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Horror für Halloween (VI): Dienerinnen des Satans – Rache aus dem Reich der Toten

Les démoniaques

Von Andreas Eckenfels

Horror // Zum Ende des 19. Jahrhunderts treiben vier Strandräuber an einem nicht näher benannten Küstenort ihr Unwesen. Der „Kapitän“ (John Rico), Le Bosco (Willy Braque), Paul (Paul Bisciglia) und die dralle Tina (Joëlle Coeur) betreiben ihren Lebensunterhalt damit, vorbeifahrende Schiffe mit Leuchtfeuern an die tödlichen Klippen zu locken. Anschließend plündern sie die Wracks.

Der Kapitän und Tina vergnügen sich über ihre fette Beute

Eines Nachts will die Bande gerade ein zerschelltes Schiff nach wertvoller Fracht durchsuchen, als plötzlich zwei verwirrte, junge Frauen (Lieva Lone, Patricia Hermenier) aus dem Wasser steigen, die sich offenbar an Bord befunden hatten. Die zwei Schiffbrüchigen bitten um Hilfe – vergebens! Die Strandräuber kennen keine Gnade mit ihren wehrlosen Opfern: Sie demütigen, verprügeln, vergewaltigen und töten die Frauen.

Den zwei schiffbrüchigen Frauen wird noch mehr Leid zuteil

Kurze Zeit später fühlt sich der angetrunkene „Kapitän“ in der Taverne von Geistern verfolgt. Tatsächlich liegt dies nicht an seinem ausufernden Biergenuss: Die Frauen sind nach ihrem Tod einen Bund mit dem Teufel (Miletic Zivomir) eingegangen. Für eine Nacht erhalten sie die Kräfte des Beelzebubs, um an ihren Peinigern blutige Rache zu üben …

Expressionistisches Abenteuer

In seinem sechsten Langfilm, den Jean Rollin unter seinem eigenen Namen veröffentlicht hat, setzt der französische Regisseur erstmals keine Vampire ins Zentrum der Geschichte. Dennoch fehlt das Motiv der Rückkehr aus dem Reich der Toten nicht. Sein „Dienerinnen des Satans“ versteht er als eine Hommage auf die alten Mantel-und-Degen-Abenteuerfilme aus Hollywood, die er als Kind immer gern gesehen hat. Zudem betont Rollin im Vorwort, dass er bei der Inszenierung auf eine expressionistische Bildsprache setzte, was auch die übermäßige Theatralik seiner Darsteller erklärt. Die Einführung erfolgt dann auch hübsch altmodisch mit Einzelporträts der vier Strandräuber. Eine Erzähler-Stimme berichtet dabei von deren vergangenen Taten und den jeweiligen Eigenschaften des Quartetts. Doch wer glaubt, dass es sich hier um die Helden des Films handelt, wird schnell eines Besseren belehrt, wenn die widerwärtigen Vier die zwei Frauen zu Tode quälen, was aufgrund der Länge der Szene recht schmerzhaft mitanzusehen ist.

Die Strandräuber schieben eine Nummer

So wandelt sich das vermeintliche Piraten-Abenteuer zu einer Art übernatürlichem Rape-and-Revenge-Film, welcher in seinen satten Farben auch ein wenig an die Werke aus den Hammer Studios erinnert – nur eben mit mehr Sex und Gewalt. Dass die zwei Frauen in einer verlassenen Abtei-Ruine von einer Clownin (Mireille Dargent) zu einem Exorzisten (Ben Zimet) geführt werden und der Teufel in einem Kerker eingesperrt ist, gehört nun mal zur verschrobenen-bizarren Welt von Jean Rollin, die man immer mehr zu schätzen lernt, je mehr Werke dieses außergewöhnlichen Filmemachers man entdeckt.

Vor dem „Pornograf“ Rollin wird gewarnt!

Um finanziell über die Runden zu kommen, war Rollin in seiner Karriere immer wieder gezwungen, Pornofilme herunterzukurbeln. Für diese Auftragsarbeiten nutzte er häufig die Pseudonyme Michel Gentil oder René Xavier. Bei einem dieser Werke – „Jeunes filles impudiques“ (1973, übersetzt „Junge, schamlose Mädchen“) – arbeitete er bereits mit Joëlle Coeur zusammen, die auf derlei Sexfilme abonniert war. Eine dieser Bettgeschichten aus ihrer Filmografie trägt einen herrlichen deutschen Titel: „Die fröhlichen Holzfäller der nickenden Fichten“ (1974).

In der Kneipe wird der Kapitän von den Geistern der Toten verfolgt

Auch für „Dienerinnen des Satans“ wurden zur besseren Vermarktung freizügige Sexszenen benötigt. Wie Pelle Felsch in seinem wieder einmal höchst lesenswerten Booklettext berichtet, sprang Rollins angedachte Wunschbesetzung für die verführerische Tina ab, „weil man sie vor dem ,Pornografen‘ Rollin, der junge Schauspielerinnen zur Prostitution zwang, um an Geld für seine Filme zu kommen, gewarnt hatte“. So übernahm nun Coeur die Rolle der Tina, die zwar wenig Schauspielkunst, aber dafür vollen Körpereinsatz zeigt. Bei einer Szene wirkt dies besonders skurril, wenn sie sich an der gezeigten Gewalt gegen die zwei namenlosen Frauen regelrecht aufzugeilen scheint. Mit dieser Mischung aus Erotik und Horror bleibt sie jedoch wesentlich länger im Gedächtnis als Lieva Lone und Patricia Hermenier, die als Rachegeister äußerst passiv bleiben. Der Akt der Vergeltung der beiden Wiederkehrerinnen läuft etwas anders ab als im Genre üblich. Rollin findet wenigstens für Lone und Hermenier ein wunderschön-poetisches Schlussbild, welches am Strand der französischen Insel Chausey gedreht wurde.

Die Untoten bekommen bei ihrer Rache Hilfe von einer Clownin …

Auch wegen des knappen Budgets setzte Rollin bei der Besetzung der Hauptdarsteller auf alte Mitstreiter. Wie Coeur war der französische Darsteller Willy Braque schon in „Jeunes filles impudiques“ dabei und war später in weiteren Rollin-Filmen zu sehen, außerdem spielte er auch für Jess Franco. Während des Drehs soll Braque mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen gehabt und mit seiner Sucht die Nerven seiner Kollegen strapaziert haben.

… und vom Teufel höchstpersönlich

Laut David Hinds, Autor von „Fascination: The Celluloid Dreams of Jean Rollin“, wurde Braque nach seiner Schauspielkarriere Pilot und verkaufte auch gebrauchte Flugzeuge. Den 1928 in Algiers geborenen Paul Bisciglia kannte Rollin noch von „Die Folterkammer der Vampire“ (1971). Bisciglia besitzt eine eindrucksvolle Filmografie mit über 200 Werken, wenn es auch meist Nebenrollen waren. Unter anderem war er in Claude Chabrols „Schrei, wenn du kannst“ (1958) und in „Nachblende (1975) von Andrzej Zulawski zu sehen.

Weltweit längste Fassung

Wicked-Vision Media hat „Dienerinnen des Satans“ mit drei alternativen Mediabook-Covermotiven als dritten Beitrag in der „Jean Rollin Collection“ veröffentlicht. Gleichzeitig handelt es sich um eine deutsche Erstveröffentlichung. Der Film wird zudem in der weltweit längsten Fassung präsentiert und ist damit in Sachen Lauflänge, aber auch Bildqualität selbst der US-Blu-ray aus dem Hause Redemption überlegen, die bereits als „Unrated Extended Cut“ tituliert war. Die Unterschiede haben die Kollegen von schnittberichte.com hier notiert.

Tod am Strand

Die Filme der „Jean Rollin Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Veröffentlichung: 31. März 2017 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 3 Covermotive à 500 Exemplare)

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Les démoniaques
F/BEL 1974
Regie: Jean Rollin
Drehbuch: Jean Rollin
Besetzung: Joëlle Coeur, John Rico, Willy Braque, Paul Bisciglia, Lieva Lone, Patricia Hermenier, Louise Dhour, Ben Zimet, Mireille Dargent
Zusatzmaterial: 24-seitiges Booklet mit Texten von Pelle Felsch und Oliver Nöding, Audiokommentar zu ausgewählten Szenen von Jean Rollin, Featurette: „Les Démoniques“, Interview mit Willy Braque, entfernte Sexszene, Outtake-Footage, deutscher Trailer, französischer Trailer, US-Trailer, Bildergalerie, Trailer
Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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Die nackten Vampire – Die überlegene Spezies

La vampire nue

Von Andreas Eckenfels

Horror // Nach „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ entführt uns Wicked-Vision Media mit dem zweiten Beitrag der „Jean Rollin Collection“ erneut in die bizarre und bunte Welt des französischen Kultregisseurs. Und bunt ist in diesem Fall durchaus wörtlich zu nehmen: Rollins zweiter Spielfilm nach „Die Vergewaltigung des Vampirs“ („Le viol du vampire“, 1968) war gleichzeitig auch sein erster Farbfilm – und in der neuen HD-Neuabtastung des Original-Kamera-Negativs erstrahlt er in schönstem Glanz.

Mysteriöse Frau auf der Flucht

Des Nachts begegnet Pierre Radamante (Olivier Rollin) einer mysteriösen Fremden (Caroline Cartier). Die Frau ist nur mit einem langen, orangefarbenen Tuch bekleidet und offensichtlich auf der Flucht. Ihre Häscher tragen große Tiermasken auf dem Kopf und sind ihr schon bedrohlich nah. Ein Schuss fällt. Pierre kann die Frau nicht retten. Die Männer tragen die Tote in ein herrschaftliches Anwesen. Der Besitzer erweist sich ausgerechnet als Pierres Vater Georges (Maurice Lemaître), der ihn aber nicht in seine dunklen Machenschaften einweihen will. Bei seinen Nachforschungen findet der Sohn heraus, dass in dem Schloss regelmäßig Treffen eines Selbstmordkults stattfinden. Pierre gelingt es, an einem Ritual teilzunehmen. Eine Auserwählte schießt sich vor allen anderen eine Kugel in den Kopf. Kurz darauf traut Pierre seinen Augen nicht: Die totgeglaubte Frau aus der vergangenen Nacht lebt – und trinkt das Blut der Selbstmörderin.

Gut gegen Böse

Laut eigenen Worten wollte Rollin mit „Die nackten Vampire“ ein „Mysterium“ erschaffen. Das gelingt ihm ohne Frage mit seiner surrealistischen Bildsprache: intensiver Farbrausch, bizarre Kostüme und theatralische Sets. Erstmals arbeitete der Franzose mit Kameramann Jean-Jacques Renon zusammen, der die Visionen des Regisseurs gekonnt umsetzte. Viele weitere Kollaborationen folgten. Das Gezeigte wird zeitweise von einem wilden Free-Jazz-Soundtrack untermalt, welcher zur besonderen, fast psychedelischen Stimmung beiträgt.

Pierre geht dem Geheimnis der Fremden auf den Grund

Anders als in Rollins späteren Werken ist die Geschichte recht linear erzählt. Auf der einen Seite stehen die Menschen, die sich nach dem ewigen Leben sehnen und damit auch nach ewiger Macht streben. Auf der anderen Seite stehen die Vampire, die bereits auf einer höheren Stufe angelangt sind. Sie sind Mutanten, denen Kruzifixe sowie Sonnenlicht nichts anhaben können und die in Frieden leben wollen. Bei Rollin gibt es also keine Blutsauger im klassischen Sinne. Die Vampire sind bei ihm die Guten, die Menschen die Bösen, die sich übereilig durch künstliche Experimente auf eine Ebene mit der ihnen überlegenen Spezies stellen wollen.

Faszination von Schönheit

Für einen Vampirfilm ungewöhnlich: Der Blutgehalt tendiert gegen Null. Dafür wird das andere Versprechen des Titels eingelöst: Wie üblich bei Rollin geizen seine hübschen Darstellerinnen nicht mit nackter Haut, weshalb seine Filme meist irrtümlich mit dem Label Vampir-Sex-Trash abgestempelt werden. Nicht ganz unschuldig daran ist wieder einmal der deutsche Verleih gewesen, der für die Bahnhofkinos den reißerischen Alternativtitel „Das Lustschloss der grausamen Vampire“ texten ließ. Doch es geht Rollin nicht um die plumpe Zurschaustellung von Nacktheit. Auch wenn die Kamera immer wieder lange Zeit sanft an den blanken Brüsten und Schenkeln der weiblichen Figuren entlanggleitet, steht dabei wie im gesamten Film immer das sinnhafte Erleben und die Faszination von Schönheit in all ihren Facetten im Vordergrund.

Pierres Vater Georges (M.) betreibt dunkle Machenschaften

Die Filme der „Jean Rollin Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Die neuen Vampire fürchten sich nicht vor Kruzifixen und Sonnenlicht

Veröffentlichung: 16. Dezember 2016 als 2-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray und DVD) im Mediabook (Auflagen: Cover A 666 Exemplare, Cover B 666 Exemplare)

Länge: 85 Min. (Blu-ray), 81 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Deutscher Alternativtitel: Das Lustschloss der grausamen Vampire
Originaltitel: La vampire nue
F 1970
Regie: Jean Rollin
Drehbuch: Jean Rollin, Serge Moati
Besetzung: Olivier Rollin (als Olivier Martin), Caroline Cartier (als Christine François), Maurice Lemaître, Bernard Musson, Jean Aron, Ursule Pauly, Catherine Castel (als Cathy Tricot), Marie-Pierre Castel (als Pony Tricot), Michel Delahaye
Zusatzmaterial: 24-seitiges Booklet mit Texten von Pelle Felsch („La Poésie Phantastique – Das sinnliche Kino des Jean Rolin Teil 2“) und Leonhard Elias Lemke („Vampire sind die besseren Menschen“), Einleitung von Jean Rollin, Feaurettes: „Erinnerungen – Im Gespräch mit Jean Rollin“, „Die Passage der nackten Vampire“, deutscher Trailer, französische Trailer, englischer Trailer, alternativer deutscher Trailer, alternativer Vorspann, Bildergalerie
Label: Wicked-Vision Media / donau film
Vertrieb: NSM Records

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2016 Wicked-Vision Media / donau film

 

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Sexual-Terror der entfesselten Vampire – Poetische Schreckensbilder eines fast vergessenen Meisters

Les frisson des vampires

Von Andreas Eckenfels

Horror // „Sexual-Terror der was?“ mag man sich aufgrund des obskuren deutschen Titels verwundert fragen. Doch voreilig abwenden sollte man sich deswegen nicht von dem ersten Film, der in der „Jean Rollin Collection“ von Wicked-Vision Media erschienen ist. Nur der Zuschauer, der wirklich knallharten Sex, Gewalt und Horror erwartet, sollte besser die Finger von dem im Original weitaus zahmer betitelten „Les frisson des vampires“ lassen – oder die bislang als verschollen geglaubte deutsche Kinofassung ansehen, die im Bonusmaterial der Blu-ray enthalten ist. Doch dazu später mehr.

Isa und Antoine sind frisch verheiratet

Die frisch vermählten Isa (Sandra Julien) und Antoine (Jean-Marie Durand) wollen während ihrer Flitterwochen Isas Cousins (Michel Delahaye und Jacques Robiolles) besuchen, die in einem altehrwürdigen Schloss auf dem französischen Land leben. Doch bevor sie dort ankommen, erfahren sie von den Dorfbewohnern, die Cousins seien am Vortag verstorben. Isa und Antoine wollen dennoch eine Nacht in dem Gemäuer verbringen, wo sie von den Dienerinnen (Marie-Pierre Castel und Kuelan Huerca) und der trauernden Isabelle (Nicole Nancel) empfangen werden. Schon bald bemerkt das Paar, dass in dem Schloss etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Während Antoine Nachforschungen anstellt, wird Isa in der Nacht von der Vampirin Isolde (Dominique) in ihren Bann gezogen.

Surrealistisches Erlebnis

Für mich ist es die erste Begegnung mit einem Werk des französischen Kultregisseurs Jean Rollin (1938–2010), dessen „Die Vergewaltigung des Vampirs“ von 1968 als der erste französische Vampirfilm gilt. Ich war sofort fasziniert von diesem wunderschönen Reigen aus schaurigen Tönen, prachtvoller Ausstattung und poetischen Schreckensbildern. Wer eine geradlinige narrative Handlung oder Logik bei „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ erwartet, wird enttäuscht sein und sich schnell langweilen. Denn der eng mit dem Surrealismus verbundene Rollin ist daran wenig interessiert. Vielmehr geht es ihm darum, Atmosphäre zu erzeugen und seiner Fantasie freien Lauf zu lassen: Das Geschehen gleicht einem Traum; in den langen Einstellungen kann alles mögliche Unerwartete passieren. Dabei geht es aber nicht nur düster zu, die Stimmung schlägt auch häufig heitere Töne an.

Die zwei Dienerinnen sind stets zu Diensten

Besonders bizarr wird es immer dann, wenn Obervampirin Isolde erscheint. Eine Standuhr dient ihr als eine Art Portal, aus dessen Tür sie sich regelrecht herausquetscht. Ein anderes Mal kommt die Blutsaugerin sogar aus dem Kamin. Eine Tötung begeht Isolde mit ihren mit Stacheln gespickten Brüsten (siehe viertes Szenenfoto). Eine wunderbare Szene! Rollins ausgeprägte Vorliebe für nackte Frauen und meist lesbisch orientierte Vampire brachten ihn schnell in Verruf. Allerdings wirken zumindest in der Originalfassung die Nacktszenen im Zusammenspiel mit der Bildkomposition immer sinnlich-erotisch und nie verrucht.

Mehr Sex für die deutschen Bahnhofskinos

Ganz anders sieht es da mit der deutschen Kinofassung aus, die 1972 unter dem Titel „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ vermarktet wurde. Diese Fassung galt als verschollen und hat nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Film zu tun. Zu jener Zeit war es gängige Praxis, ausländische Filme in Deutschland zu kürzen und mit Alternativszenen aufzufüllen. Rollins Werk wurde unter der Leitung von Günter Hendel auf 81 Minuten zusammengestutzt; dabei wurden Sequenzen von knapp zehn Minuten eingefügt – zumeist völlig willkürlich eingestreute, platte Sexszenen, um dem Publikum in den Bahnhofskinos das zu geben, was der reißerische deutsche Titel zu sein vorgab.

Wer quetscht sich da aus der Standuhr?

Mit der liebevollen und aufwendigen Restaurierung von „Sexual-Terror der entfesselten Vampire“ sowie den hörenswerten Audiokommentaren ist Wicked-Vision Media wieder einmal ein Glanzstück gelungen. Die zwei limitierten Mediabook-Varianten beinhalten eine informative, von Pelle Felsch verfasste Rollin-Biografie, die in den weiteren Teilen der Reihe fortgesetzt wird. Mit der „Jean Rollin Collection“ würdigt das Independent-Label einen Filmemacher, der zu Unrecht fast in Vergessenheit geraten ist. Eine Edition für Fans des Kultregisseurs und solche, die es werden wollen.

Es ist Obervampirin Isolde

Die Filme der „Jean Rollin Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt.

Isa verfällt dem Bann der Blutsaugerin

Veröffentlichung: 29. August 2016 als 2-Disc Limited Collector’s Edition (Blu-ray und DVD) im Mediabook (Auflagen: Cover A 1.000 Exemplare, Cover B 500 Exemplare)

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: ungeprüft
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Les frisson des vampires
F 1971
Regie: Jean Rollin
Drehbuch: Jean Rollin, Monique Natan
Besetzung: Sandra Julien, Michel Delahaye, Marie-Pierre Castel, Jaques Robiolles, Jean-Marie Durand, Kuelan Huerca, Nicole Nancel, Dominique
Zusatzmaterial: Einleitung durch Jean Rollin, Audiokommentar von Jean Rollin, Audiokommentar von Christian Keßler und Pelle Felsch, Kurzfilm von Jean-Noel Delamarre: „Liberta“, Featurette: „Rouge Vif – Nervenkitzel der Vampire“, Trailer, Bildergalerie, Geschnittene Szenen, Rekonstruierte deutsche Kinofassung (81 Min.), Deutscher Trailer, Audiokommentar zur deutschen Kinofassung von Pelle Felsch, Daniel Perée und Ludger Holmenkann, 24-seitiges Booklet von Pelle Felsch
Label: Wicked-Vision Media / donau film
Vertrieb: NSM Records

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2016 Wicked-Vision Media / donau film

 

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