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Paradox – Kill Zone Bangkok: Dritter „S.P.L.“-Streich

Sha po lang – taam long

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Den furiosen „Kill Zone S.P.L.“ (2005) hatte ich 2006 beim Fantasy Filmfest gesehen. Was Wilson Yip, Regisseur der heute schon legendären „Ip Man“-Trilogie, da an Action und Thrill aufbot, suchte seinesgleichen. 2015 kam „Lethal Warrior“ von Soi Cheang („Dog Bite Dog – Wie räudige Hunde“), der als lose Fortsetzung gilt – aus was für Gründen auch immer. Zwischen „Ip Man 3“ und dem für eine Premiere in Hongkong im Dezember angesetzten „Ip Man 4“ hat wiederum Wilson Yip die „S.P.L.“-Reihe mit „Paradox – Kill Zone Bangkok“ fortgesetzt.

Hongkong-Cop Lee Chung Chi hofft, dass seine Tochter noch lebt

Die Handlung fokussiert auf Lee Chung Chi (Louis Koo), Polizist in Hongkong und liebevoller Vater einer Tochter, wie wir zu Beginn anhand einiger Privatvideoaufnahmen erfahren. Am 16. Geburtstag von Wing Chi (Hanna Chan) fällt er jedoch aus allen Wolken: Nicht nur, dass sie ihm ihren Freund vorstellt, die junge Frau offenbart ihrem alten Herrn auch noch, dass sie schwanger ist. Die private Zukunft rückt jedoch in den Hintergrund, als Wing Chi bei einem spontanen Trip nach Thailand gekidnappt wird.

In den Fängen des Organhandels

In Pattaya nimmt Lee Chung Chi Kontakt zum örtlichen Cop Chui Kit (Yue Wu) auf. Dessen Kollege Tak (Tony Jaa) hat bei einer Berührung des Hongkong-Ermittlers eine sonderbare Eingebung. Bei der Suche nach seiner Tochter geht Lee Chung Chi nicht zimperlich vor. Die Ermittler stoßen auf den Gangster Sacha (Chris Collins), welcher in illegalen Organhandel verwickelt ist, der bis in höchste Kreise reicht.

Tak und sein Kollege …

2018 räumte „Paradox – Kill Zone Bangkok“ drei Hongkong-Filmpreise ab: für Hauptdarsteller Louis Koo, die Action-Choreografie und das Sounddesign. Dazu gesellten sich zwei asiatische Filmpreise, für Koo und als bester Actionfilm. In der Tat beeindruckt die Choreografie von Sammo Kam-Bo Hung („Ip Man“) in drei spektakulären Actionsequenzen, speziell der ausgiebige Messerkampf-Showdown inklusive knochenbrecherischer Hiebe im Schlachthaus (mit angehängter Organentnahme-Abteilung) bleibt in Erinnerung. Etwas mehr davon hätte es aber schon sein dürfen.

… Chui Kit ermitteln mit vollem Körpereinsatz

Während die Handlung den Ermittlern folgt, erfahren wir in kurzen Rückblenden etwas mehr über die Hauptfigur Lee Chung Chi und ihre schwierigen familiären Verhältnisse, etwa seine nicht gerade nette Reaktion auf die oben erwähnte Bekanntmachung seiner Tochter. Sein Thailand-Trip führt ihn an seine Grenzen und darüber hinaus, das gibt dem fesselnden Actionthriller eine große Portion düsteres Drama mit auf den Weg. Hongkong-Superstar Louis Koo („Out of Inferno“, „Drug War“) meistert das mit Bravour auf denkbar eindringliche Weise. Mal bangen wir mit dem besorgten Vater, mal verabscheuen wir den skrupellosen Ermittler. Polizist Chui Kit hingegen fungiert ein wenig als Gegenpol von Lee Chung Chi, obwohl er ebenso schlagkräftig ist. Seine Frau Soei (Siraphan Wattanajinda) erwartet ihr erstes Kind, und sein Schwiegervater ist ausgerechnet Commissioner Chai (Vithaya Pansringarm), sein Boss, der mehr über die Organhändler weiß, als seinem Schwiegersohn klar ist. Von „Ong-Bak“- und „Triple Threat“-Star Tony Jaa hätte ich gern mehr gesehen, seine Rolle gerät so klein, dass die Unterstellung erlaubt sei, man habe ihn vornehmlich aufgrund seines bekannten Namens eingebaut. Immerhin die zweite Actionsequenz gehört zu großen Teilen ihm.

Tony Jaa als Hellseher?

Rätselhaft bleibt nicht nur der Wolf auf dem Cover der Koch-Films-Veröffentlichung, sondern auch die oben erwähnte Eingebung des von Tony Jaa verkörperten Cops. Sie wird im weiteren Verlauf überhaupt nicht mehr thematisiert, allerdings hätte so etwas wie eine hellseherische Gabe auch nicht recht zum Rest des Films gepasst. Ganz so mitgerissen wie seinerzeit „Kill Zone S.P.L.“ hat mich „Paradox – Kill Zone Bangkok“ nicht, und der Zusammenhang der drei Actionthriller mag sich mir auch nicht recht erschließen. Freunde gepflegten Action- und Thriller-Kinos made in Hongkong können aber unbesorgt zuschlagen. Da Regisseur Wilson Yip es immer noch drauf hat, ist Vorfreude auf „Ip Man 4“ berechtigt.

Kein angenehmer Gegner: Schurke Sacha

Veröffentlichung: 6. Dezember 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 121 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Sha po lang – taam long
HK 2017
Regie: Wilson Yip
Drehbuch: Nick Cheuk, Lai-Yin Leung
Besetzung: Louis Koo, Tony Jaa, Yue Wu, Ka Tung Lam, Chris Collins, Jacky Cai, Ken Lo, Hanna Chan, Vithaya Pansringarm, Michelle Saram, Siraphan Wattanajinda
Zusatzmaterial: Making-of (10 Min.), Trailer, Trailershow
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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Zombieworld – Die Untoten und das Huhn

Gam man da song si

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein Wachmann erblickt des Nachts in einem düsteren Gang eine seltsame Figur – eine Art Hühnchen-Karnevalskostüm. Aus deren Schnabel entweicht eine Seifenblase grausigen Inhalts und trifft den Bedauernswerten, der zu Boden geht. Seine Haut verfärbt sich …

Mit Eigenbau-Waffen wollen sich die beiden Freunde der …

Im Anschluss an diesen kurzen Prolog bekommen wir einen schönen Comic-Vorspann zu sehen, der Vorfreude auf ein zünftiges Splatterspektakel weckt. Diese Erwartungshaltung erfüllt „Zombieworld“ leider nicht, ihre Momente hat die Hongkong-Produktion aber dennoch. Die Handlung folgt den beiden Kumpels Lung (Michael Ning) und Chi-Yeung (Cheung Kai-Chung), die gern große Helden mit Schlag bei Frauen wären, aber leider kleine Lichter sind. Ihre Chance scheint gekommen, als aus heiterem Himmel eine Zombie-Pandemie ausbricht. Ihre erste Begegnung mit dem Grauen: ein untoter Minderjähriger, den die beiden erst einmal zünftig verprügeln. Jetzt können Lung und Chi-Yeung zeigen, was in ihnen steckt. Zombie-Vernichtungswaffen sind schnell zusammengebastelt, dann geht es auf Patrouille. Doch Helden werden ist nicht schwer, Helden sein dagegen sehr …

Tödliche Hühnereier

„Hey! Dein Mund blutet.“ „Ach, das ist nichts Schlimmes. Ein paar Makler wollten mich beißen, ich hab aber zurückgebissen.“ Mit solchen Dialogen kratzt „Zombieworld“ an der Grenze zur Komödie. Ich bin aber bei fernöstlichen Filmen des Öfteren am Zweifeln, ob das Ganze wirklich komödiantisch gemeint ist. Endgültig bizarr gerät das Ganze, wenn die sonderbare Hühnchen-Figur aus dem Prolog erneut auftaucht und tödliche Eier umherfliegen. Dann mutiert „Zombieworld“ fast zur Groteske, bevor daraus ein Psychogramm des Protagonisten Lung wird.

… Heerscharen der Untoten erwehren

Überhaupt erweckt der Film den Eindruck eines Genre-Hybriden, der diverse Themen aufgreift und Elemente aus Horror, Drama, Komödie und Coming of Age kreuzt. Das gelingt mal gut, mal weniger gut. Tragik und Komik liegen oft nah beieinander, und in einigen Szenen passt das vorzüglich. Probleme bereiten den beiden Möchtegern-Helden nicht nur die Zombies, sondern auch Lungs Vater (Alex Man), der nach Jahren aus dem Gefängnis entlassen worden ist und plötzlich daheim vor der Tür steht. Wird sich die Familie im Angesicht des Untoten-Unheils zusammenraufen?

„Zombieworld“ hat Prominenz im Cast: Cheung Kai-Chung hat es unter dem Namen Louis Cheung in China zu Popstar-Ruhm gebracht und als Synchronsprecher einem gewissen Anakin Skywalker in „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ und „Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith“ die Stimme geliehen. Mit Nebendarsteller So Wai-Chuen findet sich sogar ein in Hongkong aktiver Fußballprofi in der Besetzungsliste.

Erinnerung an „I Am a Hero“

In seinem Langfilm-Regiedebüt lässt sich Alan Lo etwas Zeit, bevor er die Handlung Fahrt aufnehmen lässt. Wenn ihm da mal nicht einige Zuschauerinnen und Zuschauer vorzeitig abspringen. Diese verpassen dann aber eine nicht immer runde, aber stets ungewöhnliche Geschichte, die mit ein paar schönen praktischen Make-up-Effekten angereichert wurde und deren Schauspielerinnen und Schauspieler diese Bezeichnung auch verdienen. Zum Finale werden die Comicmotive aus dem Vorspann wieder aufgegriffen, bevor der Abspann einsetzt. Dann noch nicht sofort die Stop-Taste drücken, es folgt nach ein paar Sekunden in den Credits noch eine kurze Szene. Die hat mich aber verwirrt zurückgelassen. Womöglich deutet sie auf eine etwaige Fortsetzung, aber das ist spekulativ. Ein paar Mal kam mir der japanische Zombiefilm „I Am a Hero“ von 2015 in den Sinn. Dessen Qualität erreicht „Zombieworld“ nicht, aber wer den einen mag, kann auch an dem anderen Gefallen finden.

Ganz gesund sieht das nicht aus

Veröffentlichung: 6. Juni 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min. (Blu-ray), 102 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gam man da song si
HK/CHN 2017
Regie: Alan Lo
Drehbuch: Nick Cheuk, Nero Ng, Chi Hoi Pang
Besetzung: Cheung Kai-Chung, Alex Man, Carrie Ng, Cherry Ngan, Michael Ning, Angie Shum, Wai-Chuen So, Venus Wong
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: Tiberius Film
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Auf der Flucht

Szenenfotos: © 2019 Tiberius Film

 

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The Prisoner – Island of Fire: Tod und Gewalt im Knast

Huo shao dao

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Der Polizist Wang Wei (Tony Leung Ka-fai) lässt sich undercover ins Gefängnis einschleusen, nachdem der Vater seiner Freundin ermordet wurde. Der Täter starb unmittelbar danach durch eine Autobombe. Es stellte sich heraus, dass er eigentlich schon vorher hätte tot sein müssen: Er war drei Monate zuvor im Knast hingerichtet worden. In der Strafanstalt erwartet Wang Wei eine Stimmung aus Angst und Gewalt. Insassen und Aufsichtspersonal geben sich dabei nicht viel.

Kaum im Knast, bezieht Wang Wei sogleich Prügel

Einstmals leicht zensiert mit 18er-Freigabe auf dem Index gelandet, wurde „The Prisoner – Island of Fire“ 2014 von der Liste gestrichen. In diesem Jahr nun hat Koch den Film erneut der FSK vorgelegt und für die ungeschnittene Fassung eine Freigabe ab 16 Jahren erreicht. Als besonderes Extra hat der Publisher für die Special Edition sogar die um eine halbe Stunde längere Taiwan-Fassung des Films organisiert – wenn auch nur in deutsch untertitelter Originalfassung und in eher bescheidener Qualität. Eine detaillierte Schilderung der Unterschiede beider Fassungen findet sich im Schnittbericht. Nicht jede der 30 Minuten mehr erscheint unbedingt notwendig, insgesamt bringt die Langfassung aber mehr Klarheit in die bisweilen etwas zusammengeschusterte Handlung.

Auftritt Jackie Chan

Nach etwas mehr als 20 Minuten kommt plötzlich ein ganz anderer Handlungsstrang hinzu, als die Freundin von Steve Lung (Jackie Chan) von einem Gangster niedergestochen und lebensgefährlich verletzt wird. Beim Versuch, in einer Spielhölle das Geld für ihre Operation zusammenzubekommen, tötet er versehentlich einen anderen Verbrecher und landet daraufhin ebenfalls im Knast. Dort sind schon ein paar Mörder auf ihn angesetzt.

Auch Steve Lung gerät mehr als einmal …

Die knallharte Knast-Action und die triste bis tragische Atmosphäre der Ausweglosigkeit werden ab und zu durch ein paar Albernheiten aufgelockert – keine Seltenheit in fernöstlichen Thrillern. Der rote Faden geht dabei ein paar Mal verloren. Die Kampfeinlagen hingegen überzeugen auf ganzer Linie, bei Jackie Chan fallen sie natürlich gewohnt akrobatisch aus. Eine finale Schießerei gerät dann mit etlichen Opfern noch derber als die Auseinandersetzungen zuvor, zumal einige zuvor nicht unbedingt als derart skrupellos eingeführte Figuren überraschend gnadenlos um sich ballern.

Asien-Superstar Andy Lau ist auch dabei

In einer Nebenrolle als Gangsterboss Lee ist Andy Lau zu sehen, in Ostasien als Sänger und Schauspieler ein Superstar, hierzulande bekannt durch „Infernal Affairs – Die achte Hölle“, „House of Flying Daggers“ und zuletzt „The Great Wall“ mit Matt Damon. Die gute Besetzung und der in jedem Moment hohe Unterhaltungswert helfen „The Prisoner – Island of Fire“ über die Klippen der etwas krummen Handlung hinweg. Die Erstveröffentlichung auf Blu-ray und Neuveröffentlichung auf DVD ist ein mehr als adäquater Ersatz für die vergriffene, wenn auch auf dem Gebrauchtmarkt preiswert zu findende DVD von 2005. Schön auch wieder die bei Jackie Chan üblichen Outtakes zu Beginn des Abspanns – ein paar mehr hätten es ruhig sein dürfen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jackie Chan sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… in heftige Auseinandersetzungen

Veröffentlichung: 28. September 2017 als Special Edition Blu-ray (+ DVD) und 2-Disc Special Edition DVD, 12. Juli 2005 als DVD (splendid film)

Länge: 125 Min. (Taiwan-Fassung), 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Kantonesisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Huo shao dao
TAIW 1990
Regie: Yen-Ping Chu (als Lawrence Full)
Drehbuch: Li Fu, Yun Chiao Yeh
Besetzung: Jackie Chan, Andy Lau, Sammo Hung, Tony Leung Ka-fai, Yu Wang, Chun Hsiung Ko, Chung-Hua Tou, Barry Wong, Chuan-Chen Yeh, Jack Kao
Zusatzmaterial: Taiwan-Fassung (125 Min.), Interviews, Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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