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Schlagwort-Archive: Horror

Der Fluch – Der Berg ruft

Der Fluch

Von Lars Johansen

Horror // Wenn man genau hinschaut, dann kann man Dominick Raacke zu Beginn von Umberto Lenzis „Die Rache der Kannibalen („Cannibal Ferox“, 1981) kurz durch New York City laufen sehen. Das war seine erste Begegnung mit einem Horrorfilm. Aber es sollte nicht die einzige bleiben. Ein halbes Dutzend Jahre später musste er einen Berg erklimmen, um von einem Fluch getroffen zu werden. Und ein paar Jahre danach würde es für ihn und Regisseur Ralf Huettner sogar teuflisch werden, bevor sie das Horrorgenre gemeinsam gegen Komödien tauschen sollten.

Der Aufstieg

Ralf Huettner ist trotz seiner umfangreichen Filmografie seltsamerweise unbekannter als viele seiner Filme. Wenn man „Texas – Doc Snyder hält die Welt in Atem“ (1993) oder „Voll Normaaal“ (1994) hört, dann fallen einem sofort Helge Schneider und Tom Gerhardt ein, nicht jedoch der Regisseur Huettner. Und auch die drei Filme um „Die Musterknaben“ (1997–2003), die zusammen mit Dominick Raacke als Drehbuchautor entstanden sind, würde man ihm nicht sofort zuordnen. Das gilt ebenso, um ein paar unterschiedliche Beispiele zu nennen, für „Mondscheintarif“ (2001), „Vincent will Meer“ (2010) und „Burg Schreckenstein“ (2016), die man gleichermaßen kennt, aber nicht unbedingt mit Huettner verbindet. Woran mag es liegen? Ist er jemand, den man als guten Handwerker bezeichnen würde, aber dem es nicht gelingt, eine eigene, unverwechselbare Handschrift zu entwickeln? So disparat seine Arbeiten zu sein scheinen, so haben sie alle eine wichtige Gemeinsamkeit: Sie sind deutsch. Sie spielen in der unmittelbaren deutschen Gegenwart, wobei „Texas“ eine Ausnahme darzustellen scheint, aber wenn man genauer hinsieht, dann ist der Western eher Kulisse, denn „Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an“ wussten schon Truck Stop. Huettner weiß genau, was er tut, wenn er im SPIEGEL 1996 sagt: „Ich kenne mich einfach besser aus in meiner Stadt. Das ist der Stoff, aus dem ich meine Geschichten machen muss. Und das ist die einzige Chance, die ein Thriller wie ,Der kalte Finger‘ hat: dass er ganz anders ist als die Thriller aus Hollywood.“

Populäre Genrefilme

Das verbindet seine Filme. Sie sind Momentaufnahmen deutscher Befindlichkeiten. Am deutlichsten wird das vielleicht bei der ebenfalls mit Raacke als Darsteller (und Ko-Drehbuchautor) entstandenen Fernseh-Serie „Um die dreißig“ (7 Folgen, 1995), für die es zu Recht den deutschen Fernsehpreis für das Drehbuch gab. Publikumspreise für die „Musterknaben“, 2008 ein Grimme-Preis für die Regie bei der Fernsehserie „Dr. Psycho – Die Bösen, die Bullen, meine Frau und ich“ (2007) und 2011 der Deutsche Filmpreis für „Vincent will Meer“ schlossen sich an. Seine Filmarbeiten gerieren sich nicht als intellektuelle Diskurse, sondern sind populäres (und tatsächlich erfolgreiches) Genrekino.

Der Anblick

„Der Fluch“ (1988) stellt dafür so etwas wie eine Fingerübung dar, die hervorragend funktioniert, weil sie eine Geschichte erzählt, die mit wenig Personal auskommt und mit vielen Versatzstücken des Horrorgenres arbeitet. Mit sehr guten Schauspielern, einer agilen Kamera, einer tatsächlich unheimlichen Landschaft und einem klugen Drehbuch gelingt es Huettner, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, die nie einen Zweifel daran lässt, dass Übernatürliches im Spiel ist. Es beginnt damit, dass sich eine Schar Kinder Horrorfilme im Fernsehen ansieht, was am Ende wieder aufgenommen wird, wenn der reale Horror Teil der Fernsehnachrichten wird. Die achtjährige Melanie, welche beeindruckend von Romina Nowack gespielt wird, fährt nach dem Fernsehabend mit dem Fahrrad nachts allein zurück zu ihren Eltern. Dabei fährt sie zuerst durch eine geisterhafte Erscheinung und stößt dann mit einer älteren Dame (Ortrud Beginnen) zusammen, die verwirrt zu sein scheint und das Kind als „kalt“ bezeichnet.

Kinderleiche im Gletscher

Mit ihren Eltern (Barbara May und Dominick Raacke) fährt die Kleine am nächsten Tag in die Berge, vermutlich die Alpen, um dort zu wandern. Sie verändert sich allmählich, hört Kindergesänge in einer alten, einsamen Kapelle, verstellt Wegweiser und wirft die Wanderkarte des Vaters heimlich in einen Mülleimer. Die Eltern scheinen damals an der Kapelle das Kind gezeugt zu haben, sodass es eine Verbindung zu diesem Ort gibt. Das Mädchen läuft weg, es ist mittlerweile Nacht geworden, und entdeckt im Eis des Gletschers, zu dem sie die Eltern geführt hat, die Leiche eines Kindes, das ihr extrem ähnlich sieht. Sie informieren die Bergwacht (u. a. Tobias Moretti), die Mutter fährt mit dem Kind schon im Zug zurück, der Vater bleibt noch da, um den Bergrettern den Fundort der Leiche zu zeigen und dann mit dem Auto nach Hause zu fahren. Melanie stellt ihrer Mutter merkwürdige Fragen und verschwindet im Anschluss heimlich aus der Wohnung. Der Vater findet sie in der Kapelle, lädt sie in sein Auto und fährt mit ihr und der zurückgekehrten Mutter zurück. Aber da ist noch der Autotunnel unter dem Berg …

Der Blick

Relativ schnell wird klar, dass wir es mit der Geschichte einer Reinkarnation zu tun haben, die mit einem alten Fluch aus dem 19. Jahrhundert zusammenhängt, der die Wiederkehr von vier Mädchen und ein darauf folgendes großes Ereignis prophezeit, das mit den alten Silberbergwerken zusammenzuhängen scheint. Das waren die letzten Worte einer Frau, die wohl im 19. Jahrhundert als Hexe verbrannt wurde. Die Einwohner (unter ihnen Barbara Valentin als Barfrau) verhalten sich merkwürdig verschlossen und sind wenig hilfsbereit, obwohl auch drei andere Mädchen gerade verschwunden sind. Man erfährt nicht genau, was damals mit den Kindern geschehen ist, aber sie scheinen eine Art Opfer für den Reichtum aus den Silberminen gewesen zu sein. So schwitzt im Museum eine Silberglocke aus jener Zeit ganz langsam flüssiges Silber heraus. Das erinnert tatsächlich ein wenig an John Carpenters „The Fog – Nebel des Grauens“ (The Fog, USA 1980), wo der Reichtum des Ortes ja auch nicht ganz rechtmäßig erworben wurde und das kalte Meerwasser auf einmal aus eigentlich trockenem alten Treibholz austritt. Huettner schafft es, das mit einfachen Mitteln sehr atmosphärisch aussehen zu lassen. Ganz langsam baut sich eine Atmosphäre des Unwirklichen auf, die nie ins Lächerliche abgleitet, sondern das Sujet stets ernst nimmt.

DVD ohne Extras

Die DVD von Pidax enthält leider keine Extras, aber den Film, der bisher noch nicht für das Heimkino erhältlich war, in leidlicher Qualität. Eine kleine verborgenen Perle, deutsches Genrekino aus den 80ern, welches definitiv eine Wieder- oder Neu-Entdeckung lohnt. Dazu passt der 1991 entstandene „Babylon – Im Bett mit dem Teufel“, den Huettner ebenfalls mit Raacke inszeniert hat und in dem es um Frauen geht, die vom Teufel (?) geschwängert werden.

Der Abstieg

Veröffentlichung: 16. August 2019 als DVD

Länge: 88 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Keine
Originaltitel: Der Fluch
A/BRD 1988
Regie: Ralf Huettner
Drehbuch: Ralf Huettner, Andy Hoetzel
Besetzung: Dominic Raacke, Barbara May, Romina Nowack, Barbara Valentin, Tobias Moretti, Gerd Lohmeyer, Ruth Gassmann
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2020 by Lars Johansen

Szenenfotos & Packshot: © 2019 Pidax Film

 
 

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Gewinnspiel: 2 x Quiet Comes the Dawn auf Blu-ray

Verlosung

Eine von Albträumen geplagte junge Frau nimmt nach dem wie aus dem Nichts gekommenen Selbstmord ihres Bruders mit drei anderen Probanden an einem Traumexperiment teil – mit fatalen Folgen. Die EuroVideo Medien GmbH hat den russischen Horrorfilm „Quiet Comes the Dawn“ kürzlich als Blu-ray und DVD veröffentlicht und uns zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 8. März 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Galster Martin,
– Ingo Grünewald.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Update 27. März 2020: Martin Galster hat leider auch die zweite Benachrichtigung unbeantwortet gelassen. Sein Gewinn verfällt. Als Gewinner wurde nunmehr Jansen ausgelost. Glückwunsch! Auch du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Quiet Comes the Dawn“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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The Blood Lands – Grenzenlose Furcht: Schotten dicht!

White Settlers

Von Volker Schönenberger

Horrorthriller // Basierend auf einer wahren Begebenheit – so erfahren wir es zu Beginn von einer Texteinblendung. Na ja – wie wahr die Begebenheit war, sei dahingestellt. Und wenn es nur die Grundidee ist. Im Anschluss lässt die Kamera unsere Blicke durch einen Wald schweifen. Ein blutiger Handabdruck an einem Baum, lässt aufmerken. Eine gefesselte Person mit Jutesack über dem Kopf liegt am Boden. Jemand zieht sie hinfort.

Von London nach Schottland

Wir befinden uns in Schottland. Sarah und Ed (Pollyanna McIntosh, Lee Williams) beziehen nicht allzu weit hinter der Grenze zu England ein abgelegenes Bauernhaus. Das junge Londoner Pärchen freut sich, dem Stress der Großstadt entkommen zu sein. Und Schottland ist ja ein freundliches Land, wie ihnen die Maklerin mitteilt, die ihnen das alte Anwesen übergibt. Als es am ersten Abend dunkel wird, bekommt es Sarah im Gebäude und auf dem Grundstück ein wenig mit der Angst zu tun. Hat sich dort im Schatten der Scheune etwas bewegt? Was war das für ein Geräusch? Ed nimmt sie nicht ernst, aber die Nacht hält für die beiden einige unliebsame Überraschungen bereit …

Ein Geräusch! Sarah und Ed in Angst

„You’re Next“ trifft auf „I Spit on Your Grave“ findet sich als Slogan auf dem Backcover der Blu-ray von „The Blood Lands – Grenzenlose Furcht“. Das verspricht einen Hybrid aus den Subgenres Home Invasion und Rape & Revenge, mit Vergewaltigung und Vergeltung hat das Ganze dann aber doch gar nichts zu tun. Originalität ist Mangelware, aber immerhin setzt „The Blood Lands – Grenzenlose Furcht“ die Versatzstücke des Home-Invasion-Sujets versiert genug ein, sodass der Horrorthriller phasenweise durchaus Armlehnenkraller-Qualitäten aufweist. Ein Ausstattungsmerkmal stellt irgendwann eine sehr große Nähe zu Adam Wingards mordsspannendem Schocker „You’re Next“ (2011) her. Dessen Gnadenlosigkeit erreicht der Epigone allerdings nicht, auch nicht die Konsequenz von Sam Peckinpahs „Wer Gewalt sät“ („Straw Dogs“) von 1971, dessen Einflüsse ebenfalls ein klein wenig anklingen. Auch eine splatterige Gewaltorgie sollte niemand erwarten – die FSK-16-Freigabe der ungeschnittenen Fassung geht völlig in Ordnung.

Engländer raus!

Ein englisches Paar in Schottland, das stellt eine Verbindung zu den Unabhängigkeitsbestrebungen des Landes dar, zumal der Film von 2014 datiert, dem Jahr des letztlich gescheiterten Referendums über die Unabhängigkeit Schottlands. Dass das kein Zufall ist, belegt nicht nur das schottische Fußballtrikot eines Jungen – ein subtiler Hinweis, denn natürlich ist es völlig normal, dass ein Knirps mal das Trikot der Nationalmannschaft trägt. Auch der Originaltitel „White Settlers“ – zu deutsch: weiße Siedler – deutet an, dass Sarah und Ed als Engländer in ihrer neuen Wahlheimat wohl doch nicht so willkommen sind, wie sie es gern hätten. Den deutschen Titelschöpfern war das latte, ihnen ging es offenbar einzig um einen plakativen Slogan. Und was nicht passt, wird passend gemacht. Die letzte Szene des Films bringt dann noch eine nette und überraschende Pointe, die sich stimmig in die politische Botschaft fügt, insgesamt scheint mir die England-kritische Gemengelage aber doch in erster Linie als Aufhänger für einen Horrorthriller gedient zu haben. Der weiß immerhin bis zum Ende zu fesseln. „The Blood Lands – Grenzenlose Furcht“ wird sich nicht unter den Speerspitzen der Home-Invasion-Terrorfilme einreihen, aber immerhin im soliden Mittelfeld.

Kann Sarah den Eindringlingen entkommen?

Veröffentlichung: 22. November 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 80 Min. (Blu-ray), 76 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: White Settlers
GB 2014
Regie: Simeon Halligan
Drehbuch: Ian Fenton
Besetzung: Pollyanna McIntosh, Lee Williams, Joanne Mitchell, Garth Maunders, James McCreadie, Dominic Kay, Faisal Muhammad
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 Lighthouse Home Entertainment

 

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