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Railroad Tigers – Eine Besatzung, die ist lustig

Railroad Tigers

Von Matthias Holm

Actionkomödie // Bis heute hat Jackie Chan einen unangefochtenen Ruf. Mit Filmen wie „Drunken Master“ oder „Police Story“ setzte er in seiner Heimat Action-Maßstäbe, auch der Sprung in Hollywood-Kino gelang ihm mit Filmen wie „Rumble in the Bronx“ oder der erfolgreichen „Rush Hour“-Reihe – Teil 4 ist in Vorbereitung. Inzwischen dreht Chan wieder meist in China, so bekommen wir vielleicht nicht alle Filme des 63-jährigen mit. Umso schöner, wenn einer seiner Filme es zu uns nach Europa schafft, und tatsächlich ist „Railroad Tigers“ ein unterhaltsamer Streifen – wenn auch etwas seltsam.

Ma Yuan führt den Widerstand an

1941 ist Ostchina durch die Japaner besetzt. Die Inselmacht führt ihre Truppenzüge durch die Region. Die Unterjochung ist grausam und brutal. Ein paar aufmüpfige Bahnarbeiter wollen das nicht auf sich sitzen lassen. Unter der Führung des Vorarbeiters Ma Yuan (Jackie Chan) überfällt die „Railroad Tigers“ genannte Bande immer wieder die Transporte der Japaner. Als sie von einer gefährlichen Waffenladung erfahren, die über eine Brücke fahren soll, sind die „Railroad Tigers“ schon zur Stelle.

Befremdend: Folter und Slapstick

Das klingt alles nach einer äußerst ernsten Kriegsthematik. Und es gibt auch durchaus dramatische Szenen. Dennoch ist der Film stellenweise so albern, dass man mit offenem Mund vor dem Fernseher sitzt. Da wird eine Hauptfigur gerade gefoltert, als plötzlich dem Antagonisten in den Popo geschossen wird, hihi. Von solchen obskuren Momenten, die die Dramatik unterwandern, gibt es einige, und dabei ist der Humor sehr auf Slapstick ausgelegt.

Die Japaner geben ihre Züge ungern her

Auch erzählerisch wirkt der Film bisweilen etwas unrund. Innerhalb der ersten Minuten werden die Hauptfiguren mit eigenen kurzen Texteinblendungen vorgestellt. Doch diese Einblendungen tauchen auch nach 30 Minuten immer noch auf und so verliert man schnell den Überblick, wer jetzt nun welche Funktion hat. Auch bekommen einige Nebenfiguren, die im Verlauf der zwei Stunden Laufzeit die Geschichte nur minimal vorantreiben, die gleichen Einblendungen, weswegen man sich schwer auf seine Protagonisten konzentrieren kann.

Bahnarbeiter in Aktion

Die eigentliche Geschichte ist dabei klar strukturiert und in kleine Abschnitte geteilt, die immer wieder in Action-Sequenzen münden. Leider haben wir es hier aber nicht mit einem virtuosen Kampfballett zu tun, schließlich sind die „Railroad Tigers“ eben nur Bahnarbeiter. Dennoch gibt es die eine oder andere nette Choreografie, die zusammen mit dem Humor für Lacher sorgt.

Ein Mann, ein Zug

Man muss schon mit dem Bruch der ernsten Thematik umgehen können, um mit der Actionkomödie seinen Spaß zu haben. Und obwohl er diverse Schwächen hat, kann man sich „Railroad Tigers“ als Chan-Fan ruhig anschauen – da hat er schon schlimmere Filme abgeliefert.

Veröffentlichung: 23. November 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Mandarin/Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Railroad Tigers
CHN 2016
Regie: Ding Sheng
Drehbuch: He Keke, Ding Sheng, Alex Jia
Besetzung: Jackie Chan,Zitao Huan, Jaycee Chan, Kai Wang, Hiroyuki Ikeuchi, Ping Sang, Alan Ng, Fan Xu
Zusatzmaterial: Hinter den Kulissen, Die Charaktere, Der Regisseur, Der Zug, Die Effekte, Outtakes, Trailer, TV-Spots, Wendecover
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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Horror für Halloween (XXIII): Raining Blood – Run for Your Life! Bizarrer Wettlauf im Land der aufgehenden Sonne

Raivu

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // „The Machine Girl“ zeigte 2008 eine junge Japanerin auf Rachefeldzug, die den Verlust ihres Unterarms gewinnbringend mit tödlichen Prothesen kompensierte. In „Mutant Girls Squad“ (2010) bildeten sich aus den Körpern anderer junger Frauen ebenso tödliche Waffen. „Zombie Ass – Toilet of the Dead“ (Anwärter auf den Filmtitel des Jahrzehnts!) von 2011 setzte dem Ganzen die anale Krone auf: Aus den Hintern zombifizierter Menschen heraus suchten sich bizarre Parasiten neue Opfer. Nur eine Auswahl der Regiearbeiten des japanischen Regisseurs Noboru Iguchi, die in Deutschland mit Zensurschnitten zu kämpfen hatten, wobei „Mutant Girls Squad“ 2015 schließlich eine Uncut-Veröffentlichung mit FSK-Segen zuteil wurde. Umso überraschender, dass Iguchis „Raining Blood – Run for Your Life!“ von der FSK 2015 ungeschnitten sogar mit einer Freigabe ab 16 Jahren durchgewinkt wurde.

Eine Armbrust-Lady tritt auf den Plan

Die Schule geschmissen, dem Boss im neuen Job nach vier Tagen eine Holzlatte zwischen die Beine getreten, die Mutter gedemütigt und von ihr rausgeschmissen worden – Naoto (Yûki Yamada) ist das, was man mit dem Wort Nichtsnutz noch wohlwollend bezeichnet. Von jetzt auf gleich muss er tödliche Verantwortung übernehmen: Von einer seltsamen Stimme am Telefon erfährt er, dass seine Mutter entführt wurde. Um sie zu retten, muss er an einem ominösen Triathlon teilnehmen. Ein kleines gelbes Büchlein weist ihm den Weg.

Hühnerhaufen auf der Flucht

So weit, so gut, Absurditäten sind wir aus dem japanischen Kino gewohnt, also zurücklehnen und schauen, was da noch kommen mag: Plötzlich sieht sich Naoto von Leidensgenossen umringt, die allesamt das gelbe Büchlein zu Rate ziehen, um sich ihre nächsten Schritte zu überlegen. Bald haben sich alle gelbe Sportklamotten übergestreift und laufen wie aufgescheuchte Hühner hin und her, ohne recht zu wissen, was zu tun ist. Von einem Triathlon kann keine Rede sein. Ein wie auch immer strukturierter Wettkampf mit drei Disziplinen ist nicht zu bemerken. Erste Todesopfer lassen nicht lange auf sich warten.

Mit Kettensägen …

Die deutsche Synchronisation ist gewöhnungsbedürftig, um es milde auszudrücken. Aber die grimassierenden Darsteller lassen vermuten, dass auch die Originaltonspur einen hohen Trashfaktor hat. Overacting ist Trumpf bei „Raining Blood“. Da hampeln die bedauernswerten Teilnehmer dieses – was ist das überhaupt? – Wettkampfs auf Leben und Tod herum, dass es die reine Freude ist. Klar, dass die leichte Kleidung besonders bei den jungen Frauen gut zur Geltung kommt. Und wenn die Armbrust-Ladys in ihren Bikini-Oberteilen loslegen, gibt es noch etwas mehr Fleischbeschau zu bewundern. Komplett blankgezogen wird natürlich nicht, wir befinden uns ja in Japan, wo zwar allerlei Perversionen aufs Deutliche gezeigt werden dürfen, aber wehe, es schimmert mal irgendwo eine weibliche Brustwarze hervor! Na ja, Regisseur Noboru Iguchi mag ohnehin leicht bekleidete weibliche Hinterteile viel lieber.

Und die Moral von der Geschichte

Der Soundtrack jazzt völlig verquer vor sich hin, und die nicht immer elegant getricksten CGI-Splattereinlagen werden eher punktuell eingesetzt, fallen aber immerhin deftig aus – im letzten Drittel geht es noch etwas mehr zur Sache. Am Ende enthüllt der Drahtzieher des Geschehens natürlich seine Beweggründe, die in einer verkorksten Moral zu suchen sind. Das lässt schmunzeln, wenn man denn dann noch für Erklärungen zugänglich ist.

… ist nicht gut Kirschen essen

Über eine Freigabe ab 18 Jahren hätte sich Mad Dimension nicht beschweren dürfen. Das wäre dem Label aber wohl auch egal gewesen, weil es einige FSK-18-Trailer ins Bonusmaterial gepackt hat, die die Veröffentlichung sowieso nur für Erwachsene zugänglich machte. Wer auf bizarre Filmkost aus dem Land der aufgehenden Sonne steht, wird bei „Raining Blood – Run for Your Life!“ fündig. Alle anderen werden sich mit gekräuselter Stirn rätselnd am Kopf kratzen, und das völlig zu Recht.

Veröffentlichung: 24. April 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 105 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Raivu
Internationaler Titel: Live
JAP 2014
Regie: Noboru Iguchi
Drehbuch: Noboru Iguchi, nach einem Roman von Yûsuke Yamada
Besetzung: Yûki Yamada, Asami, Yûka Eda, Akiko Ikuina, Mari Iriki, Shinji, Kasahara, Ryûnosuke Kawai, Mickey Koga, Rima Matsuda
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Al!ve AG / Mad Dimension

 

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Krieg im Weltenraum – Kampf gegen die Aliens auf dem Mond

Uchû daisensô

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Vergesst den „Krieg der Sterne“ und den „Krieg der Welten“, lasst den „Kampfstern Galactica“ links liegen, entfernt das „Raumschiff Enterprise“ aus eurem Fundus – hier kommt der „Krieg im Weltenraum“! Und es geht gleich zu Beginn in die Vollen: Eine fliegende Untertasse lässt in Japan eine ganze Eisenbahnbrücke in die Höhe schweben. Der heranrasende Zug kann nicht mehr bremsen und stürzt in die Tiefe. Anschließend senkt sich die Brücke wieder herab. Ein Reporter aus Amerika berichtet dem japanischen Fernsehpublikum weitere ungeheuerliche Phänomene: Ein Frachter im Panama-Kanal sei „von einer ungeheuren Springflut in die Luft geschleudert“ und dabei völlig zerstört worden. Eine ähnliche Springflut hat Venedig verwüstet.

Bedrohliche Ereignisse versetzen die Nationen in Angst

Die Weltengemeinschaft setzt sich zusammen und debattiert die Möglichkeit eines Angriffs Außerirdischer. Mit Unterstützung der anderen Nationen hat Japan Raumschiffe und ein Hitzestrahlengeschütz entwickelt, das Doktor Adachi (Koreya Senda) den UNO-Delegierten im japanischen Weltraumforschungszentrum vorstellt. Der Iraner Dr. Achmed (Malcolm Pearce) ist zuvor unter den Einfluss der Aliens vom Planeten Natal geraten und versucht, die Waffe zu stehlen. Es stellt sich heraus, dass die Aggressoren eine Basis auf dem Mond errichtet haben, von wo sie offenbar die Invasion der Erde angehen wollen. Doktor Adachi und sein Kollege Doktor Richardson (Len Stanford) übernehmen das Kommando zweier Raumschiffe, die zum Erdtrabanten aufbrechen sollen.

Kann das neue Strahlengeschütz helfen?

Nach „Das Grauen schleicht durch Tokio“ (1958) beschert uns Anolis Entertainment mit dem ein Jahr später entstandenen „Krieg im Weltenraum“ zum zweiten Mal einen japanischen Beitrag zu den beliebten „Galerie des Grauens“-Reihen. Regie führte auch dabei Akira-Kurosawa-Weggefährte Ishirō Honda, wohl der wichtigste Regisseur des Filmstudios Tōhō – er drehte etliche der Tōhō-Filme, darunter „Godzilla“ (1954) und „Die fliegenden Monster von Osaka“ (1956).

Zwei Raketen machen sich zum Mond auf

Außerirdische mit finsteren Absichten waren im Kino Ende der 1950er-Jahre keine neue Erscheinung mehr, wie beispielsweise „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1951) und „Die Dämonischen“ (1956) belegen. 1953 tobte der „Kampf der Welten“, 1959 kam Ed Wood mit der Mutter aller Trashfilme um die Ecke: „Plan 9 aus dem Weltall“. Neu an „Krieg im Weltenraum“ war die Verlegung der Auseinandersetzung ins Weltall. Und diese Auseinandersetzung kann sich sehen lassen.

Die Astronauten der Mondmission …

Klar, nach Maßstäben heutiger Tricktechnik wirken die Miniaturkulissen und Modelle etwas veraltet, aber sie sind einfallsreich, mit Liebe zum Detail gestaltet und haben seinerzeit in den Kinosälen zweifellos das Publikum beeindruckt. Ein paar Mal habe ich mich an Sequenzen in einigen „James Bond“-Filmen erinnert gefühlt, und die schauen wir alle ja heute auch noch gern. Es braucht also nur ein klein wenig Wohlwollen, um mit großem Genuss auch in den „Krieg im Weltenraum“ zu versinken.

… kämpfen mit allen Mitteln …

Die Spannungskurve steigt bis zum explosiven Finale stetig an. Daran ändert auch nichts, dass die Aliens in ihren Raumanzügen eher putzig aussehen. Wenn sich in der abschließenden Schlacht die irdischen Weltraum-Abfangjäger unter großen Opfern todesmutig der Alien-Flotte stellen, Raumtorpedos auf die Erde niedergehen und wunderbare Miniaturkulissen von New York City und der Golden Gate Bridge zerstört werden, bleibt kein Auge trocken.

… gegen die Aggressoren

Die Doppel-Disc-Edition der achten Veröffentlichung der „Die Rache der Galerie des Grauens“-Reihe lässt wieder keine Wünsche offen, was Bild- und Tonqualität und Bonusmaterial (siehe unten) angeht. Im schön gestalteten und üppig bebilderten Booklet erfährt man viel über die Entstehung des Films und seine Besetzung. Eine gewohnt schöne Veröffentlichung aus dem Hause Anolis Entertainment. Bei allen altersbedingten Unzulänglichkeiten ist „Krieg im Weltenraum“ doch Pflichtprogramm für Freunde gepflegter Weltraumschlachten. Ein gewisser George Lucas wird das sicher gern bestätigen. Und vielleicht sollten wir es auch tatsächlich mal mit einer außerirdischen Bedrohung zu tun bekommen, damit die irdischen Konflikte sich in Luft auflösen und sich die Nationen vereinen. Wenn es doch nur so einfach wäre …

Die Menschheit rückt zusammen

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. ???
10. ???

Auch New York City wird in Mitleidenschaft gezogen

Veröffentlichung: 18. August 2017 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Uchû daisensô
Deutscher TV-Titel: Duell in der Galaxis
Internationale Titel: The Great Space War / Battle in Outer Space
JAP 1959
Regie: Ishirō Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, Jôjirô Okami
Besetzung: Ryô Ikebe, Kyôko Anzai, Minoru Takada, Koreya Senda, Len Stanford, Harold Conway, Elise Richter, Hisaya Itô, Yoshio Tsuchiya, Nadao Kirino, Kôzô Nomura, Fuyuki Murakami
Zusatzmaterial: japanische Fassung sowie amerikanische und deutsche Kinofassung wählbar, Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen und Jörg M. Jedner, Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, deutscher und amerikanischer Werberatschlag, Filmprogramm, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Jörg M. Jedner und Jo Steinbeck
Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Anolis Entertainment GmbH

 

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