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Horror für Halloween (XI) / John Carpenter (XV): Ghosts of Mars – Wäre er nur früher in Rente gegangen

Ghosts of Mars

Von Volker Schönenberger

SF-Horror-Action // Als Fan von John Carpenter seit „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976),
Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) und „The Fog – Nebel des Grauens“ (1980) gehöre auch ich zu jenen, die mit dem Spätwerk des Horror-Großmeisters etwas hadern. Für viele stellt „Die Mächte des Wahnsinns“ (1994) seine letzte Glanzleistung dar. Zwar zähle ich „Vampire“ (1998) zu meinen Lieblings-Vampirfilmen, aber „Das Dorf der Verdammten“ (1995) ist als Remake bestenfalls Durchschnitt, „Flucht aus L.A.“ (1996) ist vordergründig eine Fortsetzung, irgendwie aber auch nur ein belangloses Remake von „Die Klapperschlange“ (1981), und auch auf „The Ward“ (2010) kann ich gut verzichten. „Ghosts of Mars“ (2001) habe ich seinerzeit im Kino geschaut und war rechtschaffen enttäuscht. Anlässlich der Bestückung meiner Horror-für-Halloween-Strecke 2019 kam mir der Gedanke, dem SF-Actionstreifen doch wieder eine Chance zu geben. Und Jason Statham schau ich ohnehin gern – sein Mitwirken hatte ich gar nicht mehr auf dem Zettel.

Das Matriarchat des Mars

Wir schreiben das Jahr 2176. Das Terraforming des Mars ist zu 84 Prozent abgeschlossen, die Atmosphäre des Roten Planeten gleicht bereits der der Erde. 640.000 Menschen haben den Mars besiedelt, um der überbevölkerten Erde mit ihrer kollabierten Umwelt zu entkommen. Sie leben in einer matriarchalisch organisierten Gesellschaft in auf der Oberfläche verteilten Kolonien. Seltsame Gerüchte um eine fremdartige Bedrohung machen die Runde. Ein vom Autopiloten gesteuerter führerloser Güterzug trifft aus dem südlichen Tal am zentralen Stützpunkt ein. An Bord des Erztransporters befindet sich einzig Lieutenant Melanie Ballard (Natasha Henstridge), mit Handschellen angekettet. Vor einem Anhörungsgremium des Matriarchats berichtet sie von ihrem Einsatz: Unter der Führung von Commander Helena Braddock (Pam Grier) hatte ein Team (u. a. Clea DuVall, Jason Statham) den Auftrag, in einer kleinen Bergwerkssiedlung den berüchtigten Verbrecher James „Desolation“ Williams (Ice Cube) zu übernehmen, der im Gefängnis der Shining-Canyon-Mine in verschärfter Einzelhaft ausharrt. Seine letzte Tat hinterließ offenbar zahlreiche verstümmelte Leichen. Die Mitglieder des kleinen Trupps ahnen nicht, dass am Zielort die Hölle auf sie wartet. Die Siedlung wirkt menschenleer, aber der erste Eindruck täuscht …

Die Cops müssen ums Überleben kämpfen

Eine Spezialeinheit aus toughen Alphatieren mit Jason Statham als schmierigem Womanizer – vielleicht hatte ich ihn deshalb aus meinem Gedächtnis gestrichen. Ich wollte „Ghosts of Mars“ auch beim zweiten Mal von Anfang bis Ende wohlwollend sichten, aber das fiel mir mit zunehmender Dauer immer schwerer. Worin besteht die Bedrohung? Welche dämonische Kraft steckt dahinter? Das Interesse an der Beantwortung dieser Fragen erlahmt, sobald die ersten Besessenen auftauchen und ein 08/15-Gemetzel seinen Anfang nimmt. Unbenommen sei, dass ausgefeilte Charakterzeichnungen im Segment der Horror-Action sekundär sind, aber hier weckt wirklich keine Figur ein Minimum an Interesse. Natasha Henstridge darf als Frau einigen Kerlen zeigen, wo der Hammer hängt, so viel zum Thema Matriarchat.

Daumen ab und Daumen runter

Von wegen kleine grüne Männchen – die Geister des Mars suchen die Menschen heim. Vielleicht sollten wir uns das mit der Besiedlung unseres Nachbarplaneten doch noch einmal überlegen. Die Cops treffen irgendwann auf „Desolation“ Williams und müssen sich mit ihm und seinen Kumpanen arrangieren, um zu überleben. Fortan wird der zusammengewürfelte Haufen peu à peu von den Besessenen dezimiert. Zwischendurch säbelt sich eine Dumpfbacke von Typ beim Öffnen einer Konservendose versehentlich den Daumen ab – weiß der Geier, was John Carpenter zum Einbau dieses trashigen Gags veranlasst hat.

Führt nichts Gutes im Schilde

Ab und zu wechselt die Perspektive kurz zu der eines Besessenen, was durch ein verfremdetes Bild verdeutlicht wird. Insgesamt hat Carpenter „Ghosts of Mars“ in braun-rötlichen Tönen visualisiert, was beim Mars ja auch naheliegt. In einer früheren Drehbuchfassung trug der Film den Titel „Escape from Mars“, statt „Desolation“ Williams sollte ein gewisser Snake Plissken auftauchen. Nach dem Misserfolg von „Escape from L.A.“ schrieb Carpenter das Skript aber um. Ob eine zweite „Die Klapperschlange“-Fortsetzung der Weisheit letzter Schluss geworden wäre? Ich habe meine Zweifel.

Soundtrack-Kooperation mit Anthrax

Angesichts der musikalischen Geniestreiche, mit denen Carpenter etliche seiner eigenen Regiearbeiten untermalt hat, ist der Score von „Ghosts of Mars“ eine Frechheit. Grundsätzlich keine schlechte Idee, mit der Band Anthrax eine der „Big Four“ des Thrash Metal für den Soundtrack zu verpflichten. Wenn aus der Kooperation dann aber so ein einfallsloser Soundbrei resultiert, bei dem mir kein Ton in Erinnerung bleibt, kann ich nur traurig abwinken.

Was mag in ihr vorgehen?

John Carpenter hat mittlerweile die 70 Jahre überschritten. Clint Eastwood sitzt zwar noch mit über 80 auf dem Regiestuhl, aber da Carpenters letzte Langfilm-Regiearbeit „The Ward“ bereits neun Jahre zurückliegt, besteht Grund zu der Annahme, dass er langsam die Muße des Rentnerdaseins genießt. Gönnen wir es ihm, ich kann auf weitere Werke verzichten. Seine Großtaten sind für die Ewigkeit, Machwerke wie „Ghosts of Mars“ seien ihm verziehen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Jason Statham unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 5. März 2009 als Blu-ray, 7. Mai 2002 als DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Ghosts of Mars
USA 2001
Regie: John Carpenter
Drehbuch: Larry Sulkis, John Carpenter
Besetzung: Natasha Henstridge, Ice Cube, Pam Grier, Jason Statham, Clea DuVall, Joanna Cassidy, Roesemary Forsyth, Liam Waite, Duane Davis, Lobo Sebastian, Rodney A. Grant
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur John Carpenter und Natasha Henstridge, Filmdokumentationen („Red Desert Nights – The Making of Ghosts of Mars“, 17 Min., „Special Effects Deconstruction“, 7 Min., „Scoring Ghosts of Mars“, 6 Min.), Texttafeln Filmografien, Trailershow
Label/Vertrieb Blu-ray: Sony Pictures Home Entertainment
Label/Vertrieb: DVD: Columbia Tristar

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © Sony Pictures Home Entertainment

 

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Meg – Statham gegen den Riesenhai

The Meg

Von Volker Schönenberger

SF-Horror-Action // Actionstar Jason Statham in einem Haifisch-Horrorfilm – dank dieser Kombination bekam „Meg“ zum Kinostart im August 2018 viel Aufmerksamkeit. Als ihn das Publikum dann gesehen hatte, hagelte es viel Häme, was sich zum Veröffentlichungstermin von Blu-ray und DVD im Dezember fortsetzte. Mich reizte der Film so halb, weshalb ich ihn lange Zeit ignorierte. Aus irgendwelchen Gründen hatte ich nun aber Bock drauf. Die User-Wertung der Internet Movie Database ist mit einem Durchschnittswert von 5,7 von 10 ohnehin nicht ganz so schlecht (Stand Juni 2019), am Ende waren die Lästerer vielleicht nur etwas lauter als die positiven Stimmen?! Schaun mer mal.

Jason Statham spielt Jonas Taylor, einen Experten für heikle Untersee-Rettungsmissionen, der bei einem solchen Einsatz in einem gesunkenen Atom-U-Boot plötzlich bemerkt, wie der Rumpf des Fahrzeugs von außen mit gewaltiger Kraft eingedrückt wird. Steckt eine riesige Kreatur dahinter? Taylor entschließt sich zum Abbruch der Mission, er rettet zwar elf Überlebende, zwei Männer jedoch sterben, als das U-Boot kurz darauf explodiert.

Ein Megalodon taucht auf

Fünf Jahre später ist ein Tauchboot der vom Milliardär Jack Morris (Rainn Wilson) finanzierten Unterwasser-Forschungseinrichtung „Mana One“ im Marianengraben unterwegs, als eine – genau – riesige Kreatur das Gefährt rammt. An Bord: unter anderen Taylors Ex-Frau Lori (Jessica McNamee). Gegen den Rat von Dr. Heller (Robert Taylor), der als Taylors Teamkollege seinerzeit mit dafür verantwortlich war, dass der diskreditiert wurde, wird er angeheuert, die unterseeisch Eingeschlossenen zu retten. Offenbar hat ein ausgestorben geglaubtes Urzeitwesen die Jahrmillionen überdauert – ein Megalodon, der 20 bis 25 Meter lang werden kann.

Men versus Meg isn’t a fight – it’s a slaughter. Solche markigen Sprüche kennen wir von Actionstars wie Jason Statham. Wir schmunzeln über die tüchtige Dosis Testosteron, die damit einhergeht, fühlen uns dabei aber gut unterhalten. Das kann man auch „Meg“ nicht absprechen, obwohl der Film weitgehend bekannten Mustern folgt und kaum Überraschungen bietet – dafür einige spektakuläre Sequenzen, die natürlich davon leben, dass Glaubwürdigkeit und Logik auf der Strecke bleiben. Wenn Jonas Taylor ohne jeden Schutz ins Wasser geht, um dem Megalodon einen Ortungssensor zu verpassen, und dies angeblich gefahrlos sei, weil das Biest einen einzelnen Menschen nicht als Bedrohung wahrnimmt, ist schon etwas Kopfkratzen angesagt, denn einen leckeren Happen für zwischendurch gibt Statham schon ab. Und wenn er dann am Seil zum Schiff gezogen wird, das Maul des Riesenhais an seinen Fußspitzen, wissen wir, dass wir all dies nicht ernst nehmen sollten – wobei zugegeben: Das sollte das geneigte Publikum schon vor Beginn des Films ahnen.

Der Lazarus-Effekt

Beim wissenschaftlichen Unterbau des plötzlichen Auftauchens eines Megalodons müssen wir sowieso beide Augen ganz fest zudrücken. Nun hat es zwar tatsächlich Tierarten gegeben, die als ausgestorben galten und eines Tages auf der Bildfläche der Moderne erschienen sind – es gibt für dieses Phänomen sogar einen Namen: Lazarus-Effekt. In der Regel handelt es sich dabei aber nicht um aus dem Nichts aufgetauchte Urzeitwesen. Solche können im Einzelfall zwar auch die Zeit überdauert haben, aber dass eine 20-Meter-Kreatur wie der Megalodon bis heute unentdeckt geblieben ist, darf ins Reich der Fabel verwiesen werden – obwohl manche Menschen anderes behaupten. Belassen wir es dabei.

Dank hochkarätiger Crew und üppigen Budgets schaut „Meg“ gut aus, und Regisseur Jon Turteltaub („Das Vermächtnis der Tempelritter“) hat natürlich ausreichend Erfahrung mit Mainstream-Kino. Die internationale Besetzung der US-chinesischen Koproduktion tut ihr Übriges dazu. Dass Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ (1975) unerreicht bleibt, stand aber natürlich außer Frage. Auch an „Deep Blue Sea“ (1999) reicht „Meg“ meines Erachtens bei Weitem nicht heran. So mies wie viele Kommentatoren fand ich den Streifen aber nicht, in seinen harmlosen Grenzen ist er angetan, anspruchslosem Publikum einen angenehmen Filmabend zu bescheren. Und da ich das erwartet und meine Ansprüche vorab entsprechend angepasst hatte, ist ihm das bei mir ebenfalls gelungen. Horrorfans mögen sich mehr blutige Details erhofft haben, aber es ist nun mal eine Gesetzmäßigkeit, dass hoch budgetierte Filme auch jugendliche Zuschauerinnen und Zuschauer benötigen und daher für eine niedrige Altersfreigabe gedreht werden.

Erfolg an den Kinokassen – Folge: Fortsetzung folgt

Bei Kosten von 130 Millionen US-Dollar darf das Einspielergebnis von 530 Millionen Dollar als Erfolg gewertet werden. Da kann es den Produzenten egal sein, dass wir es mit einem recht sterilen und generischen Werk zu tun haben. Und wie das so ist in Hollywood – eine Fortsetzung ist bereits in Vorbereitung. Meine Vorfreude darauf hält sich in Grenzen, aber ich hatte bei „Meg“ Schlimmeres befürchtet – vielleicht zu viele enttäuschte Kommentare von Horrorfans gelesen. Alles in allem habe ich mich durchaus amüsiert.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jason Statham sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 13. Dezember 2018 als 4K UHD inkl. Blu-ray, Blu-ray 3D, Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: diverse
Originaltitel: The Meg
USA/CHN 2018
Regie: Jon Turteltaub
Drehbuch: Dean Georgaris, Jon Hoeber, Erich Hoeber, nach einem Roman von Steve Alten
Besetzung: Jason Statham, Bingbing Li, Rainn Wilson, Cliff Curtis, Winston Chao, Shuya Sophia Cai, Ruby Rose, Page Kennedy, Robert Taylor, Ólafur Darri Ólafsson, Jessica McNamee, Masi Oka
Zusatzmaterial: Making-of
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Packshots & Trailer: © 2018 Warner Home Video

 

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Mechanic – Resurrection: Dennis Gansel kann einem leidtun

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Mechanic – Resurrection

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // In letzter Zeit hat sich Jason Statham etwas aus der ersten Reihe zurückgezogen. In „The Expendables 3“ (2014), „Fast & Furious 7“ (2015) und „Spy – Susan Cooper Undercover“ (2015) begnügte sich der Actionstar damit, seine Muskeln innerhalb eines großen Ensembles spielen zu lassen. Mit der Fortsetzung zu „The Mechanic“ (2011) kehrt der Brite endlich wieder als Leading Man zurück. Der Erstling war ein durchaus ordentliches Remake von „Kalter Hauch“ (1972) mit Charles Bronson. Doch auf einen zweiten Teil hatte man nicht unbedingt gewartet.

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Arthur Bishop muss sein Versteck in Brasilien verlassen …

Arthur Bishop (Jason Statham) ist in Brasilien untergetaucht. Aber lange bleibt der Elite-Killer nicht unerkannt. Eine junge Frau überbringt ihm mit einigen Bodyguards im Schlepptau eine Nachricht: Für seinen Erzfeind Crain (Sam Hazeldine) soll er drei Widersacher aus dem Weg räumen. Bishop denkt gar nicht daran. Ihm gelingt die Flucht. In Thailand kommt er bei seiner alten Bekannten Mei (Michelle Yeoh) unter und lernt dort die hübsche Gina (Jessica Alba) kennen und lieben. Damit geht Crains Plan auf: Er hatte Gina erpresst, damit sie als Lockvogel dient, und lässt sie nun kurzerhand entführen. Somit ist Bishop zähneknirschend dazu gezwungen, innerhalb eines Zeitlimits drei Auftragsmorde rund um den Globus zu begehen und sie gleichzeitig wie Unfälle aussehen zu lassen.

Miese Post-Produktion

Schon im Prolog erkennt man ein großes Problem des Sequels: Offenkundig wurden etliche Szenen vor Greenscreen gedreht und die Hintergründe in der Post-Produktion schlecht in den Film hineinkopiert. So erhalten viele Actionszenen einen extrem künstlichen Look, was sofort ziemlich störend wirkt. Dabei geht besonders in der aufregendsten Sequenz, in der Statham ähnlich wie Tom Cruise in „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ (2011) an der Fassade eines Wolkenkratzers herumkraxelt, einiges an Nervenkitzel verloren. Da spielt der Cruise-Blockbuster eben in einer ganz anderen Liga.

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… und kommt bei Freundin Mei auf Thailand unter

Von einem Jason-Statham-Actionthriller erwartet man storytechnisch nicht viel, aber die Geschichte um einen Auftragskiller, der sich zur Ruhe gesetzt hat und durch einen alten Feind zur Rückkehr gezwungen wird, ist nun wirklich ein alter Hut. Dazu ist das Drehbuch äußerst konfus konstruiert, arbeitet jedes Klischee ab und strotzt vor Logiklöchern und Unglaubwürdigkeiten. Von dem erwähnten Zeitdruck, unter dem Bishop steht, ist nicht viel zu spüren. Dafür, dass er die Zielpersonen ausfindig machen, einen genauen Plan ausarbeiten und obendrein in ein anderes Land reisen muss, wirkt er bei seiner Arbeit äußerst entspannt. Dies geht sogar so weit, dass Bishop sich in ein an Alcatraz erinnerndes Inselgefängnis inhaftieren lässt, den darin befindlichen Warlord fix ausschaltet, sich einen Fluchtweg freibombt und elegant ins kühle Nass in die Freiheit springt. Dabei kommt der Killer noch nicht mal ins Schwitzen – er ist eben durch und durch Profi.

Verschenkte Stars

Über all das könnte man hinwegsehen, würde denn die Action stimmen. In dem Punkt jedoch bekommt man in „Mechanic – Resurrection“ auch nichts Neues geboten: Die Kamera bleibt bei den unspektakulären Fights und Schießereien meist auf Statham fokussiert, sodass seine Feinde größtenteils gesichtsloses Kanonen- oder Fäustefutter bleiben und man auch von der Umgebung, in der gekämpft wird, wenig mitbekommt. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass Statham kaum eine Schramme abbekommt und er zwischen den Explosionen noch nicht einmal einen coolen Spruch raushauen darf. Selbst die Fans des durchtrainierten Ex-Kunstturmspringers dürften etwas mehr erwartet haben.

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Dort lernt Bishop die hübsche Gina kennen und lieben

Gegen Ende gelingt es Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones („Auf der Flucht“) als mutmaßlichem dritten Opfer, mit Rundbrille und Kinnbärtchen dem bierernsten Streifen ein wenig dringend benötigten Humor zu verleihen. Michelle Yeoh ist nur wenige Minuten dabei und genauso verschenkt wie Jessica Alba. Die Romanze zwischen ihr und Statham wirkt extrem aufgesetzt. Immerhin durfte an Thailands sonnigen Stränden gedreht werden, sodass in den Sequenzen wenigstens ein wenig Urlaubsstimmung aufkommt und Alba mit perfektem Teint in ansprechend geschnittenen Kleidern und im Bikini ihre optischen Reize zur Schau stellen darf – „Into the Blue“ (2005) lässt grüßen.

Aufschlussreiches Drehtagebuch

Die Stars werden sich bei diesem lieblosen Actionthriller und unnötigen Sequel keine blutige Nase holen und freudig ihren Gagenscheck in Empfang genommen haben. Viel mehr tut es einem um Dennis Gansel leid. Für den deutschen Regisseur („Die Welle“, „Die vierte Macht“) markiert „Mechanic – Resurrection“ das Hollywood-Debüt. Sein im Bonusmaterial befindliches „Videotagebuch von den Dreharbeiten“ ist interessanter als der gesamte Film: Eigentlich als Promo gedacht, gibt Gansel hier durch seine Kommentare eher ungewollt recht aufschlussreiche Einblicke darüber, dass ihm beim Dreh offenbar häufig die Kontrolle entzogen wurde. Die Stars mischten sich immer wieder in die Arbeit ein, Gansels Vorschläge wurden häufig abgelehnt und die Drehbuchschreiber kamen kurzfristig mit diversen Änderungen um die Ecke. Dazu fielen auch Szenen der Schere zum Opfer, die etwa die gemeinsame Vergangenheit von Bishop und Crain beleuchten sollten. Sie hätten den Figuren etwas mehr Tiefe gegeben.

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Nach Ginas Entführung ist Bishop dazu gezwungen, drei Auftragsmorde auszuführen

Mit diesem Film wird der Hannoveraner wenig Eigenwerbung für weitere internationale Projekte betreiben können – was aber wohl kaum seine Schuld ist. Er ist nun um eine Erfahrung reicher. In heimischen Gefilden wird Gansel mit der Realverfilmung von „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ hoffentlich wieder entspannter und mit wesentlich mehr Spaß bei der Arbeit sein.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tommy Lee Jones und Jason Statham sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Dritte Zielperson: der Waffenhändler Max Adams (M.)

Veröffentlichung: 27. Dezember 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Mechanic – Resurrection
USA/F 2016
Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Philip Shelby, Tony Mosher
Besetzung: Jason Statham, Jessica Alba, Sam Hazeldine. Michelle Yeoh, Tommy Lee Jones, John Cenatiempo, Toby Eddington, Yayaying Rhatha Phongam
Zusatzmaterial: Entfallene Szenen, Featurettes, Interviews mit Cast & Crew, Videotagebuch von den Dreharbeiten, Making-of
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Universum Film

 

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