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The Devil’s Backbone – Das Rückgrat des Teufels: Der Bürgerkrieg und die Waisenkinder

El espinazo del diablo

Von Simon Kyprianou

Horrordrama // Mitte der 1930er-Jahre tobt in Spanien der Bürgerkrieg. Er füllt ein abgelegenes Waisenhaus, in welchem die Widerstandskämpfer die Kinder ihrer getöteten Kameraden in die Obhut von Dr. Casares (Federico Luppi) und Carmen (Marisa Paredes), geben, um sie vor den Häschern General Francos zu verstecken. Dort kommt eines Tages auch der Junge Carlos (Fernando Tielve) an, dessen Vater kurz zuvor gefallen ist. Er spürt sofort, dass an diesem Ort etwas nicht stimmt, dass er eingenommen ist von einer dunklen Präsenz. Deren Kraft manifestiert sich anscheinend in einer nicht explodierten Fliegerbombe, die – angeblich entschärft – bedrohlich im Innenhof schlummert. Immer wieder erscheint Carlos nachts der Geist eines grausam entstellten Jungen, der ihm etwas mitzuteilen versucht und schreckliches Leid voraussagt. Feindliche Kämpfer rücken immer näher, die kleine Gesellschaft wird das Waisenhaus bald verlassen müssen, um mit dem dort versteckten Gold das Land zu verlassen. Aber auch der mittlerweile erwachsene Waise Jacinto (Eduardo Noriega) hat Pläne mit dem Gold.

Der kleine Carlos trifft im Waisenhaus ein

In diesem kleinen Kosmos, in den sich der Krieg natürlich auch längst hineingefressen hat, erzählt der mexikanische Drehbuchautor und Regisseur Guillermo del Toro in der ersten Hälfte vornehmlich eine Geschichte über die Gruppendynamik im Waisenhaus. Das gelingt ihm hervorragend bei der Kindergruppe, deren Figuren seine Geschichte viel Tiefe und Individualität gibt, und weniger gut bei den Erwachsenen, die teilweise als reine Motoren für den Plot herhalten müssen. Besonders auf den von Eduardo Noriega („Die Schöne und das Biest“) verkörperten Jacinto trifft das leider zu – er nimmt eine zentrale Rolle in der Erzählung ein, die an seiner recht flachen Figur etwas krankt.

Dort kümmern sich Dr. Casares und Carmen um die Kinder

Dafür gelingt es del Toro hervorragend, Stimmungen zu vermitteln. Überall dort, wo sich der Horror seinen Weg in die Realität bricht, findet die Inszenierung ihre Höhepunkte, fühlt sich visuell hinein in die dunklen Gänge des Waisenhauses, dringt in den Bildern vor in die Vergangenheit und ihre Verbrechen. Am Ende lösen sich die erwachsenen Figuren quasi auf im Krieg und im dadurch entstehenden Leid, werden zu Widergängern, zu Gespenstern, die festgefroren sind am Ort des Schreckens. Auch wenn einem die Geschichte über den Krieg, der die Herzen der Menschen vergiftet und dabei Unschuldige – in diesem Fall Kinder – trifft, gelegentlich sehr simpel vorkommen mag, ist del Toros gelungener emotionaler und, damit verbunden, kluger visueller Zugang zu ihr überzeugend. „The Devil’s Backbone“ erinnert manches Mal an den ebenfalls sehenswerten spanischen Horrorfilm „Ein Kind zu töten …“ von 1976.

Nachts erscheint Carlos der Geist eines Jungen

Die Veröffentlichung von Wicked-Vision Media greift auf das 2K-Master von „The Criterion Collection“ zurück, das das amerikanische Label unter Aufsicht von Guillermo del Toro für eine eigene Veröffentlichung erstellt hat und das wirklich ganz hervorragend ist. Ebenfalls enthalten auf der Wicked-Vision-Media-Disc sind die Filmeinführung von del Toro und dessen Audiokommentar. In der Einführung betont der Regisseur die enge Zusammengehörigkeit von „The Devil’s Backbone“ und seinem fünf Jahre später entstandenen, wesentlich bekannteren Film „Pans Labyrinth“. Zusätzlich gibt es einen weiteren Audiokommentar von Marcus Stiglegger und Kai Naumann, ein informatives Booklet von Tobias Hohmann und eine Making-of-Dokumentation – zur vollständigen Auflistung der mehr als vierstündigen Extras siehe unten.

Auch die nicht explodierte Fliegerbombe bereitet ihm Unbehagen

Für alle, die del Toro im Zuge seines Oscar-prämierten „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ für sich entdeckt haben, oder sich generell mal mit seinen früheren Filmen beschäftigen wollen, sei dieser Film, auch zum Einstieg in das Werk des Regisseurs, uneingeschränkt empfohlen. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Guillermo del Toro sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet. Welche seiner Regiearbeiten sind eure Favoriten?

Jacinto (l.) und seine Gang führen Übles im Schilde

Veröffentlichung: 16. März 2018 3-Disc Limited Collector’s Edition (Mediabook mit Blu-ray & 2 DVDs, zwei Covervarianten à 777 Exemplare), 25. Februar 2003 als DVD (Studiocanal)

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: El espinazo del diablo
Internationaler Titel: The Devil’s Backbone
SP/MEX 2001
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Antonio Trashorras, David Muñoz
Besetzung: Marisa Paredes, Eduardo Noriega, Federico Luppi, Fernando Tielve, Íñigo Garcés, Irene Visedo, José Manuel Lorenzo, Francisco Maestre, Junio Valverde, Miguel Ortiz
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Dr. Kai Naumann, Audiokommentar mit Regisseur Guillermo del Toro, Vorwort von Guillermo del Toro, „Was ist ein Geist?“ (Making-of), Hinter den Kulissen von „The Devil’s Backbone“, Making of „The Devil’s Backbone“, Interview mit Guillermo del Toro „Von Geistern und Faunen – del Toros spanischer Bürgerkrieg“, Die Spezialeffekte, geschnittene Szenen (mit optionalem Regiekommentar), Storyboards, deutscher Teaser, US-Teaser, deutscher Trailer, Originaltrailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet von Tobias Hohmann
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2018 by Simon Kyprianou

Fotos & Packshots: © 2018 Wicked-Vision Media

 
 

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A Ghost Story – Gefangener Geist

A Ghost Story

Kinostart: 7. Dezember 2017

Von Matthias Holm

Fantasy-Melodram // Ein junges Pärchen ist zu Hause, redet über alltägliche, banale Themen. Nach einiger Zeit sieht man, wie er (Casey Affleck) bei einem Autounfall stirbt. Doch statt ins Totenreich zu gehen, wandelt er als Geist auf Erden und scheint seiner Freundin (Roony Mara) noch etwas sagen zu wollen.

Geister, aber kein Horror

Soweit im Groben die Geschichte von „A Ghost Story“. Regisseur und Drehbuchautor David Lowery, der mit Affleck und Mara bereits „The Saints – Sie kannten kein Gesetz“ drehte und letztes Jahr mit seiner Version von „Elliot, der Drache“ einem größeren Publikum bekannt wurde, hat hier allerdings keinen Horror- oder gar Gruselfilm inszeniert – auch wenn es um Geister geht. Wer ein Kinoticket löst, muss sich auf ein Arthaus-Drama gefasst machen.

Noch gilt die Zweisamkeit

Das beginnt beim Bildausschnitt: Die Leinwand wird nicht komplett ausgenutzt, Lowery entschied sich für ein Format, das eher wie ein Dia aussieht. Dies ist anfangs ungewohnt, unterstreicht jedoch in Verbindung mit der Geschichte einen Aspekt des Films: Das, was wir zu sehen bekommen, sind Momentaufnahmen. Hier gibt es keinen Spannungsbogen, keine Bedrohung für irgendwas. Solange die Frau im Haus ist, beobachtet der Geist – und der Zuschauer – lediglich, was vorgeht. Dann muss man auch damit klarkommen, einer Person eine gefühlte Ewigkeit beim Essen zuzuschauen.

Auch als Gespenst bleibt er bei ihr

Dies kann durchaus schnell ermüden. Doch der Geist wird in neue Situationen geschmissen, die Zeit verschwimmt mehr und mehr. Bald weiß er nicht mehr, ob er überhaupt noch in der Gegenwart, Zukunft oder Vergangenheit ist. Sollte sich wirklich Casey Affleck die ganze Zeit unter dem immer dreckiger werdenden Bettlaken befunden haben, muss man ihm hier Lob aussprechen – ohne Mimik oder Sprache, sondern nur durch grobe Bewegungen versteht man die Gedanken des Gespenstes, das an diesem einen Ort gefangen ist und nicht seiner großen Liebe nachreisen kann.

Anstrengend, aber schön

Die Entschlüssung von „A Ghost Story“ ist jedoch etwas schwierig. Im Gegensatz zu „mother!“ zum Beispiel ist der Symbolismus rar gesät. Es gibt nur wenig, was auf Lowerys Intention hinweist. Das macht das Gezeigte kryptischer, als es sein müsste, denn zusammen mit der zähen Inszenierung ergibt sich ein anstrengender Film. Dennoch ist er auch voller Herz für seine Figuren, gefällt mit einem wunderschönen Soundtrack und steckt voller Melancholie, die sich auf den Zuschauer überträgt. Es ist kein leichter Film, aber einer, der es wert ist, gesehen zu werden.

Ein einsamer Geist …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rooney Mara sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Casey Affleck unter Schauspieler.

… auf weiter Flur

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: A Ghost Story
USA 2017
Regie: David Lowery
Drehbuch: David Lowery
Besetzung: Casey Affleck, Rooney Mara, Will Oldham, Kenneisha Thompson, Liz Cardenas Franke, Kesha Sebert
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Savaged – Geisterhafter Rachefeldzug der derben Art

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Savaged

Von Volker Schönenberger

Horror // Der Rape-&-Revenge-Film ist ein fieser kleiner Bastard. Die ausbeuterische Darstellung einer Vergewaltigung in Verbindung mit blutiger Rache – nicht jedermanns Sache, zumal der Verdacht aufkommt, dass damit Selbstjustiz gutgeheißen wird. Vergewaltigungen sind per se schon verabscheuungswürdig; gehen die Täter gar außergewöhnlich bestialisch vor, wird manch ein Filmgucker konstatieren, sie hätten das Schicksal wohl verdient, das ihnen als Folge ihrer Tat widerfährt. Von Ingmar Bergmans „Die Jungfrauenquelle“ (1960) über Wes Cravens „Das letzte Haus links“ (1972) bis hin zu „Ich spuck’ auf dein Grab“ (1978) und dessen 2010er-Remake hat das Genre einige Stufen der Gewaltdarstellung durchlaufen und mehrfach Jugendschutz und Zensur auf den Plan gerufen.

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Zoe wird verscharrt …

In „Savaged“ fällt die gehörlose Zoe (Amanda Adrienne) auf der Fahrt durch die US-Wüste einer Horde Rednecks in die Hände. Die jagen gern indianische Ureinwohner, haben aber auch nichts dagegen, eine hübsche Blondine zu malträtieren. Zoe wird verschleppt, mit Stacheldraht gefesselt und vergewaltigt. Mit eiserner Willenskraft und unter enormen Schmerzen gelingt es ihr, in einem unbeobachteten Moment ihre Fesseln abzustreifen, doch einer ihrer Peiniger rammt ihr sein Messer in den Leib und verscharrt sie.

Ein Schamane buddelt sie aus. Einen letzten Funken Leben in dem geschundenen Körper spürend, holt er sie ins Leben zurück. Doch die Beschwörung weckt den Geist eines zornigen Apachenkriegers, der in Zoes Körper fährt. Das macht die junge Frau trotz voranschreitender Verwesung ihres Körpers stark für ihren Rachefeldzug.

Um den Film trotz einer möglichen Indizierung vermarkten zu können, veröffentlicht Ascot Elite Home Entertainment „Savaged“ nicht nur in der ungekürzten Cinema-Extreme-Version, sondern auch in einer um 80 Sekunden gekürzten FSK-18-Fassung. Zum Rezensieren lag die ungeschnittene Fassung vor – und die gezeigte Gewalt ist fürwahr explizit. Glücklicherweise ist die Vergewaltigungssequenz nicht ganz so drastisch ausgewalzt wie beispielsweise im oben erwähnten „I Spit on Your Grave“ von 2010. Dennoch wird das Martyrium der jungen Frau beinahe körperlich spürbar. Ihre blutige Rache wird ebenfalls in drastischen Bildern gezeigt. Der Splatter sieht dabei sehr gut aus, die visuellen Effekte sind eine gelungene Mischung aus handgemachten und am Computer entstandenen Tricks.

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… und kehrt als Racheengel zurück

„Savaged“ ist grimmig und ironiefrei, ein brutaler Trip ins US-Hinterland. Etwas albern wirken ein paar kurze Momente, in denen der Geist des Apachen agiert, etwa wenn seine Waffen aus dem Boden emporschweben. Das fällt aber nicht groß ins Gewicht. Wer mit dem Horrorgenre im Allgemeinen und Rape & Revenge im Besonderen nichts anfangen kann, wird sich vermutlich abgestoßen fühlen und nach kurzer Zeit abschalten. Unter Genre-Connaisseuren wird „Savaged“ aber zu Recht seine Freunde finden.

Veröffentlichung: 15. April 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 95 Min. (Cinema-Extreme-Blu-ray), 91 Min. (Cinema-Extreme-DVD), 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: Spio JK – keine schwere Jugendgefährdung (Cinema-Extreme-Fassung), FSK 18 (geschnittene Fassung)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Savaged
USA 2013
Regie: Michael S. Ojeda
Drehbuch: Michael S. Ojeda
Besetzung: Amanda Adrienne, Tom Ardavany, Ronnie Gene Blevins, Ernie Charles, Brionne Davis,Bobby Field, Ed Fletcher
Zusatzmaterial: Making-of, animierte Skizzen von Kampfszenen, Deleted Scenes, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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