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Schlagwort-Archive: Horror

Alone – Bloß nicht erwachsen werden

Don’t Grow Up

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Mit dem ausgelassenen Horrorspaß „Goal of the Dead – 11 Zombies müsst Ihr sein“ erregte das französische Gespann Marie Garel Weiss und Thierry Poiraud 2014 trotz grober Mängel einiges Aufsehen in der Gruselgemeinde – wenn auch im Verbund mit Ko-Autoren und -Regisseur. Den Nachfolger „Alone“ haben die beiden nun als Duo verwirklicht. Herausgekommen ist ein ernsthaftes Werk über das Erwachsenwerden in einem apokalyptischen Szenario, das trotz der Zombiethematik wenig mit dem Vorgänger gemein hat. Der Originaltitel „Don’t Grow Up“ passt dabei deutlich besser als die deutsche Titelschöpfung „Alone“. Es erscheint ohnehin sinnlos, den englischen Titel eines französischen Films für den deutschen Markt durch einen anderen englischen Titel zu ersetzen.

Noch ahnen die jungen Leute nichts Böses

Im englischen Horrorthriller „The Children“ von 2008 sind es Kinder, die sich gegen ihre Eltern richten, diesmal ist es umgekehrt: Wir folgen einer Gruppe von Teenagern auf einer britischen Insel, die sich in einer offenbar von allen Betreuern verlassenen Einrichtung für schwererziehbare Jugendliche häuslich eingerichtet hat, darunter der in sich gekehrte Bastian (Fergus Riordan), der großspurige Liam (McKell David) und die ebenfalls eher zurückhaltende Pearl (Madeleine Kelly). Anfangs sorgen sich die jungen Leute nicht groß, genießen die Zeit ohne Aufsicht. Dann jedoch treffen sie auf die ersten Erwachsenen …

Doch dann wird Bastian mit dem Grauen konfrontiert

Mit 81 Minuten ist „Alone“ deutlich kürzer geraten als „Goal of the Dead“. Im Mittelteil hat das Horrordrama aber dennoch mit ein paar Längen zu kämpfen. Die ruhige Entwicklung der Exposition hingegen ist löblich, gibt sie doch die Möglichkeit, die Protagonisten kennenzulernen, bevor sie mit dem Grauen ihrer Realität konfrontiert werden. Dieses Grauen kommt dann auch handfest daher, wobei trefflich darüber gestritten werden kann, ob die Jugendlichen es mit Zombies oder Infizierten zu tun bekommen. Jedenfalls hat das Erwachsenwerden damit zu tun, daher auch der passende Originaltitel.

Die Stadt bietet keine Sicherheit mehr …

Später gesellt sich zum Coming-of-Age-Horror auch eine Romanze hinzu – sie ist es, die die erwähnten Längen im Mittelteil zu verantworten hat. Insgesamt bleibt der Film aber konsequent und schonungslos bis zum Finale. „Alone“ lief 2016 beim Fantasy Filmfest, nun veröffentlicht capelight pictures das Horrordrama fürs Heimkino. Man merkt Drehbuchautorin Marie Garel Weiss und Regisseur Thierry Poiraud die geringe Erfahrung mit dem ernsthaften Sujet an. Es ist eben nicht gerade einfach, vor Horror-Hintergrund eine dramatische und ironiefreie Geschichte zu erzählen. Sein großes Potenzial reizt „Alone“ nicht aus, als anständiges und fesselndes Horrordrama mit ein paar Durststrecken und einem überzeugenden Ensemble von Jungdarstellern ist das aber allemal in Ordnung.

… die Einöde aber auch nicht

Veröffentlichung: 24. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 81 Min. (Blu-ray), 78 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Don’t Grow Up
F/SP 2015
Regie: Thierry Poiraud
Drehbuch: Marie Garel Weiss
Besetzung: Fergus Riordan, Madeleine Kelly, McKell David, Darren Evans, Diego Méndez, Natifa Mai, Dominique Baute, Daniela Jerez, David Ojeda
Zusatzmaterial: Making-of, Kinotrailer
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Al!ve AG / capelight pictures

 

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Life – Der Tod kommt vom Mars

Life

Kinostart: 23. März 2017

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // „Life“ – welch großes Wort. Als Filmtitel eines Weltraum-Abenteuers deutet es tiefgründige Begegnungen mit außerirdischen Lebensformen an. Doch wer danach sucht, ist bei Denis Villeneuves „Arrival“ besser aufgehoben. „Life“ entpuppt sich nach kurzer Zeit als lupenreiner Survival-Horror. Das erklärt die Skepsis, die Daniel Espinosas („Safe House“) Regiearbeit entgegengebracht wird, zumal den Besuchern der Pressevorführung für Rezensionen eine Veröffentlichungsbeschränkung bis wenige Tage vor Kinostart auferlegt wurde – derlei Embargos sind oft Hinweis darauf, dass der Verleih seinem eigenen Werk nicht traut. Wer sich jedoch an der simplen Prämisse einer Menschenjagd auf der Raumstation nicht stört, bekommt einen effektiven und konsequenten Schocker geboten, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Roy Adams bereitet sich auf einen …

Die Crew der internationalen Raumstation im Erdorbit bereitet sich auf einen heiklen Einsatz vor: Eine mit Proben vom Mars zurückkehrende Sonde ist ins Trudeln geraten, mit einem Greifarm soll sie eingefangen werden, bevor sie beim unkontrollierten Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Dazu muss Astronaut Roy Adams (Ryan Reynolds) einen Weltraumausflug unternehmen. Unter den besorgten Augen von Kommandantin Katerina Golovkin (Olga Dihovichnaya), der Medizinerin Dr. Miranda North (Rebecca Ferguson), dem einen Rekord für Weltraumaufenthalte anstrebenden David Jordan (Jake Gyllenhaal) und den anderen Crewmitgliedern gelingt Adams der Zugriff.

… gefährlichen Weltraumausflug vor

Die wichtigen Proben sind gerettet, werden an Bord der Raumstation geholt – und entpuppen sich als Sensation: Wissenschaftler Hugh Derry (Ariyon Bakare) entdeckt eine einzellige Lebensform – oder, Moment: Die Zellen fügen sich zusammen, es entsteht ein ganzer Organismus, der schnell fürs menschliche Auge sichtbar wird und entfernt an einen Seestern erinnert, dessen Zacken als Tentakeln fungieren. Auf der Erde wird die Nachricht weltweit zum Tagesgespräch, die Astronauten werden in Fernsehshows zugeschaltet. An Bord der Raumstation ist besonders Derry vor Begeisterung kaum zu halten, im sorgsam abgeschirmten Labor hegt er das „Calvin“ getaufte Wesen unter den neugierigen Augen der anderen. Schnell aber stellt es – nun größer als eine Hand – im Brutkasten sein Wachstum ein und verharrt in Regungslosigkeit. Nun will Derry es mit leichten Stromstößen stimulieren …

Unter den Augen der übrigen Crew …

An dieser Stelle verlässt „Life“ sein ruhiges Terrain einer friedlichen Begegnung zwischen Menschen und Marsianer. Über die außerirdische Lebensform erfahren die Astronauten zügig mehr, als ihnen lieb ist: Sie ist sehr anpassungsfähig, schnell, hochintelligent und damit enorm lernfähig – und tödlich. Erklärungen über die Anatomie und organische Zusammensetzung des Wesens, die die nun zur Schau gestellten Fähigkeiten möglich machen, werden den Zuschauern allerdings nicht geliefert. Vielleicht besser so, lieber Lücken als Logiklöcher.

… untersucht Hugh Derry die Lebensform vom Mars

Auch wenn ein paar Mal die Raumstation verlassen wird: Als Weltraum-Abenteuer ist „Gravity“ (2013) weitaus beeindruckender, dessen visuelle Kraft erreicht „Life“ nicht. Auch Ridley Scotts „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) sei als Referenz genannt, der Klassiker bleibt natürlich auf seinem Thron. Auf der Habenseite von „Life“ aber steht eine steil ansteigende Spannungskurve von dem Moment, als die Kreatur auf die Stromstöße reagiert. Bald begreifen die Astronauten, dass mehr auf dem Spiel steht als nur ihr Leben. Das ist rasant und packend inszeniert, sehr effektiv. Sicher keine Science-Fiction-Großtat, aber als Survival-Horrorschocker sehr gut konsumierbar. Auch mal ganz angenehm, solche Plots nicht nur als B-, C- oder Direct-to-Video-Ware zu sehen zu bekommen, sondern als Hochglanz-Hollywood-Produkt mit A-Besetzung. Wer das goutieren kann, wird anständig unterhalten.

David Jordan muss eine fatale Entscheidung treffen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jake Gyllenhaal und/oder Ryan Reynolds sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… und selbst ums Überleben kämpfen

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Life
USA 2017
Regie: Daniel Espinosa
Drehbuch: Rhett Reese, Paul Wernick
Besetzung: Rebecca Ferguson, Ryan Reynolds, Jake Gyllenhaal, Hiroyuki Sanada, Olga Dihovichnaya, Naoko Mori, Ariyon Bakare, Alexandre Nguyen, Camiel Warren-Taylor, Hiu Woong-Sin
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakate & Fotos: © 2017 Sony Pictures Releasing GmbH

 

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The Monster – Ein Filmtitel, der hält, was er verspricht

The Monster

Von Volker Schönenberger

They are hiding and watching
Just wait and see
Oh, there are monsters
For you and for me
(Children’s nursery rhyme, 1903, Texttafel zu Beginn des Films)

Horror // Das gute alte Creature Feature ist nicht totzukriegen. Trotz einer Vielzahl unterdurchschnittlicher bis -irdischer Beiträge bringt das Genre des Monster-Horrors immer wieder effektive und spannendes Werke hervor, die auch mit schmalem Budget hervorragend funktionieren. „Dark Was the Night“ von 2014 ist nur ein Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit, nun folgt „The Monster“, dessen schlichter Titel Programm ist.

Unfall in der Nacht – Lizzy und ihre Mutter sitzen auf einer Landstraße im Wald fest

Zu Beginn lernen wir die junge Lizzy (Ella Ballentine) und ihre ebenfalls auffällig junge Mutter Kathy (Zoe Kazan) kennen. Kathy hat ganz offensichtlich ein Problem mit Männern und Alkohol, die kleine Lizzy muss viel mehr Verantwortung übernehmen, als es ein Mädchen ihres Alters tun sollte. Eine nächtliche Autofahrt der beiden findet nach einem Unfall auf regennasser Straße im Wald ein jähes Ende. Kathys Handgelenk wird in Mitleidenschaft gezogen, auf der Fahrbahn liegt nun ein toter Wolf. Während Mutter und Tochter im Auto auf Ambulanz und Abschleppwagen warten, wird langsam klar: Im Dunkel des Waldes lauert etwas …

Erst Home Invasion, dann Found Footage, nun Creature Feature

Regisseur Bryan Bertino bewies 2008 mit dem Home-Invasion-Schocker „The Strangers“ Talent fürs Horrorgenre. Sein zweiter Film „Play – Tödliches Spiel“ allerdings war 2014 ein tiefer Griff ins Found-Footage-Klo. Mit „The Monster“ findet er zu alter Stärke zurück. Allein die Spannungskurve vom Zeitpunkt des Unfalls bis zum Auftauchen der titelgebenden Kreatur ist schon so steil, dass andere Genrevertreter daran abrutschen. Schockmomente sind gut dosiert, die Attacken des Monsters derbe, ohne ausufernd zu geraten. Da nur wenige Personen den Angriffen zum Opfer fallen, sollte niemand einen Splatter-Exzess erwarten. Erklärungen über die Kreatur werden keine geliefert. Besser so als eine hanebüchene Hintergrundgeschichte. Das Creature-Design ist anständig, aufgrund des nächtlichen Settings bleibt das Wesen ohnehin meist im Düsteren. Erfahrungsgemäß werden manche Horrorfans die Kreatur mies gestaltet finden, andere werden sie mögen. Ein typischer Fall von Geschmackssache, also macht euch am besten selbst ein Bild – es lohnt sich!

Was lauert da im Dunkeln?

Die Haupthandlung wird ab und zu von Rückblenden unterbrochen, in denen wir mehr über die schwierige Mutter-Tochter-Beziehung erfahren – inklusive Scott Speedman („Underworld“) in einer kleinen Nebenrolle als Lizzys Vater. Die kurzen, gut getimten Unterbrechungen lockern den Horror auf und bringen uns die beiden Protagonistinnen näher. „The Monster“ sei Horrorfreunden als simpler, aber packender Genrebeitrag trotz eines etwas vorhersehbaren Finales rückhaltlos ans Herz gelegt. Welche Creature Features könnt Ihr empfehlen?

Jedenfalls nichts Gutes

Veröffentlichung: 23. März 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Monster
USA 2016
Regie: Bryan Bertino
Drehbuch: Bryan Bertino
Besetzung: Zoe Kazan, Scott Speedman, Ella Ballentine, Aaron Douglas, Christine Ebadi, Chris Webb, Marc Hickox
Zusatzmaterial: Behind the Scenes, Impressionen vom Set, Über den Film (Statements der Produzenten William Green und Aaron Ginsburg sowie von Darstellerin Zoe Kazan und Darsteller Aaron Douglas), deutscher und englischer Trailer, Trailershow
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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