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Godzilla und die Urweltraupen – Mothras zweiter Flug

Mosura tai Gojira

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Ein Sturm tost an der japanischen Küste über dem frisch aufgeschütteten Siedlungsgebiet Kurata-Strand. Meterhohe Wellen peitschen auf den Strand und richten schwere Verwüstungen an. Dabei wird ein überdimensionales Ei angespült – das Ei der Riesenmotte Mothra, wie sich später herausstellt (erinnern wir uns an „Mothra bedroht die Welt“ von 1961). Der windige Geschäftsmann Kumayama (Yoshifumi Tajima) reißt sich das gigantische Fundstück unter den Nagel, um damit als Attraktion Kasse zu machen. Er und sein Partner Torahata (Kenji Sahara) lassen sich auch nicht von den beiden winzigen Feen (Yumi und Emi Itô) von ihrem Vorhaben abbringen, die unversehens auf der Bildfläche auftauchen und um die Herausgabe des Eis bitten. Der Reporter Ichiro Sakai (Akira Takarada) und seine fotografierende Kollegin Junko Nakanishi (Yuriko Hoshi) verbünden sich mit dem Wissenschaftler Professor Miura (Hiroshi Koizumi), um ans Ei zu gelangen. Und plötzlich hebt sich ein gewisser Godzilla am Strand von Kurata aus der Erde empor.

Das Riesenei gibt Räts… Verzeihung: Dies ist ja nur ein Hühnerei

Anolis Entertainment liefert wieder mal ab. Kurz nach der Veröffentlichung von Mothras erstem Auftritt „Mothra bedroht die Welt“ folgt mit „Godzilla und die Urweltraupen“ das zweite Aufeinandertreffen der Riesenmotte mit dem beliebten Echsengigant. Das Timing passt ohnehin: Dank des amerikanischen MonsterVerse mit „Godzilla“ (2014), „Kong – Skull Island“ (2017) und gerade erst „Godzilla II – King of the Monsters“ (2019) ist das Interesse an den Kaijūs erneut erwacht; die Fans der japanischen Monsterfilme halten ihren Lieblingen ohnehin die Treue, zumal den am Computer entstandenen Hollywood-Riesenwesen der Charme der Originale abgeht.

Zurück zur DVD!

Einige Sammler der „Kaiju Classics“ werden sicher enttäuscht sein, dass das Futurepak von „Godzilla und die Urweltraupen“ lediglich zwei DVDs enthält und keine Blu-ray wie bei „Mothra bedroht die Welt“, mir ist das nicht ganz so wichtig. Die Reihe bleibt es wert, gesammelt zu werden, Bild und Ton überzeugen auch auf dem vermeintlich veralteten Format. Die beiden Silberlinge enthalten sowohl die japanische als auch die deutsche beziehungsweise US-Fassung des Films, die sich zeitlich kaum voneinander unterscheiden. Das in bewährtem Layout gestaltete Booklet enthält einen Text von Ingo Strecker mit gewohnt aufschlussreichen Informationen. So erfahren wir, dass in einer ursprünglichen Drehbuchfassung kein Riesenei enthalten war, vielmehr sollte Godzilla an der Küste Roliscias angespült werden. Auch die Unterschiede beider Schnittfassungen beschreibt der Autor, und er gibt uns einige Interpretationsansätze zu möglichen politischen Untertönen des Films, die er weniger dem Drehbuchautor Shin’ichi Sekizawa zuschreibt als dem Regisseur Ishirô Honda. So könne das Landgewinnungsprojekt von Kurata als Kommentar zu den umfangreichen Bauarbeiten für die Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio gesehen werden.

Nun aber: Das Riesenei gibt Rätsel auf

Ingo Strecker zufolge gilt das Godzilla-Kostüm dieses Films bis heute als das beliebteste der gesamten Reihe. Das kann ich mangels Zugehörigkeit zur Fanszene nicht verifizieren, aber es gibt natürlich auch keinen Anlass, daran zu zweifeln. Strecker gibt uns auch interessante Einblicke in die Entwicklung der Kostüme und Miniaturen für „Godzilla und die Urweltraupen“. Apropos Urweltraupen: Der Originaltitel lautet „Mosura tai Gojira“, was „Mothra gegen Godzilla“ bedeutet, aber auch die deutsche Titelschöpfung hat ihre Berechtigung …

Der böse Godzilla

Oft zeigt sich Godzilla in den japanischen Kaijūs als Helfer der Menschheit, auch im jüngsten Kinofilm „Godzilla II – King of the Monsters“; hier jedoch gibt er noch einmal den Fiesling, der das Ei zerstören will. Wenn er und Mothra aufeinanderprallen, wächst kein Gras mehr, es kommen Miniaturmodelle beider Kreaturen zum Einsatz. Das kann man belächeln und angesichts heutiger Möglichkeiten der Tricktechnik für veraltet halten. Ist es ja auch, aber auf überaus vergnügliche Weise, vom dramatischen Score Akira Ifukubes vorzüglich untermalt. Eine realistische Visualisierung war eben auch nicht die erklärte Absicht der Macher, die artifizielle Optik der Kreaturen und Miniaturkulissen hingegen schon. So muss japanisches Monsterkino aussehen, wie es im Pressetext von Anolis zu lesen ist. Da hat das Label recht.

Da isser ja – Godzilla führt nichts Gutes im Schilde

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Godzilla und die Urweltraupen“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Nicht immer sind Raupen eine Plage

Veröffentlichung: 21. Juni 2019 als 2-Disc-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Futurepak als Nr. 17 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mosura tai Gojira
Alternativer deutscher Titel: Panik in Tokyo
Internationale Titel: Mothra vs. Godzilla, Godzilla vs. Mothra, Godzilla Fights the Giant Moth, Godzilla Fights vs. the Giant Moth
JAP 1964
Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa
Besetzung: Akira Takarada, Yuriko Hoshi, Hiroshi Koizumi, Yû Fujiki, Kenji Sahara, Emi Itô, Yumi Itô, Yoshifumi Tajima, Jun Tazaki, Kenzô Tabu, Yoshio Kosugi, Akira Tani, Yutaka Sada, Ikio Sawamura
Zusatzmaterial: japanische Kinofassung inkl. Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer sowie Audiokommentar von Florian Bahr, japanischer Trailer, japanisches Werbematerial, Interview mit Hauptdarsteller Akira Takarada, Super-8-Fassung, deutsches Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

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Mothra bedroht die Welt – Erster Flügelschlag der lieblichen Riesenmotte

Mosura

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Darauf haben die Kaijū-Fans hierzulande lange gewartet: Endlich kann im Rahmen der „Kaiju Classics“ von Anolis Entertainment auch der erste Auftritt der Riesenmotte Mothra in bestmöglicher Qualität auf hiesigen Bildschirmen genossen werden. Von „Mothra bedroht die Welt“ (1961) bis zu ihrem bislang letzten Auftritt in „Godzilla – Final Wars“ (2004) flatterte die beliebte Kreatur insgesamt 13 Mal in den Kaijūs durch die Lüfte. Im japanischen Original heißt sie Mosura.

Wie niedlich: die winzigen Zwillingsfeen

Ein Taifun bringt einen japanischen Frachter in schwere See und in ein Gebiet für nukleare Tests. Als das Schiff auf ein Riff läuft, befiehlt der Kapitän: „Alle Mann von Bord!“ Der Frachter bricht auseinander und sinkt. Ein Suchhubschrauber entdeckt auf einer Insel vier Überlebende des Schiffbruchs – sie werden gerettet. Wider Erwarten erweisen sich die Männer als nicht verstrahlt. Sie berichten, ihnen sei von Eingeborenen ein Getränk verabreicht worden, das sie vor den Folgen nuklearer Strahlung bewahrt habe. Dabei gelten die Inseln in dem Atomtest-Gebiet als unbewohnt!

Expedition ins Atomtestgebiet

Die Atomtests hatte seinerzeit der Staat Roliscia (andere Schreibweise: Rolisica) vorgenommen. Nun bricht eine Expedition auf, die Roliscia und Japan gemeinsam zusammengestellt haben und die vom Roliscianer Clark Nelson (Jerry Itô) geleitet wird. Aus Japan dabei sind auch der Wissenschaftler Dr. Shin’ichi Chûjô (Hiroshi Koizumi) und der Journalist Senichiro „Sen-chan“ Fukuda (Furankî Sakai), genannt Bulldogge. Als Chûjô in die Fänge einer Schlingpflanze gerät, retten ihn zwei winzige Feen (die eineiigen Zwillinge Yumi und Emi Itô). Nelson entführt die beiden kaum 20 Zentimeter großen Mädchen, um sie als Attraktionen einem großen Publikum vorzuführen. Das ruft Mothra auf den Plan, die als riesige Raupe aus einem Ei schlüpft und sich von der Insel aus schwimmend auf den Weg macht, die zwei Feen zu retten, zu denen Mothra offenbar telepathischen Kontakt hält. Dabei lässt sich die Kreatur auch nicht von Luftangriffen aufhalten – und verpuppt sich bald, um als Riesenmotte wieder auf der Bildfläche zu erscheinen.

Roliscia – nie gehört? Das mag daran liegen, dass das Land gar nicht existiert. Im Godzilla-Universum tauchen immer mal wieder fiktive Schauplätze auf. In diesem Fall dient das Land kaum verhohlen als Platzhalter für die USA und die Sowjetunion gleichermaßen, was nach Hiroshima und Nagasaki nicht von ungefähr kommt – viele der Kaijūs thematisieren auf mehr oder weniger subtile Weise das atomare Trauma Japans aufgrund der Atombombenabwürfe zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Engagiert: Reporter Fukuda, genannt Bulldogge

Während Godzilla in den Filmen der Tōhō-Studios in der Regel mittels Suitmation von einem Schauspieler im Gummikostüm dargestellt wurde, ließ sich das mit der Riesenraupe und -motte nur schwierig bewerkstelligen – für ihr Debüt in „Mothra bedroht die Welt“ allerdings schon, wobei die Tricktechniker für manche Szenen mit der Motte und insbesondere bei ihren Auftritten in späteren Filmen auf Puppentrick-Animation zurückgriffen, bei der das Viech beim Fliegen an Fäden aufgehängt wurde. In Verbindung mit den bekannten Miniaturkulissen der Kaijūs ergibt das eine herrlich naiv visualisierte Geschichte, in der Mothra keineswegs bösartig ist, sondern lediglich seine Schützlinge retten will – und das auf familientaugliche Weise, auch wenn Fiesling Nelson überaus skrupellos gezeichnet wird und zu keinem Zeitpunkt vor Mord zurückschreckt.

Auftritt der Peanuts

Ab und zu überschreitet „Mothra bedroht die Welt“ die Grenze zur Albernheit, etwa beim Bühnendebüt der Zwillingsfeen inklusive Gesangseinlage – eins der Lieder ist es dann auch, das aus der Ferne Mothra aus dem Ei schlüpfen lässt. Die beiden Darstellerinnen der Feen bildeten übrigens das in Japan recht populäre Gesangsduo The Peanuts, das auch in deutschen Fernsehshows zu sehen war und in den 1960er-Jahren sogar Singles in deutscher Sprache veröffentlichte. Für manche Schmunzler sorgt auch Reporter Fukuda, der etwas tollpatschig und neben der Spur wirkt, sich aber als schlagkräftig erweist und bald von einer Comic-Relief-Nebenfigur zum Protagonisten aufsteigt, der die Handlung vorantreibt.

Voll in Aktion inklusive Zerstörungswerk bekommen wir Mothra als fertige Motte erst recht spät zu sehen – das Schlagen ihrer Flügel verursacht zerstörerische Druckwellen. Bis dahin hält aber die Story mit dem Schurken Nelson und seinen wohlgesinnten Widersachern die Spannung hoch und das Publikum bei der Stange. Mit Columbia Pictures war ein finanzstarkes US-Studio als Geldgeber mit von der Partie, es setzte durch, dass eine bereits gedrehte Schlusssequenz von einem deutlich spektakuläreren Finale ersetzt wurde. Ob das Kaijū-Regie-Legende Ishirô Honda missfallen hat, ist nicht überliefert, mir zumindest nicht bekannt. Ich tendiere in diesem Fall zu „je größer, desto besser“. „Mothra bedroht die Welt“ gönnt sich ein paar deutliche Anleihen beim Hollywood-Klassiker „King Kong und die weiße Frau“ (1933), die dem Film gut zu Gesicht stehen. Das SF-Abenteuer etablierte mit der putzigen Riesenmotte auf höchst amüsante Weise eine Kreatur, die sich schnell im Kaijū-Universum etablierte und unter den Fans nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.

Die „Kaiju Classics“ in HD

Mit „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ (1966), „Frankensteins Höllenbrut“ (1972) und „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ (1975) hatte Anolis im Dezember 2018 erstmals Kaijūs in HD veröffentlicht. Da alle drei Filme Jahre zuvor in den Metalpaks (oder Futurepaks) der „Kaiju Classics“ als DVD erschienen waren, packte das Label die Blu-rays in herkömmliche Amaray-Cases. „Mothra bedroht die Welt“ kommt nun im typischen silberfarbenen Futurepak der Reihe daher und enthält sowohl Blu-ray als auch DVD. So loben wir uns das. Die Bildqualität hält das hohe Niveau, das wir von Anolis gewohnt sind, was natürlich viele der Tricks und visuellen Effekte noch deutlicher entlarvt, etwa Matte-Painting-Hintergründe und Miniaturen. Aber da die Kaijūs ihren Reiz nie aus hyperrealistischen Bildern zogen, lässt sich das gut verschmerzen. Der Film findet sich sowohl in der japanischen als auch in der knapp zwölf Minuten kürzeren US- beziehungsweise deutschen Fassung auf den Discs.

Raupe Mothra walzt alles nieder

Das Booklet erhält einen gewohnt fachkundigen Text von Ingo Strecker, der wie üblich gemeinsam mit Jörg Buttgereit und Bodo Traber auch einen der Audiokommentare eingesprochen hat. Löblich, wenn sich Label wie Anolis auch in puncto Booklets so viel Mühe geben wie in diesem Fall. Letztlich kann man über diese „Mothra bedroht die Welt“-Edition dasselbe schreiben wie über die vorherigen „Kaiju Classics“: Sie lassen keine Wünsche offen. Da ich mit meiner Rezension vergleichsweise spät dran bin, steht zu befürchten, dass sich die im Handel befindliche Auflage von 1.500 Exemplaren bereits dem Ausverkauf zuneigt, also spute sich, wer noch eins der Futurepaks ergattern will, zumal wir es mit einem Höhepunkt der Kaijūs zu tun haben. Mit dem drei Jahre später entstandenen „Godzilla und die Urweltraupen“ hat Anolis bereits den nächsten, 17. Teil der Reihe angekündigt – Mothras zweiter Auftritt zeigt das erste Aufeinandertreffen der Riesenmotte mit Godzilla.

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Mothra bedroht die Welt“ finden sich auch im „Filmforum Bremen“ und bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Aus dem Kokon entspringt die Riesenmotte

Veröffentlichung: 12. April 2019 als 2-Disc-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Futurepak als Nr. 16 der Reihe „Kaiju Classics“ (Blu-ray & DVD)

Länge japanische Kinofassung: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Länge deutsche Kinofassung: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch (jap. Fassung), Englisch (dt. Fassung)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mosura
JAP 1961
Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, nach einem Roman von Shin’ichirô Nakamura, Takehiko Fukunaga und Yoshie Hotta
Besetzung: Furankî Sakai, Hiroshi Koizumi, Kyôko Kagawa, Jerry Itô, Yumi Itô, Emi Itô, Ken Uehara, Akihiko Hirata, Seizaburô Kawazu
Zusatzmaterial japanische Kinofassung: Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Ingo Strecker (jap. Fassung), Audiokommentar von Florian Bahr (jap. Fassung), Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski (dt. Fassung), japanische Super-8-Fassung, US-Trailer, japanischer Trailer, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

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Krieg im Weltenraum – Kampf gegen die Aliens auf dem Mond

Uchû daisensô

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Vergesst den „Krieg der Sterne“ und den „Krieg der Welten“, lasst den „Kampfstern Galactica“ links liegen, entfernt das „Raumschiff Enterprise“ aus eurem Fundus – hier kommt der „Krieg im Weltenraum“! Und es geht gleich zu Beginn in die Vollen: Eine fliegende Untertasse lässt in Japan eine ganze Eisenbahnbrücke in die Höhe schweben. Der heranrasende Zug kann nicht mehr bremsen und stürzt in die Tiefe. Anschließend senkt sich die Brücke wieder herab. Ein Reporter aus Amerika berichtet dem japanischen Fernsehpublikum weitere ungeheuerliche Phänomene: Ein Frachter im Panama-Kanal sei „von einer ungeheuren Springflut in die Luft geschleudert“ und dabei völlig zerstört worden. Eine ähnliche Springflut hat Venedig verwüstet.

Bedrohliche Ereignisse versetzen die Nationen in Angst

Die Weltengemeinschaft setzt sich zusammen und debattiert die Möglichkeit eines Angriffs Außerirdischer. Mit Unterstützung der anderen Nationen hat Japan Raumschiffe und ein Hitzestrahlengeschütz entwickelt, das Doktor Adachi (Koreya Senda) den UNO-Delegierten im japanischen Weltraumforschungszentrum vorstellt. Der Iraner Dr. Achmed (Malcolm Pearce) ist zuvor unter den Einfluss der Aliens vom Planeten Natal geraten und versucht, die Waffe zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass die Aggressoren eine Basis auf dem Mond errichtet haben, von wo sie offenbar die Invasion der Erde angehen wollen. Doktor Adachi und sein Kollege Doktor Richardson (Len Stanford) übernehmen das Kommando zweier Raumschiffe, die zum Erdtrabanten aufbrechen sollen.

Kann das neue Strahlengeschütz helfen?

Nach „Das Grauen schleicht durch Tokio“ (1958) beschert uns Anolis Entertainment mit dem ein Jahr später entstandenen „Krieg im Weltenraum“ zum zweiten Mal einen japanischen Beitrag zu den beliebten „Galerie des Grauens“-Reihen. Regie führte auch dabei Akira-Kurosawa-Weggefährte Ishirō Honda, wohl der wichtigste Regisseur des Filmstudios Tōhō – er drehte etliche der Tōhō-Filme, darunter „Godzilla“ (1954) und „Die fliegenden Monster von Osaka“ (1956).

Zwei Raketen machen sich zum Mond auf

Außerirdische mit finsteren Absichten waren im Kino Ende der 1950er-Jahre keine neue Erscheinung mehr, wie beispielsweise „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Die Dämonischen“ (1956) belegen. 1953 tobte der „Kampf der Welten“, 1959 kam Ed Wood mit der Mutter aller Trashfilme um die Ecke: „Plan 9 aus dem Weltall“. Neu an „Krieg im Weltenraum“ war die Verlegung der Auseinandersetzung ins Weltall. Und diese Auseinandersetzung kann sich sehen lassen.

Die Astronauten der Mondmission …

Klar, nach Maßstäben heutiger Tricktechnik wirken die Miniaturkulissen und Modelle etwas veraltet, aber sie sind einfallsreich, mit Liebe zum Detail gestaltet und haben seinerzeit in den Kinosälen zweifellos das Publikum beeindruckt. Ein paar Mal habe ich mich an Sequenzen in einigen „James Bond“-Filmen erinnert gefühlt, und die schauen wir alle ja heute auch noch gern. Es braucht also nur ein klein wenig Wohlwollen, um mit großem Genuss auch in den „Krieg im Weltenraum“ zu versinken.

… kämpfen mit allen Mitteln …

Die Spannungskurve steigt bis zum explosiven Finale stetig an. Daran ändert auch nichts, dass die Aliens in ihren Raumanzügen eher putzig aussehen. Wenn sich in der abschließenden Schlacht die irdischen Weltraum-Abfangjäger unter großen Opfern todesmutig der Alien-Flotte stellen, Raumtorpedos auf die Erde niedergehen und wunderbare Miniaturkulissen von New York City und der Golden Gate Bridge zerstört werden, bleibt kein Auge trocken.

… gegen die Aggressoren

Die Doppel-Disc-Edition der achten Veröffentlichung der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe lässt wieder keine Wünsche offen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial (siehe unten) angeht. Im schön gestalteten und üppig bebilderten Booklet erfährt man viel über die Entstehung des Films und seine Besetzung. Eine gewohnt schöne Veröffentlichung aus dem Hause Anolis Entertainment. Bei allen altersbedingten Unzulänglichkeiten ist „Krieg im Weltenraum“ doch Pflichtprogramm für Freunde gepflegter Weltraumschlachten. Ein gewisser George Lucas wird das sicher gern bestätigen. Und vielleicht sollten wir es auch tatsächlich mal mit einer außerirdischen Bedrohung zu tun bekommen, damit die irdischen Konflikte sich in Luft auflösen und sich die Nationen vereinen. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Die Menschheit rückt zusammen

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Ein lesenswerter Text zu „Krieg im Weltenraum“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Auch New York City wird in Mitleidenschaft gezogen

Veröffentlichung: 18. August 2017 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Uchû daisensô
Deutscher TV-Titel: Duell in der Galaxis
Internationale Titel: The Great Space War / Battle in Outer Space
JAP 1959
Regie: Ishirō Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, Jôjirô Okami
Besetzung: Ryô Ikebe, Kyôko Anzai, Minoru Takada, Koreya Senda, Len Stanford, Harold Conway, Elise Richter, Hisaya Itô, Yoshio Tsuchiya, Nadao Kirino, Kôzô Nomura, Fuyuki Murakami
Zusatzmaterial: japanische Fassung sowie amerikanische und deutsche Kinofassung wählbar, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, deutscher und amerikanischer Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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