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Ernest Borgnine (II): Das dreckige Dutzend – Himmelfahrtskommando für Schwerverbrecher

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The Dirty Dozen

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ernest Borgnine (1917–2012), der heute 100 Jahre alt geworden wäre, gehört nicht zum dreckigen Dutzend. Der Oscar- und Golden-Globe-Preisträger („Marty“, 1955) spielt den US-General Worden, der im Kriegsjahr 1944 Major Reisman (Lee Marvin) auserwählt, ein Himmelfahrtskommando sondergleichen zu führen. Reisman ist seinen Vorgesetzten oft ein Dorn im Auge, weil er mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg hält. Nun soll er innerhalb kurzer Zeit in Großbritannien zwölf Soldaten trainieren, hinter den feindlichen Linien in Frankreich ein von der Wehrmacht besetztes Schloss zu stürmen und die dort versammelten deutschen Offiziere zu töten.

Himmelfahrtskommando für zwölf Schwerverbrecher

Allerdings handelt es sich nicht um gewöhnliche Soldaten, sondern um einen Haufen von Halsabschneidern – Schwerverbrecher, denen der Tod am Galgen oder langjährige Gefängnisstrafen bevorstehen. Kein Wunder, dass sich das dreckige Dutzend zügig bereit erklärt, in Aussicht auf Begnadigung an dem Auftrag mitzuwirken, zumal Reisman dem Wortführer sogleich den Schneid abkauft: Victor Franko (John Cassavetes), ein Mobster, der wegen Raubmords zum Tode verurteilt wurde. Unter den übrigen Teilnehmern: der in sich gekehrte Joseph Wladislaw (Charles Bronson), ebenfalls wegen Mordes zum Tode verurteilt. Auch der hünenhafte Samson Posey (Clint Walker) tauscht die Aussicht auf den Galgen nur zu gern gegen das Himmelfahrtskommando ein. Der an sich Friedfertige tötete einen Mann, der ihn geschubst hatte. Der religiöse Fanatiker und Frauenfeind A. J. Maggot (Telly Savalas) vergewaltigte und erschlug eine Frau. Robert Jefferson (Jim Brown) hingegen tötete womöglich aus Notwehr. Als Schwarzer hatte er aber vor Gericht keine Aussicht auf einen fairen Prozess. Der geistig schlichte Vernon Pinkley (Donald Sutherland) sieht 30 Jahren Zuchthaus entgegen, der musikalische J. P. Jiminez (Trini Lopez) 20 Jahren Zwangsarbeit. Das anstrengende Training schweißt die Todgeweihten tatsächlich zu so etwas wie einer Einheit zusammen, die sogar eine letzte Bewährungsprobe besteht: ein Manöver unter den Augen von General Worden. Bald darauf bricht der Trupp auf, um per Fallschirm über Frankreich abzuspringen und den Auftrag auszuführen. Allen Männern ist klar, dass einige von ihnen, womöglich die Mehrheit, den Einsatz nicht überleben werden.

Gegen den Krieg?

„Ein knallharter Film gegen den Krieg“ – diese Aussage findet sich auf dem Backcover der DVD von „Das dreckige Dutzend“. Knallhart ist das Gezeigte in der Tat, eine durchdachte Stellungnahme gegen den Krieg sollte aber niemand erwarten. In „Das dreckige Dutzend“ geht es um Action, Krieg wird als tödliches Spiel inszeniert. Allenfalls ein paar satirische Seitenhiebe zu militärischen Gepflogenheiten und Uniformtreue ergänzen einen durchaus launigen Unterton. Darüber liegt allerdings die düstere Stimmung des Himmelfahrtskommandos, zu dem die zwölf Todgeweihten aufbrechen. Major Reisman und sein Assistent, der loyale Militärpolizist Sergeant Clyde Bowren (Richard Jaeckel), sind selbstverständlich mit von der Partie, wenn es in den Einsatz geht. Auch wenn nicht alle Figuren psychologisch zu Ende gedacht oder tiefgründig porträtiert sind, überzeugt das Ensemble in seiner Gesamtheit mit interessanten Charakteren und Beziehungen. Zwar liegt der Fokus auf den von Marvin, Bronson und Cassavetes verkörperten Männern, aber auch die anderen kommen zu ihrem Recht. Ein paar feine Details würzen das vortrefflich. So dürfen sich die zwölf Mitglieder des Trupps am Vorabend ihres Einsatzes in Gesellschaft von Major Reisman ein Festmahl munden lassen. Die Tischordnung erinnert dabei sicher nicht zufällig an Jesus und seine zwölf Jünger beim letzten Abendmahl.

Normal: Amerikaner als Kriegsverbrecher

Bemerkenswert, wie kaltschnäuzig der Film von Amerikanern begangene Kriegsverbrechen zeigt und als völlig legitim darstellt – anders kann man den Anschlag auf das mit Wehrmachts-Offizieren gefüllte Schloss nicht bezeichnen. Dennoch heimste der actiongeladene Kriegs-Reißer für die Academy Awards 1968 vier Oscar-Nominierungen ein. Nebendarsteller John Cassavetes, Schnitt und Ton gingen jedoch leer aus, lediglich für die Ton-Effekte gab es den Oscar.

Empfehlung: die 2-Disc Special Edition DVD

Würde ein US-General je die Zusammenstellung eines solchen Trupps befürworten? Um Glaubwürdigkeit geht es in keinem Moment, das Zauberwort lautet Action. Die bekommen wir zur Genüge geboten, seinen Ehrenplatz in der Riege harter Kriegs-Exploitation-Filme hat sich „Das dreckige Dutzend“ verdient. In Deutschland bislang noch nicht auf Blu-ray erschienen, ist man am besten mit der 2-Disc Special Edition DVD bedient. Im üppigen Bonusmaterial (siehe unten) findet sich auch die fürs Fernsehen produzierte Fortsetzung „Das dreckige Dutzend – Die nächste Mission“ von 1985, in der immerhin noch Lee Marvin, Ernest Borgnine und Richard Jaeckel aus dem Vorgänger mit von der Partie sind, zudem Ken Wahl („Der Söldner“). Zwei weitere Fortsetzungen und eine kurzlebige Fernsehserie entstanden 1987 und 1988, sie sind nicht der Rede wert. Der erste Film jedoch wird überdauern.

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Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine, Charles Bronson, Lee Marvin und/oder Donald Sutherland in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 21. August 2009 als Premium Edition 2-Disc Set DVD, 14. Juli 2006 als Special Edition 2-Disc Set DVD, 4. Juni 2004 als DVD

Länge: 149 Min. (US-Blu-ray), 143 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Dirty Dozen
GB/USA 1967
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Nunnally Johnson, Lukas Heller, nach einem Roman von E. M. Nathanson
Besetzung: Lee Marvin, Charles Bronson, Ernest Borgnine, John Cassavetes, Telly Savalas, Donald Sutherland, Clint Walker, Richard Jaeckel, Jim Brown, Trini Lopez, Ralph Meeker, Stuart Cooper, Colin Maitland, Ben Carruthers, Al Mancini, George Kennedy, Robert Ryan
Zusatzmaterial Special Edition: Audiokommentar mit den Darstellern Jim Brown, Trini Lopez, Stuart Cooper und Colin Maitland, Produzent Kennetz Hyman, Autor E. M. Nathanson, Filmhistoriker David J. Schow und dem militärischen Berater Captain Dale Dye, Einleitung von Ernest Borgnine (3:30), Originaldokumentation Operation Das dreckige Dutzend“, Trailer, Featurette „Bewaffnet und tödlich: Das Making-of von ,Das dreckige Dutzend‘, Bonusfilm „Das dreckige Dutzend – Die nächste Mission“ (1985er-Fortsetzung mit Lee Marvin, Ernest Borgnine und Richard Jaeckel), „The Filthy 13 – Wahre Geschichten von der Front“, Dokumentarfilm mit Lee Marvin: „Marine Corp Combat Leadership Skills“
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Filmplakat: Fair Use (User: DASHBot)

 

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Capone – Aufstieg und Fall der Mobster-Legende

Capone-Cover

Capone

Von Volker Schönenberger

Gangsterdrama // Wer ist der beste Al-Capone-Darsteller? Den einen, alles überragenden Spielfilm über das Leben des notorischen Gangsters gibt’s nicht, wenn man von „Die Unbestechlichen“ (1987) absieht. Dort interpretierte ihn Robert De Niro als ebenso wortgewandten wie zynischen Brutalo mit einem Lächeln auf den Lippen. In Brian De Palmas Film ist Capone allerdings nicht die Hauptfigur, das ist der von Kevin Costner verkörperte Ermittler Eliot Ness. Das erste biografisch inszenierte Gangsterdrama entstand 1959: In „Al Capone“ spielt ihn Rod Steiger – passt. In Roger Cormans „Chicago-Massaker“ von 1967 drückt Jason Robards der Figur ihren Stempel auf. Aber wer weiß – vielleicht wird dereinst Stephen Graham („Blood“) als der große Capone-Darsteller gelten, der ihn aktuell in der großartigen TV-Serie „Boardwalk Empire“ verkörpert!?

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Capone (r.) lässt sich anwerben

Wie auch immer – selbstverständlich ist auch Ben Gazzara ein Kandidat für den Ehrentitel. Er hat die Rolle 1975 in Steve Carvers „Capone“ übernommen. Diese Interpretation ist nun erstmals auf Blu-ray erschienen – in anständiger Bildqualität, was man von einem 1975er-Film auch erwarten kann. Schade, dass der Ton da nicht mithalten kann – er ist zu dumpf, was sich besonders bei Schießerei-Szenen bemerkbar macht. Das mag an der damaligen Produktion in Mono liegen, ist aber unschön. Das von Roger Corman produzierte Werk enthält Szenen, die Corman bereits 1967 für den oben erwähnten „Chicago-Massaker“ gedreht und verwendet hatte.

„Capone“ hakt pflichtschuldig diverse Stationen im Leben der Titelfigur ab, nimmt sich einige Freiheiten, was die historischen Fakten angeht, und setzt den Fokus auf Action und gewalttätige Auseinandersetzungen. Die Handlung setzt 1918 im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein. Al Capone (Ben Gazzara) lässt sich vom örtlichen Gangsterboss Frankie Yale (John Cassavetes) anheuern. Bald darauf wechselt er nach Chicago, wo er sich zum Boss der Gangster-Organisation Chicago Outfit aufschwingt und blutige Kämpfe mit der rivalisierenden North Side Gang austrägt. An Capones Seite wacht der ruchlose Frank Nitti (Sylvester Stallone) über seinen Boss.

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Frank Nitti (r.) bewacht seinen Boss

Die Episoden der kriminellen Laufbahn Capones sind gefällig inszeniert und ausgestattet. Richtig beeindruckend ist das aber nicht. Angesichts der schillernden Figur und des klangvollen Namens wäre ein Wow-Effekt schön gewesen. Ben Gazzara ist ein großartiger Schauspieler, der dem legendären Ganoven eine eigene Note verleiht. In die Riege der ganz großen Gangster-Epen schließt „Capone“ aber nicht auf. Dann bleibt wohl doch eher De Niro als ultimativer Capone haften.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sylvester Stallone haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 3. Januar 2014 als Blu-ray

Länge: 102 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch, Holländisch, Portugiesisch u. a.
Originaltitel: Capone
USA 1975
Regie: Steve Carver
Drehbuch: Howard Browne
Besetzung: Ben Gazzara, Sylvester Stallone, Harry Guardino, Susan Blakely, John Cassavetes, Carmen Argenziano, Frank Campanella
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2014 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2014 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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