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Ich – einfach unverbesserlich 3: Von Einhörnern, Zwillingsbrüdern und den 80er-Jahren

Despicable Me 3

Kinostart: 6. Juli 2017

Von Anja Rohde

Computertrick-Abenteuer // „Das ist so eine Art Monster!“ – „Nein, das ist kein Monster. Das ist ein Mann mit Schulterpolstern!“ Unverkennbar Superschurke Balthazar Bratt, der sowohl geistig als auch optisch in den 80er-Jahren zurückgeblieben ist. Kein Wunder, hatte er damals doch seine eigene Fernsehserie als kindlicher Schurke „Evil Bratt“. Dass diese aufgrund seiner Pubertät abgesetzt wurde, hat er Hollywood nie verziehen, und mithilfe von Clive, dem Roboter, und Accessoires aus den Achtzigern, wie zum Beispiel einem Zauberwürfel, der in all seinen Farben explodiert, sinnt er auf Rache.

Balthazar Bratt und Roboter Clive im Einsatz

Wer kann diesen Verbrecher stoppen? Natürlich Gru und Lucy, das Agenten-Traumpaar der Anti-Schurken-Liga. Als ihnen das jedoch trotz formidabler Tricks nicht gelingt, statuiert die neue Chefin der Liga ein Exempel und feuert die beiden. Grus folgende Sinnkrise wird auch dadurch nicht besser, dass seine selbstlose kleine Tochter Agnes ihr Lieblings-Plüscheinhorn auf dem Flohmarkt verkauft, um die Familienkasse aufzubessern.

Gru in der Lebenskrise

Just in diese schwierige Phase platzt die Nachricht über Grus bislang unbekannten Zwillingsbruder Dru. Beim Besuch in Drus Domizil in Freedonia stellt sich heraus, dass die Brüder einander zwar ähnlich sehen (bis auf die wallende blonde Mähne Drus), aber grundverschiedene Charaktere haben: Im Gegensatz zu Gru ist Dru ein ständig lachender, sonniger Geselle, der vor Charme nur so sprüht – und reich ist er auch. Schön, dass Dru natürlich weiße Kleidung trägt, im Gegensatz zu Grus nur durch einen Streifenschal etwas aufgepepptes Schwarz. Und höchst erquicklich, dass in einer Szene die beiden dann so verkeilt ineinander rollen, dass das Yin-Yang-Symbol entsteht.

Die Minions wünschen sich Superschurke Gru zurück

Hatten wir in Teil 1 von „Ich – einfach unverbesserlich“ beobachtet, wie Gru vom Superschurken zum Superpapa wird und in Teil 2, wie er seine Arbeit in der Anti-Schurken-Liga aufnimmt und sich dort in die Agentin Lucy verliebt, erleben wir Gru nun hin und her gerissen zwischen seinem alten und seinem neuen Leben, zwischen Freude über den überraschenden Familienzuwachs und Geschwisterrivalität.

Liebenswerte Protagonisten, lang anhaltende Ohrwürmer

Die neuen Hauptfiguren sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Nicht nur der familiäre Gegenpol zu Gru, sein neuer Bruder, sondern auch der neue Superschurke Bratt (im Original gesprochen von South-Park-Macher Trey Parker, im Deutschen nicht minder genial von Circus-HalliGalli-Mann Joko Winterscheidt) ist eine Augenweide. Die Frisur eine Mischung aus Desireless und Vokuhila (aber natürlich mit einer kahlen Stelle am Hinterkopf, wie es Männern, die in den 80ern Teenager waren, nun mal passieren kann), die Bewegung ein ständiger Moonwalk, das Umhänge-Keyboard als Waffe umfunktioniert.

Grus Mutter bestätigt, dass es einen Zwillingsbruder gibt …

Apropos Musik: Der Klangteppich aus Kompositionen Heitor Pereiras und Songs von Pharrell Williams, die auch schon in den vorhergehenden Filmen zusammengearbeitet haben, untermalt die Szenen nicht nur, sondern ist existenzieller Bestandteil der Erzählung. Viel von der guten Laune, die das Publikum bei diesem Film mit nach Hause nimmt, lässt sich auf die Musik zurückführen – natürlich auch, weil eine ordentliche Portion 80er-Jahre-Hits bei einem Superschurken wie Bratt nicht fehlen darf, der zu den Klängen von Michael Jacksons „Bad“ („Gangstermucke!“) seinen Angriff startet und sich zu Van Halens „Jump“ mit Gru duelliert.

Witzige Nebenschauplätze

Auch wenn einem der Minions-Overkill ziemlich auf den Geist geht, der zum Filmstart wieder die Merchandising-Regale nicht nur von Spielzeugläden, sondern auch Discount-Supermärkten füllt: Cool sind sie ja doch! Da sich ein Großteil der Minions (die übrigens alle von Regisseur Pierre Coffin gesprochen werden!) von Gru losgesagt hat, weil dieser nicht zum Schurkendasein zurückkehren will, bekommen sie ihre eigene Nebenhandlung, die sie unter anderem in ein Hollywood-Studio führt, in dem gerade ein Gesangswettbewerb stattfindet – „Sing“ (2016) wurde ebenfalls von „Illumination“ produziert – und wo sie die Bühne rocken. Aber keine Angst, die Minions und Gru finden wieder zusammen. Und die Erinnerungen an die gemeinsamen Momente mit Gru, die den abtrünnigen Minion Mel beim Anblick eines Kartoffelpürees in Form von Grus Gesicht ereilen, gehören zu den romantischsten der Filmgeschichte!

… der sich als blonder Sonnenschein entpuppt

In einer weiteren Nebenhandlung erfährt die hinreißende Agnes, Grus jüngste Tochter, von einem Kneipenwirt, dass im nahen Wald echte Einhörner leben sollen, er habe schon mal eins gesehen. („Und, war es flauschig?“ – „Es war so flauschig, dass ich dachte, ich werd‘ wahnsinnig!“) Natürlich will sich Agnes sofort auf den Weg machen. Und das Publikum leidet mit Papa Gru, der es nicht übers Herz bringt, ihr zu sagen, dass es Einhörner vielleicht gar nicht gibt. (In einer Welt, in der Minions existieren! Aber das fällt einem erst viel später auf.)

Gru und Dru probieren Vaters Spielzeug aus

Zauberhafte Figuren, humorvolle Anspielungen, die man vor allem versteht, wenn man die 80er-Jahre selbst mitgemacht hat, und eine durchgängig gelungene Produktion machen aus „Ich – einfach unverbesserlich 3“ ein kurzweiliges Kinovergnügen. Oder, um es mit Grus Worten zu sagen: „Ziemlich nette Sache, das!“

Wechselt Gru nun doch wieder die Seiten?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kristen Wiig haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Steve Coogan unter Schauspieler.

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Despicable Me 3
USA 2017
Regie: Pierre Coffin, Kyle Balda
Drehbuch: Cinco Paul, Ken Daurio
Originalsprecher: Steve Carell, Kristen Wiig, Trey Parker, Miranda Cosgrove, Dana Gaier, Nev Scharrel, Steve Coogan, Julie Andrews, Jenny Slate, Andy Nyman
Deutsche Sprecher: Oliver Rohrbeck, Martina Hill, Joko Winterscheidt, Friedel Morgenstern, Zalina Sanchez Decke, Hannah Kunze, Marco Rima, Kerstin Sanders-Dronseif, Lilian Klebow, Julien Barn
Verleih: Universal Pictures International Germany GmbH

Copyright 2017 by Anja Rohde

Die Minions auf der Flucht

Filmplakate & Szenenbilder: © 2017 Illumination und Universal Pictures

 

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Minions – Durch die Evolution zum schlimmsten Schurken

Minions-Plakat

Minions

Kinostart: 2. Juli 2015

Computertrick-Abenteuer // Die Minions existieren schon seit den Zeiten der Ursuppe – bei diesem Einstieg ist klar, dass es sich um ein Prequel zu „Ich – Einfach unverbesserlich“ handeln muss. Stets auf der Suche nach dem miesesten Finsterling, um diesem unterwürfig zu dienen, überleben die kleinen gelben Wesen über die Jahrmillionen etliche Bösewichte – den einen oder anderen befördern sie versehentlich gar selbst ins Jenseits. Ein Tyrannosaurus und ein Vampir könnten ein Lied davon singen, wenn sie denn noch singen könnten, um nur zwei zu nennen.

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Die Minions gehen an Land

Irgendwann zieht sich das gesamte Volk in eine Eishöhle zurück. Dort harren die Minions aus, bis ihnen vor Langeweile die Decke auf den Kopf fällt und allgemeine Depression um sich greift. Also ziehen Kevin, Stuart und Bob aus, nun endlich den schlimmsten Schurken zu finden. Im Jahr 1968 – oder auch 42 vor Gru – landet das Trio in New York City. Von dort geht es nach Orlando, denn dort findet alsbald die „Villain Con“ statt, eine Versammlung der allerschlimmsten Schurken. Bei der „Villain Con“ treffen die drei Minions auf die perfide Scarlett Overkill, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Thron der Superschurken zu erklimmen.

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Mit dem Boot nach New York City

Der Anfang ist sensationell. Das evolutionäre Bösewicht-Hopping von der Zeit der Einzeller bis in die Moderne sprüht vor Ideen und schreit geradezu nach einer Langfassung oder nicht verwendeten Szenen voller neuer Figuren für die Heimkino-Auswertung. Das hätte Gesicht. Wenn der Film mit dem Trip des Minion-Trios zur „Villain Con“ Fahrt aufnimmt, wird die Story allerdings etwas überladen. Wie in „Ich – einfach unverbesserlich 2“ gibt es auch diesmal Action wie bei James Bond. Das ist schön anzuschauen, dürfte inhaltlich wie visuell kleine Besucher aber etwas überfordern. Meine siebenjährigen Töchter jedenfalls waren diesmal nicht ganz so begeistert.

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Per Anhalter zur „Villain Con“

Die in der Originalfassung von Sandra Bullock gesprochene Scarlett Overkill ist eine attraktive Schurkin, aber so recht durchdacht wirken sie und ihr Ehemann Herb nicht. Er ist übrigens Erfinder und trägt einige nette Gadgets bei, die den finsteren Absichten seiner Gemahlin dienen. Natürlich machen die Minions Spaß. Weshalb genau wollen sie eigentlich einem Superverbrecher dienen? Egal – wir haben sie sowieso ins Herz geschlossen.

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Scarlett Overkill will die Welt erobern

Was genau fehlte mir eigentlich an „Minions“, und was genau war zu viel? Ich kann es nicht exakt benennen, und das ist vielleicht das Problem des Films: Er ist nicht recht greifbar, für meine Töchter nicht und für mich offenbar auch nicht. Macht euch nun keine Sorgen drum. Wer die wuseligen Minions mag, kann unbesorgt das Kinoticket kaufen, ob zweidimensional oder in 3D (stört nicht).

„Ich – Einfach unverbesserlich 3“ ist für den Sommer 2017 angekündigt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sandra Bullock haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Steve Coogan und Michael Keaton unter Schauspieler.

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Gewusel

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Minions
USA 2015
Regie: Kyle Balda, Pierre Coffin
Drehbuch: Bryan Lynch
Originalsprecher: Sandra Bullock, Jon Hamm, Michael Keaton, Allison Janney, Steve Coogan, Katy Mixon
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenbilder & Trailer: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2015/07/01 in Film, Kino, Rezensionen

 

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