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Schlagwort-Archive: Haunted House

Horror für Halloween (I): Presence – Es ist hier! Geisterjäger mal wieder im Spukhaus

The Dead Room

Im Horroctober – wahlweise Horrorctober – erhöhen wir auch bei „Die Nacht der lebenden Texte“ wieder die Taktzahl der Horrorfilme – als würden wir das Genre ansonsten missachten, hehe. Freut euch auf einen bunten Mix verschiedenartiger Monster und Subgenres!

Von Volker Schönenberger

Horror // Bislang haben die beiden neuseeländischen Geisterjäger Scott (Jeffrey Thomas) und Liam (Jed Brophy) nicht viel gerissen. Ob ihr neuer Fall die paranormalen Ermittler in die Erfolgsspur bringt? Mit der medial begabten Holly (Laura Petersen) im Schlepptau dringen sie in ein abgelegenes Farmhaus, das schon bessere Tage gesehen hat. Eine Spukgestalt hat dort angeblich so sehr gewütet, dass die dort lebende Familie fluchtartig das Weite gesucht hat. Der Einsatz lässt sich ruhig an, doch tatsächlich bemerkt das Trio nach einiger Zeit außergewöhnliche Phänomene. Holly beginnt, eine Präsenz zu spüren, die nichts Gutes im Schilde führt.

Auf Gespensterjagd: Scott (l.) und Liam

Na klar: „Presence – Es ist hier!“ beruht auf wahren Begebenheiten. Damit gesellt sich der Spukhaus-Schocker in eine Reihe mit Filmen wie „Amityville Horror“ (1979) und „Conjuring – Die Heimsuchung“ (2013). Das Haunted-House-Rad lässt sich dabei schwerlich neu erfinden, und so verwundert es nicht, dass die Arbeit des neuseeländischen Regisseurs Jason Stutter nicht an die beiden genannten Werke heranreicht. Immerhin setzt er die Räume des Farmhauses visuell gekonnt in Szene, auch wenn sich manche Fluchtpunkt-Einstellung des langen Flurs wiederholt.

Ob sich hier ein Geist verbirgt?

Ein bedächtiger Auftakt, es kommt zu ersten Ereignissen, hier klopft es, dort fällt eine Tür wie von Geisterhand (hihi) zu, hier wackelt eine Deckenlampe, dort fliegt ein Gegenstand durchs Zimmer – „The Dead Room“, so der Originaltitel, klappert die üblichen Versatzstücke des Spukhaus-Sujets ab, um leider auch mit zunehmender Eskalation auf ausgetretenen Pfaden zu verweilen. Originalität ist Mangelware. Das kann man wohlwollend als „bewährt“ oder gar „oldschool“ bezeichnen, weniger wohlwollend auch als „schon x-mal gesehen“ oder „langweilig“. Zumindest nimmt sich das Geschehen nicht allzu ernst. Eine Szene wie auf dem Cover der deutschen Veröffentlichung habe ich übrigens nicht bemerkt.

Oder hier?

Nicht zuletzt dank Peter Jackson hat sich in Neuseeland eine kleine, aber feine Filmszene entwickelt. Die beiden Hauptdarsteller Jed Brophy und Jeffrey Thomas waren 2012 mit kleinen Nebenrollen in Jacksons „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“ zu sehen, Brophy auch 2002 in „Der Herr der Ringe – Die zwei Türme“ sowie 2005 in „King Kong“. Obendrein hatte er 1992 einen denkwürdigen Part in – Trommelwirbel! – „Braindead“, ebenfalls unter der Regie von Peter Jackson. Als Rowdy Void mutierte er darin zum Zombie und endete mit einer Harke im Schädel. „Presence – Es ist hier!“ enthält trotz eines gegenüber dem vorherigen Verlauf der Handlung dann doch etwas actionreicheren Finals weniger erinnerungswürdige Momente als „Braindead“. Freunde von Spukhaus-Geschichten können Gefallen dran finden, sofern sie sich an dem Mangel an Eigenständigkeit nicht stören. Welche neuseeländischen Horrorfilme könnt Ihr empfehlen?

Holly jedenfalls spürt etwas

Veröffentlichung: 2. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Dead Room
NZ 2015
Regie: Jason Stutter
Drehbuch: Kevin Stevens, Jason Stutter
Besetzung: Jed Brophy, Jeffrey Thomas, Laura Petersen, Carolyn McLaughlin, Elliot Conlon, Eleanor Conlon, Acushla-Tara Kupe, Cohen Holloway, Sophie Hambleton, Justin B. Carter, James R. W. Smith
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 Tiberius Film

 
 

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Heilstätten – Von der Auferstehung des deutschen Genre-Kinos

Heilstätten

Von Ansgar Skulme

Horror // Die Macher von zwei erfolgreichen, konkurrierenden YouTube-Kanälen treffen sich zu einer Mutprobe. Sieger soll sein, wer es am längsten – natürlich über Nacht – in den schaurigen Beelitz-Heilstätten aushält. Die auf respektlose und waghalsige Streiche spezialisierten Finn (Timmi Trinks) und Charly (Emilio Sakraya) sind sich ihrer Sache recht sicher, da ihre Gegnerin Betty (Nilam Farooq) ihren YouTube-Ruhm vor allem ihrem Aussehen und ihren Fashion-Tipps zu verdanken hat. Zudem haben sie den Experten Theo (Tim Oliver Schultz) dabei, der mit der Geschichte des Ortes und dessen Tücken bestens vertraut ist und dank eines Nebenjobs auch den Schlüssel für das Tor am Außengelände hat. Was soll da schiefgehen? Als Theos Ex-Freundin Marnie (Sonja Gerhardt) Wind von der Sache bekommt, schwant ihr jedoch Böses. Sie erinnert sich an einen früheren Besuch des Geländes, bei dem sie den Geist einer Frau gesehen zu haben glaubt, der in dem Gebäude einstmals schreckliche Dinge angetan wurden.

Lebendig sein macht Spaß!

Kartoffelsalat“ (2015) war zwar nicht der erste abendfüllende Film von Michael David Pate, ist allerdings der Film, dessen mieser Ruf dem Regisseur seither vorauseilt. In der Internet Movie Database zählt der Streifen bis heute zu den ganz großen Flops, zumindest was die User-Bewertungen anbelangt. Da kommt es schon überraschend, dass Pate als Nachfolgeprojekt mit „Heilstätten“ einen waschechten Horrorfilm vorgelegt hat, der klassische Haunted house-Motive aufgreift und diese – passend zu Pates vorherigem Projekt – mit der heutigen YouTube-Generation konfrontiert.

Horror im bewährten Stil

Gedreht wurde in der Heilstätte Grabowsee, da sich diese für das Ansinnen besser eignete als die als Schauplatz ausgegebenen Beelitz-Heilstätten. Wer schon einmal so eine verfallene Heilstätte besichtigen durfte oder Innenaufnahmen davon gesehen hat, dem wird auffallen, dass sich diese Gebäude mit ihrer schaurig-morbiden Aura – zwischen Dunkelheit, herunterhängenden und umherliegenden spitzen Gegenständen, Lichtern am Ende von düsteren Gängen sowie zwischen großen, architektonisch doch recht pompös ausgelegten Sälen, dreckverschmierten Fliesen und fiesen Stolper- wie auch Sturzfallen –, von innen teils so signifikant ähneln, dass man glaubt, der Film sei direkt um die Ecke in genau dem Gebäude gedreht worden, das man besichtigt hat. Auch darüber hinaus weiß „Heilstätten“ mit bewährten, gut dosierten Gruseleffekten zu überzeugen, und die Tatsache, dass sich die YouTube-affinen Figuren die ganze Zeit selbst filmen, ist ästhetisch angenehm gelöst, ohne ständige übertriebene Wackelkamera- und Bildstörungseffekte, die man aus anderen Found-Footage-Produktionen kennt. Zudem ist „Heilstätten“ alles andere als ein Teenager hofierender Werbefilm für Mainstream-Videoblogger, sondern geht vielmehr mit einigen gelungenen medien- und konsumgesellschaftskritischen Ansätzen zu Werke.

Sehr gute Schauspieler

Tückisch werden Produktionen dieser Art, wenn man mit wenig überzeugenden Laiendarstellern oder schlechten Jungschauspielern arbeitet, denn gerade wenn die Figuren sich selbst filmen – oder visuell zumindest dieser Eindruck erzeugt wird –, ist die Kamera natürlich immer besonders nah dran, schauspielerische Unzulänglichkeiten fallen folglich besonders auf. Dies hätte auch „Heilstätten“ passieren können – vor allem beim Rückgriff auf tatsächliche YouTuber als Protagonisten. Ganz im Gegenteil überrascht der Film aber sehr positiv mit einem ziemlich guten Ensemble, darunter einige in ihrer Generation schon jetzt gestandene Jungschauspieler. Insbesondere Sonja Gerhardt, Nilam Farooq, Timmi Trinks und Tim Oliver Schultz stechen mit sehr guten Leistungen hervor. Trinks ist als gewissenlos-blöder YouTuber mit provokant gelebter Naivität, der irgendwann den Ernst der Lage erkennt, verdammt überzeugend und erinnert fast schon erschreckend gut an diverse tatsächlich im Internet auf Video-Plattformen umhergeisternde Selbstdarsteller; dank Nilam Farooq gelingt zudem die Kritik an all den vor allem mit Äußerlichkeiten und ikonischem Getue arbeitenden Videobloggern.

Mit Herzen kann man lieben, kann sie brechen oder auf sie schießen

Sonja Gerhardt lässt eine sehr menschliche, empathische Note in den Film einfließen und Tim Oliver Schultz vollbringt mit seinen hervorragend präzise vorgetragenen Texten das Kunststück, etliche Szenen – trotz des Genres und der Kulisse – wie gutes, manchmal sogar großes Theater wirken zu lassen. Abgesehen davon, dass Schultz einfach über die notwendige, interessante Stimme verfügt und genau weiß, in welcher Tonlage, welchem Tempo und mit welchen Sprechpausen er sie klangvoll einsetzen kann, beeindruckt die Präzision beim Umgang mit allen Dialogen. Man hat schon nach kurzer Zeit das Gefühl, der mit der Serie „Club der roten Bänder“ populär gewordene Schauspieler hätte sich bei jedem Satz des Drehbuchs vorher sehr genaue Gedanken über jedes einzelne Wort und deren Zusammenwirkung innerhalb des Satzverbundes gemacht. Eine Darbietung mit nachhaltigem Effekt, die allein schon reicht, um zu bewirken, dass man sich den Film gern ein zweites Mal ansieht. Ein Horrorfilm – und dann auch noch aus Deutschland –, den man regelrecht als Vorzeigebeispiel ins Seminar für junge Nachwuchsschauspieler mitnehmen und dort präsentieren möchte, da er in einer gewissen Form von Dreifaltigkeit YouTube-Performances mit Filmschauspiel und theaterhaftem Schauspiel verbindet, also drei bedeutsame Ebenen der heutigen Darstell-, Selbstdarstell- und Schauspielkultur. Das ist alles wesentlich komplexer als man erahnen mag; auf einem Niveau angesiedelt, das man einer derartigen Produktion auf den ersten Blick gewissermaßen niemals zutrauen würde.

Aber schon allein des Genre-Kinos wegen …

Völlig unabhängig davon, was ich bisher zu diesem Film geschrieben habe, ist da auch noch der Aspekt, dass man beim Aufschlagen des Kinoprogramms, angesichts eines deutschen Genre-Films aus dem Sektor Spannungskino – erst recht eines Horrorfilms – und dann noch auf der großen Leinwand und nicht nur als TV-Produktion, kaum seinen Augen traute. Wenn man sich bewusst macht, welch beeindruckende Genre-Zeiten das bundesdeutsche Kino allein schon in den 60er-Jahren – und natürlich weit darüber hinaus –, vom Karl-May-Western bis hin zu Edgar Wallace, von Jerry-Cotton-Agentenabenteuern bis zu Doktor-Mabuse-Gruslern und exotischen Abenteuerkrimis, durchlaufen hat, und dann sieht, wie sehr das deutsche Kino in den vergangenen 20 Jahren von historisch ambitionierten, thematisch aber zunehmend einfallslosen Aufarbeitungen der DDR und der Nazizeit gekennzeichnet war, ist ein Film wie „Heilstätten“ selbst dann noch eine Wohltat, wenn er bei Weitem nicht so gut gelungen wäre wie er ist, schon allein weil es sich um einen Kino-Horrorfilm aus Deutschland handelt. Selbst im Fernsehen bei uns auch heute noch mit Eigenproduktionen recht erfolgreiche Genres, wie der Krimi und der Thriller, schaffen es in der Bundesrepublik aktuell, bei Licht betrachtet, kaum noch auf die Leinwand. Das bundesdeutsche Kino braucht heute dringender denn je wieder mehr Mut zu Spannungsfilmen – vom Actionfilm bis zum Politthriller und vom Horrorfilm bis hin zum klassischen Krimi, mehr Abenteuer, mehr Grusel, mehr Fantasy und so weiter und so fort. Es muss nicht immer alles allzu artifiziell sein und es ist auch nicht die alleinige Aufgabe des Kinos, die DDR und die NS-Zeit aufzuarbeiten – betrachtet man die letzten 20 Jahre BRD-Lichtspielhistorie, konnte aber zuweilen durchaus der Eindruck entstehen. Zu allem Überfluss muss man gerade den DDR-kritischen Filmen auch des Öfteren eine allzu eindimensionale Ausrichtung vorwerfen.

Wie viel Licht wird in das Dunkel kommen?

Filme wie beispielsweise „Tattoo“ (2002) haben demgegenüber erheblich zu wenige Nachfolger gefunden. Ehe wir uns darüber beschweren, dass die Amerikaner den Markt mit Kommerzkino überschwemmen, müssen wir uns zunächst an die eigene Nase fassen, weil wir genauso extrem das ebenso einseitige Gegenteil tun. Der Markt wurde überambitioniert, aber gleichsam eintönig mit DDR- und NS-Kritik-Einheitsbrei überflutet – mal als Komödie, mal als historisches Drama –, ohne dass es bis jetzt gelungen wäre, angemessene Verhältnismäßigkeiten bei der Stoffauswahl zurückzuerlangen. Der historisch tuende Standardbrei wird ergänzt von ein paar Großstadtfilmchen, Produktionen mit Matthias Schweighöfer und solchen, die es gern wären, dazu gelegentlich Komödien mit aus dem Fernsehen bekannten Komikern, zudem noch eine Reihe an ins Arthaus-Kino verliebten Streifen, die es in diverse Kinos aber nicht einmal schaffen – ob nun zu Recht oder auch nicht.

So ein harmloser Filmdreh juckt doch keinen

Natürlich gab es auch immer wieder andere Ansätze, um neue Wege oder gute Genre-Traditionen bemühte Filme, aber seit mindestens der Jahrtausendwende vergleichsweise selten. Ausnahmen bestätigen immer die Regel. Ein Film wie „Heilstätten“ hat das Potenzial, an den manchmal doch arg selbstverliebten Negativtrends des deutschen Kinos etwas zu ändern, während etwa gleichzeitig aber bereits Neues aus der mittlerweile nur noch muffigen DDR-Aufarbeitungskiste in den Kinosälen lauert. Auch Produktionen wie „Who Am I – Kein System ist sicher“, „Nur Gott kann mich richten“ und „Spielmacher“ machen Hoffnung darauf, dass deutsches Kino nach bald einem Vierteljahrhundert zunehmender Eintönigkeit so langsam wieder abwechslungsreicher wird. Natürlich streift auch „Heilstätten“ am Rande die deutsche Historie, aber eben nicht mit der klassischen „Wir müssen unbedingt, so wie letzte Woche und die Woche davor, auch heute mal wieder über die Vergangenheit und all das viele Unrecht reden!“-Keule, die man sonst aus dem „modernen“ BRD-Kino gewohnt ist. Damit meine ich nicht, dass Kritik an der DDR per se oder an der Nazizeit überhaupt falsch ist oder irgendwann gänzlich zum Erliegen kommen sollte, jedoch ist es wichtig so etwas wie Relation zu bewahren und nicht alles andere, was Kino sonst noch kann, nebenher fast völlig zu vergessen. Und selbst wenn man über deutsche Geschichte spricht und Filme darüber dreht, ist es ja nun auch nicht so, dass diese erst in den 1930er-Jahren begonnen hätte.

Man nimmt sich oft zu wenig Zeit für nachdenkliche Momente

Bedauerlicherweise erscheint „Heilstätten“ – sagen wir einmal „vorerst“ – nur auf DVD mit magerem Bonusmaterial, nicht als Blu-ray. Es mutet ein wenig an, als hätte man den Film seitens des Vertriebs schon vor seiner Heimkino-Veröffentlichung abgeschrieben. Das hat er nicht verdient. Nun hat es allerdings ja durchaus auch schon Filme gegeben, die erst auf DVD oder Blu-ray zu gebührendem Ruhm gelangt sind. Ob das in diesem Fall auch so sein wird, muss sich zeigen. Als Versatzstück für den nächsten Horror-Filmabend in der WG ist „Heilstätten“ in jedem Fall bestens geeignet – auch wenn man sich für all die filmwissenschaftlichen und filmgeschichtlichen Hintergründe, die man hierzu erörtern kann, herzlich wenig interessiert. Und dass ein Film sowohl bei aufgedrehten Teenies funktioniert, die ihn nur ihrer Stars wegen schauen, als auch aus akademischer Sicht beachtet werden sollte, ist beileibe nicht gerade der Regelfall. Die Zielgruppe, für die „Heilstätten“ Sinn macht, ist ungewöhnlich breit gefächert, ein Zugang auf sehr vielfältige Weise möglich – nun muss er nur noch die entsprechende Aufmerksamkeit finden.

Hier liegt einiges im Argen!

Veröffentlichung: 13. September 2018 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
Originaltitel: Heilstätten
D 2018
Regie: Michael David Pate
Drehbuch: Michael David Pate, Ecki Ziedrich
Besetzung: Sonja Gerhardt, Tim Oliver Schultz, Nilam Farooq, Timmi Trinks, Emilio Sakraya, Lisa-Marie Koroll, Maxine Kazis, Davis Schulz, Farina Flebbe
Zusatzmaterial: Kinotrailer
Label/Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

Leben und sterben lassen

Szenenfotos: © 2017 Twentieth Century Fox, Packshot: © 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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Die Hexe – Sie war vor euch hier: Mal wieder Spuk im Spukhaus

The Inhabitants

Von Philipp Ludwig

Horror // Der Film mit dem etwas verqueren deutschen Titel „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ (im Original deutlich passender als „The Inhabitants“ tituliert) ist das zweite Regiewerk der gleichzeitig auch als Drehbuchautoren tätigen Brüder Shawn und Michael Rasmussen, die als die Rasmussen Brothers (nicht zu verwechseln mit den Duffer Brothers) bereits einige Erfahrungen im Bereich des B-Movie-Horrorfilms sammeln konnten, beispielsweise als Drehbuchautoren für John Carpenters „The Ward“ (2010) sowie als Autoren und Regisseure ihres eigenen Debütfilms „Dark Feed“ (2013).

Hartgesottene WG-Veteranen dürften derartige Mitbewohner wenig schocken

Die Handlung des als Haunted-House-Schockers bezeichneten „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ von 2015 ist schnell erzählt und birgt im Grunde genommen, dem Genre entsprechend, wenig Überraschendes: Die jungen Eheleute Jessica und Dan (Elise Couture, Michael Reed, beide bereits im besagten „Dark Feed“ zu sehen), ziehen in die amerikanische Provinz, wo sie ein altes Haus aus der Siedlerzeit erworben haben. Das darin seit einiger Zeit betriebene „Bed & Breakfast“-Geschäft übernehmen sie von der klischeebedingt geheimnisvollen und wortkargen alten Vorbesitzerin – die dann später mitunter gern mal, natürlich ungebetenerweise, mitten in der Nacht zu Besuch kommen kann. In dem Gebäude lebte im 17. Jahrhundert eine Frau, die der Hexerei beschuldigt und für den Tod mehrerer an Grippe erkrankter Kinder, die sie medizinisch versorgt hatte, verantwortlich gemacht und aufgrund dessen anschließend gehängt wurde. Seitdem gilt das Haus als verflucht, sowohl der Geist der angeblichen Hexe als auch der dort verstorbenen Kinder scheinen als unliebsame Mitbewohner im Kaufpreis inbegriffen zu sein.

Ehemann des Jahres und perfekter Schwiegersohn in Personalunion – Dan (Michael Reed) kann auch seine …

Schaut man sich „Die Hexe – Sie war vor euch hier“ an, sollte man sich zunächst einmal bewusst machen, dass es sich um einen B-Movie-Horrorstreifen handelt, der gar nicht erst den Anspruch erhebt, in die Filmgeschichte eingehen zu wollen. Von daher wird das eher hölzern wirkende Schauspiel des Hauptdarstellerpaars vermutlich nicht zwingend für verwundertes Augenrollen sorgen. Ein Mitfiebern mit den Protagonisten wird uns aufgrund einer damit einhergehenden empathischen Distanz jedoch nicht gerade einfach gemacht. So wird etwa die nach und nach zunehmende Bessessenheit Jessicas durch die im Haus scheinbar herrschende dämonische Kraft wenig auffällig sichtbar, war ihr Schauspiel doch vorher bereits ebenfalls kaum emotional erwärmender. Auch zu ihrem Mann Dan, der im Verlauf zum zentralen Helden avanciert, fällt es schwer, eine Bindung aufzubauen. Kann einem zunächst seine „Ehemann des Jahres“-Attitüde bereits ein ganz klein wenig auf die Nerven gehen, so ist es zudem mitunter amüsant zu betrachten, wie lange er etwa braucht, um zu bemerken, dass eventuell etwas in dem Haus sowie später auch mit seiner Ehefrau nicht so ganz stimmt – freundlich ausgedrückt. Ebenso wird man aufgrund der bereits erwähnten Erwartungshaltung auch über die mechanisch aufgesagten und stets etwas hölzern wirkenden Dialoge wahrscheinlich wohlwollend hinwegsehen können. Beispiele gefällig? Bitte schön:

Dan: Ich weiß, es ist verrückt, eine Frühstückspension zu leiten. Aber, es war immer dein Traum. So lange ich dich kenne.
Jessica: Ich weiß. Ich glaube, jetzt ist es unser Traum.

Oder der hier:

Dan: Hey Schatz, wann willst du morgen früh aufstehen?
Jessica: Mmh. Früh, so gegen 6.
Dan: Ok, geht klar. Ich mach uns Frühstück im Bett. Sag mal, willst du Pancakes oder Waffeln?
Jessica: Pancakes … Ich bin so fertig.
Dan: War ein langer Tag, ja?
Jessica: Ja.

… zunehmend dämonische Ehefrau Jessica so schnell nicht aus der Ruhe bringen

Und diese zwei Dialoge entstammen gerade einmal den ersten zehn Minuten. Man muss aber fairerweise sagen, dass dies natürlich auch ein Stück weit der deutschen Synchronisation geschuldet sein kann – die Originalfassung zum Vergleich lag mir leider nicht vor. Aber auch abseits der Dialoge bietet das Skript leider nur wenig Finesse und kaum Überraschungen, denn es wurden nicht nur nahezu alle Klischees des Haunted-House-Szenarios aufgegriffen, darüber hinaus bedienten sich die Rasmussen-Brüder bei einer ganzen Reihe anderer, Erfolge des Genres. Neben „Paranormal Activity“ sei hier auch an „The Conjuring“, „Sinister“ und die populäre Serie „American Horror Story“ erinnert. Es kommt einem daher vieles bekannt vor und das Publikum weiß leider oft schon früh (zumindest weit vor den immer etwas auf den Schlauch stehenden Protagonisten), worum es geht und was als Nächstes passieren wird.

Mit besten Grüßen an „Paranormal Aciticity“

Dennoch sei festgestellt, dass der Film definitiv auch eine Reihe positiver Aspekte und Ansätze zu bieten hat, mit denen er stellenweise durchaus imstande ist, sein Publikum zu erschrecken und zumindest phasenweise so etwas wie Spannung und Grusel zu erzeugen. Hervorzuheben ist hierbei insbesondere das herausragende Sounddesign, das den eigentlichen Star des Films, das Haus, hervorragend in Szene setzt. Überall knarzt und knirscht es, der Wind zieht durch die Fugen, der Regen tröpfelt durchs Dach, und in die allgemeine Geräuschkulisse scheint sich ständig ein geheimnisvolles dämonisches Flüstern zu mischen, wodurch sich auf jeden Fall mitunter ein unbehagliches Gefühl einstellen kann. Auch die musikalische Untermalung ist in dieser Hinsicht äußerst stimmig. Ebenso lässt die Bildqualität nichts zu wünschen übrig, was der durchweg guten Kameraarbeit absolut zugute kommt, die die vielen dunklen Geheimnisse des Hauses visuell und dramaturgisch ansprechend in Szene setzt. Denn trotz der umfangreichen Bedienung bei einer ganzen Reihe an Genre-Klassikern zeigen die Rasmussen-Brüder mitunter durchaus, dass sie auch zu eigenen innovativen Ansätzen in der Inszenierung fähig sind, wie etwa in einer überaus interessant gefilmten Badewannen-Abtauchszene Jessicas zu bewundern ist. Positiv hervorzuheben ist ebenfalls, dass sich die Brüder dem allgemein im Horror-Genre zu erkennenden Trend zur übermäßigen Nutzung von Jump Scares verweigern. So verwenden sie zwar dennoch selbstverständlich wiederholt eine ganze Reihe davon, doch wissen diese dennoch, aufgrund einer geschickten Platzierung in der Dramaturgie und trotz ihrer eventuellen Vorhersehbarkeit durchaus zu erschrecken und somit ihrem eigentlichen Sinn eher zu entsprechen, als das etwa so manche aktuelle und große Blockbuster-Schocker und Jump-Scare-Festivals à la „Es“ tun.

Der eigentliche Star des Films

Wer die Erwartungen dem B-Movie-Charakter des Films entsprechend richtig einordnet und keinen hochwertigen Horrorklassiker in spe erwartet, dem kann sich durchaus, trotz der genannten Mängel in Sachen Schauspielkunst, Dialogen und dem munteren Skript-Patchwork, ein kurzweiliges und mitunter sogar zumindest etwas gruseliges Filmerlebnis bieten. Muss aber auch nicht.

Jessica erkundet die dunklen Geheimnisse des vermeintlichen Traumhauses

Veröffentlichung: 3. Mai 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Inhabitants
USA 2015
Regie: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Drehbuch: Michael Rasmussen, Shawn Rasmussen
Besetzung: Elise Couture, Michael Reed, India Pearl, Vasilios Asimakos, Edmund Donovan, Erica Derrickson, Judith Chaffee, Rebecca Whitehurst
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Tiberius Film

Copyright 2018 by Philipp Ludwig
Fotos & Packshot: © 2018 Tiberius Film

 

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