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The Killing – Die komplette Serie: Finstere Teenager-Schicksale in Seattle

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The Killing

Von Volker Schönenberger

Krimiserie // In Deutschland und weiteren europäischen Ländern war die dänische Krimiserie „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ ein veritabler Erfolg. Da in den USA Filme und Serien aus anderen Ländern ein Nischendasein fristen, hat sich die dortige Filmindustrie verstärkt auf Remakes europäischer oder fernöstlicher Stoffe verlegt. Das kann man als einfallslos kritisieren, aber es ist doch nicht zu leugnen, dass unter diesen Remakes auch immer wieder herausragende Produktionen zu finden sind.

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Die Eheleute Larsen müssen ihre ermordete Tochter identifizieren

„The Killing“, so der Titel der US-Adaption von „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“, orientiert sich in den ersten beiden Staffeln noch einigermaßen an der Vorlage und gehört zweifellos zu den gutklassigen Remake-Vertretern: Die Handlung folgt Detective Sarah Linden (Mireille Enos), die an sich ihren Job bei der Mordkommission von Seattle aufgeben will, um ihrem Verlobten Rick (Callum Keith Rennie) nach Kalifornien zu folgen. Doch daraus wird nichts: Sie bekommt mit dem jungen Detective Stephen Holder (Joel Kinnaman) einen neuen Partner, der zuletzt als verdeckter Ermittler gearbeitet hatte. Die 17-jährige Rosie Larsen wird vermisst und bald darauf tot aufgefunden.

Sarah Linden (Mireille Enos) and Stephen Holder (Joel Kinnaman) - The Killing - Season 3 - Gallery - Photo Credit: Frank Ockenfels 3/AMC

Härtnäckig: Die Detectives Linden (l.) und Holder geben nicht auf … (Foto: Frank Ockenfels 3/AMC)

So weit, so nah am Original. Doch anders als bei der dänischen Vorlage ist der Fall am Ende der ersten Staffel nicht aufgeklärt – das geschieht erst in Staffel zwei. Die zwölf Episoden umfassende dritte sowie die von Netflix produzierte, sechs Folgen kurze vierte Staffel lösen sich schließlich ganz von den Fällen der Kommissarin Lund. Da der geschätzte Autor Andreas Eckenfels jene beiden Staffeln bereits rezensiert hat, verweise ich zum Inhalt auf seinen Text zur dritten sowie auf seinen Text zur finalen vierten Staffel.

Stephen Holder (Joel Kinnaman) and Sarah Linden (Mireille Enos) - The Killing - Season 3 - Gallery - Photo Credit: Frank Ockenfels 3/AMC

… schleppen aber auch private Lasten mit sich herum (Foto: Frank Ockenfels 3/AMC)

Vier Staffeln „The Killing“, das sind 44 Episoden voll Düsternis, Gewalt und inneren Dämonen der Protagonisten. Linden und Holder müssen parallel zu ihren Ermittlungen stets auch mit vergangenen Ereignissen ihre Privatlebens umgehen, was sie keineswegs immer souverän tun. Und obgleich ihre Ermittlungen das Detective-Duo in völlig unterschiedliche Milieus führt, ähneln die Fälle einander doch insofern, als Teenager aus zerrütteten Familien die Opfer sind.

Joel Kinnaman in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Das Auto birgt grauenhaften Inhalt (Foto: Carole Segal for Netflix)

Die Hauptdarsteller Mireille Enos („Wenn ich bleibe“, „World War Z“) und Joel Kinnaman („Suicide Squad“, „RoboCop“) überzeugen. Mit Gaststars wie Michelle Forbes, Elias Koteas, Joan Allen, Peter Sarsgaard, Ryan Robbins zudem durchaus namhaft besetzt, gehört „The Killing“ jedenfalls zu den Hochkarätern unter den Krimiserien der vergangenen Jahre. Die letzte Folge inszenierte sogar Jonathan Demme, der 1992 für seine Regie von „Das Schweigen der Lämmer“ mit dem Oscar prämiert worden war. Eine fünfte Staffel wird es nicht geben, aber es müssen ja auch nicht immer Endlos-Serien werden. Die vier nun in einer Komplettbox erschienenen Staffeln lohnen sich allemal.

Joel Kinnaman in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Colonel Margaret Rayne übernimmt (Foto: Carole Segal for Netflix)

Veröffentlichung: 15. September 2016 als Blu-ray-Box (11 Discs) & DVD-Box (14 Discs)

Länge: 1984 Min. (Blu-ray), 1948 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Killing
USA 2011–2014
Regie: diverse
Drehbuch: diverse
Besetzung: Mireille Enos, Joel Kinnaman, Michelle Forbes, Billy Campbell, Liam James, Brent Sexton, Kristin Lehman, Evan Bird, Tom Butler, Elias Koteas, Peter Sarsgaard, Callum Rennie, Joan Allen
Zusatzmaterial: Episodenguides, Langfassung Episode 13 (Staffel 1), Audiokommentare, Featurettes, entfernte Szenen, Bildergalerie
Vertrieb: Pandastorm Pictures

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Pandastorm Pictures

 

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Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein: Von schwarz-weißem Serien-Idyll in die bunte Realität

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Pleasantville

Fantasykomödie // In Pleasantville ist die Welt noch in Ordnung. Den Spielern der Schulmannschaft gelingt beim Basketball jeder Korbwurf. Jugendliche gehen beim Rendezvous nicht weiter als bis zum Händchenhalten. Doppelbetten sind unbekannt. Bei konstant 23 Grad Celsius scheint jeden Tag die Sonne, und die Feuerwehr rückt höchstens mal aus, um eine Katze vom Baum zu retten.

Pleasantville ist ein Paradies – kein Wunder, denn es existiert nur im Fernsehen und ist die Lieblingsserie von Teenager David (Tobey Maguire). In der Schule ein Außenseiter, genießt er es, sich aus einer 90er-Jahre-Realität ins schwarz-weiße Pleasantville von 1958 zu versetzen. Als David und seine Schwester Jennifer (Reese Witherspoon) eines Tages beim Streit um den Fernseher die Fernbedienung zerstören, taucht wie gerufen ein TV-Techniker auf und gibt ihnen eine neue.

Per Fernbedienung ins TV gebeamt

Die hat es in sich: Kaum betätigt, landen David und Jennifer in Pleasantville – als Bud und Mary Sue Parker, Kinder von George und Betty Parker (William H. Macy, Joan Allen). Nun müssen die Geschwister in der fremdartigen schwarz-weißen Umgebung am Seriengeschehen teilnehmen. Gut, dass David alias Bud alle Folgen auswendig kennt.

Doch mit ihren modernen Ansichten bringen die zwei das unschuldig-naive Pleasantville gehörig durcheinander – und bald auch Farbe ins Spiel. Das geht nicht lange gut. So beginnen Diffamierungen gegen Bürger, die anders sind, etwa Mr. Johnson (Jeff Daniels), der seine Liebe zur farbigen Malerei entdeckt.

Regiedebüt vom Gary Ross

„Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ markiert das Regiedebüt von Gary Ross. 2003 inszenierte er in „Seabiscuit – Mit dem Willen zum Erfolg“ ebenfalls mit Tobey Maguire die Geschichte des berühmten Rennpferds, 2012 startete er mit „Die Tribute von Panem – The Hunger Games“ ein Erfolgs-Franchise, saß jedoch bei den folgenden Teilen nicht mehr auf dem Regiestuhl.

Im Visier von Kommunistenjägers McCarthy

Mit seinem Erstling verarbeitete Ross auch Erfahrungen seines Vaters: Arthur Ross, selbst Drehbuchautor (darunter „Brubaker“), geriet als Liberaler in den 50er-Jahren in die Mühlen der Kommunistenhatz des republikanischen Senators Joseph McCarthy. „Ich wuchs mit dieser Erinnerung auf: Man kann in einer vermeintlich sicheren, offenen Umgebung leben und dennoch Repressalien zum Opfer fallen“, so Gary Ross.

„Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ ist famos besetzt, tricktechnisch perfekt, märchenhaft, komisch, satirisch, nachdenklich, bewegend – einfach ein wunderschöner Film.

Veröffentlichung: 2. Dezember 2011 als DVD

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch
Untertitel: Dänisch, Spanisch, Norwegisch, Schwedisch, Finnisch, Hebräisch
Originaltitel: Pleasantville
USA 1998
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross
Besetzung: Tobey Maguire, Reese Witherspoon, Joan Allen, William H. Macy, Jeff Daniels, J. T. Walsh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2011 Warner Home Video

 

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The Killing – Die komplette vierte Staffel: Die Sünden der Väter und Mütter

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The Killing – Season 4

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Krimiserie // Fans von Kommissarin Linden htten es nicht einfach: Zweimal wurde das US-Remake der dänischen Erfolgsserie „Kommissarin Lund – Das Verbrechen“ abgesetzt, zweimal wurde sie wiederbelebt. Erstmals hatte der ausstrahlende US-Sender AMC nach der zweiten Staffel einen Schlussstrich gezogen. Daraufhin bot die Produktionsfirma Fox Television Studios „The Killing“ anderen Sendern an. Schließlich holte AMC die Serie selbst zurück ins Programm – gemeinsam mit Netflix teilte man sich die Produktionskosten.

Mireille Enos in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Familie Stansbury wurde kaltblütig ermordet

Nach dem Ende von Staffel 3 setzte AMC die Serie erneut ab. Diesmal schnappte Netflix zu und produzierte eine finale vierte Staffel mit sechs Episoden. Besonders Darsteller Joel Kinnaman freute sich über den Wechsel zu Netflix. Anders als Kabelsender AMC hat der Streaming-Dienst keine Probleme damit, wenn Kinnamans Figur das böse „F-Wort“ in den Mund nimmt.

Brutaler Mord an einer Familie

Die dramatischen Ereignisse aus dem Finale der vorherigen Staffel werden weitere Auswirkungen auf Kommissarin Sarah Linden (Mireille Enos) und ihren Partner Stephen Holden (Joel Kinnaman) haben. Bis zum Ende der vierten Staffel werden beide bis an den Rand ihrer nervlichen Belastungsgrenze getrieben, um ihr Geheimnis zu bewahren. Dabei wird auch ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt.

Joel Kinnaman in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Colonel Margaret Rayne führt ein hartes Regiment

Zuvor fordert der brutale Mord an der reichen Familie Stansbury ihre ungeteilte Aufmerksamkeit: Vater, Mutter und zwei Töchter wurden in der Nacht in ihrem Haus überfallen und erschossen. Nur Sohn Kyle (Tyler Ross) hat das Blutbad schwer verletzt überlebt – allerdings kann er sich an den Tathergang in keiner Weise erinnern. Kyle ist Kadett einer privaten Militärakademie, in der Direktorin Colonel Margaret Rayne (Joan Allen) den verwöhnten Jungs die nötige Disziplin beibringen soll. Dort beginnen Linden und Holden ihre Ermittlungen.

Kaputtes Zuhause – kaputtes Leben

Wie schon in den vorangegangenen Staffeln erzeugt „The Killing“ seine Spannung weniger aus der Auflösung des Falles, sondern aus der starken Figurenzeichnung und der extrem bedrückenden Grundstimmung. Spielten Staffel eins und zwei noch in der Arbeiterklasse von Seattle, beschäftigte sich Serienschöpferin Veena Sud in Staffel drei mit obdachlosen Straßenkindern; nun rückt die High-Society der Stadt in den Fokus.

Doch die Geschichten der vier Staffeln ähneln sich: Sie alle handeln von Teenagern, die Opfer zerrütteter Familienverhältnissen geworden sind. Da passt es natürlich, dass wir in der finalen Staffel mehr von Lindens Vergangenheit erfahren. Wir lernen ihre Mutter kennen, mit der Linden seit Jahren kein Wort mehr gewechselt hat. Ausgerechnet Lindens Sohn hat das Treffen eingefädelt – er leidet besonders unter der Trennung seiner Eltern.

Joel Kinnaman in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Ihre Kadetten lassen auch mal die Fäuste sprechen

Auch Holden kämpft mit seinen inneren Dämonen: Seine Freundin ist schwanger, doch Holden befürchtet, dass er eines Tages genau so gewalttätig wird, wie es einst sein Vater war. Dadurch wird verständlich, warum sich Linden und Holden gemeinsam so leidenschaftlich für die Belange der Jugendlichen einsetzen. Sie wissen, dass die Kinder nicht von allein auf die schiefe Bahn geraten sind. Es sind die Sünden der Väter und Mütter, die sie ihr Leben lang mit sich herumtragen.

Abschied von Linden und Holden

Es kommt der vierten Staffel zugute, dass sie lediglich über sechs Folgen verfügt. Wurde in den ersten Staffeln noch kritisiert, dass zu viele falsche Spuren gelegt wurden, um die Enthüllung des Täters möglichst lange hinauszuzögern, bleibt die Handlung nun auf das Wesentliche fokussiert. Mit Joan Allen stößt nach Peter Sarsgard in Staffel drei ein weiterer starker Gaststar zur Besetzung, die als Colonel Rayne eine ähnliche Rolle wie Linden einnimmt: Beide mussten sich in einer von Männern geprägten Umfeld ihren Platz hart erkämpfen.

Kein Geringerer als „Das Schweigen der Lämmer“-Regisseur Jonathan Demme inszenierte die packende Finalfolge, bei der Mireille Enos und Joel Kinnaman als Team noch einmal zur Höchstform auflaufen. Die außergewöhnliche Krimiserie „The Killing“ wird damit nach 44 Episoden zu einem runden Ende gebracht. Diesmal ohne die Möglichkeit einer Rückkehr.

Joel Kinnaman in a scene from Netflix's "The Killing" Season 4. Photo Credit: Carole Segal for Netflix.

Linden und Holden werden von ihrer Vergangenheit eingeholt

Veröffentlichung: 1. Oktober 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 336 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Killing – Season 4
USA 2014
Regie: Jonathan Demme, Nicole Kassell, Lodge Kerrigan u. a.
Drehbuch: Veena Sud, Dan Nowak u. a.
Besetzung: Mireille Enos, Joel Kinnaman, Tyler Ross, Joan Allen, Levi Meaden, Sterling Beaumon, Gregg Henry, Jewel Staite
Zusatzmaterial: Episodenguide
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Fotos: © Carole Segal for Netflix
Packshots & Trailer: © 2015 Pandastorm Pictures / Studiocanal Home Entertainment

 

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