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Die Farbe aus dem All – Wenn Lovecraft ruft, eilt der kosmische Wahnsinn heran

Color Out of Space

Von Volker Schönenberger

SF-Horror // Im Westen von Arkham erheben sich die Hügel und es gibt Täler mit tiefen Wäldern, die noch nie eine Axt geschlagen hat. Es gibt dunkle, enge Schluchten, in denen sich die Bäume behaupten, zwischen denen schmale Bäche fließen, ohne je auch nur das kleinste bisschen Sonnenlicht gesehen zu haben. Als ich zu diesen Hügeln und Tälern ging, um nach dem neuen Wasserspeicher zu suchen, sagte man mir, dieser Ort sei böse. Man erzählte mir dies in Arkham. Und da es eine wirklich alte Stadt ist, voller Hexenlegenden, dachte ich, dass das Böse etwas sein muss, dass Großmütter ihren Enkeln jahrhundertelang zugeflüstert haben mussten. Dann sah ich das dunkle westliche Gewirr von Schluchten und Hängen selbst und mein einziger Gedanke war nur: Welches Geheimnis liegt hier verborgen?

Noch ahnen Theresa und Nathan nichts vom dräuenden Unheil

Mit diesen vom Wasserkundler Ward Phillips (Elliot Knight) als Stimme aus dem Off vorgetragenen Ausschnitten aus den ersten Absätzen von H. P. Lovecrafts Kurzgeschichte „Die Farbe aus dem All“ beginnt ihre jüngste filmische Umsetzung. Über so erhaben wie düster in Szene gesetzte Waldmotive gelegt, entfachen diese Zeilen sogleich eine unheilvolle Stimmung, die von dem Grauen kündet, das da kommen mag.

Alpaka-Zucht und Tomatenanbau

Phillips ist frisch in der Gegend eingetroffen und begegnet am Ufer eines Sees Lavinia Gardner (Madeleine Arthur), die dort ein heidnisches Ritual vollzieht. Auf die Störung durch den jungen Mann reagiert das Teenager-Mädchen ungehalten. Sie kann aber ihr Interesse an ihm kaum verbergen. Mit ihren Eltern Nathan (Nicolas Cage) und Theresa (Joely Richardson) sowie ihren beiden Brüdern Benny (Brendan Meyer) und Jack (Julian Hilliard) bewohnt sie ein üppiges Anwesen. Nathan baut dort Tomaten an und hält Alpakas, um mit ihnen eine Milchwirtschaft aufzubauen. Finanzberaterin Theresa arbeitet viel online, hat aber Probleme mit dem Internetanschluss. Seit einer Erkrankung mit damit einhergehender Operation hatte das Ehepaar Gardner keinen Sex mehr (dass es Brustkrebs war, wird nicht ausgesprochen, aber klar genug angedeutet).

Die Umgebung verändert sich

Just als sich Nathan und Theresa an diesem Abend endlich wieder einmal der körperlichen Liebe hingeben wollen, geschieht es: Ein sonderbares Licht leuchtet am Himmel auf, und plötzlich schlägt ein Meteorit von vielleicht einem knappen Meter Durchmesser im Vorgarten der Gardners ein. Fortan übt das leuchtende Gestein einen fatalen Einfluss auf alles Leben in der Umgebung aus. Und nicht zuletzt auf die Gardners …

Joint gefällig?

Was für ein Trip! Scheinbar bedächtig schreitet die Handlung voran, doch ehe wir es uns versehen, ist die sympathische Familie im Unheil gefangen, und „Die Farbe aus dem All“ entwickelt sich zu einer bizarren Reise in Lila und Pink – Blutrot nicht zu vergessen. Zur halluzinierenden Visualisierung des Films passt es gut, dass die Rolle eines kiffenden Eremiten mit Tommy Chong besetzt wurde, den wir aus den Stoner-Movies der „Cheech & Chong“-Reihe kennen. Die Figur wirkt allerdings eher wie ein Gimmick und treibt die Handlung nur unwesentlich voran. Dafür bereichert eine Prise Familiendrama den Plot, und wenn der gute alte Body-Horror ins Spiel kommt, kommen auch Anhänger deftigen Splatters und grotesker Mutationen auf ihre Kosten. Ein schöner Spannungsbogen bringt stetige Steigerung des Schreckens. Hydrologe Ward Phillips scheint mir dabei als Chronist adäquat aus der Literaturvorlage umgesetzt zu sein, auch wenn ihn Lovecraft dort als Landvermesser ausgewiesen hatte. Erst zum Finale wird er mitten ins Geschehen hineingezogen.

Der kleine Jack gerät ebenso in Gefahr …

Produziert wurde „Die Farbe aus dem All“ von SpectreVision, der 2010 von Daniel Noah, Josh C. Waller und Elijah Wood gegründeten Filmschmiede, die uns in den vergangenen Jahren bereits solch außergewöhnliche Werke wie „A Girl Walks Home Alone at Night“ (2014), „The Greasy Strangler – Der Bratfett-Killer“ (2016) und „Mandy“ (2018) beschert hat. Im Interview mit „Deadline – Das Filmmagazin“ beschrieb Noah die Vision hinter der Produktionsfirma: Wir versuchen mit unseren Horror- und Science-Fiction-Storys eine Art spirituelle oder kosmische Transzendenz zu erreichen. Angesichts dieser Aussage erscheint es folgerichtig, sich H. P. Lovecraft zu widmen.

Vom Regisseur von „Dust Devil“

Die Personalie auf dem Regiestuhl ist bemerkenswert, hatte Richard Stanley doch seit dem Fiasko der H.-G.-Wells-Verfilmung „D.N.A. – Experiment des Wahnsinns“ (1996) keinen Spielfilm mehr gedreht. Der 1966 in Südafrika Geborene war wenige Tage nach Drehbeginn gefeuert und durch John Frankenheimer ersetzt worden, was den Film aber auch nicht retten konnte. Stanleys frühe Regiearbeiten „M.A.R.K. 13 – Hardware“ (1990) und „Dust Devil“ (1992) sind mehr als einen Blick wert, und mit „Die Farbe aus dem All“ hat er sich eindrucksvoll für weitere Genre-Produktionen zurückgemeldet. Bleibt ihm zu wünschen, dass dies auch Produzenten so sehen. Stanley hat immerhin selbst verraten, dass der Film den Auftakt einer Lovecraft-Trilogie bildet und er bereits am Skript zum zweiten Film schreibt – einer Umsetzung der Kurzgeschichte „The Dunwich Horror“. Nun ist die Idee eines großen Kino-Universums rund um einen Geschichten-Komplex nicht mehr der allerletzte Schrei – das Marvel Cinematic Universe, das MonsterVerse und andere lassen grüßen, das Dark Universe von Universal womöglich gar aus der Gruft des Vergessens; gleichwohl haben Richard Stanley und seine Produzenten von SpectreVision mit dem ersten Beitrag ein Ausrufezeichen gesetzt, das viele Genre-Fans Blut lecken ließ und sogar bei etlichen Lovecraft-Fans Anklang finden wird (wenn auch nicht bei allen, denn sie sind ja sehr eigen). Es muss ja nicht gleich ein Lovecraft-Verse werden. „Die Farbe aus dem All“ ist mit weiteren Anspielungen gespickt, etwa der Nennung der Ortschaften Dunwich und Innsmouth im Wetterbericht. Und natürlich liegt bei der spirituell veranlagten Lavinia eine Ausgabe des Necronomicons im Zimmer.

… wie seine Schwester Lavinia

Wenn man es genau nimmt, kann man kritisch anführen, dass Lovecraft seine 1927 erstveröffentlichte Erzählung in den 1880er-Jahren platzierte, während der Film im Hier und Heute spielt. Das mag Kostenerwägungen geschuldet sein, weil ein in der Vergangenheit spielender Film ganz andere Herausforderungen an Kostüme, Kulissen, Produktions- und Setdesign stellt. Mich hat es nicht gestört, auch wenn es ein paar kleine Inkonsequenzen zur Folge hat. So würde ein derartiger Meteoriteneinschlag heute ein weitaus größeres Medieninteresse verursachen und zügig diverse Behörden und Forschungseinrichtungen auf den Plan rufen, als es im Film zu beobachten ist. Die moderne Kommunikation hebelt Richard Stanley immerhin souverän aus, indem er andeutet, dass die kosmische Strahlung sich auch darauf auswirkt. Böswillige Lovecraftianer können auch darauf hinweisen, dass der Schriftsteller von einer Farbe schrieb, die dem menschlichen Auge unbekannt sei, während wir die im Film zu sehenden Farbkombinationen sehr wohl kennen. Hergott noch mal, es ist ein Film, da ist Visualisierung systemimmanent!

Von Boris Karloff zu Alex Garland

Lovecrafts Erzählung kam erstmals 1965 unter dem Titel „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“ mit Boris Karloff ins Kino. Obwohl die Adaption ebenso wie „The Curse“ von 1987 bei manchen Lovecraft-Jüngern nicht als adäquate Umsetzungen anerkannt wird, faszinieren dennoch beide. Die Prämisse der alles in der Umgebung beeinflussenden Farbe aus dem All ist womöglich schon stark genug für einen Schocker, selbst wenn Lovecrafts Intentionen nicht getroffen werden. Da erscheint es mir schon reizvoll, beizeiten auch „Colour from the Dark“ (2008) aus Italien und die deutsche Independent-Produktion „Die Farbe“ (2010) anzutesten. Erwähnt sei auch Alex Garlands „Auslöschung“ (2018) mit Natalie Portman, der Lovecrafts Grundidee eines Meteoritenschlags mit anschließender Beeinflussung des Lebens in der Umgebung aufgreift und konsequent weiterführt. Die Kurzgeschichte kann im englischen Originaltext vollständig online gelesen werden. Sie ist obendrein hierzulande in deutscher Übersetzung in der Lovecraft-Kurzgeschichtensammlung „Das Ding auf der Schwelle“ erschienen. Das Buch ist neu und antiquarisch in diversen Auflagen problemlos zu finden. Es stellt einen perfekten Einstieg in die verqueren Gedankenwelten des Autors dar, zumal die Erzählung „Der Schatten aus der Zeit“ („The Shadow Out of Time“) enthalten ist, eine der bedeutsamen Säulen in Lovecrafts Cthulhu-Mythos um die „Großen Alten“.

Weiter so, Nicolas Cage!

Nicolas Cage dreht weiterhin viel, und oft erscheint seine Rollenwahl willkürlich. In die A-Liga wird der Oscar- und Golden-Globe-Preisträger („Leaving Las Vegas – Liebe bis in den Tod“) so schnell wohl nicht wieder vorstoßen. Aber er sollte sich vielleicht mal eines Abends mit einem guten Glas Wein gemütlich machen und seine Filmografie der vergangenen Jahre Revue passieren lassen. Dann wird er vielleicht bemerken, dass seine außergewöhnlichsten Filme zwei bizarre Genre-Produktionen waren, um die sich sogar ein kleiner Kult gebildet hat: „Mandy“ und eben „Die Farbe aus dem All“. Daran gilt es anzuknüpfen, dann kann man vielleicht all die 08/15-Thriller bald weglassen, wenn das Finanzamt mitspielt (dass die beiden eher entbehrlichen „Ghost Rider“-Filme ebenfalls dem fantastischen Segment zuzuordnen sind, ignoriere ich einfach mal, sonst hinkt meine Argumentation).

Etwas Overacting geht immer

Die schauspielerisch auffälligsten Szenen in „Die Farbe aus dem All“ gebühren eindeutig Cage, denn wenn es rund um die anderen Figuren spektakulär wird, wird das in der Regel durch fantastische Elemente und Effekte verstärkt. Cage darf aber einfach auch mal zornig mutierte Riesentomaten in den Mülleimer pfeffern und einen Tobsuchtsanfall kriegen, wenn das Auto nicht anspringt. Damit kultiviert er seinen Overacting-Ruf, obgleich sich der Gute ansonsten weitgehend zurücknimmt und Nathan Gardner zu Beginn eine geradezu biedere Aura verleiht.

Trotz allem beeindruckende Filmografie

Cage hat genug großartige Rollen gespielt und interessanten Figuren Leben eingehaucht, obwohl seine Mimik begrenzt ist. Er hat mit großartigen Regisseuren gearbeitet, darunter mit Alan Parker („Birdy“), den Coens („Arizona Junior“), David Lynch („Wild at Heart – Die Geschichte von Sailor und Lula“), John Woo („Im Körper des Feindes – Face/Off“), Brian De Palma („Spiel auf Zeit“), Martin Scorsese („Bringing Out the Dead“ – Nächte der Erinnerung“), Andrew Niccol („Lord of War – Händler des Todes“) und nicht zuletzt zu Beginn seiner Karriere wiederholt mit seinem Onkel Francis Ford Coppola („Rumble Fish“, „Peggy Sue hat geheiratet“, „Cotton Club“). Es ist noch nicht alles verloren, was man daran erkennt, dass er erst vor wenigen Jahren für einen Oliver-Stone-Film („Snowden“) gebucht worden ist. Es ist noch nicht alles verloren, also Augen auf bei der Rollenwahl, Nicolas! „Die Farbe aus dem All“ ist mal wieder ein echter Glücksgriff, davon gern mehr.

Koch Films hat „Die Farbe aus dem All“ in verschiedenen Sammlerbudgets angemessen Editionen veröffentlicht, beginnend mit Blu-ray und DVD in herkömmlichen Softcases. Beim Mediabook kann man sich zwischen zwei Covervarianten entscheiden, es enthält den Film auf Blu-ray und UHD Blu-ray sowie Bonusmaterial, das seinesgleichen sucht. Hervorheben möchte ich hier die zusätzlichen Kurzfilme: So finden sich hier Richard Stanleys Regiedebüt „Rites of Passage“ (1983, 10 Min.) ebenso wie dessen Nachfolger „Incidents in an Expanding Universe“ (1985, 45 Min.) und seine spätere Arbeit „The Sea of Perdition“ (2006, 9 Min.). Hinzu kommt die 33-minütige Doku „The Voice of the Moon“ (1990), in der er auf experimentelle Weise den sowjetrussischen Einmarsch in Afghanistan thematisierte. Obendrein finden sich auf der Bonus-Blu-ray die beiden jeweils etwa fünfminütigen „Die Farbe aus dem All“ (2017) und „Der Garten“ des deutschen Kurzfilmers Patrick Müller, die beide von Lovecraft inspiriert entstanden. Im auch ansonsten lesenswerten Booklet findet sich ein zweiseitiger Text zu Müller und seinen Werken.

Die Ultimate Edition legt noch mal eine Schippe drauf und enthält attraktives physisches Zusatzmaterial: zwei Kinoplakate, sechs Aushangfotos sowie als Herzstück einen Nachdruck des vollständigen „Amazing Stories“-Magazins von 1927, in welchem „The Colour Out of Space“ erstveröffentlicht worden ist. Auf den beiden zusätzlichen Blu-rays finden sich obendrein die drei oben bereits erwähnten Lovecraft-Adaptionen „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, „The Curse“ und „Die Farbe“ inklusive eigenen Bonusmaterials. Dabei handelt es sich im Übrigen um die Blu-rays, die das Label Wicked Vision 2018 im Mediabook-Format veröffentlicht hat, mithin also um die Filme in bestmöglicher Qualität. Löblich, dass sich Koch und Wicked hier kurzgeschlossen haben. Wenn das den hohen Preis nicht rechtfertigt, weiß ich auch nicht weiter. Ich möchte nicht wissen, wie viele Fans sich sowohl beide Covervarianten des Mediabooks als auch die Ultimate Edition gegönnt haben. Dieser im Doppelsinn fantastische Film hat weite Verbreitung verdient. Die Qual der Wahl der Edition sei dem einzelnen Sammler und seinem Geldbeutel überlassen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 14. Mai 2020 als Limited 3-Disc Edition Mediabook (4K UHD Blu-ray & 2 Blu-rays, 2 Covervarianten), 30. April 2020 als 7-Disc Ultimate Edition (4K UHD Blu-ray, 5 Blu-rays, CD), Blu-ray und DVD

Länge: 110 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Color Out of Space
MAL/PORT/USA 2019
Regie: Richard Stanley
Drehbuch: Scarlett Amaris, Richard Stanley, nach einer Kurzgeschichte von H. P. Lovecraft
Besetzung: Nicolas Cage, Joely Richardson, Madeleine Arthur, Elliot Knight, Tommy Chong, Brendan Meyer, Julian Hilliard, Josh C. Waller, Q’orianka Kilcher, Melissa Nearman
Zusatzmaterial: Trailer, nur Mediabook & Ultimate Edition: entfallene Szenen, Featurette, Kurzfilme von Patrick Müller: „The Colour Out of Space“ & „The Garden“, verschiedene Kurzfilme von Richard Stanley, 12-seitiges Booklet mit Texten von Christoph Huber und Stefan Jung, nur Ultimate Edition: Bonusfilm „Die, Monster, Die! Das Grauen auf Schloss Witley“, Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann und Dr. Rolf Giesen, deutscher VHS-Vorspann, deutsche Nostalgie-Fassung, selbstlaufende Bildergalerien, 3 Trailer zum Film, Bonusfilm „The Curse“, Audiokommentar von Dr. Gerd Naumann, Matthias Künnecke und Christopher Klaese, Bildergalerie, 2 Trailer zum Film, Bonusfilm „Die Farbe“, verlorene Szene (3 Minuten), Making-of (22 Minuten), Effekte und Konzepte (7 Min.); Science Horror (7 Min.), Teaser und Trailer, 104-seitiger Nachdruck des originalen „Amazing Stories“-Magazins, 2 Kinoplakate DIN A1, 6 Retro-Aushangfotos
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2020 Koch Films

 

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Horror für Halloween (XX): Maggie – Arnie und die Untoten

Maggie

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Arnold Schwarzenegger in einem Zombiefilm? Nun gut, was sein Action-Kollege Dolph Lundgren in „Battle of the Damned“ (2013) und später in „Zombie Shooter“ (2017) kann, kann Arnie schon lange. Doch während die schwedische Kampfmaschine bei seinen Begegnungen mit den Untoten dem Action-Sujet treu blieb, hat sich der Österreicher für ein Drehbuch mit einem ernsthaften Ansatz entschieden.

Wade wehrt sich gegen einen zombiefizierten Nachbarn

Eine Zombie-Pandemie hat in den USA Millionen Todesopfer gefordert, bevor es gelang, die weitere Ausbreitung zu stoppen. Maggie Vogel (Abigail Breslin) ist von einem Untoten gebissen worden und sieht sich mit ihrer schleichenden Zombiefizierung konfrontiert. Das mag zwar sechs bis acht Wochen dauern, scheint aber unausweichlich zu sein. Nach zweiwöchiger Suche hat ihr Vater Wade (Schwarzenegger) seine Tochter in einer Klinik gefunden. Er bringt sie heim, zu seiner Frau Caroline (Joely Richardson), Maggies Stiefmutter. Zur Sicherheit quartiert das Ehepaar die gemeinsamen Kinder bei einer Tante ein.

Schwarzenegger verzichtet auf Gage

Ein Drehbuchdebüt gepaart mit einem Regiedebüt – bemerkenswert, dass sich Arnold Schwarzenegger dieses Independent-Projekts als Produzent annahm. Das Skript geisterte anscheinend schon einige Jahre in der Branche herum, fand sich 2011 in einer Liste der interessantesten Drehbücher ohne Verfilmungskontrakt. Für die Hauptrolle verzichtete er sogar auf seine Gage. Schwarzeneggers Präsenz ist Fluch und Segen zugleich: Seine schauspielerische Leistung überzeugt auf ganzer Linie, Wades Verzweiflung, das Ringen darum, was zu tun das Richtige ist, sind jederzeit nachvollziehbar. Er nimmt sich zurück, verzichtet auf markige Sprüche. Aber er ist eben eine beeindruckende Gestalt und ein Superstar, das lenkt ein klein wenig vom Plot ab. Der positive Eindruck seiner reifen Leistung überwiegt aber klar.

Der Vater hat seine infizierte Tochter nach Hause geholt

Auch schon wieder zehn Jahre her, dass Abigail Breslin in ihrem ersten Zombiefilm „Zombieland“ mitgespielt hat. In der Titelrolle von „Maggie“ muss sie verletztlicher und weniger cool agieren, meistert das erwartungsgemäß ohne Probleme.

Von FSK 18 auf 16 herabgestuft

Anfangs unverständlicherweise mit einer Altersfreigabe ab 18 Jahren versehen, wurde „Maggie“ später auf FSK 16 heruntergestuft, was völlig ausreicht. Action ist Mangelware, der Body Count so gering wie kaum einmal in einem Zombiefilm. Stattdessen dominieren bedächtige, bisweilen beinahe statische Einstellungen mit herabgesetzter Farbsättigung, nur wenige Untote treten in Erscheinung. Kein Wunder, dass sich viele Genrefans von „Maggie“ enttäuscht zeigen. Auf plakative Zombie-Action hoffenden Filmguckern entgeht aber eine gerade wegen des Verzichts auf die üblichen Elemente und Motive außergewöhnliche kleine Perle. Zwar erlebt hier auch die Welt eine Tragödie riesigen Ausmaßes, „Maggie“ bricht das jedoch auf eine bewegende Vater-Tochter-Geschichte herunter, die ohne apokalyptische Sequenzen und Zombiehorden auskommt. Schön, wenn ein für ausgelutscht gehaltenes Subgenre ab und zu doch noch neue Facetten hervorbringen kann.

Vom Arzt holt sich Wade Rat

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Abigail Breslin haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Arnold Schwarzenegger unter Schauspieler.

Kann er seine Tochter Maggie schützen?

Veröffentlichung: 27. Mai 2016 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), 28. August 2015 als Blu-ray im limitierten Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Maggie
USA/CH 2015
Regie: Henry Hobson
Drehbuch: John Scott 3
Besetzung: Arnold Schwarzenegger, Abigail Breslin, Joely Richardson, Douglas M. Griffin, J. D. Evermore, Rachel Whitman Groves, Jodie Moore, Bryce Romero, Raeden Greer, Aiden Flowers
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Henry Hobson, Making Maggie: Behind the Scenes (18 Min.), Interviews mit Henry Hobson und Arnold Schwarzenegger (28 Min.), Originaltrailer, Trailershow, nur Mediabook: 12-seitiges Booklet
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © splendid film

 
 

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