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Schlagwort-Archive: Hammer Films

Horror für Halloween (XXXIII): Circus der Vampire – Blutsauger und Gaukler gegen Dörfler

Vampire Circus

Von Volker Schönenberger

Horror // Im frühen 19. Jahrhundert beobachtet der Schulmeister Albert Müller (Laurence Payne) eines Abends unweit des Städtchens Stetl, wie seine Frau Anna (Domini Blythe) die kleine Jenny Schilt (Jane Derby) aus dem Ort ins Schloss des Grafen Mitterhaus (Robert Tayman) lockt. Müller alarmiert die Bürger und dringt mit einigen von ihnen ins Gemäuer ein. Der kleine Trupp kommt zu spät, um das Kind noch zu retten. Der Adlige ist ein Vampir und hat bereits das Blut des Mädchens gesoffen, um anschließend mit der unter seinem Bann stehenden Anna zu schlafen. Es gelingt den Männern, den Grafen zu überwältigen, und Müller treibt ihm einen hölzernen Pflock durchs Herz. Kurz vor seinem Ableben verflucht Mitterhaus noch das Städtchen und all seine Einwohnerinnen und Einwohner. Und mit seinen letzten Atemzügen bedeutet er Anna, sie möge den „Zirkus der Nacht“ und des Grafen Cousin Emil (Anthony Higgins) aufsuchen.

Die kleine Jenny gerät …

15 Jahre später wird Stetl von einer mysteriösen Seuche heimgesucht, die viele Menschen tötet und nicht einmal vor den Priestern des Orts Halt macht. Aus Angst vor Ansteckung haben die umliegenden Siedlungen Blockaden rund um Stetl errichtet, auf Blockadebrecher wird geschossen. Doktor Kersch (Richard Owens) wagt es dennoch, um zur nächsten großen Stadt zu gelangen und dort Hilfe zu erbitten. Derweil trifft ein Trupp fahrender Gaukler in Stetl ein – genau: der „Zirkus der Nacht“.

Der Karnstein-Trilogie auf dem Fuße gefolgt

Vor „Circus der Vampire“ hatten sich die ehrwürdigen Hammer-Studios bereits mit der aus „Gruft der Vampire“ (1970), „Nur Vampire küssen blutig“ (1971) und „Draculas Hexenjagd“ (1971) bestehenden Karnstein-Trilogie dem Zeitgeist angenähert, Sexualität deutlicher zu zeigen und auch den Grad an expliziter Gewalt zu erhöhen. Dies setzte sich nun fort, wie bereits der wunderbare Prolog eindrucksvoll demonstriert. Dass Vampire besonders ihre weiblichen Objekte der Begierde in den Bann zu ziehen verstehen, ist kein neues Motiv. Neu ist hier der eindeutige Verweis auf sexuelle Hörigkeit.

Zu wenig Pestilenz

Etwas bedauerlich: Die Pest-artige Seuche bekommt nur zu Beginn der Haupthandlung Raum und dient letztlich nur dem Zweck, zu erklären, weshalb das Örtchen abgeschottet ist und die Bürgerinnen und Bürger den Vampiren ausgeliefert sind. Hier verschenkten Drehbuchautor Jud Kinberg („Von allen Hunden gehetzt“) und Regie-Debütant Robert Young („Eichmann“, „Wilde Kreaturen“) Potenzial – es hätte einiges hergegeben, deutlicher zu zeigen, wie sich die Krankheit parallel zu den Blutsaugern über das Dorf senkt.

… in die Fänge des Vampirs Graf Mitterhaus

Arztsohn Anton Kersch (John Moulder-Brown) und seine Verlobte Dora (Lynne Frederick) fungieren als Identifikationsfiguren, was sich aber nur schwierig herauskristallisiert, da letztlich alle Dörfler als Zielpersonen der Vampire herhalten müssen. Die Charakterisierung von „Circus der Vampire“ als Ensemblefilm wirft in der Hinsicht ein paar Probleme auf. Aber auch nicht mehr als ein wenig, denn folgen können wir den Figuren jederzeit.

Einfach tierisch

Die Darbietungen der Zirkusartisten hatten das Potenzial für psychedelisch-surreale Bilder, etwa mit diversen Verwandlungen von Tier zu Mensch und umgekehrt. Das verhindert leider die suboptimale Tricktechnik. Mal erfolgt die Verwandlung schlicht außerhalb des Bildes, wobei man sich wundern kann, weshalb die Dörfler dabei nicht stutzig werden – sie müssten ja mehr als das sehen, was das Filmpublikum vorgesetzt bekommt; mal flattern Fledermäuse empor, die nachträglich ins Bild eingefügt wurden. Bedauerlich, denn ansonsten entwickelt die Atmosphäre durchaus einen gewissen delirienden oder gar hypnotischen Sog, so man sich denn darauf einlassen mag. Ich jedenfalls mochte das, und in solchen Fällen sehe ich über den einen oder anderen Makel bei den Effekten auch gern hinweg.

Stelldichein von Darth Vader

An Starpower vom Schlage Peter Cushing und Christopher Lee mangelt es, mir hat sie aber gar nicht gefehlt. Als Kraftprotz „Strongman“ tritt ein gewisser David Prowse in Erscheinung, der ab 1977 mit schwarzer Kostümierung und Maske bekannt wurde, obwohl sein Gesicht kaum einmal zu sehen war: als Darth Vader in den ersten drei „Star Wars“-Filmen.

Ein Kreuz bietet Schutz

Der „Allmovie“-Rezensent Cavett Binion hat sogar einen Bezug von „Circus der Vampire“ zu den erotischen Vampirfilmen eines Jean Rollin hergestellt. Das ist nachvollziehbar, gleichwohl strahlt Robert Youngs Regiedebüt ausreichend Hammer aus. Die Katholiken vom Lexikon des internationalen Films entlarvten sich mal wieder selbst: Verworrener, stilistisch uneinheitlicher Horrorfilm mit einigen gelungenen, aber auch etlichen blutrünstigen Szenen. Blutrünstig als Gegensatz von gelungen zu nennen und den Film mit der Begründung abzuwerten – ich weiß nicht recht. Konnte der Rezensent am Ende einfach kein Blut sehen? Wenn Vampire und Gaukler ein Dorf heimsuchen, ist die stilistische Uneinheitlichkeit nicht von der Hand zu weisen, verworren allerdings geht es meines Erachtens nicht zu. Welchen Status „Circus der Vampire“ heute insgesamt innerhalb der Hammer-Horrorfilme einnimmt, kann ich schwer einschätzen. Bei einigen gilt er vielleicht sogar als „Kult“ (man verzeihe mir diese ausgelutschte Zuschreibung), andere folgen womöglich eher den katholischen Kritikern. Die zeitgenössische Kritik hatte jedenfalls größere Probleme mit dem Film als spätere Rezensenten. Meine Hammer-Favoriten sind zwar andere, dennoch habe ich mich beim Schauen von „Circus der Vampire“ prächtig unterhalten gefühlt. Ich mag auch diese Phase von Hammer, als das Studio Anfang der 1970er-Jahre nicht so recht zu wissen schien, wohin die Reise geht.

Mediabook bereits vergriffen

Die Veröffentlichung der Hammer-Spezialisten von Anolis Entertainment ist wieder mal rundum gelungen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial gleichermaßen angeht. Sowohl die drei Covermotive des Mediabooks als auch die Blu-ray im herkömmlichen Softcase sind im Neuwaren-Handel bereits vergriffen, auf dem Sammlermarkt zwar zu finden, dort aber mit der Tendenz zur Preissteigerung. Wohl dem, der sich sein Exemplar rechtzeitig gesichert hat. „Circus der Vampire“ gehört auf jeden Fall ins Hammer-Regal.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 11. Oktober 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten à 444 Exemplare) und Blu-ray, 6. Mai 2011 als Blu-ray und DVD, 26. November 2003 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Vampire Circus
GB 1972
Regie: Robert Young
Drehbuch: Jud Kinberg
Besetzung: Adrienne Corri, Thorley Walters, Anthony Higgins (als Anthony Corlan), Laurence Payne, John Moulder-Brown, Lynne Frederick, Richard Owens, Elizabeth Seal, Robin Hunter, Domini Blythe, Robert Tayman, John Bown, Mary Wimbush, Jane Derby
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen & Volker Kronz, Making Vampire Circus (33 Min.), Gallery of Grotesqueries (15 Min.), House of Hammer (10 Min.), britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung (24 Min.), französischer Werberatschlag, holländischer Werberatschlag, deutsches Presseheft, deutsche Comic-Adaption (12 Min.), Bildergalerie, 32-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen & Lars Dreyer-Winkelmann
Label/Vertrieb 2019: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb 2011 & 2003: Koch Media

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, 3er-Packshot & Blu-ray-Packshot unten rechts: © 2019 Anolis Entertainment GmbH,
Blu-ray-Packshot unten links: © 2011 Koch Media

 

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Horror für Halloween (XXII): Comtesse des Grauens – Blutgräfin braucht junges Gemüse

Countess Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory soll junge Frauen auf ihre Burg gelockt und dort nackt zu Tode gefoltert haben. Der Legende nach hat sie sogar in deren Blut gebadet, um sich jung und attraktiv zu erhalten. Die Zahl ihrer Opfer schwankt je nach Quelle zwischen niedrig zweistellig und üppig dreistellig. Welche der ihr zur Last gelegten Exzesse die Dame tatsächlich verübt hat, mag schwer zu ergründen sein, Fakt ist: Sie wurde 1611 als Serienmörderin verurteilt und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod als Mittfünfzigerin im August 1614 als Gefangene auf ihrer eigenen Burg. Die auch als Blutgräfin in die Geschichte eingegangene Adlige inspirierte viele Kulturschaffende, ob in Literatur, Videospielen oder anderen Bereichen. Im düsteren Metal finden sich zahlreiche Verweise auf Elisabeth Báthory, etwa der Song „Countess Bathory“ auf dem Album „Black Metal“ von Venom. Die englische Black-Metal-Formation Cradle of Filth widmete der Dame gleich ein ganzes Album: „Cruelty and the Beast“. Weitere Beispiele: „Beauty Through Order“ von Slayer, „Elizabeth“ von Ghost sowie „Woman of Dark Desires“ von Bathory, deren Name ja schon an sie erinnert.

Kann Gräfin Elisabeth in junger Gestalt das Herz von Leutnant Imre Toth gewinnen?

Wenig verwunderlich, dass die Blutgräfin wiederholt in der Filmgeschichte verewigt wurde, etwa 2008 in „Die Gräfin“ von und mit Julie Delpy sowie mit Daniel Brühl. Die Vampirin in „Fright Night 2 – Frisches Blut“ (2013) ist klar erkennbar an Elisabeth Báthory angelehnt, auch in „Blut an den Lippen“ (1971) von Harry Kümel tritt sie in Erscheinung, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Jungbrunnen Jungfrauenblut

In „Comtesse des Grauens“ aus dem Hause Hammer Films trägt die Gräfin den Namen Elisabeth Nadasdy (Ingrid Pitt). Nach dem Tod ihres Gatten muss sie es hinnehmen, seine Ländereien mit der gemeinsamen Tochter Ilona (Lesley-Anne Down) zu teilen – so hat ihr Gemahl es testamentarisch verfügt. Durch einen Zufall entdeckt die gealterte Gräfin, dass das Blut junger Frauen ihren Teint enorm verjüngt, sie gar zu der blühenden Schönheit werden lässt, die sie einst war. Ihr Untergebener und treu ergebener Hauptmann Dobi (Nigel Green) führt ihr daher Jungfrauen zu, in deren Blut sie badet. Fatalerweise verflüchtigt sich die Wirkung schnell, lässt die Gräfin sogar schneller altern. Das behindert verständlicherweise ihre romantischen Avancen gegenüber dem Husarenleutnant Imre Toth (Sandor Elès). Der Strom jungen Blutes muss somit schneller fließen …

Der Fund einer blutarmen Frauenleiche versetzt das Volk in Angst

Gräfin Dracula, wie der Originaltitel „Countess Dracula“ andeutet, bekommen wir nicht zu sehen, bei der Gräfin handelt es sich keineswegs um eine blutsaugende Vampirin. Die Verbindung zwischen Gräfin Bathory und dem von Bram Stoker ersonnenen Vampirfürsten liegt aber zugegebenermaßen nahe und ist auch wiederholt hergestellt worden. Ob Stoker aus Berichten über die Blutgräfin Inspiration für seinen Roman gezogen hat, ist nicht belegt und kann daher dahingestellt bleiben.

Etwas mehr Blut hätte Gesicht gehabt

Mehr Blut! Nicht nur die Gräfin benötigt es dringend, auch „Comtesse des Grauens“ hätten ein paar Liter mehr davon gut zu Gesicht gestanden. Angesichts des sich um sexuelle Anziehungskraft drehenden Themas hätte ich mir auch noch etwas mehr nackte Haut gewünscht, zumal der Film 1970 gedreht wurde, die Freizügigkeit mithin gut vertragen hätte. Aber vielleicht geht da auch nur der Voyeur in mir durch, ein paar ausladende Dekolletés und sogar etwas mehr bekommen wir dann doch zu sehen. Und die Kostüme bieten natürlich ebenfalls etwas fürs Auge, desgleichen die Studiokulissen. Dass sich einige der Figuren nicht immer logisch oder clever verhalten – geschenkt.

Der Alterungsprozess schreitet immer schneller voran

Die 1937 in Warschau geborene und 2010 in London gestorbene Ingrid Pitt verleiht ihrer skrupellos selbstsüchtigen Figur ein bösartiges Charisma, und Menschenleben bedeuten ihr nichts, sind sie niederen Standes, sowieso nicht. Nicht alle ihre schauspielerischen Mitstreiter halten Pitts Niveau. Als gealterte Gräfin hat sie keine Hemmungen, sich hässlich zu zeigen. Andere mögen das Mut zur Hässlichkeit nennen, aber das sollte bei einer Schauspielerin keinen Mut erfordern. Ein Jahr zuvor hatte Pitt bereits im Hammer-Film „Gruft der Vampire“ mitgewirkt. In ihrer Filmografie finden sich Rollen in „Totentanz der Vampire“ (1971) und „The Wicker Man“ (1973) sowie in Actionfilmen wie „Agenten sterben einsam“ (1968) und „Das Kommando“ (1982). In „Doktor Schiwago“ (1965) hat sie einen Komparsen-Auftritt.

Peter Sasdy dreimal für Hammer auf dem Regiestuhl

Regisseur Peter Sasdy hatte ein Jahr zuvor für Hammer „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ inszeniert. Kurz nach „Comtesse des Grauens“ drehte er „Hände voller Blut“.

Junges Blut muss her

Das Mediabook von Anolis Entertainment lässt einmal mehr keine Wünsche offen. Bild- und Tonqualität genügen hohen Ansprüchen, für Fans von Audiokommentaren finden sich gleich zwei davon, ein eigens produzierter sowie einer von 2006 unter anderem mit Hauptdarstellerin Ingrid Pitt. Auch das schmucke Booklet mit zwei Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad rechtfertigt die Anschaffung des Mediabooks, das bereits eine Weile nicht mehr im regulären Handel lieferbar ist, sich auf dem Sammlermarkt aber immerhin zu einigermaßen akzeptablen Preisen findet. „Comtesse des Grauens“ hält nicht ganz das Niveau von Hammer-Großtaten wie „Dracula“ (1958), „Der Fluch von Siniestro“ (1961) und „Nächte des Grauens“ (1966), aber das sind auch hohe Messlatten. In der weniger hoch gehandelten 70er-Jahre-Spätphase des Studios hält sich der Horrorfilm wacker.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen zu finden.

Hauptmann Dobi ist seiner Gräfin treu ergeben

Veröffentlichung: 28. August 2015 als DVD in kleiner Hartbox (zwei Covervarianten à 222 Exemplare), 17. Dezember 2014 als Blu-ray im limitierten Mediabook und Blu-ray, 17. März 2005 als DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Countess Dracula
GB 1971
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Jeremy Paul
Besetzung: Ingrid Pitt, Nigel Green, Sandor Elès, Maurice Denham, Patience Collier, Peter Jeffrey, Lesley-Anne Down, Leon Lissek, Jessie Evans, Andrea Lawrence, Susa Brodrick, Ian Trigger
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Ivo Scheloske, Audiokommentar mit Ingrid Pitt , Stephen Jones und Kim Newman (2006), Interview mit Peter Sasdy (2013), Interview mit Ingrid Pitt (1994), Trailer, deutsche Titelsequenz, deutscher Werberatschlag, US Pressbook, Hammer Christmas Folder, Rank Folder, Bildergalerie, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 2er-Packshot: © 2014 Anolis Entertainment

 
 

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Horror für Halloween (IX): Dracula und seine Bräute – Dann eben nicht, Christopher Lee!

The Brides of Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Erinnern wir uns: Am Ende von „Dracula“ (1958) war es Dr. Van Helsing (Peter Cushing) gelungen, den Vampirfürsten zu bezwingen – vom Sonnenlicht getroffen, zerfiel der Blutsauger zu Staub. Zwei Jahre später legten Hammer Films und Regisseur Terence Fisher nach und schufen mit „Dracula und seine Bräute“ den nächsten Vampirfilm, der durchaus als direkte Fortsetzung verstanden werden kann.

Im Gasthaus trifft die junge Lehrerin Marianne …

Der Titel führt dabei allerdings in die Irre, denn mit Dracula bekommt es Van Helsing diesmal nicht zu tun, obendrein handelt es sich bei den in Erscheinung tretenden Blutsaugerinnen nicht mal um Draculas Gespielinnen, ein anderer steckt dahinter. Das ursprüngliche Drehbuch sah die Auferstehung Draculas vor, dies ließ sich allerdings nicht realisieren, weil Christopher Lee das Skript dem Vernehmen nach missbilligte und er daher sein Mitwirken ablehnte. Daher wurde sein Part kurzerhand hinausgeschrieben, zu Draculas Wiederkehr kam es somit erst 1966 in „Blut für Dracula“ („Dracula – Prince of Darkness“) – ebenfalls unter der Regie von Fisher.

… auf die schroffe Baronin Meinster

Aber bleiben wir bei „Dracula und seine Bräute“. Die junge Lehrerin Marianne Danielle (Yvonne Monlaur) befindet sich auf dem Weg von Paris ins transsylvanische Badstein, wo sie eine Stelle im Mädchenpensionat Lang antreten will. Doch während sie in einem Gasthaus auf ihr Essen wartet, zieht ihr Kutscher mit seinem Gefährt von dannen. Die vermeintliche Lösung der misslichen Situation naht alsbald in Gestalt der herrischen Baronin Meinster (Martita Hunt), die sie auf ihr nahegelegenes Schloss einlädt und ihr eine Bettstatt für die Nacht anbietet. In dem hochherrschaftlichen Gemäuer entdeckt Marianne in einem ihrem Zimmer gegenüberliegenden Trakt einen jungen Mann, dessen Bewegungsradius eine silberne Kette einschränkt. Er stellt sich ihr als Baron Meinster (David Peel) vor, den seine Mutter grundlos gefangen halte …

Dr. Van Helsing greift ein

In der Folge trifft Marianne Danielle auf Van Helsing, der sich einmal mehr als wackerer Vampirjäger erweist. Und trotz Draculas Abwesenheit lässt sich konstatieren, dass „Dracula und seine Bräute“ ausgesprochen gruselig geraten ist. Das beginnt schon mit der wilden Kutschfahrt durch den Wald, bei der während eines kurzen Stopps aufgrund eines Hindernisses bereits damit zu rechnen ist, dass das Unheil über den Kutscher und seine Passagierin hereinbricht. Auch der Aufenthalt der jungen Lehrerin auf Schloss Meinster lässt wohltuenden Schauder über die Zuschauer rieseln. Danach sinkt der Gruselfaktor etwas, um sich beim grandiosen Windmühlenfinale wieder in ungeahnte Höhen zu erheben.

Weshalb ist der Sohn der Baronin angekettet?

Das Vampir-Personal kann natürlich nicht mit jenem in den „Dracula“-Filmen mit Christopher Lee mithalten, an dessen Charisma kommt kaum jemand vorbei. Größter Kritikpunkt ist in meinen Augen aber die Personalie der „Damsel in Distress“ Marianne Danielle. Die junge Lehrerin ist mit „naiv“ noch harmlos beschrieben. Ob das an Yvonne Monlaurs Darstellung, der Charakterisierung ihrer Figur im Skript oder Terence Fishers Regieanweisungen lag, lässt sich schwer beantworten, vielleicht spielte von jedem etwas hinein. Einige Aspekte sind Monlaur jedenfalls nicht anzulasten. Eine große Karriere war ihr nicht beschieden, im Kino war sie letztmalig 1966 in dem französisch-deutschen Jerry-Cotton-Krimi „Die Rechnung – eiskalt serviert“ zu sehen. Nach zwei kurzen TV-Serienauftritten im selben Jahrzehnt endete ihre Karriere.

Bewährte Qualität von Hammer und Anolis

Farbgebung, Kostümierung, Beleuchtung und die herrlichen Studiokulissen (gepaart mit ein paar Freiluft-Drehorten) entsprechen dem hohen Standard, den wir von Hammer-Films-Produktionen aus jener Zeit gewohnt sind und schätzen. Da kann man über Christopher Lees Fehlen in einem Hammer-Vampirfilm locker hinwegsehen. Peter Cushing reißt mit seiner gewohnt beherzten Performance ohnehin locker alles wieder heraus und macht die Schwächen vergessen. Freda Jackson („Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, 1965) als undurchsichtige Schlossdienerin Greta gibt dem Geschehen eine unheilvolle Note.

Dr. Van Helsing greift wieder zum Hammer

Was für das Niveau der Produktion gilt, lässt sich ebenso für das des Mediabooks von Anolis Entertainment anführen: Das Label hält den hohen Qualitätsstandard. Die Edition von 2015 ist bereits seit einiger Zeit vergriffen und gesucht, auch das hat sie mit diversen Vorgängern und Nachfolgern gemein. Im Booklet erfahren wir etwas über die Unstimmigkeiten, mit denen die Produktion bereits im Vorfeld geplagt war – das Drehbuch wurde wiederholt umgeschrieben, was man dem fertigen Film auch anmerkt. Aber vielleicht sollte Anolis seinen Booklet-Autoren auf den Weg geben, ihre Texte miteinander abzustimmen, wenn man schon ein Booklet von drei Schreibern füllen lässt. Wenn drei Autoren nach eigenem Ermessen unabhängig voneinander über ein und dieselbe Produktion schreiben, lassen sich Dopplungen kaum vermeiden. Dennoch ist das Mediabook natürlich ein Schmuckstück jeder gut sortierten Vampirfilm-Sammlung – und in solche gehört „Dracula und seine Bräute“ definitiv hinein.

Die Vampirbräute sind auf Ärger aus

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Peter Cushing unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 13. November 2015 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray, 18. November 2016 als Blu-ray, 24. August 2007 als DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Brides of Dracula
GB 1960
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Jimmy Sangster, Peter Bryan, Edward Percy
Besetzung: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel, Miles Malleson, Henry Oscar, Mona Washbourne, Andree Melly, Victor Brooks, Fred Johnson, Michael Ripper
Zusatzmaterial 2015: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Making-of, Interview mit Yvonne Monlaur (Manchester 2004), britischer, amerikanischer und deutscher Kinotrailer, deutsche Titelsequenz, Comic-Adaption, deutscher Werberatschlag, Filmprogramme, Bildergalerie, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Uwe Huber
Label/Vertrieb Mediabook & Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Koch Media

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2015 Anolis Entertainment GmbH

 

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