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Horror für Halloween (XIX): Zombies – Die aus der Tiefe kamen: Untote SS-Einheit taucht in der Karibik auf

Shock Waves

Von Volker Schönenberger

Horror // In diesem kruden Horror- und Zombiefilm-Subgenre der Nazi-Zombies haben „Dead Snow“ (2009) und dessen Fortsetzung „Dead Snow – Red vs. Dead“ (2014) die Messlatte zuletzt sehr hoch gelegt. Können die älteren Vertreter da mithalten? „Shock Waves“ von 1977, hierzulande auch unter dem Titel „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ vermarktet, hat mit dem aus zahlreichen Hammer-Film-Produktionen wie „Dracula“ (1958) und „Frankensteins Ungeheuer“ (1964) bekannten Peter Cushing immerhin einen erfahrenen Horrorfilm-Veteranen in der Besetzung.

Unbesiegbare SS-Einheiten

Eine Stimme aus dem Off suggeriert mit einem Bericht aus dem Zweiten Weltkrieg zu Beginn von „Shock Waves“ Authentizität: Gegen Ende des Krieges tauchten in den Kampfmeldungen alliierter Truppenverbände immer häufiger Berichte über SS-Einheiten auf, die ohne Waffen, mit bloßen Fäusten, selbst Panzer angriffen und vernichteten. Sie machten keine Gefangenen. Töteten und zerstören alles, was ihnen in die Hände fiel, und verschwanden nach jedem Einsatz wieder spurlos, als ob sie sich in Nichts aufgelöst hätten. Um diese SS-Truppen rankten sich bald Legenden. Man sprach von Killerspots, Kampfrobotern, Todesschwadronen, Kamikazefightern. Sie schienen unverwundbar zu sein und übernatürliche Kräfte zu besitzen. Wo sie auftauchten, verbreiteten sie Angst und Schrecken. Den Alliierten gelang es nie, einen Angehörigen dieser Einheiten zu fangen. Und da nach Kriegsende Nachforschungen ohne Erfolg blieben, wurden die Kampfberichte der alliierten Kommandeure als aus der Hektik des Augenblicks geborene übertriebene Feindmeldungen abgetan und gerieten in Vergessenheit.

Schiffbruch vor der Insel des Grauens

Dies erfahren wir über einem in Schwarz-Weiß gehaltenen Standbild von Soldaten, was dem Ganzen einen nachrichtlichen Charakter verleiht. Im Anschluss setzt die Handlung in der Karibik der Gegenwart ein: Die junge Rose (Brooke Adams, „Dead Zone“) wird als Schiffbrüchige in einem Beiboot treibend aus der See gerettet. Sie erinnert sich mit Schrecken an die Ereignisse, die sich dem Publikum als Rückblende entfalten. Das mag nicht jedem gefallen, ahnt man so doch von vornherein, dass sie die einzige Überlebende ihrer Schar sein wird. Ich mag diese Klammerhandlungen aber ganz gern, und sie wird am Schluss konsequent und mit einer schönen Einstellung zu Ende geführt – achtet darauf, was die Gute in ihr Tagebuch schreibt! Jedenfalls gehört Rose zu einer Schar Touristen, die auf einem betagten Kutter mit einem ebenso betagten Skipper (John Carradine) eine Kreuzfahrt unternehmen. Ein sonderbares Naturphänomen verändert kurzzeitig das Sonnenlicht, es scheint ein Seebeben zu geben. Nachdem das Schiff des Nachts beinahe von einem Frachter versenkt wurde, strandet die kleine Gesellschaft auf einer einsamen Insel, wo sie ein baufälliges Hotel entdeckt – und einen alten Mann (Peter Cushing), der ihnen bedeutet, sie müssten die Insel schleunigst wieder verlassen.

In der Rückschau wirken die Sequenz mit dem erwähnten Naturphänomen und dem vermeintlichen oder tatsächlichen Seebeben fast wie ein Dimensionswechsel – der Übertritt von der realen Welt der Karibik-Kreuzfahrten in ein surreales Universum, in welchem sich Nazi-Zombies tummeln. Visuell wird dies im Verlauf aber nicht weiter umgesetzt, also mag diese Deutung ein Hirngespinst sein. Reizvoll macht sie den Film allemal.

Runter vom Index

Einstmals indiziert, ist die ungeschnittene Fassung von „Shock Waves“ mittlerweile mit einer Altersfreigabe ab 16 Jahren versehen. Wer statt billiger Horrorstreifen üblicherweise herkömmliche Mainstream-Filme schaut, wird sich bei unfallbedingter Sichtung von „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ womöglich am Kopf kratzen. Die Touristen irren über die Insel, und bald steigen ein paar blonde Zombies in SS-Uniformen aus dem Wasser und jagen die Unglücklichen. Viel mehr wird nicht geboten. Diesen Untoten geht es nur darum, ihre Opfer ins Jenseits zu befördern, Hunger auf Menschenfleisch plagt sie nicht. Daher geht es recht unblutig zu, denn als ans Wasser gewöhnter Zombie kann man seine Beute auch einfach ersäufen. Die Masken- und Make-up-Abteilung von „Shock Waves“ hatte entsprechend wenig zu tun, die Nazi-Zombies bekamen lediglich in Verwesung begriffene Gesichter verpasst. Dafür, dass sie jahrzehntelang unter Wasser ausharrten, sind sie erstaunlich gut erhalten, aber immerhin handelt es sich ja quasi um Übermenschen. Sie stapfen allerdings lieber durchs Wasser, statt am Ufer entlangzugehen – vermutlich dem Gewöhnungseffekt geschuldet. Würden wir Ewigkeiten im Wasser lauern, ginge es uns am Ende ähnlich.

Fünf Drehtage für Peter Cushing

Wer das für etwas trashig hält, liegt richtig. Die Billigproduktion wurde 1975 in Florida gedreht, als Wrack eines Frachtschiffs dienten Bilder der 1926 vor den Bahamas auf Grund gelaufenen „SS Sapona“, wobei das „SS“ nicht für die „Schutzstaffel“ der Nazis steht, sondern „Steam Ship“ (Dampfschiff) bedeutet. Ob sich Peter Cushing bei den Dreharbeiten fragte, in was für einen Film er da wohl hineingeraten ist? Als Stammschauspieler für Hammer Films war er immerhin etwas stilvollere Produktionen gewohnt. Seinen Part spielt er routiniert herunter, er liefert sicher keine Glanzleistung, ragt damit aber immer noch aus seinen Kolleginnen und Kollegen bei „Shock Waves“ hervor. Fünf Drehtage kostete ihn das dem Vernehmen nach, ebenso den zweiten namhaften Schauspieler im Cast: John Carradine („Früchte des Zorns“). Beide haben keine gemeinsamen Szenen.

Trotz der Mängel und der simplen Story ohne Wendungen hat mir „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ Spaß bereitet. Sind meine Sehgewohnheiten etwa schon so arg in die Niederungen der Filmgeschichte abgedriftet? Ach was, es muss nicht immer Hochkultur sein! Auch wenn es gelegentlich etwas albern wirkt, wenn die SS-Leute aus dem Wasser auftauchen (und ihre Uniformen zügig trocknen), so wartet der auf 16mm gedrehte Film doch mit Atmosphäre auf. Der Score trägt das Seine dazu bei.

Als bekannteste Arbeit von Regisseur Ken Wiederhorn dürfte „Die Rückkehr der Höllenzombies“ („Return of the Living Dead – Part II“) von 1988 durchgehen. „Shock Waves“ markiert sein Langfilm-Regiedebüt nach einem Kurzfilm. Nach insgesamt sechs langen Spielfilmen wechselte er Ende der 1980er zum Fernsehen. Seine Karriere als Filmemacher kam vor der Jahrtausendwende zum Erliegen.

Deutsche Synchronisation nimmt sich Freiheiten

Die deutsche Synchronisation geht recht frei mit den Originaldialogen um, was mir aufgefallen ist, als ich der englischsprachigen Fassung deutsche Untertitel zuschaltete. Wenn man den Dialog „Did you hear that?“ „Be Quiet!“ hört und gleichzeitig „Was ist denn das für ein komisches Geräusch?“ „Ein Seebeben.“ liest, befremdet das schon ein wenig.

X-Rated hat „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ als 25. Teil seiner „Eurocult Collection“ veröffentlicht. Die Mediabooks sind ansprechend gestaltet, der üppige Booklet-Text vom erfahrenen Christoph N. Kellerbach ergänzt das Gesehene optimal. Wir erfahren im ersten Kapitel einiges über die Anfänge des Nazi-Zombie-Subgenres, im zweiten präsentiert uns der Autor seine Interpretation und Wertung von „Shock Waves“, dies sollte erst nach erfolgter Sichtung des Films gelesen werden. Zwei weitere Kapitel widmet Kellerbach Nazi-Zombies der 80er-Jahre sowie aktuellen Filmen. Wer tiefer ins Genre einsteigen will, dem steht mit diesem Booklet-Text eine schöne Fundgrube zur Verfügung.

Jess Francos „Oase der Zombies“ als Bonus

Größtes Extra des Mediabooks: Jess Francos noch trashigerer Nazi-Zombiefilm „Oase der Zombies“ von 1982. Wenn man darüber hinwegsieht, dass wir es mit einem eher langweilig und talentlos inszenierten Machwerk zu tun haben, ist ein vollständiger Film als Bonus natürlich äußerst lobenswert. Und da der verstorbene spanische Regisseur seine Fans hat, wird es auch Filmgucker geben, die trotz meiner abfälligen Meinung Gefallen daran finden. Bei Interesse lest meine Rezension von „Oase der Zombies“!

Insgesamt stellt das Mediabook eine schöne Veröffentlichung dar, auch wenn Bild- und Ton ein klein wenig mehr Politur gut vertragen hätten. Aber vielleicht ist die Patina von vier Jahrzehnten bei einem Streifen wie „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ auch nicht verkehrt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. November 2016 unter dem Titel „Die Schreckensmacht der Zombies“ als limitierte 2-Disc „Platinum Cult Edition“ (Blu-ray & DVD), 5. September 2016 als Blu-ray im limitierten 2-Disc Edition Mediabook (mit drei Covervarianten à 444, 666 und 333 Exemplare), 16. November 2012 unter dem Titel „Nazi Blood Storm“ als DVD, 30. Januar 2003 als DVD

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Shock Waves
Alternativtitel: Die Schreckensmacht der Zombies / Nazi Blood Storm / Shock Waves – Die aus der Tiefe kamen / Death Corps
USA 1977
Regie: Ken Wiederhorn
Drehbuch: John Kent Harrison, Ken Wiederhorn
Besetzung: Peter Cushing, John Carradine, Brooke Adams, Fred Buch, Jack Davidson, Luke Halpin, D. J. Sidney, Don Stout, Clarence Thomas
Zusatzmaterial Mediabook: Audiokommentar von Regisseur Ken Wiederhorn, Assistent und Setfotograf Fred Olen Ray, Make-up-Effektmacher Alan Ormsby (Englisch mit deutschen Untertiteln), Making-of inklusive Interviews mit Produzent Reuben Trane, Komponist Richard Einhorn und Hauptdarstellerin Brooke Adams sowie Darsteller Luke Halpin am Set (Englisch mit deutschen Untertiteln), alternative Vor- und Abspänne, Bildergalerien, 2 Radio-Spots, TV-Spot, deutscher Trailer, Originaltrailer, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Christoph N. Kellerbach, Bonus-Blu-ray mit „Oase der Zombies“
Label/Vertrieb Mediabooks: X-Rated
Label/Vertrieb Platinum Cult Edition: VZ-Handelsgesellschaft mbH (Digi-Dreams-Studios)
Label/Vertrieb DVD 2012: Savoy Film (Intergroove)
Label/Vertrieb DVD 2003: Marketing-Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Die Schreckenskammer des Dr. Thosti – Stelldichein der Genre-Ikonen

The Black Sleep

Von Andreas Eckenfels

Horror // Jede Rache – und sei sie noch so eiskalt serviert – nimmt einmal ein Ende. Und so schließt jetzt auch „Die Rache der Galerie des Grauens“ mit dem zehnten Titel die letzte Lücke der prall gefüllten Box. Die dritte Staffel der beliebten „Galerie des Grauens“-Reihe von Anolis Entertainment hatte wieder eine Vielzahl von Schauergeschichten, Kuriositäten und Entdeckungen zu bieten. Mit „Der Fluch des Dämonen“ und „Schrei, wenn der Tingler kommt“ gab es echte Highlights, positiv blieben außerdem „Angriff der Riesenkralle“ und „Der 27. Tag“ in Erinnerung. Zudem warf man mit „Das Grauen schleicht durch Tokio“ und „Krieg im Weltenraum“ erstmals den Blick nach Fernost, um zu zeigen, dass die asiatischen Filmstudios in den 1950er-Jahren im Bereich Science-Fiction und Horror auch nicht untätig waren.

Dr. Ramsay soll wegen Mordes gehängt werden

Zum Finale präsentiert uns Anolis Entertainment mit „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ einen etwas konfus erzählten Vertreter der Mad-Scientist-Thematik, der mit einer illustren Darstellerriege glänzt: Mit unter anderem Basil Rathbone, Lon Chaney Jr. und Bela Lugosi bietet die Bel-Air-Produktion von Regisseur Reginald Le Borg ein Stelldichein der Genre-Ikonen. Wie Regisseur Joe Dante im Bonusmaterial berichtet, besitzt der für 225.000 US-Dollar produzierte Film einen etwas zweifelhaften Ruf: In den USA wurde er 1956 zunächst im Doppelprogramm zusammen mit „Schock – The Quartermass Xperiment“ aufgeführt. Während einer Vorstellung sei irgendwo im Mittleren Westen der USA ein Kind im Kinosaal gestorben – allerdings sicherlich nicht aufgrund seiner Filmauswahl, wie Dante betont.

Doch Dr. Thosti (l.) rettet den Sträfling – fortan unterstützt ihn Dr. Ramsay bei dessen Hirnforschungen

In Deutschland kam der im Original „The Black Sleep“ benannte Film am 29. November 1957 in die Kinos. Was sich der Verleih allerdings beim Titel dachte, lässt stutzig werden. Ein Dr. Thosti kommt in der englischen Fassung überhaupt nicht vor. Basil Rathbones Figur heißt in der Originalfassung Sir Joel Cadman. Warum man sich für eine Namensänderung entschied, kann nur gemutmaßt werden: Lag es vielleicht daran, dass man auf den wenige Jahre zuvor veröffentlichten „Das Kabinett des Professor Bondi“ (1953) mit Vincent Price, dem Remake von Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts, anspielen wollte und deshalb einen ähnlich klingenden Namen für die Hauptfigur wählte?

Der schwarze Schlaf

London, 1872: Dr. Gordon Ramsay (Herbert Rudley) sitzt als mutmaßlicher Mörder in der Todeszelle des Newgate-Gefängnisses. Kurz vor seiner Hinrichtung bekommt der Chirurg überraschend Besuch von seinem Kollegen Dr. Thosti (Basil Rathbone), der ihm ein Angebot macht, das er nicht ablehnen kann: Durch eine Droge, die Dr. Thosti „Der schwarze Schlaf“ nennt, will er Dr. Ramsay in einen todesähnlichen Zustand versetzen, um ihn auf diese Weise vor dem Galgen zu bewahren. Im Gegenzug soll Dr. Ramsay ihn mit seinem Wissen bei dessen Gehirnforschungen unterstützen.

Mungo (M.) ist eines der menschlichen Versuchskaninchen

Dr. Ramsay willigt ein. Das Mittel zeigt Wirkung. Der vermeintliche Leichnam wird Dr. Thosti überlassen, welcher Dr. Ramsay wieder ins Leben zurückholt. In Dr. Thostis Anwesen, einem ehemaligen Kloster, tummeln sich außer der jungen Laurie (Patricia Blair) und der Krankenschwester Daphne (Phyllis Stanley) auch der stumme Diener Casimir (Bela Lugosi) und der aggressive Patient Mungo (Lon Chaney Jr.). Wie Dr. Ramsay bald feststellt, ist Mungo nicht das einzige menschliche Versuchskaninchen, welches Dr. Thosti für seine skrupellosen Experimente am lebenden Objekt unter das Messer genommen hat. Denn Dr. Thosti verfolgt mit seinen Forschungen rein private Interessen …

Der letzte Film von Bela Lugosi

Die namhaften Darsteller haben fraglos schon bessere Zeiten gesehen, was sich aber eigentlich nur rein äußerlich bemerkbar macht und sich nicht auf den fertigen Film auswirkt. Die Altstars sind zwar nicht mehr mit voller Leidenschaft bei der Sache, wissen aber genau, was von ihnen verlangt wird und was sie zeigen müssen. Für Bela Lugosi war es das letzte vollendete Werk vor seinem Tod 1956. Wie Ingo Strecker im Booklet-Text berichtet, hatte er den gebürtigen Österreicher Reginald Le Borg darum gebeten, einige Dialogszenen zu erhalten. Seinem Wunsch wurde entsprochen, die abgedrehten Szenen fanden aber später keine Verwendung. Zudem erinnert sich Le Borg, dass es zwischen Lugosi und Lon Chaney Jr. immer wieder zu Zankereien am Set kam. Die Rivalitäten stammten wohl noch aus alten gemeinsamen Universal-Tagen, als das Studio beschloss, den „Ur-Dracula“ Lugosi durch Chaney Jr. zu ersetzen. Die beiden Streithähne konnten laut dem Regisseur während des Drehs nur schwer voneinander getrennt werden.

Casimir (r.) kann nur stumm zusehen, wie Odo (M.) Dr. Thosti bei dessen dunklen Machenschaften unterstützt

Basil Rathbone gehört zu den wenigen Schauspielern, die eine Produktion allein schon aufgrund ihres reinen Präsenz adeln. Dies gelingt im klassischen Gruselfilm sonst vielleicht noch Vincent Price, Christopher Lee und Peter Cushing. Ihnen und dem „Sherlock Holmes“-Darsteller wohnt eine würdevolle Aura inne, der man sich schwer entziehen kann. So verleiht Rathbone auch hier mit einer gewissen Ernsthaftigkeit als Dr. Cadman beziehungsweise Dr. Thosti dem Film den nötigen Glanz. Neben den drei genannten Stars wurden weitere bekannte Darsteller verpflichtet, die Genre-Freunden ein Begriff sind: John Carradine („The Howling – Das Tier“) und Tor Johnson („Plan 9 aus dem Weltall“). Zum Ensemble gesellen sich auch Herbert Rudley („Der Herrscher von Kansas“) sowie der zweifach für den Oscar nominierte Akim Tamiroff („Wem die Stunde schlägt“) – er spielt die Rolle des Leichenbeschaffers Odo, die ursprünglich für Peter Lorre angedacht war.

Der Schmalz quillt aus dem Hirn

Sie alle tragen dazu bei, dass „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ nach einem redseligen Einstieg und trotz inhaltlicher Schwächen ein ansehnliches B-Movie geworden ist. Le Borg hält die Beweggründe, warum der Arzt seine moralischen Werte über Bord geworfen hat, lange im Dunklen. Ihm gelingen einige interessante Einstellungen, wie etwa Dr. Ramsays „Auferstehung“ aus dem Sarg oder die Angriffe von Mungo, die aus der Ego-Perspektive gedreht wurden. Für die damalige Zeit gibt es außerdem eine recht drastisch anzusehende Gehirn-Operation zu sehen. Damit der Hirnschmalz auch authentisch aus dem Hirn quillt, wurde für die Aufnahmen extra ein echter Neurochirurg als technischer Berater hinzugezogen. Am Ende, wenn die Schreckenskammer schließlich geöffnet wird, wird noch eine etwas zu kurz geratene Geisterbahnfahrt geboten, bei der auch die Maskenbildner ordentlich zu tun hatten. Davon hätte man gern mehr gesehen.

Somit ist „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ ein mehr als würdiger Abschluss der dritten „Galerie des Grauens“-Box. Laut Anolis Entertainment soll die Reihe Ende des Jahres auch in die vierte Runde gehen. Dann wird uns voraussichtlich „Der Fluch der Galerie des Grauens“ treffen. Wir freuen uns drauf!

Die Filme der Anolis-Reihe „Die Rache der Galerie des Grauens“:

01. Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon / Curse of the Demon, 1957)
02. Planet der toten Seelen (War of the Satellites, 1958)
03. Schrei, wenn der Tingler kommt (The Tingler, 1959)
04. Ausgeburt der Hölle (The Beast with a Million Eyes, 1955)
05. Im Sumpf des Grauens (The Alligator People, 1959)
06. Das Grauen schleicht durch Tokio (Bijo to ekitai ningen, 1958)
07. Angriff der Riesenkralle (The Giant Claw, 1957)
08. Krieg im Weltenraum (Uchû daisensô, 1959)
09. Der 27. Tag (The 27th Day, 1957)
10. Die Schreckenskammer des Dr. Thosti (The Black Sleep, 1956)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lon Chaney Jr. und Bela Lugosi sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Die Schreckenskammer des Dr. Thosti“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Dr. Ramsay und Laurie auf dem Weg in Dr. Thostis Schreckenkammer

Veröffentlichung: 30. Mai 2018 als 2-Disc-Edition (Blu-ray & DVD)

Länge: 83 Min. (Blu-ray), 79 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Black Sleep
USA 1956
Regie: Reginald Le Borg
Drehbuch: John C. Higgins, Gerald Drayson Adams
Besetzung: Basil Rathbone, Akim Tamiroff, Lon Chaney Jr., John Carradine, Bela Lugosi, Herbert Rudley, Patricia Blair, Tor Johnson, Phyllis Stanley, Louanna Gardner
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz, deutsche „Grindhouse“-Kinofassung, amerikanischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, „Trailers from Hell“ mit Joe Dante, Werberatschlag, US-Pressebuch, Filmprogramme, Bildergalerie, Wendecover
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Anolis Entertainment GmbH

 

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Das Haus der langen Schatten – Vier Horror-Altstars geben sich die Ehre

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House of the Long Shadows

Horrorkomödie // Stelldichein der Horror-Granden: Dass die Hammer-Films-Darsteller Christopher Lee und Peter Cushing gemeinsam drehen, war 1983 keine Sensation: „Das Haus der langen Schatten“ war ihr 24. und letzter gemeinsamer Film. Bemerkenswert allerdings, dass mit Vincent Price („Die Verfluchten“, „Das Pendel des Todes“) der US-Großmeister des klassischen Grusels zu den beiden stieß, obendrein auch John-Ford-Darsteller John Carradine. Der hat im Lauf seiner Karriere ebenfalls den einen oder anderen Horrorfilm bereichert, darunter mit Minirollen in „Die schwarze Katze“ (1934) und „Frankensteins Braut“ (1935) und immerhin als Graf Dracula unter anderem in „Frankensteins Haus“ (1944) und „Draculas Haus“ (1945).

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Zur Ruhe gebettet – zur letzten?

Ein Roman vom Kaliber von „Wuthering Heights“ – jung und großmäulig, wie er ist, glaubt Nachwuchs-Autor Kenneth Magee (Desi Arnaz jr.) fest, dass er schreiben kann wie Emily Brontë. Um 20.000 Dollar wettet er: Innerhalb von 24 Stunden will er ein Werk von Weltliteratur-Format fertigstellen. Ein vermeintlich verlassenes Anwesen in Wales soll ihm als Refigium und Inspiration dienen.

Das grausige Geheimnis der Grisbanes

Kurz nach dem Eintreffen stellt Kenneth fest, dass er nicht allein ist: Hausbesitzer Lord Grisbane (John Carradine) und seine Tochter Victoria (Sheila Keith) wohnen nach wie vor dort. Bald darauf treffen Lionel (Vincent Price) und Sebastian (Peter Cushing) ein, die Söhne des Lords, obendrein Mary Norton (Julie Peasgood), Sekretärin von Kenneths Verleger, sowie mit Corrigan (Christopher Lee) ein geheimnisvoller Herr, der sich am Kauf des Anwesens interessiert zeigt. Im Lauf des Abends enthüllen die Grisbanes den Anwesenden ein düsteres Familiengeheimnis. Dem jungen Schriftsteller steht eine Nacht des Grauens bevor.

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Kenneth verguckt sich in Mary

Regisseur Pete Walker begann seine Laufbahn Ende der 1960er-Jahre mit billigen Sexploitation-Filmen wie „School for Sex – Rund ums Bett“ und „Der Porno-Graf von Schweden“ (beide 1969). „Das Haus der langen Schatten“ markiert seine 17. Regiearbeit und seinen letzten Film – vermutlich auch seinen besten. Der amüsante und herrlich altmodische Grusler überzeugt durch Doppelbödigkeit mit einigen schönen Sterbeszenen.

Nach einem Roman von Earl Derr Biggers

Koch Media hat den Film bereits 2012 bei uns auf Blu-ray und DVD veröffentlicht. Nun hat Ascot Elite Home Entertainment eine Neuauflage herausgebracht, die vermutlich keine spürbare Verbesserung darstellt – Bild und Ton sind anständig, mehr aber auch nicht. Nach einem Roman von Earl Derr Biggers und dessen Bühnen-Umsetzung inszeniert, lässt sich „Das Haus der langen Schatten“ als liebevolle Hommage an die klassischen Filme der vier oben erwähnten Horror-Altmeister genießen. Nachhaltig beeindruckend ist das nicht, aber es ist schön, die Herren Price, Lee, Cushing und Carradine einmal gemeinsam in einem Film zu sehen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Peter Cushing, Christopher Lee und/oder Vincent Price sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. Juni 2015 als Blu-ray und DVD (Ascot Elite Home Entertainment), 28. September 2012 als Blu-ray und DVD (Koch Media)

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: House of the Long Shadows
GB 1983
Regie: Pete Walker
Drehbuch: Michael Armstrong, nach dem auf Earl Derr Biggers’ Roman „Seven Keys to Baldpate“ basierenden Theaterstück von George M. Cohan
Besetzung: Vincent Price, Christopher Lee, Peter Cushing, John Carradine, Desi Arnaz jr., Richard Todd, Louise English, Norman Rossington, Sheila Keith
Zusatzmaterial: Bildergalerie, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Gruppenbild der Horror-Granden

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

 

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