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Der Prinzipal – Einer gegen alle: Der an der Highschool aufräumt

The Principal

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Weil er im Suff mit einem Baseballschläger den Porsche des neuen Freunds seiner Ex-Frau Kimberly (Sharon Thomas Cain) demoliert hat, muss der Highschool-Lehrer Rick Latimer (James Belushi) den Verlust seines Jobs fürchten. Doch stattdessen wird er zum Schulleiter ernannt! Dummerweise ist seine neue Wirkungsstätte die Brandel High, die verrufenste Schule der Region (wo genau sie sich befindet, erfahren wir nicht – gedreht wurde in Kalifornien).

Gleich an seinem ersten Tag greift Rick Latimer (M.) durch

Respekt hat er dort nicht zu erwarten – und bekommt ihn vorerst auch nicht. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer verrichten Dienst nach Vorschrift oder nicht einmal das. Die Schülerinnen und Schüler kommen und gehen nach Belieben, den wenigsten liegt am Unterricht. Gangs beherrschen die Szenerie, der Drogenhandel ist in der Hand von Victor Duncan (Michael Wright). Sein mieser Ruf ist Latimer vorausgeeilt. Unterstützung erhält er immerhin von Jake Phillips (Louis Gossett Jr.), dem Chef des chronisch unterbesetzten Schulsicherheitsdienstes. Obwohl er eigentlich so schnell wie möglich wieder verschwinden will, packt den neuen Schulleiter bald der Ehrgeiz, an der Highschool etwas zum Besseren zu wenden.

Der neue Schulleiter stürzt sich ins Getümmel

Eine Milieustudie mit pädagogischem Anspruch ist „Der Prinzipal – Einer gegen alle“ nicht geworden. Dafür ein actionreiches Krimidrama, das jederzeit zu fesseln vermag. Die Figuren sind zwar nicht mit dem allerfeinsten Strich gezeichnet, aber auch nicht mit dem gröbsten. Die Charaktere wirken glaubhaft, was auch an den Schauspielerinnen und Schauspielern liegt. Allen voran James Belushi, der seiner Verantwortung gerecht wird, einen Großteil der schauspielerischen Last zu stemmen, weil er permanent im Zentrum des Geschehens steht. Sein Part als Schuldirektor wider Willen inklusive Wandlung zum engagierten Pädagogen gehört zweifellos zu seinen bedeutsamsten Rollen (auch wenn mein Favorit seine Rolle als Cop in Walter Hills ein Jahr später entstandenem Buddy-Movie „Red Heat“ an der Seite von Arnold Schwarzenegger bleibt). Etwas kritisch kann man sehen, dass Rick Latimer als Weißer in einer von Afroamerikanern und Latinos geprägten Umgebung „aufräumt“. Er entspricht somit dem „White Savior Narrative in Film“, dem Narrativ des weißen Retters im Kino. Nicht das einzige Klischee von „The Principal“, aber der Film macht einfach zu viel Freude, als dass man ihm darüber böse sein könnte. Das gilt insbesondere für den fesselnden Showdown, der noch einmal kräftig an der Spannungsschraube dreht.

Vom Regisseur von „Young Guns“

Wie nicht anders zu erwarten, agiert auch Oscar-Preisträger Louis Gossett Jr. („Ein Offizier und Gentleman“) souverän. In einer bedeutsamen Nebenrolle als engagierte Lehrerin Hilary Orozco ist zudem Rae Dawn Chong („Phantom Kommando“) zu sehen. Regisseur Christopher Cain drehte unmittelbar im Anschluss „Young Guns – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (1988) mit Emilio Estevez, Kiefer Sutherland und Charlie Sheen. Der Western und „Der Prinzipal – Einer gegen alle“ stellen seine bekanntesten Arbeiten dar.

Im Sicherheitschef Jake Phillips (r.) findet er einen Verbündeten

Das Mediabook von justbridge entertainment enthält im digitalen Bonusmaterial leider lediglich einen Trailer zum Film. Immerhin wartet das Booklet mit einem ausführlichen Text von Christoph N. Kellerbach auf. Er setzt „Der Prinzipal – Einer gegen alle“ in den Kontext des Phänomens der US-Jugendgangs der 1980er-Jahre und beleuchtet die Entstehung und Veröffentlichung des Films, der bei einem Budget von elf Millionen Dollar an den US-Kinokassen knapp zwanzig Millionen Dollar einspielte (internationale Zahlen sind mir nicht bekannt). Trotz des schmalen Zusatzmaterials eine feine Veröffentlichung. Das Mediabook ist allerdings bereits vergriffen, aber justbridge hat parallel auch eine DVD veröffentlicht, die im Handel weiterhin lieferbar ist.

Sein Motorrad bedeutet Rick viel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rae Dawn Chong haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit James Belushi unter Schauspieler.

Lehrerin Hilary Orozco wurde angegriffen

Veröffentlichung: 5. November 2021 als 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 6. August 2002 als DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Prinzipal
USA 1987
Regie: Christopher Cain
Drehbuch: Frank Deese
Besetzung: James Belushi, Louis Gossett Jr., Rae Dawn Chong, Michael Wright, J. J. Cohen, Esai Morales, Troy Winbush, Jacob Vargas, Thomas Ryan, Reggie Johnson, Kelly Jo Minter, Ruth Beckford, Julian Brooks, Joan Valderrama, Rick Hamilton, Marty Pistone, Sharon Thomas Cain
Zusatzmaterial Mediabook: englischer Trailer, 20-seitiges Booklet
Zusatzmaterial DVD: Trailer zum Film, Trailer „St. Elmo’s Fire – Die Leidenschaft brennt tief“
Label Mediabook: justbridge entertainment
Vertrieb Mediabook: Rough Trade Distribution
Label/Vertrieb DVD: Columbia TriStar

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 justbridge entertainment

 
 

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School of the Living Dead – Nachsitzen mit Zombies: Untote von der Stange

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Detention of the Dead

Horrorkomödie // Nachsitzen – das ist dem Streber Eddie (Jacob Zachar) an der Highschool noch nie passiert. Bei seinen Mitschülern ohnehin nicht wohlgelitten, bereitet er sich auf einen unangenehmen Nachmittag mit den anderen Nachsitzern vor. Unangenehm ist allerdings kein Ausdruck für das, was die Gruppe erwartet: Kaum, dass einer der Schüler beklagt, draußen gebissen worden zu sein, verwandelt er sich auch schon in einen blutrünstigen Untoten, der die Lehrerin anknabbert. Draußen tobt bereits die Zombie-Apokalypse. Die Gruppe verbarrikadiert sich.

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Streber Eddie muss nachsitzen

Der Nerd, die Gothic-Außenseiterin, der Kiffer, die umschwärmte Schönheit, die Football-Asse – Alex Craig Mann versammelt in seiner bislang einzigen Regiearbeit ausschließlich die aus zahllosen US-Highschool-Filmen sattsam bekannten Klischees. Dagegen ist nichts einzuwenden, in dem Zusammenhang stört lediglich, dass der Film diese Figurenkonstellation mittels einiger moralisierender Dialoge und Charakterwandlungen viel zu ernst thematisiert – und das braucht niemand in einer Horrorkomödie. Wenn man sich schon derart ungeniert an Altbekanntem bedient, kann man die Erwartungshaltung auch mal brechen, etwa den All-American-Boy zum Helden machen und den Nerd als ersten sterben lassen. Stattdessen bewegt sich die Schülergruppe in mehr als eingefahrenen Bahnen.

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Null Bock auf die Schule – das sieht man ihm an

„Detention of the Dead“, so der Originaltitel, wartet ohne jede Originalität auf, bietet aber immerhin kurzweilige Unterhaltung, die mit knapp anderthalb Stunden genau die richtige Länge hat. Mehr wäre des Mittelmäßigen zu viel gewesen. Derlei Filmen sieht man bei der Besetzung und den Tricks das niedrige Budget meist an, so auch hier. Die für einen FSK-16-Film durchaus drastischen Splattereffekte sind handgemacht, das geht trotz billiger Anmutung als Pluspunkt durch. Einige Gags sitzen, andere sitzen nach, der Humor ist jedenfalls kein Ärgernis.

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Die Gruppe kämpft ums Überleben

Von den Darstellern drängt sich keiner für größere Herausforderungen auf. Die deutsche Synchronisation ist schwach, wer des Englischen mächtig ist, wähle die Originalfassung. Alles in allem ist „School of the Living Dead – Nachsitzen mit Zombies“ ein Untoten-Spaß, den auch Zombie-Komplettisten nur einmal zu sehen brauchen.

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Zwischenmahlzeit im Schulkorridor

Veröffentlichung: 7. August 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Detention of the Dead
USA 2012
Regie: Alex Craig Mann
Drehbuch: Alex Craig Mann, nach einem Theaterstück von Rob Rinow
Besetzung: Jacob Zachar, Alexa Nikolas, Christa B. Allen, Jayson Blair, Justin Chon, Max Adler
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Tiberius Film

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Die Außenseiter Eddie und Willow raufen sich zusammen

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Tiberius Film

 

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Daydream Nation – Drei sind einer zu viel: Liebeskomödie mal anders

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Gastrezension von Matthias Holm

Tragikomödie // Viele Liebesfilme kranken an einem Problem: Die Charaktere sind oft so eindimensional und langweilig, dass es dem Zuschauer recht egal ist, wer jetzt nun mit wem zusammenkommt. Einen anderen Ansatz sucht Michael Goldbach mit seinem Film „Daydream Nation“: Seine Hauptfiguren haben mehrere Facetten, die sie nicht immer sympathisch machen.

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Wen liebt Carolin wirklich?

Carolin Wexler (Kat Dennings) ist neu in dem Kaff irgendwo im amerikanischen Nirgendwo. Nach dem Umzug mit ihrem Vater (Tedd Withall) soll sie dort ihren Highscholl-Abschluss machen. Um sich vom langweiligen Alltag abzulenken, verführt Carolin ihren Lehrer Mr. Anderson (Josh Lucas). Die Beziehung scheint beiden gutzutun. Doch als der gleichaltrige Mitschüler Thurston (Reece Thomspon) ebenfalls Interesse an Carolin zeigt, ist sie sich ihrer Gefühle auf einmal nicht mehr sicher.

So sprunghaft wie seine Protagonistin ist auch Michael Goldbachs Inszenierung, bei der sich der Regisseur nicht um Konventionen zu scheren scheint. So vermischt er munter eine Komödie mit tieftraurigen Elementen, fügt ein wenig Thriller-Handlung hinzu und packt über all das eine Weltuntergangs-Atmosphäre. Da es ihm anscheinend zu einfach war, die Geschichte chronologisch zu erzählen, wird dauernd zwischen den Zeiten gesprungen. Zu Beginn erfährt der Zuschauer sogar Dinge aus der Zukunft, die für die eigentliche Handlung komplett irrelevant sind.

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Den Lehrer?

Es erscheint wahrscheinlich, dass Goldbach autobiografische Elemente in den Film eingebaut hat. Das wird vor allem bei den Szenen mit den Jugendlichen deutlich, die sich mit allen möglichen illegalen Mitteln zudröhnen. Es ist unwahrscheinlich, dass Goldbach die Wirkung von Drogen so genau und intensiv zeigen könnte, ohne damit selbst Erfahrungen gemacht zu haben. Auch die jenseits der Romantik-Handlung thematisierten Aspekte wirken, als ob sie dem wahren Leben entsprungen sind und auf Erinnerungen basieren – etwa die brennende Fabrik im Hintergrund und der Serienmörder.

Carolin ist nicht unbedingt als Sympathieträgerin angelegt. Sie kümmert sich eher wenig um die Konsequenzen ihres Verhaltens – wie man als 17-Jährige eben so ist. Auch die Macken und Fehler der anderen Figuren sind näher am Leben, als es manch einem vielleicht lieb ist. So gibt es letztlich niemanden, mit dem der Zuschauer unbedingt mitfiebert.

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Oder den Kiffer?

Das macht aber nichts. Die Liebesgeschichte hat immer wieder gute Wendungen zu bieten und hält den Zuschauer so am Ball. Hinzu kommt, dass die vielen inszenatorischen Kniffe nicht ermüdend wirken, sondern Lust auf mehr machen. So ist „Daydream Nation“ einfach eine schöne Komödie geworden, die eine Sichtung verdient hat.

Veröffentlichung:
14. Februar 2014 als DVD

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: –
Originaltitel: Daydream Nation
KAN 2010
Regie: Michael Goldbach
Drehbuch: Michael Goldbach
Besetzung: Reece Thompson, Kat Dennings, Andie McDowell, Josh Lucas, Tedd Withall
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Universum Film Home Entertainment

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Universum Film Home Entertainment

 

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