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Gewinnspiel: 1 x Jesus Shows You the Way to the Highway auf Blu-ray im Digipack

Verlosung

Manche Filme sind schwer zu verorten, etwa der in Estland und Äthiopien gedrehte „Jesus Shows You the Way to the Highway“ (2019), den ich etwas hilflos als SF-Groteske eingeordnet habe. Rapid Eye Movies hat das Werk als Blu-ray im Digipack veröffentlicht und uns ein Exemplar zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des Gewinners.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme sind bis Sonntag, 25. April 2021, 22 Uhr, mittels Kommentar unter dem Gewinnspiel folgende Fragen zu beantworten, was euch nach Lektüre von meiner Rezension des Films keine Probleme bereiten sollte:

1. Weshalb will Agent Gagano seinen Dienst bei der CIA quittieren?

2. Was für eine Maske trägt der Antagonist in der virtuellen Realität?

3. Wie lautet der Titel des Romans, dem der Name des anderen CIA-Agenten entlehnt wurde?

4. Als was treten zwei Menschen im Gummikostüm in Erscheinung?

5. Welches Musik-Duo sprach die deutsche Synchronisation des Films ein?

6. An wen fühlte ich mich beim Schauen des Films ein wenig erinnert?

Einen Fehlschuss gebe ich euch – jeder hat ja mal einen Blackout, daran soll die Teilnahme nicht scheitern, also landet Ihr mit fünf korrekten Antworten im Lostopf. Minimal fehlerhafte Schreibweisen und Tippfehler toleriere ich, wenn klar ist, wer oder was gemeint ist. Alle Kommentare werden erst nach Ende der Abgabefrist veröffentlicht. Während der Laufzeit des Gewinnspiels werde ich nach und nach die Namen aller bislang eingegangenen Kommentatorinnen und Kommentatoren hier unten auflisten.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, auch das Auslandsporto zu tragen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Bislang teilgenommen haben (mit sechs korrekten Antworten, sofern nicht anders vermerkt):

01. Jost
02. Bernd Rohe
03. Karola Dahl
04. Oliver
05. Anne
06. jojonumerouno
07. Renate Busch
08. Rüdiger Kwade
09. Patrick Menzen
10. Jens
11. Rainer Pampuch ist trotz falscher Antwort auf Frage 4 im Lostopf.
12. Björn Kramer
13. Thomas Oeller
14. Michael Behr

Die Blu-ray geht an Patrick Menzen. Herzlichen Glückwunsch! Du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Jesus Shows You the Way to the Highway“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber – Bon Appétit

The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover

Von Andreas Eckenfels

Groteske // Ich bin auch Künstler, so wie ich mein Geschäft mit meinem Vergnügen verbinde. Geld ist mein Geschäft und Essen ist mein Vergnügen. Und Georgie ist auch mein Vergnügen, allerdings auf einer viel privateren Ebene, als sich den Mund vollzustopfen und die Abwasserkanäle zu füttern. Obwohl diese Vergnügen zusammengehören, weil die unanständigen Körperteile und die schmutzigen Körperteile so nahe beieinander liegen, dass man daran sieht, wie Sex und Essen zusammengehören.

Wie jeden Abend dinieren Albert Spica und Gattin Georgina im „Le Hollandais“

Wie jeden Abend schwingt der sadistische Gangsterboss Albert Spica (Michael Gambon) während des Essens im „Le Hollandais“ vor seiner Frau Georgina (Helen Mirren) und seinen Handlangern (u. a. Tim Roth) große Reden. Da er auch der Besitzer des Edelrestaurants ist, schikaniert er die Angestellten und mitunter auch einige Gäste, wie es ihm gefällt. Nur der französische Chefkoch Richard (Richard Bohringer) genießt bei Albert aufgrund seiner kulinarischen Kunstfertigkeiten größten Respekt. Während seiner Tiraden entgeht ihm allerdings, dass die von ihrem Mann angewiderte Georgina immer wieder heimlich mit dem intellektuellen Stammgast Michael (Alan Howard) auf der Toilette verschwindet. Wie lange kann Georgina die Affäre vor ihrem Gatten geheim halten?

Viele Künste opulent vereint

Nicht nur vor der Kamera schauen wir den Künstlern bei der Arbeit zu – sei es beim Kochen oder beim kriminellen Geschäft –, auch dahinter stand ein wahrer Künstler: Bevor sich der britische Regisseur und Drehbuchautor Peter Greenaway dem Medium Film widmete, studierte er Malerei. So lässt er diese wie auch andere Kunstformen dann auch stets in sein Schaffen einfließen. Wie häufig in seinen Werken macht der Regisseur kein Hehl daraus, dass es ein Kunstprodukt ist. Er gaukelt kein filmisches Abbild der Realität vor: Die Kulisse ist eine Theaterbühne.

Es ist angerichtet!

Der kleine Küchenjunge Pup (Paul Russell) singt während des Abwaschens den Psalm 51:2 im schönsten Knabensopran. Bücherwurm Michael schwärmt seiner Geliebten über die Werke der Weltliteratur vor. Das Gemälde, welches Greenaway zum Setdesign des Films inspirierte, hängt groß an der Wand: „Festmahl der Offiziere der Schützengilde St. Georg von Haarlem“ (1616) des niederländischen Barockmalers Frans Hals. Albert Spica und seine Spießgesellen tragen wie die Herren der Schützengilde rot-schwarze Kleidung. Überhaupt gibt es weitere prunkvolle Mode zu sehen – kein Wunder: Modezar Jean-Paul Gaultier durfte sich bei den Kostümen austoben. Die Köstlichkeiten, die Richard und seine Köche zaubern, sind ebenso prunkvoll wie ein Stillleben in Szene gesetzt. Opulenz und Dekadenz liegen in „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ eng beisammen.

Man kennt es schon bei den Zahlen aus Peter Greenaways „Verschwörung der Frauen“ (1988): Vom anfänglichen Öffnen des Vorhangs bis zu dessen Fallen am Ende ist auch „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ komplett durchstrukturiert. Als Trennung der einzelnen Kapitel dient dabei die tägliche Speisekarte des „Le Hollandais“ – wenn ich richtig gezählt habe, sind es zehn Tage, welche die Handlung umfasst. Großartig ist auch die Verwendung der Farben der unterschiedlichen Sets: Auf dem Vorplatz des Restaurants herrschen blaue Farben vor, darauf folgt Grün in der Küche, Rot im Gastraum und Weiß auf der Toilette. Das Besondere ist dabei, dass sich auch die Farbtöne der Kleidung der Protagonisten ändern, je nachdem, in welchem Raum sie sich befinden. So trägt Georgina beim Essen ein rotes Kleid, wenn sie sich mit Michael im Waschraum trifft, ist ihr Kleid weiß. Selbst ihre Zigarette wechselt die Farbe!

Mitchel, einer von Spicas Spießgesellen

Wem bei so viel Kunst der Kopf raucht, der braucht keine Angst zu haben. Trotz aller Theatralik der Inszenierung werden nicht nur Arthouse-Liebhaber an Peter Greenaways wohl bekanntestem Werk ihre Freude haben – sofern sie auch über einen starken Magen verfügen. Leicht zu verdauen ist der Film nicht! Nach eigenen Worten diente dem Regisseur die Tragödie „Schade, dass sie eine Hure war“ des englischen Dramatikers John Ford (1586–1639) als Vorlage für das groteske Rachedrama, das Themen wie
Sex, Macht, Unterdrückung, Gewalt und Kannibalismus miteinander vereint und darüber hinaus eine der absolut abscheulichsten Hauptfiguren der Filmgeschichte zu bieten hat.

Der Dieb und seine Frau

Gleich zu Beginn lässt „der Dieb“ Spica einen säumigen Schuldner nackt ausziehen und ihn mit Hundekot beschmieren. Zum krönenden Abschluss pinkelt er auf den armen Kerl. Eine größere Demütigung gibt es wohl kaum für einen Menschen. Aufbrausend, vulgär und zerstörungswütig ist Spica. Ihn will man wahrlich nicht zum Feind haben. Und ihm widerspricht man auch nicht, weshalb er sich immer und immer wieder bei seinem Bankett in Monologen in Rage redet, dazwischen stopft er sich kurz mal die feinsten Speisen rein und säuft wie ein Loch. Dabei weiß er noch nicht mal, was er sich in den Mund steckt. Spica verschlingt einfach, was ihm vorgesetzt wird. Der Herrscher dieses Orts ist kein Gourmet, sondern ein reiner Konsument, weil er sich dieses Vergnügen leisten kann. Wer Darsteller Michael Gambon nur als sanftmütigen Professor Dumblebore mit Rauschebart aus den „Harry Potter“-Abenteuern kennt, der mag hier überrascht sein über seinen eindrucksvoll abstoßenden Auftritt.

Spicas Untertanen sind nicht nur die wechselnden Kleinganoven am Tisch und das Personal des Lokals, sondern natürlich auch „seine Frau“ Georgina. Georgina ist kultiviert, im Gegensatz zu ihrem Mann versteht sie den Unterschied zwischen „poisson“ (französisch für Fisch) und „poison“ (englisch für Gift) auf der Speisekarte des französischen Restaurants. Dass sie raucht, passt dem Gangster überhaupt nicht. Verständlich, dass sie sich zu dem ruhigen und belesenen Michael hingezogen fühlt. „Ihr Liebhaber“ ist das genaue Gegenteil von Spica. Ihm erzählt sie auch später, schon mehrmals erfolglos versucht zu haben, vor ihrem gewalttätigen Gatten zu fliehen. Wenn sie sich mit Michael auf der Toilette oder in der Küche trifft, legt sie es fast darauf an, von Spica beim Liebesspiel erwischt zu werden, um endlich herauszukommen aus dieser Beziehung, selbst wenn es ihren Tod bedeuten sollte. Es wäre ein befreiender Akt aus der Sklaverei. Die große Mirren gibt hier wie immer eine überzeugende Vorstellung ab, als verängstigte Georgina, die sich nach wahrer Liebe sehnt. Die wilden Jugendjahre der furchtlosen Gewinnerin von Oscar („Die Queen“) und Golden Globe („Die Queen“, „Abschied von Chase“) sowie etlicher weiterer wichtiger Filmpreise – etwa in Berlin, Cannes und Venedig – sind bekannt: Weder in „Das Mädchen vom Korallenriff“ (1969) noch im Skandalwerk „Caligula“ (1979) hatte sie Probleme damit, sich nackt zu zeigen, wenn es der Kunst dient. So zieht Mirren auch hier häufig blank und liebt sich offenherzig mit Michael-Darsteller Alan Howard, der ebenfalls alle Hüllen fallen lässt.

Der Koch und der Liebhaber

„Der Koch“ Richard ist in seiner Küche ein Herrscher, aber keiner wie der gewalttätige Gangsterboss Spica. Von herzensgutem Gemüt, weiß er, dass er sich auf seine Angestellten verlassen kann, sie stehen ebenso hinter ihrem Chef. Um seine Kochkunst ausüben zu können, muss er allerdings seinem Gönner gehorchen, so wie viele Künstler in der Geschichte. Ein Zwiespalt, auch ihn widert Spica an. Als einer der Wenigen kann ihn Richard mit Worten und Essen besänftigen und er teilt mit kleinen Seitenhieben aus. Der Koch serviert Georgina spezielle Köstlichkeiten, was Spica eifersüchtig macht, und wie alle Angestellten des „Le Hollandais“ weiß er über die Affäre zwischen Georgina und Michael Bescheid. Er erlaubt dem Paar auch häufig, dass es versteckt in seiner Küche seine Liebe ausleben darf.

Albert lädt Michael (l.) an seine Tafel – Chefkoch Richard (2. v. l.) weiß von der Affäre

Peter Greenaway hatte für die titelgebende Figurenkonstellation bereits die eine Schauspielerin und drei Schauspieler fest im Kopf und gab den vier Charakteren in seinem Drehbuch bereits deren Vornamen. Richard Bohringer, bekannt aus „Die letzte Metro“ (1980) und „Diva“ (1981), ist allerdings der Einzige, der es auch wirklich wie vorgesehen als Koch Richard in den Film schaffte. Die anderen Rollen hätten nach Greenaways Vorstellungen ursprünglich Albert Finney („Mord im Orient-Express“, „Tödliche Entscheidung“) und Georgina Hale („Die Teufel“, „Cockneys vs Zombies“) einnehmen sollen. Da Finney absagte, wechselte Michael Gambon kurzerhand die Rolle: Vom Liebhaber wurde er zum Gangsterboss. Für ihn sprang Alan Howard („Der Teufelskreis“) als Michael ein, der als langjähriges Mitglied der Royal Shakespeare Company in zahlreichen Stücken des englischen Dichterbarden auf der Bühne stand. Zudem sprach er in der Originalfassung von Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Trilogie den dunklen Herrscher Sauron und lieh auch dem „Einen Ring“ seine Stimme. 2015 starb Alan Howard im Alter von 77 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Filmischer Leckerbissen

Peter Greenaway ist ein kunstvolles Meisterwerk gelungen, in dem die Schönheit des Schreckens zelebriert wird. Mit jeder weiteren Sichtung gibt es neue Stilmittel und Einflüsse zu entdecken. Einige davon und weitere Hintergründe zu Greenaways Schaffen hat Christoph N. Kellerbach in seinem gewohnt versiert geschriebenen Booklet im Mediabook von justbridge entertainment integriert. Die Blu-ray-Qualität kann da leider nicht ganz mithalten. Die Farben sind ziemlich blass, es wurde wohl ein altes Master verwendet. Eine Restaurierung hätte der Film bitter nötig. Aber wie dem auch sei: „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ bleibt ein Leckerbissen für wahre Film-Gourmets. Bon Appétit!

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Helen Mirren haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Tim Roth unter Schauspieler.

Das Beste kommt zum Schluss!

Veröffentlichung: 28. August 2020 als limitiertes 2-Disc Mediabook (Blu-ray und DVD), 5. Juni 2020 als DVD, 30. Oktober 2003 als DVD

Länge: 119 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover
GB/F/NL 1989
Regie: Peter Greenaway
Drehbuch: Peter Greenaway
Besetzung: Richard Bohringer, Michael Gambon, Helen Mirren, Tim Roth, Alan Howard, Ciarán Hinds, Gary Olsen, Ron Cook, Ewan Stewart
Zusatzmaterial: Mediabook: 20-seitiges Booklet von Christoph N. Kellerbach
Label/Vertrieb 2020: justbridge entertainment GmbH
Label/Vertrieb 2003: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2021 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 justbridge entertainment

 

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Jesus Shows You the Way to the Highway – Wenn ein Film noch sonderbarer ist als sein Titel

Jesus Shows You the Way to the Highway

Von Volker Schönenberger

SF-Groteske // Ich bekenne gleich vorweg, keine Ahnung zu haben, ob ich diesen Film verstanden habe. Im Mittelpunkt stehen jedenfalls die beiden CIA-Agenten D. T. Gagano (Daniel Tadesse) und Palmer Eldritch (Agustín Mateo), deren Aufgabe es ist, ein Computerprogramm zu beschützen, das die estnische Metropole Tallinn steuert. Gagano will seinen Dienst quittieren, um mit seiner Frau Malin (Gerda-Annette Allikas) ein Kickbox-Studio zu eröffnen. Doch just, als er seinen Abschied nehmen will, dringt ein Virus namens „Sowjetunion“ ins System ein. Die beiden Agenten folgen dem Cyber-Feind in die virtuelle Realität. Doch ob sie je hinausgelangen, steht in den Sternen.

Gagano mit Gemahlin unter der Dusche

Viele werden „Jesus Shows You the Way to the Highway“ nicht zuletzt aufgrund der Laiendarsteller im Trash verorten, aber das greift deutlich zu kurz. Andererseits kann ich gar nicht genau angeben, wo ich den Film einordne. Science-Fiction-Groteske trifft es meines Erachtens einigermaßen, also belasse ich es dabei. Wer glaubt, angesichts des Themas virtuelle Realität eine futuristische Inszenierung gezeigt zu bekommen, liegt daneben. Vielmehr bedient sich der Film konsequent einer Retro-Optik, auch bei der Technik mit Modem und DOS. Die 70er- und 80er-Jahre werfen eben lange Schatten. Das betrifft auch Kostüme, Setdesigns und Autos.

Inspiriert von Philip K. Dick

Befinden sich die beiden Agenten in der virtuellen Realität, tragen sie Papp-Masken mit den Konterfeis von Richard Pryor und Robert Redford, während sich ihr Antagonist eine Stalin-Maske übergestreift hat. Unglaublich, aber wahr. Beim Namen Palmer Eldritch klingelte etwas, und richtig: „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ nennt sich ein 1965 erstveröffentlichter Roman des visionären Science-Fiction-Autors Philip K. Dick (1928–1982). Von dort mag die Idee der alternativen Realität entlehnt sein, womöglich auch mehr.

Agenten im virtuellen Einsatz

Ein Batman für Arme taucht auch auf – Batfro wird von Palmer-Eldritch-Darsteller Agustín Mateo verkörpert. Vielleicht ist Palmer Eldritch auch Batfro, so wie Bruce Wayne Batman ist, ich weiß es nicht. Zwischendurch gibt es eine Einlage klassisches Kung Fu wie aus einem Eastern, dann treten zwei überdimensionale Fliegen in Erscheinung – Menschen im Gummikostüm wie bei „Godzilla“. Nur einige der skurrilen Ideen, mit denen „Jesus Shows You the Way to the Highway“ gespickt ist.

Mit Stalin im Nacken

Der in der spanischen Hauptstadt Madrid geborene Drehbuchautor und Regisseur Miguel Llansó drehte „Jesus Shows You the Way to the Highway“ in Estland und seiner Wahlheimat Äthiopien. Eine ungewöhnliche Kombination, das passt zum Film. Mit Hauptdarsteller Daniel Tadesse arbeitete Llansó dabei nach zwei Kurzfilmen und seinem Langfilm-Regiedebüt „Crumbs“ (2015) zum vierten Mal zusammen. Tadesse ist aufgrund einer Körperbehinderung von gedrungener Gestalt bis hin zur Kleinwüchsigkeit. Der Darsteller scheut sich nicht, mit vollem Körpereinsatz bei der Sache zu sein.

Deutsche Synchronisation von Stereo Total

Ungewöhnlich ist auch die deutsche Synchronisation ausgefallen: Sie stammt von der im Februar 2021 leider verstorbenen Françoise Cactus und Brezel Göring, die gemeinsam das Berliner Synthie-Pop-Punk-Duo Stereo Total gebildet hatten. Cactus übernahm die weiblichen Stimmen des Films, Göring die männlichen. Kurioserweise wurden beide als Voiceover über die Original-Tonspur gelegt, sodass es sich anhört wie bei einem Dokumentarfilm, bei dem ein deutscher Sprecher die Originalstimme übertönt. Es könnte auch ein technischer Fehler sein, daran glaube ich allerdings nicht, weil es einfach zu dieser seltsamen Produktion passt.

Wer sich mit Batfro anlegt …

Angesichts der vielen absurden Ideen fühlte ich mich phasenweise ein wenig an Quentin Dupieux und seine grotesken Film-Experimente „Rubber“ (2010) und „Wrong“ (2012) erinnert. Letztlich ist „Jesus Shows You the Way to the Highway“ unvergleichlich, was wiederum an Dupieux erinnert.

… darf sich hinterher nicht beschweren

Die moderate Dauer von lediglich 79 Minuten ist gut gewählt. Viel länger und man wäre von dem Füllhorn all dieser Merkwürdigkeiten erschlagen worden. Nicht alles wirkt durchdacht, aber vielleicht habe ich auch nur nicht lange genug drüber nachgedacht, womit wir wieder beim Thema meines Verständnisses angelangt sind. Wenn Jesus mir den Weg zur Autobahn gezeigt hat, bin ich wohl irgendwo falsch abgebogen. Weder kann ich „Jesus Shows You the Way to the Highway“ bedingungslos anpreisen noch davon abraten. Wer sich gern von abseitigen Filmerlebnissen überraschen lässt und keine Berührungsängste mit Amateur-Schauspiel und Low-Budget-Produktionen hat, möge sein Glück versuchen. Rapid Eye Movies hat das Werk als Blu-ray im ansprechenden Digipack mit Booklet als Teil der Reihe „selectedbyREM“ veröffentlicht.

Äh – ja?!

Veröffentlichung: 12. März 2021 als Blu-ray im Digipack

Länge: 79 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Jesus Shows You the Way to the Highway
SP/EST/ÄTH/LETT/RUM 2019
Regie: Miguel Llansó
Drehbuch: Miguel Llansó
Besetzung: Daniel Tadesse, Agustín Mateo, Guillermo Llansó, Solomon Tashe, Gerda-Annette Allikas, Rene Köster, Lauri Lagle, Carlo Pironti, Iveta Pole, Aris Rozentals, Metaferia Belayneh, Tesfaye Fekade, Yared Nigusse, Abdulkerim Tenkir, Leul Solomon
Zusatzmaterial: Audiokommentare, Kurzfilm „Chigger Ale“ von Santa Ananas (11:04 Min.), Video Pitch – Making of (2:50 Min.), Proof of Concept – Making of (3:23 Min), Audio-Interviews, Trailer, 16-seitiges Booklet
Label: Rapid Eye Movies
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 Rapid Eye Movies

 

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