgen der Clint-Eastwood-Serie „Tausend Meilen Staub“ („Rawhide“, 1959–1965) mal abgesehen. Dabei tun sich in Heislers Filmografie einige interessante Titel auf: „Tokio-Joe“ („Tokyo Joe“, 1949) und „Des Teufels Pilot“ („Chain Lightning“, 1950) haben Humphrey Bogart zu bieten, „Todfeindschaft“ („Dallas“, 1950) wartet mit Gary Cooper als desillusioniertem Ex-Südstaaten-Offizier auf. Sehr interessant wirkt „Der Gefangene des Ku-Klux-Klan“ („Storm Warning“, 1951) mit Ginger Rogers, Ronald Reagan und Doris Day – in den USA immerhin auf DVD lieferbar. Das gilt auch für das Erdöl-Drama „Erde in Flammen“ („Tulsa“, 1951) mit Susan Hayward und Robert Preston. Heislers bekanntester Film ist womöglich „The Star“ (1952), in dem Bette Davis als abgehalfterte Filmdiva zu sehen ist. In Nebenrollen: Sterling Hayden sowie eine blutjunge Natalie Wood. Auch „The Star“ ist nur in den USA erschienen.

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Melodys Gefährte George ist besorgt

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schiess zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)

Veröffentlichung: 7. Juli 2016 als DVD

Länge: 86 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Along Came Jones
USA 1945
Regie: Stuart Heisler
Drehbuch: Nunnally Johnson, nach einem Roman von Alan Le May
Besetzung: Gary Cooper, Loretta Young, William Demarest, Dan Duryea, Walter Sande, Frank Sully, Don Costello, Arthur Loft, Ray Teal, Lane Chandler
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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12 Uhr mittags – Formal wie inhaltlich meisterhaft

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High Noon

Gastrezension von Simon Kyprianou

Western // Fred Zinnemanns „Zwölf Uhr mittags“ beginnt ruhig und langsam, harmonisch: Town Marshal Kane (Gary Cooper) heiratet seine Freundin Amy (Grace Kelly), und legt, wenn auch mit einem Rest Widerwillen, sein Amt nieder, um mit seiner Ehefrau die Stadt zu verlassen und ein ruhiges Leben zu führen. Doch dann trifft die Nachricht eintrifft, dass um 12 Uhr mittags der Gangster Frank Miller (Ian MacDonald) per Zug eintreffen wird, um mit Kane eine alte Rechnung zu begleichen. Drei Mitglieder aus Millers Bande (darunter Lee Van Cleef in seiner ersten Rolle) lungern bereits im Ort herum. Der Marshal beschließt zu bleiben, um sich den Verbrechern zu stellen. Er sucht Hilfe – aber niemand steht ihm bei.

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Noch ist alles eitel Sonnenschein

„Zwölf Uhr mittags“ ist kein Film über die Rettung eines Systems, das System interessiert Fred Zinnemann („Verdammt in alle Ewigkeit“) nicht. Darum darf Gary Cooper zum Ende hin seinen Marshalstern auch angewidert in den Staub werfen. Es ist ein Film über ein Individuum, und seine persönliche moralische Pflicht. An Staat und Gesellschaft hat Zinnemann kein Interesse, nur Menschen interessieren ihn. Dabei legt er seinen Film als Parabel über die McCarthy-Ära aus, deren Feindseligkeit, deren Isolation Cooper auf der Odyssee durch die Stadt zu spüren bekommt.

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Vergeblich sucht Marshal Kane (l.) nach Mitstreitern

Formal ist dieser Film wunderbar gelungen. Wie Zinnemann das Motiv der ablaufenden Zeit darstellt, wie er die Handlung innerhalb des städtischen Mikrokosmos auf kleine Einzelschauplätze zerlegt, ist großartig. Ebenso wunderbar sind seine nüchterne Schwarz-Weiß-Fotografie und das raue Schauspiel von Gay Cooper. Immer wieder gibt es Close-ups auf dessen gehetztes, verschrecktes Gesicht.

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Die Miller-Bande zieht in den Kampf

Durch die Einheit von Zeit, Ort und Handlung knüpft „12 Uhr mittags“ recht auffällig an die griechische Tragödie an, zeichnet ein unbarmherziges Sittenbild einer Gesellschaft. Es ist aber auch ein Film über die Unerbittlichkeit der Zeit, die gnadenlos davontreibt. Ein wundervoller Film, formal elegant und doch nüchtern, inhaltlich zornig und rasend. Eine politische Tragödie. Einer der besten Western, keine Frage.

Der Oscar als bester Hauptdarsteller war 1953 der verdiente Lohn für Gary Cooper, drei weitere Academy Awards erhielt der Film für den Schnitt, Dimitri Tiomkins Musik und Tiomkins und Ned Washingtons von Tex Ritter gesungenen Song „Do not Forsake Me, oh My Darlin‘“.

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Allein

Als bester Film nominiert, unterlag „12 Uhr mittags“ dem unpolitischen Zirkusspektakel „Die größte Schau der Welt“ von Cecil B. DeMille. Auch Zinnemann ging bei den Oscars leer aus, den Regie-Oscar erhielt John Ford für die brillante, aber ebenfalls unpolitische Komödie „Der Sieger“ mit John Wayne. Zinnemann hatte ein Jahr zuvor für „Benjy“ den Oscar in der Kategorie Kurz-Doku erhalten. Als Regisseur wurde er ein Jahr später erstmals mit dem Academy Award prämiert: für „Verdammt in alle Ewigkeit“. Einen weiteren Regie-Oscar erhielt er 1967 für „Ein Mann zu jeder Jahreszeit“. Das Historiendrama bescherte Zinnemann zudem den Oscar für den besten Film, da er auch als Produzent agierte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Fred Zinnemann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, solche mit Lon Chaney Jr. und/oder Gary Cooper in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 19. Februar 2015 als Blu-ray und DVD (Award Winning Collection), 18. Juli 2013 als Blu-ray, 1. November 1999 als DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: High Noon
USA 1952
Regie: Fred Zinnemann
Drehbuch: Carl Foreman, nach einer Kurzgeschichte von John W. Cunningham
Besetzung: Gary Cooper, Grace Kelly, Thomas Mitchell, Lloyd Bridges, Lon Chaney Jr., Katy Jurado, Otto Kruger, Harry Morgan, Lee Van Cleef, Robert J. Wilke
Zusatzmaterial Blu-ray: Dokumentation „Inside High Noon“, The Making of „High Noon”, Song „Do not Forsake Me, oh My Darlin‘“ von Dimitri Tiomkin, gesungen von Tex Ritter, Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Starinfos Fred Zinnemann, Gary Cooper und Grace Kelly, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2013/2015 Studiocanal Home Entertainment

 

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