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The Heart Is Deceitful above All Things – Wie zerstört man eine Kinderseele?

The Heart Is Deceitful above All Things

Von Volker Schönenberger

Drama // Ungewöhnlich, dass ein derart sperriger Originaltitel für die deutsche Veröffentlichung erhalten bleibt, zumal ihn einige hiesige Filmgucker sicher nicht auf Anhieb verstehen werden. „The Heart Is Deceitful above All Things“ bedeutet in etwa „Vor allem anderen ist das Herz betrügerisch.“ „Deceitful“ lässt sich auch mit „trügerisch“ oder gar „hinterlistig“ übersetzen. Tatsächlich handelt es sich beim Filmtitel um ein Bibelzitat aus dem Buch Jeremia, Vers 17:9, gemäß Lutherbibel: Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen?

Ob Jeremiah bei seiner leiblichen Mutter gut aufgehoben ist?

Wessen Herz gemeint ist, wird schnell klar: das des kleinen Jeremiah (Jimmy Bennett), der von jahrelangem Aufenthalt bei liebevollen Pflegeltern zu seiner mittlerweile 23-jährigen Mutter Sarah (Regisseurin Asia Argento) zurückkehrt. Schnell wird klar, dass das zuständige Jugendamt offenbar beide Augen zugedrückt hat. Sarah hat ihre Drogen- und Alkoholsucht nicht im Griff und lässt Jeremiah auch schon mal im Auto zurück, um eine schnelle Nummer zu schieben. Ihre wechselnden Freunde behandeln den Knirps alles andere als gut, tatsächlich wird ihm sogar aufs Übelste mitgespielt. Damit Sarah und ihr aktueller Kerl Emerson (Jeremy Renner) einen Trip nach Atlantic City unternehmen können, lassen die beiden den Jungen allein in der Wohnung zurück und schärfen ihm ein, die Tür zu verschließen, nicht ans Telefon zu gehen und den Fernseher nur leise anzustellen. Jeremiah nutzt das Alleinsein, um die Wohnung auf den Kopf zu stellen.

Vom Regen in die Traufe

Auch Sarah hat natürlich ein trügerisches Herz, ihre Männerbekanntschaften ziehen sie immer mehr in den Abgrund. Jeremiah (nun von den Zwillingen Dylan und Cole Sprouse gespielt) wird nach einiger Zeit von seiner Großmutter (Ornella Muti) abgeholt, die ihn nach West Virginia bringt, wo sein Großvater (Peter Fonda) eine radikale christliche Sekte führt. Auch dort werden Kinder nicht gerade vorbildlich behandelt.

Der Knirps richtet Unfug an

Das Sozialdrama markiert nach „Scarlet Diva“ (2000) Asia Argentos zweite Langfilm-Regiearbeit. 2014 folgte „Missverstanden“, ansonsten hat die Tochter des italienischen Horror-Kultregisseurs Dario Argento („Opera“) in erster Linie Kurzfilme gedreht. „The Heart Is Deceitful above All Things“ atmet „White Trash“ aus jeder Pore und bietet die schmerzvolle Sicht auf ein Kind, das – unschuldig, wie es ist – keine Chance hat, seinen Platz in einem erfüllten Leben zu finden, höchstens in einem kaputten Leben, wie es seine Mutter führt. Vernachlässigung, seelischer und körperlicher Missbrauch – Asia Argento überschreitet bisweilen die Grenzen des Erträglichen und gönnt dem Publikum auch keine Erholung, von Erlösung ganz zu schweigen. Jeremiahs Seele zerbricht, so viel wird klar. Offen bleibt, wer letztlich für das Dasein im „White Trash“ oder überhaupt die Existenz dieser Bevölkerungsschicht verantwortlich ist.

Später verbreitet Jeremiah für seinen Großvater biblische Botschaften

Für kleine Nebenrollen wurde eine illustre Besetzung gewonnen – Peter „Easy Rider“ Fonda und Ornella Muti („Flash Gordon“) erwähnte ich bereits. Außer Jeremy Renner („Arrival“) sind auch Jeremy Sisto („Wrong Turn“, „Six Feet Under“) und Schock-Rocker Marilyn Manson als kurzzeitige Liebhaber Sarahs zu sehen. Ben Foster („Hell or High Water“) spielt einen Gehilfen von Jeremiahs Großvater.

Asia Argento und Jimmy Bennett

Das Steelbook mit der DVD von „The Heart Is Deceitful above All Things“ stand schon lange bei mir im Regal, ich hatte mich wohlweislich noch nicht herangetraut und den Film irgendwann vergessen (welcher Filmsammler das Phänomen nicht kennt, der möge den ersten Stein werfen). Im Zuge von #metoo wurde ich nun aber wieder darauf aufmerksam gemacht – kürzlich wurde ja der Vorwurf laut, Asia Argento habe 2013 den damals 17-jährigen Jimmy Bennett sexuell missbraucht. Die beiden waren 2004 für „The Heart Is Deceitful above All Things“ erstmals aufeinandergetroffen, als Bennett sieben Jahre alt war und die Rolle des jungen Jeremiah übernahm.

Sarah führt ein unstetes Leben auf der Rasierklinge

„Das Herz ist eine hinterlistige Person“ lautet ein deutscher Alternativtitel des Films, allerdings ist es mir nicht gelungen, zu ermitteln, in welchem Kontext er verwendet worden ist – ein deutsches Filmplakat oder DVD-Cover damit findet sich jedenfalls nicht. Die Buchvorlage von JT LeRoy ist in Deutschland unter dem Titel „Jeremiah“ erschienen. Aber Namen sind letztlich Schall und Rauch, „The Heart Is Deceitful above All Things“ hat hierzulande trotz des Titels immerhin einige Aufmerksamkeit erlangt und ist in der „Störkanal“-Reihe auch gut aufgehoben. Und irgendwie passt der Titel in seiner Sperrigkeit auch zum Film. Einige halluzinogene Passagen und der Score von Billy Corgan (Smashing Pumpkins) und Kim Gordon (Sonic Youth) intensivieren die verstörende Filmerfahrung. Asia Argento hat ein sehenswertes Stück Independent-Kino inszeniert, das berührt und schmerzt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jeremy Renner sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Die junge Frau holt sich ihren Sohn erneut zurück

Veröffentlichung: 15. April 2011 als DVD im Digipack (Störkanal Edition), 30. November 2007 als DVD im Steelbook („StarMetalpak“)

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Deutscher Verleihtitel: Das Herz ist eine hinterlistige Person
Originaltitel: The Heart Is Deceitful above All Things
USA/GB/F/JAP 2004
Regie: Asia Argento
Drehbuch: Asia Argento, nach einer Vorlage von Laura Albert alias JT LeRoy
Besetzung: Asia Argento, Jimmy Bennett, Ornella Muti, Peter Fonda, Ben Foster, Marilyn Manson, Jeremy Sisto, Jeremy Renner, Kip Pardue, Michael Pitt, Winona Ryder, Cole Sprouse, Dylan Sprouse, Kara Kemp, Brent Almond, David Dwyer
Zusatzmaterial: Featurettes: „Sex, Drugs and Jeremie“ & „The Heart of Jeremie“, Trailer, Trailershow, nur Störkanal-Edition: Booklet
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots Störkanal-Edition: © splendid film / WVG Medien GmbH

 
 

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Arrival – Wie kommuniziert man mit Aliens?

Arrival

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Übergroße Raumschiffe verteilen sich an verschiedenen Orten rund um den Globus – da war doch was?! Nun, mit Roland Emmerichs patriotischem Alien-Radau „Independence Day“ von 1996 hat Denis Villeneuves „Arrival“ ansonsten nur wenig gemein. Wir haben es vielmehr mit einer hochintelligenten Vision eines Erstkontakts zu tun, die tiefgründige Fragen über das Wesen von Kommunikation und Sprache in den Fokus stellt.

Sie sind da!

In den USA ist ein abgelegenes Gebiet in Montana der Ort, wo sich eins der einige hundert Meter großen, wie ein sonderbares längliches Ei geformten Raumschiffe platziert. Elf andere der unbekannten Flugobjekte landen unter anderem in Großbritannien, Russland, China und Japan, aber auch Grönland, Pakistan und Sierra Leone. Ein Muster ist nicht erkennbar. Der US-Offizier Colonel Weber (Forest Whitaker) bittet zwei Wissenschaftler um Hilfe bei der Kontaktaufnahme: die Linguistin Dr. Louise Banks (Amy Adams) und den Physiker Ian Donnelly (Jeremy Renner). Über einen Schacht können die beiden in regelmäßigen Abständen ins Raumschiff eindringen, wo sie mit zwei Außerirdischen in Kontakt treten, die aufgrund ihrer sieben Tentakel als „Heptapoden“ bezeichnet werden. In mühevoller Kleinarbeit versuchen beide Seiten, den Gegenübern ihre Form der Sprache verständlich zu machen. Banks und Donnelly zeigen Texttafeln, während die beiden Aliens aus ihren Tentakeln eine tintenähnliche Substanz absondern, mit der sie ausgefranste kreisrunde Zeichen an die Scheibe zeichnen, die Menschen und Außerirdische voneinander trennt. Nach und nach dechiffriert Sprachwissenschaftlerin Louise diese Zeichen.

Die Sapir-Whorf-Hypothese

Sprache formt das Denken. Demnach wirkt sich eine Sprache elementar auf die Wahrnehmung der Realität der sie Sprechenden aus. Sie beeinflusst somit die Entwicklung dieser Sprachgemeinschaft. Diese sogenannte Sapir-Whorf-Hypothese nimmt in „Arrival“ zentralen Raum ein. Können wir Deutsche überhaupt bis ins letzte Detail verstehen und ins Deutsche übersetzen, wie ein Engländer die Welt wahrnimmt? Gar ein Chinese? Oder ein Aborigine im australischen Busch? Wie soll es uns dann gelingen, die Sprache einer intelligenten Alien-Art zu übersetzen, die von weit her auf die Erde gekommen ist? Dr. Louise Banks gelingt es, und die Sprache der Außerirdischen birgt einige Überraschungen. Grrr – ich hätte an der Uni mehr Linguistik-Seminare besuchen sollen, so jedoch beende ich meine Ausführungen dazu lieber hier. Lasse sich nur niemand davon abhalten, dass ein Film Linguistik thematisiert. Das geschieht behutsam und klug und jederzeit nachvollziehbar, auch für Laien. Linguistik-Profis mag einiges etwas zu simpel erklärt sein, aber die lassen hoffentlich Gnade vor Recht walten. Dafür gibt es wunderbare Details, etwa, dass die beiden Aliens, mit denen Louise und Ian kommunizieren, Abbott und Costello getauft werden, benannt nach den beiden US-Komikern, die einst einen brillanten Baseball-Sketch um sprachliche Missverständnisse geschaffen haben – Näheres dazu ist bei Wikipedia zu finden.

Colonel Weber hat Louise Banks (Amy Adams) und Ian Donnelly um Hilfe gebeten

Zu den Überraschungen gehören auch Louises Erinnerungen – oder Visionen? – an ihre als junge Frau gestorbene Tochter, die den Film einleiten. Was es damit auf sich hat, wird erst spät klar, weshalb es an dieser Stelle nicht weiter erläutert werden soll. Während weltweit die Wissenschaftler mühsam mit den Besuchern aus dem All kommunizieren, werden die Aliens gleichzeitig von Politikern und Militärs mehr und mehr als Bedrohung empfunden, erst recht, als Louise eine Botschaft übersetzt, die das Wort „Waffe“ zu enthalten scheint. Statt zu kooperieren, entfernen sich die Länder der Erde weiter voneinander, eine militärische Auseinandersetzung bahnt sich an.

Es geht mehr um Sprache als um Zeit und Raum

Wie Christopher Nolans großer Science-Fiction-Wurf „Interstellar“ (2014) hat auch „Arrival“ einen familiären Aspekt, der die epische Science-Fiction auf eine persönliche Ebene herunterbricht. Doch anders als Nolan verzichtet der kanadische Regisseur Denis Villeneuve bei „Arrival“ darauf, mehr physikalische Thesen in den Raum zu stellen als nötig. Ihm geht es um Kommunikation, um Sprache, nicht um Theorien zu Zeit und Raum – auch wenn diese bei der Dechiffrierung der Alien-Sprache dann doch zu ihrem Recht kommen.

Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen

Für sieben Oscars nominiert, darunter die als bester Film, für die Regie und das adaptierte Drehbuch, hat es am Ende nur für den Academy Award für den besten Tonschnitt gereicht. Favoriten der 2017er-Verleihung waren ohnehin andere, sieben Nominierungen für einen Science-Fiction-Film sind bemerkenswert genug. Die Anerkennung bei Kritikern wie Publikum ist „Arrival“ auch so sicher, und das völlig zu Recht.

Science-Fiction mit Tiefe

„Arrival“ basiert auf der mehrfach ausgezeichneten Kurzgeschichte „Geschichte deines Lebens“ des amerikanischen Science-Fiction-Schriftstellers Ted Chiang. Villeneuve hatte schon seit einiger Zeit den Wunsch gehabt, einen Science-Fiction-Film zu drehen. Nun darf er gleich noch einmal im Genre ran: „Blade Runner 2049“ ist abgedreht und befindet sich in der Post-Produktionsphase. Der deutsche Kinostart ist für den 5. Oktober angesetzt. Mit dem formidablen „Arrival“ hat Denis Villeneuve die Erwartungshaltung für das „Blade Runner“-Sequel in große Höhen geschraubt. Er ist auch für die Neuverfilmung von David Lynchs „Der Wüstenplanet“ („Dune“, 1984) nach dem Roman von Frank Herbert im Gespräch, hat also offenbar Genreblut geleckt. Gut so! Bei allem Unterhaltungswert, der Emmerichs „Independence Day“ nicht abzusprechen ist, beweist doch Villeneuves „Arrival“, wie intelligente und relevante Science-Fiction auszusehen hat.

Was bedeuten die Zeichen der Außerirdischen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Denis Villeneuve sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Amy Adams in der Rubrik Schauspielerinnen, Filme mit Jeremy Renner und/oder Forest Whitaker in der Rubrik Schauspieler.

Was bedeuten die Zeichen der Irdischen?

Veröffentlichung: 27. März 2017 als Limited Edition Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Arrival
USA 2016
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Eric Heisserer, nach der Erzählung „Story of Your Life“ von Ted Chiang
Besetzung: Amy Adams, Jeremy Renner, Forest Whitaker, Michael Stuhlbarg, Mark O’Brien, Tzi Ma, Abigail Pniowsky, Julia Scarlett Dan, Jadyn Malone,
Zusatzmaterial: „Xenolinguistik: Arrival verstehen“, „Akustische Signatur: Das Sounddesign“, nur Blu-ray: „Eternal Recurrance (Ewige Widerkehr): Die Filmmusik“, „Nichtlineares Denken: Der Bearbeitungsprozess“, „Der Grundsatz von Zeit, Erinnerungen & Sprache“
Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshots: © 2017 Sony Pictures Home Entertainment

 
 

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The Immigrant – Auch die Neue Welt ist kein Paradies

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The Immigrant

Von Simon Kyprianou

Drama // Die erste Einstellung von „The Immigrant“ zeigt die Freiheitsstatue im milchigen Morgennebel. Sie steht für die Hoffnungen und Träume, die all die Leute haben, die aus Europa kurz nach dem Ersten Weltkrieg in die Neue Welt fliehen. Dann zoomt die Kamera zurück, wir bemerken, dass wir uns auf einem Schiff befinden, die traumartige Aura der Freiheitsstatue wird gebrochen.

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Bruno gibt vor, Neuankömmling Ewa helfen zu wollen

Die eine in Quarantäne, die andere in die Prostitution

Auf dem Schiff herrschen Elend, Krankheit und Gewalt. In Ellis Island angekommen, versuchen die Schwestern Ewa (Marion Cotillard) und Magda (Angela Sarafyan) in die USA einzureisen, aber Magda muss für sechs Monate in Quarantäne, da sie sich bei der Überfahrt Tuberkulose zugezogen hat. Ewa fällt in die Hände von Bruno Weiss (Joaquin Phoenix), der ein Theaterensemble mit „leichten Mädchen“ leitet. Mit Prostitution kann, beziehungsweise muss sie sich etwas dazuverdienen, denn die Behandlungskosten für ihre Schwester sind hoch. Dazu verliebt sie sich noch in Brunos Cousin, den Magier Orlando (Jeremy Renner).

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Ewa leidet unter der Prostitution

Die Grandezza dieses Films liegt natürlich in den Schauspielern. Die für „Zwei Tage, eine Nacht“ gerade mit ihrer zweiten Oscar-Nominierung bedachte Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard („La vie en rose“) und der schon drei Mal Oscar-nominierte Joaquin Phoenix gehören fraglos zu den Besten ihrer Zunft und spielen auch grandios. Oft arbeitet Regisseur James Gray mit langen, starren Einstellungen auf ebenso starre Blicke seiner Schauspieler, dann wirken sie wie leidende Statuen.

Vielschichtige Figuren

Auch das Drehbuch ist brillant, es schafft vielschichtige, komplexe Figuren. Es gibt in „The Immigrant“ keine klaren Feindbilder. Bruno treibt Ewa und andere Mädchen zwar in die Prostitution, aber er ist ein verzweifelter Charakter, ein zärtlicher Mensch, rettungslos in Ewa verliebt. Wie alle anderen ist auch er nur auf der Suche nach Erlösung. Auch Ewa ist eine fein geschriebene Rolle, am Anfang vielleicht etwas zu passiv, zum Ende aber dann äußerst gelungen. Die religiöse Schuld wegen der Prostitution, wegen Diebstahl – um zu überleben – rafft sie langsam dahin, lässt sie zerbrechen und innerlich erkalten.

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Verliebt: Ewa und Magier Orlando

Absolut fantastisch ist das Set-Design: herrliche Studiokulissen des alten New York, düstere Hinterhöfe, die aussehen als seien sie einer apokalyptischen Welt entsprungen, kleine, karge Apartments und eine wundervolle Kirche. Die Welt scheint lebendig, scheint authentisch.

Es mangelt etwas an starken Bildern

Ein Manko ist jedoch James Grays Regie, die zwar durchaus versiert, aber auch einfallslos und beliebig erscheint. Er bebildert diese Geschichte etwas simpel, etwas lieblos, starke für sich sprechende Bilder gibt es selten. Die Schlussszene beispielsweise ist sehr gut, ebenso die erste Szene, in der Orlando zu sehen ist. Dort gewinnt Grays Inszenierung immer wieder für kurze Momente Kraft. Man hätte sich aber einen besseren Regisseur gewünscht, Paul Thomas Anderson oder Martin Scorsese beispielsweise. „The Immigrant“ ist trotzdem ein sehr gelungener Film, der völlig in seine Zeit eintaucht – eine Charakterstudie verlorener Menschen und eine Chronik von allgegenwärtigem Leid.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von James Gray haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Marion Cotillard unter Schauspielerinnen, Filme mit Joaquin Phoenix und Jeremy Renner in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 30. Januar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The Immigrant
USA 2013
Regie: James Gray
Drehbuch: James Gray, Ric Menello
Besetzung: Marion Cotillard, Joaquin Phoenix, Jeremy Renner, Dagmara Dominczyk, Jicky Schnee, Angela Sarafyan, Maja Wampuszyc, Ilia Volok, Antoni Corone, Adam Rothenberg
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Universum Film

 

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