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Schlagwort-Archive: H. P. Lovecraft

Gewinnspiel: 1 x Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley als Limited Collector’s Edition Mediabook

Verlosung

„Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ von 1965 zeigt Boris Karloff in der ersten Verfilmung der Kurzgeschichte „The Colour Out of Space“ („Die Farbe aus dem All“) von H. P. Lovecraft. Wicked-Vision Media hat den Horrorfilm als deutsche HD-Premiere veröffentlicht. Das 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook enthält den Film auf Blu-ray und DVD, hinzu kommt reichlich Bonusmaterial, darunter ein 44-seitiges Booklet. Ein Exemplar mit Cover A hat uns das Label zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des kommenden Gewinners!

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,60 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 2. Juni 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Das schöne Mediabook geht an Marco Grindhouse. Herzlichen Glückwunsch, du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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The Curse – Die Farm des Grauens

The Curse

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // In einer friedlich wirkenden US-Vorstadtgegend hat die Polizei ein Haus umstellt. Ein Mann (John Schneider) mit seltsamen Pocken im Gesicht wird in Handschellen abgeführt und in einen Streifenwagen verfrachtet. Während er zur Wache gefahren wird, brüllt er immer wieder mit Wahnsinn in den Augen: „Es ist im Wasser!“

Ein Zeitsprung führt uns sechs Monate in die Vergangenheit ins ländliche Tellico Plains im US-Staat Tennessee. Zack (Wil Wheaton) wird bei der Farmarbeit wieder einmal von seinem tumben Stiefbruder Cyrus (Malcolm Danare) drangsaliert. Nach dem Tod seines Vaters hatte Zacks Mutter Frances (Kathleen Jordon Gregory) den gottesfürchtigen Nathan Hayes (Claude Akins) geheiratet, um ihrem Sohn und der jüngeren Tochter Alice (Amy Wheaton) ein ordentliches Zuhause zu bieten. Nicht nur Frances leidet unter den frommen Ansichten ihres zweiten Gatten, der ihre sexuellen Bedürfnisse nicht erfüllen will, sodass sie sich hin und wieder des Nachts ins Bett des kräftigen und äußerst behaarten Farmgehilfen schleicht.

Der mysteriöse Meteorit ist gelandet

In einer dieser Nächte geschieht etwas Merkwürdiges: Ein Sturm kommt auf, ein strahlendes Licht erscheint am Himmel und mit einem lauten Rumms landet eine Art Meteorit auf einem Feld in der Nähe der Hayes-Farm. Doch so schnell der mysteriöse Himmelskörper angeflogen kam, ist er ein paar Stunden später auch schon wieder verschwunden. Eine trügerische Ruhe stellt sich ein. Bald darauf machen sich schleichend erste Nebenwirkungen des Meteoriten bemerkbar: Nathan und Frances freuen sich zwar über die üppige Ernte und die extra großen Tomaten, Äpfel und Kürbisse, die auf ihrem Gut gewachsen sind. Aber wenn man das Obst und Gemüse aufschneidet, sind diese innen von Würmern und Maden zerfressen. Die Krankheit überträgt sich offenbar auch auf das Vieh, das zunehmend verrückt spielt und aggressiv wird. Es dauert nicht lange, bis auch die einzelnen Familienmitglieder nacheinander angesteckt werden. Nur Zack ist offenbar immun. Kann er seine Familie retten?

Von H. P. Lovecraft inspiriert

Die Geschichte mag einigen zumindest in Teilen durchaus bekannt vorkommen. Drehbuchautor David Chaskin („Nightmare 2 – Die Rache“) ließ sich stark von H. P. Lovecrafts „Die Farbe aus dem All“ inspirieren. Die Kurzgeschichte des Kultautors gehört zu seinen am häufigsten verfilmten Werken. In seiner Rezension zu „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, der ersten Verfilmung des Stoffes, hat „Die Nacht der lebenden Texte“-Betreiber Volker bereits auf weitere Titel hingewiesen. Ganz aktuell wurde bekannt, dass „Dust Devil“-Regisseur Richard Stanley „Color Out of Space“ mit niemand Geringerem als Nicolas Cage in der Hauptrolle inszenieren wird.

Nur Zack erkennt die Gefahr, die von dem Himmelskörper ausgeht

Bis dieser Film fertiggestellt ist, kann man durchaus mit „The Curse“ vorliebnehmen. Mit der deutsch-italienischen Produktion feierte US-Schauspieler David Keith („Der Feuerteufel“) sein Regiedebüt, zwei weitere Werke sollten noch hinzukommen. Manche Quellen sprechen davon, dass es tatsächlich seine Farm in Tennessee war, die als Schauplatz des Grauens diente. Von italienischer Seite war Altmeister Lucio Fulci als Produzent beteiligt. Wie groß sein Einfluss wirklich war, ist nicht genau bekannt. Angeblich übernahm er laut des ägyptischen Produzenten Ovidio G. Assonitis lediglich die Drehs der „Second Unit“, die in Rom stattfanden.

Amerikanische und italienische Einflüsse

Wenn die glühende Masse aus dem Meteoriten fließt, wirkt das herrlich italienisch-atmosphörisch und zeigt klare inszenatorische Parallelen zu Fulcis Werken, etwa „Das Haus an der Friedhofsmauer“ (1981), sowie zu den beiden „Dämonen“-Filmen von Lamberto Bava. Auch einige eingestreute Nacktszenen von Kathleen Jordon Gregory hätte ein amerikanischer Produzent nicht unbedingt durchgewinkt. An Bord war auch Kameramann Roberto Forges Davanzati, der sein Können bereits bei „Nackt und zerfleischt“ (1980) und „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (1980) bewiesen hatte.

Plötzlich spielt Stiefbruder Cyrus verrückt …

Für Hauptdarsteller Wil Wheaton, den die jüngeren Leser aus seinen Gastauftritten bei „The Big Bang Theory“ kennen und gegen den ältere Leser eventuell durch seine Rolle als Wesley Crusher in „Star Trek – The Next Generation“ eine Abneigung entwickelt haben, war es der Folgefilm zum Kinohit „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ (1986). Ein begnadeter Schauspieler war er nie, erst recht nicht damals mit 14 Jahren. Den Film kann er nicht tragen, aber gerade weil Wheaton mit seinem unschuldigen Blick und dünner Statur sehr zart wirkt, fiebert man durchaus mit dem Jungen mit, wenn er gegen das Böse kämpft. Er selbst soll rückblickend gemeint haben, das einzig Gute, was er über „The Curse“ sagen könne, sei, dass er wenigstens mit seiner jüngeren Schwester Amy zusammenarbeiten konnte. Wesentlich glaubwürdiger und furchteinflößender kommt da Charakterdarsteller Claude Akins („Wer den Wind sät“, „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“) als gläubiger Stiefvater daher. Malcom Danare („Christine“) als Cyrus wirkt hingegen als dicklicher, fieser Junge mit seinem bauchfreien Shirt wie eine Karikatur und recht eindimensional. Wenn er gegen Ende in voller Maske mit Zack kämpft, sieht das alles recht unfreiwillig komisch aus.

Hoher Ekelfaktor

Neben der unheimlichen Atmosphäre und dem zwischenmenschlichen Terror enthält „The Curse“ einige Ekelfaktoren, die vielleicht für einige Zuschauer ungenießbar sind. Die schon genannten Würmer und Maden sind da nur der Anfang. Dazu streift Keiths Film auch das Subgenre des Tierhorrors, wenn die Hühner einen blutigen Angriff auf die kleine Amy starten. Das Thema „vergiftetes Wasser“ ist eine universelle Angst, mit der sich in einem Horrorfilm perfekt spielen lässt und die beim Zuschauer auch im Anschluss an die Sichtung gut nachwirkt. Ist mein Wasser vielleicht auch nicht so porentief rein? Hinzu kommen einige deftige Splatterszenen, die für die damalige Zeit handwerklich ordentlich gemacht sind. Und zwar so gut, dass der Film kurz nach seiner gekürzten FSK-18-Veröffentlichung auf VHS 1989 in Deutschland indiziert wurde und lange im Giftschrank lagerte. Er erschien hierzulande auch nie auf DVD.

Zurück aus dem Giftschrank

Es sei Wicked-Vision Media ausdrücklich gedankt, dass das Label „The Curse“ nach der bereits 2014 erfolgten Listenstreichung des Films endlich als Blu-ray veröffentlicht hat – und dies ungeschnitten im schicken Mediabook als Limited Collector’s Edition. Der zuvor fehlende Epilog wurde im Original mit Untertiteln hinzugefügt. Darin liefert ein TV-Nachrichtensprecher eine recht simple und interessante Verbindung, aus welchem Grund die Farben aus dem All auf die Erde niedergesaust sein könnten. Extratechnisch sieht es diesmal etwas mager aus, dafür entschädigen aber der Booklet-Text von Christoph N. Kellerbach und der hörenswerte Audiokommentar des Trios Dr. Naumann, Künnecke und Klaese.

„The Curse“ entwickelte sich in den USA wohl nicht zuletzt aufgrund seiner interessanten italienischen und amerikanischen Einflüsse zu einem Kulthit. Zumindest wurde der Titel zur besseren Vermarktung zweier anderer Filme weitergetragen – obwohl die Fortsetzungen keine inhaltlichen Parallelen zum Erstling aufweisen. Es folgten „Curse II – The Bite“ (1989)“ und „Curse III – Blood Sacrifice” (1991), in welchem sich sogar Christopher Lee die Ehre gibt.

… und auch Mama Frances zeigt ihre gemeine Fratze

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als 2-Disc Collector’s Edition im Mediabook (Blu-ray & DVD), limitiert auf 888 Exemplare

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Curse
USA/IT 1987
Regie: David Keith
Drehbuch: David Chaskin, nach Motiven von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ („The Colour Out of Space“)
Besetzung: Wil Wheaton, Claude Akins, Malcom Danare, Cooper Huckabee, John Schneider, Amy Wheaton, Steve Carlisle, Kathleen Jordon Gregory, Hope North
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, Originaltrailer, Bildergalerie, Trailer, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Christoph N. Kellerbach
Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos: © 2018 Wicked-Vision Media

 

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Horror für Halloween (XX): Die Folterkammer des Hexenjägers – Poe drauf, Lovecraft drin

The Haunted Palace

Von Volker Schönenberger

Horror // Einen der dreistesten Etikettenschwindel der Horrorfilmgeschichte leistete sich das Studio American International Pictures (AIP) 1963: Roger Corman wollte seinem drei Jahre zuvor mit „Die Verfluchten“ gestarteten und bis dato fünf Filme umfassenden Edgar-Allan-Poe-Zyklus eine Pause gönnen. Er verspürte Lust, sich H. P. Lovecraft zuzuwenden und dessen Kurznovelle „Der Fall Charles Dexter Ward“ zu verfilmen. Dabei hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht – eben AIP: Das Studio setzte weiter auf den gegenüber Lovecraft weitaus zugkräftigeren Namen Poe, verpasste dem Film kurzerhand den Titel des Poe-Gedichts „The Haunted Palace“ und ließ ein paar Zeilen daraus einbauen. Das gefiel Corman überhaupt nicht, ändert aber nichts daran, dass er auf „Die Folterkammer des Hexenjägers“ heute noch stolz sein kann. Poes „The Haunted Palace“ war 1839 im „American Museum Magazine“ erschienen. Lovecraft hatte „The Case of Charles Dexter Ward“ 1927 geschrieben, die Geschichte wurde aber erst 1941 im Magazin „Weird Tales“ veröffentlicht – vier Jahre nach dem Tod des Autors. Bei „Die Folterkammer des Hexenjägers“ handelt es sich sogar um die erste Verfilmung einer Lovecraft-Erzählung überhaupt (falls ich mich irre, bitte ich um Nennung der früheren Adaption/en).

Angeführt von Ezra Weeden (Leo Gordon), rotten sich im Jahr 1765 die Bewohner des Städtchens Arkham in Massachusetts zusammen und stürmen das Anwesen von Joseph Curwen (Vincent Price), den sie verdächtigen, schwarze Magie zu praktizieren – zu Recht, wie sich herausstellt. Curwen endet auf dem Scheiterhaufen, nicht ohne vor seinem Tod angekündigt zu haben, er werde aus dem Grab wiederkehren, und seine Henker und all ihre Nachfahren zu verfluchen.

And travellers, now, within that valley,
Through the red-litten windows see
Vast forms that move fantastically
To a discordant melody.

Diese nach dem Prolog eingeblendeten Zeilen aus Poes Gedicht leiten die 110 Jahre später einsetzende Haupthandlung ein. Charles Dexter Ward (Vincent Price) und seine Ehefrau Ann (Debra Paget) treffen in Arkham ein, um ihr Erbe anzutreten: Ward hat den Palast geerbt, Curwen war sein Ururgroßvater. Die Einwohner begegnen dem Ehepaar unwirsch. Ezra Weedens Nachfahre Edgar (Leo Gordon) warnt sie davor, ihren Besitz überhaupt zu betreten. Erst der einzig freundliche Doctor Marinus Willet (Frank Maxwell) weist ihnen den Weg zum seit den damaligen Ereignissen unbewohnten Palast. Ein Ölgemälde zeigt Wards unglückseligen Vorfahr – der Ururenkel schreckt vor der Ähnlichkeit zu ihm selbst zurück. Er scheint das Gebäude obendrein bemerkenswert gut zu kennen. Die Eheleute treffen den Hauswart Simon Orne (Lon Chaney Jr.), der sie bereits erwartet hat.

Wie AIP betrieb auch der deutsche Verleih Etikettenschwindel, denn die Folterkammer eines Hexenjägers – oder irgendeine Folterkammer – gehört nicht zu den Schauplätzen des Films. Offenbar wollte man auf „Witchfinder General“ mit Vincent Price anspielen – deutscher Titel: „Der Hexenjäger“. Der entstand zwar fünf Jahre später, allerdings kamen beide erst 1969 in die deutschen Kinos, „Die Folterkammer des Hexenjägers“ ein halbes Jahr nach „Der Hexenjäger“.

Joseph Curwen stirbt einen grausamen Tod

Ähnlich den Nebelschwaden, die durch den Ort wabern, zieht sich von Beginn an eine rabenschwarze Atmosphäre der Bedrohung und des Grauens durch „The Haunted Palace“. Roger Corman und sein Ausstattungsteam haben ganze Arbeit geleistet, auch wenn einige Masken nach heutigen Maßstäben suboptimal ausgefallen sind. In Arkham kommen ungewöhnlich viele deformierte Menschen zur Welt, oft ganz ohne Augen. Nicht einmal Augenhöhlen haben sie – genau das ist maskentechnisch nicht ganz gelungen ausgefallen. Aber da suche ich das Haar in der Suppe, auch die Mutierten tragen das Ihrige zu der düsteren Stimmung bei, erst recht in einer Szene, in der sich einige von ihnen zusammenrotten und unheilvoll von allen Seiten auf das Ehepaar Ward zustapfen. Eine beängstigende Sequenz, die seinerzeit in den Kinos einiges Schaudern verursacht haben dürfte und das auch heute noch vermag.

Das artifizielle Arkham

Ob die USA (Universal-Horror), das Vereinigte Königreich (Hammer Films) oder das Italien des Mario Bava („Die Stunde wenn Dracula kommt“) – Roger Corman hatte vor „The Haunted Palace“ seine Horror-Hausaufgaben gemacht und sich trefflich inspirieren lassen, wobei er selbst die genannten Felder zweifellos zurückinspirierte. Das Arkham des US-Regisseurs kann und will zu keinem Zeitpunkt seine Studio-Herkunft verleugnen – Realitätsnähe sieht anders aus, das Feld überließ Corman gern anderen. Seine Kulissen sind kunstvoll.

Die Eheleute Ward treten in Arkham ihr düsteres Erbe an

H. P. Lovecrafts kosmisches Grauen manifestiert sich in einer massiv verriegelten Grube tief unten im Keller des Curwen-Palasts. Etwas bewegt sich dort unten, spät bekommt das Publikum es auch zu sehen, doch die bedrohliche Kreatur bleibt unscharf, ebenso wie ihr Daseinszweck und ihre Fähigkeiten. Ist sie telepathisch begabt? Tentakel scheint sie nicht zu haben – um ein altes Chtulhu-Motiv aufzugreifen –, vielleicht aber Schuppen. Sogar der spanische Großinquisitor Torquemada soll viel Zeit an der Grube verbracht haben, wie wir erfahren. Gehört das Wesen zu den „Großen Alten“, jenen mächtigen, kaum greifbaren gottesähnlichen Kreaturen aus Lovecrafts Universum? Viel mehr erfahren wir nicht, Corman war klug genug, nicht jede Frage der Handlung beantworten zu wollen. Damit dürfte er ganz im Geiste Lovecrafts gehandelt haben.

Doppelrolle für Vincent Price

Vincent Price spielt seine markante Mimik voll aus und brilliert in der Doppelrolle als Joseph Curwen und Charles Dexter Ward gleichermaßen. Ein nicht mehr ganz gesund aussehender Lon Chaney Jr. („Der Wolfsmensch“, 1941) taucht in seinem einzigen Roger-Corman-Film als undurchsichtiger Hausverwalter gern unverhofft auf und verschreckt damit besonders Ann Ward. Debra Paget („Die zehn Gebote“, 1956) wird in ihrem letzten Spielfilm etwas verschenkt, ihr Part beschränkt sich auf den der verängstigten Ehefrau und gelegentlichen Stichwortgeberin. Ein Jahr zuvor hatte sie in „Der grauenvolle Mr. X“ („Tales of Terror“) erstmals unter Roger Corman gespielt.

While, like a ghastly rapid river,
Through the pale door
A hideous throng rush out forever,
And laugh – but smile no more.

Mit diesen Zeilen aus Poes Gedicht endet „Die Folterkammer des Hexenjägers“. Lovecraft hin oder her – trotz der erwähnten Flunkerei fügt sich „The Haunted Palace“ ganz wunderbar in Roger Cormans Poe-Zyklus ein. Galt Edgar Allan Poe seinerzeit als deutlich bedeutsamer, hat H. P. Lovecraft im Lauf der Jahrzehnte zu seinem literarischen Kollegen aufgeschlossen, ihn womöglich gar hinter sich gelassen, was den popkulturellen Einfluss angeht. So oder so darf es gern weitere filmische Umsetzungen beider Größen des Grauens geben. Was „Der Fall Charles Dexter Ward“ angeht: Ebenfalls sehenswert ist die in die Moderne verlegte Neuverfilmung „The Resurrected“ von 1991.

Empfehlung: Arrow Video

Über die deutsche Veröffentlichung des Films kann ich mangels Sichtung keine Angaben machen. Ich mag Arrow Video und kann auch in diesem Fall die Blu-ray des englischen Labels nur empfehlen (siehe die ersten drei Fotos). Bild- und Tonqualität, Bonusmaterial, Booklet – alles vorbildlich. Wer keine deutsche Tonspur braucht, ist mit Arrow stets bestens bedient.

Hauswart mit ungesundem Teint

In der ganz H. P. Lovecraft und seinem Einfluss auf die populäre Kultur gewidmeten und hier von mir vorgestellten Erstausgabe der Zeitschrift „Wicked-Vision – Das Magazin für den phantastischen Film“ findet sich ein vierseitiger Artikel über „Die Folterkammer des Hexenjägers“. Das Druckerzeugnis kann im Webshop von Wicked-Vision Media bestellt werden.

Die Ähnlichkeit ist verblüffend

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Roger Corman sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Lon Chaney Jr. und Vincent Price unter Schauspieler. Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Regiearbeiten haben wir auch in der Rubrik Filmreihen aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Die Folterkammer des Hexenjägers“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Veröffentlichung: 24. März 2016 als Blu-ray in der Box „Meisterwerke des Horrors (mit „Tanz der Totenköpfe“, Das Haus der langen Schatten“ und „Lebendig begraben“), 14. April 2015 als Blu-ray und DVD (unter dem Titel „Das Schloss des Grauens), 25. Mai 2012 als Blu-ray und DVD, 7. August 2003 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Haunted Palace
USA 1963
Regie: Roger Corman
Drehbuch: Charles Beaumont, nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe (Titel) und dem Roman „Der Fall Charles Dexter Ward“ von H. P. Lovecraft
Besetzung: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney Jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes, Milton Parsons, Cathie Merchant, Guy Wilkerson
Zusatzmaterial: Trailer
Label/Vertrieb 2015: Ascot Elite Home Entertainment
Label 2012: Spirit Media
Vertrieb 2012: Koch Films
Label/Vertrieb 2003: EMS GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot deutsche Blu-ray „Das Schloss des Grauens“: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment, Packshot deutsche Blu-ray „Die Folterkammer des Hexenjägers“: © 2012 Spirit Media

 

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