RSS

Schlagwort-Archive: H. P. Lovecraft

Die Farbe aus dem All – Wenn Lovecraft ruft, eilt der kosmische Wahnsinn heran

Color Out of Space

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Im Westen von Arkham erheben sich die Hügel und es gibt Täler mit tiefen Wäldern, die noch nie eine Axt geschlagen hat. Es gibt dunkle, enge Schluchten, in denen sich die Bäume behaupten, zwischen denen schmale Bäche fließen, ohne je auch nur das kleinste bisschen Sonnenlicht gesehen zu haben. Als ich zu diesen Hügeln und Tälern ging, um nach dem neuen Wasserspeicher zu suchen, sagte man mir, dieser Ort sei böse. Man erzählte mir dies in Arkham. Und da es eine wirklich alte Stadt ist, voller Hexenlegenden, dachte ich, dass das Böse etwas sein muss, dass Großmütter ihren Enkeln jahrhundertelang zugeflüstert haben mussten. Dann sah ich das dunkle westliche Gewirr von Schluchten und Hängen selbst und mein einziger Gedanke war nur: Welches Geheimnis liegt hier verborgen?

Noch ahnen Theresa und Nathan nichts vom dräuenden Unheil

Mit diesen vom Wasserkundler Ward Phillips (Elliot Knight) als Stimme aus dem Off vorgetragenen Ausschnitten aus den ersten Absätzen von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ beginnt ihre jüngste filmische Umsetzung. Über so erhaben wie düster in Szene gesetzte Waldmotive gelegt, entfachen diese Zeilen sogleich eine unheilvolle Stimmung, die von dem Grauen kündet, das da kommen mag.

Alpaka-Zucht und Tomatenanbau

Phillips ist frisch in der Gegend eingetroffen und begegnet am Ufer eines Sees Lavinia Gardner (Madeleine Arthur), die dort ein heidnisches Ritual vollzieht. Auf die Störung durch den jungen Mann reagiert das Teenager-Mädchen ungehalten. Sie kann aber ihr Interesse an ihm kaum verbergen. Mit ihren Eltern Nathan (Nicolas Cage) und Theresa (Joely Richardson) sowie ihren beiden Brüdern Benny (Brendan Meyer) und Jack (Julian Hilliard) bewohnt sie ein üppiges Anwesen. Nathan baut dort Tomaten an und hält Alpakas, um mit ihnen eine Milchwirtschaft aufzubauen. Finanzberaterin Theresa arbeitet viel online, hat aber Probleme mit dem Internetanschluss. Seit einer Erkrankung mit damit einhergehender Operation hatte das Ehepaar Gardner keinen Sex mehr (dass es Brustkrebs war, wird nicht ausgesprochen, aber klar genug angedeutet).

Die Umgebung verändert sich

Just als sich Nathan und Theresa an diesem Abend endlich wieder einmal der körperlichen Liebe hingeben wollen, geschieht es: Ein sonderbares Licht leuchtet am Himmel auf, und plötzlich schlägt ein Meteorit von vielleicht einem knappen Meter Durchmesser im Vorgarten der Gardners ein. Fortan übt das leuchtende Gestein einen fatalen Einfluss auf alles Leben in der Umgebung aus. Und nicht zuletzt auf die Gardners …

Joint gefällig?

Was für ein Trip! Scheinbar bedächtig schreitet die Handlung voran, doch ehe wir es uns versehen, ist die sympathische Familie im Unheil gefangen, und „Die Farbe aus dem All“ entwickelt sich zu einer bizarren Reise in Lila und Pink – Blutrot nicht zu vergessen. Zur halluzinierenden Visualisierung des Films passt es gut, dass die Rolle eines kiffenden Eremiten mit Tommy Chong besetzt wurde, den wir aus den Stoner-Movies der „Cheech & Chong“-Reihe kennen. Die Figur wirkt allerdings eher wie ein Gimmick und treibt die Handlung nur unwesentlich voran. Dafür bereichert eine Prise Familiendrama den Plot, und wenn der gute alte Body-Horror ins Spiel kommt, kommen auch Anhänger deftigen Splatters und grotesker Mutationen auf ihre Kosten. Ein schöner Spannungsbogen bringt stetige Steigerung des Schreckens. Hydrologe Ward Phillips scheint mir dabei als Chronist adäquat aus der Literaturvorlage umgesetzt zu sein, auch wenn ihn Lovecraft dort als Landvermesser ausgewiesen hatte. Erst zum Finale wird er mitten ins Geschehen hineingezogen.

Der kleine Jack gerät ebenso in Gefahr …

Produziert wurde „Die Farbe aus dem All“ von SpectreVision, der 2010 von Daniel Noah, Josh C. Waller und Elijah Wood gegründeten Filmschmiede, die uns in den vergangenen Jahren bereits solch außergewöhnliche Werke wie „A Girl Walks Home Alone at Night“ (2014), „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ (2016) und „Mandy“ (2018) beschert hat. Im Interview mit „Deadline – Das Filmmagazin“ beschrieb Noah die Vision hinter der Produktionsfirma: Wir versuchen mit unseren Horror- und Science-Fiction-Storys eine Art spirituelle oder kosmische Transzendenz zu erreichen. Angesichts dieser Aussage erscheint es folgerichtig, sich H. P. Lovecraft zu widmen.

Vom Regisseur von „Dust Devil“

Die Personalie auf dem Regiestuhl ist bemerkenswert, hatte Richard Stanley doch seit dem Fiasko der H.-G.-Wells-Verfilmung „D.N.A. – Experiment des Wahnsinns“ (1996) keinen Spielfilm mehr gedreht. Der 1966 in Südafrika Geborene war wenige Tage nach Drehbeginn gefeuert und durch John Frankenheimer ersetzt worden, was den Film aber auch nicht retten konnte. Stanleys frühe Regiearbeiten „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990) und „Dust Devil“ (1992) sind mehr als einen Blick wert, und mit „Die Farbe aus dem All“ hat er sich eindrucksvoll für weitere Genre-Produktionen zurückgemeldet. Bleibt ihm zu wünschen, dass dies auch Produzenten so sehen. Stanley hat immerhin selbst verraten, dass der Film den Auftakt einer Lovecraft-Trilogie bildet und er bereits am Skript zum zweiten Film schreibt – einer Umsetzung der Kurzgeschichte „The Dunwich Horror“. Nun ist die Idee eines großen Kino-Universums rund um einen Geschichten-Komplex nicht mehr der allerletzte Schrei – das Marvel Cinematic Universe, das MonsterVerse und andere lassen grüßen, das Dark Universe von Universal womöglich gar aus der Gruft des Vergessens; gleichwohl haben Richard Stanley und seine Produzenten von SpectreVision mit dem ersten Beitrag ein Ausrufezeichen gesetzt, das viele Genre-Fans Blut lecken ließ und sogar bei etlichen Lovecraft-Fans Anklang finden wird (wenn auch nicht bei allen, denn sie sind ja sehr eigen). Es muss ja nicht gleich ein Lovecraft-Verse werden. „Die Farbe aus dem All“ ist mit weiteren Anspielungen gespickt, etwa der Nennung der Ortschaften Dunwich und Innsmouth im Wetterbericht. Und natürlich liegt bei der spirituell veranlagten Lavinia eine Ausgabe des Necronomicons im Zimmer.

… wie seine Schwester Lavinia

Wenn man es genau nimmt, kann man kritisch anführen, dass Lovecraft seine 1927 erstveröffentlichte Erzählung in den 1880er-Jahren platzierte, während der Film im Hier und Heute spielt. Das mag Kostenerwägungen geschuldet sein, weil ein in der Vergangenheit spielender Film ganz andere Herausforderungen an Kostüme, Kulissen, Produktions- und Setdesign stellt. Mich hat es nicht gestört, auch wenn es ein paar kleine Inkonsequenzen zur Folge hat. So würde ein derartiger Meteoriteneinschlag heute ein weitaus größeres Medieninteresse verursachen und zügig diverse Behörden und Forschungseinrichtungen auf den Plan rufen, als es im Film zu beobachten ist. Die moderne Kommunikation hebelt Richard Stanley immerhin souverän aus, indem er andeutet, dass die kosmische Strahlung sich auch darauf auswirkt. Böswillige Lovecraftianer können auch darauf hinweisen, dass der Schriftsteller von einer Farbe schrieb, die dem menschlichen Auge unbekannt sei, während wir die im Film zu sehenden Farbkombinationen sehr wohl kennen. Hergott noch mal, es ist ein Film, da ist Visualisierung systemimmanent!

Von Boris Karloff zu Alex Garland

Lovecrafts Erzählung kam erstmals 1965 unter dem Titel „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ mit Boris Karloff ins Kino. Obwohl die Adaption ebenso wie „The Curse“ von 1987 bei manchen Lovecraft-Jüngern nicht als adäquate Umsetzungen anerkannt wird, faszinieren dennoch beide. Die Prämisse der alles in der Umgebung beeinflussenden Farbe aus dem All ist womöglich schon stark genug für einen Schocker, selbst wenn Lovecrafts Intentionen nicht getroffen werden. Da erscheint es mir schon reizvoll, beizeiten auch „Colour from the Dark“ (2008) aus Italien und die deutsche Independent-Produktion „Die Farbe“ (2010) anzutesten. Erwähnt sei auch Alex Garlands „Auslöschung“ (2018) mit Natalie Portman, der Lovecrafts Grundidee eines Meteoritenschlags mit anschließender Beeinflussung des Lebens in der Umgebung aufgreift und konsequent weiterführt. Die Kurzgeschichte kann im englischen Originaltext vollständig online gelesen werden. Sie ist obendrein hierzulande in deutscher Übersetzung in der Lovecraft-Kurzgeschichtensammlung „Das Ding auf der Schwelle“ erschienen. Das Buch ist neu und antiquarisch in diversen Auflagen problemlos zu finden. Es stellt einen perfekten Einstieg in die verqueren Gedankenwelten des Autors dar, zumal die Erzählung „Der Schatten aus der Zeit“ („The Shadow Out of Time“) enthalten ist, eine der bedeutsamen Säulen in Lovecrafts Cthulhu-Mythos um die „Großen Alten“.

Weiter so, Nicolas Cage!

Nicolas Cage dreht weiterhin viel, und oft erscheint seine Rollenwahl willkürlich. In die A-Liga wird der Oscar- und Golden-Globe-Preisträger („Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“) so schnell wohl nicht wieder vorstoßen. Aber er sollte sich vielleicht mal eines Abends mit einem guten Glas Wein gemütlich machen und seine Filmografie der vergangenen Jahre Revue passieren lassen. Dann wird er vielleicht bemerken, dass seine außergewöhnlichsten Filme zwei bizarre Genre-Produktionen waren, um die sich sogar ein kleiner Kult gebildet hat: „Mandy“ und eben „Die Farbe aus dem All“. Daran gilt es anzuknüpfen, dann kann man vielleicht all die 08/15-Thriller bald weglassen, wenn das Finanzamt mitspielt (dass die beiden eher entbehrlichen „Ghost Rider“-Filme ebenfalls dem fantastischen Segment zuzuordnen sind, ignoriere ich einfach mal, sonst hinkt meine Argumentation).

Etwas Overacting geht immer

Die schauspielerisch auffälligsten Szenen in „Die Farbe aus dem All“ gebühren eindeutig Cage, denn wenn es rund um die anderen Figuren spektakulär wird, wird das in der Regel durch fantastische Elemente und Effekte verstärkt. Cage darf aber einfach auch mal zornig mutierte Riesentomaten in den Mülleimer pfeffern und einen Tobsuchtsanfall kriegen, wenn das Auto nicht anspringt. Damit kultiviert er seinen Overacting-Ruf, obgleich sich der Gute ansonsten weitgehend zurücknimmt und Nathan Gardner zu Beginn eine geradezu biedere Aura verleiht.

Trotz allem beeindruckende Filmografie

Cage hat genug großartige Rollen gespielt und interessanten Figuren Leben eingehaucht, obwohl seine Mimik begrenzt ist. Er hat mit großartigen Regisseuren gearbeitet, darunter mit Alan Parker („Birdy“), den Coens („Arizona Junior“), David Lynch („Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula“), John Woo („Im Körper des Feindes – Face/Off“), Brian De Palma („Spiel auf Zeit“), Martin Scorsese („Bringing Out the Dead“ – Nächte der Erinnerung“), Andrew Niccol („Lord of War – Händler des Todes“) und nicht zuletzt zu Beginn seiner Karriere wiederholt mit seinem Onkel Francis Ford Coppola („Rumble Fish“, „Peggy Sue hat geheiratet“, „Cotton Club“). Es ist noch nicht alles verloren, was man daran erkennt, dass er erst vor wenigen Jahren für einen Oliver-Stone-Film („Snowden“) gebucht worden ist. Es ist noch nicht alles verloren, also Augen auf bei der Rollenwahl, Nicolas! „Die Farbe aus dem All“ ist mal wieder ein echter Glücksgriff, davon gern mehr.

Koch Films hat „Die Farbe aus dem All“ in verschiedenen Sammlerbudgets angemessen Editionen veröffentlicht, beginnend mit Blu-ray und DVD in herkömmlichen Softcases. Beim Mediabook kann man sich zwischen zwei Covervarianten entscheiden, es enthält den Film auf Blu-ray und UHD Blu-ray sowie Bonusmaterial, das seinesgleichen sucht. Hervorheben möchte ich hier die zusätzlichen Kurzfilme: So finden sich hier Richard Stanleys Regiedebüt „Rites of Passage“ (1983, 10 Min.) ebenso wie dessen Nachfolger „Incidents in an Expanding Universe“ (1985, 45 Min.) und seine spätere Arbeit „The Sea of Perdition“ (2006, 9 Min.). Hinzu kommt die 33-minütige Doku „The Voice of the Moon“ (1990), in der er auf experimentelle Weise den sowjetrussischen Einmarsch in Afghanistan thematisierte. Obendrein finden sich auf der Bonus-Blu-ray die beiden jeweils etwa fünfminütigen „Die Farbe aus dem All“ (2017) und „Der Garten“ des deutschen Kurzfilmers Patrick Müller, die beide von Lovecraft inspiriert entstanden. Im auch ansonsten lesenswerten Booklet findet sich ein zweiseitiger Text zu Müller und seinen Werken.

Die Ultimate Edition legt noch mal eine Schippe drauf und enthält attraktives physisches Zusatzmaterial: zwei Kinoplakate, sechs Aushangfotos sowie als Herzstück einen Nachdruck des vollständigen „Amazing Stories“-Magazins von 1927, in welchem „The Colour Out of Space“ erstveröffentlicht worden ist. Auf den beiden zusätzlichen Blu-rays finden sich obendrein die drei oben bereits erwähnten Lovecraft-Adaptionen „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, „The Curse“ und „Die Farbe“ inklusive eigenen Bonusmaterials. Dabei handelt es sich im Übrigen um die Blu-rays, die das Label Wicked Vision 2018 im Mediabook-Format veröffentlicht hat, mithin also um die Filme in bestmöglicher Qualität. Löblich, dass sich Koch und Wicked hier kurzgeschlossen haben. Wenn das den hohen Preis nicht rechtfertigt, weiß ich auch nicht weiter. Ich möchte nicht wissen, wie viele Fans sich sowohl beide Covervarianten des Mediabooks als auch die Ultimate Edition gegönnt haben. Dieser im Doppelsinn fantastische Film hat weite Verbreitung verdient. Die Qual der Wahl der Edition sei dem einzelnen Sammler und seinem Geldbeutel überlassen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. Mai 2020 als Limited 3-Disc Edition Mediabook (4K UHD Blu-ray & 2 Blu-rays, 2 Covervarianten), 30. April 2020 als 7-Disc Ultimate Edition (4K UHD Blu-ray, 5 Blu-rays, CD), Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Color Out of Space
MAL/PORT/USA 2019
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Scarlett Amaris, Richard Stanley, nach einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft
Besetzung: Nicolas Cage, Joely Richardson, Madeleine Arthur, Elliot Knight, Tommy Chong, Brendan Meyer, Julian Hilliard, Josh C. Waller, Q’orianka Kilcher, Melissa Nearman
Zusatzmaterial: Trailer, nur Mediabook & Ultimate Edition: entfallene Szenen, Featurette, Kurzfilme von Patrick Müller: „The Colour Out of Space“ & „The Garden“, verschiedene Kurzfilme von Richard Stanley, 12-seitiges Booklet mit Texten von Christoph Huber und Stefan Jung, nur Ultimate Edition: Bonusfilm „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, deutscher VHS-Vorspann, deutsche Nostalgie-Fassung, selbstlaufende Bildergalerien, 3 Trailer zum Film, Bonusfilm „The Curse“, Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, Bildergalerie, 2 Trailer zum Film, Bonusfilm „Die Farbe“, verlorene Szene (3 Minuten), Making-of (22 Minuten), Effekte und Konzepte (7 Min.); Science Horror (7 Min.), Teaser und Trailer, 104-seitiger Nachdruck des originalen „Amazing Stories“-Magazins, 2 Kinoplakate DIN A1, 6 Retro-Aushangfotos
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2020 Koch Films

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Gewinnspiel: 1 x Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley als Limited Collector’s Edition Mediabook

Verlosung

„Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ von 1965 zeigt Boris Karloff in der ersten Verfilmung der Kurzgeschichte „The Colour Out of Space“ („Die Farbe aus dem All“) von H. P. Lovecraft. Wicked-Vision Media hat den Horrorfilm als deutsche HD-Premiere veröffentlicht. Das 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook enthält den Film auf Blu-ray und DVD, hinzu kommt reichlich Bonusmaterial, darunter ein 44-seitiges Booklet. Ein Exemplar mit Cover A hat uns das Label zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des kommenden Gewinners!

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,60 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 2. Juni 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Das schöne Mediabook geht an Marco Grindhouse. Herzlichen Glückwunsch, du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , , ,

The Curse – Die Farm des Grauens

The Curse

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // In einer friedlich wirkenden US-Vorstadtgegend hat die Polizei ein Haus umstellt. Ein Mann (John Schneider) mit seltsamen Pocken im Gesicht wird in Handschellen abgeführt und in einen Streifenwagen verfrachtet. Während er zur Wache gefahren wird, brüllt er immer wieder mit Wahnsinn in den Augen: „Es ist im Wasser!“

Ein Zeitsprung führt uns sechs Monate in die Vergangenheit ins ländliche Tellico Plains im US-Staat Tennessee. Zack (Wil Wheaton) wird bei der Farmarbeit wieder einmal von seinem tumben Stiefbruder Cyrus (Malcolm Danare) drangsaliert. Nach dem Tod seines Vaters hatte Zacks Mutter Frances (Kathleen Jordon Gregory) den gottesfürchtigen Nathan Hayes (Claude Akins) geheiratet, um ihrem Sohn und der jüngeren Tochter Alice (Amy Wheaton) ein ordentliches Zuhause zu bieten. Nicht nur Frances leidet unter den frommen Ansichten ihres zweiten Gatten, der ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllen will, sodass sie sich hin und wieder des Nachts ins Bett des kräftigen und äußerst behaarten Farmgehilfen schleicht.

Der mysteriöse Meteorit ist gelandet

In einer dieser Nächte geschieht etwas Merkwürdiges: Ein Sturm kommt auf, ein strahlendes Licht erscheint am Himmel und mit einem lauten Rumms landet eine Art Meteorit auf einem Feld in der Nähe der Hayes-Farm. Doch so schnell der mysteriöse Himmelskörper angeflogen kam, ist er ein paar Stunden später auch schon wieder verschwunden. Eine trügerische Ruhe stellt sich ein. Bald darauf machen sich schleichend erste Nebenwirkungen des Meteoriten bemerkbar: Nathan und Frances freuen sich zwar über die üppige Ernte und die extra großen Tomaten, Äpfel und Kürbisse, die auf ihrem Gut gewachsen sind. Aber wenn man das Obst und Gemüse aufschneidet, sind diese innen von Würmern und Maden zerfressen. Die Krankheit überträgt sich offenbar auch auf das Vieh, das zunehmend verrückt spielt und aggressiv wird. Es dauert nicht lange, bis auch die einzelnen Familienmitglieder nacheinander angesteckt werden. Nur Zack ist offenbar immun. Kann er seine Familie retten?

Von H. P. Lovecraft inspiriert

Die Geschichte mag einigen zumindest in Teilen durchaus bekannt vorkommen. Drehbuchautor David Chaskin („Nightmare 2 – Die Rache“) ließ sich stark von H. P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ inspirieren. Die Kurzgeschichte des Kultautors gehört zu seinen am häufigsten verfilmten Werken. In seiner Rezension zu „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, der ersten Verfilmung des Stoffes, hat „Die Nacht der lebenden Texte“-Betreiber Volker bereits auf weitere Titel hingewiesen. Ganz aktuell wurde bekannt, dass „Dust Devil“-Regisseur Richard Stanley „Color Out of Space“ mit niemand Geringerem als Nicolas Cage in der Hauptrolle inszenieren wird.

Nur Zack erkennt die Gefahr, die von dem Himmelskörper ausgeht

Bis dieser Film fertiggestellt ist, kann man durchaus mit „The Curse“ vorliebnehmen. Mit der deutsch-italienischen Produktion feierte US-Schauspieler David Keith („Der Feuerteufel“) sein Regiedebüt, zwei weitere Werke sollten noch hinzukommen. Manche Quellen sprechen davon, dass es tatsächlich seine Farm in Tennessee war, die als Schauplatz des Grauens diente. Von italienischer Seite war Altmeister Lucio Fulci als Produzent beteiligt. Wie groß sein Einfluss wirklich war, ist nicht genau bekannt. Angeblich übernahm er laut des ägyptischen Produzenten Ovidio G. Assonitis lediglich die Drehs der „Second Unit“, die in Rom stattfanden.

Amerikanische und italienische Einflüsse

Wenn die glühende Masse aus dem Meteoriten fließt, wirkt das herrlich italienisch-atmosphörisch und zeigt klare inszenatorische Parallelen zu Fulcis Werken, etwa „Das Haus an der Friedhofsmauer“ (1981), sowie zu den beiden „Dämonen“-Filmen von Lamberto Bava. Auch einige eingestreute Nacktszenen von Kathleen Jordon Gregory hätte ein amerikanischer Produzent nicht unbedingt durchgewinkt. An Bord war auch Kameramann Roberto Forges Davanzati, der sein Können bereits bei „Nackt und zerfleischt“ (1980) und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (1980) bewiesen hatte.

Plötzlich spielt Stiefbruder Cyrus verrückt …

Für Hauptdarsteller Wil Wheaton, den die jüngeren Leser aus seinen Gastauftritten bei „The Big Bang Theory“ kennen und gegen den ältere Leser eventuell durch seine Rolle als Wesley Crusher in „Star Trek – The Next Generation“ eine Abneigung entwickelt haben, war es der Folgefilm zum Kinohit „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986). Ein begnadeter Schauspieler war er nie, erst recht nicht damals mit 14 Jahren. Den Film kann er nicht tragen, aber gerade weil Wheaton mit seinem unschuldigen Blick und dünner Statur sehr zart wirkt, fiebert man durchaus mit dem Jungen mit, wenn er gegen das Böse kämpft. Er selbst soll rückblickend gemeint haben, das einzig Gute, was er über „The Curse“ sagen könne, sei, dass er wenigstens mit seiner jüngeren Schwester Amy zusammenarbeiten konnte. Wesentlich glaubwürdiger und furchteinflößender kommt da Charakterdarsteller Claude Akins („Wer den Wind sät“, „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“) als gläubiger Stiefvater daher. Malcom Danare („Christine“) als Cyrus wirkt hingegen als dicklicher, fieser Junge mit seinem bauchfreien Shirt wie eine Karikatur und recht eindimensional. Wenn er gegen Ende in voller Maske mit Zack kämpft, sieht das alles recht unfreiwillig komisch aus.

Hoher Ekelfaktor

Neben der unheimlichen Atmosphäre und dem zwischenmenschlichen Terror enthält „The Curse“ einige Ekelfaktoren, die vielleicht für einige Zuschauer ungenießbar sind. Die schon genannten Würmer und Maden sind da nur der Anfang. Dazu streift Keiths Film auch das Subgenre des Tierhorrors, wenn die Hühner einen blutigen Angriff auf die kleine Amy starten. Das Thema „vergiftetes Wasser“ ist eine universelle Angst, mit der sich in einem Horrorfilm perfekt spielen lässt und die beim Zuschauer auch im Anschluss an die Sichtung gut nachwirkt. Ist mein Wasser vielleicht auch nicht so porentief rein? Hinzu kommen einige deftige Splatterszenen, die für die damalige Zeit handwerklich ordentlich gemacht sind. Und zwar so gut, dass der Film kurz nach seiner gekürzten FSK-18-Veröffentlichung auf VHS 1989 in Deutschland indiziert wurde und lange im Giftschrank lagerte. Er erschien hierzulande auch nie auf DVD.

Zurück aus dem Giftschrank

Es sei Wicked-Vision Media ausdrücklich gedankt, dass das Label „The Curse“ nach der bereits 2014 erfolgten Listenstreichung des Films endlich als Blu-ray veröffentlicht hat – und dies ungeschnitten im schicken Mediabook als Limited Collector’s Edition. Der zuvor fehlende Epilog wurde im Original mit Untertiteln hinzugefügt. Darin liefert ein TV-Nachrichtensprecher eine recht simple und interessante Verbindung, aus welchem Grund die Farben aus dem All auf die Erde niedergesaust sein könnten. Extratechnisch sieht es diesmal etwas mager aus, dafür entschädigen aber der Booklet-Text von Christoph N. Kellerbach und der hörenswerte Audiokommentar des Trios Dr. Naumann, Künnecke und Klaese.

„The Curse“ entwickelte sich in den USA wohl nicht zuletzt aufgrund seiner interessanten italienischen und amerikanischen Einflüsse zu einem Kulthit. Zumindest wurde der Titel zur besseren Vermarktung zweier anderer Filme weitergetragen – obwohl die Fortsetzungen keine inhaltlichen Parallelen zum Erstling aufweisen. Es folgten „Curse II – The Bite“ (1989)“ und „Curse III – Blood Sacrifice” (1991), in welchem sich sogar Christopher Lee die Ehre gibt.

… und auch Mama Frances zeigt ihre gemeine Fratze

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 2-Disc Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray & DVD), limitiert auf 888 Exemplare

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Curse
USA/IT 1987
Regie: David Keith
Drehbuch: David Chaskin, nach Motiven von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ („The Colour Out of Space“)
Besetzung: Wil Wheaton, Claude Akins, Malcom Danare, Cooper Huckabee, John Schneider, Amy Wheaton, Steve Carlisle, Kathleen Jordon Gregory, Hope North
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, Originaltrailer, Bildergalerie, Trailer, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach
Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos: © 2018 Wicked-Vision Media

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: