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Wolf Creek – Staffel 1: Tod im Outback

Wolf Creek – The Complete First Season

Von Volker Schönenberger

Horrorserie // „Wolf Creek“ etablierte 2005 mit dem sprücheklopfenden Naturburschen Mick Taylor (John Jarratt) einen Serienkiller, der das australische Outback erbarmungslos zur Todesfalle machte und Torture-Porn- wie Slasher-Fans in Verzückung versetzte. Die ebenso grimmige Fortsetzung „Wolf Creek 2“ hielt 2013 das hohe Metzel-Niveau des Vorgängers. Obwohl man glauben mochte, das Setting ließe sich nicht aufs Serienformat übertragen, geschah drei Jahre später genau das: „Wolf Creek“ reihte sich in den seit einigen Jahren grassierenden Trend ein, aus Kinofilmen Fernsehserien zu machen – und das auch noch auf gelungene Weise.

Mick Taylor als Retter in der Not

Zu Beginn erweist sich der auch in der Serie von John Jarratt verkörperte Mick Taylor für die US-Touristenfamilie Thorogood als Lebensretter: Der minderjährige Sohn Ross (Cameron Caulfield) hat sich mit seiner Luftmatratze auf ein Gewässer gewagt. Offenbar waren die Thorogoods so fahrlässig, sich vor ihrem Trip nicht über die Gefahren durch Wildtiere zu informieren – in diesem Fall Krokodile. Mit einem gezielten Schuss in den Kopf des hungrigen Reptils bewahrt Taylor den leichtsinnigen Knirps davor, von dem Krokodil zerrissen zu werden. Anschließend sitzt die Familie mit dem Retter gemütlich am Lagerfeuer. Was folgt, können sich Kenner der beiden Filme genüsslich vorstellen – jedenfalls nichts Angenehmes für die Thorogoods.

Mick Taylor sucht wieder nach Opfern

Horror-Franchises sind ein zweischneidiges Schwert: Oft walzen sie das bewährte Konzept auf wenig originelle Weise aus, gern auch bei sinkendem Niveau von Story und Inszenierung. Auf der Habenseite all dieser Fortsetzungen steht bewährte Unterhaltung – die Genrefans wissen, was sie bekommen. Dieser Pluspunkt lässt sich auch für „Wolf Creek“ konstatieren, und zu allem Überfluss hält die Serie mit den Kinovorgängern problemlos mit. Das liegt nicht zuletzt an Greg McLean („Das Belko Experiment“), der die beiden Filme schrieb und inszenierte – der Australier zeichnet auch als Ko-Autor der sechs Serienepisoden verantwortlich und setzte sich bei einer Folge auf den Regiestuhl. Übrigens: McLeans Kroko-Schocker „Rogue – Im falschen Revier“ von 2007 gehört zu den Highlights des Tierhorrors.

Jagd auf den Serienkiller

Die Handlung der ersten „Wolf Creek“-Staffel fokussiert im Anschluss an den so blutigen wie gnadenlosen Auftakt auf die 19-jährige Eve Thorogood (Lucy Fry), die Mick Taylor mit einer 22er-Kugel im Leib entrinnen kann – er glaubt, sie werde als Krokodilfutter enden. Sie erwacht im Krankenhaus und begibt sich kaum genesen auf die Jagd nach dem Jäger, der sein mörderisches Treiben fortsetzt und vorerst noch nichts davon ahnt, dass er nun der Gejagte ist. Im Verlauf kreuzen rüde Biker, Provinzler und andere Gesellen Eves Weg. Das wachsende Ensemble dient natürlich der Streckung der Handlung auf Seriengröße, ist aber durchdacht genug ersonnen, um die Spannung und das Interesse des Publikums aufrechtzuerhalten. Die Entscheidung für eine kurze Staffel mit lediglich sechs Folgen ist aber auf jeden Fall positiv zu werten.

Eve will den Spieß umdrehen

Gleißende Sonne, flirrende Luft, schroffes Geröll, Schlangen, robuste Flora – Greg McLean mag das Outback seiner Heimat, was man den wunderbaren Bildern des australischen Hinterlands jederzeit ansieht. So weit die Landschaft ist, so dicht und tief sind die Abgründe des Schreckens, in die sich immer wieder ahnungslose Touristen verirren, um in Mick Taylors schmutzige Fänge zu geraten. „Wolf Creek – Staffel 1“ ist angetan, die Zuschauer aufzusaugen. Der Härtegrad ist nicht von schlechten Eltern, dennoch hat auch hierzulande die Uncut-Fassung die FSK ohne Schnittauflagen passiert.

Fortsetzung folgt

Die „Wolf Creek“-Serie wurde erstmals auf einem australischen Pay-TV-Streamingdienst ausgestrahlt, im Dezember 2017 lief dort bereits die zweite Staffel, die bei uns noch nicht angekündigt ist. Darin macht sich Mick Taylor über eine ganze Busladung voller Touristen her, was einen hohen Body Count verspricht. Greg McLean hat auch bereits einen dritten „Wolf Creek“-Kinofilm angekündigt. Die beiden Filme und auch die erste Staffel haben die Messlatte des Franchises recht hoch gehängt, aber McLeans Beteiligung gibt Hoffnung, dass er seine eigenen Maßstäbe einhält. Wer die beiden Filme mag, kann jedenfalls bei „Wolf Creek – Staffel 1“ bedenkenlos zugreifen. Ein Backwoods-Slasher auf Serienlänge – Experiment geglückt.

Leichter gesagt als getan

Die Episoden der ersten Staffel:

1. Billabong (FSK 16)
2. Kutyukutyu (FSK 12)
3. Salt Lake (FSK 16)
4. Opalville (FSK 16)
5. Rome (FSK 16)
6. Wolf Creek (FSK 18)

Veröffentlichung: 25. Mai 2018 als 2-Disc Edition Blu-ray und 2-Disc Edition DVD

Länge: 295 Min.
Altersfreigabe: FSK 18 (einzelne Folgen siehe oben)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Wolf Creek – The Complete First Season
AUS 2016
Regie: Tony Tilse (Episoden 1 bis 5), Greg McLean (Episode 6)
Drehbuch: Peter Gawler, Greg McLean, Felicity Packard
Besetzung: John Jarratt, Lucy Fry, Matt Levett, Dustin Clare, Cameron Caulfield, Maya Stange, Robert Taylor, Andy McPhee, Damian de Montemas, Jessoca Tovey, Eddie Baroo
Zusatzmaterial: Cinemas to Series, Making a Series, Stars, Locations, Visual Effects, Cast, Trailershow
Label/Vertrieb: polyband Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 polyband Medien GmbH

 

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Outcast – Season One: Dämonen statt Zombies

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Outcast

Von Andreas Eckenfels

Horrorserie // Trotz des Erfolgs seiner Zombie-Saga ruht sich „The Walking Dead“-Schöpfer Robert Kirkman nicht auf seinen Lorbeeren aus: Neben zahlreichen anderen Projekten schuf er 2014 zusammen mit Zeichner Paul Azaceta die Graphic-Novel-Reihe „Outcast“, die hierzulande der Verlag Cross Cult veröffentlicht hat. Noch bevor der erste Band in den Läden stand, sicherte sich der US-Sender Cinemax die Rechte für eine Serienadaption. Die Erstausstrahlung erfolgte im Sommer 2016; in Deutschland wurden die zehn Folgen der ersten Staffel kurz nach US-Start auf dem Pay-TV-Sender Fox gezeigt. Seine Free-TV-Premiere feiert „Outcast“ am 31. Januar 2017 auf ZDFneo.

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Im Haus des besessenen Joshua erwartet Kyle das Grauen

Schon seit seiner Kindheit wird Kyle Barnes (Patrick Fugit) von Dämonen geplagt. Da dadurch auch immer wieder seine Nächsten in Gefahr geraten, lebt er inzwischen zurückgezogen in seinem Elternhaus im Örtchen Rome im US-Bundesstaat West Virginia. Zuvor war nach einem Gewaltausbruch auch die Ehe mit Allison (Kate Lyn Sheil) in die Brüche gegangen. Seine Tochter Amber (Madeleine McGraw) sieht er seitdem nur noch selten. So kümmert sich lediglich seine Adoptivschwester Megan (Wrenn Schmidt) um den Einzelgänger. Als er Reverend Anderson (Philip Glenister) über den Weg läuft, berichtet ihm der Kleinstadt-Priester von dem kleinen Joshua (Gabriel Bateman), der von einem Dämon besessen scheint. Da der Junge ähnliche Symptome wie Kyles Mutter (Julia Crockett) aufweist, die ihn in der Vergangenheit misshandelte und inzwischen in einem Pflegeheim vor sich hinvegetiert, beschließt Kyle, ihm mit seinen speziellen Fähigkeiten zu helfen.

Es stellt sich heraus, dass Joshua nicht der einzige Einwohner von Rome ist, in dem eine dunkle Seite schlummert. Kyle und Reverend Anderson wollen dem Übel gemeinsam auf den Grund gehen.

Subtile Besessenheit

Anders als in „The Walking Dead“ bekommen es die Zuschauer in „Outcast“ nicht mit leibhaftigen Zombies zu tun, sondern mit einem unsichtbaren, übernatürlichen Grauen. Doch diese Szenen zwischen Teufelsaustreibungen und Besessenheit, die immer wieder den Frieden einer stark gläubigen Gemeinde stören, sorgen für mindestens genau so viel Angst und Schrecken wie die blutgierigen Untoten. Denn die extrem ruhige Erzählweise wird immer wieder von kurzen Schockmomenten unterbrochen, die besonders in der Pilotfolge an die Nieren gehen: Da sich Kyle gegen den dämonischen Joshua nicht anders zu helfen weiß, prügelt er mit den blanken Fäusten auf das Gesicht des Jungen ein.

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Kyle und Reverend Anderson machen sich an die Arbeit

So hart geht es im weiteren Verlauf nicht immer zur Sache. Auch macht es sich „Outcast“ glücklicherweise nicht so einfach, in jeder Folge aufs Neue einen „Exorzismus der Woche“ zu präsentieren. Kirkman verzichtet bewusst darauf, häufig schlecht kopierte Motive aus „Der Exorzist“ zu verwenden. Er entfaltet stattdessen seine Erzählung auf subtile Art und Weise und lässt sich viel Zeit, die Vergangenheit seiner Figuren zu beleuchten. Hier liegt wie so oft der wahre Horror begraben. Spätestens, wenn Brent „Data“ Spiner als undurchsichtiger Sydney auftaucht, der die Einwohner Romes irgendwie unter seiner Kontrolle zu haben scheint, bekommt das mysteriöse Treiben eine neue Dimension. Dabei fühlt man sich durchaus an den Stephen-King-Roman „Needful Things – In einer kleinen Stadt“ erinnert.

Horrorexperten unter sich

Neben Kirkman waren hinter den Kulissen andere Horrorexperten am Werk, die wissen, wie man das Publikum fesselt: „Blair Witch“-Regisseur Adam Wingard inszenierte die Pilotfolge, Loni Peristere drehte zuvor unter anderem fünf Episoden von „American Horror Story“, für die auch Howard Deutch neben „The Strain“ für einzelne Episoden tätig war.

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Rome gedenkt den Opfern eines Grubenunglücks, welches die Kleinstadt wenige Jahre zuvor erschütterte

„Outcast“ ist keine Hochglanzproduktion, alles ist gewollt dreckig inszeniert, eine trostlose Atmosphäre zieht sich durch jede einzelne Folge. Die Sonne scheint in Rome nur selten, es gibt keine leichten Momente und nur wenige Actionszenen, die die angespannte Stimmung kurzzeitig unterbrechen. Patrick Fugit („Gone Girl – Das perfekte Opfer“) gibt der Verzweiflung von Kyle ein glaubhaftes Gesicht. Ebenso überzeugt Philip Glenister („Life on Mars“) als Priester, der mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen hat. Wie alle Bewohner von Rome versprühen sie nur wenig Hoffnung und Lebensfreude – sogar noch weniger als Rick und Kollegen aus „The Walking Dead“. Da fällt es schwer, gleich im Anschluss die nächste triste Folge einzuschalten, auch wenn die Spannung groß ist.

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Die Einwohner verhalten sich zunehmend aggressiv

Wie Kirkmans Comicreihe steht auch die TV-Serie erst am Anfang: Er wolle mit „Outcast“ eine große, epische Geschichte erzählen, so der Autor. In der bereits bestätigten zweiten Staffel wird sich zeigen, welche Wege er Kyle und Reverend Anderson weiter beschreiten lässt.

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Kyles Tochter Amber ist in Gefahr

Veröffentlichung: 15. Dezember 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: ca. 480 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch u.a.
Originaltitel: Outcast
USA 2016
Regie: Howard Deutch, Loni Peristere, Adam Wingard u.a.
Drehbuch: Chris Black, Robert Kirkman, Adam Targum u.a.
Besetzung: Patrick Fugit, Philip Glenister, Wrenn Schmidt, David Denman, Brent Spiner, Reg E. Cathey, Melinda McGraw, Pete Burris
Zusatzmaterial: Entfallene Szenen, Die Ursprünge der Geschichte, Über „Outcast“, Rome – Eine Stadt in West Virginia, Animierter Comic, Einblicke in die Episoden
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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