RSS

Schlagwort-Archive: Gore

Horror für Halloween (XV): Blood Feast – Als Gore und Splatter ihren Anfang nahmen

Blood Feast

Von Volker Schönenberger

Horror // Die Gemeinde der Horrorfans besteht zum Teil aus sehr sonderbaren Zeitgenossen, wobei manche Menschen gar allen Filmfans mit einer Neigung zum Horrorgenre einen Sockenschuss unterstellen. Sei’s drum, mir geht es um solche, die Filme schon abfeiern, wenn sie nur genug exzessive Gewalt und blutigen Splatter zeigen, selbst wenn diese Produktionen in anderer Hinsicht nur als stümperhaft deklariert werden können. Ein Tabubruch ist immer gut geeignet, bei diesen Filmkonsumenten Verzückung hervorzurufen und gleichzeitig die Augen vor den offenkundigen Mängeln schließen zu lassen. Man denke nur an Joe D’Amatos „Der Menschenfresser“ von 1980 (Originaltitel: „Antropophagus“), auch als „Man-Eater“ bekannt, in dem George Eastman in der Titelrolle einer Frau ihr ungeborenes Baby aus dem Körper reißt, um es zu verspeisen. Ohne diese Szene hätte das Machwerk kaum die Aufmerksamkeit erlangt, die es bekommen hat. Die Zahl weiterer Beispiele ist Legion. Fairerweise sei angemerkt, dass viele Horrorfans solche Streifen im vollen Bewusstsein schauen, es mit miesen Filmen zu tun zu haben. Ich selbst schau ab und zu auch gern mal Unterirdisches. Das macht mich womöglich nicht weniger sonderbar als solche Gesellen, die derlei Filme abfeiern.

Eine Zunge wird herausgerissen

Ein besonderer Vertreter dieser Art Film ist Herschell Gordon Lewis‘ „Blood Feast“ von 1963, der erstmals Brutalitäten wie das Abhacken von Extremitäten, das Öffnen einer Schädeldecke und das Herausreißen einer Zunge zeigte. Nicht zuletzt der Skandal um diese explizite Gewaltdarstellung ließ den Regisseur noch vor Lucio Fulci („Ein Zombie hing am Glockenseil“) zum „Godfather of Gore“ werden. Den Täter lernen die Zuschauer gleich zu Beginn kennen: Es ist der Ägypter Fuad Ramses (Mal Arnold), der in Miami exotische Catering-Dienstleistungen anbietet und insgeheim einem altägyptischen Kult um die mesopotamische Göttin Ischtar huldigt, für dessen Ausübung er Körperteile von Frauen benötigt.

Billig und zügig heruntergekurbelt – das merkt man

In neun Tagen für weniger als 25.000 US-Dollar abgedreht, hat „Blood Feast“ einiges zu bieten, was einen schlechten Film ausmacht. Die simple Story ist da noch das geringste Übel. Ein Gefühl für Timing und Tempo hat Herschell Gordon Lewis mit der Handlung nicht gerade offenbart, und von Logik hält er auch nicht viel. Einige Filmfehler – Goofs – könnten den Gesamteindruck trüben, wäre der nicht ohnehin schon sehr trübe. Unterboten wird all das aber durch die unfassbar schlechten darstellerischen Leistungen, beginnend mit der Figur des Fuad Ramses. Mit Schauspielkunst hat das nichts zu tun. Wenn nach dem Mord an einer jungen Frau am Strand ihr junger Freund greinend in den Armen des Ermittlers liegt, kann man sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, so amateurhaft ist das gespielt. „Take it easy“ rät der Cop mitfühlend.

Ein Monolog von Detective Pete Thornton (William Kerwin) am Ende setzt dem Ganzen die Krone auf – er wirkt, als hätte der Regisseur dem Publikum Begriffsstutzigkeit unterstellt und sich deshalb bemüßigt gefühlt, ein paar abschließende Erläuterungen zu liefern. Den Score komponierte Lewis persönlich, wenn man das monotone Geräusch eines Schlaginstruments denn Komposition nennen will. Aber zugegeben: Es erfüllt seinen Zweck und untermalt die Handlung gar nicht so schlecht. Das kann man alles unterhaltsam finden – und das ist es auch bis zu einem gewissen Grad. Nur sollte niemand den Fehler begehen, „Blood Feast“ irgendwelche Qualitäten zuzubilligen, die der Streifen nicht hat. Steht dazu, Spaß an einem miesen Machwerk zu haben! Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden.

Sequel, Remake und Beschlagnahmung

2002 drehte Lewis selbst eine Fortsetzung mit dem Titel „Blood Feast 2 – All You Can Eat“. 2015 inszenierte der deutsche Regisseur Marcel Walz („Seed 2 – The New Breed“) ein Remake, in dem Herschell Gordon Lewis sogar eine kleine Rolle übernahm. Unklar ist, weshalb die 2002 in Deutschland erschienene DVD von „Blood Feast“ noch im Jahr 2004 gemäß richterlichen Beschlusses nach § 131 StGB aufgrund von gewaltverherrlichender oder gewaltverharmlosender Darstellung beschlagnahmt wurde – da hat man in all den Jahren seit der Entstehung weitaus Brutaleres gesehen, das dieses Schicksal nicht erleiden musste. Wer sich von meinen Zeilen partout nicht abschrecken ließ, mag beim englischen Label Arrow Video fündig werden. Herschell Gordon Lewis starb am 26. September 2016 im Alter von 90 Jahren.

Länge: 67 Min.
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Originaltitel: Blood Feast
USA 1963
Regie: Herschell Gordon Lewis
Drehbuch: Allison Louise Downe
Besetzung: William Kerwin (als Thomas Wood), Mal Arnold, Connie Mason, Lyn Bolton, Scott H. Hall, Christy Foushee, Ashley Martin, Astrid Olson, Sandra Sinclair

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

I Survived a Zombie Holocaust – „Braindead“-Epigone mit Pfiff

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-Cover-DVD I_Survived-a_Zombie_Holocaust-Cover-BR

I Survived a Zombie Holocaust

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Eine Zombiekomödie aus Neuseeland – da war doch was? 1992 schuf Peter Jackson („Der Herr der Ringe“) mit „Braindead“ eine der irrwitzigsten Untoten-Schlachtplatten überhaupt, die bei uns unverständlicherweise mit Indizierungen und Beschlagnahmen zu kämpfen hatte. Bei dem Kult, der sich über die Jahre um „Braindead“ entwickelte, war es nur logisch, dass enthusiastische Filmemacher Jackson in seiner Heimat nacheifern. Regiedebütant Guy Pigden ist einer von ihnen.

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-3

„Tonight They Come“ – und Action!

Pigden verlegt seine Zombie-Pandemie an den Set eines – Zombiefilms! Was Lionel Cosgrove in „Braindead“, ist in „I Survived a Zombie Holocaust“ Wesley (Harley Neville) – unser Held. Der angehende Drehbuchautor Wesley trifft als sogenannter „Runner“ am Drehort von „Tonight They Come“ in der Provinz ein: als Mädchen für alles. Dort muss er sich mit dem mies gelaunten Regisseur SMP (Andrew Laing) herumplagen, und auch die anderen Mitglieder der Crew begrüßen ihn nicht gerade euphorisch.

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-2

Charakterdarstellerin

Genüsslich weidet Regisseur Pigden einige Filmcrew-Klischees aus: Da ist die divenhafte Hauptdarstellerin Jessica Valentine (Reanin Johannink), die doch nur wegen ihrer makellosen Oberweite beim Film gelandet ist, der selbstverliebte Hauptdarsteller Adam Harrison (Mike Edward), der immer wieder betont, nicht schwul zu sein. Regie-Assistent Richard (Simon Ward) gibt die schlechte Stimmung seines Chefs nahtlos an seine Untergebenen weiter. Das zieht sich etwas, ist aber einigermaßen unterhaltsam anzuschauen.

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-1

Wesley muss Requisiten schleppen – es sind doch Requisiten, oder?

Bevor die Protagonisten einsehen, dass tatsächliche Zombies auf der Bildfläche erschienen sind und nicht nur Komparsen in Make-up, ist es zu spät zur Flucht. Das führt zu einigen amüsanten Verwechslungen. Die handgemachten blutigen Effekte sind deftig geraten und machen viel Spaß, auch wenn der Film nicht ganz so spektakulär geraten ist wie „Braindead“. Schön auch, dass „I Survived a Zombie Holocaust“ es ungeschnitten durch die FSK geschafft hat.

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-6

Der Regisseur ist sauer

„Braindead“ bleibt natürlich unerreicht, aber das reizvolle Zombiefilm-im-Zombiefilm-Setting ist die Sichtung wert. Ob es Guy Pigden gelingt, wie einst Peter Jackson vom Trashfilmer zum Blockbuster-Regisseur zu werden, bleibt abzuwarten. Seine Darsteller werden sicher nicht zu großen Stars werden, aber das war ja auch denen aus „Braindead“ nicht beschieden.

I_Survived-a_Zombie_Holocaust-4

Der klägliche Rest an Überlebenden

Veröffentlichung: 28. August 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: I Survived a Zombie Holocaust
NZ 2014
Regie: Guy Pigden
Drehbuch: Guy Pigden
Besetzung: Harley Neville, Jocelyn Christian, Ben Baker, Reanin Johannink, Simon Ward, Mike Edward, Andrew Laing, Mark Neilson, Patrick Davies, Harry Love
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Al!ve AG / Mad Dimension

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Inbred – Blutig-bizarres Morden auf dem Lande

Inbred-Cover

Inbred

Von Volker Schönenberger

Horror // Es knirschte etwas im FSK-Gebälk, bis deutsche Backwoods-Horror-Fans endlich in den Genuss der ungeschnittenen Fassung kamen: Im Frühjahr 2013 konnte Mad Dimension nur eine gekürzte Version von „Inbred“ veröffentlichen. Ein halbes Jahr später allerdings ergab die erneute Prüfung der ungeschnittenen Fassung überraschenderweise ein Durchwinken mit FSK-18-Freigabe. Bis zur deutschen Veröffentlichung in voller ungeschnittener Pracht ging allerdings ein Jahr ins Land.

Empfehlung: das Mediabook

Immerhin konnte der geneigte Splatter-Connaisseur bereits ab Januar 2014 in Österreich, der Schweiz oder dem einschlägigen Handel eine der drei herrlichen, auf jeweils 1.500 Exemplare limitierten Mediabook-Varianten erwerben (der Verfasser dieser Zeilen hat sich mit Variante C die schönste gesichert). Ein gut sortiertes Horrorregal sollte davon ein Exemplar aufweisen, wenn man denn noch eins zum akzeptablen Preis findet. Im Zweifel tut es natürlich auch eine Uncut-Version der Mad-Dimension-Edition.

Inbred-04

Was stellt er sich auch dem Lieferwagen in den Weg?

Das aberwitzige Spektakel beginnt nach bewährtem Backwoods-Horror-Muster: Die beiden englischen Sozialarbeiter Kate und Jeff (Jo Hartley, James Doherty) wollen mit vier verhaltensauffälligen Jugendlichen ein sozialpädagogisches Wochenende auf dem Lande verbingen. Dummerweise haben sie sich dafür das Dorf Mortlake ausgesucht, das von einer Schar – mit Verlaub – grotesker Gestalten mit blutigen Absichten bevölkert wird.

Inbred-01

Mit Kneipier Jim (r.) und seinen Stammgästen ist nicht zu spaßen

„Cradle of Fear“ war 2001 schon heftig, wirkte aber etwas unbeholfen und amateurhaft. Zehn Jahre hat Regisseur Alex Chandon für den Nachfolger gebraucht, doch die Wartezeit hat sich gelohnt. Mit „Inbred“ – zu deutsch: durch Inzucht erzeugt – hat er ein Panoptikum auf die Leinwand geschickt, das in den Weiten des Hinterwäldler-Horrors seinesgleichen sucht. Allen voran schreitet Pub-Wirt Jim (Seamus O’Neill), der seine Dörfler fest im Griff hat und freudig auf die Jagd nach den auswärtigen Gästen schickt. Wenn dann die bedauernswerten Opfer Teil einer bizarren Aufführung werden und ein freudig erregtes Publikum der sadistischen Nummernrevue beiwohnt, brechen endgültig die Dämme. Gut für uns Zuschauer, schlecht für einige Dörfler: Die Gejagten agieren nicht völlig ohne Gegenwehr.

Jauche vorzugsweise langsam schlürfen

„Inbred“ ist abgrundtief bösartiger Funsplatter in Reinkultur. Es spritzt das Blut, es platzt der Kopf – herrlich! Da sag noch einer, das Landleben sei gesund. They came in peace. They left in pieces. Der Leitspruch des Films ist nicht übertrieben. Die Tötungen sind brachial und originell, gestorben wird schmutzig und heftig. Pferdehufe und eine Landmine kommen zum Einsatz, und wer hätte gedacht, dass sich ein Benzinschlauch so gut zur oralen Jauche-Einfuhr eignet? Uäarks!

Nie mehr Urlaub auf dem Lande

Angesichts dessen ist künftig statt Urlaub auf dem Bauernhof wohl doch lieber eine Städtetour angesagt. Bleibt zu hoffen, dass Alex Chandon nicht wieder zehn Jahre benötigt, um seinem Film einen Nachfolger hinterherzuschicken. Die Splatter-Gemeinde wird es ihm danken.

Inbred-03

Das ist doch nur ein Streifschuss

Veröffentlichung: ungeschnittene Fassung 31. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD, geschnittene Fassung 12. April 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Inbred
D/GB 2011
Regie: Alex Chandon
Drehbuch: Alex Chandon
Besetzung: Jo Hartley, James Doherty, Seamus O’Neill, James Burrows, Terry Haywood, Nadine Mulkerrin, Chris Waller, Neil Leiper, Derek Melling, Damien Lloyd-Davies, Mat Fraser, George Newton
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Mad Dimension / Al!ve AG

Inbred-11

Offenbar ein entfernter Verwandter von Leatherface

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos: © 2014 Mad Dimension / Al!ve AG

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: