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Hotel Mumbai – Tage des Terrors

Hotel Mumbai

Von Andreas Eckenfels

Thrillerdrama // In den USA hat sich der 11. September 2001 ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. In Indien ist der Tag des Terrors der 26. November 2008. Wobei dieser Tag in Mumbai nur den Beginn des Grauens darstellte. Bis die Lage endgültig unter Kontrolle war, dauerte es bis zum 29. November. Bei den Anschlägen kamen nach offiziellen Angaben 174 Menschen ums Leben, mindestens 239 wurden verletzt.

US-Tourist David wird im Taj Mahal Palace willkommen geheißen

Die zehn Täter sollen der islamistischen Terrororganisation Laschkar-e Taiba oder einer ähnlichen Gruppierung angehört haben. In Zweiergruppen führten die Männer an zwölf zentralen Orten der indischen Metropole mit vollautomatischen Gewehren, Handgranaten und Sprengstoff Anschläge aus. Dabei schossen die Attentäter wahllos auf Passanten. Abgesehen hatten sie es hauptsächlich auf westliche Touristen und Andersgläubige. Eines der Ziele war das Luxushotel Taj Mahal Palace – kurz Taj.

Fakten und Fiktion

Als Inspiration für sein Langfilmdebüt nennt Regisseur und Co-Drehbuchautor Anthony Maras die Dokumentation „Surviving Mumbai“ (2009), die erstmals eine andere Sichtweise auf die Anschläge lieferte. Sie erzählt von den persönlichen Erlebnissen der Hotelangestellten und Gäste des Taj, und man erfährt mehr über die Hintergründe der Attentäter. Und so entwickelt Maras ausgehend von dem Mikrokosmos des Hotels, in dem Hunderte von Angestellten und Gästen aus unterschiedlichen Schichten, Nationen, Religionen und Hautfarben ein- und ausgehen, einen packenden Überlebenskampf, der mit vielen, kleinen Geschichten angereichert ist, bei denen Fakten und Fiktion vermischt wurden.

Zwei bewaffnete Terroristen stürmen die Hotellobby

Unter den zahlreichen Figuren, die näher vorgestellt werden: der Sikh Arjun (Dev Patel, „Lion – Der lange Weg nach Hause“), der als Kellner im Taj arbeitet. Weil er seine Schuhe vergessen hat, wäre er am Morgen dieses verhängnisvollen Tages fast wieder nach Hause geschickt worden. In der Luxusherberge herrscht schließlich höchste Perfektion und das Motto lautet: „Der Gast ist Gott!“ Doch Arjun kann seinen Chef Oberoi (Anupam Kher) umstimmen: Er braucht den Lohn, um seine kleine Familie zu versorgen. Seine Frau ist zum zweiten Mal schwanger. Außerdem lernen wir den russischen Geschäftsmann Vasili (Jason Isaacs) näher kennen, der ebenso wie der US-Tourist David (Armie Hammer) mit seiner persischen Frau Zahra (Nazanin Boniadi) gerade beim Essen ist, als die ersten Schüsse fallen. Ihr Baby Cameron wird derweil vom australischen Kindermädchen Sally (Tilda Cobham-Hervey) in ihrer Hotelsuite gehütet. Werden sie ihren Sohn jemals wiedersehen?

Täter und Opfer

„Das Taj beschützt uns“, sollen die Menschen auf den Straßen Mumbais gerufen haben und suchten während der Angriffe im Luxushotel Unterschlupf. Doch wie uns Maras zeigt, schmuggelten sich in den Massen auch zwei der Terroristen in das Haus ein, die alsbald das Feuer eröffneten. Ihre Taten werden schonungslos gezeigt, die Flüchtenden, Hotelgäste und Angestellte wurden systematisch ermordet. Wie perfide die Attentäter vorgingen, zeigen die Szenen, wo sie auf den verschiedenen Stockwerken an die Türen klopfen und so die Menschen, die noch nicht wissen, was in dem riesigen Gebäude vor sich geht, nach draußen locken. Einige versuchen sich in ihren Zimmern zu verstecken, andere werden über die Flure gejagt. Das ist hochspannend, intensiv und teilweise schwer mitanzusehen.

Kellner Arjun auf der Flucht

Maras und sein Mit-Drehbuchautor John Collee („Master and Commander – Bis ans Ende der Welt“) erhielten die Audio-Mitschnitte der Handygespräche der zehn Terroristen und ihrer Auftraggeber, die aus Pakistan gestammt haben sollen. Diese wurden nahezu wortgetreu in den Film eingebaut. Auch durften die Filmemacher die Videos der Polizeivernehmung des einzig verhafteten Attentäters Ajmal Kasab sehen und nutzen. All das sorgt natürlich für einen hohen Grad an Realismus.

Vasili und Zarah werden bedroht

Dennoch stehen in „Hotel Mumbai“ nicht die Täter im Mittelpunkt, sondern die Opfer und ihr verzweifelter Überlebenskampf, ihr Mut und die Hilfe, die sie einander gaben. Auch mit den echten Überlebenden wurden zur Vorbereitung auf den Film Interviews geführt, Maras nimmt so deren Perspektive ein. Zwar zeigt der Regisseur besonders, welche Risiken die Taj-Mitarbeiter eingingen, um die Gäste des Hotels zu beschützen und setzt ihnen damit ein filmisches Denkmal. Aber keiner von ihnen wird zum großen Helden erhoben. Die Geschehnisse im Hotel stehen vielmehr stellvertretend für zahlreiche weitere Akte der Menschlichkeit und des Zusammenhalts, die in Mumbai in diesen Tagen des Terrors zu beobachten waren.

Ausgezeichnet

Vom Publikum des Fantasy Filmfests 2019 erhielt „Hotel Mumbai“ den „Fresh Blood“-Award, den Preis für das beste Debütwerk. Beim Palm Springs International Film Festival 2018 gewann Anthony Maras eine Auszeichnung als „bester Regisseur, den man im Auge behalten sollte“. Diese Ehrungen zeigen, dass das eindringliche Thrillerdrama des Australiers weder Zuschauer, Zuschauerinnen noch Kritiker kalt gelassen hat.

In den Straßen Mumbais regiert das Chaos

Veröffentlichung: 25. Oktober 2019 als Blu-ray und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Hotel Mumbai
AUS/GB/USA/IND/SING 2018
Regie: Anthony Maras
Drehbuch: Anthony Maras, John Collee
Besetzung: Armie Hammer, Dev Patel, Nazanin Boniadi, Anupam Khe, Jason Isaacs, Tilda Cobham-Hervey, Vipin Sharma, Suhail Nayyar, Amandeep Singh
Zusatzmaterial: Featurettes: „Finding the True Story”, „Humanity within Tragedy”, „Real-Life Heroes”, Interview mit Armie Hammer, Dev Patel und Anthony Maras, Trailer, Trailershow
Vertrieb: Universum Film GmbH

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 Universum Film GmbH

 

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Star Force Soldier – Nur ein bewaffneter Mann ist ein guter Mann

Soldier

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Action // Der Prolog öffnet uns den Film mit Kriegsgetöse. 1996 – die Stunde „Null“. Die am lautesten schreienden Neugeborenen sind gerade richtig, um zu den Soldaten der Zukunft zu werden. Mit 17 ist die Ausbildung abgeschlossen, bis dahin werden ihnen Sätze wie „Ein Soldat ist nur glücklich, wenn er Befehle befolgen kann!“ eingebläut. Psychische Indoktrinierung und hartes körperliches und technisches Training sind einziger Lebensinhalt. Aber welches Leben? Wer auf der Strecke bleibt, wird nicht nur ausgesiebt, sondern ganz aus dem Leben genommen. Todd 3465 (als Erwachsener: Kurt Russell) ist der Beste seines Jahrgangs. Fahnenträger. Gleich Elitesoldat. Wir springen in sein 38. Lebensjahr. Vernarbt, mit Name, Kennnummer und Blutgruppe sind ihm ins Gesicht tätowiert – immerhin ist er eine teure Investition, die der Kapitalismus am Leben erhalten will.

Soldaten aus der Retorte

Seinen Arm zieren Kriegsschauplätze: Er hat den „6-Städte-Krieg“ gekämpft, hat getötet in Moskau und auf fremden Monden. Später wird Todd sagen: „Nur Soldaten kämpfen gegen Soldaten.“ Das stimmt nicht ganz, Kollateralschäden werden billigend in Lauf genommen, durch Zivilisten wird gern hindurchgeschossen. Das Schlachtfeld ist sein Zuhause, die wahre Bedeutung eines Heims hat er nie kennengelernt. Sein Blick ist tot, wie es bei einer fast perfekten Kampfmaschine sein muss. „Fast perfekt“, denn es gibt immer ein Update. Die neueste Generation der Universal Soldiers wurde im Genlabor erzeugt, ihre DNA nach Belieben manipuliert. Präziser, fitter, kaltblütiger. Noch bessere Krieger für das Kapital. Caine 607 (Jason Scott Lee) ist das Topmodell, in einem Kräftemessen mit Todd – und zwei weiteren Soldaten der ersten Generation – lässt er dem alten Eisen keine Chance. Die vermeintlich toten Soldaten werden auf einem Müllplaneten entsorgt – doch Todd entsteigt seinem Grab und findet Zuflucht bei einer Familie, die dort lebt, am Rande des Universums, ausgestoßen von der offiziellen Gesellschaft. Der abgehalfterte, innerlich – er hat keine Bestimmung mehr – und äußerlich Verwundete wird von der kleinen Gemeinschaft aufgefangen. Eine Annäherung findet nur langsam statt, man hat verständlicherweise Angst vor der lebenden Waffe. Die erste Bindung stellt Todd zu Nathan her, dem kleinen Sohn seiner Ziehfamilie. Auch der spricht nicht. „Männerkommunikation“. So etwas wie Erotik überkommt ihm beim Anblick von Sandra (Connie Nielsen). Unter einer dankenden Umarmung ihrerseits erzittert sein Körper, den er bisher nur zum Zerstören gebraucht hat.

Western-Showdown im Weltraum

Als die neue Generation der Soldiers später das aufkeimende Idyll zunichte macht, muss Todd wieder zur Maschine werden. So bejubeln wir ein ausuferndes Finale, dass „Star Force Soldier“ zu einem Western im Weltraum werden lässt und auch im unausweichlichen Endkampf nicht enttäuscht. Das Herz muss über das manipulierte Fleisch obsiegen. Hollywood. Aufwendige Sets, reale Explosionen, dicke Wummen, gut choreografierte Fights mit klaffenden Wunden. So cheesy die Story sein mag, so intensiv und fürs Genre nachhaltig ist die Verpackung.

Sandra bringt Todd auf den Gedanken, dass Körper nicht nur zum Töten da sind

Regisseur Paul W. S. Anderson hat bei Fans einen zwiespältigen Ruf. Nach seinem hervorragenden „Shopping“ vertraute man ihm 1995 die filmische Adaption des Videospiels „Mortal Kombat“ an. Für die einen war es eine weichgespülte Enttäuschung, die anderen frohlockten, dass man sich überhaupt an diese Umsetzung wagte, und hatten ihren Spaß. Spaß hat man überhaupt immer bei Anderson – sonst wäre Milla Jovovich wohl auch nicht schon so lange seine Partnerin. Zwei Jahre nach dem tödlichen Kampf gelang ihm mit „Event Horizon“ ein „Shining“ im Weltraum, das noch heute zu schauern weiß – für die Produzenten 1998 damit der richtige Mann für „Star Force Soldier“. Und in der Tat vereint Anderson in seinem vierten Spielfilm das Aufgetragene und Überzogene aus „Mortal Kombat“ mit dem Knallharten und Unerbittlichen aus „Event Horizon“. Schaueffekte werden bei Anderson zum Inhalt, die Storys stehen auf wackeligeren Beinen als seine durchtrainierten Mimen – das ist eben Actionkino.

Muckis und Gefühl – Kurt Russell

Den Titelheld verkörpert Kurt Russell überzeugend mit Muskelkraft UND Herzblut. Die Gage wird sicher proper gewesen sein, aber Russell ist bekanntlich ein Fan der Science-Fiction, die Rolle dürfte ihn gereizt haben. Viel Ausdruck, ohne überflüssige Worte zu verlieren – das steht maskulinen Figuren gut zu Gesicht. Um dem Nachdruck zu verleihen, brachte er sich zudem mit 47 Jahren in eine physische Form, die jeden 30-jährigen neidisch werden lassen dürfte. So lassen sein Spiel und seine Physis das Publikum daran glauben, dass dieser Mann einzig dem Krieg dienen soll. Übrigens wird der junge Todd von seinem Sohn Wyatt gespielt, der vor kurzem in „Operation: Overlord“ prominent wurde. Russell entgegen steht mit Jason Scott Lee („Dragon – Die Bruce-Lee-Story“) ein ebenso schauspielerisch wie physisch talentierter Darsteller. Deutlich jünger als Russell, konnte er gar noch mehr Muskelmasse draufpacken und sich zu einem menschgewordenen Pitbull formatieren. Jason Isaacs („Black Hawk Down“) gibt den Nazi-Offizier der Zukunft mit einem leichten Lächeln im Mundwinkel – plakativer konnte seine Rolle kaum entworfen sein und dem verschrieb er sich voll. Das Gary „Predator 2“ Busey hier fast schon den Guten gibt, mag irritieren, doch auch seine Figur bekommt am Ende ihr Fett weg.

Commando

Monetär war der SF-Actioner ein gewaltiger Flop: Bei 60 Millionen – zwei Panzerfahrzeuge allein verschlangen eine davon – Dollar Budget spielte er in den USA lediglich 15 Millionen ein. Was der Film sein will, kann er. Vielleicht war er jedoch nicht versiert genug aufgestellt, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen. „Star Force Soldier“ ist für ein Publikum zu empfehlen, das sich mit traumatisierten Männern identifizieren kann, die nichts von der Liebe wissen und nur mit einer Waffe in der Hand zu sich selbst finden können. Sie verlieren ihre Maskulinität, wenn man ihnen ihren Soldatenstatus nimmt. Inhaltlich gibt es nicht viel mehr zu holen. Die Geschichte von Andersons Film konzentriert sich ganz auf diese einfache Prämisse, es ist ein Männerfilm, den man so heute nicht mehr machen würde. Dies kann man ihm einerseits vorwerfen, andererseits liegt gerade darin seine Stärke. Es ist ein Film der späten 90er, der keinen Hehl aus seiner fast banalen Geradlinigkeit macht. Ein bisschen Tiefe gab man ihm, indem Drehbuchautor David Webb Peoples ihn im gleichen Universum ansiedelte wie „Blade Runner“ – für den er ebenfalls am Screenplay schrieb. In Ridley Scotts Meilenstein des Science-Fiction-Genres ist von Schlachten am „Tannhäuser Tor“ die Rede – und selbiges findet eben auch hier Erwähnung. Todd wird auch dort im Krieg eingesetzt, er ist ein naher Verwandter der Replikanten. Diese filmübergreifende Verbindung macht weitere Gedankengespinste interessant und führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der stetigen Wiederentdeckung, wer sich mit Scotts Film oder dem Science-Fiction-Kino im Allgemeinen beschäftigt. Wer hier filmisch keinen Bergman erwartet, bekommt einen SF-Actionknaller erster Güte inklusive Zeitreise in die 90er.

Seine Kraft – und das gigantische Budget – setzt er in die Verpackung der maximal zweizeiligen Story. Hier kracht und scheppert es noch richtig, aufwendige Sets gehen in Flammen auf, zerspringen in tausend Teile, und Stuntmen fliegen durch die Gegend. Fette 90er-Action, wie sie heute kaum noch gemacht wird – vor allem nicht im Big-Budget-Segment. Schade, dass man aber auch unbedingt zeigen wollte, wie weit man schon mit der digitalen Tricktechnik sei. So trüben einige schwache Animationen aus Windows-98-PCs ein bisschen das Bild der glanzvollen Spezialeffekte.

In Deutschland nun erstmals ungeschnitten

„Star Force Soldier“ erscheint dank Koch Films in Deutschland erstmals ungekürzt – das kann somit als Erstveröffentlichung bezeichnet werden, denn „cut“ gilt nicht. Damals gab es zum DVD-Release bei uns nur eine stark geschnittene Fassung, die den Film seiner Konsequenz und starken Make-up-Effekte beraubte und den Zuschauer in einigen sehr holprigen Cuts fragend zurückließ. Zudem gab es damals nur eine deutsche Tonspur. Gerade dieses Werk kann man nur uncut genießen und es bedarf auch Russells kerniger One-Liner – hier wahrlich kein Mann vieler Worte – im O-Ton, um richtig Spaß zu haben. Die Neuveröffentlichung ist also schon offensichtlich heiß erwartet und dringend nötig, sie wird durch die Form des Mediabooks noch versüßt. Dieses kommt in zwei Cover-Varianten und mit Booklet, in welches ich leider keinen Einblick hatte, weswegen ich nichts über dessen Qualität sagen kann. Extras gibt es auch noch auf den Discs: ein Audiokommentar mit Anderson, Isaacs und Koproduzent Jeremy Bolt, ein bereits in den 90ern produziertes Making-of, Interviews und eine Bildergalerie (Guckt ihr euch sowas noch an?). Die Form stimmt und wird dem produktionstechnischen Aufwand des Streifens gerecht. Kaufempfehlung. Für Männer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kurt Russell sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das waren die 90er

Veröffentlichung: 28. März 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, zwei Covervarianten), 6. Juli 2000 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Soldier
GB/USA 1998
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: David Webb Peoples
Besetzung: Kurt Russell, Jason Scott Lee, Jason Isaacs, Connie Nielsen, Sean Pertwee, Gary Busey, Jared Thorne, Taylor Thorne, Mark Bringelson, James Black, Mark De Alessandro, Duffy Gaver
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar von Paul W. S. Anderson, Jason Isaacs und Jeremy Bolt, Making-of, Interviews, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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A Cure for Wellness – Von wegen gute Besserung

A Cure for Wellness

Von Andreas Eckenfels

Horrorthriller // Mit den ersten drei „Pirates of the Caribbean“-Teilen belebte Gore Verbinski das Genre des klassischen Piraten-Abenteuers neu und knackte zahlreiche Kassenrekorde. Für den wunderbaren Animationsfilm „Rango“ gewann er den Oscar. Nach dem Boxoffice-Flop von „Lone Ranger“ verabschiedete sich der Regisseur vorerst vom Blockbuster-Kino und backt nun wieder kleinere Brötchen. Für den Horrorthriller „A Cure for Wellness“ tat er sich erneut mit „Lone Ranger“-Autor Justin Haythe zusammen. Unterstützung erhielt Verbinski dabei von der deutschen Filmförderung, die knapp neun Millionen Euro zu der 40-Millionen-Dollar-Produktion beisteuerte. Vielleicht hatten einige inhaltliche Parallelen zu Thomas Manns Literaturklassiker „Der Zauberberg“ die Investoren dazu bewogen.

Wasser ist Leben

Lockhart (Dane DeHaan) erhält einen ungewöhnlichen Auftrag: Der aufstrebende Manager eines großen US-Finanz-Unternehmens soll in die Schweiz reisen, um dort das Vorstandsmitglied Pembroke (Harry Groener) aus einem exklusiven Wellness- und Spa-Resort zu holen, wo sich dieser erholt. Schon bei seiner Ankunft in dem abgelegenen Alpen-Sanatorium wird Lockhart bei seinem Versuch, mit Pembroke zu sprechen, vom Personal freundlich, aber bestimmt abgewiesen. Entnervt verlässt er die Klinik und gerät auf der Rückfahrt in einen Autounfall.

Nach einer langen Reise erreicht Lockhart das abgelegene Wellness-Resort …

Drei Tage später erwacht Lockhart mit einem Gipsbein in einem Krankenbett des Sanatoriums. Auf seinen Streifzügen durch die endlos wirkenden Gänge der Anlage begegnet er der jungen Hannah (Mia Goth), welche seit ihrer Kindheit in dem Resort lebt, und vielen merkwürdigen Patienten, die sich der speziellen Wassertherapie von Klinikleiter Dr. Volmer (Jason Isaacs) unterziehen. Tatsächlich trifft er auch auf Pembroke, der allerdings kurze Zeit später spurlos verschwunden ist. Während sich sein Gesundheitszustand zunehmend verschlechtert, versucht Lockhart das Geheimnis der Klinik zu ergründen.

Aus Deutschland wird die Schweiz

Zwar spielt „A Cure for Wellness“ in der Schweiz, doch auch aufgrund der Finanzierung fanden die Dreharbeiten in Deutschland statt. Neben den opulenten Sets, die im Studio Babelsberg errichtet wurden, drehte Verbinski unter anderem in Sachsen-Anhalt, Berlin, Hamburg und Baden-Württemberg. Für die Innen- und Außenaufnahmen des Sanatoriums dienten die Burg Hohenzollern in Hechingen, die Beelitz-Heilstätten in Brandenburg und die Schwimmhalle des Johannisbades in Zwickau als beeindruckende Kulissen. Auch die hervorragende Ausstattung mit den großen Wassertanks und metallenen Schwitzkästen, in denen die Patienten therapiert werden, trägt maßgeblich dazu bei, dass „A Cure for Wellness“ klassisch zeitlos wirkt und einfach großartig anzusehen ist.

… in den Schweizer Alpen

Durch das Setting schickt Verbinski seinen Hauptdarsteller Dane DeHaan zunächst auf einen ähnlichen Psychotrip, wie ihn auch Leonardo DiCaprio in „Shutter Island“ (2010) durchleiden musste. Dabei macht DeHaan als unsympathischer, zunehmend die Kontrolle verlierender Workaholic einen wesentlich besseren Eindruck als zuletzt in „Valerian – Die Stadt der tausend Planeten“, wo er als strahlender Comicheld etwas fehlbesetzt wirkte. Das Mystery-Puzzle entfaltet sich mit subtiler Spannung, der Regisseur spielt geschickt mit menschlichen Urängsten, und wenn Newcomerin Mia Goth als Hannah in einem vermeintlichen Traum in einer Wanne voll mit Aalen badet, ruft dies die visuell aufregenden Schreckensvisionen aus Verbinskis Horrorhit „The Ring“ (2002) in beste Erinnerung.

Dr. Volmer setzt auf eine spezielle Wassertherapie

Trotz der schwelgerischen Bilder stellt Verbinskis Schauermär allerdings die Geduld seiner Zuschauer auf eine überaus harte Probe. Die Geschichte über das rätselhafte Sanatorium, die einer Gothic-Horror-Novelle entsprungen sein könnte, hätte man effizienter, in wesentlich weniger als 140 Minuten erzählen können. Ein paar Nebenstränge, wie etwa der Selbstmord von Lockharts Vater, an dem er seit seiner Kindheit zu knabbern hat, hätten besser gestrichen werden sollen. Mit dem Problem der Überlänge hatte Verbinski bereits in Teil zwei und drei von „Pirates of the Caribbean“ zu kämpfen, die einfach kein Ende nehmen wollten.

Lockhart geht dem Geheimnis des Sanatoriums auf den Grund

So bleibt „A Cure for Wellness“ ein im wahrsten Sinne des Wortes sehenswerter Genre-Beitrag mit erzählerischen Schwächen, dem allerdings kein großer Erfolg an den Kinokassen beschieden war. Weltweit spielte der Horrorthriller gerade mal 26 Millionen US-Dollar ein. Ein Ergebnis, welches weder Verbinski noch den deutschen Investoren gefallen haben dürfte, aber nichts über die Qualität des Films aussagt.

Ein Traum? Hannah aalt sich in der Badewanne

Veröffentlichung: 10. August 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 146 Min. (Blu-ray), 141 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: A Cure for Wellness
USA/D 2016
Regie: Gore Verbinski
Drehbuch: Justin Haythe, Gore Verbinski
Besetzung: Dane DeHaan, Jason Isaacs, Mia Goth, Ivo Nandi, Celia Imrie, Harry Groener, Adrian Schiller, Carl Lumbly
Zusatzmaterial: entfallene Szene, Meditationen, Die Filmmusik, Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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