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Der stolze Rebell – Hoffnung im Schatten des Krieges

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The Proud Rebel

Von Ansgar Skulme

Western-Melodram // Ein früherer Südstaatensoldat (Alan Ladd) reist nach dem Bürgerkrieg mit seinem Sohn David (David Ladd) in den Norden, stetig auf der Suche nach einem Arzt für das Kind. Der Junge musste in Abwesenheit des Vaters mit ansehen, wie das Haus der Familie niederbrannte und die Mutter dabei zu Tode kam – seitdem hat er die Sprache verloren und hängt mehr denn je an seinem treuen Freund, einem kleinen Hund. Nur die alleinstehende Linnett Moore (Olivia de Havilland) und ein freundlicher Mediziner (Cecil Kellaway) kümmern sich um die Kriegsverlierer, aber auch auf dem Land von Miss Moore droht den Gebeutelten Unheil: Die Burleigh-Familie (unter anderem: Dean Jagger) hat es auf die Ländereien abgesehen und der Geschäftsmann Bates (James Westerfield) auf den Hund vom kleinen David …

Das Ganze liest sich auf den ersten Blick schrecklich vorhersehbar und rührselig, aber da man dem ohnehin in seinen 50er-Jahre-Filmen häufig recht resigniert wirkenden Alan Ladd diese Rolle hervorragend abkauft und seinem Sohn David im Alter von nur zehn Jahren eine enorm gute schauspielerische Leistung gelang, funktioniert dieses Spätwerk von Michael Curtiz durchaus ansprechend. David Ladd wurde verdient für gleich zwei reguläre Golden Globes nominiert und letztlich mit einem Special Award als bester jugendlicher Darsteller ausgezeichnet. „Der stolze Rebell“ wirkt bemerkenswert aufrichtig und ist dadurch bewegend, was letztlich in erster Linie dem guten Gespür von Michael Curtiz zu verdanken ist, die Bilder nüchtern zu belassen, da die Story ohnehin melodramatisch genug ist. Es besteht schlicht keine Notwendigkeit einer Dopplung von melodramatischer Handlung und Bildsprache, wie man es etwa von Douglas Sirk („Was der Himmel erlaubt“) kennt. Im Ergebnis heißt das: Viel glaubwürdiger als „Der stolze Rebell“ kann man ein Melodram im Grunde kaum inszenieren.

Momente das Abschieds

Glaubwürdig ist der Film aber auch, weil man Olivia de Havilland – hier im fünften ihrer nur sechs Filme aus den 50er-Jahren zu sehen – die bescheidene, alleinstehende Frau als ehrlich und liebevoll abnimmt; rüstig verwaltet sie ein großes Stück Land und ist glücklich, als sie sieht, wie sich der kleine Junge über sein neues Zuhause freut, das bisher ihr alleiniges Heim war. Einmal mehr überzeugt de Havilland als starke Kämpferin für das Gute, der alles Böse komplett fremd zu sein scheint – das Rollenprofil, mit dem sie seit den 30er-Jahren berühmt geworden war. Es war nicht nur ihr letzter Kino-Western, dem lediglich noch eine Episode der Serie „Big Valley“ von 1965 folgte, sondern auch ihr letzter Film mit Michael Curtiz, dem Regisseur, der sie mit Filmen wie „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) berühmt gemacht hatte.

Mit Alan Ladd, der sich zunächst vor dem raubeinigen Umgang des Regisseurs mit seinen Stars gefürchtet hatte, drehte Curtiz unmittelbar danach noch den Kriminalfilm „Das tödliche Netz“ (1959). Binnen nur weniger weiterer Jahre sollten die Hollywood-Karrieren beider Stars und des Regisseurs enden: Michael Curtiz starb 1962, Alan Ladd 1964 und Olivia de Havilland war nachfolgend nur noch in vier Hauptrollen im Kino zu sehen – 1964 in ihrer letzten. Ein Spätwerk war der Film aber auch für den angehenden Jungstar Tom Pittman, welcher einen der beiden Söhne der Burleigh-Familie spielt. Pittman wurde seinerzeit als Nachfolger von James Dean gehandelt, starb aber fünf Monate nach der Premiere des Films mit 26 Jahren bei einem Autounfall. Der Film „Verboten!“, eine Zusammenarbeit mit Samuel Fuller, und seine erste Kinohauptrolle „High School Big Shot“, die ihm im Doppelpack wahrscheinlich eine große Tür aufgestoßen hätten, erschienen 1959 erst posthum.

Ein rares Synchronvergnügen

In den USA wurde der Film 2011 von Echo Bridge Home Entertainment auf DVD veröffentlicht und dabei offen als Familienfilm angepriesen – mit einem Cover, das stark an Disney-Veröffentlichungen von Produktionen jener Zeit erinnert. Zuvor gab es bereits 2007 eine Veröffentlichung, im August 2015 folgte eine weitere. Kurzum: Selbst in seinem Herkunftsland schieben kleine Labels den Film hin und her. Für den Kino-Verleih in den USA war ursprünglich Buena Vista zuständig, in Deutschland wurde der Film von MGM auf die Leinwand gebracht. Offen bleibt, ob es aus dieser Sachlage einen Ausweg für das Werk auf eine deutsche DVD gibt. Lohnend wäre eine Veröffentlichung in der Bundesrepublik schon allein deswegen, weil es sich hierbei um einen der wenigen Filme handelt, in denen Werner Peters (1918–1971) in der Hauptrolle, als Stimme von Alan Ladd, zu hören ist – ein auch vor der Kamera in den 50er- und 60er-Jahren durchaus namhafter deutscher Schauspieler („Der Untertan“, 1951), der es bis ins internationale Kino und in Filme wirklich großer Regisseure schaffte. Peters arbeitete in den 50ern zwar häufig als Synchronsprecher und war auch oftmals in recht großen Rollen im Einsatz, den an erster Stelle genannten Star eines Films durfte er aber leider nur ausgesprochen selten sprechen. Wer nach weiteren Beispielen Ausschau hält, dem sei noch der Film noir „Der Henker nimmt Maß“ (1957) empfohlen, in dem Werner Peters in einer Doppelrolle für Jack Palance zu hören ist. Auch hierbei handelt es sich um eine MGM-Veröffentlichung – ein Studio, das oftmals mit ungewöhnlichen Synchronbesetzungen auffiel und auch gern einmal lange bewährte Kontinuitäten missachtete, im Falle von Peters aber einen guten Schachzug tätigte.

Von der Reduzierung des Michael Curtiz

Abschließend bietet es sich an, ausgehend von diesem Film und anknüpfend an meinen Text zu „Goldene Erde Kalifornien“ (1938), den allgemeinen filmhistorischen Umgang mit Michael Curtiz zu kritisieren, nicht zuletzt was die Veröffentlichung seiner Filme bis heute anbelangt – speziell in Deutschland. Curtiz war ein überaus fleißiger Regisseur, der gewissermaßen bis zum letzten Atemzug auf höchstem Niveau arbeitete. Einer, der bereits in den 30er-Jahren enorm erfolgreich gewesen ist und nach dem Tonfilm auch alle neuen Farbverfahren stets zeitnah erproben durfte. Schon Anfang der 30er war er eine sichere Bank und die Produzenten brachten ihm großes Vertrauen entgegen. Viele seiner 30er-Filme waren bei uns in Deutschland noch sehr lange im TV präsent, regelmäßig im Nachtprogramm der ARD und der dritten Programme vertreten, und sind es teilweise noch heute. Ab Ende der 30er-Jahre wird Curtiz‘ Schaffen aber zu sehr mit Blick auf seine Zusammenarbeiten mit Errol Flynn (und Olivia de Havilland) reduziert – nicht nur in Deutschland.

Von den mehr als 30 Filmen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. etwa ab seinem 60. Lebensjahr bis zu seinem Tod binnen weniger als 20 Jahren fertigstellte, sind viele heute kaum noch bekannt, obwohl von fast allen (sogar von fast allen seit Anfang der 30er-Jahre!) eine deutsche Synchronfassung angefertigt wurde. Curtiz drehte rund 100 Tonfilme, die beinahe von Beginn an erfolgreich waren, und hatte zuvor auch schon rund 70 Stummfilme realisiert, aber eine Michael-Curtiz-Box oder -Collection lässt selbst in den USA oder Großbritannien bis heute auf sich warten. Curtiz war weder nur der Haus-und-Hof-Regisseur von Errol Flynn, als der er gern einmal verkauft wird, noch brachte der an Heiligabend geborene Regie-Veteran in den 50ern nicht mehr als lediglich die beiden großen Weihnachtsklassiker „Weiße Weihnachten“ (1954) und „Wir sind keine Engel“ (1955) zustande. Bis zu seinem Tod im Alter von 75 Jahren war er quer durch die Genrewelt aktiv, und noch seine finalen drei Filme waren bei Licht betrachtet Hausnummern: die Mark-Twain-Verfilmung „Abenteuer am Mississippi“ (1960), das heute fast vergessene Biopic „Franz von Assisi“ (1961) und schließlich der John-Wayne-Western „Die Comancheros“ (1961), doch ebenso stiefmütterlich wie „Franz von Assisi“ werden auch die meisten anderen Filme behandelt, die er vor, nach und während seiner Zeit mit Errol Flynn drehte. Selbst seine im TV noch einigermaßen präsent gebliebenen 30er-Filme gibt es hierzulande größenteils nicht auf DVD.

Das Problem der Vielseitigkeit

Die Filmografie von Michael Curtiz sachgemäß und qualitativ angemessen zugänglich zu machen und in ihrer Breite zu erschließen, für die Errol Flynn nur ein Baustein war, ist eine große, bisher nicht bewältigte Aufgabe. Was in Deutschland an Filmen vergessen wurde, wurde in den USA zu einem guten Teil zumindest degradiert. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wo man zuzugreifen und dies zu ändern beginnt. Selbst wenn man vorerst nur die Filme ab dem Beginn seines wirklich großen Erfolgs mit einigen Genre-Meilensteinen im Horror-, Kriminal- und Gangsterfilm Anfang der 30er berücksichtigt, bleiben von dort aus bis zu seinem Tode immer noch dreißig Jahre eher spärlich beleuchtete Kinogeschichte übrig.

Der gebürtige Budapester Michael Curtiz ist einer der Regisseure, denen es zum Verhängnis geworden zu sein scheint, dass sie praktisch alles konnten, dies ausgewogen zeigten und einfach nicht auf ein Genre festzunageln sind, mit dem man sie assoziiert. John Ford verbindet man mit dem Western, James Whale oder Tod Browning mit dem Horrorfilm, Hal Roach mit Slapstick, Alfred Hitchcock mit dem Thriller, Cecil B. DeMille mit epischen Großproduktionen; allesamt werden sie als Meister des jeweiligen Sektors ausgerufen – und das sicher nicht zu Unrecht, aber ihre Schwerpunkte waren auch dementsprechend gelagert. Und Michael Curtiz, der keinen wirklichen Schwerpunkt hatte, sondern alles ausprobierte, technisch und inhaltlich sehr offen war, assoziiert man … mit Errol Flynn und „Casablanca“ (1942). Der einzige sehr rege bei großen Studios aktive Regisseur, dem man auf diese Weise Unrecht tut, ist er aber sicher nicht. Man könnte nun beispielsweise mit Allan Dwan weitermachen, dem das Cinema-Ritrovato-Festival in Bologna immerhin erst vor wenigen Jahren eine Retrospektive widmete, aber das ist eine andere Geschichte.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 12. August 2015, 3. Mai 2011 und 22. Mai 2007 als DVD

Länge: 103 Min. (Kino)
Originaltitel: The Proud Rebel
USA 1958
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Joseph Petracca & Lillie Hayward, nach einer Geschichte von James Edward Grant
Besetzung: Alan Ladd, Olivia de Havilland, Dean Jagger, David Ladd, Cecil Kellaway, Harry Dean Stanton, Tom Pittman, Henry Hull, Eli Mintz, John Carradine, Percy Helton
Vertrieb: Buena Vista Film Distribution Company & Metro-Goldwyn-Mayer

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

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Leviathan – Wenn Hiob gegen das Monster Staat antritt

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Leviafan

Von Volker Schönenberger

Drama // Ein mächtiges Wesen mit Zügen von Krokodil, Drache, Schlange und Wal – der Leviathan wird bereits in vorbiblischen Mythen erwähnt und im Alten Testament im Buch Hiob beschrieben. Ein allmächtiger oder vermeintlich allmächtiger Staat wird oft als Leviathan bezeichnet, was im Falle von Andrey Zvyagintsevs Drama von 2014 zweifellos zur Titelgebung beigetragen hat. Dessen Protagonist Nikolai (Aleksey Serebryakov) kämpft einen aussichtslosen Kampf gegen die russische Obrigkeit in seiner unwirtlichen Heimat an der Barentssee. Der Kfz-Mechaniker erinnert dabei nicht von ungefähr ein wenig an die biblische Figur des Hiob, dem Gott allerlei Leid auferlegte, um seine Frömmigkeit zu prüfen (welch lieber Gott, dieser Gott). Inspirieren ließen sich die Drehbuchautoren Oleg Negin und Andrey Zvyagintsev offenbar auch von Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“ sowie vom Fall Marvin Heemeyer, eines Werkstattbesitzers in Colorado, der aufgrund eines Rechtsstreits mit seinem Bezirk um ein Grundstück in seiner Gemeinde mit dem Bulldozer diverse Gebäude demolierte und sich dann selbst erschoss.

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Tristes Leben im hohen Norden

Nikolai, der mit Ehefrau Frau Lilia (Elena Lyadova) und seinem Sohn Roman (Sergey Pokhodaev) aus erster Ehe ein Häuschen an einer Bucht bewohnt, hat sich mit dem korrupten Bürgermeister (Roman Madyanov) angelegt, der ihn enteignen will. Der Mechaniker bittet seinen Freund aus der Militärzeit Dmitri (Vladimir Vdovichenkov) um Hilfe, der als angesehener Anwalt in Moskau lebt. Dmitri gelingt es, einige belastende Fakten zusammenzustellen und den Bürgermeister damit unter Druck zu setzen. Doch bald laufen die Ereignisse aus dem Ruder.

Sperriges Kino aus Russland, vielfach prämiert

Golden Globe 2015 als bester Auslandsfilm, Oscar-Nominierung in derselben Kategorie, dazu zahlreiche Filmpreise und Festival-Auszeichnungen, unter anderem der Drehbuchpreis in Cannes – „Leviathan“ rückte das russische Kino ins internationale Rampenlicht. Das russische Publikum war dem Vernehmen nach nicht so begeistert. Zu negativ seien angeblich die russische Lebenswirklichkeit und die einfachen Leute dargestellt worden. Mangels Russland-Erfahrung muss ich das unbewertet lassen. Richtig ist, dass „Leviathan“ kein warmherziger und schon gar kein Wohlfühlfilm ist. Trist und kalt ist das Leben oberhalb des Nördlichen Polarkreises, in kargen, ruhigen Bildern von der Kamera eingefangen. Wodka spielt eine große Rolle – in den Szenen, in denen das Wässerchen getrunken wird, nahmen die Darsteller angeblich tatsächlich Wodka zu sich. Wenn Regisseur Andrey Zvyagintsev im Einzelfall erst mit dem achten oder neunten Take zufrieden war, war die Trunkenheit immerhin nicht mehr gespielt.

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Nikolai – ein russischer Hiob?

„Leviathan“ ist durchaus schwere Kost, das ist aber der Geschichte angemessen. Nur so kann der Zuschauer womöglich die Last begreifen, die Nikolai auf den Schultern geladen hat und bis zum bitteren Ende und darüber hinaus mit sich trägt. Für Russland sicher ein wichtiger Film, international als herausragendes Drama zu bewerten. Die Preise sind berechtigt.

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Der Mechaniker sucht einen Ausweg

Veröffentlichung: 15. Januar 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 142 Min. (Blu-ray), 136 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Leviafan
RUS 2014
Regie: Andrey Zvyagintsev
Drehbuch: Oleg Negin, Andrey Zvyagintsev
Besetzung: Alexey Serebryakov, Elena Lyadova, Wladimir Vdowichenkov, Roman Madyanov, Anna Ukolova, Aleksey Rozin, Sergey Pokhodaev, Platon Kamenev
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 EuroVideo Medien GmbH

 

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Creed – Rocky’s Legacy: Stallones nächste Wiedergeburt

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Creed

Kinostart: 14. Januar 2016

Von Volker Schönenberger

Boxerdrama // Potztausend! Da räumt der gute Sylvester Stallone auf seine alten Tage in seiner Paraderolle als Rocky Balboa im Spin-off der „Rocky“-Saga doch tatsächlich einen Golden Globe als bester Nebendarsteller ab. Nebendarsteller? Ganz recht. Dass Stallone mit großer Schauspielkunst in Verbindung gebracht wird, ist jedenfalls eher selten, auch wenn seine Karriere bereits 1977 mit Oscar- und Golden-Globe-Nominierungen für „Rocky“ einen frühen Höhepunkt zu verzeichnen hatte – übrigens nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch für sein Drehbuch. Für seine Rolle als wortkarger Provinzpolizist in James Mangolds „Cop Land“ (1997) an der Seite von Robert De Niro und Harvey Keitel erhielt Stallone ebenfalls viel Lob, doch schwerer wiegen an sich die Häme und die vielen Negativ-Auszeichnungen bei den Verleihungen der Goldenen Himbeere. Gönnen wir ihm die späte Auszeichnung, er hat sie sich verdient. Rocky ist Stallones Baby.

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Rocky kommt vom Ring nicht los

Für vier Filme der Reihe hatte sich der Schauspieler selbst auf den Regiestuhl gesetzt. „Creed – Rocky’s Legacy“ produzierte er, die Regie übernahm Ryan Coogler, der für sein Kinodebüt „Nächster Halt: Fruitvale Station“ (2013) zahlreiche Auszeichnungen und Nominierungen erhalten hatte. Dessen Hauptdarsteller Michael B. Jordan hat auch die Hauptrolle in „Creed – Rocky’s Legacy“ übernommen.

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Mary Anne Creed baut ihren Ziehsohn auf

Erinnern wir uns: Rocky Balboas großer Gegner Apollo Creed war in „Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts“ (1985) im Ring gestorben. Nun tritt Creeds unehelicher Sohn Adonis „Donnie“ Johnson (Jordan) in die Fußstapfen seines Vaters. Er hatte sich von einer drohenden Laufbahn als jugendlicher Delinquent dank der Unterstützung von Creeds Ehefrau Mary Anne (Phylicia Rashad) verabschiedet und bis zum Wertpapier-Berater emporgearbeitet. Dann aber kündigt er seinen Job, um Profiboxer zu werden. Donnie reist nach Philadelphia, um den alten Rivalen seines Vaters zu überreden, ihn zu trainieren. Rocky zeigt sich anfangs widerwillig, nimmt die Herausforderung dann aber an. Während des Trainings lernt Donnie die attraktive Sängerin Bianca (Tessa Thompson) kennen – die beiden werden ein Paar.

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Das Training …

Niemals aufgeben! Wenn du am Boden liegst – steh auf! Von ganz unten nach oben ist es ein weiter Weg, aber du kannst es schaffen – selbst wenn alles gegen dich spricht. Diese simplen Botschaften der „Rocky“-Saga ziehen sich auch als roter Faden durch „Creed – Rocky’s Legacy“. Und wie in den alten Filmen sind sie nicht nur Botschaften fürs Boxen, sondern das Boxen dient als Metapher des Lebens. Das zeigt sich am deutlichsten, als bei Rocky Krebs diagnostiziert wird und Donnie seine Vorbereitungen auf den Weltmeisterschaftskampf gegen „Pretty“ Ricky Conlan (Tony Bellew) nur dann fortsetzen will, wenn sich sein Trainer der Chemotherapie unterzieht und damit den Kampf gegen die Krankheit aufnimmt.

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… mit Coach Balboa …

Die Handlung ist einigermaßen vorhersehbar. Sie holt die Fans der Saga ab und bietet ihnen das, was sie sehen wollen. Das macht „Creed – Rocky’s Legacy“ natürlich nicht zu einem schlechten Film. Regisseur Coogler weiß, an welchen Knöpfen er zu drehen hat, um beim Zuschauer das echte „Rocky“-Feeling zu erzeugen, ganz besonders beim finalen Fight zwischen Creed und Conlan, der unerbittlich geführt wird und dramaturgisch wohl nicht zufällig an den ersten Kampf zwischen Rocky Balboa und Apollo Creed erinnert. Die Chance auf den WM-Kampf bot sich Rocky damals wie Donnie heute eher zufällig und weniger aufgrund ihrer bisherigen Erfolge – beide konnten keine vorweisen.

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… lässt immerhin Zeit für die Liebe

Was mich an ausufernd ausgewalzten Kino-Franchises mit zu vielen Fortsetzungen stört: Selbst wenn sie gut sind und als ansehnliche Filme ins Ziel gehen, wie das bei „Creed – Rocky’s Legacy“ und auch dem unmittelbaren Vorgänger „Rocky Balboa“ (2006) zu konstatieren ist, so zerstören sie doch den Mythos der Figur, indem sie die Biografie weitererzählen – manchmal bis zum bitteren oder wahlweise langweiligen Ende. So wird aus einer vierteiligen, über die Jahre mythisch aufgeladenen Saga ein siebenteiliges biografisches Drama, in dem alles zu Ende erzählt ist. Das ist schade.

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Harter Brocken: Weltmeister Conlan

Das Finale von „Creed – Rocky’s Legacy“ lässt alle Möglichkeiten einer Fortsetzung offen – sie ist folgerichtig für Ende 2017 angekündigt. Die Fans wird’s vermutlich ebenso erfreuen, wie sie dieser Film erfreut. Das ist natürlich völlig in Ordnung. Freuen wir uns ganz ironiefrei für Sylvester Stallone!

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Ist Donnie reif für den WM-Kampf?

Sylvester Stallone bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Capone (1975)
Rocky IV – Der Kampf des Jahrhunderts (1985)
Shootout – Keine Gnade (2012)
Escape Plan (2013)
Zwei vom alten Schlag (2013)
Electric Boogaloo – Die unglaublich wilde Geschichte der verrücktesten Filmfirma der Welt! (2014)
The Expendables 3 (2014, Gastrezension Matthias Holm)
The Expendables 3 (2014, Gastrezension Florian Schneider)
Creed – Rocky’s Legacy (2015)

Länge: 133 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Creed
USA 2015
Regie: Ryan Coogler
Drehbuch: Ryan Coogler
Besetzung: Michael B. Jordan, Sylvester Stallone, Tessa Thompson, Phylicia Rashad, Tony Bellew, Andrew Ward
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc. and Warner Bros. Entertainment Inc. (Foto-Credit: courtesy of Warner Bros. Pictures bzw. Barry Wetcher)

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2016/01/12 in Film, Kino, Rezensionen

 

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