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Die phantastische Reise ins Jenseits – Das tote Mädchen

Lady in White

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Im Örtchen Willowpoint Falls laufen die Vorbereitungen für das Halloween-Fest 1962 auf Hochtouren. Auch der neunjährige Frankie (Lukas Haas) ist schon ganz aufgeregt und schwingt sich mit seinem Dracula-Kostüm inklusive Bela-Lugosi-Maske aufs Fahrrad Richtung Schule. Passend zur anstehenden Nacht des Grauens darf der Junge im Unterricht seine neue Gruselgeschichte vortragen. Frankies Erzählung verfehlt ihre Wirkung nicht. Gebannt lauschen die Mitschüler seinen Worten – bis zum schauerlichen Ende.

Frankie hat sich für Halloween kostümiert

Nachdem die Glocke geläutet hat, spielen die Rabauken Donald (Jared Rushton) und Louie (Gregory Levinson) dem schmächtigen Frankie allerdings einen bösen Streich: Als Frankie zur Schule zurückkehrt, um seine verschwundene Mütze zu suchen, wird er von den beiden in der kleinen Kleiderkammer neben dem Klassenzimmer eingesperrt. Frankie hat keine Möglichkeit zu entkommen. Es wird langsam dunkel, als er plötzlich Zeuge einer übernatürlichen Erscheinung wird: Der Geist eines rothaarigen Mädchens erscheint in der Kammer, kurz darauf beobachtet er, wie es von einem Unbekannten ermordet wird. Noch völlig verwirrt von dem, was er gerade gesehen hat, wird Frankie von einer realen Gestalt überrascht, welche sich Zugang zu der Kammer verschafft hat. Der Junge wird niedergeschlagen. Schließlich findet Frankies Vater (Alex Rocco) seinen bewusstlosen Sohn.

Immer wieder begegnet der Junge in Visionen der ermordeten Melissa Anne

Wie Frankie aus der Zeitung erfährt, heißt das rothaarige Mädchen Melissa Anne (Joelle Jacobi). Sie wurde kürzlich Opfer eines Serienmörders, der seit geraumer Zeit in der Gegend sein Unwesen treibt und schon mehrere Kinder auf dem Gewissen hat. Zwar wird der Hausmeister der Schule von der Polizei für die Taten verantwortlich gemacht, doch Frankie glaubt an dessen Unschuld. Denn in den folgenden Monaten hat er immer wieder Visionen von Melissa Anne. Wie durch ein unsichtbares Band scheint er mit dem toten Mädchen verbunden zu sein. Frankie beschließt, sich auf die Suche nach dem wahren Täter zu machen.

Persönlich gefärbter Genre-Mix

Regisseur Frank LaLoggia drehte außer „Die phantastische Reise ins Jenseits“ lediglich zwei weitere Filme: den Horrorfilm „Luzifer“ (1981) und den Thriller „Mörderisches Herz“ (1995), die heute wohl zu Recht vergessen sind, wenn man den recht wenigen und dazu mäßigen Bewertungen in der IMDb Glauben schenken mag. Doch sein zweites Werk erfreut sich weltweit auch 30 Jahre nach seinem Erscheinen noch immer großer Beliebtheit, was auch daran liegen mag, dass sich der Film schwer einem genauen Genre zuordnen lässt: Aufgrund einiger märchenhafter Momente könnte man den Horrorthriller auch ins Fantasy-Fach verorten, die Mördersuche ist auch für Krimi-Liebhaber interessant und natürlich spielen die Themen Erwachsenwerden und Verlust ebenfalls eine große Rolle. Somit kann sich eine breite Zuschauergruppe von diesem gelungenen Mix begeistern lassen.

Frankie will Melissas Mörder finden

Die 60er-Jahre-Kleinstadt-Idylle, auf die sich langsam ein dunkler Schleier legt, in dem ein Junge von geisterhaften Visionen geplagt wird – dies hätte auch ein typischer Stoff von Stephen King sein können. Doch LaLoggia schrieb das Drehbuch selbst und verarbeitete darin persönliche Erfahrungen, formte unter anderem verschiedene Figuren nach den Vorbildern seiner eigenen Familienmitglieder. Dazu baute er die seit etwa um das Jahr 1800 existierende, tragische Geisterlegende der „Lady in White“ in die Story mit ein, nach der der Film auch im Original betitelt ist.

Unheimliches Liebeslied

Die allgemeine Grundstimmung legt besonders das Lied, welches Melissa Anne in der Kleiderkammer vor sich hersingt: „Did You Ever See a Dream Walking“. Eine der bekanntesten Interpretationen des Stückes stammt von Bing Crosby aus dem Jahr 1933. Auch im Abspann von „Nightmare 2 – Die Rache“ (1985) ist diese Version zu hören. Obwohl es ein Liebeslied ist, verfügt dieser Ohrwurm durchaus über Gänsehautpotenzial.

Existiert die Frau in Weiß wirklich oder ist sie nur eine Legende?

Auch, wenn die Effekte heute nicht mehr zeitgemäß wirken, zieht die feinfühlig erzählte Geschichte zusammen mit der traumartigen Atmosphäre schnell in den Bann. Als Kameramann fungierte Russell Carpenter, der 1998 für James Camerons „Titanic“ den Oscar gewann. Dazu trägt natürlich auch bei, dass das Geschehen komplett aus der Perspektive von Frankie erzählt wird. Mit seinen kleinen, großen Augen muss man mit dem Schicksal des kindlichen Lukas Haas einfach mitfühlen. Für seine Leistung in „Der einzige Zeuge“ (1985) hatte Haas bereits eine Nominierung für den „Young Artist Award“ erhalten. Für „Die phantastische Reise ins Jenseits“ und das im gleichen Jahr veröffentlichte TV-Special „A Place at the Table“ gewann der 1976 geborene Schauspieler schließlich erstmals den renommierten Nachwuchspreis. Dennoch sollte man nicht den Fehler begehen und den Film gemeinsam mit seinen Kindern ansehen. Durch das recht aufregend inszenierte Finale und ein paar blutige Szenen ist die FSK-16-Einstufung durchaus gerechtfertigt.

Den US-Import kann man sich sparen

Die zeitgenössischen Kritiker zeigten sich positiv gestimmt, dennoch geriet der Film in den US-Kinos zum Flop. Bei einem Budget von fünf Millionen Dollar, lag das Einspielergebnis in den USA bei gerade mal 1,7 Millionen. Wie Peter Osteried in seinem Essay „Der Traum von der Frau in Weiß“ im Mediabook von Koch schreibt, konnte der Film dafür im Ausland durchaus ordentliche Gewinne verzeichnen und wurde auch auf VHS erfolgreich – was zu seinem Kultstatus sicherlich beigetragen hat.

Dass „Die phantastische Reise ins Jenseits“ für LaLoggia eine Herzensangelegenheit und er mit großer Hingabe bei der Arbeit war, merkt man in jeder Filmminute. Für die US-Blu-ray von Shout Factory schnitt er nach seinem bereits Ende der 90er-Jahre auf Laserdisc erschienen „Director’s Cut“ einen weiteren, knapp zehn Minuten längeren „Extended Director’s Cut“ aus bisher unveröffentlichtem Material zusammen. Die Unterschiede könnt ihr bei den Kollegen von Schnittberichte nachlesen. Großartig, dass Koch Films alle drei Fassungen sowie das umfangreiche Bonusmaterial der US-Ausgabe lizenzieren konnte. Somit kann man sich den Import sparen. Liebhaber des Films werden mit dem Koch-Mediabook ihre Freude haben und vielleicht kommen ja durch diese HD-Premiere neue Fans dieser schaurig-schönen Reise ins Jenseits hinzu.

Einziger Wermutstropfen für Leute, die auf die deutsche Sprachfassung nicht verzichten können: Die erweiterten Szenen sind nicht neu synchronisiert worden, sie werden im Originalton mit Untertiteln präsentiert.

Veröffentlichung: 25. Juli 2019 als 3-Disc Mediabook (2x Blu-ray und DVD) in zwei Covervarianten

Länge: 118 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 113 Min. (Director’s Cut, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Lady in White
USA 1988
Regie: Frank LaLoggia
Drehbuch: Frank LaLoggia
Besetzung: Lukas Haas, Len Cariou, Alex Rocco, Katherine Helmond, Jason Presson, Jared Rushton, Tom Bower
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Frank LaLoggia zum Director’s Cut, Kinofassung (114 Min.), Extended Director’s Cut (127 Min.), Trailer, TV- und Radiospots, Hinter den Kulissen mit optionalem Kommentar von Frank LaLoggia (16 Min.), Hinter den Kulissen-Doku (73 Min.), geschnittene Szenen mit optionalem Kommentar von Frank LaLoggia (36 Min.), früher Präsentations-Kurzfilm (7 min.), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial und Fotos vom Set, 20-seitiges Booklet von Peter Osteried
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot Mediabook Cover B & Trailer: © 2019 Koch Films

 

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Friedhof der Kuscheltiere 2 – Das Grauen ist zurück in Ludlow

Pet Sematary II

Von Andreas Eckenfels

Horror // Some stories just won’t stay dead. Mit diesem Slogan hätte man auch die Neuverfilmung des Stephen-King-Bestsellers bewerben können, doch der Spruch war bereits für die 1992 entstandene Fortsetzung verwendet worden. Mit einem US-Einspielergebnis von inflationsunbereinigten 57 Millionen US-Dollar rangiert „Friedhof der Kuscheltiere“ in den USA noch heute auf Platz 5 der erfolgreichsten Adaptionen nach Werken des Horrormeisters. In Deutschland gruselten sich mehr als 1,7 Millionen Kinozuschauer vor dem Schrecken, welcher Familie Creed widerfuhr. Somit war es nur eine Frage der Zeit, bis Hollywood der unsterblichen Geschichte ein zweites Kapitel hinzufügen würde. Es dauerte dann auch nur drei Jahre.

Begräbnis mit Folgen

Der 13-jährige Jeff (Edward Furlong) muss mit eigenen Augen mit ansehen, wie seine Mutter (Darlanne Fluegel) bei einem Unfall am Set zu Tode kommt. Das Begräbnis der berühmten Schauspielerin findet in ihrem Heimatort Ludlow im US-Bundesstaat Maine statt, wo auch Jeff mit seinem Vater Chase (Anthony Edwards) ihr Sommerhaus frisch bezieht. Der Tierarzt will mit dem Umzug seinem traumatisierten Sohn einen Neustart ermöglichen. Doch der Junge hat es schwer in der Schule. Besonders von Rabauke Clyde (Jared Rushton) und seinen Kumpels wird er immer wieder tyrannisiert. Dafür freundet sich Jeff mit Außenseiter Drew (Jason McGuire) an, der von seinem verhassten Stiefvater Gus (Clancy Brown), dem Sheriff des Örtchens, regelmäßig schikaniert wird. Als Gus eines Nachts Drews geliebten Hund Zowie erschießt, hilft Jeff seinem trauernden Freund dabei, das Tier auf einem mystischen Indianerfriedhof zu begraben. Tatsächlich bewahrheitet sich die Legende, die in der Kleinstadt herumspukt: Zowie kehrt aus dem Reich der Toten zurück. Der Beginn grausamer Ereignisse …

Stephen King wendet sich ab

Nach dem Erfolg des Erstlings wurde Mary Lambert auch für den zweiten Teil mit der Regie betraut. Sie sprach sich dafür aus, dass sich die Fortsetzung auf Ellie, die Tochter der Familie Creed, konzentriert. Doch im fertigen Film ist nur kurz das verbarrikadierte Creed-Haus zu sehen und wird ebenfalls nur kurz über das Schicksal der Familie gesprochen. Paramount wollte lieber einen männlichen Protagonisten und fand ihn in Newcomer Edward Furlong, der gerade durch sein Debüt in „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ Bekanntheit erlangt hatte. Laut Produzent Ralph S. Singleton wollte Stephen King diesmal nicht, dass sein Name im Zusammenhang mit dem Film genannt wird.

Ob die Abstinenz des Horrorautors der Grund dafür war, dass „Friedhof der Kuscheltiere 2“ schwächer als sein Vorgänger ist, sei dahingestellt. Dafür hat King auch schon einige miesere Machwerke in Drehbuchform oder „Rhea M. – Es begann ohne Warnung“ (1986) als Regisseur abgeliefert. Der Film belegt vielmehr das Klischee von Horror-Fortsetzungen, die wenige Jahre später von Wes Cravens „Scream“-Reihe clever offengelegt wurden: mehr Blut, weniger Story. Überhaupt variiert die Geschichte nur leicht, lässt aber Spannung, Atmosphäre und die emotionale Wucht des Erstlings größtenteils vermissen. Auch das Mysterium um den Indianerfriedhof wird nicht näher beleuchtet. Zudem sorgen einige Drehbuchentscheidungen für Stirnrunzeln: Warum nimmt Jeff sein Kätzchen mit in die Schule? Warum sucht sich Clyde ausgerechnet Jeff als Prügelknabe aus und warum feiern später die Gepeinigten Jeff und Drew dennoch gemeinsam mit Clyde und dessen Clique Halloween am Lagerfeuer? Das sind nur einige von vielen Fragen, die sich während der Sichtung stellen. Furlong gibt dabei mit gewohnt grimmig-traurigem Gesichtsausdruck den vom Schicksal gebeutelten Teenager. Edwards erhält wenig zu tun. 1994 nahm seine Karriere mit der Arztserie „E.R. – Emergency Room“ endgültig Fahrt auf.

Zombiepersiflage ohne Schrecken

Clancy Browns Darstellung als wiederkehrender Gus bleibt dagegen positiv wie auch negativ am stärksten im Gedächtnis. Als hünenhafter Schwertschwinger in „Highlander – Es kann nur einen geben!“ (1986) wollte er Christopher Lambert einen Kopf kürzer machen, in „Friedhof der Kuscheltiere 2“ muss Brown dagegen komplett aberwitzig und übertrieben agieren. Nach seiner Rückkehr von den Toten vergewaltigt er unnötigerweise erst mal seine Frau, bevor er am Abendbrottisch vor Jeff und Drew mit dem Essen spielt und später seinen geliebten Hasen den Hals umdreht, um sie anschließend zu häuten und roh zu verspeisen. Schrecken versprüht dieser sadistische Freak in keiner Weise. Verfügte Teil eins noch über einen ernsten Unterton, der sich einigermaßen tiefgründig mit den Themen Verlust, Trauer und Schuld auseinandersetzte, verkommt der zweite Teil zu einer relativ sinnfreien Zombiepersiflage.

Zugegebenermaßen ist Browns Gus ebenso wie einige der handgemachten Goreszenen aber auch nicht ohne Unterhaltungswert. Verbrannte Gesichter, ausgerissene Hautfetzen und eine laufende Bohrmaschine, die ins Fleisch eindringt. Da geht es für 90er-Jahre-Verhältnisse ordentlich zur Sache – und dies nach Meinung der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien so heftig, dass die VHS des Films bereits 1993 indiziert wurde. Zuvor hatten sich ordentliche 529.000 Zuschauer in die deutschen Kinos gewagt. In den USA spielte die Fortsetzung 17 Millionen US-Dollar ein. Wohl zu wenig für einen dritten Aufguss. Erst mit der Neuverfilmung wurde die Geschichte 2019 wiederbelebt.

Warten auf die Blu-ray – und den Workprint

Die Indizierung hatte bis Ende 2016 Bestand. Die deutsche DVD ist nicht mehr erhältlich, laut den Angaben bei der ofdb verfügt die UK-DVD allerdings über deutschen Ton. Laut dem „X-Rated“-Magazin konnte sich 84 Entertainment bereits 2015 die Rechte für beide „Friedhof der Kuscheltiere“-Teile sichern. Teil eins wurde 2016 auf Blu-ray veröffentlicht, Teil 2 lässt leider noch immer auf sich warten. Weltweit ist bis dato keine HD-Fassung von „Friedhof der Kuscheltiere 2“ erschienen. Hoffen wir für Liebhaber des Films darauf, dass diese Lücke bald geschlossen wird und dann auch die etwa acht Minuten längere Workprint-Fassung in bestmöglicher Qualität mit an Bord ist.

Veröffentlichung: 9. Oktober 2002 als DVD

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Pet Sematary II
USA 1992
Regie: Mary Lambert
Drehbuch: Richard Outten
Besetzung: Edward Furlong, Anthony Edwards, Clancy Brown, Jared Rushton, Darlanne Fluegel, Jason McGuire, Sarah Trigger, Lisa Waltz
Zusatzmaterial: Trailer
Vertrieb: Paramount Home Entertainment

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

 

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