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Gewinnspiel: 5 x Als Jim Dolan kam auf Blu-ray

Verlosung

„Als Jim Dolan kam“ zeigt Dean Martin in einer seltenen Rolle als Schurke – als Ex-Sheriff terrorisiert er die Kleinstadt Jericho. Ein anderer ehemaliger Gesetzeshüter (George Peppard) stellt sich ihm nach einigem Zögern entgegen – der titelgebende Jim Dolan. Koch Films hat den Western von 1967 jüngst erstmals auf Blu-ray veröffentlicht und uns fünf Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,45 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Lucas Grönings Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 16. Juni 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Ich benötige obendrein die Zusage, dass die Sendung nicht von Minderjährigen entgegengenommen werden kann. Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Doreen,
– Frank Hillemann,
– Andreas Michaelis,
– PrettyinPink,
– renesnerdcave.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Eine als Gewinnerin gezogene Teilnahmerin wurde gestrichen. Als nachrückenden Gewinner habe ich Kevin Aßmann ausgelost. Herzlichen Glückwunsch! Auch du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Als Jim Dolan kam“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Als Jim Dolan kam – Dean Martin als Schurke

Rough Night in Jericho

Von Lucas Gröning

Western // Wie sollte ein Staat aufgebaut sein? Welche Kombination aus politischem System und Wirtschaftssystem sollte einem Staat zugrunde liegen, damit er so funktioniert, dass darin ein Maximum an Freiheit und Gerechtigkeit erreicht wird? Was ist Gerechtigkeit überhaupt? Welche Rolle spielen Autoritäten? Welche Rolle spielt die Bevölkerung? Welchen Einfluss können Interventionen von außen spielen? Einige Diskussionsansätze zu diesen Fragen finden wir in Arnold Lavens Western „Als Jim Dolan kam“.

Zunächst zum Plot: Früher war Alex Flood (Dean Martin) der Sheriff der Kleinstadt Jericho. Er sorgte für Recht und Ordnung, doch mittlerweile ist der einstmalige Gesetzeshüter mit seiner Banditenbande zum gefährlichsten Verbrecher der Gegend aufgestiegen. Die Bewohner des Ortes versetzt er in Angst und Schrecken. Eines Tages kommt der Kartenspieler und Ex-Marshal Jim Dolan (George Peppard) zusammen mit dem alternden Ex-Sheriff Ben Hickman (John McIntire) in die Stadt. Gemeinsam mit der Unternehmerin Molly Lang (Jean Simmons, „Spartacus“) sagen sie dem Despoten den Kampf an, um dessen Schreckensherrschaft über Jericho zu beenden.

„Als Jim Dolan kam“ ist, während er diesen Disput zeigt, handwerklich sehr gut gemacht, man merkt Regisseur Arnold Laven an, dass er nach seinen vorherigen Arbeiten „Das letzte Kommando“ (1962) und „Die glorreichen Reiter“ (1965) das Western-Genre beherrschte. Ansonsten war er bis zu seinem Karriereende Mitte der 1980erJahre vornehmlich fürs US-Fernsehen tätig und dort gut beschäftigt.

Alex Flood herrscht mit eiserner Hand

Vor allem die darstellerischen Leistungen des späteren „A-Team“-Stars George Peppard und besonders von Entertainer-Legende Dean Martin ragen heraus – Martin hatte sich im Genre bereits 1959 mit Howard Hawks’ „Rio Bravo“ ein Denkmal gesetzt. „Als Jim Dolan kam“ zeigt ihn in einer seltenen Schurkenrolle, es mag sogar seine einzige gewesen sein. Zusätzlich hören wir eine stimmige musikalische Untermalung und sehen tolle Kulissen sowie eine hervorragende Arbeit der Kamera. Die Kameraarbeit erreicht dabei eine hohe Qualität, was sich darin äußert, dass sie die Aussage des Films und die Gegensätzlichkeit der Figuren zusätzlich zu den Dialogen fantastisch unterstützt. Doch was will der Film uns eigentlich sagen, und welche Gegensätze sind gemeint?

Sozialismus und Diktatur

Wir haben es hier mit einem Konflikt zwischen Repräsentanten verschiedener Strömungen beziehungsweise systemischer Kombinationen zu tun. Auf der einen Seite Alex Flood – er steht für ein autoritäres, totalitäres und auf eine Person zentriertes Staatensystem. Gleich zu Beginn sehen wir, wie Flood den Rechtsstaat in Jericho abschafft, indem er den örtlichen Sheriff entmachtet und einen seiner Lakaien in dieses Amt hebt. Zusätzlich ernennt er alle weiteren Bandenmitglieder zu Hilfssheriffs, um jegliche Missetaten, welche mit dem Gesetz eigentlich unvereinbar sind, vor diesem rechtfertigen zu können und Strafverfolgung von vornherein unmöglich zu machen. So lässt Flood ohne gerichtlichen Prozess einfach jeden Menschen exekutieren, der ihm widerspricht, da sich die Repräsentation von Legislative, Exekutive und Judikative in ihm manifestiert. Das Gesetz ist also deckungsgleich mit den Bedürfnissen des einzelnen Herrschers – und alle Macht liegt bei ihm.

Im weiteren Verlauf erfahren wir, dass der Despot an sämtlichen wirtschaftlichen Unternehmen der Stadt einen Anteil von 51 Prozent hält, sodass auch die ökonomische Macht vollständig bei ihm liegt. Niemand in der Stadt kann ohne Floods Wohlwollen und Zustimmung irgendeine wichtige Entscheidung über den eigenen Betrieb treffen. Natürlich ist auch jederzeit die Enteignung möglich – oder die Zerstörung des jeweiligen Geschäfts, sodass die Existenzgrundlage aller Individuen jederzeit potenziell gefährdet ist. Es ist diese Angst, die die Bewohner der Stadt dazu bringt, zu schweigen und ihr Schicksal als Untergebene von Flood zu akzeptieren. Andere profitieren von den Vorteilen ihrer Unterstützung für Flood und halten ihn deswegen an der Spitze. Somit wird die Macht des Unterdrückers auch innerhalb der Bevölkerung gestützt, weil es niemand riskieren will, zur Revolution aufzurufen. Diese Vereinigung von derartiger politischer und wirtschaftlicher Machtfülle lässt sich historisch auf die großen sozialistischen Systeme zurückführen, welche einer autoritären Herrschaftsordnung zugrunde liegen. Die Verbindung dieser Systeme im Zusammenhang mit einer derart starken Zentrierung auf eine Person, wie es in „Als Jim Dolan kam“ geschieht, legt eine Verbindung zum Deutschen Reich unter Hitler oder zur Sowjetunion unter Stalin nahe. Mit der Erhebung von Alex Flood zum Antagonisten erteilt der Film dieser systemischen Zusammensetzung eine Absage.

Kapitalismus und Demokratie

Jim Dolan hingegen entwickelt sich als Protagonist im Verlauf des Films zum Gegenentwurf. Zunächst ist er wenig interessiert daran, sich Flood entgegenzustellen, da er einem Konflikt mit diesem ausweichen will. Seine Vorstellung von einem Staat ist daher anfangs noch sehr schwammig zu definieren. Er offenbart hier allerdings seine Vorstellung von der systemischen Grundordnung in wirtschaftlicher Hinsicht: Dolan ist Kapitalist – er verdient sein Geld mit Kartenspielen. Er redet davon, in Geschäfte zu investieren und davon, welche Investitionen sich lohnen würden und welche nicht. Auch einen potenziellen Konflikt mit Flood betrachtet er als eventuelle Investition mit Risiken. Mit der geringen Wahrscheinlichkeit zu Beginn des Films, diese Auseinandersetzung siegreich zu bestreiten, begründet er vor sich selbst, weshalb er eine Intervention unterlässt. Die Personen, die Dolan anschließend dazu bringen, seine Entscheidung zu überdenken, sind Ben und Molly. Ben repräsentiert dabei als Ex-Sheriff den Staat und seine Bestrebungen, wieder geltendes Recht durchzusetzen. Es gelingt ihm, diese Ansicht in Dolan wieder zu wecken, welcher diese Ideale als Marshal einst ebenfalls verfolgte.

Obendrein stehen Ben und Jim für die Intervention von außen, da sie zu Beginn des Films erst in der Stadt ankommen und eigentlich nur temporär in Jericho bleiben wollen. Das autoritäre System ist also nur schwer allein von innen zu zerstören, vielmehr sei eine Kraft von außen nötig, um den Umsturz erfolgreich zu bestreiten. Molly zum anderen repräsentiert diese revolutionäre Kraft im Inneren, in gewisser Weise das Aufbegehren gegen die totalitäre Ordnung aus der Bevölkerung heraus. In Kombination schaffen es Ben und Molly auch, den Kapitalisten in Dolan zu überzeugen, welcher nun das Potenzial erkennt, einen von Erfolg gekrönten Angriff auf den Despoten zu initiieren – Dolans aufkeimende romantische Gefühle für Molly spielen zweifellos auch eine Rolle. Die Kamera spielt dabei mit dem Gegensatz zwischen den verschiedenen Entwürfen der drei Charaktere. Gerade zu Beginn des Films, als Dolan noch überzeugt werden muss, werden die gegeneinander argumentierenden Parteien stets im gleichen Bild gezeigt. Es gibt nur recht selten Großaufnahmen der Gesichter, sodass der Gegensatz zwischen den Meinungen zwar klar wird, es wird aber auch gezeigt, dass ihre Vorstellungen recht nahe beieinander liegen. Wenn Dolan und Flood miteinander sprechen, ist dies anders. Plötzlich haben wir Nahaufnahmen der Gesichter und die Kamera arbeitet viel mehr mit Schnitten. Die Botschaft hier: Beide sind weit auseinander. Sie sind so weit auseinander, dass Konsens in der Diskussion praktisch nicht zu erreichen ist und dass beide nicht in dasselbe Bild passen.

Macht geht vor Recht

Kurz vor dem Start der „Revolution“ fasst Jim Dolan in einer Szene die Ausrichtung des von Flood organisierten Regimes mit einem Satz zusammen: „Macht geht vor Recht.“ Dies trifft die Situation in der von Laven gezeigten Stadt sehr gut. Recht oder Gerechtigkeit finden in Jericho nicht statt. Es ist einzig und allein die auf ein Individuum ausgerichtete Politik, unter welcher die Stadt zu leiden hat. Die Macht dieser einen Person verhindert einen Umsturz der Gegebenheiten. „Als Jim Dolan kam“ macht hier erneut klar, worauf diese Macht aufgebaut ist: die wirtschaftliche Macht durch das Errichten eines staatlichen Monopols, die militärische Macht, welche durch die hohe Anzahl an bewaffneten Handlangern des Herrschers repräsentiert wird, und die Bevölkerung, welche das Regime des Despoten entweder fürchtet oder unterstützt. Gerade diese Punkte sind es, welche Floods Macht sichern und worauf sich die Revolutionäre stürzen, um ihm Einhalt zu gebieten.

Jim Dolan stellt sich dem Despoten in den Weg

Das Ideal, welches der Film herausarbeitet, ist ein demokratisches, kapitalistisches System. Zum Erreichen dieses angestrebten Ideals sieht er die Notwendigkeit eines inneren revolutionären Potenzials. Die Intervention von außen hält er für gerechtfertigt, solange die innere Kraft zu schwach erscheint, um den Umsturz selbst zu vollziehen. Das Ziel der Revolution muss vordergründig das Erlangen der Kontrolle über Wirtschaft und Militär sein, wobei es unerlässlich sei, die Bevölkerung auf seiner Seite zu wissen. Diese Herausarbeitung gelingt, wobei „Als Jim Dolan kam“ viele Fragen offen lässt, gerade was post-revolutionäre Prozesse anbelangt. Das kann man ihm ankreiden, man kann es ihm allerdings auch zugutehalten, dass er die Beantwortung dem Zuschauer überlässt. So wird dieser ermutigt, auch nach Rezeption des Westerns darüber zu reflektieren und sich mit der Zusammensetzung von Staat und Wirtschaft auseinanderzusetzen. Doch auch wenn man über die vielen Aussagen und Fragen, die Lavens Werk aufwürft, nicht philosophieren möchte, bekommt man hier einen sehr guten Western zu sehen, der wenig falsch macht, außer ein paar unpassenden und leider auch unlustigen Comedy-Elementen. Ob der verschwindend geringen Häufigkeit dieser kann man allerdings darüber hinwegsehen und „Als Jim Dolan kam“ als das beurteilen, was er ist: ein wirklich guter Film, 2008 erstmals als DVD in Deutschland veröffentlicht und nun in anständiger Bild- und Tonqualität auch auf Blu-ray verfügbar.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jean Simmons sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Dean Martin in der Rubrik Schauspieler. Welche Dean-Martin-Filme könnt Ihr empfehlen?

Veröffentlichung: 11. April 2019 als Blu-ray, 9. Mai 2008 als DVD

Länge: 103 Min. (Blu-ray), 99 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Rough Night in Jericho
USA 1967
Regie: Arnold Laven
Drehbuch: Sydney Boehm, Marvin H. Albert, nach dem Roman „The Man in Black“ von Marvin H. Albert
Besetzung: Dean Martin, Jean Simmons, George Peppard, John McIntire, Slim Pickens, Don Galloway, Brad Weston, Steve Sandor, Richard O‘Brien
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Booklet, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Lucas Gröning
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Koch Films

 
 

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Stanley Kubrick (V): Spartacus – Die ungeliebte Auftragsarbeit

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Spartacus

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Nach seinem Langfilm-Debüt „Fear and Desire“ (1953) war „Spartacus“ (1960) vielleicht die von Stanley Kubrick selbst ungeliebteste Regiearbeit seiner Filmografie. Der Perfektionist war von Hauptdarsteller Kirk Douglas als Regisseur auserkoren worden, der mit ihm für „Wege zum Ruhm“ (1957) zusammengearbeitet hatte. Bei „Spartacus“ fungierte Douglas als „Co Executive Producer“ und hatte einigen Einfluss, den er auch geltend machte. Darin mag der Ursprung liegen, dass Kubrick fortan danach trachtete, volle künstlerische Kontrolle über seine Filme zu haben. Womöglich ist das eine Ursache dafür, dass Kubricks Filmografie eine überschaubare Größe hat. Die Produzenten der großen Hollywood-Studios gaben und geben nur ungern die Kontrolle an ihre Regisseure ab. Anfangs war Film-noir- und Western-Spezialist Anthony Mann („Das schwarze Buch“, „Meuterei am Schlangenfluss“, „Über den Todespass“) als Regisseur angeheuert worden, Douglas ersetzte ihn aber nach kurzer Zeit durch Kubrick.

In einer Reihe mit anderen großen Historien-Epen

All das bedeutet natürlich nicht, dass Kubrick mit „Spartacus“ einen schlechten Film abgeliefert hat – im Gegenteil: Die recht frei gehaltene filmische Aufarbeitung des historisch verbürgten Sklavenaufstands steht in einer Reihe mit „Quo Vadis“ (1951), „Die zehn Gebote“ (1956) und „Ben Hur“ (1959), auch der viel spätere „Gladiator“ (2000) und mit ein paar Abstrichen „Cleopatra“ (1963) seien genannt. Das sind monumentale, epische Historien-Abenteuer, in denen man versinken kann, heute gern etwas abschätzig als alte Schinken klassifiziert, nichtsdestoweniger üppig produziert und ausgestattet und mit viel Starpower. Man kann sie auch heute noch ganz wunderbar schauen. Trotz des ab 1965 einsetzenden Sturms durch New Hollywood – das klassische Hollywood hat ganz wunderbare Produktionen hervorgebracht, auch im Bereich des Monumentalfilms. Ob geschichtswissenschaftlich exakt gearbeitet wurde, kann vernachlässigt werden, das gilt auch für „Spartacus“, da über den historischen Spartacus nicht allzu viel bekannt ist. Armbanduhren habe ich aber bei der Sichtung nicht bemerkt.

Spartacus (Douglas) ist von Geburt an Sklave und fristet sein Dasein bei schwerer Zwangsarbeit in den Steinwüsten Libyens. Schon dort fällt er als aufrührerisch auf. Nachdem er einer Wache in den Fuß gebissen hat, wird bestimmt, dass er angekettet verhungern soll. Doch der feiste Batiatus (Peter Ustinov), der in Süditalien eine Gladiatorenschule betreibt und Rekruten sucht, bewahrt ihn vor dem Tod. Unter dem harten Training des herzlosen Marcellus (Charles McGraw) reift Spartacus zum Kämpfer heran. Nebenbei verliebt er sich in die Sklavin Varinia (Jean Simmons). Als sie nach Rom verkauft wird, ist das der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Spartacus tötet Marcellus mit bloßen Händen und löst damit einen Gladiatorenaufstand aus, der sich zum gigantischen Sklavenaufstand ausweitet.

Sogar Julius Cäsar läuft durchs Bild

Es tummeln sich die geschichtlichen Gestalten: Da sind die machtgierigen römischen Senatoren Crassus (Laurence Olivier) und Gracchus (Charles Laughton), letztgenannter allerdings historisch flexibel dem zum Zeitpunkt der Ereignisse im Jahrhundert vor Christi Geburt schon einige Zeit toten Tiberius Sempronius Gracchus nachempfunden. Wir haben Marcus Publius Glabrus (John Dall), der erfolglos gegen das Sklavenheer zu Felde zieht, das an den Hängen des Vesuvs lagert. Auch die Existenz von Spartacus‘ Gladiatoren-Mitstreiter Crixus (John Ireland) scheint verbürgt zu sein. Sogar ein gewisser Julius Caesar (John Gavin) darf ab und zu durchs Bild laufen und einen guten Eindruck im Intrigenspiel der Senatoren hinterlassen.

Kubrick mag unzufrieden gewesen sein, der Erfolg gab Kirk Douglas recht: 1961 erhielt Spartacus vier Oscars – für Nebendarsteller Peter Ustinov, Kamera, Szenenbild und Kostümdesign – und einen Golden Globe als bester Film. Sein Status als großes episches Kino ist mittlerweile unstrittig.

Brisante Drehbuch-Personalie Dalton Trumbo

Seinerzeit interessanter als die Personalie Regiestuhl war Douglas‘ Wahl des Drehbuchautors: Dalton Trumbo (1905–1976) war in der McCarthy-Ära aufgrund angeblicher unamerikanischer Umtriebe im Gefängnis und auf der Schwarzen Liste gelandet und konnte nur unter Pseudonym arbeiten. Seine Drehbücher zu „Ein Herz und eine Krone“ und „Roter Staub“ erhielten 1954 und 1957 Oscars, die Trumbo nicht selbst entgegennahm. Für „Spartacus“ erhielt er erstmals nach langer Zeit wieder einen Drehbuch-Credit unter seinem echten Namen, was einiges Aufsehen erregte. Später nahm Trumbo sogar ein einziges Mal selbst auf dem Regiestuhl Platz: beim eindringlichen Antikriegsdrama „Johnny zieht in den Krieg“, das 1971 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury und dem FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik prämiert wurde.

Früher hatte „Spartacus“ bei uns eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Obwohl sie mittlerweile auf 12 herabgestuft worden ist und die gezeigte Gewalt nicht an die Metzel-Exzesse der ab 2010 entstandenen TV-Serie heranreicht, ist diese nicht von schlechten Eltern. Da bohren sich Speere in Körper, in der letzten großen Schlacht hackt Spartacus einem römischen Soldaten einen Arm ab, nach Abschluss der Kampfhandlungen türmen sich Leichenberge, und Gekreuzigte sind sicher auch nicht die Sache jedes Zwölfjährigen. Also Obacht an die Eltern, lasst das den Nachwuchs vorzugsweise in eurer Gegenwart schauen, wenn Ihr denn schon meint, dass er das verträgt.

Brillante Restauration

Die 2015er erfolgte 6K-Restaurierung des Bilds ist brilliant. Der Film soll 1960 entstanden sein?! Das glaubt doch kein Mensch. Meine Sichtung einer älteren Version liegt zu viele Jahre zurück, um einen Vergleich zu ziehen, aber besser kann man einen „alten Schinken“ wohl nicht aufarbeiten – zumal wir seit den 90er-Jahren in den Genuss der restaurierten Fassung kommen, seit 2010 auch auf Blu-ray. Sie enthält unter anderem ein paar kurze Gewaltspitzen mehr, die Ouvertüre und das musikalische Zwischenspiel sowie eine homoerotisch aufgeladene Szene zwischen Crassus und seinem Sklaven Antoninus (Tony Curtis). Für eine ausführliche Betrachtung der Unterschiede sei auf den Schnittbericht verwiesen. Die 2015 erschienene „55th Anniversary Edition“, in Großbritannien auch im Steelbook erschienen, ist qualitativ der fünf Jahre älteren „50th Anniversary Edition“ vorzuziehen.

„Spartacus“ mag in den Augen von Stanley Kubrick selbst nicht ganz zu seinen Meisterwerken aufgeschlossen haben, das Epos beweist aber als Teil seiner eindrucksvollen, wenn auch vergleichsweise kurzen Filmografie die Vielseitigkeit dieses visionären Regisseurs. Wer Kubrick mag, kommt auch an dieser Auftragsarbeit nicht vorbei.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Stanley Kubrick sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Tony Curtis, Kirk Douglas, Charles Laughton, Herbert Lom, Laurence Olivier und Peter Ustinov in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. November 2015 als Blu-ray (55th Anniversary Edition), 2. Dezember 2010 als Blu-ray (50st Anniversary Edition), 13. Mai 2004 als DVD

Länge: 197 Min. (Blu-ray), 188 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Spartacus
USA 1960
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Dalton Trumbo, nach einem Roman von Howard Fast
Besetzung: Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, Tony Curtis, John Ireland, Herbert Lom, Woody Strode, John Gavin, Nina Foch, Charles McGraw, John Dall
Zusatzmaterial: Ich bin Spartacus – Im Gespräch mit Kirk Douglas, Spartacus wiederherstellen, unveröffentlichte Szenen, Archivinterviews, ein Blick hinter die Szenen, Ausschnitte aus alten Nachrichtensendungen, Bildgalerie, Original-Kinotrailer
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Packshots: © Universal Pictures Germany GmbH

 

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