RSS

Schlagwort-Archive: Jacques Tourneur

Wyatt Earp (V): Wichita – Ein Mann räumt auf

Wichita

Von Volker Schönenberger

Western // Zu den Klängen von Tex Ritters Titelsong „Wichita“ zieht der Vorspann an uns vorbei. Im Anschluss treiben die Cowboys des Ranchers Clint Wallace (Walter Sande) unter dessen Führung eine Rinderherde über die Prärie. Als der Viehtrieb eine Rast einlegt, stößt ein Gast zu den Männern, der sich als Wyatt Earp (Joel McCrea) vorstellt. Man kommt ins Gespräch, doch in der Nacht versuchen zwei der Cowboys, dem Neuankömmling sein Geld zu stehlen. Earp kann das verhindern, reitet aber dennoch allein weiter nach Wichita.

Die aufstrebende Stadt in Kansas sprüht im Jahr 1874 vor Leben, soll in Kürze ans Bahnnetz angeschlossen werden, was sie zur wichtigen Drehscheibe für Viehzüchter und -treiber machen wird. Damit einher geht ein etwas laxer Umgang mit dem Gesetz – und mit Schusswaffen. Als Earp seine Barschaft in der Bank deponieren will, wird das Kreditinstitut überfallen – doch weil er schneller zieht als Lucky Lukes Schatten, gelingt es ihm, zwei der Bankräuber zu töten und den dritten in Schach zu halten. Bürgermeister Hope (Carl Benton Reid) und der örtliche Unternehmer Sam McCoy (Walter Coy) versuchen sogleich, Earp zu überreden, das Amt des Marshals zu übernehmen, doch er lehnt vorerst ab, weil er ein eigenes Unternehmen aufziehen will.

Erinnerung an den Knirps am Fenster

Ich war unsicher, ob ich „Wichita“ vor dieser zu Rezensionszwecken erfolgten Sichtung jemals geschaut habe, aber eine Szene mit einem Jungen, der zum Fenster hinausschaut, als draußen die besoffenen Cowboys wild durch die Gegend ballern, weckte meine Erinnerung. Natürlich überlegt es sich Wyatt Earp, alsbald heftet er sich den Stern des Marshals an die Brust. „Wichita“ ist einer dieser Western, bei denen man sich angesichts der mutigen Heldentaten des Protagonisten vor dem Fernseher als Pantoffelheld – oder damals als Kinogänger – aufrecht hinsetzt und gut fühlt. So simpel, so gut. Die Story laviert nicht herum, sondern kommt so zielstrebig wie zügig zur Sache. Ein paar Auseinandersetzungen und Tote später ist der Film mit seinen 81 Minuten auch schon vorbei. Die mangelnde Komplexität kann man bedauern, ich habe es aber vorgezogen, mich von dem Film einfach gut unterhalten zu lassen.

Joel McCrea – als Wyatt Earp nicht ganz vorn

Joel McCrea verkörpert den schillernden Mythos Wyatt Earp als wackeren Verfechter von Recht und Ordnung, der nur dann tötet, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Der routinierte Star vieler Western erledigt seinen Job mit stoischer Mimik und ohne viele Worte. Dagegen ist nicht viel auszusetzen, aber im Vergleich zu anderen Earp-Darstellern wie Henry Fonda („Faustrecht der Prärie“, 1946 ) und Burt Lancaster („Zwei rechnen ab“, 1957) fällt McCreas Leistung doch stark ab. In der Kategorie „Besenstiel verschluckt“ immerhin liegt er weit vorn, bietet sogar Gregory Peck Paroli, der in seiner Karriere zahlreiche bis zur Stocksteifheit aufrechte Herren verkörperte. Auch Peck war allerdings der deutlich bessere Schauspieler.

Vera Miles unter Wert

Mit Lloyd Bridges, dem unverwüstlichen Jack Elam und anderen stehen ein paar markante Gestalten als Kontrahenten auf der anderen Seite des Gesetzes, die „Wichita“ ein wenig zusätzlichen Glanz verleihen. In einer Minirolle als Bankangestellter ist die spätere Regie-Legende Sam Peckinpah zu sehen. Das Drehbuch bescherte Wyatt Earp auch ein „Love Interest“ in Gestalt der Unternehmerstochter Laurie McCoy, verkörpert von der aparten Vera Miles („Der schwarze Falke“, „Psycho“), die hier vermutlich nicht zum einzigen Mal in ihrer Karriere völlig unter Wert agiert. In Western wie diesem waren Frauenfiguren in der Regel eben Staffage, gerade gut genug, um den Helden anzuhimmeln. Weshalb sich Laurie in Earp verliebt, bleibt ebenso unverständlich wie das Erwidern ihrer Gefühle durch den Marshal (obwohl: Wer würde sich nicht in Vera Miles verlieben?). Das Drehbuch hat es vorgesehen, also finden die beiden eben zusammen. Die Anbahnung erfolgt lediglich mit dem einen oder anderen Zusammentreffen.

Jacques Tourneur dreht Western

Regisseur Jacques Tourneur verbinden wir eher mit meisterhaftem Grusel, genannt seien seine bahnbrechenden Arbeiten „Katzenmenschen“ (1942), „Ich folgte einem Zombie“ (1943) und „The Leopard Man“ (1943). Mit „Goldenes Gift“ (1947) zeichnete er auch für einen der großen Klassiker des Film noir verantwortlich. Der Regisseur und sein Hauptdarsteller hatten im Übrigen kurz zuvor bereits zusammengearbeitet. Den Western „Einer gegen alle“ („Stranger on a Horseback“) nach einer Story von Louis L’Amour habe ich aber ebenso wenig gesehen wie ihren ersten gemeinsamen Film „Stars in My Crown“ (1950) – ebenfalls ein Western. Als Western-Fachmann galt Tourneur nicht unbedingt, ein paar Beiträge zum Genre finden sich aber in seiner Filmografie. „Wichita“ ist aufgrund generischer Machart nicht sein bester Western, da hat mir „Feuer am Horizont“ (1946) deutlich besser gefallen. Dennoch sieht man Tourneurs Regiearbeit an, dass er weiß, was er tut, die Klaviatur des Genres beherrscht. Und so hat er aus dem alles andere als überladenen Drehbuch einen aufs Wesentliche reduzierten, kernig-kurzen Western gemacht, der sich auch unter den Wyatt-Earp-Western gut behauptet, ohne ganz vorn zu landen.

Der historische Wyatt Earp (1848–1929) war von 1874 bis 1876 tatsächlich in Wichita als Marshal tätig. Mit einem Doku-Drama haben wir es aber selbstverständlich nicht zu tun. Das zeigt allein schon die Personalie des Hauptdarstellers: Earp kam im Alter von 26 Jahren nach Wichita, im Film verkörpert ihn der 49-jährige McCrea.

Bat Masterson gab es wirklich

Als Gehilfe eines Zeitungsdruckers tritt in „Wichita“ ein junger Mann namens Bat Masterson in Erscheinung, gespielt von Keith Larsen. Auch Masterson (1853–1921) gab es wirklich, er war eine schillernde Gestalt und ist Wyatt Earp tatsächlich begegnet, aber wohl in gänzlich anderem Kontext. Er trat auch in anderen Filmen in Erscheinung, etwa 1959 in „Drauf und dran“ („The Gunfight at Dodge City“), hierzulande als Blu-ray und DVD unter dem Titel „Duell in Dodge City“ veröffentlicht. Verkörpern tat ihn dort ein gewisser Joel McCrea.

Die abschließenden Absätze dieses Textes hat mir dankenswerterweise der geschätzte „Die Nacht der lebenden Texte“-Stammautor Ansgar Skulme geliefert, der sich mit Synchronisation und Verfügbarkeiten klassischer Filme deutlich besser auskennt als ich:

Die deutsche Synchronfassung von „Wichita“ wurde 1956 in der Synchronabteilung von RKO in Berlin erstellt. Es handelt sich allerdings um einen Allied-Artists-Film, der in Europa teilweise von RKO verliehen wurde. Den DVD-Vertrieb übernahmen in den USA die Warner Brothers, in Deutschland wartet man bisher allerdings vergeblich auf etwas Handfestes. RKO-Filme – auch die Eigenproduktionen – sind in der Bundesrepublik generell eher schlecht auf DVD verfügbar, obwohl das Studio in den 50ern sehr groß war und neben Paramount, 20th Century Fox, MGM und Warner zu den sogenannten „Big Five“ gezählt wird. Von diesen Fünf war es zwar das kleinste, allerdings muss man sich vor Augen führen, dass es beispielsweise vor Universal, Columbia Pictures, United Artists und Disney rangierte – bei dieser Kategorisierung spielen Faktoren wie etwa das Vorhandensein einer eigenen dem Studio zugehörigen Kinokette eine Rolle. Im Gegensatz zu den anderen vier der „Big Five“ verschwand RKO Ende der 50er-Jahre von der Bildfläche, und nun bleibt die Frage, wer sich sorgfältig um die Auswertung ihrer Filme für den Digitalmarkt kümmert.

Sir John spricht Wyatt Earp

Joel McCrea wird in der deutschen Version von Siegfried Schürenberg synchronisiert, der später vor allem durch seine humorvolle Verkörperung des Sir John in der Edgar-Wallace-Reihe, neben Schauspielern wie Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Siegfried Lowitz und Heinz Drache, Bekanntheit erlangte. Schürenberg war der unter dem Strich am häufigsten für McCrea eingesetzte Sprecher, wobei sich seine Einsatzzeit wohl ausschließlich auf die 50er-Jahre beschränkt – vereinzelte vorher entstandene Filme, die erst verspätet nach Deutschland kamen, eingeschlossen. Er war seinerzeit auch Stammsprecher von Clark Gable, George Sanders sowie Louis Calhern und ist eine ganz sichere Bank, einer der gefühlt niemals enttäuscht – weder hinter dem Mikrofon noch vor der Kamera. Siegfried Schürenberg wertet Joel McCrea sehr deutlich hinsichtlich eloquenter Wirkung und empfundener Größe auf, aber dennoch gab es auch in den 50er-Jahren immer wieder Versuche mit anderen Sprechern für den behäbigen McCrea, die mal gut, mal weniger gut gelangen. Darüber hinaus bildet die deutsche Synchronfassung von „Wichita“ einen sehr guten Querschnitt damals beliebter Sprecher ab, die nicht nur im Western immer wieder in prägnanten Rollen anzutreffen sind: Beispielsweise sind da die sich auch stimmlich ähnelnden und gern für Schurken besetzten Friedrich Joloff (Lloyd Bridges) und Gerd Martienzen (Rayford Barnes) in den Rollen der Clements-Brüder. Des Weiteren kann man ein paar Sprecher, die selten in wirklich großen Rollen zu hören waren und daher schwerer zuzuordnen sind, anhand dieses Films sehr gut ausmachen, da sie hier gemeinsam auftreten und der Film in der Breite sehr erstaunlich mit wichtigen Hollywood-Charakterdarstellern gesegnet ist, die schnell Eindruck hinterlassen; man nehme etwa Alfred Haase (Wallace Ford als Arthur Whiteside, der Zeitungschef), Herbert Wilk (Walter Coy als Sam McCoy, Vera Miles’ Vater im Film), Hans Emons (Edgar Buchanan als Doc Black, der sich wegen Wyatt Earp gegen seine Freunde aus der gehobenen Gesellschaft von Wichita stellt) und Erich Poremski (I. Stanford Jolley in einer kleinen Rolle als John Stanton). Das sind vier Namen, die man in Synchronbesetzungslisten zwar immer wieder einmal liest, aber wohl auch öfters gehört hat, ohne sie zuordnen zu können, da es zu wenige große Referenzrollen gibt, anhand derer sie sich schnell einprägen. Ich selbst erkenne von ihnen auch nur Hans Emons ohne Mithilfe, da mir eine seiner ganz seltenen Hauptrollen – Humphrey Bogart in „Der Tiger“ (1951) – im Gedächtnis geblieben ist und ich dadurch den Bogen zu vielen Nebenrollen schlagen konnte.

Man kann getrost behaupten, dass „Wichita“ zu den Filmen zählt, die in der deutschen Synchronfassung sicher nicht schlechter als im Original sind, sondern sogar Bonuspunkte sammeln – allein schon des Einsatzes von Siegfried Schürenberg als Wyatt Earp wegen. Von Filmen dieser Kategorie gibt es weitaus mehr als man denken mag – nicht nur aus dem klassischen Hollywood.

Filme mit dem Protagonisten Wyatt Earp finden sich in unserer Rubrik Filmreihen. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur haben wir unter Regisseure aufgelistet, Filme mit Vera Miles in der Rubrik Schauspieler, Filme mit Joel McCrea unter Schauspieler.

Veröffentlichung (USA): 22. Juni 2009 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Wichita
USA 1955
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Daniel B. Ullman
Besetzung: Joel McCrea, Vera Miles, Lloyd Bridges, Wallace Ford, Edgar Buchanan, Jack Elam, Peter Graves, Keith Larsen, Carl Benton Reid, John Smith, Robert J. Wilke, Mae Clarke, Walter Sande
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Warner

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Feuer am Horizont – Tourneur konnte auch Western

Canyon Passage

Von Volker Schönenberger

Western // „Eines der rätselhaftesten und vorzüglichsten Exemplare, die das Westerngenre hervorgebracht hat.“ So verkündet es kein Geringerer als Martin Scorsese in seinem Vorwort zu Chris Fujiwaras leider nur in englischer Sprache vorliegendem Buch „Jacques Tourneur – The Cinema of Nightfall“ über „Canyon Passage“, der in der Bundesrepublik Deutschland erst 1953 unter dem Titel „Feuer am Horizont“ in die Kinos kam – knapp sieben Jahre nach der US-Premiere. Nun ist Jacques Tourneur eher für seine wunderbar mit Licht und Schatten spielenden Gruselklassiker wie „Katzenmenschen“ (1942) und „Ich folgte einem Zombie (1943) sowie den grandiosen Film noir „Goldenes Gift“ (1947) bekannt. Seine Western – viele sind es zugegebenermaßen nicht – geraten da gern in Vergessenheit, etwa „Wichita“ (1955), in dem er Joel McCrea als Wyatt Earp inszenierte. Aber wenn sogar ein Martin Scorsese „Feuer am Horizont“ so über die Maßen lobt, ist es umso löblicher, dass Tourneurs erster Farbfilm hierzulande als Teil der „Edition Western Legenden“ von Koch Films in würdiger Form veröffentlicht worden ist – und das sogar als Blu-ray.

Lucy freut sich …

Die Handlung setzt im so verregneten wie schlammigen Portland (Oregon) des Jahrs 1856 ein. Logan Stewart (Dana Andrews) trifft dort auf Lucy Overmire (Susan Hayward), die er zu ihrem Verlobten bringen will – seinem Freund George Camrose (Brian Donlevy), einem Bankier. In der Nacht vor dem Aufbruch der beiden kann Logan nur knapp verhindern, dass ihm sein Gold geraubt wird, das er am Vorabend von der Bank geholt hatte. Der Trip zu George nach Jacksonville verläuft geruhsam. Bei einem Zwischenstopp auf der Ranch von Ben Dance (Andy Devine) schenkt Logan der dort lebenden Caroline Marsh (Patricia Roc), die ihn sichtlich anhimmelt, ein Medaillon.

Liebe, Spielsucht, Lynchmord und Indianerangriffe

In der Folge nimmt sich „Feuer am Horizont“ einiger Themen an, was dem Western eine charmante Unvorhersehbarkeit verleiht. Wir erleben Eifersucht und Liebes-Verwicklungen, Spielsucht und ihre tragischen Konsequenzen. Es kommt zu tödlichen Auseinandersetzungen mit Indianern und Lynchjustiz. Tourneur vermengt das zu einem hochinteressanten American-Frontier-Westerndrama mit spielfreudigen Darstellern. Speziell der von Dana Andrews („Laura“) verkörperte Logan Stewart mit seinem gelegentlich hervorblitzenden verschmitzten Lächeln und auf der anderen Seite großer Ernsthaftigkeit hat einen ganz eigenständigen Charakter, der den Protagonisten bei aller Gradlinigkeit doch von herkömmlichen Westernhelden abhebt. Als gebrochene Figur passt Kumpel George da sehr gut an Logans Seite. Ganz zu schweigen von den zwei zauberhaften Damen, obgleich beide doch stark auf die Rolle als „Love Interest“ reduziert sind. Es ist eben ein Western, von Männern für Männer gemacht. In einer Nebenrolle als Johnny Steele, Wortführer der Bergleute, ist der junge Lloyd Bridges („12 Uhr mittags“, 1952) zu sehen, der seit 1936 mit vielen Minirollen und zum Teil ohne Auflistung in den Credits als Schauspieler aktiv war und erst ab Mitte der 1940er in Parts mit nennenswerten Sprechrollen in Erscheinung trat.

… Logan zu sehen

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vertreibung und beinahe erfolgreichen Ausrottung der Indianer können wir bei einem 1946 entstandenen Western nicht erwarten – wir bekommen sie auch nicht geboten. Die Indianer sind Staffage ohne nennenswerte Dialoge und bringen im letzten Drittel von „Feuer am Horizont“ Dramatik, Action und Tod mit sich. Belassen wir es dabei.

Weder Canyons noch brennende Horizonte

Während der Sichtung habe ich mich lange Zeit gefragt, weshalb der Film für den deutschen Verleih den dramatischen Titel „Feuer am Horizont“ erhalten hat – bis spät tatsächlich Flammen emporlodern, wenn auch nicht am Horizont, sondern recht nah. Immerhin ist der deutsche Titel somit treffender als der Originaltitel „Canyon Passage“, denn eine Passage durch eine Schlucht ist nicht zu bemerken.

Susan Hayward hatte acht Jahre zuvor in „Girls on Probation“ (1938) mit Ronald Reagan ihre erste nennenswerte Rolle gespielt. 1948 erhielt sie für ihre Darstellung einer trunksüchtigen Sängerin in „Smash-Up – The Story of a Woman“ ihre erste Oscar-Nominierung, der vier weitere folgten. Erst die letzte brachte ihr 1959 dann auch den Academy Award: für ihre Hauptrolle in Robert Wises „Lasst mich leben“, einem eindringlichen Plädoyer gegen die Todesstrafe. Hayward starb am 14. März 1975 mit 57 Jahren an Krebs. Am 30. Juni 2017 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Würdige Western-Legende

Das Technicolor-Bild des zum Teil vor Ort in Oregon gedrehten Westerns kommt auf der Blu-ray sehr gut zur Geltung, visuell überzeugt der HD-Transfer. Für den Ton gilt das leider nur begrenzt: Die deutsche Synchronisation ist etwas höhenlastig, weshalb die englische Originalfassung vorzuziehen ist, die zwar etwas dumpf klingt, aber angenehmer in den Ohren liegt. Für Western-Perlen wie „Feuer am Horizont“ ist die „Edition Western Legenden“ genau die richtige Reihe. Scorsese hatte recht.

In Jacksonville steht Logan Ärger ins Haus

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden, Filme mit Susan Hayward in der Rubrik Schauspielerinnen. Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Johnny Steele führt wütende Bergleute an

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Canyon Passage
USA 1946
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Ernest Pascal, nach dem in der „Saturday Evening Post“ erstveröffentlichten Roman „Canyon Passage“ von Ernest Haycox
Besetzung: Dana Andrews, Brian Donlevy, Susan Hayward, Lloyd Bridges, Andy Devine, Patricia Roc, Ward Bond, Hoagy Carmichael, Rose Hobart, Halliwell Hobbes
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Films

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Der Fluch des Dämonen – Ob mit oder ohne Teufelsgestalt: meisterhafter Tourneur-Grusel

Der_Fluch_des_Daemonen-Packshot

Night of the Demon

Von Volker Schönenberger

Horror // Seit Urzeiten steht es geschrieben, auch auf diesen alten Steinen, dass es böse übernatürliche Wesen gibt in einer Welt der Finsternis. Und es steht auch geschrieben: Der Mensch, der es versteht, die magische Kraft der alten Runenzeichen zu beschwören, der ist imstande, diese Mächte der Finsternis wiederauferstehen zu lassen – die Dämonen der Hölle. Mit diesen unheilvollen Worten über den Kulissen von Stonehenge beginnt Jacques Tourneurs wunderbare Verfilmung einer Kurzgeschichte von M. R. James.

Der_Fluch_des_Daemonen-1

Mit dem Flugzeug in Richtung Grauen

Kurz darauf bekommen wir den titelgebenden Dämon auch schon zu sehen: Aus der Luft rauscht er heran und tötet Professor Harrington (Maurice Denham), indem er ihn in eine Starkstromleitung treibt. Der Forscher war damit beschäftigt, die Aktivität eines obskuren Teufelskults zu untersuchen. Die Gruselgestalt des Dämons beeindruckt, auch wenn ihr Herannahen in der Luft und ihre Maske nach heutigen Maßstäben vielleicht etwas unfreiwillig komisch wirken. Regisseur Jacques Tourneur ist an sich bekannt dafür, das Grauen nicht durch Zeigen auszulösen, sondern durch Weglassen. Und so war es dann womöglich Executive Producer Hal E. Chester, der den Dreh der zwei Dämonenszenen während der Postproduktion an Tourneur vorbei veranlasste – zum Finale erscheint die Bestie ein weiteres Mal: in einer herrlich schaurigen Szene auf Eisenbahngleisen. Tourneur beklagte das Einfügen des Monsters später. Ob es tatsächlich über seinen Kopf hinweg geschah, lässt sich allerdings heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, es bleibt eine der Legenden, die den Film umranken.

Der_Fluch_des_Daemonen-3

Holdens Weltbild gerät ins Wanken

Zwischen diesen beiden Sequenzen, die im Vergleich zur übrigen Optik des Films also nicht von ungefähr sehr unterschiedlich ausfallen, kommt die Regie Tourneurs glücklicherweise sehr gut zur Geltung. Meisterhaft verstehen er und sein Kameramann Edward Scaife es, dem Schwarz-Weiß-Bild mit virtuosen Licht- und Schattenwechseln Grusel einzuhauchen. Die Handlung folgt John Holden (Dana Andrews), der per Flugzeug aus den USA in England eintrifft, um ebenfalls besagten Teufelskult zu untersuchen. Der Skeptiker und Harringtons ebenfalls angereiste Nichte Joanna (Peggy Cummins) erfahren bei ihrer Ankunft vom Tod des Forschers. Kurz darauf begegnet Holden erstmals Dr. Julian Karswell (Niall MacGinnis), dem Führer der Satanisten. Der prophezeit seinem Widersacher bald, er werde in drei Tagen sterben …

Auf der Bestenliste von Martin Scorsese

Dana Andrews als dem Realismus verpflichteter Wissenschaftler auf der einen und Niall MacGinnis als sinistrer Dämonenbeschwörer auf der anderen Seite ergänzen einander großartig. Ihr Duell gibt dem Film die nötige Würze. Über die Jahre hat „Der Fluch des Dämonen“ auch dank der fesselnden Story seinen Ruf als eine der Großtaten des Horrorgenres gefestigt. Meisterregisseur Martin Scorsese platzierte das Werk immerhin in seiner Liste der elf beängstigendsten Horrorfilme aller Zeiten – auf Rang neun. Scorsese gab nachträglich seinem Kollegen Tourneur in dessen Haltung recht: Vergesst den Dämon selbst – es ist das, was man nicht sieht, was so machtvoll wirkt. Bei einer erst jüngst zum wiederholten Mal stattgefundenen Abstimmung zu „The 100 best horror films“ der Londoner Zeitschrift „Time Out“ unter etlichen prominenten Filmschaffenden und -kritikern landete „Der Fluch des Dämonen“ auf Rang 67.

Der_Fluch_des_Daemonen-4

Satansanbeter Karswell (2. v. l.) als Magier-Clown

Anolis Entertainment startet mit „Der Fluch des Dämonen“ die dritte „Galerie des Grauens“-Reihe. Beim Bonusmaterial hat sich das Label wie gewohnt nicht lumpen lassen. Das beginnt beim informativen und kurzweiligen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad und hört bei der knapp achteinhalbminütigen Super-8-Fassung noch nicht auf. Schön sind auch das auf den Discs enthaltene Programm des Braunschweiger Filmfests mit zwei Texten über Jacques Tourneur und den Film sowie das 20-minütige Featurette „Speak of the Devil“ über die Entstehung von „Der Fluch des Dämonen“. Da kann man es beinahe schon als selbstverständlich ansehen, dass der geneigte „Galerie des Grauens“-Fan auf Blu-ray wie DVD gleichermaßen zwischen zwei Filmfassungen wählen kann: der ursprünglichen englischen Fassung, unter der „Night of the Demon“, so der Originaltitel, im Dezember 1957 in die britischen Kinos kam, sowie die um eine knappe Viertelstunde gekürzte US-Fassung. In den USA gelangte der Film unter dem Titel „Curse of the Demon“ in die Lichtspielhäuser. Die Langfassung ist vorzuziehen, fehlen der US-Version doch einige sehr gelungene Szenen, die für die Handlung auch gar nicht so unwichtig sind.

Nach einer Kurzgeschichte von M. R. James

Überaus lesenswert ist auch Uwe Sommerlads Booklet-Text, der die Entstehungsgeschichte des Films Revue passieren lässt und auch auf die Kurzgeschichte „Drei Monate Frist“ („Casting the Runes“) von M. R. James eingeht, die als Vorlage diente. Von den mit Liebe zum Detail produzierten Editionen aus dem Hause Anolis Entertainment können sich viele Publisher eine dicke Scheibe abschneiden – Majors ebenso wie kleine Label.

Der_Fluch_des_Daemonen-5

Eine tödliche Botschaft

Lob verdient auch die Labelpolitik von Anolis bezüglich des HD-Transfers: Liegt für einen Titel der Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ein HD-Master vor, erscheint der Film in etwas höherer Auflage in Doppel-Disc-Edition inklusive Blu-ray und DVD. Blu-ray-Puristen können sich also die HD-Perlen herauspicken und werden nicht genötigt, die gesamte Reihe zu kaufen (Filmsammler lassen sich ja gern mal nötigen). Ein klitzekleines Haar in der Suppe habe ich allerdings gefunden: Sowohl im Booklet als auch im Rückseitentext wird Joanna als Harringtons Tochter bezeichnet. Sie stellt sich Holden auf der Trauerfeier deutlich vernehmbar als Nichte des Toten vor: Professor Harrington war mein Onkel – Professor Harrington was my uncle. Bei Anolis endlich mal was zum Meckern gefunden. Da arbeiten also doch nur Menschen. Käufer der Edition werden es verschmerzen können – und der Verfasser ärgert sich vermutlich am meisten. Halb so wild.

Der_Fluch_des_Daemonen-6

Im Haus des teuflischen Kults

Endlich ist „Der Fluch des Dämonen“ bei uns erschienen. Die 1.300 Exemplare der Erstauflage mit der Sammlerbox zur Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ waren bereits am Veröffentlichungstag out of print. Bis auch die Version ohne Box vergriffen ist und auf dem Sammlermarkt im Preis steigt, ist es nur eine Frage der Zeit. Für Freunde klassischen Schwarz-Weiß-Grusels ist „Der Fluch des Dämonen“ Pflichtprogramm – in dieser rundum gelungenen Edition mit bester Bild- und Tonqualität umso mehr.

Der_Fluch_des_Daemonen-7

War das ein Dämon?

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. April 2016 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & DVD), 26. Februar 2016 als Doppel-Disc-Edition (Blu-ray & DVD) mit Sammlerbox

Länge: 95 Min. (Blu-ray, britische Fassung), 91 Min. (DVD, britische Fassung), 81 Min. (Blu-ray, US-Fassung), 78 Min. (DVD, US-Fassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Demon / Curse of the Demon
GB 1957
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Charles Bennett, Hal E. Chester, nach der Kurzgeschichte „Casting the Runes“ von M. R. James
Besetzung: Dana Andrews, Peggy Cummins, Niall MacGinnis, Maurice Denham, Athene Seyler, Liam Redmond, Reginald Beckwith, Ewan Roberts, Peter Elliott, Rosamund Greenwood
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Dokumentation „Speak of the Devil“, Super-8-Fassung (8:25 Min.), englischer Kinotrailer, Programm Braunschweiger Filmfest, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Sommerlad, Wendecover, nur Erstauflage: Schuber für alle Filme der Reihe
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Der_Fluch_des_Daemonen-Packshot-Box

Fotos & Packshots: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: