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Captain Kronos – Vampirjäger: Der Bastian bei Hammer Films

Captain Kronos – Vampire Hunter

Von Volker Schönenberger

Horror // Grausame Todesfälle suchen Anfang des 19. Jahrhunderts die Gegend um eine englische Ortschaft heim. Hübsche junge Frauen altern urplötzlich zu Greisinnen, bevor sie ihren letzten Atemzug tun. Der Landarzt Dr. Marcus (John Carson) steht vor einem Rätsel. Er ruft Captain Kronos (Horst Janson) zu Hilfe, einen alten Weggefährten aus Kriegstagen. Der bringt Professor Hieronymus Grost (John Cater) mit. Der Gelehrte vertritt schnell die Auffassung, man habe es mit einer besonderen Form des Vampirismus zu tun.

Strahlender Held: Captain Kronos reitet ein

„Captain Kronos – Vampirjäger“ sollte Auftakt einer Filmreihe oder zumindest TV-Serie mit Abenteuern des Titelhelden werden. Im Booklet der Blu-ray ist zu lesen, dass Regisseur Brian Clemens ein zeitreisender Vampirjäger vorschwebte, der ähnlich wie „Doctor Who“ verschiedene Menschheitsepochen anzusteuern in der Lage ist. Der finale Abgang der beiden Vampirjäger Kronos und Grost deutet auch an, dass die beiden zu neuen Abenteuern aufbrechen, der finanzielle Misserfolg des Films erstickte dieses Vorhaben jedoch im Keim und beschleunigte den Niedergang der Produktionsfirma Hammer Films. Bedauerlich, liefert die Titelfigur mit Mantel-und-Degen-Elementen doch einen originellen Beitrag zum Vampirgenre. Auch das gar nicht so häufige, aber zum Vampirmythos trefflich passende Motiv des Aussaugens der Jugend trägt dazu bei, dass „Captain Kronos – Vampirjäger“ heute als eigenständiger Genrebeitrag gewürdigt wird.

Begegnung auf dem Friedhof

„Landarzt Dr. Brock“, „Salto Mortale“ und vor allem „Der Bastian“ – ab Mitte der 1960er-Jahre wurde Horst Janson hierzulande als TV-Serienstar überaus populär. Seine Rolle in Helmut Käutners Komödie „Das Glas Wasser“ an der Seite von Gustav Gründgens und Liselotte Pulver hatte ihm 1960 erstmals breite Aufmerksamkeit verschafft. Nicht ganz so bekannt ist in Deutschland, dass er ab 1970 in einigen internationalen Produktionen mitwirkte, beginnend mit der Actionkomödie „Zwei Kerle aus Granit“ (1970) mit Charles Bronson und Tony Curtis sowie den Kriegsdramen „Ausbruch der 28“ (1970) und „Das Wiegenlied der Verdammten“ (1971) mit Peter O’Toole. Bemerkenswert sind auch seine Auftritte in Ducio Tessaris Italo-Western „Zwei Galgenvögel geben Zunder“ (1971) mit Franco Nero und Eli Wallach sowie im Kriegs-Actioner „Steiner – Das Eiserne Kreuz II“ (1979) mit Richard Burton, Rod Steiger, Robert Mitchum, Helmut Griem und Curd Jürgens.

Horst Janson spricht sich selbst

Jansons Titelrolle in „Captain Kronos – Vampirjäger“ ist vielleicht der schillerndste Part in seiner Filmografie. Obwohl mit anständigen Englischkenntnissen ausgestattet, ließen die Produzenten seine Rolle in der englischen Sprachfassung synchronisieren. Erst für die 2004 anlässlich der hiesigen DVD-Veröffentlichung erstellte deutsche Synchronisation durfte Janson sich selbst vertonen. Sein Captain Kronos hat etwas von einem einsamen Revolverschwinger im Western, was besonders deutlich in einer Szene in einer Taverne zum Ausdruck kommt, in der er sich gegen drei Schurken zur Wehr setzen muss. Die Auseinandersetzung wird nur eben nicht mit Revolvern ausgetragen, sondern mit Degen und Säbeln. Ein weiterer Fechtkampf auf einem Friedhof erinnert kurz sogar an das Friedhofsduell in „Django“ (1966). Kronos selbst trägt übrigens ein Katana, ein geschwungenes japanisches Langschwert.

Vampire kann man mit einem Holzpflock durchs Herz töten – oder etwa nicht?

Für Regisseur Brian Clemens (1931–2015) blieb „Captain Kronos – Vampirjäger“ die einzige Kino-Regiearbeit neben einer Folge der TV-Serie „Shooting Gallery“, die er 1995 inszenierte. Bekanntheit erlangte Clemens als Schöpfer von „Mit Schirm, Charme und Melone“ („The Avengers“, 1961–1969, 1976–1977). Auch für „Die Profis“ (1977–1983) zeichnet Clemens verantwortlich. Sein „Captain Kronos – Vampirjäger“ konnte trotz einiger typischer Hammer-Films-Qualitäten bezüglich Ausstattung, Kulissen und Horror-Atmosphäre den Niedergang der Produktionsfirma nicht aufhalten. Auch die Landschaftsaufnahmen überzeugen, besonders einige Sequenzen im Wald atmen herrlichen Grusel. Und die Story bleibt über die gesamten anderthalb Stunden mysteriös genug, um die Spannung aufrechtzuerhalten.

Hilft das Kreuz am Schwert?

Die 15. Hammer-Films-Blu-ray von Anolis Entertainment hält das übliche Niveau der Reihe: Zur Wahl stehen das Mediabook in zwei Covervarianten und die Softcase-Version. Allein die vier (!) Audiokommentare bieten Informationen satt, unter anderem befindet sich ein neuer, exklusiv für diese Edition produzierter Audikommentar darunter, für den das Label Horst Janson persönlich gewinnen konnte – die Moderation übernahm Anolis-Stammexperte Uwe Sommerlad. Ein mehr als einstündiges Interview, das Sommerlad 2003 mit Janson geführt hat, ergänzt den Audiokommentar formidabel. Hinzu kommen ältere Boni und beim Mediabook ein üppig bebildertes 28-seitiges Booklet mit lesenswerten Texten von Sommerlad Dr. Rolf Giesen. Da auch Bild- und Tonqualität den gewohnt hohen Anolis-Standard halten, wird der geneigte Hammer-Films-Sammler nicht umhinkommen, die Blu-ray von „Captain Kronos – Vampirjäger“ zu erwerben. Auch wer sich auch nur entfernt dafür interessiert, wie sich die letzten Ausläufer des klassischen britischen Horrorkinos in den 70ern geschlagen haben, wird an der Veröffentlichung seine Freude haben. Und Horst-Janson-Fans sowieso.

Uwe Sommerlad (l.) und Horst Janson haben für die Blu-ray einen neuen Audiokommentar eingesprochen

Veröffentlichung: 2. Juni 2017 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 1. April 2004 als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Captain Kronos – Vampire Hunter
GB 1974
Regie: Brian Clemens
Drehbuch: Brian Clemens
Besetzung: Horst Janson, John Carson, Shane Briant, Caroline Munro, John Cater, Ian Hendry, Wanda Ventham, Robert James, William Hobbs, Brian Tully, Lois Daine
Zusatzmaterial: Audiokommentare: 1) Shane Briant, John Carson, Caroline Murno, Brian Clemens, Marcus Hearn; 2) Brian Clemens, Ian Wilson, Marcus Hearn; 3) Horst Janson, Uwe Sommerlad; 4) Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz, Interview mit Horst Janson (2003), Captain Kronos Reunion, britischer Kinotrailer, Comic, britischer Werberatschlag, US-Presseheft, Filmprogramm, Bildergalerien, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase-Version: Wendecover
Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment
Vertrieb DVD: E-M-S

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Anolis Entertainment

 

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Gewinnspiel: 3 x The Void auf Blu-ray

Verlosung

Okkulter und blutiger Horror im Krankenhaus mit ein paar Lovecraft-Einflüssen – das ist „The Void“. Von Ascot Elite Home Entertainment haben wir drei Blu-rays zum Verlosen erhalten. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Für das Monster in den Lostopf

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort bis Dienstag, 6. Juni 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Könnt Ihr sie mangels ausreichender Sichtung solcher Filme nicht beantworten, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Aufgrund von Erfahrungen mit vorherigen Gewinnspielen gilt: Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Meine Rezension von „The Void“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Terror 5 – Das Grauen kommt grinsend in argentinischen Episoden

Terror 5

Von Volker Schönenberger

Episoden-Horror // Was für etliche Filmnationen gilt, gilt auch für Argentinien: Produktionen aus der südamerikanischen Bundesrepublik fristen international oft ein Schattendasein. Für Juan José Campanellas Krimidrama „In ihren Augen“ gab’s 2010 aber immerhin den Oscar als bester fremdsprachiger Film und zahlreiche andere internationale Filmpreise und Nominierungen. 2014 bescherte uns die überdrehte Komödie „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ einige schwarzhumorige Episoden über Menschen, die ausrasten, weil sie Grund dazu haben.

I was made for Lovin‘ you, baby – oder nicht?

Auch „Terror 5“ der argentinischen Brüder Sebastian und Federico Rotstein ist ein Film mit ineinander verschachtelten Episoden, klar verortet im Horrorgenre. Zu Beginn sehen wir einen Typen auf einem Mofa, der sein Gesicht wie „Kiss“-Bassist Gene Simmons geschminkt hat. Er ist auf dem Weg zu einer Party, wo er seine Bekannten überzeugt, sich einen ganz besonderen Film reinzuziehen. Dann haben wir den schüchternen Studenten Juan (Augusto Alvarez), der sich von einer Kommilitonin becircen lässt, die aber andere Absichten hat, als er es sich erhofft. Ein paar Lehrer erfahren derweil auf unangenehme Weise, dass ihre Lehrmethoden keinen Beifall finden.

Partyvolk in Verkleidung

Parallel wird der Fall eines wegen Pfusch am Bau eingestürzten Gebäudes gezeigt – das Unglück kostete etliche Menschen das Leben. Die Schuldigen in Politik und Wirtschaft stehlen sich aus der Affäre und werden von der Justiz auch noch freigesprochen. Das lassen die Toten nicht auf sich sitzen – sie erheben sich aus ihren Gräbern. Schließlich gibt es noch Gaby (Cecilia Cartasegna) und Hernan (Julián Larquier Tellarini), die sich beim Sex in einem Motelzimmer vergnügen. Plötzlich schreckt Gaby auf: Hat sie da nicht ganz kurz jemanden hinter dem Spiegel über dem Bett erblickt? Auch ein von zwei Kumpels verabredeter Tausch der Partnerinnen nimmt unverhoffte Wendungen.

Sex vor dem Spiegel kann unliebsame Überraschungen bergen …

Bei allen Defiziten, die „Terror 5“ aufgrund der Unerfahrenheit aller Beteiligten vor wie hinter der Kamera und des geringen Budgets zwangsläufig mit sich bringt, ist es doch erfrischend, mal eine etwas andere Bildsprache zu sehen zu bekommen als die übliche US-Horror-Visualisierung. Die Zombies in der Pfusch-am-Bau-Episode erinnern mit ihren hellblau leuchtenden Augen ein wenig an Aliens, fast hätte ich „White Walkers“ geschrieben – „Game of Thrones“ lässt grüßen (bis auf die Augen sehen sie aber ganz anders aus).

… oder Schönes – wenn man sich auf der anderen Seite befindet

Wie die Handlung zwischen den fünf Storys hin und her springt, wirkt nicht immer ausgefeilt und verwirrt gerade zu Anfang etwas; wenn man aber erst einmal alle Personen richtig zugeordnet hat, entfaltet der mit Humor angereicherte Horror seinen Charme, ein wenig Sozial- und Systemkritik inbegriffen. In der Qualität schwankt das auch etwas, pendelt sich aber definitiv ins Positive aus. Lasst euch nicht von dem billig zusammengeschusterten Covermotiv abschrecken! Ein bisschen scheinen den Rotsteins die Ideen ausgegangen zu sein – eine Länge von weniger als 80 Minuten ist für einen Episodenfilm fast schon zu kurz. Viel zu schnell ist das stimmungsvolle Ende mit einem schönen Bogen zum Gene-Simmons-Verschnitt auf dem Mofa erreicht. Wer Episoden-Horror goutieren kann und auch mal über den US-Tellerrand des Grauens schauen möchte, kommt auf seine Kosten.

Korrupte Politiker, nehmt euch in Acht!

Veröffentlichung: 26. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 78 Min. (Blu-ray), 75 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Spanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Terror 5
ARG 2016
Regie: Sebastian Rotstein, Federico Rotstein
Drehbuch: Nicolas Gueilburt, Sebastian Rotstein
Besetzung: Airas Alban, Augusto Alvarez, Nai Awada, Cecilia Cartasegna, Julián Larquier Tellarini
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Die Strafe kommt über euch

Fotos & Packshot: © 2017 Al!ve AG / donau film

 

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