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Schlagwort-Archive: Horrordrama

Horror für Halloween (XXIV): Das Grauen auf Black Torment – Hammer als großes Vorbild

The Black Torment

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Ende des 18. Jahrhunderts: Nach dreimonatiger Abstinenz kehrt Sir Richard Fordyke (John Turner) mit seiner zweiten Ehefrau Elizabeth (Heather Sears) auf den Familienlandsitz zurück. Befremdlich für den Adligen: Nicht nur von Dorfschmied Black John (Francis De Wolff), auch von den restlichen Bediensteten schlägt ihm Missgunst entgegen. Richards Vater (Joseph Tomelty), der nach einem Schlaganfall auf einen Rollstuhl angewiesen ist und sich nur per Zeichensprache unterhalten kann, sowie seine ehemalige Schwägerin Diane (Ann Lynn), deren Schwester Anne vor fünf Jahren Selbstmord beging, heißen das frisch vermählte Brautpaar hingegen herzlich willkommen. Hausverwalter Seymour (Peter Arne) klärt Richard darüber auf, warum die Leute ihm so ablehnend gegenüberstehen: Die Hirtentochter Lucy (Edina Ronay) wurde vor zwei Tagen im Wald von einem Fremden misshandelt und vergewaltigt – bevor sie starb rief sie noch Richards Namen. Nun denkt die Bevölkerung, dass Richard der Täter war, obwohl er in der Mordnacht mehrere hundert Meilen entfernt in London weilte.

Richard und Elizabeth treffen auf dem Landsitz der Fordykes ein

Richard will nicht, dass Elizabeth von dieser Geschichte erfährt – seine Gemahlin hat sich schnell in ihrem neuen Zuhause eingelebt. Doch lange kann er es nicht mehr geheim halten. Des Nachts erscheint immer wieder eine geisterhafte Frau in Weiß, die seiner ersten Gattin Anne ähnlich sieht. Als weitere Morde und mysteriöse Dinge rund um das Anwesen vorfallen, treiben die unerklärlichen Geschehnisse Richard langsam in den Wahnsinn.

Beste Gothic-Horror-Atmosphäre

Als Anfang der 1960er-Jahre die Hammer Studios mit ihren Gothic-Horror-Geschichten Erfolge feierten, stieg 1964 nicht nur Amicus mit „Die Todeskarten des Dr. Schreck“ in die Produktion von Horrorfilmen ein, auch Compton Films servierte im selben Jahr mit „Das Grauen auf Black Torment“ ein eigenes Schauerstück. Für das kleine britische Produktionsstudio, das unter anderem auch „Ekel“ (1965) sowie „Wenn Kattelbach kommt…“ (1966) von dem damals noch unbekannten Roman Polanski finanzierte und Alain Resnais’ „Letztes Jahr in Marienbad“ (1961) in die britischen Kinos brachte, war das Werk allerdings der einzige Ausflug ins Horrorgenre. Ich konnte zwar keine Zahlen finden, aber angeblich floppte der Film an den Kinokassen und auch die zeitgenössischen Kritiker sollen alles andere als begeistert gewesen sein.

Richard (l.) erfährt von Seymour, warum die Leute schlecht auf ihn zu sprechen sind

An mangelnder Qualität kann dies allerdings nicht gelegen haben: In seiner Inszenierung orientiert sich Regisseur Robert Hartford-Davis an den großen Hammer-Vorbildern – er fährt alles auf, was ein atmosphärischer Gothic-Horrorfilm haben muss: Ein historisches Setting, prächtige Kostüme, ein altes Anwesen, sinistre Gestalten, mörderische Hände und ein mysteriöses Treiben – eigentlich fehlen nur die wabernden Nebelschwaden. Auch einige der Darsteller sammelten bereits zuvor Erfahrung bei Hammer-Produktionen: Heather Sears spielte die weibliche Hauptrolle in „Das Rätsel der unheimlichen Maske“ (1962), Francis De Wolff war unter anderem als Dr. Mortimer in „Der Hund von Baskerville“ (1959) dabei und Raymond Huntley trat in „Die Rache der Pharaonen“ (1959) auf. Die restliche Besetzung besteht ebenfalls aus soliden Handwerkern, die ihre Rollen ordentlich ausfüllen. Zu nennen sei hier außer Hauptdarsteller John Turner auch Schauspielveteran Joseph Tomelty, bekannt aus John Hustons „Moby Dick“ (1956) und „Die letzte Nacht der Titanic“ (1958), der hier als im Rollstuhl sitzender Vater in seiner letzten Kinorolle zu sehen ist. Tomelty war übrigens der Schwiegervater von Sänger Sting, der in erster Ehe mit dessen Tochter Frances verheiratet war.

Mehr Mystery als Grusel

Für heutige Zuschauerinnen und Zuschauer ist die Auflösung leicht zu durchschauen, damals hat der finale Twist sicher durchaus überrascht. Der deutsche Verleih nahm diesen zum Anlass, um dem Film nach dem Prolog eine eigene Texttafel hinzuzufügen, die auch als Werbemittel diente, um das Publikum in die Kinos zu locken. Darin ist zu lesen: Die Produzenten haben eine strenge Regel aufgestellt und werden dieselbe erzwingen, gemäß welcher gar niemand das gar bedrohliche und dramatische Ende darf preisgeben. Sie haben auch verordnet, dass jedwede Person, so diese das Ende preisgibt, von der „Schwarzen Plage“ wird erfasst werden. Diese deutsche Titelsequenz ist im Bonusmaterial zu finden. Dazu sorgt ebenfalls der deutsche Filmtitel für Verwirrung: Warum lautet dieser „Das Grauen auf Black Torment“, wenn die ganze Geschichte doch den Landsitz Fordyke zum Schauplatz hat? Der Originaltitel „The Black Torment“ bedeutet im Deutschen „Die schwarze Qual“ oder „Die schwarze Plage“, die deutsche Titelschöpfung ist insofern sehr unsauber geraten. Dies erscheint umso kurioser, als im Titelvorspann ja eine korrekte Übersetzung als „Schwarze Plage“ vorgenommen wurde. Auch die damalige Synchronfassung kann sich nicht so wirklich entscheiden, ob sich das Ehepaar gegenseitig siezt oder duzt. Das wechselt je nach Laune. Das Ganze ist aber weniger störend als amüsant.

Mysteriöse Dinge gehen in dem alten Gemäuer vor

Ebenso weckt der Prolog ein paar falsche Erwartungen: Darin beobachten wir, wie Lucy schwer atmend durch den nächtlichen Wald rennt, schließlich von dem Fremden eingeholt wird, die schon erwähnten mörderischen Hände nähern sich ihrem Hals und ein lauter Schrei ertönt, bevor die Titeltafeln eingeblendet werden. So rasant geht es im weiteren Verlauf nicht weiter. Das Drehbuch der Brüder Derek und Donald Ford, welches sich offensichtlich auch an ein paar Motiven aus Alfred Hitchcocks „Rebecca“ (1940) beziehungsweise aus dessen gleichnamiger Romanvorlage von Daphne Du Maurier bedient, ist weniger ein Horrorreißer, wie der Beginn suggeriert, sondern mehr ein langsam sich aufbauender, gut konstruierter Mystery-Thriller mit ein paar Gruselelementen. Das Grauen entpuppt sich somit eher als ein laues Lüftchen. Wenn die Frau in Weiß auf einem Pferd dem verschreckten Richard durch die Wälder hinterherreitet und ihm immer wieder „Mörder! Mörder!“ hinterherruft, sorgt dies aber dennoch für ein klein wenig Gänsehaut.

Richard wird um den Schlaf gebracht

„Das Grauen auf Black Torment“ fehlt ein wenig die Eigenständigkeit, um sich von den überlegenen Produktionen aus den Hammer Studios abzuheben. Dennoch ist Regisseur Robert Hartford-Davis ein hübsch altmodisches und vor allem stimmungsvolles Werk gelungen.

Erst Horror, dann Korbstühle

Während Compton Films danach wie erwähnt keine Horrorfilme mehr drehte – und sich Ende der 1960er-Jahre auflöste –, wanderte Mitgründer Tony Tenser zu den Tigon British Film Productions ab und blieb dort dem Genre weiterhin treu: Als Produzent verantwortete er unter anderem „Im Banne des Dr. Monserrat“ (1967) mit Boris Karloff, „Der Hexenjäger“ (1968) mit Vincent Price und „Das Blutbiest“ (1968) mit Peter Cushing. Bei Pete Walkers „Frightmare“ (1974) war Tenser letztmals als Produzent tätig. Er verabschiedete sich anschließend aus dem Filmgeschäft und gründete ein Unternehmen in Lancashire, das Korbstühle herstellte.

Die Bediensteten vergnügen sich im Heu

Auch Regisseur Robert Hartford-Davis zeigte sich weiter horroraffin, arbeitete in „Die Bestie mit dem Skalpell“ (1968) ebenfalls mit Peter Cushing zusammen und drehte unter anderem 1972 den Blaxploitation-Kracher „Visum in die Hölle“ mit Jim Brown und Michael Landau.

Exklusives Bonusmaterial

„Das Grauen auf Black Torment“ erschien hierzulande erstmals 2008 auf DVD innerhalb der Reihe „Der phantastische Film“ von E-M-S. Nun präsentiert die Wicked Vision Distribution GmbH den Film im Mediabook innerhalb ihrer „Collector’s Series“ als deutsche HD-Premiere, abgetastet vom 35mm-Negativ. Für das exklusive Bonusmaterial ließ man sich nicht lumpen, holte Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann für einen gemeinsamen Audiokommentar vor das Mikro und konnte Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger für eine Videoeinführung in das „Gothic Cinema“ gewinnen. Außerdem gibt es eigenproduzierte Interviews mit den Darstellern Annette Whiteley und Roger Croucher, die schöne Anekdoten vom Dreh erzählen. Die drei auf jeweils 333 Exemplare limitierten Covervarianten des Mediabooks können im Übrigen im Online-Shop von Wicked Vision direkt geordert werden.

Die Filme der „Collector’s Series“ der Wicked-Vision Distribution GmbH haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 31. März 2020 als Limited 2-Disc Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, drei Covermotive à 333 Exemplare), 18. September 2008 als DVD

Länge: 86 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Black Torment
GB 1964
Regie: Robert Hartford-Davis
Drehbuch: Derek Ford, Donald Ford
Besetzung: Heather Sears, John Turner, Ann Lynn, Peter Arne, Norman Bird, Raymond Huntley, Francis De Wolff, Annette Whiteley, Joseph Tomelty, Edina Ronay, Roger Croucher
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar mit Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen und Dr. Gerd Naumann, Featurette: „Gothic Cinema: Eine Einführung von Filmwissenschaftler Prof. Dr. Marcus Stiglegger“, Featurette: „Return to Black Torment: Ein Interview mit Annette Whiteley und Roger Crouchet“, deutscher Kino-Vorspann, deutscher Kinotrailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Text von Dr. Rolf Giesen (deutsch/englisch)
Zusatzmaterial DVD: Bildergalerie, deutscher Kinotrailer, englische Titelsequenz, 8-seitiges Booklet, Schuber
Label/Vertrieb 2020: Wicked Vision Distribution GmbH
Label/Vertrieb 2008: E-M-S

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2020 Wicked Vision Distribution GmbH

 

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Horror für Halloween (XVIII): Miss Zombie – Die stumme Dienerin

Miss Zombie

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Pflegehinweise: Füttern Sie immer Früchte und Gemüse. Aber stellen Sie niemals Fleisch zur Verfügung. Denn ansonsten könnte es tödlich für Sie enden. Sollte es versuchen, Sie körperlich anzugreifen, zögern Sie nicht, es mit der beigelegten Waffe zu erschießen!

Nur für ein paar Tage soll die wohlhabende Familie Teramoto für einen Freund des Vaters (Tôru Tezuka) einen weiblichen Zombie (Ayaka Komatsu) bei sich aufnehmen. Die Lieferung der großen Holzkiste fällt in der Wohngegend natürlich auf und macht die Nachbarschaft nervös. Doch Herr Teramoto – ein angesehener Arzt – versichert: Es sei ein Zombie der „1. Stufe“, damit fast menschlich und völlig ungefährlich – sofern er kein Fleisch bekomme. Zur Not hätte er ja noch die Pistole. Fortan arbeitet Sara, wie der Zombie vor seiner Wandlung zur Untoten hieß, als billige Arbeitskraft für die Teramotos.

Von Frau Teramoto (Makoto Togashi) erhält die stumme Sara Kleidung und nach getaner Arbeit ihre Essensration. Nachdem der Zombie tagsüber auf den Knien den Steinboden vor dem Haus schrubbt, verbringt er die Nächte in einem Lagerraum. Auf dem abendlichen Weg dorthin wird Sara von gelangweilten Jugendlichen immer wieder malträtiert. Obwohl sie mit Steinen beworfen wird und auch mal ein Schraubenzieher in ihrer Schulter landet, wehrt sie sich nicht. Sie schlurft einfach weiter in ihr Quartier.

Ein Zombie wird vergewaltigt

Ähnlich verhält es sich, als Sara im Lagerraum von zwei Bauarbeitern vergewaltigt wird, die bei der Familie angestellt sind. Stumm erträgt sie die Pein. Auch Herr Teramoto wird sich später an der Untoten vergehen. Alles ändert sich, als der kleine Sohn (Riku Ohnishi) der Familie bei einem Unfall stirbt. Verzweifelt bittet Frau Teramoto den Zombie, den Jungen mit einem Biss ins Leben zurückzuholen.

Von Miike bis Scorsese

Obwohl der japanische Regisseur und Schauspieler Sabu, der mit bürgerlichen Namen Hiroyuki Tanaka heißt, schon seit Mitte der 1990er-Jahre aktiv ist, habe ich einen ersten Film von ihm erst auf der Berlinale 2017 gesehen. Mit der Geschichte des taiwanesischen Profikillers „Mr. Long“, der in einer japanischen Kleinstadt untertaucht und dort mit schmackhaften Köstlichkeiten die Bewohner glücklich macht, war Sabu im Wettbewerb vertreten. Seine frühen Werke „Postman Blues“ (1997) und „Unlucky Monkey – Des Wahnsinns fette Beute“ (1998) liegen aber immerhin als DVDs schon länger in meinem Regal – zu meiner Schande noch ungesehen. Seinen Künstlernamen übernahm Tanaka von der Figur, die er in seinem ersten Film, der Komödie „Sorobanzuku“ (1986), spielte. Auch in Takashi Miikes Kultfilm „Ichi the Killer“ (2001) war Tanak in einer Nebenrolle dabei, ebenso in einer kleinen Rolle als Samurai in Martin Scorseses Glaubensdrama „Silence“ (2016).

Empathie mit dem Monster

Die Geschichte von „Miss Zombie“ hätte mit kleinen Drehbuchänderungen auch ohne Horroranteil als Familiendrama bestens funktioniert – der Zombie als Hauptfigur erweitert sie um einige Facetten. Sabu erzählt das Horrordrama aus der Perspektive von Zombie Sara, da ist es verständlich, dass er zur Darstellung ihrer tristen Lebenswelt poetische Schwarz-Weiß-Bilder wählt. Nur im Finale wechselt das Geschehen kurz zu Farbe. Sara spricht zwar kein Wort, dennoch gelingt es Sabu, ihre Gedanken greifbar zu machen. In ihrem Nachtquartier findet sie ein Foto einer schwangeren Frau, dabei streicht sie sich selbst über den Bauch, den eine große Narbe ziert. Huscht hier eine Erinnerung an ihre Vergangenheit als Mensch durch ihren Kopf? In Rückblenden sehen wir, wie Sara mit ihrem Mann in einem Auto sitzt, dass von einer wilden Zombiehorde umzingelt ist. Wurde sie durch diesen Angriff zur Untoten? Da Sara sogar den Lagerraum mit Blumen schmückt und ihre Wunden fleißig mit Nadel und Faden flickt, fragt man sich bald zwangsläufig, wie viel Mensch doch noch in diesem Zombie der „1. Stufe“ steckt.

Der Zombie – zum Fürchten oder bemitleidenswert?

Wenn es nach der Familie, den Bauarbeitern oder den Jugendlichen geht, ist Sara allerdings schlicht ein Objekt, dem man Befehle erteilt, stupide Arbeiten gibt, ohne Konsequenzen ärgern und sexuell ausbeuten kann. Das sind teils schmerzhafte Bilder, die das Publikum serviert bekommt. Durch die persönlichen Einblicke und die Bilder der Unterdrückung und Ausbeutung, die Sara als Dienerin wortlos erträgt, empfindet das Publikum eine immer stärker werdende Empathie für das vermeintliche Monster. Gleichzeitig erhält das emotionale Horrordrama so auch einen gesellschaftskritischen Anstrich.

Nicht alle Zombies sind so friedlich …

Als Sara den Sohn ins Leben zurückholt, ändern sich jedoch die Verhältnisse und ihre Rolle: Der Junge sieht nun sie als Mutter an – plötzlich hat auch Sara Macht über die Familie, agiert fortan selbstbestimmter und wird langsam wieder zum Menschen.

Zombie mit Persönlichkeit

Sabu ist mit „Miss Zombie“ eine kleine Rarität gelungen: Im Gegensatz zu anderen klassischen Monsterfiguren, seien es etwa Vampire oder Werwölfe, ist es bei den ausdruckslos starrenden Zombies unüblich, dass sie Emotionen zeigen – außer wenn sie Fressen wittern. Wenn man an Bub aus „Zombie 2 – Das letzte Kapitel“ (1985) denkt, gibt es immer mal wieder charismatische Zombiefiguren mit Persönlichkeit in der Horrorfilmgeschichte. Aber es kommt selten vor, dass alles aus ihrer Sicht erzählt wird und das Publikum mit einem Zombie wie Sara voll und ganz mitfiebert. Ein wenig erinnert „Miss Zombie“ an „Maggie“ (2015) mit Arnold Schwarzenegger, der mit einer ähnlichen melancholischen Grundstimmung und einer ruhigen Erzählweise die umgekehrte Geschichte von der Zombifizierung eines Mädchens erzählt, bei der aber die Vater-Tochter-Beziehung und das Loslassen eines geliebten Menschen viel stärker im Fokus steht. Sabus „Miss Zombie“ geht inhaltlich den umgekehrten Weg, ist dem Schwarzenegger-Werk natürlich auch stilistisch weit überlegen und wesentlich schonungsloser erzählt.

… wie Sara

Horrorfans, die dem anspruchsvollen Asiakino nicht abgeneigt sind und auch auf überbordende Gewaltausbrüche verzichten können, sei „Miss Zombie“ wärmstens empfohlen. Ich freue mich jedenfalls über diese Entdeckung, bin bereit in Sabus Œuvre einzutauchen und zu sehen, was ich sonst noch von ihm bislang verpasst habe. Die mit einem Booklet von David Renske und einem Videovorwort von Prof. Dr. Marcus Stiglegger bestückte und auf 1.000 Exemplare limitierte 2-Disc Special Edition des Horrordramas kann im Übrigen im Online-Shop des Labels Wicked Vision Distribution GmbH direkt geordert werden.

Veröffentlichung: 13. April 2020 als 2-Disc Limited Special Edition (Blu-ray & DVD, limitiert auf 1.000 Stück)

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Miss Zombie
JAP 2013
Regie: Sabu
Drehbuch: Sabu
Besetzung: Makoto Togashi, Riku Ohnishi, Ayaka Komatsu, Tôru Tezuka, Tarô Suruga, Tateto Serizawa
Zusatzmaterial: 16-seitiges Booklet mit einem Essay von David Renske, Einführung von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, Originaltrailer, deutscher Trailer, Wendecover
Label/Vertrieb: Neue Donau Film e. K. / Wicked Vision Distribution GmbH

Copyright 2020 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Wicked Vision Distribution GmbH

 

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Das Geheimnis von Marrowbone – Die Geister der Vergangenheit

Marrowbone

Von Andreas Eckenfels

Horrordrama // Jedes Jahr verleiht das Fantasy Filmfest den „Fresh Blood“-Award, mit dem das Festival das beste Erstlingswerk würdigt. Da nicht die Veranstalter oder eine handverlesene Jury, sondern das Publikum darüber entscheidet, wer den Preis erhält, hat diese Auszeichnung durchaus Gewicht. Denn man muss ja nicht Kritiker begeistern, sondern den Geschmack der Zuschauer treffen. Kein einfaches Unterfangen. 2018 ging der Hauptpreis an die finnische Komödie „Heavy Trip“, auf Platz zwei landete der anarchische „Bomb City“, den dritten Rang belegte „Das Geheimnis von Marrowbone“, der nun seinen Weg in unsere Heimkinos sucht.

Flucht in die USA

Ende der 60er-Jahre: Rose (Nicola Harrison) flüchtet mit ihren vier Kindern Jack (George MacKay), Jane (Mia Goth), Billy (Charlie Heaton) und Sam (Matthew Stagg) von Großbritannien in die USA. In Marrowbone, dem Haus ihrer Kindheit, will sie einen Neustart wagen – sie hofft, dass ihr gewalttätiger Ehemann seine Familie dort niemals finden wird. Allerdings erkrankt Rose schwer, kurz vor ihrem Tod muss ihr ihr ältester Sohn Jack versprechen, dass er die Nachricht ihres Ablebens vor der Außenwelt geheimhalten wird. Sie fürchtet, dass die Kinder ansonsten voneinander getrennt werden. Sobald er in einigen Monaten 21 Jahre alt wird, soll Jack das Sorgerecht für seine Geschwister beantragen.

Die Geschwister kommen in ihrem neuen Zuhause an

So kommt es, dass die Geschwister sich meist nur noch in dem abgelegenen Anwesen aufhalten. Nur Jack geht hinaus in die Stadt, um Besorgungen zu machen oder seine Freundin Allie (Anya Taylor-Joy) zu treffen. Sie hatte die Familie bereits am Tag ihrer Ankunft kennengelernt. Doch Jack lässt auch sie nicht mehr ins Haus, aus Sorge, sie könne die Wahrheit über seine angeblich kranke Mutter und die dunkle Vergangenheit der Familie herausfinden. Für reichlich Ärger sorgt der neugierige Anwalt Porter (Kyle Soller), der ebenfalls ein Auge auf Allie geworfen hat und deswegen seinem Rivalen das Leben schwer macht. Doch nicht nur außerhalb, auch innerhalb von Marrowbone gehen seltsame Dinge vor. Langsam legt sich ein unheilvoller Schleier über das geheimnisvolle Anwesen.

Vom Autor von „Das Waisenhaus“

„Das Geheimnis von Marrowbone“ mag zwar das Regiedebüt von Sergio G. Sánchez darstellen, dennoch ist der Spanier kein Neuling im Filmgeschäft. Außer den Drehbüchern zu „Ende“ (2012) und „The Impossible – Nichts ist stärker als der Wille, zu überleben“ (2012) schrieb er ebenfalls das Skript zum schaurig-schönen „Das Waisenhaus“ (2007). Der damalige Regisseur J. A. Bayona („Jurassic Park – Das gefallene Königreich“) tauschte mit Sánchez sozusagen die Seiten und war bei dessen Erstling nun als ausführender Produzent tätig. Sicherlich trug auch seine filmische Expertise dazu bei, dass sich die angesagten Jungstars George MacKay („Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück“), Anya Taylor-Joy („Split“), Charlie Heaton („Stranger Things“) und Mia Goth („A Cure for Wellness“) für das Projekt gewinnen ließen. Aufgrund der internationalen Besetzung ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die spanische Produktion komplett in englischer Sprache gedreht wurde.

Während Jack in der Stadt heimlich Freundin Allie trifft …

Zwar bietet „Das Geheimnis von Marrowbone“ im Grunde nicht viel Innovatives, für einige Passagen ließen sich Referenzfilme aufzählen, aber es ist die meisterhafte Art und Weise, wie Sànchez seine Geschichte erzählt, die fasziniert. Sein Debüt strahlt eine einzigartige Mischung aus Melancholie und Unbehagen aus. Gleichzeitig fiebert man auch mit dem hervorragenden, zurückhaltend agierenden Darsteller-Ensemble unweigerlich mit – auch ohne Geistererscheinungen.

Die Geister der Vergangenheit

Wer einen ähnlichen Haunted-House-Grusler wie „Das Waisenhaus“ erwartet, der liegt zwar aufgrund der bedrückenden Atmosphäre, die das marode Anwesen ausstrahlt, nicht ganz falsch, dennoch halten sich die Gänsehautmomente bei „Das Geheimnis von Marrowbone“ im bescheidenen Rahmen. Das soll nicht negativ klingen, denn Sànchez hat gar nicht die Absicht, einen Horrorfilm mit Dämonen abzuliefern, wie es vielleicht der Trailer suggeriert. Wenn überhaupt, geht es ihm um die inneren Dämonen, die Geister der Vergangenheit, mit denen sich die Figuren auseinandersetzen müssen und welche sie niemals ruhen lassen.

… müssen Jane, Sam (v.) und Billy (r.) in dem maroden Anwesen verharren

Sein Werk, für welches er auch das Drehbuch schrieb, ist eher ein Familiendrama mit mysteriösen Untertönen, welches sich ausgiebig und sehr emotional mit den Auswirkungen von Trauer und Verlust beschäftigt. Dabei spielt natürlich die rätselhafte Vorgeschichte der Familie eine große Rolle, die Sànchez mithilfe von Zeitsprüngen innerhalb der Handlung lange im Unklaren lässt. Nur zaghaft entschlüsselt er dieses Geheimnis, bis die Geschichte mit einem traurigen Knalleffekt endet. Je nachdem, wie man diesen aufnimmt, wird man sich darüber ärgern oder „Das Geheimnis von Marrowbone“ ein weiteres Mal ergründen wollen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Anya Taylor-Joy haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Langsam liegen die Nerven im Haus blank

Veröffentlichung: 26. Oktober 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Marrowbone
SP/USA 2017
Regie: Sergio G. Sánchez
Drehbuch: Sergio G. Sánchez
Besetzung: George MacKay, Anya Taylor-Joy, Charlie Heaton, Mia Goth, Matthew Stagg, Nicola Harrison, Kyle Soller
Zusatzmaterial: Trailer, Trailershow
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2018 Universum Film

 

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