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The Grudge (2020) – Und Jump! Und Scare!

The Grudge

Kinostart: 9. Januar 2020

Von Volker Schönenberger

Horror // Remake, Reboot, Sequel – womit haben wir es bei „The Grudge“ zu tun? Allerorten ist über den 2020er-Film von einem Reboot die Rede, mir drängte sich beim Besuch der Hamburger Pressevorführung aber auch der Eindruck auf, dass die Handlung durchaus an „Der Fluch – The Grudge“ von 2004 andockt und daher als Fortsetzung angesehen werden kann. Aber was ist mit dessen eigentlicher Fortsetzung „Der Fluch – The Grudge 2“ von 2006? Fällt die dann hinten herunter? Was soll das Ganze überhaupt? War doch schon „Der Fluch – The Grudge“ ein US-Remake des J-Horror-Klassikers „Ju-on – The Grudge“ von 2002, der seinerzeit auch nur den ersten Kinofilm einer Direct-to-Video-Reihe darstellte. Über Sinn und Unsinn des zwanghaften Wiederkäuens bewährter Storys kann man sich natürlich nach Herzenslust echauffieren, es ändert aber nichts daran, dass dieses Phänomen uns Filmguckern im Allgemeinen und Horrorfans im Besonderen schon oft begegnet ist und immer wieder begegnen wird. Hat sich die Filmindustrie ihr Publikum zu innovationsfeindlich erzogen? Oder folgt sie nur dem Drang des gemeinen Filmfreunds, Produktionen nach bewährtem Muster gegenüber originären und außergewöhnlichen Werken den Vorzug zu geben? Vielleicht ein Ping-Pong beider Seiten. Und es ist ja beileibe nicht alles schlecht, was schon mal dagewesen war.

Detective Muldoon untersucht eine stark verweste Leiche

Die Handlung des neuesten Beitrags zu diesem japanischen Filmuniversum setzt 2004 in Tokio ein. Fiona Landers (Tara Westwood) verlässt ein Haus, das sie so sehr in Furcht versetzt hat, dass sie beschließt, umgehend das Land zu verlassen und in ihre US-Heimat zu ihrem Ehemann Sam (David Lawrence Brown) und der gemeinsamen Tochter Melinda (Zoe Fish) in einer Kleinstadt in Pennsylvania zurückzukehren.

Leichenfund im Wald

Zwei Jahre später tritt Detective Muldoon (Andrea Riseborough) in der Gegend eine neue Stelle an. Drei Monate zuvor war ihr Ehemann gestorben, mit ihrem Sohn Burke (John J. Hansen) will sie per Wohnortwechsel der Erinnerung entkommen und neu anfangen. Ihr erster Einsatz führt sie und ihren neuen Partner Detective Goodman (Demián Bichir) zu einem Autowrack in einem Waldstück, das dort schon eine Weile unentdeckt gestanden hat. Die Leiche auf dem Fahrersitz befindet sich bereits in fortgeschrittenem Verwesungszustand. Bei der Toten handelt es sich um eine Frau, die anscheinend von einer Anschrift abgefahren ist, die Goodman in Unruhe versetzt. Ein zurückliegender Fall hatte ihn und seinen damaligen Partner Detective Wilson (William Sadler) dorthin geführt, doch Goodman wollte partout keinen Fuß in das Haus setzen und verweigert dies nun wieder (das Publikum sieht sofort: es ist das Sanders-Haus). Muldoon lässt sich jedoch nicht davon abhalten, den alten Fall zu studieren und das Gebäude aufzusuchen …

Auch Detective Goodman erlebt Furchtbares

Zurück in die Vergangenheit: Die miteinander verheirateten Immobilienmakler Nina und Peter Spencer (Betty Gilpin, John Cho) erfahren, dass ihr ungeborenes Baby erblich bedingt mit hoher Wahrscheinlichkeit an ALD erkranken wird. Trotz des Schocks fährt das Paar zu einem Haus, für dessen Verkauf nur noch die Unterschriften der Eigentümer erforderlich sind – es handelt sich um das Haus der Landers’. Weil die beiden niemanden antreffen, fährt Peter bald darauf erneut dorthin. An der Tür begegnet ihm Melinda, die kein Wort spricht und aus der Nase zu bluten beginnt.

Detective Wilson hat es fast hinter sich

Ein weiterer Handlungsstrang setzt zeitlich in der Mitte ein: 2005 trifft die Suizidbetreuerin Lorna Moody (Jacki Weaver) in besagtem Haus ein. Dort leben mittlerweile die älteren Eheleute Faith und William Matheson (Lin Shaye, Frankie Faison). Die sterbenskranke Faith hat ihren Wunsch bekräftigt, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Doch sie wirkt dement, scheint mit einem unsichtbaren Mädchen zu reden, weshalb Lorna es verweigert, den Selbstmord zu begleiten. Sie bleibt aber vorerst zu Gast. Ein Fehler …

Nach beachtlichem Regiedebüt zum Einerlei

Der aus New York City stammende Nicolas Pesce gab 2016 mit dem außergewöhnlichen, in Schwarz-Weiß gedrehten Horrordrama „The Eyes of my Mother“ seinen Einstand auf dem Regiestuhl. „The Grudge“ stellt nach „Piercing“ (2018) seine dritte Regiearbeit dar. Im Gegensatz zu seinem Debüt begibt er sich mit „The Grudge“ leider auf ausgetretene Pfade. Die Verzahnung der drei Zeitebenen darf dabei noch als Positivum gewertet werden, auch wenn dieses Hin und Her schon bei den Vorgängern zu beobachten war. Immerhin: Wann wir uns 2004, wann 2005 und wann 2006 befinden, ist jederzeit nachvollziehbar, und die Sprünge erfolgen schlüssig.

Unter der Dusche gut die Kopfhaut massieren!

Enttäuschend gerät das Ganze von Anfang an bei den Horrorelementen des Geisterfilms: Eine still ausharrende junge Frau mit gesenktem Kopf und langen schwarzen Haaren, dazu ein sonderbar knarrend-knarzendes Geräusch – das stellt kein Novum mehr dar, sondern lediglich ein altbekanntes Motiv des J-Horrors. Das gilt ebenso für Momente, in denen ein Protagonist oder eine Protagonistin aus dem Augenwinkel vage eine Erscheinung wahrnimmt, die im nächsten Moment sogleich wieder verschwunden ist. Eine gespenstische Berührung hier, ein Jump-Scare dort, noch ein Jump-Scare bald darauf, dann zur Abwechslung mal wieder ein Jump-Scare. Ein wenig stand das zu befürchten, schade, dass es auch so generisch eingetreten ist.

Feines Ensemble reißt es auch nicht raus

Angesichts dessen, dass sowohl der 2002er- als auch der 2004er-Film inklusive beider Fortsetzungen bislang hierzulande und auch in diversen anderen Märkten lediglich auf DVD erschienen sind, ist durchaus denkbar, dass das Franchise bei nachgewachsenen Horrorfans aus dem Blickfeld geraten ist, was als Rechtfertigung für den Neuaufguss ausreichen mag. Aber weshalb so einfallslos? Wenn man schon mit so versierten Darstellerinnen und Darstellern wie Andrea Riseborough („Mandy“), Demián Bichir („The Hateful Eight“), Lin Shaye („Insidious – Chapter 2“, „Abattoir – Er erwartet dich!“) und John Cho („Star Trek – Beyond“) Sorgfalt beim Casting beweist, muss man doch beim Storytelling und dem Horror nicht derart nachlässig vorgehen. Da nützt es wenig, dass das Ensemble seine Sache vorzüglich macht und die versammelte Tragik der Figuren ansprechend in Szene setzt. „The Grudge“ wird die mal berechtigten, mal unberechtigten Ressentiments gegen Remakes und Reboots weiter schüren.

Kuckuck!

Demián Bichir musste noch vor Fertigstellung des Films den Tod seiner Ehefrau Stefanie Sherk verkraften. Sie starb im April 2019 im Alter von 37 Jahren. In „The Grudge“ hatte Sherk eine kleine Nebenrolle als Therapeutin – ihr letzter Filmauftritt. Sie ruhe in Frieden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Andrea Riseborough und Lin Shaye haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Demián Bichir und John Cho unter Schauspieler.

Halb zog sie ihn, halb sank er hin

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Grudge
USA/KAN 2020
Regie: Nicolas Pesce
Drehbuch: Nicolas Pesce
Besetzung: Andrea Riseborough, Demián Bichir, Lin Shaye, John Cho, Tara Westwood, Junko Bailey, David Lawrence Brown, Zoe Fish, John J. Hansen, Joel Marsh Garland, Bradley Sawatzky, Betty Gilpin
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Szenenfotos: © 2019 Sony Pictures Entertainment
Deutschland GmbH, Szenenfotos auch: © Allen Fraser

 

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Godzilla II – King of the Monsters: Ist er das wirklich?

Godzilla – King of the Monsters

Kinostart: 30. Mai 2019

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Erinnert ihr euch an die Szene am Ende der Credits von „Kong – Skull Island“ (2017)? Die Höhlenmalereien der Monster Godzilla, King Ghidorah, Mothra und Rodan weckten bei vielen Kaijū-Fans höchste Erwartungen an den nächsten Abstecher ins MonsterVerse. Das Film-Universum der US-Produktionsfirmen Warner Bros. und Legendary Pictures in Verbindung mit den japanischen Tōhō-Studios, den Schöpfern von Godzilla & Co., hatte 2014 mit „Godzilla“ einen fulminanten Start hingelegt. Löst der dritte Teil die Hoffnungen der Fans ein?

Dr. Emma Russell will das „Orca“ einsetzen …

Die Fanbedienung ist jedenfalls gegeben, die vier genannten Riesenkreaturen treten eindrucksvoll in Erscheinung – und bei ihnen bleibt es nicht, so viel sei verraten. Dieselbe Monster-Quartett-Konstellation hat es bereits 1964 im japanischen „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ gegeben, aber natürlich stellt „Godzilla II – King of the Monsters“ kein Remake dar. Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen von „Godzilla“ (2014) ein. Die kryptozoologische Agentur Monarch hat die Kontrolle über diverse an verschiedenen weltweit verteilten Standorten aufgefundene Monster übernommen, muss sich aber heftigen Debatten stellen – die Angst vor den Titanen genannten riesigen Kreaturen und ihrer Zerstörungsgewalt ist so groß, dass viele sie trotz Godzillas damaliger Rettungstat lieber allesamt getötet sehen wollen. Übernimmt das Militär die Aufgabe? Bevor diese Frage geklärt werden kann, tritt Colonel Alan Jonah (Charles Dance, Tywin Lannister aus „Game of Thrones“) auf den Plan, Anführer einer Gruppe von Öko-Terroristen, der seine ganz eigenen Pläne mit den Titanen hat. Dafür benötigt er das „Orca“, ein von den Ex-Eheleuten Dr. Emma und Dr. Mark Russell (Vera Farmiga, Kyle Chandler) entwickeltes Gerät, das mittels bioakustischer Sonar-Technologie Kommunikation mit den Giganten ermöglicht, sogar ihre Kontrolle. Jonah dringt mit seinem Trupp in einen Monarch-Stützpunkt ein und bringt das „Orca“, Dr. Emma Russell und die halbwüchsige Madison Russell (Millie Bobby Brown, „Stranger Things“) in seine Gewalt – die Tochter der Russells dient ihm anscheinend als Geisel und Faustpfand. Die übrigen Monarch-Mitarbeiter vor Ort werden allesamt erschossen. Bald darauf trifft Godzilla erstmals auf das mächtige dreiköpfige Wesen King Ghidorah.

… und gerät in die Fänge von Öko-Terrorist Alan Jonah

Wie in „Godzilla“ sehen wir die Monstren vornehmlich bei Schmuddelwetter und des Abends oder Nachts über die Erde stapfen oder fliegen. Ein paar mehr klare Ansichten bei Tageslicht und Sonnenschein hätte ich mir gewünscht, das dürfte heutzutage an sich kein Problem sein. Angesichts der technischen Perfektion zahlreicher Hollywood-Blockbuster aus diversen Franchises stellt sich bei mir mittlerweile kaum noch ein Wow-Effekt ein, an den Tricks und der CGI von „Godzilla II – King of the Monsters“ gibt es erwartungsgemäß nichts auszusetzen. Wenn ein Monster gegen das andere kämpft und dabei Städte zu Trümmerhaufen werden, können wir das durchaus beeindruckend nennen. Die Szenerien geraten auch übersichtlich genug, sodass die Zuschauerinnen und Zuschauer stets im Bilde sind, welche Kreatur gerade die Oberhand hat.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Story und Drehbuch tun das, was in „Nicht kleckern, sondern klotzen“-Filmen von ihnen verlangt wird: Sie treiben das Geschehen von einer bombastischen Actionszene zur nächsten. Zwischendurch menschelt es stark, erst recht, wenn Verluste zu beklagen sind. Aus „Godzilla“ treffen wir wieder auf den Wissenschaftler Dr. Ichiro Serizawa (Ken Watanabe) und seine Assistentin Vivienne Graham (Sally Hawkins). David Strathairn tritt erneut als Admiral William Stenz in Erscheinung. Neu dabei sind Aisha Hinds als kampfstarke Colonel Diane Foster, die ein militärisches Einsatzkommando von Monarch leitet, das die Wissenschaftler beschützen soll. Auch die weitere Besetzung besteht aus zum Teil namhaften Darstellerinnen und Darstellern, dementsprechend bekommen wir überzeugende Schauspielkunst geboten, die aber zwangsläufig nicht unbedingt im Fokus steht.

Gebannte Erwartung: Wird Godzilla angreifen?

Etwas geärgert habe ich mich über die von Vera Farmiga verkörperte Wissenschaftlerin Emma Russell: Obwohl sie als empathische und warmherzige, wenn auch schwer traumatisierte Frau charakterisiert wird, trifft sie Entscheidungen, die fatale Konsequenzen haben, was ihr stets bewusst ist. Um Spoiler zu vermeiden, erläutere ich das nicht weiter, nur so viel: Diese Entscheidungen treiben die Handlung maßgeblich voran und lösen Ereignisse von großer Tragweite aus. Das hätte man meiner Ansicht nach besser aufziehen können als anhand einer zwiespältig skizzierten Protagonistin. Etwas plump gerät auch die Botschaft vom durch Menschenhand gestörten Gleichgewicht der Natur.

Oder will er nur spielen?

Reden wir über Logik und Löcher – nein, lassen wir das. Wir wissen doch alle, dass diese Art Film gewisse diesbezügliche Defizite mit sich bringt. Das kann man bedauerlich finden und solche Produktionen deshalb meiden oder als gegeben hinnehmen und tolerieren. Sucht euch am besten selbst aus, welche Haltung euch besser gefällt! Die FSK-12-Freigabe geht natürlich völlig in Ordnung. Gestorben wird zwar in Massen, das aber unblutig und in der Regel nicht auf der Leinwand. Filme wie dieser sollen und müssen aufgrund ihrer immensen Kosten eben auch jugendliches Publikum ins Kino bringen, tatsächlich werden diese Produktionen ja sogar ganz besonders für junge Leute als Zielgruppe gedreht. Logisch, dass man sich das Geschäft nicht mit zu viel Gewalt und damit hoher Altersfreigabe verderben will.

King Ghidorah jedenfalls ist garstig

Dritter Film des MonsterVerse, dritter Regisseur: Mit Michael Dougherty übernahm ein recht unbeschriebenes Blatt die Aufgabe, in seiner Regisseurs-Filmografie stehen als Kinofilme lediglich „Trick ’r Treat – Die Nacht der Schrecken“ (2007) und „Krampus“ (2015) zu Buche. Allerdings hatten Gareth Edwards („Godzilla“) und Jordan Vogt-Roberts („Kong – Skull Island“) zuvor auch nicht gerade zahlreiche Referenzen zu bieten. Dougherty schrieb gemeinsam mit Zach Shields auch das Drehbuch zu „Godzilla II – King of the Monsters“. Die Insel Skull Island wird übrigens mehrfach kurz genannt, was die Brücke zu „Kong – Skull Island“ schlägt. Wer 2014 von Gareth Edwards’ Reboot „Godzilla“ angetan war und sich auch für „Kong – Skull Island“ erwärmen konnte, wird dem dritten Teil des MonsterVerse zweifellos ebenfalls viel abgewinnen können, am Ende womöglich sogar begeistert sein.

Bald kommt „Godzilla vs. Kong“

Wie das mit gigantomanischen Franchises wie diesem so ist: Kaum kommt der eine Film ins Kino, lechzen alle bereits nach dem nächsten. „Godzilla vs. Kong“ ist abgedreht und befindet sich in der Postproduktionsphase, und erneut hat sich ein neues Gesicht auf den Regiestuhl gesetzt: Adam Wingard, bekannt für „You’re Next“ (2011), „The Guest“ (2014) und „Blair Witch“ (2016). Der Titel deutet an, dass es zum gewaltigen Aufeinandertreffen der beiden Monster aus den zwei Vorgängern kommt – darauf hoffen sowieso viele.

Dr. Serizawa (r.) und seine Assistentin Vivienne Graham wollen den Tod der Titanen verhindern

Ich bin kein Kinogänger, der zum Filmenende gern den gesamten Abspann bis zur letzten Zeile aussitzt, auch wenn die Credits seit Jahren oft in recht hoher Geschwindigkeit abgespielt werden – ohnehin viel zu hoch, um alles zu lesen, hehe. Um meine Leserinnen und Leser ins Bild zu setzen, habe ich das diesmal aber auf mich genommen, und siehe da: Tatsächlich folgt – leider ganz am Ende – eine Szene, die einen Ausblick bietet auf – worauf eigentlich? Mit „Godzilla vs. Kong“ hat das Gezeigte jedenfalls nichts zu tun, sofern dessen Titel den Fokus der Handlung korrekt abbildet. Lugt da am Ende etwa schon Teil 5 des MonsterVerse hervor? Wir werden sehen …

Auch Rodan mischt mit

Abschließend ein Lektüretipp: Für die aktuelle Ausgabe von „Deadline – Das Filmmagazin“ hat „Die Nacht der lebenden Texte“- Autor Leonhard Elias Lemke sowohl die Titelgeschichte über „Godzilla II – King of the Monsters“ verfasst als auch ein Interview mit Regisseur Michael Dougherty geführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vera Farmiga und Sally Hawkins sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Kyle Chandler und Ken Watanabe unter Schauspieler.

Es kommt zum Clash of the Titans

Länge: 132 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Godzilla – King of the Monsters
USA/JPN 2019
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty, Zach Shields
Besetzung: Kyle Chandler, Vera Farmiga, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Ziyi Zhang, Bradley Whitford, Sally Hawkins, Charles Dance, Thomas Middleditch, Aisha Hinds, O’Shea Jackson Jr., David Strathairn
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Productions, LLC

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/05/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster – Godzilla und die kiffende Kaulquappe

Gojira tai Hedora

Von Andreas Eckenfels

SF-Abenteuer // Japan stinkt zum Himmel: Die voranschreitende Umweltverschutzung der Industrienation ist besonderes an den Gewässern erkennbar. Aus einer dieser dickflüssigen, blubbernden Brühen hat ein alter Mann einen seltsamen Fisch aus dem Wasser gezogen, den er sogleich Dr. Yano (Akira Yamauchi) zu Untersuchungszwecken vorbeibringt. In den Nachrichten wird derweil über ein mysteriöses Ungetüm mit roten Augen berichtet, welches im Meer ganze Schiffe zerlegt. Als die Bedrohung immer größer wird, weiß Dr. Yanos kleiner Sohn Ken (Hiroyuki Kawase), dass nur noch einer helfen kann: Godzilla! Kurze Zeit später taucht Kens geschuppter, riesiger Held auch tatsächlich auf und nimmt den Kampf gegen das böse Kaulquappenmonster Hydrox auf.

Ist es ein U-Boot oder ein Ungeheuer?

Wieder einmal können wir über den deutschen Kinotitel aus den 70er-Jahren den Kopf schütteln. Natürlich greift hier keinesfalls der von Mary Shelley erdachte Wissenschaftler Dr. Frankenstein ins Geschehen ein, noch bekommt es Godzilla mit mehreren Teufelsmonstern zu tun. Sein einziger Gegner ist Hydrox, der im japanischen Original passender Hedora genannt wird, was so viel wie „Schlamm“ oder „Schlick“ bedeutet.

Von der Atombombe zur Umweltverschmutzung

Das elfte „Godzilla“-Abenteuer aus den berühmten Tōhō-Studios zählt ohne Frage zu einem der bizarrsten Teile der langlebigen Kaijū-Reihe. Dies beginnt bereits damit, dass der Film mit einer bunten Titelsequenz in bester James-Bond-Manier beginnt. Darin singt Schauspielerin Kaiko Mari vor der Großaufnahme einer wabernden Lavalampe und Bildern verschmutzter Gewässer über den Verlust von Flora und Fauna und die nötige Rettung der Erde. Während im Ur-„Godzilla“ von 1954 noch recht subtil vor den Gefahren der Atombombe gewarnt wurde, zieht sich der pädagogische Anspruch und ein damit verbundener erhobener Zeigefinger zum Thema Umweltverschmutzung in „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ recht unverhohlen durch den gesamten Film. Passend zur Rückbesinnung auf die Natur wird auch der Hippiebewegung ein wenig Raum geboten. In einer fast psychedelisch anmutenden Discoszene, in der Mari erneut ihren Ohrwurm zum Besten gibt, wirft sich ein junger Mann eine Substanz ein, von der er Wahnvorstellungen bekommt: Die wie in Trance tanzenden Gäste tragen auf einmal Fischköpfe auf dem Hals. Später musizieren die Hippies auch am Lagerfeuer unter freiem Himmel. Dann macht das Ungetüm sie platt.

Godzilla geht in die Luft

Godzilla, der bei seinem ersten Auftritt wie ein Western-Held vor der aufgehenden, roten Sonne dem Publikum als Retter in der Not stolz entgegenstapft, bekommt es diesmal mit einem ebenbürtigen, aber ungewöhnlichen Gegner zu tun: Das Monster Hedora – wir bleiben mal beim Originalnamen – entpuppt sich nach Dr. Yanos Nachforschungen als Ausgeburt der zunehmenden Umweltverschmutzung des Landes. Es besteht zum Großteil aus kristallisiertem Kohlenstoff und ernährt sich von Industrieabfällen. Besonders skurril sind die Szenen, in denen sich das Riesenvieh über die rauchenden Schornsteine der Industrieanlagen hängt und tief einatmet. Dabei stellt sich heraus: Rauchen gefährdet bei Hedora keineswegs die Gesundheit und hemmt auch nicht sein Wachstum. Im Gegenteil: Das kiffende Kaulquappenmonster wird immer größer, nimmt verschiedene Formen an und kann sich so zunächst nur im Wasser, später aber auch an Land und in der Luft fortbewegen – und massive Zerstörungen durch giftigen Schlamm oder ätzende Gase anrichten. Um den Feind zu besiegen, muss Godzilla nicht nur mit den Menschen kooperieren, sondern auch erstmals dank seines Hitzestrahls abheben und dem Biest hinterherfliegen!

Dr. Yano (l.) wurde von Hydrox schwer verletzt

Regisseur und Drehbuchautor Yoshimitsu Banno (1931–2017) arbeitete zuvor unter anderem als Assistent von Akira Kurosawa. Welche Zielgruppe er mit dieser Ansammlung abgefahrener Ideen im Hinterkopf hatte, wird nicht ganz klar. Einerseits wird die Handlung immer wieder durch kurze Zeichentrick-Sequenzen unterbrochen, bei dem jedes Kind versteht, welche Bedrohung von der Umweltverschmutzung ausgeht. Andererseits geht es auch für Kaijū-Verhältnisse relativ brutal zur Sache, wenn die menschlichen Opfer, die Hedora bei seinen Verwüstungen hinterlässt, recht deutlich gezeigt werden. Aufgrund der zahlreichen überraschenden Momente zählt „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ jedenfalls zu den unterhaltsamsten „Godzilla“-Abenteuern.

Monster und Schöpfer werden verbannt

Produzent Tomoyuki Tanaka (1910–1997), der während des Drehs im Krankenhaus lag, zeigte sich von dem Endergebnis allerdings überhaupt nicht begeistert. Er soll dermaßen sauer gewesen sein, dass er entschied, dass Yoshimitsu Banno zu Tanakas Lebzeiten keinen weiteren Teil der Reihe drehen dufte. Somit fiel Bannos geplante Fortsetzung ins Wasser, die in Afrika angesiedelt werden sollte. Ironischerweise konnte sich Yoshimitsu Banno einige Jahre nach Tanakas Tod die Rechte an „Godzilla“ sichern und war somit auch bei der neuen Hollywood-Variante von Gareth Edwards und deren Sequel „Godzilla II – King of the Monsters“, das am 30. Mai in den Kinos startet, als ausführender Produzent beteiligt.

Hedora alias Hydrox sorgt in Japan für dicke Luft

Das Monster Hedora ereilte ein ähnliches Schicksal wie sein Schöpfer Yoshimitsu Banno: Es wurde nahezu verbannt. Nach „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ gab es mit ihm erst mehr als 30 Jahre später ein einziges, denkbar kurzes Wiedersehen in „Godzilla – Final Wars“ (2004). Immerhin konnte sich Schauspieler Kenpachiro Satsuma, der in Hedoras Kostüm sein Debüt für die Tōhō-Studios feierte, für weitere Aufgaben empfehlen. Besonders während der Heisei-Ära durfte Satsuma auch regelmäßig als Godzilla einen großen Auftritt hinlegen.

Die 2015 als Teil 10 der „Kaiju Classics“ von Anolis Entertainment veröffentlichte Doppel-DVD im sogenannten Star Metalpak ist längst vergriffen und gesucht. Umso schöner für die vielen deutschen Kaijū-Fans, dass es Anolis gelungen ist, „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ nun auch für eine deutsche Blu-ray zu lizenzieren. Das gilt auch für „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ und „Frankensteins Höllenbrut“ – das Label hat alle drei Filme als Blu-ray im Softcase herausgebracht. Sammler der Reihe können nun endlich ihren Gutschein fürs HD-Upgrade einsetzen, den Anolis seinerzeit den Star Metalpaks beigelegt hatte. „Mothra bedroht die Welt“ ist kürzlich sogar gleich in der schmucken Blechdose mit Blu-ray und DVD erschienen. So loben wir uns das.

Zu Wasser, zu Land und in der Luft: Godzilla nimmt den Kampf auf

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ finden sich auch im „Filmforum Bremen“ und auf dem Fluxkompensator.

Veröffentlichung: 14. Dezember 2018 als Blu-ray, 6. Februar 2015 als 2-DVD-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Star Metalpak als Nr. 10 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 82 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Gojira tai Hedora
JAP 1971
Regie: Yoshimitsu Banno
Drehbuch: Yoshimitsu Banno, Takeshi Kimura (als Kaoru Mabuchi)
Besetzung: Akira Yamauchi, Toshie Kimura, Hiroyuki Kawase, Toshio Shiba, Keiko Mari, Yoshio Yoshida, Haruo Suzuki, Yoshio Katsube
Zusatzmaterial Blu-ray: Trailer, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Audiokommentare von Jörg Buttgereit und Bodo Traber, Thorsten Rosemann und Florian Bahr, Interview mit Yoshimitsu Banno, Werberatschläge, Trailer, Bildergalerie u. a., 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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