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Stan & Ollie – Ziemlich beste Freunde

Stan & Ollie

Von Andreas Eckenfels

Tragikomödie // Die ganze Welt hat über sie gelacht: In Spanien sind sie als „El Gordo y El Flaco“ bekannt, in der Niederlande als „Dikke und Dunne“, in Polen als „Flip & Flap“, die Italiener nennen sie „Krick & Krock“, die Brasilianer „O Gordo e o Magro“, in den englischsprachigen Ländern heißen sie „Laurel & Hardy“ und im deutschsprachigen Raum „Dick & Doof“. Die Rede ist natürlich von Stan Laurel (1890–1965) und Oliver Hardy (1892–1957), die zu den erfolgreichsten Komikern des 20. Jahrhunderts gehörten. Von 1926 bis 1951 drehten sie zusammen über 100 Filme, darunter „Der zermürbende Klaviertransport“, der 1932 in der damals frisch eingeführten Kategorie „Beste Kurzfilm-Komödie“ den Oscar gewann.

In den 1930er-Jahren gehören Oliver (l.) und Stan zu den erfolgreichsten Komikern der Welt

Erfreulicherweise orientierte sich Drehbuchautor Jeff Pope („Philomena“, 2013) für „Stan & Ollie“ nicht an dem schablonenhaften Aufbau erfolgreicher Filmbiografien, die chronologisch und meist völlig gehetzt die Höhen aus dem Leben einer Persönlichkeit nacherzählen, als Beispiele seien hier „Walk the Line“ (2005) und „Bohemian Rhapsody“ (2017) genannt. Stattdessen konzentriert sich Pope mit Ausnahmen von einigen wenigen Rückblicken auf einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben der beiden Komiker: ihre letzte Tour, die sie 1953 nach Großbritannien führen sollte. Als Vorlage diente ihm dabei das Buch „Laurel & Hardy – The British Tours“ (1993) von A. J. Marriot.

Anfang und Ende des Ruhms

„Stan & Ollie“ startet im Jahr 1937, als Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt sind. Eine knapp fünfminütige, ohne sichtbaren Schnitt gedrehte Kamerafahrt begleitet die Komiker von ihrer Garderobe aus durch ein Filmstudiogelände bis hin zum Set von „Zwei ritten nach Texas“, wo sie schließlich mit Studiochef Hal Roach (Danny Huston) in Streit geraten. Dabei unterhalten sich Stan und Ollie über ihre Exfrauen, über aktuelle Liebschaften, über ihre Finanzen, Pferdewetten und darüber, dass sie mehr Gehalt verhandeln wollen. Der schottische Regisseur John S. Baird („Drecksau“) erzählt diese kleine Einleitung völlig unaufgeregt und effizient, sodass das Publikum gleich ein Gefühl dafür bekommt, wie die zwei befreundeten Arbeitskollegen miteinander umgehen. Wir erhalten gleichzeitig einen kleinen Blick hinter die Hollywood-Kulissen der 30er-Jahre. Schnell wird klar: Oliver ist der Lebemann, der sich an jedem freien Tag mit diversen Frauen und auf Partys vergnügt, während Stan bis tief in die Nacht an neuen Gags arbeitet – dennoch lässt er sich von Oliver überreden, ihn auf einen Bootsausflug zu begleiten, um möglicherweise eine Frau kennenzulernen.

Auf und neben der Bühne sind Stan und Ollie immer für einen Spaß zu haben

Dann erfolgt ein Zeitsprung von 16 Jahren, ins Jahr 1953, wo Stan und Oliver im englischen Newcastle in einer kleinen Herberge einchecken. Die Zeiten haben sich geändert, die Tage des Luxus sind vorbei. „Um ehrlich zu sein, ich dachte sie wären im Ruhestand“, erklärt ihnen die Empfangsdame. „Wir werden älter, aber wir sind noch nicht am Ende“, erwidert Oliver. Die beiden müssen ihre Koffer selbst aufs Zimmer tragen. Auch die Freundschaft von Stan und Oliver hat in der vergangenen Zeit offenbar ein paar Schrammen abbekommen. Fans des Duos kennen den Grund dafür: die Komödie „Zenobia, der Jahrmarktselefant“ (1939), bei dem Ollie seinem langjährigen Partner Stan „untreu“ wurde und stattdessen an der Seite von Harry Langdon vor der Kamera stand. Die Großbritannien-Tour beginnt in kleinen und spärlich gefüllten Theatersälen. Erst als die Komiker einige PR-Termine wahrnehmen, werden die Briten wieder auf das legendäre Paar aufmerksam. Die Tour, bei der auch Stans Ehefrau Ida (Nina Arianda) und Olivers Gattin Lucille (Shirley Henderson) einen Besuch abstatten, wird doch noch ein Erfolg. Stan und Oliver nähern sich langsam wieder aneinander an – doch dann erleidet Oliver einen Schwächeanfall …

Ein magisches Band

Früher liefen die Filme des Komikerduos im Fernsehen rauf und runter. Das ZDF zeigte die zusammengeschnittenen Slapstick-Einlagen ab Mitte der 1970er- bis Anfang der 80er-Jahre im Vorabendprogramm. Ob die Kinder heutzutage „Dick und Doof“ noch kennen? Auf jeden Fall werden sich alte Fans schnell durch das Biopic an diese unbeschwerten TV-Stunden zurückerinnern. Jon S. Baird gelang eine warmherzige Liebeserklärung und gleichzeitig Hommage an die beiden Schauspieler, die von John C. Reilly und Steve Coogan hervorragend verkörpert werden. Zeitweise vergisst man fast, dass hier nicht die echten Komiker zu sehen sind. Neben der perfekt imitierten Mimik und Gestik, hat besonders die Make-up-Abteilung ganze Arbeit geleistet, um Reilly in den fülligen Oliver Hardy zu verwandeln. Für seine Leistung erhielt er eine Nominierung für den Golden Globe.

Lucille (l.) und Ida besuchen ihre Ehemänner auf der Tour

Reilly und Coogan dürfen natürlich auch einige bekannte Scherze aufführen, etwa die vertauschte Melone oder ein Krankenbesuch, bei dem Patient Ollie durch Stans Tollpatschigkeit ständig ein schweres Gewicht auf den Kopf kracht. So leicht ist es, die Leute zum Lachen zu bringen. Doch Baird zeigt auch, dass diese Leichtigkeit harte Arbeit war und Stan und Ollie ein perfekt eingespieltes Team waren. Selbst in der Öffentlichkeit führen sie ihre Comedy-Routinen immer wieder auf, um den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Dass die zwei Komiker mehr als Arbeitskollegen waren, beweist auch die Tatsache, dass Stan nach Ollies Tod 1957 trotz einiger Angebote keine einzige Filmrolle mehr annahm. Die beiden waren ziemlich beste Freunde, die ein magisches Band zu verbinden schien.

Küss die Hand, werte … Dame?!

Es geht im Biopic zwar größtenteils harmonisch zu, doch die Probleme, die beide Stars mit dem Älterwerden und dem nahenden Ende ihrer Karriere hatten, werden zwischen den Zeilen angedeutet. So versucht Stan einen Filmproduzenten erfolglos davon zu überzeugen, dass er gemeinsam mit Ollie einen neuen „Robin Hood“-Film drehen will. Die Zeit von „Laurel & Hardy“ ist Anfang der 1950er-Jahre vorbei. Sie passen nicht mehr ins Hollywood-System. Und dies vermittelt „Stan & Ollie“ auf liebevoll-wehmütige Weise.

Komische Liebesgeschichte im Mediabook

capelight pictures würdigt die Komiker mit einer großartig ausgestatteten Mediabook-Edition von „Stan & Ollie“. Auch auf der einzeln erhältlichen Blu-ray beziehungsweise DVD befindet sich unter anderem der komplette Film „Der zermürbende Klaviertransport“ als Extra, doch nur im Mediabook finden sich ein ausführlicher Text von Jenny Jecke über die zeitlose Faszination des Duos sowie die 105 Minuten lange Dokumentation „Laurel and Hardy – Die komische Liebesgeschichte von ,Dick & Doof‘“ in HD des deutschen Regisseurs Andreas Baum, die 2012 bereits von Studiocanal auf DVD in der 92-minütigen-TV-Fassung veröffentlicht wurde und von FunFactoryFilms in der hier vorliegenden „Director’s Cut“-Version erschienen ist. Zusammen mit dem wunderbaren Film ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Wer danach immer noch nach Lesestoff über die beiden Komiker giert, möge sich die noch lieferbare #10 der online bestellbaren Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ zulegen. Die Titelgeschichte der Ausgabe widmet sich US-Filmkomikern, der Beitrag über Laurel und Hardy stammt von „Die Nacht der lebenden Texte“-Blogbetreiber Volker.

Bei ihrer Ankunft in Irland werden Stan und Ollie von den Massen gefeiert

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Steve Coogan und John C. Reilly haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. September 2019 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray, DVD & Bonus-Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Stan & Ollie
GB/KAN/USA 2018
Regie: Jon S. Baird
Drehbuch: Jeff Pope, inspiriert von dem Buch „Laurel & Hardy – The British Tours“ von A. J. Marriot
Besetzung: Steve Coogan, John C. Reilly, Shirley Henderson, Nina Arianda, Rufus Jones, Danny Huston, Joseph Balderrama, John Henshaw
Zusatzmaterial: Im Gespräch mit Regisseur Jon S. Baird, Shirley Henderson, Steve Coogan und John C. Reilly, Featurettes: „Die Prothesen“ & „Die Beziehung“, Kurzfilm: „Der zermürbende Klaviertransport“ (1932), Kinotrailer, nur Mediabook: „Laurel and Hardy – Die komische Liebesgeschichte von ,Dick & Doof‘“ (Director’s Cut, 105 Min., HD, mit dt. Tonspur), 24-seitiges Booklet mit einem Text von Jenny Jecke
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Packshot & Trailer: © 2019 capelight pictures

 

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Brian De Palma (V): Die Verdammten des Krieges – Wenn Moral keine Rolle mehr spielt

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Casualties of War

Von Andreas Eckenfels

Kriegsdrama // Bereits als er im Oktober 1969 David Langs Reportage „Casualties of War“ im US-Magazin „The New Yorker“ gelesen hatte, wollte Brian De Palma diese Geschichte verfilmen. Doch wie der Regisseur im Making-of berichtet, war zu dieser Zeit der Vietnamkrieg in vollem Gange; selbst viele Jahre danach sei es noch ein Ding der Unmöglichkeit gewesen, Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten zu zeigen.

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Soldat Eriksson ist seit drei Wochen in Vietnam

Welches Skandalpotenzial dem Stoff innewohnt, musste Regisseur Michael Verhoeven erfahren. Er stellte 1970 die Ereignisse von Langs Artikel unter anderem mit Eva Mattes und Rolf Zacher im bayerischen Wald nach. Die daraus entstandene Kriegsparabel „o.k.“ sollte auf der Berlinale 1970 uraufgeführt werden. Doch die Jury geriet über Verhoevens Werk so sehr in Streit, dass sie sich schließlich auflöste und das Filmfestival nach zahlreichen Protesten sogar abgebrochen werden musste.

Erst in den 80er-Jahren begann zunehmend die filmische Aufarbeitung des amerikanischen Kriegstraumas in all seinen dunklen Facetten. Nach den Erfolgen von Oliver Stones „Platoon“ (1986) und Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987) durfte De Palma das einstige Tabuthema 1989 endlich verfilmen.

Entführung aus Frust

Eriksson (Michael J. Fox) ist zwar erst seit drei Wochen in Vietnam im Einsatz, der junge Soldat hat in der kleinen Aufklärungspatrouille unter Führung von Sergeant Meserve (Sean Penn) aber schon einiges erlebt. In einer Grube gefangen, rettet ihm sein Vorgesetzter in letzter Sekunde das Leben, bevor ihn ein Vietcong erwischen kann. Bei einem Überraschungsangriff wird Erikssons Kamerad Brown (Erik King) schwer verwundet. Als Meserve seinen Männern berichten muss, dass Brown gestorben ist, beschließen sie, in der nächsten Bar Ablenkung zu finden. Doch daraus wird nichts: Das Dorf darf nicht betreten werden.

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Schöner Schein des Krieges

Frustriert hat Meserve eine andere Idee, die bei Clark (Don Harvey) und Hatcher (John C. Reilly) sofort auf Zustimmung trifft. Eriksson und Diaz (John Leguizamo) hingegen glauben nicht daran, dass der Sergeant wirklich eine Frau aus einer Hütte entführen will. Doch trotz heftiger Proteste von Eriksson nehmen seine Kameraden tatsächlich eine junge Vietnamesin (Thuy Thu Le) als Geisel. Der Trupp nimmt sie mit in den Dschungel; misshandelt und vergewaltigt sie. Nur Eriksson weigert sich standhaft mitzumachen und versucht der Frau zur Flucht zu verhelfen.

Aus Freunden werden Feinde

Anders als etwa Oliver Stone hat De Palma die Hölle von Vietnam nicht hautnah miterlebt. Aber auch ohne diese Erfahrungswerte hat der Regisseur ein aufwühlendes Kriegsdrama geschaffen, welches schonungslos zeigt, wie junge Männer unter extremen Umständen alle moralischen Werte über Bord werfen und zu Monstern mutieren. Clark und Hatcher sehen die Schändung einer Frau in Kriegszeiten als durchaus legitim an. Das gehöre zum Soldatenleben dazu. Auch Meserve sieht es so, dass die Vietnamesin die Moral seiner Männer hebt. Er will nur das Beste für seine Truppe.

Wenn man jede Sekunde sterben kann, spielt Ethik keine Rolle mehr. Von dem Gruppenzwang lässt sich der „Spielverderber“ Eriksson allerdings nicht beeinflussen. Er will sein reines Gewissen bewahren und kann bei dieser Ungerechtigkeit einfach nicht wegschauen. So werden die Freunde schnell zu Feinden.

Naturgewalt Sean Penn

Das Dilemma, in dem Eriksson steckt, kann Michael J. Fox nicht immer glaubhaft rüberbringen. Für den „Zurück in die Zukunft“-Star war „Die Verdammten des Krieges“ die erste Rolle in einem ernsthaften Film. Sein Milchbubi-Gesicht passt natürlich gut zu dem jungen Soldaten, aber gegenüber der beängstigenden schauspielerischen Naturgewalt von Sean Penn kann er nur verlieren. Warum die in Saigon geborene Thuy Thu Le keine weiteren Filme gedreht hat, ist nicht bekannt. Ihre Darstellung der traumatisierten Frau ist außergewöhnlich authentisch und macht ihr Leid für alle Zuschauer spürbar. John C. Reilly feierte in dem Kriegsdrama sein Schauspieldebüt.

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Sergeant Meserve (l.) flößt Eriksson Angst ein

De Palma setzt auch in „Die Verdammten des Krieges“ einige klassische Suspense-Momente ein, wie sie aus seinen Thrillern bekannt sind. Wenn Eriksson in der Grube festsitzt, schwenkt die Kamera nach unten. Nur der Zuschauer weiß, dass sich unter der Erde ein Gang der Vietcong befindet. Ein Feind robbt langsam mit einem Messer bewaffnet an Erikssons in der Luft hängende Beine heran, während der Soldat oben um Hilfe ruft. Auch wird ein Angriff auf Eriksson aus der Egoperspektive gezeigt. Wie im Giallo-Genre ist dabei nur die Hand des Täters zu sehen, die langsam eine Granate in die Baracke legt, in der sich das Opfer gerade befindet.

Das Thema bleibt aktuell

Zwar ist die Verfilmung der wahren Ereignisse mitunter etwas reißerisch geraten und der Golden-Globe-nominierte Panflöten-Score von Ennio Morricone steht häufig etwas zu stark im Vordergrund. Dennoch entwirft De Palma mit seinem Kriegsdrama ein erschreckendes Bild der stolzen US-Armee, das damals wie heute schockiert. Wie viele andere ähnliche Kriegsgräuel sind geschehen und wurden von den Vorgesetzten unter den Teppich gekehrt?

Bei dem abschließenden Gerichtsprozess, hat es De Palma mit den wahren Urteilen nicht so genau genommen. Über die Schicksale klärt der Abspann auf. Einige Jahre später hat sich der Filmemacher mit dem Drama „Redacted“ erneut mit Vergewaltigung in Kriegszeiten auseinandergesetzt. Das Thema bleibt also leider immer aktuell.

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Der Wahnsinn ist dem Sergeant ins Gesicht geschrieben

Auf der Collector’s Edition ist auf zwei Blu-rays sowohl die Kino- als auch die Extended Version enthalten. Letztgenannte läuft etwa fünf Minuten länger und beinhaltet zwei erweiterte Szenen während des Prozesses. Wie bei der DVD liegen diese auf der Blu-ray nicht synchronisiert vor, sondern sind im Original belassen und deutsch untertitelt worden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Brian De Palma haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Sean Penn und John C. Reilly unter Schauspieler.

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Eriksson wird im Gerichtsprozess auseinandergenommen

Veröffentlichung: 1. Dezember 2016 als Collector’s Edition (2 Blu-rays), 5. Februar 2002 als DVD (Kinocut), 7. März 2006 als DVD (Extended Cut)

Länge: 114 Min. (Blu-ray, Kinocut), 119 Min. (Blu-ray, Extended Cut), 109 Min. (DVD, Kinocut), 115 Min. (DVD, Extended Cut)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Casualties of War
USA 1989
Regie: Brian De Palma
Drehbuch: David Rabe basierend auf dem Buch „Casualties of War“ von Daniel Lang
Besetzung: Michael J. Fox, Sean Penn, Don Harvey, John C. Reilly, John Leguizamo, Thuy Thu Le, Erik King, Ving Rhames, Wendell Pierce
Zusatzmaterial: Eriksson’s War: Interview mit Michael J. Fox, Trailer, Bildergalerie, Deleted Scenes, Making-of
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 explosive media

 

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Das Märchen der Märchen – Es war einmal …

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Tale of Tales

Von Andreas Eckenfels

Fantasy // Das Pentameron gilt als eine der bedeutendsten Märchensammlungen des 17. Jahrhunderts. Das Hauptwerk des italienischen Schriftstellers Giambattista Basile (1575–1632) wurde um 1636 posthum von dessen Schwester Adriana unter dem Titel „Das Märchen der Märchen“ veröffentlicht. Die Gebüder Grimm übersetzten Anfang des 19. Jahrhunderts einige der insgesamt 50 Erzählungen und trugen somit maßgeblich dazu bei, dass das Werk auch außerhalb der Grenzen Italiens Bekanntheit erfuhr.

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Der König und die Königin von Longtrellis wollen sich endlich ihren Kinderwunsch erfüllen

Für sein englischsprachiges Spielfilmdebüt wählte der italienische Regisseur Matteo Garrone („Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“) drei Geschichten aus dem Pentameron aus:

„Die bezauberte Hirschkuh“ erzählt vom König (John C. Reilly) und der Königin (Salma Hayek) von Longtrellis. Da ihr Kinderwunsch unerfüllt bleibt, soll die Königin das Herz eines Seeungeheurs verspeisen, welches von einer Jungfrau zubereitet werden muss. Das Experiment gelingt, mit ungeahnten Folgen …

In „Der Floh“ ist ein König (Toby Jones) so vernarrt in einen Floh, dass er ihn im Geheimen großzieht. Als das Ungetüm stirbt, lässt er es häuten. Wer das Tier anhand seiner Haut erkennt, erhält die Hand seiner Tochter Violet (Bebe Cave). Als ein menschenfressender Riese als einziger das Rätsel löst, ist Violet über ihren Gemahl nicht gerade begeistert…

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Prinzessin Violet soll verheiratet werden – wer kann das Rätsel des Königs lösen?

Die dritte Geschichte, „Die entdeckte Alte“, handelt von zwei alten Schwestern, die in einem Haus abgeschottet von der Außenwelt leben. Als sich ein König (Vincent Cassel) unsterblich in die Stimme einer der Schwestern verliebt, will er sie unbedingt haben. Doch als er erst in einer Liebesnacht ihre wahre Gestalt erkennt, lässt er die Alte kurzerhand aus dem Fenster schmeißen. Sie überlebt, eine Fee verwandelt sie in eine junge Schönheit, die der König bald heiratet. Doch der Zauber hält nicht ewig.

Märchen für Erwachsene

Schönheit und Grauen gehen in „Das Märchen der Märchen“ eine unheilvollbare Verbindung ein. Liebe und Leid liegen im Märchen eben eng beisammen und sorgen somit für das perfekte Ambiente für fantasievolle Horrorunterhaltung.

Da beißt Salma Hayek als Königin genüßlich in das riesige Seeungeheuerherz; ihr Gesicht ist danach blutverschmiert, fast zur Fratze verkommen. Violet greift zum Messer, um sich gegen ihren Riesen zur Wehr zu setzen und Vincent Cassel gibt sich als König hemmungslos der Vielweiberei hin. Man merkt schon: Trotz der FSK-12-Freigabe sollte man seinen Kleinen die Märchenstunde auf keinen Fall zumuten. Denn in den italienischen Märchen gibt es nur selten ein Happy End.

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Ein Königreich für einen Finger!

Grimmig und blutig sind nicht nur die Geschichten, sondern auch die prächtige barocke Ausstattung, Kostüme und das Make-up. Garrones Bilder reichen zwar nicht an die wunderschönen Kompositionen von Tarsem Singhs ebenfalls märchenhaftem „The Fall“ heran, sind aber dennoch eine Augenweide.

Wo bleibt die Moral von der Geschicht‘?

Trotz dieser Bildgewalt lassen die drei Märchen den Zuschauer recht gleichgültig zurück, sie wirken fremdartig und kalt – da kann auch der internationale Starcast nicht helfen. Warum verwebt Garrone alle drei Märchen ineinander, statt sie nacheinander zu erzählen und ihnen eine ordentliche Rahmenhandlung zu geben?

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Wie von Zauberhand: Aus alt mach jung

Eine „Moral von der Geschicht‘“ fehlt, auch ein Karthasismoment will sich nicht einstellen, da die Märchen noch nicht einmal wirklich zu Ende erzählt werden. Mitgefühl mit den gepeinigten, bösen oder missgestalteten Figuren bleibt aus. So bleibt man nach dieser albtraumhaften Märchenstunde recht ratlos zurück. Ein anderer Regisseur mit mehr Erfahrung im Fantastischen hätte sicher mehr Zauber aus dem Material entfachen können, statt nur eine Ansammlung grotesker Bilder und Figuren darzubieten.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John C. Reilly haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Der Riese und Violet – gab es je ein glücklicheres Paar?

Veröffentlichung: 10. März 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 134 Min. (Blu-ray), 127 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch
Originaltitel: Tale of Tales
IT/F/GB 2015
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso
Besetzung: Salma Hayek, John C. Reilly, Vincent Cassel, Toby Jones, Stacy Martin, Alba Rohrwacher, Shirley Henderson, Bebe Cave
Zusatzmaterial: Making-of, Interviews, Blick hinter die Kulissen, deutscher Kinotrailer, Original Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Concorde Home Entertainment

 

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