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Rasputin – Der wahnsinnige Mönch: Erst dämonischer Dracula, dann wollüstiger Wanderprediger

Rasputin – The Mad Monk

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Mit dem legendenumwitterten russischen Mönch bin ich erstmals durch den Disco-Hit „Rasputin“ von Boney M. in Berührung gekommen – meine allererste Lieblingsgruppe, das sei verschämt eingestanden. Ra-Ra-Rasputin, Lover of the Russian Queen – welch tolle Textzeile! War der Rauschebart wirklich Russia’s greatest love machine, wie die seinerzeit höchst erfolgreiche Popkombo von Frank Farian behauptete? Über den historischen Grigori Jefimowitsch Rasputin (1869–1916) bin ich nicht wirklich im Bilde, und es sind Zweifel angebracht, ob Verfilmungen wie „Rasputin, der Dämon der Frauen“ (1932) mit Conrad Veidt in der Titelrolle, „Rasputin, der Dämon von Petersburg“ (1960) oder „Rasputin – Orgien am Zarenhof“ (1983) ein authentisches Bild der historischen Persönlichkeit liefern.

Rasputin kriegt Mecker vom Bischof

Dies lag zweifellos auch nicht in der Absicht von Hammer Films, als sich das Studio entschloss, „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ zu produzieren. Den Regiestuhl übernahm Don Sharp, der mit „Der Kuss des Vampirs“ (1963) und „Die Teufelspiraten“ (1964) bereits für Hammer tätig gewesen war und kurz zuvor für Hallam Productions „Ich, Dr. Fu Man Chu“ (1965) inszeniert und dort ebenfalls Christopher Lee in der Titelrolle geführt hatte. Gedreht wurde in den Kulissen des gerade (oder gleichzeitig) abgefilmten „Blut für Dracula“, in welchem natürlich einmal mehr Lee in der Titelrolle zu sehen ist. „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ hält somit das hohe Niveau des Hammer-typischen Produktionsdesigns. Wer erkennt schon den Unterschied zwischen einem Vampirschloss in den Karpaten und einem Zarenpalast in St. Petersburg?

Vom Vampirkostüm in die Mönchsrobe

In der Rolle des Vampirfürsten Graf Dracula strahlt Christopher Lee bei aller Bösartigkeit stets Würde und Noblesse aus. Als Wanderprediger und Wunderheiler Rasputin darf er sich mal so richtig austoben – und er tut das mit Elan und mit einer Leinwandpräsenz, die seine Ko-Darsteller blass aussehen lässt und der Ausstrahlung seiner Dracula-Darstellungen in nichts nachsteht. Etwas mehr „larger than life“ als bei Dracula ist das angelegt, dennoch wirkt Lees Leistung zu keiner Zeit wie Overacting. Jedenfalls traut man Lees Rasputin jederzeit den Bösen Blick zu. Dem Vernehmen nach hatte Christopher Lee zur Vorbereitung ausgiebig über den historischen Rasputin recherchiert.

Der kann das mit die Frauen

Zu Beginn heilt der Wanderprediger durch Handauflegen die im Fieberwahn dahinsiechende Frau eines Gastwirts in einer Kaschemme im hinteren Russland. Im Anschluss widmet er sich ausgiebig Wein, Wodka und Weib. Ein eifersüchtiger Bauernbursche will das nicht hinnehmen und bezahlt dafür mit dem Verlust einer Hand. Für dieses Verhalten und andere Verfehlungen wird Rasputin vor seinen Bischof (Joss Ackland) beordert, dem er eine an sich nachvollziehbare Rechtfertigung liefert: Wenn ich beichte, biete ich Gott nicht nur Eifersucht und belanglose Streitigkeiten, sondern Sünden, die seine Vergebung wert sind. Eine wunderbare Begründung für Wollust, Trunksucht und sonstige Sünden. Vielleicht sollte ich zum Katholizismus konvertieren, da doch die Beichte eine sehr pragmatische Methode zu sein scheint, Vergebung zu erlangen. Nun gut, der Bischof hält diese Haltung für Blasphemie, aber was wissen die Pfaffen schon von weltlichen Genüssen?

Ab an den Zarenhof

Rasputin entzieht sich seinem geistlichen Boss, indem er sich nach St. Petersburg begibt, wo er sich nach einem siegreichen Trinkspiel bei Dr. Zargo (Richard Pasco) einnistet und Sonia (Barbara Shelley) kennenlernt, ihres Zeichens Hofdame der Zarin und eine der Betreuerinnen des jungen Zarewitsch (Robert Duncan). Mit hypnotischen Kräften und seiner Manneskraft macht er sie sich gefügig, und bald steht er vor der Zarin (Renée Asherson) persönlich.

Wer würde diesen Augen widerstehen?

Die sexuelle Komponente zieht sich mehr oder minder deutlich durch viele Hammer-Produktionen, hier kommt sie umso expliziter zum Tragen, wenn sich Rasputin mit einer Gespielin ins Heu oder Bett verzieht. Mitte der 1960er-Jahre stand das Studio noch in voller Blüte, sodass selbst das vergleichsweise ungewöhnliche Sujet des Historiendramas gemeistert wurde. Rasputins wollüstiges Treiben und sein Streben nach Einfluss bürgen dafür, dass die anderthalb Stunden ohne einen Anflug von Langeweile wie im Fluge vergehen. Der so actionreiche wie dramatische Showdown tut sein Übriges dazu. Insgesamt ist dennoch zu konstatieren, dass „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ ohne Christopher Lee womöglich nur die Hälfte wert wäre.

Üppig ausgestattetes Mediabook

Anolis Entertainment hat das Werk in gewohnt üppiger Manier auf Blu-ray im Mediabook mit zwei Covervarianten gepackt, Mediabook-Verächter können auf eine Blu-ray im Softcase zugreifen, die alle digitalen Boni enthält. Darunter beispielsweise den Film auch im ursprünglichen CinemaScope-Format 2,55:1 – im Vergleich zu den 2,35:1 des Haupt-Features der Blu-ray. An der Bildqualität gibt es wie immer nichts auszusetzen. Beim Ton liegt die Original-Sprachfassung qualitativ deutlich vor der deutschen Synchronisation. Fans von Audiokommentaren werden gleich dreifach bedient: Zu zwei neuen mit bewährtem Personal – siehe unten – gesellt sich ein älterer mit den Darstellern Christopher Lee und Francis Matthews sowie den Darstellerinnen Barbara Shelley und Suzan Farmer. Ein 25-minütiges Making-of und ein viertelstündiges Featurette über Bücher zu Hammer-Filmen runden das Rundum-Sorglos-Paket ab. Englische Untertitel wären für mich das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber womöglich ist die Nachfrage in Deutschland nicht groß genug, dass sich der Zukauf oder die Produktion von diesen für Anolis rechnet. Sammler des Labels werden ohnehin bereits zugegriffen haben, und auch Freunden gepflegter Historien-Exploitation sei „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ empfohlen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee sind in der Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Sonia scheint etwas zu klammern

Veröffentlichung: 25. Januar 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 19. August 2004 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Rasputin – The Mad Monk
GB 1966
Regie: Don Sharp
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Barbara Shelley, Richard Pasco, Francis Matthews, Suzan Farmer, Dinsdale Landen, Renée Asherson, Derek Francis, Joss Ackland, Robert Duncan
Zusatzmaterial: Filmfassung im Originalformat 2,55:1, Audiokommentar mit Christopher Lee, Barbara Shelley, Francis Matthews und Suzan Farmer, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Gerd Naumann, Audiokommentar mit Uwe Sommerlad und Volker Kronz, „Tall Stories: The Making of Rasputin – The Mad Monk“ (25:21), „Hammer Novelisations – Brought to Book“ (15:07), britischer Kinotrailer, US Double Feature Trailer, TV Spots, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase: Wendecover
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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Horror für Halloween (XXI): Dracula – Ikone des Grauens

Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // „Dracula“ – welch schillernder Name! Aus der Vielzahl der Schauergestalten der Filmgeschichte ragt der transsylvanische Graf weit heraus, und bei einer Umfrage, mit welchem Schauspieler man die Rolle am ehesten verbinde, käme zweifellos Christopher Lee (1922–2015) mit den meisten Nennungen heraus. Sicher, mit Bela Lugosi („Dracula“, 1931) gab es zuvor eine prägende Version, und auch Gary Oldman in „Bram Stokers Dracula“ (1992) von Francis Ford Coppola hat dem Vampir seine ganz eigene Note verliehen; mein Favorit bleibt Max Schrecks nur notdürftig als Graf Orlok getarnte Dracula-Verkörperung in Murnaus „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922), auch Klaus Kinskis an Max Schreck angelehnte Interpretation in Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ (1979) sei lobend erwähnt. Aber was Christopher Lee unter der Regie von Hammer-Films-Stammregisseur Terence Fisher („Der Fluch von Siniestro“) 1958 aus dem blutgierigen Grafen gemacht hat, ist aller Ehren wert und ein bedeutsames Stück Horrorfilmgeschichte – und das mit lediglich sieben Minuten Leinwandzeit. Nicht nur, weil es sich um den ersten Technicolor-Auftritt Draculas handelt. Lees Dracula ist elegant, aber weitaus animalischer als Lugosis Graf, kann vor Bösartigkeit geradezu explodieren. Mit erst hochmütigem, dann gierigem Blick fixiert er seine Gegenüber, gelegentlich unterstützt durch blutig gefärbte Kontaktlinsen, die Lee beim Dreh in der Sicht behinderten. Sieben Mal verkörperte der hochgewachsene Londoner den Vampirfürsten für die britische Produktionsfirma Hammer Films, dazu ein weiteres Mal 1970 in „Nachts, wenn Dracula erwacht“ unter der Regie des spanischen Trash-Regisseurs Jess Franco.

Freie Adaption von Bram Stokers Roman

Der Film startet dem Roman treu als „The Diary of Jonathan Harker“. Per Stimme aus dem Off berichtet der Genannte (John Van Eyssen) von seiner Ankunft am Schloss des Grafen Dracula am Nachmittag des 3. Mai 1885. Weil sich der Kutscher geweigert hatte, ihn dorthin zu bringen, musste Harker die letzten Kilometer zu Fuß zurücklegen. Hier strafft die Handlung des Films Harkers in Bram Stokers Roman viel ausführlicher geschilderten Trip stark, die Stationen Bistritz und die herrlich gruselige Kutschfahrt zum Borgo-Pass entfallen vollständig. Kenner des Romans werden bei ihrer ersten Sichtung der Hammer-Films-Version ohnehin schnell gemerkt haben, dass sich Handlung, Orte und Personen stark von der Vorlage unterscheiden. Drehbuchautor Jimmy Sangster verwendete lediglich Versatzstücke und Figuren, um daraus seine ganz eigene Geschichte zu machen. Einige Straffungen, insbesondere die Beschränkung auf weniger Schauplätze, waren dem geringen Budget geschuldet. So entfällt beispielsweise die wunderbare Seefahrt nach England, auf der Dracula die Besatzung dezimiert. Auch bei den Figuren gab es Modifikationen: Der wahnsinnige, unter Draculas Einfluss stehende Renfield fiel völlig weg, die holden Damen Mina (Melissa Stribling) und Lucy (Carol Marsh) wurden anders angelegt. All das ändert nichts an der filmischen Qualität der 1958er-Adaption, macht aber Lust, dieses wunderbare Buch endlich mal wieder zu lesen. Was dem Film an Schauplätzen fehlt, macht er mit sorgfältigstem Setdesign wieder wett – auf Hammer Films war damals eben Verlass, das gilt auch für Ausstattung und Kostüme.

Graf Dracula – Ikone des Bösen

Aufs zeitgenössische Kinopublikum muss diese Szene nachhaltigen Eindruck gemacht haben: Die junge Frau (Valerie Gaunt), die Jonathan Harker eben noch um Hilfe angefleht hat, ist drauf und dran, ihre Vampirzähne in dessen Hals zu schlagen, als Dracula unter dramatischer Musik mit blutunterlaufenen Augen und blutverschmiertem Mund hineinstürmt und dem ein Ende setzt. Der Spuk ist zügig vorbei – eine temporeiche Sequenz, nach der Harker mit Brummschädel auf seinem Bett erwacht und die Zuschauerinnen und Zuschauer erst einmal durchatmen können. Im Roman ist es Jonathan Harkers Aufgabe, als Rechtsanwalt mit Graf Dracula dessen beabsichtigten Kauf eines Hauses in London in trockene Tücher zu bringen. In der filmischen Umsetzung von 1958 hingegen tritt Harker eine Stelle als Bibliothekar im Schloss an, verfolgt tatsächlich aber ganz andere Absichten …

Pflock ins Herz!

In seinem Schlafgemach findet sich Harker als Gefangener wieder, und die Bisswunde an seinem Hals versetzt ihn in Schrecken. Durchs Fenster kann er entkommen, beschließt, die Schlafstatt von Dracula und seiner Vampirsklavin ausfindig zu machen und beiden einen hölzernen Pflock durchs Herz zu treiben. Hier bringt ein kleines Logikloch die beabsichtigte Dramatik: Der Sonnenuntergang steht kurz bevor, Harker bleibt nur noch wenig Zeit, doch statt zuerst den ungleich stärkeren Dracula zu töten, widmet sich Harker zunächst der Vampirin. Ein Fehler …

Jonathan Harker entdeckt verräterische Spuren am Hals

Auftritt Abraham Van Helsing (Peter Cushing): In einem mit viel Knoblauch verhängten Gasthof in Klausenberg fragt er nach seinem Freund Jonathan Harker, doch der verängstigte Wirt reagiert ausweichend und unwirsch. Dessen Tochter hingegen überreicht Van Helsing Harkers Tagebuch, das in der Nähe des Schlosses gefunden wurde. Als Van Helsing am Schloss eintrifft, verlässt gerade eine schwarze Kutsche mit einem weißen Sarg in rasender Fahrt das Gemäuer.

Schrecken in 1958er-Kinosälen

„Dracula“ hat einige gruselige Szenen zu bieten, die hartgesottenen Konsumenten moderner Horrorfilme zwar harmlos vorkommen mögen, aufs damalige Publikum aber ihre beabsichtigte Wirkung nicht verfehlt haben dürften. Wenn ein Holzpflock ein weißes Kleid und den darin befindlichen Frauenkörper durchstößt und das Technicolor-grelle Blut spritzt, wird das einige im Kinosaal Sitzende das Fürchten gelehrt haben.

Kurz nach seiner Verkörperung von Baron Victor Frankenstein im Hammer-Film „Frankensteins Fluch“ („The Curse of Frankenstein“, 1957) spielte Peter Cushing mit dem Vampirjäger Dr. Van Helsing erneut eine ikonische Figur der Horrorliteratur. Desgleichen Christopher Lee, der in „Frankensteins Fluch“ das Monster darstellte. Es war ihr erster gemeinsamer Film mit bedeutsamen Rollen für beide – viele weitere sollten folgen.

Ein deutscher Vampir?

Klausenberg? Waterfield? Was denn nun? Ganz einfach: Schaut Ihr „Dracula“ mit der englischen Originaltonspur, spielt der Film durchweg in Osteuropa, womöglich sogar irgendwo im östlichen Deutschland, wie einige deutschsprachige Inschriften vermuten lassen. Die deutsche Synchronisation verlegt das Schloss des Grafen nach Transsylvanien, die spätere Handlung nach England.

Professor Van Helsing greift ein …

Die vorbildliche Veröffentlichung von Anolis Entertainment enthält sowohl die 2007 vom British Film Institute restaurierte Fassung als auch die Hammer-Films-Restaurierung von 2012. Ein Jahr zuvor waren in Tokio einige alte Filmrollen aufgetaucht, die bis dato unbekannte Szenen enthielten. So gibt es eine gegenüber der älteren Fassung erweiterte Szene zwischen Dracula und Mina und etwas mehr „Fleisch“ im Finale. Ich verzichte darauf, stärker auf die nicht allzu großen Unterschiede am Ende einzugehen, da theoretisch die Möglichkeit besteht, dass eine Leserin oder ein Leser dieses Textes „Dracula“ noch nie gesehen hat (Skandal!). Wer mehr darüber erfahren will, wende sich dem Schnittbericht zu. Jedenfalls stellen die zusätzlichen Sequenzen eine kleine, aber feine Ergänzung des Films dar.

Massig Bonusmaterial

Was Anolis an Bonusmaterial auf die Disc gepackt hat, ist dem Status dieses großen Klassikers des Vampirfilms würdig. Diverse Featurettes mit etlichen Berichten von am Dreh Beteiligten und anderen Experten bringen massig Informationen – siehe die Auflistung unten –, auch das sorgsam bebilderte Booklet des Mediabooks bietet unterhaltsame und aufschlussreiche Lektüre für an „Dracula“-Verfilmungen Interessierte. Für eines der drei Cover des Mediabooks – natürlich das beste und bekannteste Motiv – muss man etwas tiefer in die Tasche greifen: Anolis hat es exklusiv in eine Holzbox gepackt, der zusätzlich eine Metall-Halskette mit Dracula-Schriftzug beiliegt. Box und Kette habe ich bislang nur auf Fotos gesehen, daher kann ich über die Wertigkeit nichts sagen. Wer von jedem Film die spektakulärste Edition haben muss, möge zuschlagen, die Holzbox-Edition ist noch zu bekommen. Mir reicht mein Mediabook mit Cover B, welches ich zum üblichen Tarif erstanden habe – mittlerweile ist es out of print und erzielt Sammlerpreise. Anolis sei es gegönnt, an diesem Label können sich einige Repack-Massenproduzenten ein Beispiel nehmen.

Wer Horrorfilmen im Allgemeinen und Vampirfilmen im Besonderen gern Platz im Regal gewährt, kommt nicht daran vorbei, auch „Dracula“ dort einzureihen. Ob das nun unbedingt ein Mediabook sein muss oder die Blu-ray in herkömmlichem Softcase ausreicht, sei allen Sammlern selbst überlassen. Eine der beiden restaurierten Fassungen sollte es schon sein, bei Anolis erhält man sogar beide, und das in hervorragender Bild- und Tonqualität.

… und schlägt zu

Die Zahl der Dracula-Darsteller ist Legion. Den besten gibt es nicht, jede/r darf sich ihren/seinen Favoriten wählen. Aber selbst wer Bela Lugosi, Gary Oldman, Max Schreck, Klaus Kinski, Frank Langella („Dracula“, 1979) oder gar – Gott bewahre! – Thomas Kretschmann („Dario Argentos Dracula“, 2012) bevorzugt, wird anerkennen müssen: Kaum einer seiner Kollegen hat Bram Stokers Schauergestalt so geprägt wie Christopher Lee. Er ruhe in Frieden.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Peter Cushing und Christopher Lee in der Rubrik Schauspieler. Ein lesenswerter Text zu „Dracula“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Veröffentlichung: 19. Dezember 2017 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten, eine davon exklusiv in Holzbox-Edition) und Blu-ray, 2. Oktober 2002 als DVD

Länge: 82 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Dracula
US-Titel: Horror für Dracula
GB 1958
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster, nach dem Roman von Bram Stoker
Besetzung: Christopher Lee, Peter Cushing, Michael Gough, Melissa Stribling, Miles Malleson, Carol Marsh, Olga Dickie, John Van Eyssen, Valerie Gaunt, Janina Faye, Charles Lloyd Pack
Zusatzmaterial: Dokumentation „Dracula Reborn – The Making of a Hammer Classic“ (31:46) – mit Jimmy Sangster, Janina Faye, Mark Gatiss, Jonathan Rigby und Kim Newman, Dokumentation „Resurrecting Dracula“ (17:36) – über die Restauration des Films inclusive des Wiedereinfügens des „verlorenen“ Materials, Dokumentation „Censoring Dracula“ (9:37) – die Zensurgeschichte des Films, Dokumentation „The Demon Lover – Frayling on Dracula“ (29:55) – der britische Historiker Christopher Frayling spricht über Dracula, „Janina Faye liest Stoker“ (12:45) – am 18. Februar 2012 auf dem Vault Festival, Super-8-Fassung (in Schwarz-Weiß, 1966, 8:35), US-Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, deutsche Werberatschläge, französischer Werberatschlag, Filmprogramme, Bildergalerien
Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz zur Hammer-Restaurierung 2012, Audiokommentar mit Marcus Hearn und Jonathan Rigby zur Hammer-Restaurierung 2012, Audiokommentar mit Marcus Hearn und Jonathan Rigby zur BFI-Restaurierung 2007, Bildergalerien und Trailer, nur Mediabook: Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Holzbox: Metall-Halskette mit Dracula-Schriftzug
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH (DVD: Warner Home Video)

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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Horror für Halloween (IX): Wie schmeckt das Blut von Dracula? Lee lässt sich durch Gage locken

Taste the Blood of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Irgendwo in den Tiefen Osteuropas wird der Londoner Geschäftsmann Weller (Roy Kinnear) nach einem Gerangel aus einer Kutsche geworfen. Nachdem er das Bewusstsein zurückerlangt hat, rappelt er sich auf – und erblickt bald darauf Entsetzliches: das Ende von Graf Dracula (Christopher Lee), der gepfählt das Zeitliche segnet.

Lord Courtley (l.) überredet Hargood zu einem blutigen Ritual

Nach diesem dramatischen Prolog lernen wir William Hargood (Geoffrey Keen), Samuel Paxton (Peter Sallis) und Jonathon Secker (John Carson) kennen, die sich als Ehrenmänner geben. Speziell Hargood legt harte moralische Maßstäbe an, wenn es darum geht, dass seine halbwüchsige Tochter Alice (Linda Hayden) es gewagt hat, nach dem Gottesdienst mit Paxtons Sohn Paul (Anthony Higgins) zu sprechen. Tatsächlich frönt das nach außen so biedere Trio lüsternen Freuden, besucht regelmäßig gemeinsam ein Bordell.

Die Auferstehung von Graf Dracula

Dort lernen die drei eines Nachts den jungen Lord Courtley (Ralph Bates) kennen, dessen arrogante Art sie beeindruckt. Dem Bordellbetreiber zufolge ist er vor Jahren von seinem Vater verstoßen worden, der ihn bei einer schwarzen Messe in der Familiengruft ertappt habe. Er sei vom Teufel besessen. Auf der Suche nach dem ultimativen Kick lassen sie sich von Courtley zu einer düsteren Zeremonie überreden: der Auferstehung von Graf Dracula!

Wer kann sich Draculas Charme schon entziehen?

Mit dem eingangs erwähnten Prolog dockt „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ als vierter Hammer-Films-Beitrag zur Dracula-Saga unmittelbar an „Draculas Rückkehr“ („Dracula Has Risen from the Grave“, 1968) an. An sich war Christopher Lee der Rolle überdrüssig, ursprünglich sollte der Film ganz ohne Dracula auskommen: Eine frühe Skriptfassung sah vor, dass Lord Courtley bei der Erweckungszeremonie zum Vampir mutiert. Das passte dem US-Verleih jedoch nicht, sodass Hammer Films Christopher Lee mit einer kräftigen Erhöhung der Gage doch überredete. Tatsächlich übernahm er die Rolle des adligen Vampirs 1970 gleich vier Mal – außer in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ auch in „Nachts, wenn Dracula erwacht“ von Jess Franco, Hammers „Dracula – Nächte des Entsetzens“ („Scars of Dracula“) und der von Jerry Lewis inszenierten Komödie „Die Pechvögel“ („One More Time“), in der Lee allerdings lediglich einen Cameo-Auftritt in seiner Paraderolle hat.

Das Lotterleben im Bordell

Anfang der 1970er-Jahre neigte sich die Ära der klassischen Hammer-Filme langsam, aber unaufhörlich dem Ende zu. Die Budgets sanken, was dazu führte, dass Vincent Price in „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ anders als vorgesehen doch nicht auftauchte. Er war als vierter im Bunde der Gentlemen mit dem Doppelleben vorgesehen. Das wäre interessant geworden, gleichwohl übt der Film auch ohne Price seinen Reiz aus. Die viktorianischen Kulissen bringen Charme, und wenn Lord Courtley in der Bordellszene zu Beginn der Haupthandlung ein mit Freiern und Huren belegtes Separee nach dem anderen nach der von ihm favorisierten Liebesdienerin durchsucht, fügt das dem Geschehen eine gehörige Prise Frivolität hinzu. Das war den zeitgenössischen Tugendwächtern offenbar zu viel Freizügigkeit – in den Kinos war die Sequenz seinerzeit nur massiv gekürzt zu sehen.

Was mag sich in dem Sarkophag verbergen?

Bei seinem vierten Auftritt als Graf Dracula war Christopher Lee die Rolle so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass er seine Szenen bei aller Lustlosigkeit, die er verspürt haben mag, souverän herunterspielt. Er tritt hier als Racheengel in Erscheinung, die Ursache seines Drangs nach Vergeltung sei aber unerwähnt gelassen, um Spoiler zu vermeiden. So recht passt das meines Erachtens nicht, wenn man Draculas Charakter zu Ende denkt, aber da mag ich spitzfindig sein – jedenfalls bringt es die Handlung in blutige Fahrt. Die Rachsucht des Vampirs kulminiert in einer heftigen Pfählungsszene. So loben wir uns das.

Anolis spendiert exklusive Doku „A Taste of New Blood“

Für die Neuauflage als Mediabook und in herkömmlicher Verpackung hat sich Anolis Entertainment nicht lumpen lassen und eigens eine 44-minütige Doku produzieren lassen. „A Taste of New Blood“ ist mit seinem interessanten Hintergrundmaterial zum Film ausschließlich auf dieser Blu-ray erhältlich. Da Bild- und Tonqualität, Booklet sowie das übrige Bonusmaterial den üblichen Anolis-Standard halten, hat das Label somit einmal mehr ein kräftiges „Daumen hoch!“ verdient.

Eine Vampirin!

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Graf Dracula mag nach wie vor keine Kreuze

Veröffentlichung: 31. August 2018 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray, 18. November 2016 als Blu-ray, 24. September 2004 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Taste the Blood of Dracula
GB 1970
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Dolph Lundgren, Geoffrey Keen, Gwen Watford, Linda Hayden, Peter Sallis, Anthony Higgins, Isla Blair, John Carson, Martin Jarvis, Roy Kinnear, Michael Ripper, Ralph Bates
Zusatzmaterial Blu-ray: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Exklusiv-Dokumentation „A Taste of New Blood“ (44 Min.), britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassungen (120 und 60 Meter), britisches Campaign Book, britische Ad Card, US-Pressbook, deutscher Werberatschlag, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb Mediabook & Blu-ray 2018: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb Blu-ray 2016: Studio Hamburg
Label/Vertrieb DVD: Warner Home Video

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

 

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