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Feuer am Horizont – Tourneur konnte auch Western

Canyon Passage

Von Volker Schönenberger

Western // „Eines der rätselhaftesten und vorzüglichsten Exemplare, die das Westerngenre hervorgebracht hat.“ So verkündet es kein Geringerer als Martin Scorsese in seinem Vorwort zu Chris Fujiwaras leider nur in englischer Sprache vorliegendem Buch „Jacques Tourneur – The Cinema of Nightfall“ über „Canyon Passage“, der in der Bundesrepublik Deutschland erst 1953 unter dem Titel „Feuer am Horizont“ in die Kinos kam – knapp sieben Jahre nach der US-Premiere. Nun ist Jacques Tourneur eher für seine wunderbar mit Licht und Schatten spielenden Gruselklassiker wie „Katzenmenschen“ (1942) und „Ich folgte einem Zombie (1943) sowie den grandiosen Film noir „Goldenes Gift“ (1947) bekannt. Seine Western – viele sind es zugegebenermaßen nicht – geraten da gern in Vergessenheit, etwa „Wichita“ (1955), in dem er Joel McCrea als Wyatt Earp inszenierte. Aber wenn sogar ein Martin Scorsese „Feuer am Horizont“ so über die Maßen lobt, ist es umso löblicher, dass Tourneurs erster Farbfilm hierzulande als Teil der „Edition Western Legenden“ von Koch Films in würdiger Form veröffentlicht worden ist – und das sogar als Blu-ray.

Lucy freut sich …

Die Handlung setzt im so verregneten wie schlammigen Portland (Oregon) des Jahrs 1856 ein. Logan Stewart (Dana Andrews) trifft dort auf Lucy Overmire (Susan Hayward), die er zu ihrem Verlobten bringen will – seinem Freund George Camrose (Brian Donlevy), einem Bankier. In der Nacht vor dem Aufbruch der beiden kann Logan nur knapp verhindern, dass ihm sein Gold geraubt wird, das er am Vorabend von der Bank geholt hatte. Der Trip zu George nach Jacksonville verläuft geruhsam. Bei einem Zwischenstopp auf der Ranch von Ben Dance (Andy Devine) schenkt Logan der dort lebenden Caroline Marsh (Patricia Roc), die ihn sichtlich anhimmelt, ein Medaillon.

Liebe, Spielsucht, Lynchmord und Indianerangriffe

In der Folge nimmt sich „Feuer am Horizont“ einiger Themen an, was dem Western eine charmante Unvorhersehbarkeit verleiht. Wir erleben Eifersucht und Liebes-Verwicklungen, Spielsucht und ihre tragischen Konsequenzen. Es kommt zu tödlichen Auseinandersetzungen mit Indianern und Lynchjustiz. Tourneur vermengt das zu einem hochinteressanten American-Frontier-Westerndrama mit spielfreudigen Darstellern. Speziell der von Dana Andrews („Laura“) verkörperte Logan Stewart mit seinem gelegentlich hervorblitzenden verschmitzten Lächeln und auf der anderen Seite großer Ernsthaftigkeit hat einen ganz eigenständigen Charakter, der den Protagonisten bei aller Gradlinigkeit doch von herkömmlichen Westernhelden abhebt. Als gebrochene Figur passt Kumpel George da sehr gut an Logans Seite. Ganz zu schweigen von den zwei zauberhaften Damen, obgleich beide doch stark auf die Rolle als „Love Interest“ reduziert sind. Es ist eben ein Western, von Männern für Männer gemacht. In einer Nebenrolle als Johnny Steele, Wortführer der Bergleute, ist der junge Lloyd Bridges („12 Uhr mittags“, 1952) zu sehen, der seit 1936 mit vielen Minirollen und zum Teil ohne Auflistung in den Credits als Schauspieler aktiv war und erst ab Mitte der 1940er in Parts mit nennenswerten Sprechrollen in Erscheinung trat.

… Logan zu sehen

Eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Vertreibung und beinahe erfolgreichen Ausrottung der Indianer können wir bei einem 1946 entstandenen Western nicht erwarten – wir bekommen sie auch nicht geboten. Die Indianer sind Staffage ohne nennenswerte Dialoge und bringen im letzten Drittel von „Feuer am Horizont“ Dramatik, Action und Tod mit sich. Belassen wir es dabei.

Weder Canyons noch brennende Horizonte

Während der Sichtung habe ich mich lange Zeit gefragt, weshalb der Film für den deutschen Verleih den dramatischen Titel „Feuer am Horizont“ erhalten hat – bis spät tatsächlich Flammen emporlodern, wenn auch nicht am Horizont, sondern recht nah. Immerhin ist der deutsche Titel somit treffender als der Originaltitel „Canyon Passage“, denn eine Passage durch eine Schlucht ist nicht zu bemerken.

Susan Hayward hatte acht Jahre zuvor in „Girls on Probation“ (1938) mit Ronald Reagan ihre erste nennenswerte Rolle gespielt. 1948 erhielt sie für ihre Darstellung einer trunksüchtigen Sängerin in „Smash-Up – The Story of a Woman“ ihre erste Oscar-Nominierung, der vier weitere folgten. Erst die letzte brachte ihr 1959 dann auch den Academy Award: für ihre Hauptrolle in Robert Wises „Lasst mich leben“, einem eindringlichen Plädoyer gegen die Todesstrafe. Hayward starb am 14. März 1975 mit 57 Jahren an Krebs. Am 30. Juni 2017 wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Würdige Western-Legende

Das Technicolor-Bild des zum Teil vor Ort in Oregon gedrehten Westerns kommt auf der Blu-ray sehr gut zur Geltung, visuell überzeugt der HD-Transfer. Für den Ton gilt das leider nur begrenzt: Die deutsche Synchronisation ist etwas höhenlastig, weshalb die englische Originalfassung vorzuziehen ist, die zwar etwas dumpf klingt, aber angenehmer in den Ohren liegt. Für Western-Perlen wie „Feuer am Horizont“ ist die „Edition Western Legenden“ genau die richtige Reihe. Scorsese hatte recht.

In Jacksonville steht Logan Ärger ins Haus

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden, Filme mit Susan Hayward in der Rubrik Schauspielerinnen. Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Johnny Steele führt wütende Bergleute an

Veröffentlichung: 14. Mai 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Canyon Passage
USA 1946
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Ernest Pascal, nach dem in der „Saturday Evening Post“ erstveröffentlichten Roman „Canyon Passage“ von Ernest Haycox
Besetzung: Dana Andrews, Brian Donlevy, Susan Hayward, Lloyd Bridges, Andy Devine, Patricia Roc, Ward Bond, Hoagy Carmichael, Rose Hobart, Halliwell Hobbes
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Films

 

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Der Fluch des Dämonen – Ob mit oder ohne Teufelsgestalt: meisterhafter Tourneur-Grusel

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Night of the Demon

Von Volker Schönenberger

Horror // Seit Urzeiten steht es geschrieben, auch auf diesen alten Steinen, dass es böse übernatürliche Wesen gibt in einer Welt der Finsternis. Und es steht auch geschrieben: Der Mensch, der es versteht, die magische Kraft der alten Runenzeichen zu beschwören, der ist imstande, diese Mächte der Finsternis wiederauferstehen zu lassen – die Dämonen der Hölle. Mit diesen unheilvollen Worten über den Kulissen von Stonehenge beginnt Jacques Tourneurs wunderbare Verfilmung einer Kurzgeschichte von M. R. James.

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Mit dem Flugzeug in Richtung Grauen

Kurz darauf bekommen wir den titelgebenden Dämon auch schon zu sehen: Aus der Luft rauscht er heran und tötet Professor Harrington (Maurice Denham), indem er ihn in eine Starkstromleitung treibt. Der Forscher war damit beschäftigt, die Aktivität eines obskuren Teufelskults zu untersuchen. Die Gruselgestalt des Dämons beeindruckt, auch wenn ihr Herannahen in der Luft und ihre Maske nach heutigen Maßstäben vielleicht etwas unfreiwillig komisch wirken. Regisseur Jacques Tourneur ist an sich bekannt dafür, das Grauen nicht durch Zeigen auszulösen, sondern durch Weglassen. Und so war es dann womöglich Executive Producer Hal E. Chester, der den Dreh der zwei Dämonenszenen während der Postproduktion an Tourneur vorbei veranlasste – zum Finale erscheint die Bestie ein weiteres Mal: in einer herrlich schaurigen Szene auf Eisenbahngleisen. Tourneur beklagte das Einfügen des Monsters später. Ob es tatsächlich über seinen Kopf hinweg geschah, lässt sich allerdings heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, es bleibt eine der Legenden, die den Film umranken.

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Holdens Weltbild gerät ins Wanken

Zwischen diesen beiden Sequenzen, die im Vergleich zur übrigen Optik des Films also nicht von ungefähr sehr unterschiedlich ausfallen, kommt die Regie Tourneurs glücklicherweise sehr gut zur Geltung. Meisterhaft verstehen er und sein Kameramann Edward Scaife es, dem Schwarz-Weiß-Bild mit virtuosen Licht- und Schattenwechseln Grusel einzuhauchen. Die Handlung folgt John Holden (Dana Andrews), der per Flugzeug aus den USA in England eintrifft, um ebenfalls besagten Teufelskult zu untersuchen. Der Skeptiker und Harringtons ebenfalls angereiste Nichte Joanna (Peggy Cummins) erfahren bei ihrer Ankunft vom Tod des Forschers. Kurz darauf begegnet Holden erstmals Dr. Julian Karswell (Niall MacGinnis), dem Führer der Satanisten. Der prophezeit seinem Widersacher bald, er werde in drei Tagen sterben …

Auf der Bestenliste von Martin Scorsese

Dana Andrews als dem Realismus verpflichteter Wissenschaftler auf der einen und Niall MacGinnis als sinistrer Dämonenbeschwörer auf der anderen Seite ergänzen einander großartig. Ihr Duell gibt dem Film die nötige Würze. Über die Jahre hat „Der Fluch des Dämonen“ auch dank der fesselnden Story seinen Ruf als eine der Großtaten des Horrorgenres gefestigt. Meisterregisseur Martin Scorsese platzierte das Werk immerhin in seiner Liste der elf beängstigendsten Horrorfilme aller Zeiten – auf Rang neun. Scorsese gab nachträglich seinem Kollegen Tourneur in dessen Haltung recht: Vergesst den Dämon selbst – es ist das, was man nicht sieht, was so machtvoll wirkt. Bei einer erst jüngst zum wiederholten Mal stattgefundenen Abstimmung zu „The 100 best horror films“ der Londoner Zeitschrift „Time Out“ unter etlichen prominenten Filmschaffenden und -kritikern landete „Der Fluch des Dämonen“ auf Rang 67.

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Satansanbeter Karswell (2. v. l.) als Magier-Clown

Anolis Entertainment startet mit „Der Fluch des Dämonen“ die dritte „Galerie des Grauens“-Reihe. Beim Bonusmaterial hat sich das Label wie gewohnt nicht lumpen lassen. Das beginnt beim informativen und kurzweiligen Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad und hört bei der knapp achteinhalbminütigen Super-8-Fassung noch nicht auf. Schön sind auch das auf den Discs enthaltene Programm des Braunschweiger Filmfests mit zwei Texten über Jacques Tourneur und den Film sowie das 20-minütige Featurette „Speak of the Devil“ über die Entstehung von „Der Fluch des Dämonen“. Da kann man es beinahe schon als selbstverständlich ansehen, dass der geneigte „Galerie des Grauens“-Fan auf Blu-ray wie DVD gleichermaßen zwischen zwei Filmfassungen wählen kann: der ursprünglichen englischen Fassung, unter der „Night of the Demon“, so der Originaltitel, im Dezember 1957 in die britischen Kinos kam, sowie die um eine knappe Viertelstunde gekürzte US-Fassung. In den USA gelangte der Film unter dem Titel „Curse of the Demon“ in die Lichtspielhäuser. Die Langfassung ist vorzuziehen, fehlen der US-Version doch einige sehr gelungene Szenen, die für die Handlung auch gar nicht so unwichtig sind.

Nach einer Kurzgeschichte von M. R. James

Überaus lesenswert ist auch Uwe Sommerlads Booklet-Text, der die Entstehungsgeschichte des Films Revue passieren lässt und auch auf die Kurzgeschichte „Drei Monate Frist“ („Casting the Runes“) von M. R. James eingeht, die als Vorlage diente. Von den mit Liebe zum Detail produzierten Editionen aus dem Hause Anolis Entertainment können sich viele Publisher eine dicke Scheibe abschneiden – Majors ebenso wie kleine Label.

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Eine tödliche Botschaft

Lob verdient auch die Labelpolitik von Anolis bezüglich des HD-Transfers: Liegt für einen Titel der Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ ein HD-Master vor, erscheint der Film in etwas höherer Auflage in Doppel-Disc-Edition inklusive Blu-ray und DVD. Blu-ray-Puristen können sich also die HD-Perlen herauspicken und werden nicht genötigt, die gesamte Reihe zu kaufen (Filmsammler lassen sich ja gern mal nötigen). Ein klitzekleines Haar in der Suppe habe ich allerdings gefunden: Sowohl im Booklet als auch im Rückseitentext wird Joanna als Harringtons Tochter bezeichnet. Sie stellt sich Holden auf der Trauerfeier deutlich vernehmbar als Nichte des Toten vor: Professor Harrington war mein Onkel – Professor Harrington was my uncle. Bei Anolis endlich mal was zum Meckern gefunden. Da arbeiten also doch nur Menschen. Käufer der Edition werden es verschmerzen können – und der Verfasser ärgert sich vermutlich am meisten. Halb so wild.

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Im Haus des teuflischen Kults

Endlich ist „Der Fluch des Dämonen“ bei uns erschienen. Die 1.300 Exemplare der Erstauflage mit der Sammlerbox zur Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“ waren bereits am Veröffentlichungstag out of print. Bis auch die Version ohne Box vergriffen ist und auf dem Sammlermarkt im Preis steigt, ist es nur eine Frage der Zeit. Für Freunde klassischen Schwarz-Weiß-Grusels ist „Der Fluch des Dämonen“ Pflichtprogramm – in dieser rundum gelungenen Edition mit bester Bild- und Tonqualität umso mehr.

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War das ein Dämon?

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. April 2016 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & DVD), 26. Februar 2016 als Doppel-Disc-Edition (Blu-ray & DVD) mit Sammlerbox

Länge: 95 Min. (Blu-ray, britische Fassung), 91 Min. (DVD, britische Fassung), 81 Min. (Blu-ray, US-Fassung), 78 Min. (DVD, US-Fassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Night of the Demon / Curse of the Demon
GB 1957
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Charles Bennett, Hal E. Chester, nach der Kurzgeschichte „Casting the Runes“ von M. R. James
Besetzung: Dana Andrews, Peggy Cummins, Niall MacGinnis, Maurice Denham, Athene Seyler, Liam Redmond, Reginald Beckwith, Ewan Roberts, Peter Elliott, Rosamund Greenwood
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, Dokumentation „Speak of the Devil“, Super-8-Fassung (8:25 Min.), englischer Kinotrailer, Programm Braunschweiger Filmfest, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Uwe Sommerlad, Wendecover, nur Erstauflage: Schuber für alle Filme der Reihe
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2016 Anolis Entertainment GmbH

 

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Stadt im Meer – Unter dem Ozean lebt sich’s länger

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The City Under the Sea

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Von seinen frühen Horror-Meisterwerken „Katzenmenschen“ und „Ich folgte einem Zombie“ oder dem genialen Film noir „Goldenes Gift“ ist Jacques Tourneurs letzter Kinofilm „Stadt im Meer“ qualitativ weit entfernt. Vincent Price adelt ihn aber, und die mal stilvolle, mal alberne Inszenierung macht ihn durchaus kurzweilig.

Vincent Price als Schmuggler-Kapitän

An der Küste von Cornwall wird die Leiche eines Mannes an den Strand gespült. Er war Gast im Hotel der jungen Jill (Susan Hart). Kurz darauf dringt eine sonderbare Kreatur ins Hotel ein und entführt die Besitzerin – es scheint ein Kiemenmann zu sein. Ihr Freund Harold (David Tomlinson) und der Hotelgast Ben (Tab Hunter) nehmen die Verfolgung auf und gelangen in die von Vulkanen umgebene Unterwasserstadt Lyonesse. Dort lebt seit langer Zeit eine vom Kapitän Sir Hugh (Vincent Price) angeführte Schmugglergesellschaft, deren Mitglieder nicht zu altern scheinen.

Nach einem Gedicht von Edgar Allan Poe

Der Anfang mit dem angespülten Toten und dem Eindringen der Kreatur ins Hotel verheißt eine Spannung, die „Stadt im Meer“ im Verlauf nicht einhält. Lose auf dem Gedicht „The City in the Sea“ von Edgar Allan Poe basierend, wollten die Produzenten offenbar auf den Zug aufspringen, den Roger Corman mit seinem Poe-Zyklus in Fahrt gesetzt hatte. Das ist nur leidlich gelungen. Kostüme und Kulissen sind von uneinheitlicher Qualität – mal erscheint die Ausstattung sorgfältig und durchdacht, mal reizt der Anblick zum Schmunzeln, ohne dass das beabsichtigt war. Die unter dem Ozean lebende Gesellschaft ist obendrein unzulänglich skizziert. Sogar ein Hahn darf eine – nun ja – tragende Rolle spielen, so tragend, dass er sogar in den Credits verewigt worden ist: Herbert hieß er.

In den USA sogar auf Blu-ray erschienen

Das kann man sich schon mal anschauen, aus historischem Interesse allemal. Alles in allem wird „Stadt im Meer“ mich aber nicht zu einer zweiten Sichtung motivieren. In den USA ist der Film unter dem alternativen Titel „War-Gods of the Deep“ sogar auf Blu-ray erschienen. Die recht einfach aufgemachte deutsche DVD überzeugt immerhin mit anständigem Bild. Für Tourneur- und Price-Komplettisten ist sie natürlich Pflicht – aber auch nur für die.

Jacques Tourneur bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Katzenmenschen (1942)
Ich folgte einem Zombie (1943)
The Leopard Man (1943)
Feuer am Horizont (1946, Rezension folgt in Kürze)
Goldenes Gift (1947)
Wichita (1955, geplant)
Der Fluch des Dämonen (1957)
Stadt im Meer (1965)

Vincent Price bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Die Fliege (1958)
House on Haunted Hill (1959)
Schrei, wenn der Tingler kommt (1959)
Die Verfluchten (1960)
Das Pendel des Todes (1961)
Die Maske des Roten Todes (1964)
Stadt im Meer (1965)
Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)
Die Rückkehr des Dr. Phibes (1972)
Theater des Grauens (1973)
Das Haus der langen Schatten (1983)

Veröffentlichung: 22. Mai 2015 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The City Under the Sea
Alternativtitel: War-Gods of the Deep
GB 1965
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Charles Bennett, Louis M. Heyward
Besetzung: Vincent Price, David Tomlinson, Susan Hart, Tab Hunter, John Le Mesurier, Henry Oscar, Derek Newark, Roy Patrick
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2016 Al!ve AG / Cosmopolitan Pictures

 

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