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Gesetz der Rache – Von Recht und Unrecht

Law Abiding Citizen

Von Lucas Gröning

Thriller // „So funktioniert unser Rechtssystem nun mal.“ „Gegen das Schicksal bist du machtlos.“ „Es reicht nicht, es zu wissen, sie müssen es vor Gericht beweisen.“ Es sind Sätze, die in F. Gary Grays Thriller „Gesetz der Rache“ mehrmals erklingen, und immer wieder gleichen sie einer Ohrfeige ins Gesicht derjenigen Person, an welche die Worte adressiert sind. Ganz besonders davon betroffen ist der von Gerard Butler verkörperte Ingenieur Clyde Shelton, der zu Beginn der Handlung Frau und Tochter bei einem Raubüberfall auf sein Haus in Philadelphia verloren hat. Die Mörder, zwei an der Zahl, wurden zwar gestellt, das Strafmaß sorgt jedoch für alles andere als einen gerechten Ausgang des Falls. Während der sadistische Hauptverantwortliche der beiden Einbrecher, Clarence Darby (Christian Stolte), bereits nach drei Jahren aus dem Gefängnis freikommt, wird sein eher passiv wirkender Mittäter Rupert Ames (Josh Stuart) zum Tode verurteilt. Eingefädelt hat diesen Deal der Staatsanwalt Nick Rice (Jamie Foxx), welcher Shelton nun erklären muss, dass die Abmachung das Beste für alle Parteien darstellt, da in einem anderen Szenario beide Täter eventuell straffrei davongekommen wären – so funktioniere das Rechtssystem nun mal. Zurück bleibt ein verbitteter Witwer, der zehn Jahre später einen eigenen Rachefeldzug der Gerechtigkeit unternimmt, mit dem Ziel, alle Beteiligten des sich damals ereignenden Prozesses, vom freigelassenen Darby bis hin zur zuständigen Richterin, ihren aus seiner Sicht gerechten Schicksalen zuzuführen. Nun liegt es vor allem an Nick Rice, dem außer Kontrolle geratenen Shelton den Kampf anzusagen und neben seinen engen Vertrauten, Kollegen und seiner Familie ein ganzes System zu verteidigen.

Duell zweier Stars

Wie bereits erwähnt setzte sich F. Gary Gray für die Inszenierung des Rachethrillers auf den Regiestuhl. Der Amerikaner zeichnete vor „Gesetz der Rache“ unter anderem für „The Italian Job“ (2003) und „Be Cool“ (2005) verantwortlich und etablierte sich im Anschluss mit „Straight Outta Compton“ (2015), „Fast and Furious 8“ (2017) und „Men in Black – International“ (2019) im Mainstream. In den 1990er-Jahren war er außerdem als Regisseur verschiedener Musikvideos, vor allem im Hip-Hop-Bereich, tätig und drehte unter anderem für Dr. Dre, Ice Cube und Cypress Hill. Für „Gesetz der Rache“ holte sich der Filmemacher eine ganze Reihe hochkarätiger Darsteller ins Haus, von denen Jamie Foxx und Gerard Butler sicherlich herausstechen. Foxx sollte den meisten Filmliebhabern durch seine Engagements in einer ganzen Vielzahl von erfolgreichen Filmen bereits ein Begriff sein. Erwähnt seien an dieser Stellen seine Rollen in „Collateral“ (2004), „Ray“ (2004) „Django Unchained“ (2012) und „Baby Driver“ (2017). Für die Darstellung von Soulegende Ray Charles in „Ray“ erhielt er 2005 den Oscar als bester Hauptdarsteller. Bei der gleichen Verleihung war er außerdem als bester Nebendarsteller für seine Rolle in „Collateral“ nominiert. Selbiges ereignete sich bei den Golden Globe Awards 2005 – Trophäe für „Ray“, Nominierung für „Collateral“. Der zweite Superstar im Film ist Foxx’ Gegenspieler Gerard Butler. Der Brite verfügt ebenfalls bereits über eine recht umfangreiche Filmografie, an dieser Stelle herausgehoben seien seine Darstellungen in „300“ (2006), „Rock N Rolla“ (2008) und der „Has Fallen“-Reihe (2013–2019). Er etablierte sich in seiner Karriere vor allem als Schauspieler in Actionfilmen und leichten Komödien, sodass er bis dato nicht in Reichweite eines etablierten Darstellerpreises kam.

Nick Rice (r.) ist ein renommierter Staatsanwalt

„Gesetz der Rache“ dürfte bereits in die Kategorie der anspruchsvolleren Filme fallen, an denen Butler mitgewirkt hat, aber selbst F. Gary Grays Werk stellt sich insgesamt als relativ simpel heraus und lässt die notwendige Komplexität vermissen, die für die Bearbeitung der angesprochenen Themen angemessen wäre. Natürlich stellt der Film durchaus wichtige Fragen rund um die Rechtssysteme demokratischer, westlicher Gesellschaften und um den Begriff der Gerechtigkeit. Was ist überhaupt Gerechtigkeit? Sind westliche Rechtssysteme in dieser Form prädestiniert für das Schaffen von Gerechtigkeit? Ist für das Schaffen von Gerechtigkeit manchmal ein außerjuristisches Handeln von Individuen notwendig? Stellt das Aussetzen von Bürgerrechten in Ausnahmefällen einen legitimen Weg zum Erreichen von Gerechtigkeit dar? Allesamt durchaus komplizierte Fragen, doch die Bearbeitung beziehungsweise Beantwortung dieser stellt sich als relativ einfach heraus: Ist Clyde Shelton in den Anfangszenen ein furchtbares Unrecht widerfahren? Ja! Ist Clarence Darby ein widerlicher Mensch, dessen Strafmaß im Vergleich zu dem seines Komplizen ein schlechter Witz ist? Ja, natürlich! Rechtfertigt diese Tatsache die Taten, die Shelton im Verlaufe des Films vollführen wird? Auf keinen Fall! Ist das Rechtssystem der Vereinigten Staaten perfekt? Nein! All dies sind klare Antworten, die kaum ein Zuschauender des Films weiter hinterfragen wird. Die großen Fragen allerdings, beispielsweise danach, wie ein gerechteres Rechtssystem tatsächlich aussehen könnte, lässt der Film unberührt und bleibt somit relativ gemütlich und abwaschbar. Viel mehr verliert er sich darin, seine Zuseher mit den raffinierten Tricks und der scheinbaren intellektuellen Überlegenheit seines Antagonisten beeindrucken zu wollen, was das ein oder andere mal in unnötigen Logiglöchern gipfelt, jedoch im Großen und Ganzen durchaus unterhaltsam ist.

Einfältig und gefährlich

Gerade in diesem Streben nach Unterhaltsamkeit gibt der Film dann jedoch die einzig wirklich relevante Antwort, mit welcher er die Grenzen seiner diegetischen Welt verlässt: Als Nick Rice bereits kurz davor steht, die Grenzen des juristisch Vertretbaren zu überschreiten, um Shelton zu überführen, fragt ihn ein Polizist völlig zu Recht: „Aber was ist mit seinen Bürgerrechten?“. Der Anwalt entgegnet ihm ein trockenes „Scheiß auf seine Bürgerrechte“, was der Polizist lediglich mit einem Lachen beantwortet. Fröhlich schreiten beide im Anschluss zur Tat. Hinterfragt wird diese Aktion auch im späteren Verlaufe des Films an keiner Stelle. Das ist fatal, liefert F. Gary Gray doch hier auf Kosten eines billigen Witzes einen Präzedenzfall für das Eingreifen des Staates in die verfassungsmäßig legitimierten Grundrechte eines jeden Bürgers. Von einem national bedeutenden Notfall (beispielsweise in Form von Kriegszuständen), bei dem man diesen Eingriff zumindest erwägen könnte, kann hier zudem in keiner Weise die Rede sein. Hier nimmt der Film einen moralisch fragwürdigen Standpunkt ein und lässt diesen im Nachhinein leider unkommentiert. Die Leichtigkeit, mit der Gray und sein Team diese Entscheidung darstellen, erinnerte mich dabei an jene, mit denen Menschen im Jahr 2020 noch immer die Todesstrafe für bestimmte Verbrechen fordern, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, warum dieser Form der Sanktion in weiten Teilen der westlichen Welt ihre Legitimation entzogen wurde. Somit bleibt die einzig ernsthafte Antwort auf eine relevante Frage des Filmes eine äußerst einfältige und gefährliche.

Eine folgenschwere Entscheidung bringt den Familienvater …

Seine trotz allem unterhaltsame Geschichte erzählt der Film auf eine Art und Weise, die von Licht und Schatten geprägt ist. Licht gibt es vor allem auf Seiten der visuellen Erzählung. Die Bilder des Films sind in weiten Teilen sehr stark und sie sind vor allem stark genug, um für sich zu stehen. Wenn Shelton zu Beginn des Films aus der Entfernung beobachtet, wie Rice dem Verbrecher Darby vor laufenden Kameras die Hand gibt, so spürt man förmlich den Schlag in die Magengrube, den der Witwer dadurch kassiert. An vielen Stellen jedoch wird dieser tollen visuellen Erzählung ein Dialog hinzugefügt, der das, was eigentlich klar sein sollte, noch einmal kommentiert und erklärt, sodass es auch wirklich jeder verstanden hat. Diese Erklärung wirkt in weiten Teilen unnötig, weil die Bilder eigentlich so gut sind, dass sich eine weitere Erklärung erübrigt. Hier traut Regisseur Gray seinem Publikum leider nicht genug zu. Exemplarisch sei hier eine der eigentlich besten Szenen des Films genannt, nur dass die Erklärung hier nicht durch einen Dialog transportiert wird, sondern durch den Ton. Gemeint ist eine Paralellmontage in welcher man zum einen die Hinrichtung eines Schuldigen sieht und zugleich ein Cellokonzert der Tochter von Nick Rice. Spielt zu Beginn der Montage noch durchgehend die Musik des Cellokonzerts, während die Szenerie hin und her wechselt, löst sich die Cellomusik gerade dann auf, wenn der unerträgliche Todeskampf des Hinzurichtenden beginnt. Die schöne innerdiegetische, also tatsächlich in der fiktiven Welt gespielte, Musik des Konzertes, welche einen wunderbaren Kontrast zu den schockierenden Bildern hätte geben können, weicht einer bewusst spannungserzeugenden, außerdiegetischen, also für die Figuren nicht wahrnehmbaren musikalischen Untermalung, die auch dem letzten Zuschauenden die Dramatik der zu sehenden Bilder ins Auge drücken sollte.

Steelbook im Director’s Cut

Alles in allem bleibt ein durchaus unterhaltsamer Film, von dem man sich jedoch keine intellektuelle Auseinandersetzung mit dem Rechtssystem der Vereinigten Staaten versprechen sollte. Auf relevante Fragen rund um dieses komplexe Thema gibt der Film mit einer einzigen Ausnahme keine Antwort und diese Ausnahme ist in seiner hingeschluderten Leichtigkeit noch dazu recht einfältig und in letzter Konsequenz brandgefährlich. Die technische und vor allem visuelle Erzählung des Films gelingt zum Großteil, man traut ihr jedoch leider zu selten zu, für sich allein zu stehen, liefert zur Sicherheit lieber nochmal eine Erklärung zu viel und verkauft den Zuschauer dadurch leider oftmals für dumm. Für einen anspruchslosen, unterhaltsamen Nachmittag genügt der Film aber allemal – am besten im Unrated Director’s Cut, welcher am 21. Februar 2020 im Steelbook erschienen ist. Im Gegensatz zur Kinofassung wurden hier viele Szenen noch einmal umgeschnitten, wobei in den meisten Fällen eine längere Laufzeit herausspringt, teilweise behalten die Szenen aber auch ihre ursprüngliche Länge bei, nur die Kameraperspektiven sind andere. Insgesamt springt eine zusätzliche Laufzeit von knapp 11 Minuten dabei heraus, wichtige inhaltliche Veränderungen sind hierbei jedoch nicht zu erwarten, da sich die Unterschiede eher auf Details beschränken. Im Gegensatz zur Kinoversion ist der Director’s Cut außerdem ab 18 Jahren freigegeben, was sich vor allem in expliziteren Gewaltdarstellungen ausdrückt. Vordergründig betrifft dies die längere Folterszene von Clarence Darby in Verbindung mit einer expliziteren Darstellung des „Ergebnisses“ dieser Folter. Ansonsten sind die Unterschiede recht marginal, was aber auch daran liegt, dass der Film insgesamt über nicht allzu viele kürzenswerte Szenen verfügt. Die exakten Unterschiede beider Fassungen können im Schnittbericht nachgelesen werden.

… und andere in große Gefahr

Das Steelbook verfügt über einige sehenswerte Extras. Man findet hier das Feature „Das Rechtssystem“, in welchem einige der Schlüsselaspekte der Rechtsgrundlage der USA erklärt werden, die für den Film wichtig waren. Des Weiteren ist ein kleines Making-of mit dem Titel „Law in Black and White“ zu sehen, sowie ein Featurette zur Entwicklung der visuelen Effekte. Zu guter Letzt findet man neben einer Trailerschau noch einen Blick hinter die Kulissen, sowie Interviews mit einigen Darstellern und Regisseur F. Gary Gray.

Clyde Shelton hat nichts mehr zu verlieren

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Gerard Butler und Jamie Foxx haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. Mai 2020 als Blu-ray (Director’s Cut), 21. Februar 2020 als Blu-ray im Steelbook (Director‘s Cut), 31. Dezember 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays mit Kinofassung und Director’s Cut, drei Covervarianten à 777, 666 und 555 Exemplare), 15. November 2019 als Tape Edition Blu-ray (Director’s Cut), 20. Mai 2010 als Blu-ray im Steelbook (Kinofassung), Blu-ray (Kinofassung) und DVD (Kinofassung)

Länge: 119 Min. (Blu-ray, Director’s Cut), 108 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 105 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Law Abiding Citizen
USA 2009
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Kurt Wimmer
Besetzung: Gerard Butler, Jamie Foxx, Colm Meaney, Bruce McGill, Leslie Bibb, Michael Irby, Gregory Itzin, Regina Hall, Emerald-Angel Young, Christian Stolte, Annie Corley, Richard Portnow, Viola Davis
Zusatzmaterial: Featurette zur Erklärung der rechtlichen Hintergründe einiger Aspekte des Films („Das Rechtssystem“), Making-of „Law in Black and White“, Die Entwicklung der visuellen Effekte, Blick hinter die Kulissen, Interviews mit den Darstellern Jamie Foxx, Gerard Butler, Leslie Bibb und Viola Davis sowie mit Regisseur F. Gary Gray, Trailershow, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet mit einem Text von Markus Haage
Label/Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2020 by Lucas Gröning

Szenenfotos & Packshots: © Constantin Film

 

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Angel Has Fallen – Vom Helden zum Vaterlandsverräter

Angel Has Fallen

Kinostart: 29. August 2019

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Angesichts so vieler Filme muss ich bisweilen in meinen eigenen Rezensionen nachlesen, wie mir der eine oder andere gefallen hat. So auch im Falle von „Olympus Has Fallen“ (2013), dem ersten Auftritt des von Gerard Butler verkörperten präsidialen Leibwächters Mike Banning. Meine Texte anlässlich des Heimkinostarts sowie zum Kinostart von Roland Emmerichs „White House Down“ (darin hatte ich beide miteinander verglichen) ergaben, dass mir „Olympus Has Fallen“ als Over-the-Top-Actionthriller recht gut gefallen hat. Und auch bei der Fortsetzung „London Has Fallen“ (2016) habe ich mich anständig unterhalten gefühlt, obgleich ich einige Kritikpunkte ausgemacht habe.

Mike Banning will mal wieder den Präsidenten retten …

Nun kommt als zweite Fortsetzung also nicht „Berlin Has Fallen“, wie ich in meiner Rezension des ersten Sequels gemutmaßt habe, sondern „Angel Has Fallen“. Und beim dritten Teil haben mir leider diverse Unzulänglichkeiten die Freude an der Action stark getrübt – stärker als das bei den beiden Vorgängern der Fall war. Aber der Reihe nach. Beim titelgebenden gefallenen Engel handelt es sich um Mike Banning persönlich, der als einziger Angehöriger der diensthabenden Leibwächter ein Attentat auf den US-Präsidenten Allan Trumbull (Morgan Freeman) überlebt. Zur Erinnerung: In „Olympus Has Fallen“ war Trumbull noch Sprecher des US-Repräsentantenhauses, in „London Has Fallen“ Vizepräsident, in beiden Filmen musste er während der Krise als kommissarischer Präsident agieren, was er offenbar so souverän erledigt hat, dass er bei den folgenden Wahlen ins höchste Amt der USA gewählt wurde.

Präsident Trumbull fällt ins Koma

Bei dem mit explodierenden Drohnen geführten Anschlag auf Trumbull während eines Angelausflugs gelingt es Banning mit Müh und Not, mit seinem Boss ins Wasser zu tauchen. Beide werden schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht, der Präsident fällt zudem ins Koma. Und plötzlich gilt Banning als Täter, wird verhaftet und angeklagt.

… und wird bald selbst als Verschwörer gejagt

Beginnen wir bei dieser Prämisse: Da ist mit Mike Banning ein Secret-Service-Agent, der für sein Land und seinen Präsidenten wiederholt das Leben riskiert und an dessen Loyalität nie auch nur der Hauch eines Zweifels bestanden hat. Dennoch reichen ein paar belastende Spuren, um alle Beteiligten davon zu überzeugen, dass Banning aus Geldgier die Seiten gewechselt hat. Ein paar DNA-Spuren in einem Lieferwagen, von dem aus der Anschlag erfolgte, ein Offshore-Konto mit zehn Millionen Dollar, das Banning untergejubelt wird, noch ein paar weitere Indizien – flugs ist aus dem Helden der Vaterlandsverräter geworden. Dass es den Verschwörern bei einem derart groß angelegten Komplott, wie es das Attentat bedingte, ein Leichtes wäre, solche Beweise zu fabrizieren – auf den Gedanken kommt trotz Bannings tadellosen Rufs niemand. Dass Banning zu sehr Profi ist, um derlei leicht zu findende Beweise zu hinterlassen – geschenkt. Erst spät kommt der die Ermittlungen und die Jagd auf Banning leitenden FBI-Agentin Helen Thompson (Jada Pinkett Smith) der Gedanke, es könne sich um eine falsche Fährte handeln.

Verräter, Verschwörer und Söldner

Private Sicherheitsfirmen – zu deutsch: Söldnerunternehmen – spielen eine Rolle, einmal fällt auch der Name Blackwater. Werden diese militärischen Kontraktoren künftig wieder Aufträge der US-Regierung erhalten? Nicht unter Präsident Trumbull, das macht er zu Beginn deutlich. Verrat spielt eine Rolle, und ich konnte ihn drei Meilen gegen den Wind riechen. Als großen Drahtzieher werden viele Zuschauerinnen und Zuschauer ebenfalls zügig den richtigen Mann verdächtigen. Vielleicht ahnte Regisseur Ric Roman Waugh („Snitch – Ein riskanter Deal“) das, weshalb er die Personalie vergleichsweise früh enthüllt.

FBI-Agentin Thompson jagt Banning

Ich verrate nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass Banning zügig die Flucht gelingt, wenn auch mit fremder Hilfe. In Haft könnte er kaum daran arbeiten, seine Unschuld zu beweisen, die Verschwörer auszuschalten und eine letztlich mal wieder globale Katastrophe in Form eines Krieges zu verhindern. So weit, so gut, das geht schon in Ordnung. Nicht in Ordnung geht, dass er mitten im Nirgendwo an einer Tankstelle einen riesigen Truck als Fluchtfahrzeug auswählt, obwohl er ebenso gut einen Pkw nehmen könnte – im Wissen, in wenigen Minuten von einer Armada von Polizeiwagen verfolgt zu werden. Diese Verfolgungsjagd gerät natürlich spektakulär, aber das hätte man souveräner vorbereiten können.

Geradezu als ärgerlich habe ich es empfunden, dass ein irgendwo tief im einsamen Wald lebender Waldschrat (Nick Nolte) es für nötig hielt, seine Hütte mit einem gigantischen Sprengfallen-Schutzring auszustatten – und dazu auch noch die technischen und handwerklichen Fähigkeiten hatte. Weshalb zum Teufel sollte der Typ das tun, nur weil er ein traumatisierter Vietnamveteran ist, der seiner Regierung misstraut? Auch dies dient einer dramatischen Actionszene, schon klar, aber muss man derart plump alle Logik fahren lassen? Ich kann oft über Logiklöcher und Glaubwürdigkeitsdefizite hinwegsehen, war bei beiden Vorgängern dazu gut in der Lage. Im Falle von „Angel Has Fallen“ ist das leider eine Schippe zu viel.

Piper Perabo für Radha Mitchell

Die Action gestaltet sich explosiv, das steht auf der Habenseite. Gelangweilt habe ich mich jedenfalls nicht, packend inszeniert ist das Ganze, das kann man von einem A-Liga-Actionthriller aber auch erwarten. Gerard Butler und Morgan Freeman sind im Übrigen die beiden einzigen Darsteller, die ihre Figuren bereits in den zwei Vorgängern spielten. Als Bannings Ehefrau Leah ersetzt Piper Perabo („Coyote Ugly“) Radha Mitchell, dem Vernehmen nach spielte einzig die mangelnde terminliche Verfügbarkeit Mitchells eine Rolle.

Was will der denn?

Wer etwas gelassener mit den erwähnten Kritikpunkten von „Angel Has Fallen“ umgehen kann, wird am dritten Teil der Mike-Banning-Saga durchaus Gefallen finden. Für mich war es etwas zu viel des Schlechten, weshalb ich Teil 3 deutlich unter „Olympus Has Fallen“ und „London Has Fallen“ ansiedle.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ric Roman Waugh haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Gerard Butler, Morgan Freeman und Nick Nolte unter Schauspieler.

Kann Banning sich reinwaschen und die Verschwörer ausschalten?

Länge: 120 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Angel Has Fallen
USA 2019
Regie: Ric Roman Waugh
Drehbuch: Robert Mark Kamen, Matt Cook, Ric Roman Waugh
Besetzung: Gerard Butler, Morgan Freeman, Piper Perabo, Jada Pinkett Smith, Nick Nolte, Lance Reddick, Danny Huston, Tim Blake Nelson, Michael Landes, Chris Browning
Verleih: Universum Film

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Universum Film

 

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Criminal Squad – Testosterongeladenes „Räuber & Gendarm“-Spektakel

Den of Thieves

Von Philipp Ludwig

Actionthriller // Man kommt in gewisser Weise gar nicht umhin, irgendwann den Moment zu erwarten, in dem sich der Protagonist Nicholas „Big Nick“ O’Brien (Gerard Butler) seine Lederjacke vom Leib reißt und uns seinen digital nachbearbeiteten, muskelbepackten Oberkörper präsentiert – quasi als eine Art filmische Reminiszenz an frühere Rollenmuster seines mehr als actionerprobten Darstellers (etwa als König Leonidas in „300“). Denn eines der zentralen Themen des Regiedebüts von Christian Gudegast ist eindeutig die pure Männlichkeit in Verbindung mit ausgelebtem Mackertum auf allen Ebenen. Sei es auf Seiten der wenig zimperlichen Gesetzesvertreter um L. A.-County-Sheriff „Big Nick“ oder der Gangster des „Den of Thieves“ (zu deutsch: „Räuberhöhle“, wie der Originaltitel passender tituliert ist), in Form einer mehr als hartgesottenen und größtenteils mit Ex-Marines besetzten Bande von Bankräubern. Dass sich der Absolvent der Filmhochschule und frühere Rap-Musikvideoregisseur Gudegast mit dem Actiongenre bestens auszukennen scheint, hat er mit seiner Mitwirkung am Drehbuch zum ebenfalls mit Butler besetzten Actionfeuerwerk „London Has Fallen“ in der Vergangenheit eindrucksvoll bewiesen.

Mit Big Nick legt man sich besser nicht an

Mit seiner ersten Kino-Regiearbeit, zu der er ebenfalls das Skript verfasste, zeigt Gudegast allerdings, dass er mehr im Sinn zu haben scheint als die pure Action. Denn trotz einer fulminant in Szene gesetzten und äußerst bleihaltigen Einstiegssequenz bedient er mit seinem Erstling eine Fülle an Konventionen einer Vielzahl beliebter Genres und bewegt sich in erster Linie im Sinne der Traditionen klassischer Heist-Movies wie auch vor allem denen des Westerns. Somit bietet „Criminal Squad“ glücklicherweise dann doch etwas mehr als eine meinerseits zunächst erwartete und beinahe schon befürchtete reine Ballerorgie. Ob der Film mich dennoch überzeugen konnte? Lest selbst! Diese Rezension bezieht sich auf die US-Kinofassung mit einer Laufzeit von 141 Minuten, die mit Ausnahme der Einzel-DVD auf allen erhältlichen Datenträgern enthalten ist. Über die um etwa 20 Minuten gekürzte deutsche Kinofassung und die noch einmal längere US-Unrated-Version, die ebenfalls auf der Blu-ray enthalten ist, werde ich mich nicht äußern. Zu den Unterschieden zwischen der deutschen und der US-Kinofassung verweise ich auf einen Schnittbericht, zu den Unterschieden zwischen US-Kinofassung und dem Unrated Cut auf einen weiteren Schnittbericht.

Die Criminal Squad bei der Arbeit

Zu Beginn von „Criminal Squad“ informiert uns eine Texttafel, dass es sich beim Ort der Handlung um die Stadt mit den anscheinend meisten Banküberfällen der Welt handelt: Los Angeles. Die hocheffektiven Bankräuber um den Ex-Marine und Ex-Knacki Ray Merrimen (Pablo Schreiber, „Orange Is the New Black“, „The Wire“) stiehlt dort in den Morgenstunden einen mysteriöserweise vollkommen leeren Geldtransporter. Merrimen und seine kampferprobten Armeekameraden füllen die Luft dabei ordentlich mit hochkalibrigen Geschossen. Dass dabei – entgegen der Grundsätze der „ehrenhaften Banditen“ – auch der eine oder andere eintreffende Polizist zu Tode kommt, ruft County Sheriff Nicholas „Big Nick“ O’Brien (Butler) auf den Plan. Mit seinen Hilfssheriffs aus der Major-Crimes-Einheit heftet er sich an die Fersen des polizeibekannten Merrimen, den Big Nick, nach dessen kurz zuvor erfolgten Entlassung aus dem Gefängnis bereits zuvor schon wieder illegaler Aktivität verdächtigt hat. In der Folge lassen die Ermittlungsmethoden des raubeinigen „Bad Cops“ dann jedoch Zweifel an dessen Verständnis von ethischer Polizeiarbeit aufkommen, stellen für ihn doch beispielsweise das Kidnappen potenzieller Zeugen und deren Befragung inklusive Morddrohungen bei ausbleibender Kooperation keine Ausnahme dar, ebenso wie nächtliche Abenteuer mit der Stripperfreundin seines Hauptverdächtigen, um an Informationen zu dessen Plänen zu kommen. Doch ob Big Nick dem charismatischen und intelligenten sowie hocheffektiv und präzise arbeitenden Merrimen wirklich auf die Schliche kommt oder ob dieser den alkoholsüchtigen, fremdgehenden Heißsporn mit Polizeimarke nicht eher in eine wohldurchdachte Falle zu locken versucht – wer weiß? Denn in einer Rückblende erfahren wir, dass Big Nicks Verdächtigungen zumindest insofern stimmen, als Merrimen tatsächlich den größten Coup seines Lebens plant: den Einbruch in der als unbezwingbar geltenden Federal Reserve Bank. Ein Showdown zwischen dem Bankräuberboss, mit seiner Crew um Levi Enson Levoux („50 Cent“ Jackson), Bo Bosco Ostroman (Evan Jones) und ihren neuen Fluchtfahrer und Spitzel Big Nicks, Donnie Wilson (O’Shea Jackson Jr.), und dem Sheriff samt seiner Deputys scheint unvermeidlich.

Sehenswerte Action – zum Glück nicht alles

Was man von der filmischen Machoparade Gudegasts am Ende auch halten mag – es lässt sich kaum abstreiten, dass die umfangreichen Actionsequenzen zu Beginn sowie am Ende phänomenal inszeniert wurden. Der Kniff, die Bankräubercrew zu einem Großteil aus ehemaligen Marines zusammenzusetzen, die bereits gemeinsam in Kriegsgebieten im Einsatz waren, erweist sich hierbei als gelungener Kniff, bieten die perfekt durchchoreografierten Schusswechsel zwischen diesen und den Gesetzeshütern doch eine Reihe sehenswerter Schauwerte und eine äußerst spannungsgeladene Dramaturgie. Erfreulich ist zudem, dass die Action dennoch nie die zentrale Rolle des Films einnimmt und somit nicht zur reinen Nummernrevue verkommt.

Im Mittelpunkt steht klar die Figurenzeichnung der beiden Gegenspieler Big Nick und Merrimen. Aufgrund der Arroganz und fehlenden Manieren im sozialen Miteinander des Erstgenannten, die Butler in nahezu jeder Szene mit Bravour auf die Leinwand bringt, sowie dessen arg zweifelhafter Methoden der Polizeiarbeit, fällt es jedoch schwer, ihm gegenüber auch nur annähernd so etwas wie Sympathie entgegenzubringen. Auch wenn durch die Figur seiner Frau Debby (Dawn Olivieri), die ihren Mann nach dem einen Seitensprung zu viel mit den beiden kleinen Töchtern verlässt, der Versuch unternommen wird, auch so etwas wie eine menschliche Seite des harten Hundes aufzuzeigen. Interessanterweise gelingt es Debby sogar, als einzige starke Frauenfigur in dem ansonsten durch und durch testerongeschwängerten Machogelage, die harte Schale ihres Mannes zumindest kurzzeitig mal zu durchbrechen und uns Zuschauern zu offenbaren, dass wir es hier womöglich doch mit einem menschlichen Wesen zu tun haben. Ebenso ist sie somit auch die einzige Figur, die das Alphamännchen zumindest kurzzeitig einmal in die Schranken weisen und damit aufzeigen kann, dass unter besagter harter Schale doch so etwas wie der berühmte weiche Kern zu liegen scheint.

Wo liegen Donnies (l.) Loyalitäten – bei Big Nick oder …

Als wirklicher Sympathieträger des Films kann hingegen der ausgesprochen charismatische Bankräuber Ray Merrimen gesehen werden. Dieser scheint, im Gegensatz zu Big Nick, zumindest nach einem Mindestmaß an Regeln und Idealen zu handeln. Er bringt somit trotz der von ihm stets ausgehenden subtilen Gefahr mehr moralische Integrität auf die Leinwand als der stets trinkende und wiederholt seine Frau betrügende Sheriff, der permanent am Rande der Legalität oder darüber hinaus arbeitet. Ebenso zeigt der vermeintliche Schurke, trotz der immer wieder aufblitzenden Härte und Brutalität seines Charakters, deutlich mehr menschliche Züge als sein Gegenpart auf Seiten des Gesetzes. Zu verdanken ist dies vor allem Darsteller Pablo Schreiber, der seine Figur auf beeindruckende Weise darstellerisch und vor allem durch eine ebenso beeindruckende physische und charismatische Präsenz ausfüllt und damit ganz klar den stärksten Eindruck in dem gesamten Ensemble hinterlässt. Ein Schauspieler, der mich übrigens schon durch seine Rolle in der zweiten Staffel der meiner Meinung nach besten TV-Serie aller Zeiten, HBOs „The Wire“, sehr zu beeindrucken wusste.

… beim Oberräuber Merrimen?

Durch die direkte Gegenüberstellung der beiden Alphatiere Big Nick und Merrimen sowie ihrer jeweiligen Crews und deren Methoden bekommen die Titel „Criminal Squad“ und „Den of Thieves“ eine ganz eigene Note, scheint Gudegast in seinem Werk doch die Frage zu stellen, wer hier im Endeffekt eigentlich die kriminellere Bande darstellt – Gesetzeshüter oder Bankräuber?

„Wann ist ein Mann ein Mann?“

Das zentrale Leitthema des Films ist und bleibt dennoch, wie bereits eingangs erwähnt, die filmische Darstellung der scheinbar puren Männlichkeit und des auf allen Ebenen ausgelebten Mackertums – und ist damit zugleich auch eines der größten Mankos des ambitionierten Erstlingswerks von Gudegast. Denn mag dies für das raue Umfeld einer Major-Crimes-Einheit sowie einer größtenteils von Marines besetzten Bande von Bankräubern in Maßen noch stimmig sein, so ist es in weiten Teilen doch immer auch ein Stück weit drüber und droht somit leider mitunter ins unfreiwillig Komische abzugleiten. Mit Ausnahme der kurzzeitigen Tränen, die Big Nick etwa nach der Trennung von seiner Frau und vor allem seiner geliebten Töchter verdrückt, so wechselt er auch in dieser Angelegenheit schnell wieder zurück in seine gewohnte Rolle des harten Hundes und miesen Bullys. Für Gefühle ist in der Welt von „Criminal Squad“ leider keine große Zeit. Doch auch abseits von Butlers Machoshow besteht der Film zu einem Großteil aus vielen gezeigten Muskeln, Tattoos, Unterhemden, Lederjacken, Kippen, Whiskey, Stripperinnen, coolen Sprüchen, einer Vielzahl dicker Wummen, harten Gesten und starren Blickduellen, in denen minutenlang kein Wort gesprochen wird. Gerade die wiederholten Aufeinandertreffen vom Jäger Big Nick und seinem Gejagtem Merrimen erhalten aufgrund ihrer oft wortlosen Blickduelle zwar eine gewisse Intensität, wirken aber leider auch zunehmend überzogen und ein Stück weit unrealistisch. Ebenso wie die Unfähigkeit nahezu sämtlicher männlicher Protagonisten, beim Sprechen die Zähne zumindest mal ein wenig gescheit auseinander zu bekommen.

Bunter Genremix ohne Innovationen

Weiterhin lässt sich festhalten, dass die Bedienung einer Vielzahl an Genre-Konventionen zwar einerseits für eine gewisse Abwechslung sorgt und dankenswerterweise ein reines und auf pure Schauwerte reduziertes Actionspektakel somit ausbleibt – Gudegast hierbei aber nicht in der Lage ist, über die solide Genrebedienung hinaus diesen auch neue Ansätze und Ideen zu verleihen. So bedient er sich in erster Linie der klassischen Filmsprache der Heist-Movies durch die Konzentration auf eine nicht vollends unsympathische Gaunertruppe, die einen genialen Plan für einen großen Coup ausheckt und wir uns als Zuschauer gestehen müssen, dass wir ihnen ein Gelingen durchaus gönnen würden. Die wiederholten Plot-Twists, die Gudegast in der Tradition dieser Filme einsetzt, sind daher leider nur selten überraschend. Gleiches gilt für die Motive des Westerns, die sich in „Criminal Squad“ geradezu aufdrängen. Würde man den Film im Szenario des „Wilden Westens“ drehen, der Plot bedürfte kaum einer Änderung. Insbesondere die Vorbereitungen auf den finalen Shoot-out zwischen dem Sheriff und seinen Deputys mit der Verbrecherbande sowie dessen actionreiche Inszenierung hätte ebenso gut in einer staubigen und abgewrackten Westernstadt in den Weiten des Mittleren Westens der USA stattfinden können. Über diese Kritikpunkte hinaus zeigt der Actionthriller wiederholt einige Logik- und vor allem zahlreiche Continuity-Fehler, die sich für aufmerksame Zuschauerinnen und Zuschauer nur schwer ausblenden lassen. So kommt es etwa vor, dass ein Wachmann, der sich eben noch aufmachte, einen der Bankräuber zu verfolgen, plötzlich nie wieder gesehen ward. Wobei diese Fehler auch im Schneideprozess der im Vergleich zur US-Kinofassung um acht Minuten längeren Unrated-Version entstanden sein können. Ebenso wirkt der bis ins kleinste Detail ausgeklügelte Plan des Überfalls auf die Federal Reserve Bank für meinen Geschmack nicht wirklich sinnvoll durchdacht und daher wenig glaubwürdig, was allerdings auch an mir und meinem mangelhaft ausgeprägten Verständnis für kriminelle Handlungen und damit verbundenen Masterplänen liegen kann.

Nicht mal der Knastaufenthalt kann Merrimen zum Berufswechsel verleiten

Da ich bereits zu Beginn auf den HBO-Serien-Meilenstein „The Wire“ zu sprechen kam: Ich wage zu behaupten, dass Gudegast ebenfalls Fan dieser herausragenden Serie ist. Denn nicht nur der Darsteller Pablo Schreiber bietet „The Wire“-Fans einigen Nostalgiewert, auch ein anderer Star aller Staffeln ist in „Criminal Squad“ vertreten: eine schnöde, holzgerahmte, frei stehende und abgenutzte Pinnwand. Fast könnte es sogar das gleiche Modell sein, an dem bereits Jimmy McNulty, Lester Freamon und Co. in Baltimore Jagd auf die örtlichen Drogengangs machten, an dem sich nun ebenfalls auch die testosterongeschwängerten Polizisten aus Big Nicks Major-Crime-Truppe filmisch zwischendurch tatsächlich mal an so was wie schnöder, authentischer Polizeiarbeit versuchen. Natürlich reicht Gudegasts Darstellung in der Authentizität in keiner Weise an den HBO-Klassiker heran, aber dies hat zum einen ohnehin noch niemand geschafft und wird zum anderen auch nicht ernsthaft Anspruch des Regiedebütanten gewesen sein. Zudem hat es dabei fast schon komödiantischen Charakter, den Ledernacken Big Nick einmal, statt Zeugen entführend, in Stripclubs ermittelnd oder auf Konfrontation setzend stattdessen zu sehen, wie er im Büro sitzt, seine Deputys nach Akten und Büchern fragt und schnöden Papierkram abarbeitet. Als eine Art Hommage an meine Lieblingsserie (und so verstehe ich diesen Kniff einfach mal) empfand ich es aber dennoch als nette Idee, um auch in „Criminal Squad“ einmal aus der üblichen Darstellung einer Welt knallharter Kerle zumindest für kurze Zeit auszubrechen. Die sonstige Vorgehensweise der Einheit ist nämlich mehr als nur fragwürdig und dürfte wenig mit echter Polizeiarbeit zu tun haben. So hoffe ich zumindest für die realen Bewohner der kalifornischen Metropole.

Ein netter Film für zwischendurch

Christian Gudegast liefert mit seinem Regiedebüt demnach also einen mehr als solide gedrehten Film mit bekannten und durchweg souverän agierenden Darstellern ab. Seine vielfältigen Genreanleihen sind zwar weitgehend stimmig und gut umgesetzt, erzählen aber nichts wirklich Neues, wodurch sein Erstling nur wenig Überraschendes bietet. Der eine oder andere Logikfehler ist obendrein angetan, das Sehvergnügen mitunter zu schmälern. Wer darüber hinaus wohlwollend über das ebenso übertrieben zur Schau gestellte Macker- und Machotum hinwegsieht, den erwartet ein kurzweiliges Filmerlebnis, da gerade die Actionsequenzen absolut zu überzeugen wissen, ebenso wie etwa die Bildästhetik und musikalische Untermalung durch den Soundtrack von Cliff Martinez – der Ex-Drummer der Red Hot Chili Peppers ist in der Filmmusik ja, insbesondere seit dem Meisterwerk „Drive“, mittlerweile zu einer festen Größe aufgestiegen. Für einen entspannten Filmabend auf der Couch ohne allzu große Ansprüche ist „Criminal Squad“ somit definitiv zu empfehlen – wer mehr erwartet, dürfte hingegen enttäuscht werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Gerard Butler sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Einen lesenswerten Text zu „Criminal Squad“ hat auch Christoph auf seinem Blog „Fluxkompensator“ veröffentlicht.

„High Noon“ in den Straßen von L. A.

Veröffentlichung: 7. Juni 2018 als Blu-ray, 2-Disc Special Edition DVD und DVD

Länge: 149 Min. (Blu-ray, Unrated Cut), 141 Min. (Blu-ray, US-Kinofassung), 124 Min. (Blu-ray, deutsche Kinofassung), 140 Min. (DVD, US-Kinofassung), 119 Min. (DVD, deutsche Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsche Untertitel für Hörgeschädigte
Originaltitel: Den of Thieves
USA 2018
Regie: Christian Gudegast
Drehbuch: Christian Gudegast, Paul Scheuring
Musik: Cliff Martinez
Besetzung: Gerard Butler, Pablo Schreiber, O’Shea Jackson Jr., Curtis „50 Cent“ Jackson, Evan Jones, Maurice Compte, Dawn Olivieri, Meadow Williams, Cooper Andrews
Zusatzmaterial: Alternatives Ende, Making-of, Wendecover, nur Blu-ray und Special Edition DVD: Audiokommentar, Featurettes
Label/Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2018 by Philipp Ludwig

Fotos & Packshot: © 2018 Concorde Home Entertainment

 
 

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