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Latigo – Unterstützt euren örtlichen Revolverhelden!

Support Your Local Gunfighter

Von Volker Schönenberger

Westernkomödie // „Support Your Local Sheriff“ und „Support Your Local Gunfighter“ – schon die ähnlichen Originaltitel von „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ (1969) und „Latigo“ (1971) legen die Verbindung zwischen ihnen nahe. Regisseur und Hauptdarsteller sind zudem in beiden Filmen dieselben. Letztgenannte Westernkomödie verfolgt dann auch das gleiche Erfolgsrezept wie der Vorgänger. Verkörperte James Garner in „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ einen Durchreisenden, der in einem Westernstädtchen den Posten des Sheriffs übernimmt, so spielt er in „Latigo“ den Glücksspieler Latigo Smith, der im Örtchen Purgatory strandet – Garners Titelrolle in der Fernsehserie „Maverick“ lässt grüßen.

In Purgatory kämpfen die beiden Minenbesitzer Taylor Barton (Harry Morgan) und Colonel Ames (John Dehner) um die Vorherrschaft – und um eine unter der Stadt befindliche Goldader. Barton hält Latigo für den berüchtigten Revolverhelden Swifty Morgan und will ihn anwerben. Derweil muss sich der Zocker auch mit Morgans nicht auf den Mund gefallener Tochter Patience (Suzanne Pleshette) herumplagen. Im abgehalfterten, aber gutmütigen Jug May (Jack Elam) findet Latigo einen treuen Gefährten.

Jack Elam als komischer Sidekick

12 Uhr mittags“ (1952), „Zwei rechnen ab“ (1957), „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) – Jack Elam hat in einigen Klassikern des Westerngenres schurkische Nebenrollen eingenommen und ist uns nicht zuletzt aufgrund seines Sehfehlers – er schielt – markant in Erinnerung. In „Latigo“ hat er eine ähnliche Rolle wie in „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“, und er stiehlt Garner in ein paar Szenen die komische Schau. Über ein paar Absurditäten sei hinweggesehen. Dass die aufbrausende Patience gern mal mit dem Gewehr in der Gegend herumballert, wenn ihr etwas nicht passt, erscheint ebenso sinnlos wie der Running Gag, dass Latigo ab und zu wie aus heiterem Himmel dem Zwang erliegt, am Roulettetisch all sein Geld auf die 23 zu setzen.

Ein Pärchen wie Hans und Klärchen: Latigo Smith (l.) und Jug May

„Latigo“ bietet harmlose, amüsante Unterhaltung ohne Ecken oder Kanten und kommt gänzlich ohne Tote aus. Der Humor wirkt etwas altbacken, die satirische Zeichnung einiger ikonischer Westernfiguren – der Nichtsnutz der Stadt, der Glücksspieler, der Revolverheld – funktioniert nicht immer perfekt. Dennoch hat „Latigo“ seine Momente und geht als gepflegte Westernkomödie ins Ziel. Die erneute Sichtung nach vielen Jahren anlässlich der deutschen Erstveröffentlichung als Blu-ray in solider Qualität, wenn auch leider ohne Untertitel, hat immerhin Lust gemacht, „Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe“ mal wieder zu sichten. Vielleicht erscheint der Vorgänger von „Latigo“ ja in absehbarer Zeit auch auf Blu-ray.

Veröffentlichung: 27. Juli 2018 als Blu-ray und DVD, 13. März 2009 als DVD (Twentieth Century Fox Home Entertainment), 2. April 2007 als DVD (MGM)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Support Your Local Gunfighter
USA 1971
Regie: Burt Kennedy
Drehbuch: James Edward Grant
Besetzung: James Garner, Suzanne Pleshette, Jack Elam, Harry Morgan, Joan Blondell, Marie Windsor, John Dehner, Henry Jones Dub Taylor, Kathleen Freeman
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie, Biografien von Burt Kennedy,Suzanne Pleshette und James Garner, Trailershow, Wendecover
Label: Black Hill Pictures GmbH
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2018 Black Hill Pictures GmbH / WVG Medien GmbH

 

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Grauadler – Indianer entführt holde Maid

Grayeagle

Von Volker Schönenberger

Western // Im Jahr 1848 leben John Colter (Ben Johnson), seine Tochter Beth (Lana Wood) und ihr indianischer Freund Stehender Bär (Iron Eyes Cody) auf einer kleinen Ranch in den Weiten Montanas. Eines Tages beunruhigt sie der Anblick eines Indianers am Horizont – es handelt sich um Grauer Adler (Alex Cord) vom Volk der Cheyenne, wie wir später erfahren. Die Sorge erweist sich als berechtigt: Grayeagle schleicht sich an und entführt Beth.

Das friedliche Zusammenleben von John, seiner Tochter Beth und Stehender Bär wird jäh gestört …

Mit „Der schwarze Falke“ („The Searchers“) drehte John Ford 1955 eines der großen Meisterwerke des klassischen Westerngenres – Premiere war 1956. Das Entführungsdrama mit John Wayne in der Hauptrolle diente einigen Epigonen als Blaupause, auch „Grauadler“ von Charles B. Pierce („Der Umleger“, 1976). Dessen Niveau bewegt sich leider am anderen Ende der Bewertungsskala. Dabei finden sich mit Ben Johnson sogar ein Oscar-Preisträger („Die letzte Vorstellung“, 1971) und mit Lana Wood eine Darstellerin aus Fords Meisterwerk in der Besetzungsliste – Wood hatte bei Ford einen kurzen Auftritt als junge Nichte des von Wayne verkörperten Ethan Edwards.

… als Grauer Adler die junge Frau entführt

Dass unterschiedliche Sprachen keine Rolle spielen und alle Indianer klar verständliches Englisch beziehungsweise synchronisiert Deutsch sprechen, damit können wir uns abfinden, auch wenn es nach heutigen Maßstäben nicht mehr ratsam erscheint. Aber obwohl weite Teile des Films die Perspektive der Indianer einnehmen, dienen sie doch in erster Linie als herumhampelnde Folklore. Die Szenen reihen sich zudem recht zusammenhanglos aneinander, die Handlung springt vom Entführer und der Entführten zum Verfolger John Colter. Zwischendurch taucht mit Jack Elam („Spiel mir das Lied vom Tod“) eine aus zahlreichen Western bekannte markante Ganovenvisage auf – er spielt den mit Colter befreundeten Trapper Willis. Die beiden geraten zusammen in indianische Gefangenschaft, was Anlass für eine skurrile Zweikampfszene gibt, die sich sonderbar in die Länge zieht.

Warnung vor dem Spoiler!

Zwei interessante Aspekte der Beziehungen zwischen einigen Figuren tun sich gegen Ende auf. Regisseur Pierce, der auch das Drehbuch schrieb, bleibt bei beiden aber sehr an der Oberfläche. Um das zu erläutern, muss ich aber spoilern. Wer „Grauadler“ noch nicht gesehen hat, dies aber beabsichtigt, möge die folgenden Sätze überspringen und zum letzten Absatz übergehen. Zum einen stellt sich heraus, dass Grauer Adler Beth entführt hat, um sie zum sterbenden Häuptling Rennender Wolf zu bringen. Tatsächlich ist sie dessen Tochter. Ui! Er wollte sie gern einmal sehen, bevor er in die ewigen Jagdgründe einzieht. Einfach fragen konnte Grauer Adler John Colter anscheinend nicht, sonst hätte er wohl zugeben müssen, dass sein Häuptling mit Colters Frau herumgemacht hat. Dann lieber eine Entführung! Die Problematik der illegitimen Tochter und des Kuckuckskinds wird aber überhaupt nicht thematisiert. Zum anderen bahnt sich während des Ritts eine zarte Romanze zwischen Grauer Adler und Beth an, die bis in die letzte Szene des Films hinein wirkt. Auch das Thema wird jedoch recht beiläufig eingebaut und nicht vertieft.

In den Händen der Indianer

So bleibt „Grauadler“ ein oberflächlicher und biederer Western, wie man sie Mitte der 1970er-Jahre an sich nicht mehr drehen musste. Pidax hat der 2015 erschienenen DVD nun eine Blu-ray in anständiger Qualität folgen lassen. Eine gut sortierte Westernsammlung kommt aber ohne den Film aus. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Regiearbeiten von Charles B. Pierce sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Häuptling Rennender Wolf liegt im Sterben

Veröffentlichung: 9. Februar 2018 als Blu-ray 17. April 2015 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Grayeagle
USA 1977
Regie: Charles B. Pierce
Drehbuch: Charles B. Pierce
Besetzung: Ben Johnson, Iron Eyes Cody, Lana Wood, Jack Elam, Paul Fix, Alex Cord, Jacob Daniels, Jimmy Clem, Cindy Butler, Charles B. Pierce
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label: Pidax Film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2018 Pidax Film / Al!ve AG

 

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