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Hatchet – Victor Crowley: Ein Blutbad für die Fans

Victor Crowley

Von Andreas Eckenfels

Horror // Totgeglaubte leben länger – und gerade im Horrorgenre wissen wir genau, dass ein ikonischer Killer wie Victor Crowley nach seinem Ableben nicht ewig friedlich unter der Erde schlummern wird. Doch wie es zur Wiederkehr des brutalen Axtschwingers kam, war dann doch eine große Überraschung: Zum leicht verspäteten zehnten Geburtstag von „Hatchet“ lud Regisseur Adam Green am 22. August 2017 zu einer Sondervorstellung ins Hollywood’s ArcLight Cinema in Los Angeles ein, bei dem angeblich eine erweiterte Fassung des Erstlings der Slasher-Trilogie gezeigt werden sollte. Tatsächlich jedoch flimmerte der brandneue vierte Teil über die Leinwand, den Green unter größter Geheimhaltung gedreht hatte. Der Jubel der weltweiten Horrorgemeinde über diese Nachricht war riesig. Anschließend ging „Hatchet – Victor Crowley“ auf Kino-Tour – das dritte Sequel war unter anderem auf dem FrightFest Festival in London und dem Fantasy Filmfest in Deutschland zu sehen.

Zurück im Sumpf

Zehn Jahre nach dem Massaker in den Sümpfen von Honey Island in Louisiana tingelt Andrew Yong (Parry Shen) von PR-Termin zu PR-Termin. Der einzige Überlebende hat ein Buch über die blutigen Ereignisse geschrieben. Doch so wirklich nimmt ihm niemand ab, dass damals die lokale Legende Victor Crowley für die zahlreichen Todesopfer verantwortlich gewesen sein soll. Der Großteil der Öffentlichkeit glaubt vielmehr, dass Andrew in Wahrheit selbst der „Bayou Butcher“ ist und seine Taten nur vertuschen will.

Das Flugzeug nach Honey Island stürzt mitsamt der Filmcrew ab

Auf Drängen seiner unfähigen Agentin Kathleen (Felissa Rose) und ihrer dreisten Lüge, er werde eine Gage in Höhe von einer Million Dollar kassieren, willigt Andrew ein, für ein letztes Interview mit einem Filmteam nach Honey Island zu fliegen. Doch die Maschine stürzt über den Sümpfen ab. Die Passagiere sitzen im Wrack fest und müssen auf Hilfe warten. Vor Ort werden die Amateurfilmer Chloe (Katie Booth), Alex (Chase Williamson) und Rose (Laura Ortiz) von dem Unglück aufgeschreckt, die dort einen Promotrailer für einen Horrorfilm über Victor Crowley drehen wollten. Blöderweise fällt dabei ein Smartphone zu Boden, welches gerade einen Videoclip von Reverend Zombie (Tony Todd) abspielt, auf dem er eine Beschwörungsformel rezitiert. Kurze Zeit später erwacht Victor Crowley (Kane Hodder) zu neuem Leben und schwingt in seinem bevorzugten Jagdrevier wieder fleißig die Axt …

Victor Crowley bleibt der Alte

„Dieses Blutbad ist für euch alle.“ Wie Adam Green vor der Überraschungs-Premiere betonte, wollten sich er und sein Team mit „Hatchet – Victor Crowley“ besonders bei der sogenannten „The Hatchet Army“ bedanken, also jenen treuen Fans, die die Reihe seit ihrem Beginn leidenschaftlich unterstützt haben. So ist es nicht verwunderlich, dass der vierte Teil keine großen Neuerungen bietet.

Andrew (l.) weiß: In den Sümpfen sollte man besser die Klappe halten

Der Body Count ist unvermindert hoch, die handgemachten Effekte sehen zwar nicht gerade hochwertig aus, dennoch werden nicht nur Horror-Nostalgiker vor Freude jauchzen, wenn Victor Crowley seine Arbeit verrichtet und die Blutfontänen an der Stelle aus dem Rumpf spritzen, wo gerade noch der Kopf des wehrlosen Opfers gesessen hat. Ja, Adam Green weiß, was die Fangemeinde sehen will. Da stört es auch nicht, dass bei den verschiedenen Tötungssequenzen kein großer Wert auf einen Spannungsbogen gelegt wird. Victor Crowley – zum vierten Mal von Kane Hodder verkörpert – kommt meist aus dem Nichts, schlägt kurz und schmerzhaft zu und läuft nicht etwa dem nächsten Unglücksvogel durch den ganzen Sumpf hinterher, wie es sein Slasher-Kollege Michael Myers praktizieren würde.

Nicht für Feingeister geeignet

Ein Aspekt, der neben dem Gemetzel fester Bestandteil der „Hatchet“-Reihe ist, aber die Gemüter spaltet, darf natürlich auch im vierten Teil nicht fehlen: der Humor, der nicht gerade für Feingeister geeignet ist, um es milde auszudrücken. Bereits im Prolog ist dies zu sehen, als ein Typ seiner Freundin einen Antrag macht und sie auf die freudige Nachricht damit reagiert, Rotz und Wasser zu heulen. Den Rotz darf man hier wörtlich nehmen. Diesen verteilt sie mit einem Taschentuch im ganzen Gesicht und macht damit die romantische Stimmung kaputt – bevor Victor Crowley das glückliche Pärchen endgültig voneinander trennt. Ein ordentlicher Fun-Splatter darf den Ekel natürlich auch in den komischen Szenen zelebrieren – freut euch auf Andrews Autogrammstunde – doch die Witze sowie langatmige Dialoge nehmen in „Hatchet – Victor Crowley“ etwas überhand. Sollte mit ihnen etwa die sowieso schon knappe Laufzeit in die Länge gestreckt werden?

Kreisch! Wem gehört wohl diese blutige Schulter?

Mehr Szenen mit und ein paar neue Facetten von dem Axtmörder hätte ich stattdessen gern gesehen. Ein frisches Setting wäre ebenfalls eine schöne Abwechslung gewesen. So bleibt der vierte Teil reiner Fanservice, mit dem man in der hierzulande veröffentlichten ungeschnittenen Fassung einen spaßigen Abend verbringen kann. Und vielleicht dürfen die Zuschauer sich dann in der noch nicht bestätigten Fortsetzung auf eine Neuausrichtung der „Hatchet“-Reihe freuen. Der Abspann deutet mit einem Gastauftritt zumindest deutlich an, dass die nächste Rückkehr von Victor Crowley nicht mehr lange auf sich warten lässt. Totgeglaubte leben schließlich länger … Welcher Meuchelmörder des Slashergenres ist euer Favorit? Habt Ihr Geheimtipps?

Victor Crowley ist zurück

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Adam Green sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tony Todd unter Schauspieler.

Extra scharf: Victors Axt bekommt wieder Arbeit

Veröffentlichung: 1. März 2018 als limitierte 2-Disc Edition im Steelbook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Victor Crowley
USA 2017
Regie: Adam Green
Drehbuch: Adam Green
Besetzung: Parry Shen, Kane Hodder, Laura Ortiz, Katie Booth, Dave Sheridan, Krystal Joy Brown, Brian Quinn, Felissa Rose, Chase Williamson, Tony Todd
Zusatzmaterial: zwei Audiokommentare, Trailer
Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 
 

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