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James Stewart (III): Meuterei am Schlangenfluss – Ein Geläuterter und ein Gieriger auf gefährlicher Reise

Bend of the River

Von Dirk Ottelübbert

Western // Planwagen rollen nach Norden. Die Siedlergemeinschaft um den alten Jeremy Baile (Jay C. Flippen) und seine Töchter Laura (Julie Adams) und Marjie (Lori Nelson) hofft auf eine neue Heimat in den Bergen Oregons. Kundiger Treckführer ist der Trapper Glyn McLyntock (James Stewart).

Ganoven oder Ex-Ganoven?

Auf einem Erkundungsritt bewahrt er einen Mann vor einem Lynchmob, der den angeblichen Pferdedieb hängen will. Der Gerettete (Arthur Kennedy) bedankt sich. Als McLyntock sich vorstellt, merkt der Fremde auf: „Glyn McLyntock … aus Missouri?“ – „Ja, genau.“ Später nennt der Fremde seinen Namen, er heißt Emerson Cole. „Aus der Gegend von Kansas?“, fragt McLyntock mit taxierendem Blick. Die Männer haben voneinander gehört, teilen ganz offenkundig eine unrühmliche Vergangenheit als Banditen.

Der Neuankömmling erweist sich als tapfer: Nachts kreist ein Trupp Indianer das Lager ein, Laura wird von einem Pfeil verletzt. Glyn und Cole wehren die Angreifer ab, wobei Cole seinem Mitstreiter das Leben rettet – zum ersten, aber nicht zum letzten Mal.

Glyn McLyntock führt den Siedlertreck

Entgegen seinem Plan, nach Kalifornien zu gehen, reitet Cole erst einmal mit dem Treck und sucht dabei Glyns Nähe. Ob er denn tatsächlich Farmer werden wolle, fragt Cole, um ihn aus der Reserve zu locken. Und: „Vor wem laufen Sie eigentlich weg?“ – „Vor einem Mann namens Glyn McLyntock.“ – „Na, und was passiert, wenn er Sie erwischt?“ – „Ich glaube nicht, dass er mich jemals erwischen wird. Ich habe ihn an der Grenze von Missouri beerdigt.“

Auftritt Rock Hudson

Nächste Reisestation auf dem Weg ist die Flussstadt Portland. Baile kauft beim Geschäftsmann Hendricks (Howard Petrie) lebensnotwendige Vorräte für den Winter – Lebensmittel, Kleidung, Saatgut, Vieh. Während die Siedler das Getümmel des aufblühenden Ortes genießen, scharwenzelt der junge Spieler Trey Wilson (Rock Hudson) um Marjie herum. Coles und McLyntocks Wege trennen sich hier vorerst: Erstgenannter bleibt in Portland und bei der in ihn verliebten, noch erholungsbedürftigen Laura, Glyn schifft sich mit Siedlern und Planwagen auf der „River Queen“ ein. Der Dampfer des alten Captain Mello (Chubby Johnson) bringt sie zum Oberlauf des Columbia-Flusses, bis in die Nähe des Siedlungsgebiets am Mount Hood. Die Vorräte sollen mit dem nächsten Schiff nachkommen.

Der Treck bewältigt den mühseligen Weg durch Wälder und Ebenen, über Steigungen und Geröll, kommt schließlich dort an, wo einmal das neue Dorf entstehen soll. Unerklärlicherweise bleibt die Lieferung der Vorräte aus. Die Zeit drängt, der Winter naht, und Glyn reitet mit Baile zurück nach Portland. Des Rätsels Lösung: In der Stadt hat der Goldrausch Einzug gehalten – und mit ihm die Gier. Der zuvor so vertrauenswürdig scheinende Hendricks hat die für die Siedler bestimmten – und bereits bezahlten – Vorräte einbehalten, da er sie weit profitabler an die Glücksritter losschlagen kann, und verweigert die Herausgabe. Bei einer anschließenden Schießerei steht Cole, mittlerweile eigentlich Casinobetreiber und Hendricks’ rechte Hand, einmal mehr McLyntock bei. Er, Laura und Wilson helfen auch, die Vorräte heimlich an Bord des Dampfers zu bringen, und begleiten Glyn.

Laura verliert ihr Herz an Schuft Cole

Mit Bewaffneten verfolgt Hendricks das Schiff am Flussufer entlang, aber in einer nächtlichen Schießerei lassen er und die meisten seiner Männer ihr Leben. Ein weiteres Mal nimmt die Gruppe um Glyn, der zusätzlich ein paar Tagelöhner anheuert, den harten Weg zur Siedlung auf sich. Nachdem Abgesandte einer Goldgräbersiedlung 100.000 Dollar für die Ladung bieten, nimmt bei Cole die Gier überhand. Zwar verhindert er McLyntocks Liquidierung, reißt aber die Führung an sich. Dem brutal Zusammengeschlagenen wirft er eine Satteltasche mit Vorräten hin. Er könne ja zu Fuß nach Portland zurückkehren.

„Also Wiedersehen, Glyn“, meint Cole höhnisch. „Ja, du wirst mich wiedersehen. Du wirst mich wiedersehen. Wenn du abends zu Bett gehst, wirst du Angst haben müssen, dass ich irgendwo in der Nähe auf dich lauere. Ich werde dich überall finden, wo du auch bist.“ Kein Wunder, dass Coles Lächeln erstirbt. Nein, diesen McLyntock möchte man nicht zum Feind haben. Mit eisigem und zugleich loderndem Blick presst er die Worte heraus. Und er wird seine Drohung wahr machen …

Anthony Mann und James Stewart

Fünf von acht Filmen, die Regisseur Anthony Mann (1906–1967) mit James Stewart drehte, waren Western. Samt und sonders zählen sie zu den besten Beiträgen des Genres in den 50er-Jahren. Ihr erster, vielleicht berühmester, ist „Winchester ’73“ (1950). Auf die „Meuterei am Schlangenfluss“ folgen „Nackte Gewalt“ (1953, mein Lieblingswestern dieses „Duos“), „Über den Todespass“ (1954) sowie „Der Mann aus Laramie“ (1955). Anthony Mann darf für sich geltend machen, einen neuen Typus des Westmanns kreiert zu haben: Die sind keine klassischen Helden, sondern ehemalige Schufte, zerrissene, von ihrer Vergangenheit gejagte Männer. Und diese Altlasten, das Schuldbewusstsein, ein gequältes Suchen nach Vergebung, in Blicken und Gesten zu verlebendigen, das vermochte niemand so vital wie Stewart.

Formidabel allerdings auch, wie Arthur Kennedy den Cole gibt, der stets im Reinen zu sein scheint mit seinen schurkischen „Genen“. Er wirkt wie ein dunkles Spiegelbild des geläuterten, mit sich hadernden Stewart. Die psychologischen Scharmützel der Hauptfiguren, die einander taxieren, belauern, provozieren, bilden den beunruhigenden Puls von „Meuterei am Schlangenfluss“. Zugegebenermaßen scheint klar, dass McClyntock nicht vom eingeschlagenen Weg abweichen, die Siedler nicht hintergehen wird. Wir Zuschauer fragen uns weniger, ob McLyntock entgleist, sondern eher, wann Coles wahre Natur die Überhand gewinnt. Spannend inszeniert ist dieser Schwebezustand auf jeden Fall, dafür sorgt schon das pointierte Drehbuch von Borden Chase, das den Antagonisten zudem ein starkes Arsenal schlüssig ausgearbeiteter Typen an die Seite stellt – den knorrigen, überzeugungsfesten Baile, den skrupellosen Geschäftsmann Hendricks, Hallodri Wilson und den couragierten Flusskapitän („Wären wir bloß auf dem Mississippi geblieben!“). Chase verfasste auch „Red River“ (1948), „Vera Cruz“ (1954) sowie für Anthony Mann „Winchester ’73“ und „Über den Todespass“. Hollywood honorierte Chases Künste leider kaum; es blieb bei einer Oscar-Nominierung für erstgenannten Film.

Hallodri und Helfer: Trey Wilson

Weiterer Hauptdarsteller des Westernklassikers ist die wilde Natur – die Berge, das reißende Flusswasser, fantastisch eingefangen von Kameramann Irvin Glassberg („Das Geheimnis der 5 Gräber“, 1956) an Originalschauplätzen in Oregon, darunter Mount Hood und Columbia River. Wunderbar atmosphärisch gerät so auch der Kontrast zwischen überwältigender Landschaft und dem „Sündenpfuhl“ Portland, der vom Goldfieber befallenen Stadt.

James Stewart schmollt bei der Premiere

Seine „wilde Natur“ zeigte beim Dreh übrigens auch Hauptdarsteller Stewart. Mit Begeisterung stürzte er sich in alle Herausforderungen. Anthony Mann: „James Stewart war geradezu verrückt nach Szenen, in denen er physisch hart gefordert wird. So etwas erregte ihn.“ Dieser Eifer, dieses Engagement, diese Lust an der Mühsal drücken auch dem Film einen Stempel auf. Nicht von ungefähr kommt daher wohl auch Stewarts emotionale Reaktion auf die Filmpremiere: Der junge Rock Hudson, als Spieler Wilson eindeutig ein Nebendarsteller, erntete dort weitaus mehr Applaus als Stewart selbst. Der schwor voller Ingrimm, nie wieder ein Wort mit Hudson zu reden, geschweige denn, wieder mit ihm zu drehen (sie kannten sich aus „Winchester ’73“). Beides hielt er ein.

Die schöne Koch-Media-Edition zeigt sich des Klassikers würdig: Sowohl Blu-ray als auch DVD sind mit der restaurierten alten Kino-Synchronisation ausgestattet. (Die TV-Synchro, eher uncharmant und steril im Sound, findet sich im Bonusmaterial.) Weiterer Pluspunkt: Eine neue HD-Abtastung lässt die Technicolor-Tableaus in ihrer ganzen Pracht erstrahlen.

Die Filme der „James Stewart Western Collection“ von explosive media:

01. Die Uhr ist abgelaufen (Night Passage, USA 1957)
02. Meuterei am Schlangenfluss (Bend of the River, USA 1952)
03. Rancho River (The Rare Breed, USA 1966)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Anthony Mann sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rock Hudson und/oder James Stewart in der Rubrik Schauspieler.

Bricht Glyns altes Ich hervor?

Veröffentlichung: 10. August 2017 als Blu-ray und DVD, 2. August 2007 und 22. Juli 2004 als DVD (Universal)

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Bend of the River
USA 1952
Regie: Anthony Mann
Drehbuch: Borden Chase, nach einem Roman von William Gulick
Besetzung: James Stewart, Rock Hudson, Arthur Kennedy, Julie Adams, Lori Nelson, Harry Morgan, Jay C. Flippen, Jack Lambert, Royal Dano, Chubby Johnson
Zusatzmaterial: diverse Trailer, Bildergalerie Universal-Neusynchronisation, Wendecover
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Dirk Ottelübbert
Fotos & Packshot: © 2017 explosive media / Koch Films

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James Stewart (II): Die Uhr ist abgelaufen – Mit dem Akkordeon gegen die Lohngeld-Räuber

Night Passage

Von Simon Kyprianou

Western // Weil die Eisenbahn ihn gefeuert hat, zieht Grant McLaine (James Stewart) mit seinem Akkordeon dem Streckenbau hinterher. Dabei schlägt er sich mehr schlecht als recht durch. Nachdem eine Bande rund um Whitey Harbin (Dan Duryea) und Utica Kid (Audie Murphy) drei Lohngeld-Lieferungen überfallen hat, erhält McLaine seinen alten Job als Sicherheitsarbeiter zurück und bekommt die Aufgabe, 10.000 Dollar an Lohngeldern zu den Arbeitern ans Streckenende zu bringen. Aber Harbins Bande will auch diesen Zug überfallen. Charlotte (Dianne Foster), Freundin von Utica Kid und ebenfalls eine Freundin von McLaine, reitet Utica Kid hinterher, um ihn aufzuhalten und die Konfrontation zwischen ihm und McLaine zu entschärfen.

McLaine zieht als Mudharmonikaspieler den Zugarbeitern hinterher

„Die Uhr ist abgelaufen“ ist sicher kein schlechter Western, größtenteils on location und in vielen Szenen in aufwendigen Sets gedreht, die Nachtszenen sind wunderschön ausgeleuchtet. James Stewart ist natürlich auch hervorragend, auch wenn seine Figur wesentlich weniger interessant ist als Audie Murphys Figur, dessen Spiel ein wenig an James Dean erinnert.

Der Erzählrhythmus hakt etwas

Regisseur James Neilson hat allerdings große Schwierigkeiten, einen Erzählfluss zu finden. Er lässt seinen Film insbesondere anfangs zu sehr in Nebensächlichkeiten abgleiten und findet erst recht spät zu einem rhythmischen Erzähltempo. Es ist ein wenig wie bei Howard Hawks in „El Dorado“ (1967): Zu Beginn treffen viele Figuren mit gemeinsamer Vergangenheit aufeinander, und erst nachdem das Fundament der melodramatischen Verbindungen zwischen den Figuren gelegt ist, fängt Hawks an zu erzählen. Bei Neilson ist das allerdings teilweise etwas ungelenk gelöst und nicht so leichtfüßig wie bei Hawks.

Gangster Harbin überfällt die Züge mit den Lohngeldern

Insbesondere die zweite Filmhälfte ist dann aber sehr gut. Neilson zeigt eine hervorragende nächtliche Suspense-Szene in einer Geisterstadt, die den Gangstern als Versteck dient, die er dann in die präzise inszenierte und elegant choreografierte finale Schießerei münden lässt.

James Stewart und Anthony Mann zanken sich

Ärgerlich ist, dass die Konfrontation zwischen McLaine und Utica Kid viel zu simpel aufgelöst wird – die Beziehung zwischen den beiden Männern hätte wesentlich interessantere Möglichkeiten geboten. Außerdem steuert der Film ein sehr moralinsaures Ende an. Ein besserer Regisseur hätte wohl einen strafferen, härteren Film gedreht, der aus der interessanten Grundkonstellation mehr gemacht hätte. Vielleicht Anthony Mann? Der war für den Regiestuhl vorgesehen – es wäre sein sechster Western mit James Stewart gewesen, ihre neunte Zusammenarbeit, darunter Großtaten wie „Winchester 73“ (1950) und „Meuterei am Schlangenfluss“ (1952). Aber die beiden überwarfen sich vor Drehbeginn, weil Stewart Akkordeon spielen wollte, und drehten nie wieder zusammen. Weniger Akkordeonspiel und eine ökonomischere Narration hätten „Die Uhr ist abgelaufen“ gutgetan.

Der Chef der Bahngesellschaft stellt McLaine an

Die Filme der „James Stewart Western Collection“ von explosive media:

01. Die Uhr ist abgelaufen (Night Passage, USA 1957)
02. Meuterei am Schlangenfluss (Bend of the River, USA 1952)
03. Rancho River (The Rare Breed, USA 1966)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Audie Murphy und/oder James Stewart sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

In der Bande gibt es Spannungen zwischen Harbin und Utica Kid

Veröffentlichung: 10. August 2017 als Blu-ray und DVD, 2. August 2007 und 22. Juli 2004 als DVD (Universal)

Länge: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Night Passage
USA 1957
Regie: James Neilson
Drehbuch: Borden Chase, nach einer Story von Norman A. Fox
Besetzung: James Stewart, Audie Murphy, Dan Duryea, Dianne Foster, Elaine Stewart, Brandon De Wilde, Hugh Beaumont, Jack Elam, Tommy Cook, Paul Fix
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 explosive media / Koch Films

 

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James Stewart (I): Rancho River – Ein englischer Stier in Texas

The Rare Breed

Drei Western-Veröffentlichungen am Stück geben uns Gelegenheit, eine kleine James-Stewart-Retrospektive zu starten.

Von Volker Schönenberger

Western // Mit Filmen wie „Die Wildgänse kommen“ („The Wild Geese“, 1978) und „Die Seewölfe kommen“ („The Sea Wolves“, 1980) verlegte sich Regisseur Andrew V. McLaglen ab Ende der 1970er-Jahre zusehends auf Action in einem Kriegs-Umfeld. Mitte der 60er war er noch fest im Western verwurzelt, hatte 1965 mit „Der Mann vom großen Fluss“ („Shenandoah“) mit James Stewart einen großartigen Genrebeitrag abgeliefert, der aber immerhin auch schon den Krieg zum Thema hatte. Ein Jahr später drehte er „The Rare Breed“, so der Originaltitel von „Rancho River“, erneut mit James Stewart in der Hauptrolle.

Eine Zugfahrt, die ist lustig

Der Westernstar spielt Sam Burnett, der im Jahr 1884 einen teuren englischen Stier zu dessen neuen Eigentümer Alexander Bowen (Brian Keith) nach Texas bringen soll. Die englische Witwe Martha Price (Maureen O’Hara) und ihre Tochter Hilary (Juliet Mills) hatten das Tier in die USA gebracht und versteigert, lassen es sich aber nicht nehmen, Burnett zu begleiten, um sicherzustellen, dass ihr kostbarer, aber störrischer Stier gut untergebracht wird. Der erste Abschnitt der Reise verläuft per Bahn noch recht geruhsam. Burnett hat allerdings einen Deal mit dem konkurrierenden Rancher Taylor (Alan Caillou) gemacht, diesem den Stier zu übergeben. Um das sicherzustellen, verfolgt Taylors Handlanger Deke Simons (Jack Elam) den kleinen Trupp. Mit ihm hat sich Burnett bereits mehrfach angelegt.

James Stewart und Maureen O’Hara

„Legendäre Westernkomödie“ steht in der Pressemitteilung zur Neuveröffentlichung von „Rancho River“, aber so richtig erschließt sich mir weder das „legendär“ noch die Klassifizierung als Komödie. Ein großes Epos will der Film nicht sein, sondern nur leichtfüßige Unterhaltung abliefern, was auch gelingt. Wenn man Saloonschlägereien lustig findet, kann man natürlich ein paar humorige Aspekte finden, aber insgesamt ist „Rancho River“ doch zu wenig komödiantisch angelegt. Und legendär? Na ja. Sicher nicht James Stewarts legendärste Rolle. Er und Maureen O’Hara („Das Wunder von Manhattan“) liefern sich ein paar Wortgefechte, die aber nie Screwball-Level erreichen.

Die Witwe und ihr Scout sind nicht immer einer Meinung

Der Technicolor-Western bietet aber immerhin schöne Bilder, obgleich sich darunter ein paar Aufnahmen in Rückprojektion finden, und einen frühen Soundtrack von John Williams, dem später x-fach Oscar-nominierten und fünfmal -prämierten Komponisten solch großer Scores wie die für „Der weiße Hai“, „Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“ und „Schindlers Liste“.

Erstmals auf Blu-ray

Das kleine Label explosive media veröffentlicht „Rancho River“ am gleichen Tag wie zwei andere James-Stewart-Western – ungleich bessere. „The Rare Breed“ lässt sich gut anschauen, hat aber keine bleibende Bedeutung. Stewart-Komplettisten dürfen frohlocken, dass der Film endlich auf Blu-ray lieferbar ist – und das in anständiger Qualität –, in jede Westernsammlung muss er nicht aufgenommen werden.

Die Filme der „James Stewart Western Collection“ von explosive media:

01. Die Uhr ist abgelaufen (Night Passage, USA 1957)
02. Meuterei am Schlangenfluss (Bend of the River, USA 1952)
03. Rancho River (The Rare Breed, USA 1966)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Stewart sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Burnett nimmt einiges auf sich

Veröffentlichung: 10. August 2017 als Blu-ray und DVD, 2. August 2007 und 22. Juli 2004 als DVD (Universal)

Länge: 97 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Rare Breed
USA 1966
Regie: Andrew V. McLaglen
Drehbuch: Ric Hardman
Besetzung: James Stewart, Maureen O’Hara, Brian Keith, Juliet Mills, Don Galloway, Jack Elam, David Brian, Ben Johnson, Harry Carey Jr., Alan Caillou, Perry Lopez, Gregg Palmer
Zusatzmaterial: Trailer, Artworks, Fotos, Wendecover
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 explosive media / Koch Films

 

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