RSS

Schlagwort-Archive: Imogen Poots

Green Room – Garstiges Naziterror-Kino

Green_Room-Plakat

Green Room

Kinostart: 2. Juni 2016

Von Simon Kyprianou

Horrorthriller // Die mäßig erfolgreiche Punkband „Ain’t Rights“ (unter anderem: Anton Yelchin, Alia Shawkat) ist auf Tour, pleite und immer auf der Suche nach einem bezahlten Gig, um über die Runden zu kommen. Durch Zufall wird ihnen einen Auftritt in einem ländlichen Laden vermittelt. Schnell merkt die Gruppe, dass es dort vor Neonazis wimmelt – und entscheidet sich, als ersten Song den Dead-Kennedys-Klassiker „Nazi Punks Fuck Off“ zu spielen. Das kommt eher mittelgut an. Nach dem Gig wird die Band durch einen unglücklichen Zufall Zeuge eines Mordes der Neonazis. Als Zeugen müssen sie nun beseitigt werden. Dieses Problems nimmt sich der Besitzer des Ladens an: Darcy (herrlich fies: Patrick Stewart) geht es um die große Sache, er hat eine knallharte Nazi-Organisation hinter sich, inklusive Kursen in Rassenhygiene, und ist nicht gewillt, die Punks entkommen zu lassen. Die haben sich mittlerweile mit Amber (Imogen Poots), einer Freundin der Ermordeten, im „Green Room“ verbarrikadiert.

Green_Room-01

Auf Tour und abgebrannt: „Ain’t Rights“

Zum Heimkino-Start des hervorragenden „Lethal Warrior“ hat Rajko Burchardt kürzlich auf Moviepilot einen sehr lesenswerten Text über Gewalt im Action-Kino als Folge gescheiterter Kommunikation verfasst und wie „Lethal Warrior“ jenes Scheitern der Kommunikation reflektiert, das in Gewalt als ultima ratio mündet. Jeremy Saulniers „Green Room“ geht ähnliche Wege: Da sich die Punks einen Großteil des Films über im titelgebenden Green Room verbarrikadiert haben, verläuft die Kommunikation mit den Nazis durch die verschlossene Tür. Die Nazis haben natürlich ohnehin Böses im Sinn, wollen die Punks allerdings in Sicherheit wiegen, aus dem Raum locken, um sie dann möglichst leicht beiseitezuschaffen.

Green_Room-03

„Nazi Punks Fuck Off“ ist keine ungefährliche Titelwahl, wenn man von Nazis umringt ist

Versucht die junge Gruppe von Musikern anfangs noch alles, um die Situation im Gespräch zu bereinigen, so wird mehr und mehr deutlich, dass Kommunikation mit der anderen Seite nicht möglich ist, ja mehr noch, dass die andere Seite die Kommunikation nutzen will, um der Punks habhaft zu werden. Die Kommunikation scheitert und weicht einem Vorstoß der Punker, die schließlich verzweifelt im Angriff ihre Verteidigung suchen.

Green_Room-06

Die Band nistet sich im „Green Room“ ein …

„Green Room“ ist bitteres und bedrückendes Terrorkino. Aber es ist auch ein zärtlicher Film, der von Jugendlichen handelt, ihren Unsicherheiten, ihrer bedingungslosen Liebe zur Musik und ihren „Einsame-Insel-Bands“. Saulnier rückt seinen Film in die Nähe von Ti West („The Innkeepers – Hotel des Schreckens“) und Adam Wingard („You’re Next“, „The Guest“), zwei künstlerisch und freundschaftlich miteinander verbundene Regisseure, die hochinteressantes Genrekino liefern – West hat „Green Room“ dann auch bei Twitter empfohlen.

Green_Room-08

… und geht dann zum Angriff über

Es ist ein sehr Genre-bewusstes Kino, das seine Genreanleihen lebt (im Falle von Wests klassizistischem Kino auch wiederbelebt) und nicht etwa nur ausstellt oder postmoderne Spielchen treibt. Nein, „Green Room“ ist garstiges, hervorragendes Terrorkino, das erfreulicherweise einen ungekürzten deutschen Kinostart bekommen hat. Den sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Green_Room-05

Rädelsführer: Darcy will die Zeugen mit allen Mitteln töten

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Patrick Stewart und/oder Anton Yelchin sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 95 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: Green Room
USA 2015
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Besetzung: Anton Yelchin, Imogen Poots, Patrick Stewart, Alia Shawkat, Callum Turner, Kasey Brown, Eric Edelstein
Verleih: Universum Film / 24 Bilder

Copyright 2016 by Simon Kyprianou
Filmplakat & Fotos: © 2016 Universum Film / 24 Bilder

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

A Long Way Down – Leichtfüßiges über Suizid

A_Long_Way_Down-Cover

A Long Way Down

Von Volker Schönenberger

Tragikomödie // „A Long Way Down“ – ein weiter Weg nach unten ist’s vom Dach des Londoner Hochhauses, auf dem in einer Silvesternacht vier ungleiche Figuren zufällig aufeinandertreffen. Sie alle wollen hinunterspringen und so ihrem Leben ein Ende setzen.

Runter kommen sie alle

Ein weiter Weg nach unten war es für die vier aber im übertragenen Sinne womöglich nicht. Der ehemalige TV-Moderator Martin Sharp (Pierce Brosnan) hat Familie und Karriere über einen Sexskandal mit einer Minderjährigen verloren. Maureen (Toni Collette) ist ihres Lebens als alleinerziehende Mutter eines Schwerbehinderten überdrüssig. Auch die 18-jährige Politikertochter Jess (Imogen Poots) und der Pizza-Lieferant JJ (Aaron Paul) haben keine Freude mehr am Leben.

Ihr ungewöhnliches Aufeinandertreffen bringt alle vier Todeskandidaten etwas zum Nachdenken. Und so schließen die Lebensmüden einen Pakt, sich bis zum Valentinstag nicht umzubringen. Gut sechs Wochen Zeit, gemeinsam zur Besinnung zu kommen und sich vielleicht doch nicht zu entleiben? Man beobachtet einander, schaut, ob es den anderen gut geht. Dann erfahren die Medien von dem Pakt.

A_Long_Way_Down-3

Ein Pakt schweißt die vier zusammen

Nick Hornbys Roman adäquat umgesetzt

Regisseur Pascal Chaumeil („Der Auftragslover“) gelingt es, die Leichtfüßigkeit der Romanvorlage von Nick Hornby („Fever Pitch“) auf Film zu bannen. Vielleicht ist es gut, das Thema Suizid etwas ohne die ihm innewohnende Schwere darzustellen. Da es ein englischer Film ist, sind ein paar schwarzhumorige Elemente selbstverständlich. Der Humor ist allerdings weder brachial noch zynisch, sondern sanft und zurückhaltend.

Die schauspielerischen Leistungen sind ansprechend. Pierce Brosnan hat einige sehr schöne komödiantische Momente. Toni Collette ist sowieso toll, ihre Zerrissenheit als liebende und leidende Mutter wird überdeutlich. Auch „Breaking Bad“-Star Aaron Paul gefällt, und Imogen Poots („Drecksau“) beweist einmal mehr, dass sie auf dem Weg nach oben ist. Dem Vernehmen nach hatte Aaron Paul ihre Leistung beim Dreh von „A Long Way Down“ so gefallen, dass er sie überredete, in „Need for Speed“ mitzuspielen.

Ein Wohlfühlfilm

Trotz der düsteren Ausgangsthematik ist „A Long Way Down“ so lebensbejahend, dass er durchaus als Wohlfühlfilm bezeichnet werden kann. Es ist kein großer Film, aber eine kleine, feine Tragikomödie voll Melancholie und Wärme.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Toni Collette haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Pierce Brosnan unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. September 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: A Long Way Down
GB/D 2014
Regie: Pascal Chaumeil
Drehbuch: Jack Thorne, nach einem Roman von Nick Hornby
Besetzung: Pierce Brosnan, Aaron Paul, Imogen Poots, Toni Collette, Sam Neill, Emile Hirsch, Rosamund Pike
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, zusätzliche Szenen, Outtakes, Weltpremiere in Berlin, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Volker Schönenberger

Foto, Packshot & Trailer: © 2014 Universum Film

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: