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Horror für Halloween (XXII): Comtesse des Grauens – Blutgräfin braucht junges Gemüse

Countess Dracula

Von Volker Schönenberger

Horror // Die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory soll junge Frauen auf ihre Burg gelockt und dort nackt zu Tode gefoltert haben. Der Legende nach hat sie sogar in deren Blut gebadet, um sich jung und attraktiv zu erhalten. Die Zahl ihrer Opfer schwankt je nach Quelle zwischen niedrig zweistellig und üppig dreistellig. Welche der ihr zur Last gelegten Exzesse die Dame tatsächlich verübt hat, mag schwer zu ergründen sein, Fakt ist: Sie wurde 1611 als Serienmörderin verurteilt und verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens bis zu ihrem Tod als Mittfünfzigerin im August 1614 als Gefangene auf ihrer eigenen Burg. Die auch als Blutgräfin in die Geschichte eingegangene Adlige inspirierte viele Kulturschaffende, ob in Literatur, Videospielen oder anderen Bereichen. Im düsteren Metal finden sich zahlreiche Verweise auf Elisabeth Báthory, etwa der Song „Countess Bathory“ auf dem Album „Black Metal“ von Venom. Die englische Black-Metal-Formation Cradle of Filth widmete der Dame gleich ein ganzes Album: „Cruelty and the Beast“. Weitere Beispiele: „Beauty Through Order“ von Slayer, „Elizabeth“ von Ghost sowie „Woman of Dark Desires“ von Bathory, deren Name ja schon an sie erinnert.

Kann Gräfin Elisabeth in junger Gestalt das Herz von Leutnant Imre Toth gewinnen?

Wenig verwunderlich, dass die Blutgräfin wiederholt in der Filmgeschichte verewigt wurde, etwa 2008 in „Die Gräfin“ von und mit Julie Delpy sowie mit Daniel Brühl. Die Vampirin in „Fright Night 2 – Frisches Blut“ (2013) ist klar erkennbar an Elisabeth Báthory angelehnt, auch in „Blut an den Lippen“ (1971) von Harry Kümel tritt sie in Erscheinung, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Der Jungbrunnen Jungfrauenblut

In „Comtesse des Grauens“ aus dem Hause Hammer Films trägt die Gräfin den Namen Elisabeth Nadasdy (Ingrid Pitt). Nach dem Tod ihres Gatten muss sie es hinnehmen, seine Ländereien mit der gemeinsamen Tochter Ilona (Lesley-Anne Down) zu teilen – so hat ihr Gemahl es testamentarisch verfügt. Durch einen Zufall entdeckt die gealterte Gräfin, dass das Blut junger Frauen ihren Teint enorm verjüngt, sie gar zu der blühenden Schönheit werden lässt, die sie einst war. Ihr Untergebener und treu ergebener Hauptmann Dobi (Nigel Green) führt ihr daher Jungfrauen zu, in deren Blut sie badet. Fatalerweise verflüchtigt sich die Wirkung schnell, lässt die Gräfin sogar schneller altern. Das behindert verständlicherweise ihre romantischen Avancen gegenüber dem Husarenleutnant Imre Toth (Sandor Elès). Der Strom jungen Blutes muss somit schneller fließen …

Der Fund einer blutarmen Frauenleiche versetzt das Volk in Angst

Gräfin Dracula, wie der Originaltitel „Countess Dracula“ andeutet, bekommen wir nicht zu sehen, bei der Gräfin handelt es sich keineswegs um eine blutsaugende Vampirin. Die Verbindung zwischen Gräfin Bathory und dem von Bram Stoker ersonnenen Vampirfürsten liegt aber zugegebenermaßen nahe und ist auch wiederholt hergestellt worden. Ob Stoker aus Berichten über die Blutgräfin Inspiration für seinen Roman gezogen hat, ist nicht belegt und kann daher dahingestellt bleiben.

Etwas mehr Blut hätte Gesicht gehabt

Mehr Blut! Nicht nur die Gräfin benötigt es dringend, auch „Comtesse des Grauens“ hätten ein paar Liter mehr davon gut zu Gesicht gestanden. Angesichts des sich um sexuelle Anziehungskraft drehenden Themas hätte ich mir auch noch etwas mehr nackte Haut gewünscht, zumal der Film 1970 gedreht wurde, die Freizügigkeit mithin gut vertragen hätte. Aber vielleicht geht da auch nur der Voyeur in mir durch, ein paar ausladende Dekolletés und sogar etwas mehr bekommen wir dann doch zu sehen. Und die Kostüme bieten natürlich ebenfalls etwas fürs Auge, desgleichen die Studiokulissen. Dass sich einige der Figuren nicht immer logisch oder clever verhalten – geschenkt.

Der Alterungsprozess schreitet immer schneller voran

Die 1937 in Warschau geborene und 2010 in London gestorbene Ingrid Pitt verleiht ihrer skrupellos selbstsüchtigen Figur ein bösartiges Charisma, und Menschenleben bedeuten ihr nichts, sind sie niederen Standes, sowieso nicht. Nicht alle ihre schauspielerischen Mitstreiter halten Pitts Niveau. Als gealterte Gräfin hat sie keine Hemmungen, sich hässlich zu zeigen. Andere mögen das Mut zur Hässlichkeit nennen, aber das sollte bei einer Schauspielerin keinen Mut erfordern. Ein Jahr zuvor hatte Pitt bereits im Hammer-Film „Gruft der Vampire“ mitgewirkt. In ihrer Filmografie finden sich Rollen in „Totentanz der Vampire“ (1971) und „The Wicker Man“ (1973) sowie in Actionfilmen wie „Agenten sterben einsam“ (1968) und „Das Kommando“ (1982). In „Doktor Schiwago“ (1965) hat sie einen Komparsen-Auftritt.

Peter Sasdy dreimal für Hammer auf dem Regiestuhl

Regisseur Peter Sasdy hatte ein Jahr zuvor für Hammer „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ inszeniert. Kurz nach „Comtesse des Grauens“ drehte er „Hände voller Blut“.

Junges Blut muss her

Das Mediabook von Anolis Entertainment lässt einmal mehr keine Wünsche offen. Bild- und Tonqualität genügen hohen Ansprüchen, für Fans von Audiokommentaren finden sich gleich zwei davon, ein eigens produzierter sowie einer von 2006 unter anderem mit Hauptdarstellerin Ingrid Pitt. Auch das schmucke Booklet mit zwei Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad rechtfertigt die Anschaffung des Mediabooks, das bereits eine Weile nicht mehr im regulären Handel lieferbar ist, sich auf dem Sammlermarkt aber immerhin zu einigermaßen akzeptablen Preisen findet. „Comtesse des Grauens“ hält nicht ganz das Niveau von Hammer-Großtaten wie „Dracula“ (1958), „Der Fluch von Siniestro“ (1961) und „Nächte des Grauens“ (1966), aber das sind auch hohe Messlatten. In der weniger hoch gehandelten 70er-Jahre-Spätphase des Studios hält sich der Horrorfilm wacker.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen zu finden.

Hauptmann Dobi ist seiner Gräfin treu ergeben

Veröffentlichung: 28. August 2015 als DVD in kleiner Hartbox (zwei Covervarianten à 222 Exemplare), 17. Dezember 2014 als Blu-ray im limitierten Mediabook und Blu-ray, 17. März 2005 als DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Countess Dracula
GB 1971
Regie: Peter Sasdy
Drehbuch: Jeremy Paul
Besetzung: Ingrid Pitt, Nigel Green, Sandor Elès, Maurice Denham, Patience Collier, Peter Jeffrey, Lesley-Anne Down, Leon Lissek, Jessie Evans, Andrea Lawrence, Susa Brodrick, Ian Trigger
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Ivo Scheloske, Audiokommentar mit Ingrid Pitt , Stephen Jones und Kim Newman (2006), Interview mit Peter Sasdy (2013), Interview mit Ingrid Pitt (1994), Trailer, deutsche Titelsequenz, deutscher Werberatschlag, US Pressbook, Hammer Christmas Folder, Rank Folder, Bildergalerie, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 2er-Packshot: © 2014 Anolis Entertainment

 

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The Wicker Man – Christopher Lee und die Naturgötter

The Wicker Man

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Ihr, die Ihr einen Horrorfilm herkömmlicher Machart erwartet – lasst alle Hoffnung fahren! „The Wicker Man“ war schon zum Zeitpunkt seiner Entstehung Anfang der 1970er-Jahre kein typischer Gruselfilm und hatte beispielsweise mit den Produktionen des berühmten Studios Hammer Films wenig gemein. Zu sehr konzentriert er sich auf die Ermittlungen der Hauptfigur und die Porträtierung der skurillen Insulaner samt ihrer sonderbaren Sitten. Hinzu kommen ein paar abseitige Gesangseinlagen – Horror, wie wir ihn erwarten, sieht anders aus, zumal „The Wicker Man“ alles andere als blutig ist und kaum Gewalttaten zeigt. Allerdings kann religiöser oder pseudoreligiöser Wahn ja schreckliche Züge annehmen, und dann sind wir doch wieder beim Horror.

Was geht in Willows Kopf vor?

Sergeant Howie (Edward Woodward) von der West Highland Police Schottlands trifft mit dem Wasserflugzeug auf Summerisle ein. Ein anonymer Brief hat ihn auf die Hebriden-Insel geführt. Der Verfasser behauptet, ein zwölfjähriges Mädchen namens Rowan Morrison sei verschwunden. Die Insulaner erweisen sich als seltsames, verschlossenes Völkchen. Niemand will das Kind überhaupt gekannt haben. Selbst die vermeintliche Mutter May Morrison (Irene Sunters) behauptet, das Kind auf dem Foto, das dem Brief beilag, sei ihr unbekannt.

Heidnische Kulte haben ihren Reiz

Abends bemerkt Howie verstörendes Verhalten: Eine Schar von Menschen gibt sich schamlos einer Sexorgie im Freien hin, und er beobachtet vom Fenster seines Herbergszimmer eine Unterhaltung der Wirtstochter Willow (Britt Ekland) mit einem Unbekannten, der von einem Opfer spricht. Der Mann erweist sich am nächsten Tag als Lord Summerisle (Christopher Lee). Er ist der Besitzer der Insel und klärt den Polizisten darüber auf, wie sein Großvater dort einen heidnischen Kult um Naturgötter etablierte – eine schockierende Erkenntnis für den frommen Howie.

Sergeant Howie muss handgreiflich werden

Wenn „The Wicker Man“ auf sein konsequentes Finale zusteuert, nimmt das Geschehen groteske Züge an. Christopher Lee spielt all sein Charisma aus und ist sich nicht zu schade, in einem albernen Kostüm mit langer Perücke und weißer Schminke eine bizarre Prozession anzuführen, wenn es der Sache dient. Dem Vernehmen nach war ihm Lord Summerisle eine seiner liebsten Rollen. Ein Jahr später gab Lee den Schurken in „James Bond 007 – Der Mann mit dem goldenen Colt“. Als Bond-Girl: Britt Ekland.

Es wird bizarr

Für Regisseur Robin Hardy (1929–2016) markierte „The Wicker Man“ das Regiedebüt, dem allerdings lediglich zwei weitere Filme folgten: 13 Jahre später drehte er den kaum bekannten Thriller „The Fantasist“, 2011 dann mit „The Wicker Tree“ eine Fortsetzung seines Erstlings, die aber wenig Beachtung fand. 2006 inszenierte Neil LaBute („Nurse Betty“) ein von Nicolas Cage produziertes Remake mit Cage in der Rolle des Ermittlers. Hardy war von dem fertigen Film allerdings alles andere als angetan und bestand darauf, in den Credits nicht genannt zu werden.

Lord Summerisle hält eine flammende Rede

„Wicker“ bedeutet übrigens Korb oder Korbware. Gedreht wurde das Original in Dumfries and Galloway im Südwesten Schottlands. „The Wicker Man“ hat eine leidvolle Schnittgeschichte hinter sich. Da ich sie doch nur abschreiben könnte, weise ich stattdessen auf den Vergleich zwischen Kinofassung und Director’s Cut sowie den zwischen Kinofassung und Final Cut bei den Kollegen von „Schnittberichte“ hin. Die aktuelle Studiocanal-Veröffentlichung kommt auf DVD nur mit dem Final Cut daher, die Blu-ray-Version hingegen enthält auf zwei Discs alle drei Schnittfassungen. Historisch bedingt schwankt die Bildqualität stark, auch innerhalb der jeweiligen Version. Perfektes HD-Bild sollte speziell beim Director’s Cut niemand erwarten. Da „The Wicker Man“ anscheinend nie synchronisiert worden ist, gibt es keine deutsche Tonspur. Nicht davon abschrecken lassen – wir haben es mit einem Kleinod des englischen Kinos zu tun, das geeignet ist, aufgeschlossenen Zuschauern einen so betörenden wie verstörenden Filmabend zu bescheren. Wie Sergeant Howie in der so unbehaglichen wie undurchsichtigen Atmosphäre auf Summerisle nach und nach das Puzzle zusammensetzt und sich schließlich auf der richtigen Fährte wähnt – das lässt am Ende doch frösteln.

Der „Wicker Man“ soll brennen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Christopher Lee unter Schauspieler.

… und tut es auch

Veröffentlichung: 20. Juli 2017 als 2-Disc Final Cut Collector’s Edition Blu-ray und Final Cut Edition DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray, Final Cut), 100 Min. (Blu-ray, Director’s Cut), 88 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Wicker Man
GB 1973
Regie: Robin Hardy
Drehbuch: Anthony Shaffer
Besetzung: Edward Woodward, Christopher Lee, Diane Cilento, Britt Ekland, Ingrid Pitt, Aubrey Morris, Walter Carr, Lindsay Kemp, Russell Waters, Irene Sunters, Ian Campbell
Zusatzmaterial: Der Kult um „The Wicker Man“, Die Musik, Interview mit Robin Hardy, Die Restaurierung, Trailer
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Gruft der Vampire – Enthauptungen und blanke Brüste

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The Vampire Lovers

Von Volker Schönenberger

Horror // Möge Gott uns weitere übernatürliche Erlebnisse dieser Art ersparen. So schreibt es Joachim von Hartog (Douglas Wilmer) zu Beginn auf, der 1794 seine 19-jährige Schwester Isabella zu Grabe tragen musste. Es folgt eine Totalansicht auf die Ruine von Schloss Karnstein. Der Adlige erzählt uns die Geschichte vom Tod seiner Schwester und seiner Rache an den Verantwortlichen, die keine gewöhnlichen Sterblichen gewesen seien, sondern Mörder von jenseits des Grabes. Aus einem der Gräber auf dem Friedhof des Schlosses entsteigt kurz darauf eine schaurige Gestalt …

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Der Butler (l.) und der Doktor schöpfen Verdacht

Dieser überaus stimmungsvolle Prolog von „Gruft der Vampire“ endet mit einer selbst für Hammer Films ungewöhnlich deutlich gezeigten Enthauptung. Die Haupthandlung setzt im Anschluss an den Vorspann mit einem Ball im Hause von General von Spielsdorf (Peter Cushing) Anfang des 19. Jahrhunderts in der Steiermark ein. Die Familie nimmt die junge Marcilla (Ingrid Pitt) bei sich auf, die schnell eine innige Beziehung zu Laura (Pippa Steel) entwickelt, der Tochter des Hauses. Vielleicht etwas zu innig …

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General von Spielsdorf will die Vampirin endlich ausschalten

Die sich bald darauf andernorts Carmilla nennende Marcilla erweist sich, das dürfen wir enthüllen, als Vampirin Mircalla Karnstein. Mit dieser freizügigen Verfilmung von Sheridan Le Fanus Erzählung „Carmilla“ begann das traditionsreiche englische Studio Hammer Films 1970 seine Karnstein-Trilogie, die von „Nur Vampire küssen blutig“ und „Draculas Hexenjagd“ (beide 1971) zügig vervollständigt wurde – letztgenannter Film ist bereits vor geraumer Zeit von Anolis Entertainment veröffentlicht worden. Es war die Zeit, als das Exploitationkino zu seiner vollen Blüte aufstieg, subtile sexuelle Anspielungen wichen expliziten Motiven, auch in puncto Gewaltdarstellung durfte eine Schippe draufgelegt werden. Da darf manch ein blanker Busen blitzen – derartige lesbische Szenen wie in „Gruft der Vampire“ wären wenige Jahre zuvor bei Hammer noch undenkbar gewesen. Ein Vampirbiss ins Dekolleté – shocking!

Vom Vampir zum Vampir-Opfer

Hammers amerikanische Koproduktionsfirma American International Pictures (AIP), bekannt für etliche Roger-Corman-Filme, erbat dem Vernehmen nach bei der englischen Produktionsfirma bekannte Namen im Cast, weshalb man die Figur General von Spielsdorf extra für Peter Cushing ins Drehbuch schreiben ließ – ohnehin Stammschauspieler bei Hammer. Als Arzt und späteres Opfer der Vampirin ist der Deutsche Ferdy Mayne zu sehen, der in Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ (1967) noch selbst einen Blutsauger gegeben hatte. Für Jon Finch war „Gruft der Vampire“ das Kinodebüt, wenig später war er auch im nahezu gleichzeitig abgedrehten Hammer-Grusler „Frankensteins Schrecken“ zu sehen, bald darauf in seinen beiden bedeutsamsten Rollen: In „Macbeth“ (1971) von Roman Polanski gab er den Macbeth, in Alfred Hitchcocks „Frenzy“ (1972) wurde er als unschuldiger Pleitier verdächtigt, der berüchtigte Krawattenmörder zu sein.

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Mircalla ist scharf auf Blut – und mehr

Ganz wunderbar: die letzte Einstellung von „Gruft der Vampire“, wenn sich die Vampirin auf dem Gemälde von einer holden Schönheit zum Skelett zersetzt. Simpel getrickst, aber wirkungsvoll. So wirkungsvoll wie der gesamte Film, der all den überdeutlichen Schauwerten zum Trotz doch auch die bekannten Hammer-Vorzüge zur Geltung bringt, etwa das schaurig-schöne Setting inklusive Setdesign, die schummrige Atmosphäre und die gewohnt charmante Ausstattung nebst Kostümen. Letztlich sind der gesteigerte Gewaltgehalt und die sexuelle Freizügigkeit für Hammer auch nicht überraschend, hatte die Produktionsfirma doch ab Ende der 50er-Jahre den klassischen Horrorfilm selbst auf eine neue Stufe gehoben. „Gruft der Vampire“ ist in der Vergangenheit bisweilen das Niveau früherer Hammer-Produktionen abgesprochen worden, das hat die Karnstein-Trilogie nicht daran gehindert, in der Gunst der Fans zu steigen – zu Recht.

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Da geht was

Hauptdarstellerin Ingrid Pitt („Agenten sterben einsam“) war im selben Jahr auch im Hammer-Horrorfilm „Comtesse des Grauens“ zu sehen, 1973 dann im Horrordrama „The Wicker Man“, der heute Kultstatus besitzt. Sie starb 2010 im Alter von 73 Jahren. Umso schöner, dass Anolis Entertainment für die Blu-ray-Veröffentlichung von „Gruft der Vampire“ den Audiokommentar mit ihr, Drehbuchautor Tudor Gates („Barbarella“) und Regisseur Roy Ward Baker („Das grüne Blut der Dämonen“) ausgegraben hat, das den neu produzierten Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz ergänzt. Charmant auch: Ingrid Pitt liest Le Fanus Erzählung „Carmilla“. Da sich auch die übrigen Bonusmaterialien auf dem gewohnten Anolis-Niveau bewegen und an Bild und Ton nichts zu bemängeln ist, verdient die Blu-ray einmal mehr das Prädikat „sehr zu empfehlen“. Das etwas freizügigere Cover A des Mediabooks ist heiß begehrt und bei den meisten, wenn nicht allen einschlägigen Händlern bereits nicht mehr zu kriegen. Anolis hat aber angedeutet, dass im Booklet einige offenherzige Abbildungen zu finden sind, und Cover B sieht ebenfalls schnieke aus (noch halte ich es nicht in meinen Händen). Für Mediabook-Verächter gibt’s auch eine Softcase-Variante. Anolis hat die erwähnten „Comtesse des Grauens“ und „Das grüne Blut der Dämonen“ ebenfalls schon als Blu-rays veröffentlicht.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ingrid Pitt sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen zu finden.

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Ist Emma bereits vampirisiert worden?

Veröffentlichung: 30. November 2016 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 8. August 2008 als DVD (Koch Media)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Vampire Lovers
GB/USA 1970
Regie: Roy Ward Baker
Drehbuch: Tudor Gates, nach Sheridan Le Fanus Erzählung „Carmilla“
Besetzung: Ingrid Pitt, Pippa Steel, Madeline Smith, Peter Cushing, George Cole, Dawn Addams, Kate O’Mara, Jon Finch, Ferdy Mayne, Kirsten Lindholm
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Ingrid Pitt, Tudor Gates und Roy Ward Baker, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, Dokumentation „Resurrecting the Vampire Lovers“, Interview mit Madeline Smith, Ingrid Pitt liest „Carmilla“, deutscher und amerikanischer Trailer, US-Radio-Spots, Werberatschläge, Filmprogramme, Bildergalerie, nur Mediabook: 36-seitiges Booklet von Dr. Rolf Giesen, Uwe Huber, Guiskard Oberparleiter und Uwe Sommerlad
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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