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Wyatt Earp (V): Wichita – Ein Mann räumt auf

Wichita

Von Volker Schönenberger

Western // Zu den Klängen von Tex Ritters Titelsong „Wichita“ zieht der Vorspann an uns vorbei. Im Anschluss treiben die Cowboys des Ranchers Clint Wallace (Walter Sande) unter dessen Führung eine Rinderherde über die Prärie. Als der Viehtrieb eine Rast einlegt, stößt ein Gast zu den Männern, der sich als Wyatt Earp (Joel McCrea) vorstellt. Man kommt ins Gespräch, doch in der Nacht versuchen zwei der Cowboys, dem Neuankömmling sein Geld zu stehlen. Earp kann das verhindern, reitet aber dennoch allein weiter nach Wichita.

Die aufstrebende Stadt in Kansas sprüht im Jahr 1874 vor Leben, soll in Kürze ans Bahnnetz angeschlossen werden, was sie zur wichtigen Drehscheibe für Viehzüchter und -treiber machen wird. Damit einher geht ein etwas laxer Umgang mit dem Gesetz – und mit Schusswaffen. Als Earp seine Barschaft in der Bank deponieren will, wird das Kreditinstitut überfallen – doch weil er schneller zieht als Lucky Lukes Schatten, gelingt es ihm, zwei der Bankräuber zu töten und den dritten in Schach zu halten. Bürgermeister Hope (Carl Benton Reid) und der örtliche Unternehmer Sam McCoy (Walter Coy) versuchen sogleich, Earp zu überreden, das Amt des Marshals zu übernehmen, doch er lehnt vorerst ab, weil er ein eigenes Unternehmen aufziehen will.

Erinnerung an den Knirps am Fenster

Ich war unsicher, ob ich „Wichita“ vor dieser zu Rezensionszwecken erfolgten Sichtung jemals geschaut habe, aber eine Szene mit einem Jungen, der zum Fenster hinausschaut, als draußen die besoffenen Cowboys wild durch die Gegend ballern, weckte meine Erinnerung. Natürlich überlegt es sich Wyatt Earp, alsbald heftet er sich den Stern des Marshals an die Brust. „Wichita“ ist einer dieser Western, bei denen man sich angesichts der mutigen Heldentaten des Protagonisten vor dem Fernseher als Pantoffelheld – oder damals als Kinogänger – aufrecht hinsetzt und gut fühlt. So simpel, so gut. Die Story laviert nicht herum, sondern kommt so zielstrebig wie zügig zur Sache. Ein paar Auseinandersetzungen und Tote später ist der Film mit seinen 81 Minuten auch schon vorbei. Die mangelnde Komplexität kann man bedauern, ich habe es aber vorgezogen, mich von dem Film einfach gut unterhalten zu lassen.

Joel McCrea – als Wyatt Earp nicht ganz vorn

Joel McCrea verkörpert den schillernden Mythos Wyatt Earp als wackeren Verfechter von Recht und Ordnung, der nur dann tötet, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Der routinierte Star vieler Western erledigt seinen Job mit stoischer Mimik und ohne viele Worte. Dagegen ist nicht viel auszusetzen, aber im Vergleich zu anderen Earp-Darstellern wie Henry Fonda („Faustrecht der Prärie“, 1946 ) und Burt Lancaster („Zwei rechnen ab“, 1957) fällt McCreas Leistung doch stark ab. In der Kategorie „Besenstiel verschluckt“ immerhin liegt er weit vorn, bietet sogar Gregory Peck Paroli, der in seiner Karriere zahlreiche bis zur Stocksteifheit aufrechte Herren verkörperte. Auch Peck war allerdings der deutlich bessere Schauspieler.

Vera Miles unter Wert

Mit Lloyd Bridges, dem unverwüstlichen Jack Elam und anderen stehen ein paar markante Gestalten als Kontrahenten auf der anderen Seite des Gesetzes, die „Wichita“ ein wenig zusätzlichen Glanz verleihen. In einer Minirolle als Bankangestellter ist die spätere Regie-Legende Sam Peckinpah zu sehen. Das Drehbuch bescherte Wyatt Earp auch ein „Love Interest“ in Gestalt der Unternehmerstochter Laurie McCoy, verkörpert von der aparten Vera Miles („Der schwarze Falke“, „Psycho“), die hier vermutlich nicht zum einzigen Mal in ihrer Karriere völlig unter Wert agiert. In Western wie diesem waren Frauenfiguren in der Regel eben Staffage, gerade gut genug, um den Helden anzuhimmeln. Weshalb sich Laurie in Earp verliebt, bleibt ebenso unverständlich wie das Erwidern ihrer Gefühle durch den Marshal (obwohl: Wer würde sich nicht in Vera Miles verlieben?). Das Drehbuch hat es vorgesehen, also finden die beiden eben zusammen. Die Anbahnung erfolgt lediglich mit dem einen oder anderen Zusammentreffen.

Jacques Tourneur dreht Western

Regisseur Jacques Tourneur verbinden wir eher mit meisterhaftem Grusel, genannt seien seine bahnbrechenden Arbeiten „Katzenmenschen“ (1942), „Ich folgte einem Zombie“ (1943) und „The Leopard Man“ (1943). Mit „Goldenes Gift“ (1947) zeichnete er auch für einen der großen Klassiker des Film noir verantwortlich. Der Regisseur und sein Hauptdarsteller hatten im Übrigen kurz zuvor bereits zusammengearbeitet. Den Western „Einer gegen alle“ („Stranger on a Horseback“) nach einer Story von Louis L’Amour habe ich aber ebenso wenig gesehen wie ihren ersten gemeinsamen Film „Stars in My Crown“ (1950) – ebenfalls ein Western. Als Western-Fachmann galt Tourneur nicht unbedingt, ein paar Beiträge zum Genre finden sich aber in seiner Filmografie. „Wichita“ ist aufgrund generischer Machart nicht sein bester Western, da hat mir „Feuer am Horizont“ (1946) deutlich besser gefallen. Dennoch sieht man Tourneurs Regiearbeit an, dass er weiß, was er tut, die Klaviatur des Genres beherrscht. Und so hat er aus dem alles andere als überladenen Drehbuch einen aufs Wesentliche reduzierten, kernig-kurzen Western gemacht, der sich auch unter den Wyatt-Earp-Western gut behauptet, ohne ganz vorn zu landen.

Der historische Wyatt Earp (1848–1929) war von 1874 bis 1876 tatsächlich in Wichita als Marshal tätig. Mit einem Doku-Drama haben wir es aber selbstverständlich nicht zu tun. Das zeigt allein schon die Personalie des Hauptdarstellers: Earp kam im Alter von 26 Jahren nach Wichita, im Film verkörpert ihn der 49-jährige McCrea.

Bat Masterson gab es wirklich

Als Gehilfe eines Zeitungsdruckers tritt in „Wichita“ ein junger Mann namens Bat Masterson in Erscheinung, gespielt von Keith Larsen. Auch Masterson (1853–1921) gab es wirklich, er war eine schillernde Gestalt und ist Wyatt Earp tatsächlich begegnet, aber wohl in gänzlich anderem Kontext. Er trat auch in anderen Filmen in Erscheinung, etwa 1959 in „Drauf und dran“ („The Gunfight at Dodge City“), hierzulande als Blu-ray und DVD unter dem Titel „Duell in Dodge City“ veröffentlicht. Verkörpern tat ihn dort ein gewisser Joel McCrea.

Die abschließenden Absätze dieses Textes hat mir dankenswerterweise der geschätzte „Die Nacht der lebenden Texte“-Stammautor Ansgar Skulme geliefert, der sich mit Synchronisation und Verfügbarkeiten klassischer Filme deutlich besser auskennt als ich:

Die deutsche Synchronfassung von „Wichita“ wurde 1956 in der Synchronabteilung von RKO in Berlin erstellt. Es handelt sich allerdings um einen Allied-Artists-Film, der in Europa teilweise von RKO verliehen wurde. Den DVD-Vertrieb übernahmen in den USA die Warner Brothers, in Deutschland wartet man bisher allerdings vergeblich auf etwas Handfestes. RKO-Filme – auch die Eigenproduktionen – sind in der Bundesrepublik generell eher schlecht auf DVD verfügbar, obwohl das Studio in den 50ern sehr groß war und neben Paramount, 20th Century Fox, MGM und Warner zu den sogenannten „Big Five“ gezählt wird. Von diesen Fünf war es zwar das kleinste, allerdings muss man sich vor Augen führen, dass es beispielsweise vor Universal, Columbia Pictures, United Artists und Disney rangierte – bei dieser Kategorisierung spielen Faktoren wie etwa das Vorhandensein einer eigenen dem Studio zugehörigen Kinokette eine Rolle. Im Gegensatz zu den anderen vier der „Big Five“ verschwand RKO Ende der 50er-Jahre von der Bildfläche, und nun bleibt die Frage, wer sich sorgfältig um die Auswertung ihrer Filme für den Digitalmarkt kümmert.

Sir John spricht Wyatt Earp

Joel McCrea wird in der deutschen Version von Siegfried Schürenberg synchronisiert, der später vor allem durch seine humorvolle Verkörperung des Sir John in der Edgar-Wallace-Reihe, neben Schauspielern wie Joachim Fuchsberger, Karin Dor, Siegfried Lowitz und Heinz Drache, Bekanntheit erlangte. Schürenberg war der unter dem Strich am häufigsten für McCrea eingesetzte Sprecher, wobei sich seine Einsatzzeit wohl ausschließlich auf die 50er-Jahre beschränkt – vereinzelte vorher entstandene Filme, die erst verspätet nach Deutschland kamen, eingeschlossen. Er war seinerzeit auch Stammsprecher von Clark Gable, George Sanders sowie Louis Calhern und ist eine ganz sichere Bank, einer der gefühlt niemals enttäuscht – weder hinter dem Mikrofon noch vor der Kamera. Siegfried Schürenberg wertet Joel McCrea sehr deutlich hinsichtlich eloquenter Wirkung und empfundener Größe auf, aber dennoch gab es auch in den 50er-Jahren immer wieder Versuche mit anderen Sprechern für den behäbigen McCrea, die mal gut, mal weniger gut gelangen. Darüber hinaus bildet die deutsche Synchronfassung von „Wichita“ einen sehr guten Querschnitt damals beliebter Sprecher ab, die nicht nur im Western immer wieder in prägnanten Rollen anzutreffen sind: Beispielsweise sind da die sich auch stimmlich ähnelnden und gern für Schurken besetzten Friedrich Joloff (Lloyd Bridges) und Gerd Martienzen (Rayford Barnes) in den Rollen der Clements-Brüder. Des Weiteren kann man ein paar Sprecher, die selten in wirklich großen Rollen zu hören waren und daher schwerer zuzuordnen sind, anhand dieses Films sehr gut ausmachen, da sie hier gemeinsam auftreten und der Film in der Breite sehr erstaunlich mit wichtigen Hollywood-Charakterdarstellern gesegnet ist, die schnell Eindruck hinterlassen; man nehme etwa Alfred Haase (Wallace Ford als Arthur Whiteside, der Zeitungschef), Herbert Wilk (Walter Coy als Sam McCoy, Vera Miles’ Vater im Film), Hans Emons (Edgar Buchanan als Doc Black, der sich wegen Wyatt Earp gegen seine Freunde aus der gehobenen Gesellschaft von Wichita stellt) und Erich Poremski (I. Stanford Jolley in einer kleinen Rolle als John Stanton). Das sind vier Namen, die man in Synchronbesetzungslisten zwar immer wieder einmal liest, aber wohl auch öfters gehört hat, ohne sie zuordnen zu können, da es zu wenige große Referenzrollen gibt, anhand derer sie sich schnell einprägen. Ich selbst erkenne von ihnen auch nur Hans Emons ohne Mithilfe, da mir eine seiner ganz seltenen Hauptrollen – Humphrey Bogart in „Der Tiger“ (1951) – im Gedächtnis geblieben ist und ich dadurch den Bogen zu vielen Nebenrollen schlagen konnte.

Man kann getrost behaupten, dass „Wichita“ zu den Filmen zählt, die in der deutschen Synchronfassung sicher nicht schlechter als im Original sind, sondern sogar Bonuspunkte sammeln – allein schon des Einsatzes von Siegfried Schürenberg als Wyatt Earp wegen. Von Filmen dieser Kategorie gibt es weitaus mehr als man denken mag – nicht nur aus dem klassischen Hollywood.

Filme mit dem Protagonisten Wyatt Earp finden sich in unserer Rubrik Filmreihen. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Jacques Tourneur haben wir unter Regisseure aufgelistet, Filme mit Vera Miles in der Rubrik Schauspieler, Filme mit Jack Elam und Joel McCrea unter Schauspieler.

Veröffentlichung (USA): 22. Juni 2009 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Wichita
USA 1955
Regie: Jacques Tourneur
Drehbuch: Daniel B. Ullman
Besetzung: Joel McCrea, Vera Miles, Lloyd Bridges, Wallace Ford, Edgar Buchanan, Jack Elam, Peter Graves, Keith Larsen, Carl Benton Reid, John Smith, Robert J. Wilke, Mae Clarke, Walter Sande
Zusatzmaterial: keins
Label/Vertrieb: Warner

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Horror für Halloween (XXVII): Graf Zaroff – Genie des Bösen: Das gefährlichste Spiel mit dem gefährlichsten Wild

The Most Dangerous Game

Von Volker Schönenberger

Horror-Abenteuer // 1987 war Arnold Schwarzenegger der „Running Man“. In dem dystopischen Actionfilm nach einem Roman von Stephen King rannte das österreichische Kraftpaket auf der Flucht vor gnadenlosen Killern um sein Leben. Schon 1970 hatte Tom Toelle fürs bundesdeutsche Fernsehen „Das Millionenspiel“ nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert, in dem sich Freiwillige für die Aussicht auf eine Million Mark von einer Bande von Killern (u. a. Dieter Hallervorden) jagen lassen. Von 1965 stammt der italienisch-französische Science-Fiction-Film „Das zehnte Opfer“, in dem es ebenfalls um eine Spielshow geht, in der Jäger auf menschliche Opfer gehetzt werden. 1993 inszenierte John Woo mit seinem Hollywood-Debüt „Harte Ziele“ mit Jean-Claude Van Damme eine Menschenjagd, die 2016 mit „Hard Target 2“ ein Sequel mit Scott Adkins erhielt.

Ein Schiff gerät auf die Klippen

Der womöglich früheste Vertreter dieser besonderen Spezies des Menschenjagd-Films ist „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, der im September 1932 in die US-Kinos kam. Für Hinweise auf noch ältere Filme bin ich dankbar. Die beiden Regisseure Irving Pichel und Ernest B. Schoedsack drehten das Horror-Abenteuer parallel zu „King Kong und die weiße Frau“, bei dem Schoedsack ebenfalls Regie führte. Einige Dschungelkulissen in den RKO-Studios hielten für beide Filme her. Mit Robert Armstrong und Fay Wray spielten zwei namhafte Stars in beiden mit.

Aristokrat mit finsteren Absichten

Vor einer einsamen Insel läuft eine Passagieryacht auf Klippen und sinkt. Der Großwildjäger Robert Rainsford (Joel McCrea) rettet sich ans Ufer und gelangt zur Burg des Grafen Zaroff (Leslie Banks), der dort mit seiner Schar von Kosakendienern residiert. Mit Eve Trowbridge (Wray) und ihrem Bruder Martin (Armstrong) trifft Rainsford auf zwei weitere Überlebende des Schiffbruchs. Bald bestätigt sich der Verdacht, dass Graf Zaroff finstere Absichten hegt: Der gelangweilte Aristokrat lockt Schiffe auf Grund, um die Überlebenden anschließend auf seiner Insel zu jagen.

Graf Zaroff (l.) nimmt den Überlebenden Robert Rainsford auf

„The Most Dangerous Game“ lautet der Originaltitel von „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, wobei „Game“ eine schöne Doppelbedeutung hat: Für die Schiffbrüchigen handelt es sich bei der Jagd mit ihnen als Beute in der Tat um das gefährlichste aller Spiele, da es um ihr Leben geht. „Game“ bedeutet aber auch „Wild“, und in dem Sinne gibt Graf Zaroff zu Beginn der Jagd zu, dass er es bevorzugt, das gefährlichste Wild zu jagen: den Menschen.

Haiangriff und Deutsche Doggen

Die Qualität dieses herrlichen alten Grusel-Abenteuers zeigt sich bereits beim Schiffsuntergang, der trotz Miniaturmodell in der Totale intensiv und beklemmend inszeniert worden ist – inklusive Haiangriff. Spannend wird es auch später, wenn Eve und Robert durch den Dschungel hetzen, den Jäger und seine großen dunklen Hunde stets auf den Fersen – Deutsche Doggen, die man geschwärzt hatte. Seine deutsche Synchronisation erhielt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ erst 1976 anlässlich der TV-Premiere im ZDF. In die deutschen Kinos hatte es der Film nie geschafft. In den Trivia der IMDb ist obendrein zu erfahren, dass eine 78-minütige Fassung existierte, die in den Preview-Vorführungen allerdings dazu führte, dass Zuschauer den Saal verließen. Einige Ausstellungsstücke in Graf Zaroffs Trophäenraum waren offenbar zu drastisch ausgefallen, diese Szenen wurden somit entfernt. Auch so ist bei „The Most Dangerous Game“ klar zu erkennen, dass es sich um einen Pre-Code-Film handelt, der einige Elemente zwei Jahre vor der verbindlichen Einführung des Hays Codes noch deutlicher zeigen konnte, als es bald darauf möglich sein würde. Der sinistre Graf und seine ebenso bösartigen Helfershelfer kennen kein Pardon, ihre Hetzjagd durch den Dschungel, an steilen Küsten und am Wasserfall fesselt auch nach all den Jahren.

Von YouTube bis Criterion

Da „The Most Dangerous Game“ 1960 gemeinfrei bzw. Bestandteil der Public Domain geworden ist, besteht an mehr oder minder gelungenen Veröffentlichungen kein Mangel. Auch bei YouTube ist er in voller Länge zu finden. In Deutschland hat Anolis den Film als DVD veröffentlicht, in den USA findet sich eine empfehlenswerte DVD von The Criterion Collection. Einige Editionen enthalten auch die Anfang der 90er-Jahre entstandene nachkolorierte Fassung des Schwarz-Weiß-Films. Für Freunde klassischer Abenteuer aus der Frühphase des Tonfilms stellt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ Pflichtprogramm dar.

Robert und Eve hetzen durch den Dschungel

Bei Thrill & Kill findet sich ein lesenswerter Text zu „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, den „Die Nacht der lebenden Texte“-Stammautor Ansgar Skulme dort platziert hat. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Graf Zaroff nimmt seine Beute ins Visier

Veröffentlichung: 10. Januar 2014 und 2. August 2011 als „75th Anniversary Edition“ Doppel DVD Deluxe Editon, 17. Februar 2011 und 2. Januar 2010 als DVD inklusive Farbversion, 7. März 2006 als DVD

Länge: 63 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Most Dangerous Game
USA 1932
Regie: Irving Pichel, Ernest B. Schoedsack
Drehbuch: James Ashmore Creelman, nach einer Kurzgeschichte von Richard Connell
Besetzung: Joel McCrea, Fay Wray, Robert Armstrong, Leslie Banks, Noble Johnson, Steve Clemente, William B. Davidson, Oscar „Dutch“ Hendrian
Zusatzmaterial: Interviews mit Ray Harryhausen, John Morgan und James D’Arc, Bildergalerie, Trailershow, neu restaurierte Schwarz-Weiß-Version
Vertrieb: diverse

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat: Fair Use

 
 

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Der große Zug nach Santa Fé – Der Knabe und der Viehtreiber

Cattle Drive

Von Simon Kyprianou

Western // Ungewöhnliche Prämisse für einen Western: „Der große Zug nach Santa Fé“ wird größtenteils aus der Perspektive eines Jungen erzählt. Chester (Dean Stockwell) wird von seinem Vater (Leon Armes), einem reichen Eisenbahn-Unternehmer, vernachlässigt und fängt an zu rebellieren. Versehentlich verpasst Chester an einem Halt zum Wasserauftanken die Weiterfahrt des Zuges, und so schließt er sich notgedrungen einer Gruppe Cowboys rund um deren Anführer Dallas (Chill Wills) auf einem Viehtrieb an. Die Männer wollen ihn nach erledigter Arbeit zu seinem Vater zurückbringen. Mit dem Cowboy Dan (Joel McCrea) freundet sich der Junge an, er wird zu einer Vaterfigur für ihn.

Chester Senior kümmert sich zu wenig um Chester Junior

Das erinnert interessanterweise ein wenig an die Konstellation von Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ (2007) mit Daniel Day-Lewis, ohne aber die in Andersons Film verhandelten Themen anzuschneiden oder die Konfrontation zwischen Vater und Sohn derartig entgleisen zu lassen, wie das dort geschehen ist. Nein, „Die Fliege“ Regisseur Kurt Neumann ist überhaupt nicht daran interessiert eine große Geschichte zu erzählen. Der Vieh-Treck treibt den Film von Ort zu Ort, treibt ihn topologisch näher zur Wiedervereinigung von Vater und Sohn. Der innere Antrieb des Films aber sind die Figuren: der Junge, der in der Körperlichkeit des Cowboy-Lebens aufgeht und seine wahre Bestimmung dort verortet, und Dan, der dem Traum eines glücklichen Familienlebens auf einer Ranch genau so eilig hinterherhetzt wie einem schwarzen Hengst, den er unbedingt einfangen will.

Der findet in Dan eine Vaterfigur

Neumann inszeniert den Film funktional, da gibt es keine große visuelle Grandezza – von einigen bezaubernden Pferdefang-Szenen einmal abgesehen ist der Film trocken und auf den Punkt hin inszeniert. Allerdings löst Neumann alle interessanten Konfliktsituationen früher oder später in eine öde Harmonie auf – sowohl die Konflikte innerhalb der Cowboy-Truppe als auch die Konflikte zwischen Sohn und Vater. Konflikte die eigentlich eine dramatische Fallhöhe bieten, aber der Regisseur wollte anscheinend die Tragik seiner Geschichte und seiner Figuren nicht weiter verfolgen. Vielleicht will „Der große Zug nach Santa Fé“ zu sehr Familienfilm sein, um sich diesen Konflikten mit aller Härte hinzugeben.

Zusammen mit Dan und seinen Freunden mischt er bei einem Viehtreck mit

Trotzdem ist es ein sehenswerter Western, gerade wegen der unüblichen und daher interessanten Figurenkonstellation. Der schon als Kind und Jugendlicher gut gebuchte Dean Stockwell avancierte als Erwachsener zum viel beschäftigten Nebendarsteller in Kino und Fernsehen, erhielt 1989 für Jonathan Demmes „Die Mafiosi-Braut“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Doch innerhalb der Cowboy-Gruppe gibt es Spannungen

Die „Edition Western Legenden“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea sind in der Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Juli 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 77 Min. (Blu-ray), 74 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Cattle Drive
USA 1951
Regie: Kurt Neumann
Drehbuch: Jack Natteford, Lillie Hayward
Besetzung: Joel McCrea, Dean Stockwell, Leon Ames, Chill Wills, Henry Brandon, Howard Petrie, Bob Steele, Griff Barnett
Zusatzmaterial: Trailer, Expertenintro, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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