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Horror für Halloween (XXVII): Graf Zaroff – Genie des Bösen: Das gefährlichste Spiel mit dem gefährlichsten Wild

The Most Dangerous Game

Von Volker Schönenberger

Horror-Abenteuer // 1987 war Arnold Schwarzenegger der „Running Man“. In dem dystopischen Actionfilm nach einem Roman von Stephen King rannte das österreichische Kraftpaket auf der Flucht vor gnadenlosen Killern um sein Leben. Schon 1970 hatte Tom Toelle fürs bundesdeutsche Fernsehen „Das Millionenspiel“ nach einem Drehbuch von Wolfgang Menge inszeniert, in dem sich Freiwillige für die Aussicht auf eine Million Mark von einer Bande von Killern (u. a. Dieter Hallervorden) jagen lassen. Von 1965 stammt der italienisch-französische Science-Fiction-Film „Das zehnte Opfer“, in dem es ebenfalls um eine Spielshow geht, in der Jäger auf menschliche Opfer gehetzt werden. 1993 inszenierte John Woo mit seinem Hollywood-Debüt „Harte Ziele“ mit Jean-Claude Van Damme eine Menschenjagd, die 2016 mit „Hard Target 2“ ein Sequel mit Scott Adkins erhielt.

Ein Schiff gerät auf die Klippen

Der womöglich früheste Vertreter dieser besonderen Spezies des Menschenjagd-Films ist „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, der im September 1932 in die US-Kinos kam. Für Hinweise auf noch ältere Filme bin ich dankbar. Die beiden Regisseure Irving Pichel und Ernest B. Schoedsack drehten das Horror-Abenteuer parallel zu „King Kong und die weiße Frau“, bei dem Schoedsack ebenfalls Regie führte. Einige Dschungelkulissen in den RKO-Studios hielten für beide Filme her. Mit Robert Armstrong und Fay Wray spielten zwei namhafte Stars in beiden mit.

Aristokrat mit finsteren Absichten

Vor einer einsamen Insel läuft eine Passagieryacht auf Klippen und sinkt. Der Großwildjäger Robert Rainsford (Joel McCrea) rettet sich ans Ufer und gelangt zur Burg des Grafen Zaroff (Leslie Banks), der dort mit seiner Schar von Kosakendienern residiert. Mit Eve Trowbridge (Wray) und ihrem Bruder Martin (Armstrong) trifft Rainsford auf zwei weitere Überlebende des Schiffbruchs. Bald bestätigt sich der Verdacht, dass Graf Zaroff finstere Absichten hegt: Der gelangweilte Aristokrat lockt Schiffe auf Grund, um die Überlebenden anschließend auf seiner Insel zu jagen.

Graf Zaroff (l.) nimmt den Überlebenden Robert Rainsford auf

„The Most Dangerous Game“ lautet der Originaltitel von „Graf Zaroff – Genie des Bösen“, wobei „Game“ eine schöne Doppelbedeutung hat: Für die Schiffbrüchigen handelt es sich bei der Jagd mit ihnen als Beute in der Tat um das gefährlichste aller Spiele, da es um ihr Leben geht. „Game“ bedeutet aber auch „Wild“, und in dem Sinne gibt Graf Zaroff zu Beginn der Jagd zu, dass er es bevorzugt, das gefährlichste Wild zu jagen: den Menschen.

Haiangriff und Deutsche Doggen

Die Qualität dieses herrlichen alten Grusel-Abenteuers zeigt sich bereits beim Schiffsuntergang, der trotz Miniaturmodell in der Totale intensiv und beklemmend inszeniert worden ist – inklusive Haiangriff. Spannend wird es auch später, wenn Eve und Robert durch den Dschungel hetzen, den Jäger und seine großen dunklen Hunde stets auf den Fersen – Deutsche Doggen, die man geschwärzt hatte. Seine deutsche Synchronisation erhielt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ erst 1976 anlässlich der TV-Premiere im ZDF. In die deutschen Kinos hatte es der Film nie geschafft. In den Trivia der IMDb ist obendrein zu erfahren, dass eine 78-minütige Fassung existierte, die in den Preview-Vorführungen allerdings dazu führte, dass Zuschauer den Saal verließen. Einige Ausstellungsstücke in Graf Zaroffs Trophäenraum waren offenbar zu drastisch ausgefallen, diese Szenen wurden somit entfernt. Auch so ist bei „The Most Dangerous Game“ klar zu erkennen, dass es sich um einen Pre-Code-Film handelt, der einige Elemente zwei Jahre vor der verbindlichen Einführung des Hays Codes noch deutlicher zeigen konnte, als es bald darauf möglich sein würde. Der sinistre Graf und seine ebenso bösartigen Helfershelfer kennen kein Pardon, ihre Hetzjagd durch den Dschungel, an steilen Küsten und am Wasserfall fesselt auch nach all den Jahren.

Von YouTube bis Criterion

Da „The Most Dangerous Game“ 1960 gemeinfrei bzw. Bestandteil der Public Domain geworden ist, besteht an mehr oder minder gelungenen Veröffentlichungen kein Mangel. Auch bei YouTube ist er in voller Länge zu finden. In Deutschland hat Anolis den Film als DVD veröffentlicht, in den USA findet sich eine empfehlenswerte DVD von The Criterion Collection. Einige Editionen enthalten auch die Anfang der 90er-Jahre entstandene nachkolorierte Fassung des Schwarz-Weiß-Films. Für Freunde klassischer Abenteuer aus der Frühphase des Tonfilms stellt „Graf Zaroff – Genie des Bösen“ Pflichtprogramm dar.

Robert und Eve hetzen durch den Dschungel

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Graf Zaroff nimmt seine Beute ins Visier

Veröffentlichung: 10. Januar 2014 und 2. August 2011 als „75th Anniversary Edition“ Doppel DVD Deluxe Editon, 17. Februar 2011 und 2. Januar 2010 als DVD inklusive Farbversion, 7. März 2006 als DVD

Länge: 63 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Most Dangerous Game
USA 1932
Regie: Irving Pichel, Ernest B. Schoedsack
Drehbuch: James Ashmore Creelman, nach einer Kurzgeschichte von Richard Connell
Besetzung: Joel McCrea, Fay Wray, Robert Armstrong, Leslie Banks, Noble Johnson, Steve Clemente, William B. Davidson, Oscar „Dutch“ Hendrian,
Zusatzmaterial: Interviews mit Ray Harryhausen, John Morgan und James D’Arc, Bildergalerie, Trailershow, neu restaurierte Schwarz-Weiß-Version
Vertrieb: diverse

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat: Fair Use

 
 

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Der große Zug nach Santa Fé – Der Knabe und der Viehtreiber

Cattle Drive

Von Simon Kyprianou

Western // Ungewöhnliche Prämisse für einen Western: „Der große Zug nach Santa Fé“ wird größtenteils aus der Perspektive eines Jungen erzählt. Chester (Dean Stockwell) wird von seinem Vater (Leon Armes), einem reichen Eisenbahn-Unternehmer, vernachlässigt und fängt an zu rebellieren. Versehentlich verpasst Chester an einem Halt zum Wasserauftanken die Weiterfahrt des Zuges, und so schließt er sich notgedrungen einer Gruppe Cowboys rund um deren Anführer Dallas (Chill Wills) auf einem Viehtrieb an. Die Männer wollen ihn nach erledigter Arbeit zu seinem Vater zurückbringen. Mit dem Cowboy Dan (Joel McCrea) freundet sich der Junge an, er wird zu einer Vaterfigur für ihn.

Chester Senior kümmert sich zu wenig um Chester Junior

Das erinnert interessanterweise ein wenig an die Konstellation von Paul Thomas Andersons „There Will Be Blood“ (2007) mit Daniel Day-Lewis, ohne aber die in Andersons Film verhandelten Themen anzuschneiden oder die Konfrontation zwischen Vater und Sohn derartig entgleisen zu lassen, wie das dort geschehen ist. Nein, „Die Fliege“ Regisseur Kurt Neumann ist überhaupt nicht daran interessiert eine große Geschichte zu erzählen. Der Vieh-Treck treibt den Film von Ort zu Ort, treibt ihn topologisch näher zur Wiedervereinigung von Vater und Sohn. Der innere Antrieb des Films aber sind die Figuren: der Junge, der in der Körperlichkeit des Cowboy-Lebens aufgeht und seine wahre Bestimmung dort verortet, und Dan, der dem Traum eines glücklichen Familienlebens auf einer Ranch genau so eilig hinterherhetzt wie einem schwarzen Hengst, den er unbedingt einfangen will.

Der findet in Dan eine Vaterfigur

Neumann inszeniert den Film funktional, da gibt es keine große visuelle Grandezza – von einigen bezaubernden Pferdefang-Szenen einmal abgesehen ist der Film trocken und auf den Punkt hin inszeniert. Allerdings löst Neumann alle interessanten Konfliktsituationen früher oder später in eine öde Harmonie auf – sowohl die Konflikte innerhalb der Cowboy-Truppe als auch die Konflikte zwischen Sohn und Vater. Konflikte die eigentlich eine dramatische Fallhöhe bieten, aber der Regisseur wollte anscheinend die Tragik seiner Geschichte und seiner Figuren nicht weiter verfolgen. Vielleicht will „Der große Zug nach Santa Fé“ zu sehr Familienfilm sein, um sich diesen Konflikten mit aller Härte hinzugeben.

Trotzdem ist es ein sehenswerter Western, gerade wegen der unüblichen und daher interessanten Figurenkonstellation. Der schon als Kind und Jugendlicher gut gebuchte Dean Stockwell avancierte als Erwachsener zum viel beschäftigten Nebendarsteller in Kino und Fernsehen, erhielt 1989 für Jonathan Demmes „Die Mafiosi-Braut“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Zusammen mit Dan und seinen Freunden mischt er bei einem Viehtreck mit

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schieß zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

Doch innerhalb der Cowboy-Gruppe gibt es Spannungen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Juli 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 77 Min. (Blu-ray), 74 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: Cattle Drive
USA 1951
Regie: Kurt Neumann
Drehbuch: Jack Natteford, Lillie Hayward
Besetzung: Joel McCrea, Dean Stockwell, Leon Ames, Chill Wills, Henry Brandon, Howard Petrie, Bob Steele, Griff Barnett
Zusatzmaterial: Trailer, Expertenintro, Bildergalerie, Booklet
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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Union Pacific – Patriotisches Western-Epos um den Bau der Eisenbahn

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Union Pacific

Von Volker Schönenberger

Western // In der US-Hauptstadt Washington entbrennt gegen Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs eine heftige Debatte zwischen Politikern, ob eine Eisenbahnlinie zwischen Omaha und Kalifornien gebaut werden soll. Präsident Abraham Lincoln befürwortet das Projekt, und trotz seiner Ermordung wird es vorangetrieben – die Einblendung eines Gemäldes mit Trauerflor thematisiert Lincolns Tod.

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Jeff Butler (vo., 2. v. r.) ist im Bauabschnitt von Union Pacific für die Sicherheit zuständig

Zwei Bahngesellschaften wetteifern darum, den Zielort in Utah als Erste zu erreichen: Von Sacramento in Kalifornien treibt die Central Pacific den Schienenstrang voran, von Omaha in Nebraska aus baut die Union Pacific die Strecke, auf der außer wetterbedingten Unwägbarkeiten auch feindselige Indianer eine Gefahr darstellen.

Saboteure am Werk

Zuständig für die Sicherheit der Union-Pacific-Bauarbeiten ist Jeff Butler (Joel McCrea). Er ahnt nicht, dass der Bankdirektor Asa Barrows (Henry Kolker) den Ganoven Sid Campeau (Brian Donlevy) angeheuert hat, die Arbeiten zu sabotieren – Barrows hat finanzielles Interesse daran, dass die Central Pacific den Wettstreit siegreich bestreitet. Mit im Bunde hat Campeau einen alten Bekannten von Butler: den frohsinnigen Lebemann Dick Allen (Robert Preston), der wie Butler ein Auge auf die flotte Mollie (Barbara Stanwyck) geworfen hat, Tochter des Lokführers Monahan (J. M. Kerrigan). Weitere Handlanger Campeaus wie der Falschspieler Cordray (Anthony Quinn) bringen Unruhe ins Union-Pacific-Team.

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Er hat ein Auge auf die fesche Lokführerstochter Mollie geworfen

In den Trivia der Internet Movie Database ist zu finden, dass die Premiere des Films am 27. April 1939 in drei Kinos in Omaha stattfand – nur drei Wochen vor dem 70. Jahrestag der Vollendung der ersten transkontinentalen Eisenbahnverbindung am 10. Mai 1869 und als Teil einer riesigen Jubiläumsfeier über drei Tage. Regisseur Cecil B. DeMille und seine beiden Stars Joel McCrea und Barbara Stanwyck reisten per Sonderzug aus Hollywood an, ihr Trip dauerte aufgrund einiger Zwischenstopps ebenfalls drei Tage.

Nachträglich die Goldene Palme in Cannes

1939 sollte „Union Pacific“ bei den ersten Filmfestspielen von Cannes gezeigt werden. Aufgrund des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs fiel die Veranstaltung aus, die Premiere des Festivals erfolgte erst 1946. Bei einer Retrospektive wurden 2002 die für 1939 vorgesehenen Wettbewerbsbeiträge gezeigt. Eine Jury vergab im Anschluss rückwirkend die Goldene Palme an „Union Pacific“. Für die Spezialeffekte – seinerzeit noch Bild und Ton ungeteilt – hatte der Film 1940 eine Oscar-Nominierung erhalten.

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Auch Dick Allen macht Mollie den Hof

Die Eroberung, Erschließung und Urbarmachung des Westens ist ein zentrales Motiv des Westerngenres. Auf die Pionierleistungen im 18. und 19. Jahrhundert sind die USA sehr stolz. Dass dies nach heutigen völkerrechtlichen Maßstäben mit einer gigantischen räuberischen Landnahme einherging, so weit war Hollywood zum Zeitpunkt der Entstehung noch lange nicht. Es sollte bis zu John Fords „Cheyenne“ („Cheyenne Autumn“, 1964) dauern, ehe sich das Westerngenre erstmals kritisch damit auseinandersetzte.

Eindimensionale Darstellung der feindlichen Indianer

Insofern wäre es „Union Pacific“ gegenüber unfair, den Film deswegen kritischer zu beurteilen, obwohl der Bau der Eisenbahn die Macht der weißen Eindringlinge im Wilden Westen zweifellos zementierte. Regisseur Cecil B. DeMille zeigt die Indianer dann auch schlicht als feindlich gesinnte Aggressoren. Dass ihre Angriffe auf die Bauarbeiten der Union Pacific genau genommen letztlich Verteidigungsmaßnahmen sind, wird nicht thematisiert.

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Cordray (l.) hat finstere Absichten

„Union Pacific“ ist allein aus Interesse an der Entstehung dieser so wichtigen Eisenbahntrasse sehenswert. Ob das gezeigte Geschehen authentisch ist, ist dabei nachrangig, sind die wichtigen Protagonisten und Antagonisten doch ohnehin fiktive Figuren. Schauspielerisch sind sie mit Leidenschaft bei der Sache, es macht Spaß, Joel McCrea, Barbara Stanwyck, Robert Preston und den anderen zuzuschauen. Das Buhlen von Jeff und Dick um die Gunst von Mollie führte dazu, dass der deutsche Verleih den Western seinerzeit unter dem Titel „Die Frau gehört mir“ in die Kinos brachte, was dem Epos keineswegs gerecht wird. Die Handlung verläuft actionreich und vielseitig, Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Die Story gibt die etwas mehr als zwei Stunden locker her.

Blu-ray erscheint außerhalb der „Edition Western Legenden“

„Union Pacific“ ist ein patriotischer Western aus der Goldenen Ära Hollywoods, zwar kein Meisterwerk des Genres, aber doch ein großes Epos, das die Einreihung in die „Edition Western Legenden“ von Koch Films sicher mehr verdient hat als manch anderer Titel der Reihe. Schade nur, dass der Publisher bei der – qualitativ gleichwohl anständigen – HD-Veröffentlichung die Einheitlichkeit verlässt: War die DVD 2011 noch im üblichen und schönen Digipack-Standard mit Booklet erschienen, so kommt die Blu-ray im schnöden Softcase daher. Offenbar geht Koch Films vemehrt dazu über, Blu-rays seiner älteren Western-DVDs unter dem Claim „Classic Western in HD“ mit schwarz-weißem Cover zu veröffentlichen. So oder so, ob als DVD oder Blu-ray: Schön, dass „Union Pacific“ bei uns zu haben ist.

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Die Indianer stehen dem Projekt feindselig gegenüber

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joel McCrea und Anthony Quinn sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Dick (l.), Mollie und Jeff müssen sich der feindlichen Indianer erwehren

Die „Edition Western Legenden“ von Koch Films:

01. Die weiße Feder (White Feather, 1955)
02. Rache für Jesse James (The Return of Frank James, 1940)
03. Der letzte Wagen (The Last Wagon, 1956)
04. Union Pacific (Union Pacific, 1939)
05. Rio Conchos (Rio Conchos, 1964)
06. Schieß zurück Cowboy (From Hell to Texas, 1958)
07. Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, 1948)
08. Die schwarze Maske (Black Bart, 1948)
09. Ritt zum Ox-bow (The Ox-Bow Incident, 1943)
10. 100 Gewehre (100 Rifles, 1969)
11. Shoot Out – Abrechnung in Gun Hill (Shoot Out, 1971)
12. Der große Aufstand (The Great Sioux Uprising, 1953)
13. Der Tag der Vergeltung (Untamed Frontier, 1952)
14. Duell mit dem Teufel (The Man from Bitter Ridge, 1955)
15. Grenzpolizei Texas (The Texas Rangers, 1936)
16. El Perdido (The Last Sunset, 1961)
17. Trommeln des Todes (Apache Drums, 1951)
18. Drei Rivalen (The Tall Men, 1955)
19. Quantez, die tote Stadt (Quantez, 1957)
20. Reiter ohne Gnade (Kansas Raiders, 1950)
21. Die Höhle der Gesetzlosen (Cave of Outlaws, 1951)
22. Western Union (Western Union, 1941)
23. Ritt in den Tod (Walk the Proud Land, 1956)
24. Vorposten in Wildwest (Two Flags West, 1950)
25. Santiago der Verdammte (The Naked Dawn, 1955)
26. Verschwörung auf Fort Clark (War Arrow, 1953)
27. Vom Teufel verführt (The Rawhide Years, 1955)
28. Der große Bluff (Destry Rides Again, 1939)
29. Gold aus Nevada (The Yellow Mountain, 1954)
30. Rivalen im Sattel (Bronco Buster, 1952)
31. Feuer am Horizont (Canyon Passage, 1946)
32. Noch heute sollst du hängen (Star in the Dust, 1956)
33. Frisco Express (Wells Fargo, 1937)
34. Schieß oder stirb (Gun for a Coward, 1957)
35. Der große Minnesota Überfall (The Great Northfield, Minnesota Raid, 1972)
36. Mit roher Gewalt (The Spoilers, USA 1955)
37. Die Welt gehört ihm (The Mississippi Gambler, USA 1953)
38. Rebellen der Steppe (Calamity Jane and Sam Bass, USA 1949)
39. Der Vagabund von Texas (Along Came Jones, USA 1945)
40. Auf verlorenem Posten (The Lone Hand, USA 1953)
41. California (California, USA 1947)
42. Der blaue Mustang (Black Horse Canyon, USA 1954)
43. Die Meute lauert überall (Raw Edge, USA 1956)
44. Rächer der Enterbten (The True Story of Jesse James, USA 1957)
45. Schüsse peitschen durch die Nacht (Showdown at Abilene, USA 1956)
46. Flucht vor dem Tode (The Cimarron Kid, USA 1952)
47. Stunden des Terrors (A Day of Fury, USA 1956)
48. Der große Zug nach Santa Fé (Cattle Drive, USA 1951)
49. Der eiserne Kragen (Showdown, USA 1963)
50. Garten des Bösen (Garden of Evil, USA 1954)
51. Trommeln am Mohawk (Drums Along the Mohawk, USA 1939)
52. Duell in Diablo (Duel at Diablo, USA 1966)
53. Massai – Der große Apache (Apache, USA 1954)
54. Zwischen zwei Feuern (The Indian Fighter, USA 1955)

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Zur Zeremonie in Utah reisen die Eisenbahnmagnaten an

Veröffentlichung: 12. Januar 2016 als Blu-ray, 2. September 2011 als DVD

Länge: 135 Min. (Blu-ray), 129 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch (Synchronfassungen von 1939 und 1965), Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Union Pacific
Alter deutscher Verleihtitel: Die Frau gehört mir
USA 1939
Regie: Cecil B. DeMille
Drehbuch: Walter DeLeon, C. Gardner Sullivan, Jesse Lasky Jr., nach dem Roman „Trouble Shooter“ von Ernest Haycox
Besetzung: Joel McCrea, Barbara Stanwyck, Anthony Quinn, Akim Tamiroff, Robert Preston, Lynne Overman, Brian Donlevy, Robert Barrat, J. M. Kerrigan, Stanley Ridges, Henry Kolker
Zusatzmaterial: Booklet, Kinotrailer, Bildergalerie, nur Blu-ray: Vorkriegs-Synchronfassung „Die Frau gehört mir“
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © Koch Films

 

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