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Lady in a Cage – Wir haben den Dschungel nicht zivilisiert

Lady in a Cage

Von Tonio Klein

Horror // „Lady in a Cage“ kommt in der Hülle der campy Horrorfilme mit unbekannten Darstellern und ein, zwei nicht mehr ganz jungen Stars daher, wie es seit „Was geschah wirklich mit Baby Jane?“ (1962) Mode war. Hier nun spielt Olivia de Havilland die durch eine Hüftoperation gehbehinderte Cornelia Hildyard, die im für sie eingebauten Aufzug im eigenen Hause gefangen ist. Was ein böses Kammerspiel ist, aber noch viel mehr. „Lady in a Cage“ ist meines Erachtens der meistunterschätzte Film der Welle, der leider nie den Kultstatus einiger Konkurrenten erreicht hat. Er ist nicht nur eine ganz und gar beißende, bittere, letztlich vollkommen desillusionierte und trostlose Gesellschafts- und Zivilisationskritik; sondern er hat auch das positive humanistische Gegenbild noch nicht aufgegeben und ist von einem schrillen Schmerzensschrei nach einer besseren Welt und besseren Menschen beseelt, für die es sich immerhin noch zu schreien lohnt. Dies macht den Film einzigartig.

Ein grausamer Schrei nach Humanität

Einzigartig macht ihn auch, dass er sein Anliegen nicht mit lehrbuchhaften Monologen à la Stanley Kramers „Rat mal, wer zum Essen kommt“ (1967) transportiert. Stattdessen sind Plot und Stilmittel pervers und grausam, wie es im Mainstreamfilm 1964 ungewöhnlich war. Dass er zumindest teilweise seine Verkommenheit mit schriller Heftigkeit präsentiert, ist ihm nicht anzulasten. Dies zeigt sich schon in der ungewöhnlichen Titelsequenz. Zu (auch später) dissonanter Musik wird immer wieder das Bild eingefroren und verfremdet, hauptsächlich durch vertikale, schwarz-weiß kontrastierende (Käfiggitter?-)Linien. Als hätten Titeldesigner Saul Bass (viele Hitchcocks) und Maurice Binder (viele James-Bond-Filme) das zusammen nach einer durchzechten Nacht entworfen. Dazwischen Bilder, auf die wir uns zunächst keinen Reim machen können, die aber bereits verstören. Unter anderem ein toter oder bewusstloser Mann, ein toter Hund, alles auf offener Straße am helllichten Tage, und keinen scheint es zu kratzen. Dazwischen immer wieder: Autos, die die Straße entlangfahren, durch Weitwinkel und Froschperspektive im Vordergrund bedrohlich groß werdend. Das alles wird einen Sinn ergeben, der sich vollständig erst am Schluss erschließt. Es passiert Schreckliches, aber Menschen nehmen keine Notiz oder ihnen ist es egal, sie wollen nur weiterfahren, fortfahren ohne Blick nach rechts oder links.

Und darum geht es auch im folgenden Film: „Wir haben den Dschungel nicht zivilisiert, wir haben ihn nur in unsere Häuser eingesperrt“, so sagt Cornelia einmal sinngemäß. Wir sehen eine gutsituierte Wohngegend in den USA, ein schönes Haus, in dem Cornelia mit ihrem erwachsenen Sohn lebt, den sie aber offensichtlich in klammernder Mutterliebe wie ein kleines Kind behandelt. Nachdem der Sohn zur Arbeit aufgebrochen ist (um sich per Brief endgültig abzunabeln, wie wir später erfahren), bleibt der Fahrstuhl aufgrund eines technischen Defekts stecken, und Cornelia ist in ihm eingeschlossen. „Lady in a Cage“ kommt anschließend vom Hundertsten ins Tausendste. Es treten nur verkommene Personen auf, und wenn wir eine Steigerung nicht mehr für möglich halten, stellen sich neue, noch verkommenere und brutalere Personen ein. Dazwischen immer wieder: Bilder vom Draußen, vom Leben, das weiter fließt wie der ständig eingeblendete fließende Verkehr, in dem sich Menschen mit Scheuklappen bewegen. Typische Americana – ein Baseballspiel, eine Parade, ein Kirchenglockenläuten –, doch das, was (nicht nur) den Amerikanern heilig ist, nützt Cornelia nicht das Geringste. Eine funktionierende Alarmklingel an der Außenwand wird von niemandem gehört, und wenn, dann nicht beachtet, obwohl darunter doch steht, man möge bei Alarm die Polizei rufen. Stattdessen zieht die Klingel einen Penner an, den die Gelegenheit zum Plündern von Cornelias Weinkeller und zur Mitnahme des Tafelsilbers animiert. Dabei wird es aber nicht bleiben, und bald stellt sich ein Grüppchen brutaler und völlig perverser Menschen in dem Haus ein, deren Kaltschnäuzigkeit nicht etwa durch einen Rest von moralischen Instinkten, sondern nur von ihrer Gier geschmälert werden kann.

Gewalt und Blindheit

Die heftigen, gewalttätigen Auseinandersetzungen ereignen sich an einem sonnigen, helllichten Tag, teilweise bei offenen Türen und kurzzeitigen Telefonverbindungen nach draußen. Es ist also sehr schwer, das alles zu übersehen und zu überhören. Man muss es übersehen und überhören wollen, und das will hier fast jeder. Cornelias Appelle „in the name of humanity“ haben keine Chance, wobei die Gesamtgesellschaft vielleicht nicht minder inhuman als Cornelias Peiniger ist: Die Personen außerhalb des Geschehens erinnern an die drei Affen, die nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, sind also unter anderem blind. Ein Pfandleiher ist schon durch seine rechtsseitig abgedunkelte Brille als auf einem Auge blind gekennzeichnet. Dem Penner wird ein Mal eins übergebraten und der Kopf in einen Sack gesteckt; beim Wiederaufwachen wähnt er sich blind. Dem brutalsten der Gangster, Randall (eine frühe Rolle James Caans), wird am Ende eine Aktion ins Auge gehen. Und Cornelia ist sogar selbst blind! Wenn sie dies am Ende erkennt und „I’m a monster“ sagt, wirkt dies zwar angesichts der zuvor gesehenen Monstren bitter-ironisch, aber es liegt ein Stück Wahrheit darin. Wie sie ihren Sohn und ihr Leben zu kontrollieren gedachte, nicht merkend, dass sie sich etwas vormacht und den Sohn geradezu erdrückt, das lässt sich ebenfalls als Blindheit beschreiben.

Das Haus und die Kleidung weisen Cornelia als wohlhabende Person aus. Sie hat die dschungelartigen Abgründe ihrer Seele und ihres Soziallebens besonders massiv zivilisiert und doch nur Fassaden aufgebaut. Beispielsweise in einer höchstens für wenige Zierblumen geeigneten Vase, an der sie die Ordnung und die klare, reine Form schätzt, wird sie ihren Dschungel nicht einsperren können. Bezeichnenderweise muss sie im Laufe ihres Martyriums Stück für Stück ihre scheinbaren Gewissheiten aufgeben. Die Vase muss sie zertrümmern, diverse Kleidungsstücke ablegen, ihren Ehering als Schraubenzieher zweckentfremden (wegen der im Genre standardmäßigen Versuche, selbst zu fliehen, ein Telefon zu erreichen, die Tür zu öffnen etc). Und als die Tür offen ist, müsste sie den Sprung in die Tiefe wagen. Leicht fällt ihr das alles nicht, sie ist keine hundertprozentige Identifikationsfigur. Noch während ihrer eigentlich recht überzeugenden Appelle an die Humanität scheint sie statt aller Brutalitäten am meisten zu stören, dass Randall sie aus Spaß einige Male unflätig anrülpst.

Moral, Amoral – und Olivia de Havilland!

Am Ende kommt es zu zwei schockierenden Bildern und Cornelia hat – möglicherweise – ihre Lektion gelernt. Die Gesellschaft hat es nicht! Nach einem Unfall stört es die Autofahrer am meisten, dass sie nicht weiterfahren können; wie wild hupen sie, ohne sich zu fragen, ob vielleicht gerade vor ihren Augen etwas Schreckliches geschehen ist. Die Passanten und die Polizei kümmern sich um Cornelia nur wenig, und das letzte Bild des Filmes zeigt, wie die Autos endlich weiterfahren können. Gemein! Aufrüttelnd! Ein moralischer Film, der ganz und gar unmoralische Vorgänge zeigt. Dafür braucht er gar keinen Zeigefinger. Bildgestaltung, Plot und Handlungsweisen der Protagonisten reichen völlig aus – und sind nichts für schwache Nerven. Hauptdarstellerin Olivia de Havilland, die im Juli 2020 mit 104 Jahren verstorben ist, hat dies alles erkannt. Sie hatte den Film, den man von der aufrichtigen Melanie in „Vom Winde verweht“ (1939) nicht erwartet, stets verteidigt. Zwar darf sie ohnehin nicht auf das good girl reduziert werden, wie ich auch in meinem Nachruf in Ausgabe 39 von „35 Millimeter – das Retro-Filmmagazin“ dargelegt habe. Aber einen solch brutalen Film hatte man mit der Darstellerin noch nie gesehen (und sah auch später keinen). De Havilland sah aber in ihm eine gute Geschichte. Zu Recht – und man kann die Gewalt, die nie selbstzweckhaft dargestellt wird, davon nicht trennen. In aller Bescheidenheit: Wer sich für meine gedruckten Zeilen zum Tode von Olivia de Havilland interessiert, kann das Heft im Online Shop der Zeitschrift direkt bestellen.

„Lady in a Cage“ ist in Deutschland leider nie erschienen. Mir liegt die US-DVD der „Paramount Widescreen Collection“ von 2005 vor, die über ein gutes Bild verfügt und den englischen Ton mit Untertiteln in Englisch präsentiert. Barnes & Noble nennen eine Neuerscheinung vom 26.05.2020, ebenfalls von Paramount. Näheres habe ich darüber nicht herausgefunden, zumal die US-Seite von Amazon inzwischen auf das Streaming-Angebot verweist und ansonsten nur die ältere Scheibe zu Sammlerpreisen feilbietet. Eine Blu-ray ist 2016 in Spanien erschienen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Olivia de Havilland haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit James Caan unter Schauspieler.

Veröffentlichung Spanien: am 15. Juli 2016 als Blu-ray („Una Mujer atrapada“)
Veröffentlichung USA: 29. März 2005 als DVD

Länge: 90 Min. (Blu-ray, Angabe womöglich fehlerhaft), 94 Min. (DVD).
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Spanisch (Blu-ray), Englisch (DVD)
Originaltitel: Lady in a Cage
USA 1964
Regie: Walter Grauman
Drehbuch: Luther Davis
Besetzung: Olivia de Havilland, James Caan, Jennifer Billingsley, Rafael Campos, Jeff Corey, Ann Sothern, William Swan
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: new line films (Spanien) / Paramount (USA)

Copyright 2020 by Tonio Klein
Filmplakat: Fair Use

 

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Rollerball – Konzerne geben uns Brot und Spiele

Rollerball

Von Volker Schönenberger

SF-Actiondrama // Zu den gewaltigen Orgelklängen von Johann Sebastian Bachs „Toccata und Fuge in d-Moll“ wird zu Beginn der Filmtitel „Rollerball“ eingeblendet, und eine Schar Menschen betritt das Halbdunkel einer Sporthalle, in der sich ein hölzerner Rundkurs befindet. Schiedsrichter prüfen die Bodenbeschaffenheit und nehmen ihre Positionen ein, dann strömt Publikum in die Logen und auf die Ränge. Wir befinden uns in Houston, der „Stadt der Energie“. Das lokale Rollerball-Team ist amtierender Weltmeister und trägt ein bedeutsames Match gegen den Divisionsmeister aus Madrid aus. Wie gewohnt führt Houstons Kapitän und Superstar Jonathan E. (James Caan) seine Mannschaft aufs Feld, der mit seinem großspurigen Buddy Moonpie (John Beck) das Rückgrat Houstons bildet.

Das Team von „Energy City“ Houston

Mit Brot und Spielen lässt sich das Volk bisweilen ruhigstellen. Wenn es den Mächtigen – also Spitzenpolitikern und Konzernchefs – gelingt, die Menschen zu ernähren und irgendwie zu unterhalten, können sie die Welt in aller Ruhe nach ihrer Vorstellung gestalten, die da lautet: Die Kohle fließt nach oben. So war es schon bei den alten Römern, so ist es heute noch, und so ist es auch in der Welt von „Rollerball“: Die Nationen früherer Zeiten existieren nicht mehr, auch Kriege gehören der Vergangenheit an. Die Menschheit wird von Konzernen regiert, die ihre Betätigungsfelder aufgeteilt haben und somit keine Konkurrenten mehr sind (es sind derer sechs, wenn ich eine Szene mit einer Videokonferenz nach etwa anderthalb Stunden Laufzeit richtig interpretiert habe).

Houstons Star soll zurücktreten

Rollerball dient dem Zweck, das Volk abzulenken. Die Sportart ist in vollem Bewusstsein als brutal konzipiert worden. Da es den Skatern erlaubt ist, einander anzugreifen, sind Verletzungen an der Tagesordnung, und immer wieder kommt es auch zu Todesfällen. Der Sinn dahinter: Das Individuum ist entbehrlich, es zählt allein die mannschaftliche Geschlossenheit. Da passt Jonathans Karriere einigen Verantwortlichen nicht ins Bild. Zehn Jahre ist er nun schon dabei, viel länger als andere. Er ist ein Idol, das Publikum jubelt ihm zu. Der Houstoner Konzernboss Bartholomew (John Houseman) tritt daher mit einer Bitte an den Superstar heran, die unverhohlen als Aufforderung, wenn nicht sogar Befehl zu verstehen ist: Jonathan möge seinen Rücktritt verkünden. Obwohl der Mannschaftsführer des Energie-Teams eine Ranch besitzt, im Wohlstand lebt und den Ruhestand genießen könnte, ist er von dem Gedanken alles andere als angetan. Er hat zudem nie vergessen können, dass ihm vor einiger Zeit seine Ehefrau Ella (Maud Adams) genommen wurde, weil irgendein Konzernvorstand sie für sich beansprucht hat.

Die Leitwölfe: Jonathan (l.) und Moonpie

Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob Drehbuchautor William Harrison die Rollerball-Regeln schon in seiner als Vorlage dienenden Kurzgeschichte „Roller Ball Murder“ (1973) so ausführlich skizziert hat oder diese erst für die Dreharbeiten detailliert ausgearbeitet worden sind. Das den Auftakt des Films bildende Match von Houston gegen Madrid – ein Viertelfinale um die Weltmeisterschaft – veranschaulicht dem Filmpublikum Ziel des Spiels und gibt uns einen groben Überblick über die Regeln. Jedenfalls treten zwei Teams gegeneinander an, die jeweils aus neun Rollerskatern und drei Motorradfahrern bestehen – mittels an den Motorrädern befestigter Haltebügel gelingt es den Skatern, auf Geschwindigkeit zu kommen. In drei Dritteln à 20 Minuten müssen die Teams versuchen, eine in den Rundkurs geschossene, etwa acht Zentimeter dicke Stahlkugel zu fangen und ins gegnerische Tor zu befördern. Fouls werden mit dreiminütigen Zeitstrafen geahndet. Und wenn es den Entscheidungsträgern gefällt, werden die Regeln auch mal geändert – und das nicht aus Rücksicht auf Leib und Leben der Athleten. Angeblich war das Spiel so realistisch konzipiert, dass Cast und Crew es während der Dreharbeiten in Pausen gern praktizierten. Hoffen wir, dass die Teilnehmer dabei wenigstens von körperlichen Attacken Abstand genommen haben.

Vom Regisseur von „In der Hitze der Nacht“

Regisseur Norman Jewison („In der Hitze der Nacht“, „F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg“, „Mondsüchtig“) verpackte seine Kapitalismuskritik in ein mitreißendes Sport-Actiondrama, das uns Filmpublikum auch entlarvt. In „Rollerball“ geht es keineswegs darum, dass wir mit Houstons Kampf um die Weltmeisterschaft mitfiebern, aber genau das passiert. Was nicht zuletzt an der brillanten Inszenierung der Spielszenen liegt, deren Brutalität uns vollends zu Voyeuren macht. Jonathan ist dabei klar als Held gezeichnet, der sich gegen das System auflehnt, aber wir erfahren und sehen auch, dass er die Gewalt seiner Sportart mitträgt. Diese Gewalt des Spiels wird höchst drastisch gezeigt, was viele Zuschauer in den 1970er-Jahren verstört haben dürfte und auch angetan ist, Menschen zu verschrecken, die lediglich einen Sportfilm mit einer erdachten Sportart erwarten.

Partyspaß der besonderen Art

Die Systemkritik gerät an ihre Grenzen: Zwar bekommen wir anhand der Figur des Konzernchefs Bartholomew hautnah mit, dass die Welt von einer zahlenmäßig äußerst kleinen Elite gelenkt wird; zwar bekommen wir einen Ausschnitt der Dekadenz einer privilegierten Klasse zu sehen, wenn eine Schar Partygäste aus Jux und Dollerei mit einer Schusswaffe eine Reihe prächtiger Bäume in Brand setzt (soll die Szene zeigen, dass der Mensch trotz Abschaffung des Kriegs nicht von Waffen lassen kann?); offen bleibt aber, wie diese „New World Order“, diese Perfektionierung der Herrschaft des Kapitals die große Masse der Menschheit beeinflusst und beeinträchtigt. Indem der Film seinen Fokus ganz auf Jonathan legt, umschifft „Rollerball“ gekonnt ein paar geringfügige Inkonsequenzen und offene Fragen zur Zusammensetzung und Form der Gesellschaft, auch die titelgebende Sportart lenkt davon ab. Das eine oder andere Detail zeigt hingegen sehr schön, auf welche Weise die Menschheit in der Welt von „Rollerball“ manipuliert wird, etwa durch die „Zusammenfassung“ von Buchinhalten und eine Geschichtsschreibung, die lediglich solche Bestandteile der Menschheitsgeschichte an die Öffentlichkeit gelangen lässt, die die Herrschenden für unbedenklich halten.

Was will Jonathan?

James Caan trägt die schauspielerische Last zwar nicht ganz allein auf seinen Schultern, stellt aber die prägendste Figur dar. Jonathans Kumpel Moonpie sowie Konzernboss Bartholomew erhalten – mit jeweils deutlich weniger Szenen – ebenfalls Profil, alle weiteren Figuren bleiben dahinter zurück. Mehr war in der Hinsicht aber auch nicht erforderlich. Ob es Jonathan wirklich darum geht, ein korruptes System zu stürzen, erfahren wir nicht, daran mag sich stören, wer will, mir hat es nicht gefehlt.

Im Match gegen Tokio wird mit harten Bandagen gekämpft

Die Rollerball-Match-Sequenzen entstanden in der Rudi-Sedlmayer-Halle in München, die für die Olympischen Sommerspiele 1972 errichtet worden war und heute den Namen einer Automarke trägt. Die Kulissen in der Halle wurden für die Dreharbeiten wiederholt verändert, da sie im Film als Spielstätte sowohl in Houston als auch in Tokio und New York City fungiert. Bürgerinnen und Bürger der bayerischen Hauptstadt verkörperten in diesen Szenen als Statisten das Publikum. Passend dazu diente auch die in München angesiedelte Konzernzentrale eines anderen Autoherstellers als Hauptquartier des Energiekonzerns in Houston (das Gebäude in Form eines Vierzylinders ist übrigens auch in Dario Argentos „Suspiria“ von 1977 zu sehen).

Vom originalen 35-mm-Negativ restauriert

Die Summe aller Teile fügt sich zu einem herausragenden Gesamtbild zusammen – einer Action-Dystopie, die völlig zu Recht Klassikerstatus genießt. Das Label capelight pictures hat sich für „Rollerball“ nicht lumpen lassen und den Film aufwendig vom originalen 35-mm-Negativ restauriert und auf 4K 16-bit gehoben. Über die Qualität der 4K UHD Blu-ray kann ich keine Auskunft erteilen, aber bereits das Bild der herkömmlichen Blu-ray ist einfach umwerfend, zeigt alle Details und kräftige Farben unter Beibehaltung eines gewissen Filmkorns. Alterserscheinungen des Negativs wurden korrigiert. Auch die Bildschärfe erscheint mir optimal, ohne übertrieben zu sein – so wurden nach meinem optischen Empfinden bewusste Unschärfen beibehalten. Wer sich für die technischen Herausforderungen solcher Restaurierungen interessiert, kann darüber in einem zusätzlichen Booklet nachlesen, das der Ultimate Edition des Films beiliegt. In den Booklets der beiden Mediabooks findet sich eine Kurzfassung davon.

Doch das ist nichts gegen das, was die Athleten …

Bei solch anspruchsvoller Arbeit lassen sich Fehler nie ganz vermeiden. So hat capelight pictures selbst eingeräumt, dass der Ton auf der UHD Blu-ray um vier Frames asynchron zum Bild ist, was etwa einer Sechstelsekunde entspricht. Beim in der Ultimate Edition enthaltenen Remake von 2002 ist offenbar der Originalton teilweise ebenfalls asynchron, und beim deutschen Ton der 5.1-Tonspur auf der Blu-ray wurden der linke und der rechte Kanal vertauscht. Das Label hat kostenlose Austausch-Discs zugesagt, die Abwicklung erfolgt per Kontaktaufnahme per E-Mail an support@capelight.de (Kopie des Kaufbelegs beifügen und Anschrift nennen). Wer direkt im capelight-Online-Shop bestellt hat, muss sogar überhaupt nicht aktiv werden und bekommt automatisch Ersatz.

Kinofassung nicht ganz lippensynchron

Keinen Fehler stellt es hingegen dar, dass die Kino-Synchronisation an einigen Stellen nicht durchgängig lippensynchron ist. Diesen kleinen Makel von damals wollte capelight beibehalten, womöglich aus nostalgischen Motiven. Ich hätte eine Korrektur vorgezogen, sofern sie ohne Qualitätsverlust möglich wäre, kann damit aber leben. Außerdem kann man auch mal die Kirche im Dorf lassen, der für die „Rollerball“-Editionen betriebene Aufwand war enorm. Natürlich blieb es nicht aus, dass sich einige Kapeiken in den Sozialen Medien über die Asynchronität die Mäuler zerrissen haben, aber was kümmert es den Mond, wenn ihn ein Hund anheult? Die Fehler bessert das Label nach, darauf kommt es an.

Ultimate Edition sogar mit dem Remake

In puncto Bonusmaterial hat capelight ein Füllhorn ausgeschüttet. Die spielfilmlange neue Doku „From Rollerball to Rome – Nachhall eines Sci-Fi-Klassikers“ erscheint mir hier als Herzstück, hinzu kommen Interviews, Making-ofs, weitere Featurettes und die Audiokommentare des Regisseurs Norman Jewison und des Autors William Harrison. Die Ultimate Edition hat als Plus gegenüber den beiden Mediabooks unter anderem Artcards, ein Zertifikat, ein Poster sowie auf Blu-ray im Digipack das 2002er Remake „Rollerball“ von „Stirb langsam“-Regisseur John McTiernan zu bieten. Mehr geht nicht (auch wenn das Remake missraten ist). Marco Heiters Booklet-Text hält das gewohnt hohe Niveau der capelight-Autoren, die Lektüre empfiehlt sich aufgrund einiger Spoiler erst nach der Sichtung des Films. Mir gefällt das Konzept ausgesprochen gut, von herkömmlicher Blu-ray oder DVD über Mediabook bis hin zur Luxusausführung Ultimate Edition verschiedene Ausstattungsstufen für verschiedene Sammlerbedürfnisse bereitzustellen. Manchen Filmguckern reicht eben der Film und damit eine reduzierte Veröffentlichung zum vergleichsweise geringen Preis, andere wollen einen Klassiker lieber in üppiger Verpackung und Ausstattung gewürdigt sehen. Verdient hat „Rollerball“ auf die eine oder andere Weise jedenfalls, auch heute noch sein Publikum zu finden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Caan haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… im Finale erwartet

Veröffentlichung: 17. April 2020 als 3-Disc Limited Collector’s Edition UHD-Mediabook (4K Ultra HD, Blu-ray & Bonus-Blu-ray), 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray, Bonus-Blu-ray & DVD), 5-Disc Limited Ultimate Edition (4K Ultra HD, Blu-ray, 2 Bonus-Blu-rays & Daten-CD, limitiert auf 3.000 Exemplare), Blu-ray und DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Rollerball
GB/USA/KAN 1975
Regie: Norman Jewison
Drehbuch: William Harrison
Besetzung: James Caan, John Houseman, Maud Adams, John Beck, Moses Gunn, Pamela Hensley, Barbara Trentham, John Normington, Shane Rimmer, Burt Kwouk, Nancy Bleier, Richard LeParmentier, Robert Ito, Ralph Richardson
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Norman Jewison, Audiokommentar von Autor William Harrison, nur Ultimate Edition & Mediabooks: neue Doku „From Rollerball to Rome – Nachhall eines Sci-Fi-Klassikers“, „From Sweden to Stardom“ – Im Gespräch mit Maud Adams, „Blood Sports“ – Im Gespräch mit James Caan, Making-of „Return to the Arena“, Featurette „The Fourth City“ – Eine Reise zurück zu den Münchner Originalschauplätzen des Films, Featurette „The Bike Work“ – Stuntman Craig R. Baxley über die Motorradstunts, Making-of „From Rome to Rollerball“ (1975), 13 Originaltrailer & TV-Spots (teilweise neu restauriert), 2 vintage 8mm-Reels: „Game On“ und „Game Over“, 24-seitiges Booklet, nur Ultimate Edition: Blu-ray im Digipack mit dem Remake „Rollerball“ (2002) von John McTiernan, Daten-CD mit seltenen Pressematerialien aus aller Welt, doppelseitiges Poster, Artcards, nummeriertes Zertifikat
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot mit Inhalt: © 2020 capelight pictures

 
 

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Gewinnspiel: 3 x Die glorreichen Reiter auf Blu-ray im Mediabook

Verlosung

Lose angelehnt an die Schlacht am Little Bighorn und den Tod General Custers erzählt „Die glorreichen Reiter (1965) von einem Soldaten und einem Scout, die als Freunde um eine Frau (Senta Berger) konkurrieren und unter einem kriegslüsternen Offizier in eine Schlacht gegen Indianer ziehen müssen. Koch Films hat den nach einem Drehbuch von Sam Peckinpah inszenierten Western von Arnold Laven kürzlich als 62. Teil der „Edition Western Legenden“ auf Blu-ray und DVD im schmalen Mediabook veröffentlicht und uns drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Lars Johansens Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 2. Februar 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Dirk Busch,
– Marco Felici,
– Marco Winnig.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Die glorreichen Reiter“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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