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Singularity – Endzeitstimmung im Logikloch

Singularity

Von Philipp Ludwig

Science-Fiction // Schaut man sich das Langfilm-Regiedebüt des mittlerweile 25-jährigen Schweizer Filmemachers Robert Kouba an, so empfiehlt sich zu Beginn ein Blick auf dessen besondere Entstehungsgeschichte: Der damals 20-Jährige und frischgebackene Absolvent des SAE Institute für angehende Filmemacher drehte sein Werk nämlich bereits 2013 unter dem Titel „Aurora“. Das Drehbuch dazu hatte er zusammen mit seinem Kumpel Sebastian Cepeda geschrieben – es basiert auf einer von ihnen früher erdachten Geschichte. Der mit den damaligen Nachwuchsschauspielern Julian Schaffner und Jeannine Wacker (die später durch ihre Rolle in der ARD-Endlos-Telenovela „Sturm der Liebe“ Bekanntheit erlangte) in der Schweiz und den wunderschönen Landschaften der böhmischen Wälder Tschechiens gedrehte Low-Budget-Endzeit-Survival-Abenteuer-Mix im Science-Fiction-Gewand schaffte es damals jedoch nicht direkt zur Vollendung.

Der Low-Budget-Studentenfilm, der mehr sein wollte

Denn der junge Regisseur Kouba wünschte sich vor allem die entsprechenden visuellen Spezialeffekte, um seinen Vorstellungen vom Endzeitszenario einer Welt nach der nahezu vollständigen Ausrottung der Menschheit durch eine künstliche Intelligenz und deren anschließende Kontrolle über den Planeten auch einen angemessenen Touch zu verleihen. Um die nötigen Gelder hierfür zu generieren, griff er unter anderem auch auf Crowdfunding-Plattformen zurück, und so kam sein Erstling erst 2017 auf den Markt, nun unter dem Titel „Singularity“ und mittlerweile bereichert um eine ganze Reihe der gewünschten (und mehr oder weniger gelungenen) Spezialeffekte sowie der nachträglichen Hinzufügung von nachgedrehten Szenen mit der Hollywood-Größe John Cusack. Und damit begannen auch die Probleme …

Aus Freund …

Worum genau geht es? In einer nahen Zukunft gelingt dem genialen K.I.-Entwickler und CEO von VA Industries, Elias VanDorne (Cusack), ein entscheidender Durchbruch in der Robotertechnologie, wodurch hochentwickelte Maschinen ab sofort allerlei Tätigkeiten für den Menschen übernehmen können. Leider wird der technische Fortschritt in erster Linie für militärische Zwecke missbraucht, und statt die Welt und das Leben darin zu verbessern, verschlimmert sich die ohnehin angespannte Weltlage (kommt uns das gerade irgendwie bekannt vor?) umso mehr. Doch VanDorne hat erneut eine scheinbar perfekte Lösung parat: Er entwickelt ein bisher nie dagewesenes und unvorstellbar leistungsstarkes Programm einer künstlichen Intelligenz mit dem Namen Kronos, das die Ursache allen Übels auf der Welt ermitteln und beseitigen soll. Dumm nur, dass Kronos direkt den Menschen selbst als diese Ursache entschlüsselt und innerhalb von wenigen Stunden nahezu die gesamte Weltbevölkerung eliminiert. Die wenigen Überlebenden versuchen auch Jahrzehnte später noch, sich vor den überall nach den letzten Menschen suchenden, überdimensionalen und von Kronos kontrollierten Kampfrobotern zu verstecken und zudem die sagenumwobene letzte Festung der Menschheit, Aurora, zu finden – einen Ort, den die Maschinen angeblich nicht aufspüren können. VanDorne und sein Assistent Damien Walsh (Carmen Argenziano), die sich am Tag der Menschheitsvernichtung anscheinend selbst in Kronos hochladen konnten, versuchen ebenfalls mit aller Macht, diesen mythischen Ort aufzuspüren, um das Ziel von Kronos endgültig zu erreichen. Hierzu heften sie den neuesten, hochentwickelten und mit den genretypischen Identitätsproblemen ausgestatteten Androiden Andrew (Julian Schaffner) an die Fersen der jungen Überlebenskünstlerin Calia (Jeannine Wacker), die verzweifelt auf der Suche nach ihrem verschollenen Vater ist, den sie in der Siedlung Aurora vermutet.

So weit, so gut. Die Grundstory klingt ja zumindest eigentlich gar nicht mal so verkehrt, auch wenn sich hier natürlich eine ganze Reihe an Storyelementen wiederfinden, die man so schon sehr oft und in vielen anderen Filmen des Genres selbstverständlich deutlich interessanter und besser dargestellt gesehen hat, wie etwa, ganz offensichtlich, in der „Terminator“-Reihe sowie „Blade Runner“ und dessen Fortsetzung „Blade Runner 2049“.

… wird Feind

Aber das Scheitern an übermächtigen Vorbildern muss nicht zwingend zum Scheitern des Films an sich führen. Gerade die Einstiegssequenz etwa ist wirklich sehr interessant (trotz der leider hier bereits doch eher billig anmutenden visuellen Effekte) expositorisch in die Handlung einführend inszeniert, die Einführung des Systems Kronos mit dem anschließenden Beginn der Vernichtung der Menschheit somit ansehnlich in Szene gesetzt. Doch bereits im Anschluss beginnen die ersten Probleme im gut gemeintem Grundplot des ansonsten mit etlichen Logiklöchern versehenen Drehbuchs.

Interessante Idee – „interessante“ Umsetzung

Erster Fehlgriff ist zunächst einmal die schier unvorstellbare Zeitspanne von 97 (!) Jahren, zu der die Haupthandlung nach der einführend gezeigten Zerstörungswelle des Prologs erst einsetzt. Denn die Vielzahl der auch hier leider nicht besonders ansehnlich animierten und darüber hinaus überdimensionierten Kampfroboter, die nahezu permanent die Wälder auf der Suche nach letzten Überlebenden durchstreifen, lassen einen doch stark daran zweifeln, dass nach knapp 100 Jahren Überlebende überhaupt noch existieren können. Insbesondere wenn man dann auch noch sieht, wie sorglos diese mitunter in ihren völlig sichtbaren Siedlungen zu leben scheinen, wenn man denn mal überhaupt etwas mehr von dem rar gesäten Input zur Tiefengestaltung des Endzeit-Settings zu sehen bekommt, statt dass man Calia und Andrew beim schier endlosen Durchstreifen der Wälder beobachten darf. Ebenfalls arg überzogen erscheint ebenso der allgemeine Zustand der Überlebenden, sei es etwa in Sachen Kleidung, körperlicher Zustand und Aussehen oder der weiterhin hohen Qualität sämtlicher Gebrauchsgegenstände. Etwas sonderbar angesichts einer Situation dieser Menschen, die an sich seit Jahrzehnten wie Ratten in ihren Löchern ums nackte Überleben kämpfen müssten. Sogar die Protagonisten am Ende der ersten Staffel der Zombie-Horror-Survival-Serie „The Walking Dead“, die ja nur wenige Wochen nach dem Ausbruch der dort behandelten Zombie-Apokalypse spielt, erscheinen verwahrloster als unsere „Singularity“-Helden Jahrzehnte später.

Von vielen Logiklöchern kann ich gar nicht erst anfangen, da ich sonst zu viel von der Handlung verraten würde. Ein paar seien noch genannt: Selbst gegen hochentwickelte Maschinen, ausgestattet mit allerlei fortschrittlicher Technologie, scheint das klassische Verstecken hinter einer alten Holzbank weiterhin ein probates Mittel zu sein. Und warum durch eine absolut rational-logisch denkende künstliche Intelligenz, deren Ziel die Rettung des Planeten mittels Auslöschung des Auslösers für das gesamte Übel auf der Welt war, nun wiederum selbst diese Welt malträtiert wird, indem etwa riesige Kampfroboter ganze Waldabschnitte platttrampeln oder Roboter-Megacitys entstehen, die mehr Smog produzieren als Peking, Tokio und Los Angeles zusammen, erschließt sich zumindest mir nicht so ganz. Ganz zu schweigen von der als toughen Survivalexpertin inszenierten Calia, die den einsamen und geheimnisvollen Andrew quasi einfach so aufgabelt, sofort als Begleitung duldet und auch noch dessen doch schon ziemlich fadenscheinig anmutende Lebensgeschichte ebenfalls einfach so akzeptiert. Ok, ok, ich höre ja schon auf. Aber vielleicht muss in einem Film ja auch nicht immer alles logisch sein, wer weiß? Wer dies jedoch erwartet, der dürfte in „Singularity“ leider eher häufig als selten ein klein wenig verdutzt die Augenbrauen hochziehen. Nett ausgedrückt.

Katniss Everdeen mit „Sturm der Liebe“-Charme

Von den darüber hinaus, erneut noch positiv formuliert, eher bescheidenen Schauspielfertigkeiten der beiden Jungschauspieler/-innen möchte ich an dieser Stelle ebenfalls gar nicht erst groß beginnen, wobei sich allerdings zumindest Jeannine Wacker (Achtung, schlechter Wortwitz voraus) halbwegs wacker schlägt, gerade im Vergleich zu ihrem steif agierenden Kollegen Schaffner. Vielmehr möchte ich diese jedoch als Aufhänger für das zentrale Problem des Films nehmen: dessen fehlende Konsequenz in seiner eigenen Identität und dem damit verbundenen „Betrug“ an den Zuschauern. Denn etwa drei Viertel von „Singularity“ bestehen aus dem 2013 abgedrehten Material zu „Aurora“, der, wie eingangs schon beschrieben, ursprünglich den Charakter eines Low-Budget-Studentenfilms innehatte. Den Film unter diesem Aspekt angemessen zu bewerten, wäre deutlich einfacher gewesen, denn mit einem gewissen, diesen Produktionen innewohnenden Charme hätte man über die zahlreichen Mängel mitunter hinwegsehen können, vor allem, da zudem eine ganze Reihe guter Ansätze zu erkennen sind. Der Soundtrack etwa ist geradezu außergewöhnlich gut und in seiner Gestaltung absolut stimmig für ein Endzeit-Szenario im Science-Fiction-Gewand. Ebenso deutet Kouba trotz der mitunter klaffenden Logiklöcher und Plotholes im Skript sowie dem latenten Hang zu Continuity-Fehlern an, dass er dennoch das Zeug zu einem guten Filmemacher hat. So bietet er nicht nur eine solide Kameraarbeit, auch in der Inszenierung mancher Szenen schimmert Potenzial durch. Insbesondere die aufwendig gefilmten Panoramaaufnahmen der böhmischen Waldlandschaften lassen sich sehen, vor allem vor dem Hintergrund eines billig produzierten Studentenfilms, in dem man diese hochwertigen Aufnahmen nicht erwarten konnte.

Ein Film mit Patchworkcharakter

Die Probleme in Koubas Werk beginnen insbesondere in dem Moment, in dem der Regisseur den Versuch unternimmt, daraus mehr zu machen, als es schließlich ist. So wirken gerade die nachträglich eingefügten Spezialeffekte durch ihre Schlichtheit eher kontraproduktiv, verleihen sie „Singularity“ doch den Charme alter „Command & Conquer“-Teile auf dem PC oder von eher durchschnittlichen PS2-(mit Wohlwollen vielleicht PS3-)Spielen. Und auch der nachträgliche Einbau des von John Cusack dargestellten VanDorne fühlt sich irgendwie nie wirklich richtig an. So interagiert dieser daher während des gesamten Films nur mit einer weiteren Figur der Welt von „Singularity“, nämlich seinem Assistenten Walsh, der von dem ebenfalls nicht gerade unbekannten Carmen Argenziano verkörpert wird. Da dieser bereits 2013 bei den Dreharbeiten dabei war, ist Walsh im Gegensatz zu VanDorne auch in der Lage, mit den anderen Figuren wie Andrew und Calia zu interagieren, sodass Cusacks Rolle dagegen nahezu ausschließlich als Beobachter aus dem Programm Kronos heraus fungiert und somit mitunter eher zu einer Art aufhübschendes Beiwerk des Gesamtwerks degradiert wird. Ein prominenter Name fürs Cover eben. Schauspielerisch ist Cusack natürlich dennoch über Zweifel erhaben. Auch wenn er, wahrscheinlich den Umständen entsprechend, vornehmlich nach Schema F zu agieren scheint, sticht er damit in Relation zum Rest des Films immer noch meilenweit heraus.

Sieht so etwa die optimierte Zukunft aus, liebes Kronos?

Man kann sich daher alles in allem des Anscheins nicht erwehren, es im Grunde genommen mit zwei verschiedenen Filmen mit jeweils unterschiedlichem Anspruchsdenken zu tun zu haben, sodass neben den zuvor aufgeführten Mängeln ein ganz entscheidender hinzukommt: Man kommt nicht umhin, sich als Zuschauer vom Film und dessen Macher ein Stück weit hinters Licht geführt zu fühlen, weil man einen Film vorgesetzt bekommt, der nie die Balance zu finden scheint, ob er nun ein fehlerhafter, dafür aber sympathischer Low-Budget-Film sein oder am Ende doch noch den Eindruck erwecken will, größer zu sein, als er eigentlich ist. So ist er im Endeffekt zumindest eines leider nicht: ein guter und vor allem sehenswerter Film. Unabhängig vom jeweiligen Anspruchsdenken, mit dem jeder Zuschauer persönlich im Endeffekt an „Singularity“ herangeht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Cusack sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Offenbar kein Menschenfreund: Elias VanDorne

Veröffentlichung: 6. Juni 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Singularity
CH/USA 2017
Regie: Robert Kouba
Drehbuch: Robert Kouba, Sebastian Cepeda
Musik: Scott Kirkland, Tobias Enhus
Besetzung: Jeannine Wacker, Julian Schaffner, John Cusack, Carmen Argenziano, Eileen Grubba
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: EuroVideo Medien GmbH

Copyright 2018 by Philipp Ludwig

Fotos, Packshot & Trailer: © 2018 EuroVideo Medien GmbH

 

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Zimmer 1408 – Stephen King hat’s mit Hotels

1408

Von Volker Schönenberger

Horrordrama // Er ist stets auf der Suche nach einem neuen Ort, an welchem es angeblich spukt, um das Phänomen als harmlos oder Betrug zu entlarven. Mike Enslin (John Cusack) führt ein vermeintlich mondänes, tatsächlich aber sehr einsames Leben, indem er von einem Hotelzimmer ins nächste wechselt, schlecht besuchte Autorenlesungen in Buchhandlungen abhält und versucht, den Tod seiner Tochter und die Trennung von seiner Ehefrau Lily (Mary McCormack) zu vergessen.

Sein neuestes Projekt wird ihn jedoch an seine Grenzen und darüber hinaus führen. Eine anonyme Postkarte lockt ihn ins Dolphin Hotel in New York City, wo es in Zimmer 1408 zu zahlreichen unerklärlichen Todesfällen gekommen ist. Der Hotelmanager Gerald Olin (Samuel L. Jackson) wendet all seine Überredungs- und Bestechungskünste auf, Mike davon abzuhalten, eine Nacht in dem ominösen Raum zu verbringen, doch vergeblich, zumal die Rechtslage dem Hotel verbietet, dem Gast ein nicht vermietetes Zimmer zu verweigern.

Wenn das Radio plötzlich anspringt

Erste unerklärliche Ereignisse lassen nicht lange auf sich warten: Das Radio springt von allein an, das Bett, auf dem sich Mike eben noch gefläzt hat, ist wieder akkurat gemacht, auch die Rolle Toilettenpapier sieht unberührt aus, obwohl Mike gerade erst etwas davon abgerissen hatte. Es bleibt nicht bei solch kleinen Phänomenen …

Hotelmanager Gerald Olin warnt vor Zimmer 1408

Wenig überraschend: Während seiner Begegnung mit dem Grauen von Zimmer 1408 wird Mike auch mit den Dämonen seiner Vergangenheit konfrontiert. John Cusack trägt die Handlung zu weiten Teilen allein auf seinen Schultern. Seit er älter geworden ist und für die Rolle des jugendlich wirkenden Sonnyboys nicht mehr taugt, hat seine Rollenwahl gelegentlich zu wünschen übrig gelassen. Hier jedoch zeigt er, dass er auch andere Charaktere mit Leben erfüllen kann, denn „Zimmer 1408“ ist weit mehr als eine simple Geistergeschichte. Der Spuk führt geradewegs zum Schmerz und zur Trauer, die Mike tief in seinem Innern vergraben glaubt. Samuel L. Jackson und weitere Nebendarsteller haben da zu wenig Leinwand- bzw. Bildschirmzeit, um gegen Cusack bestehen zu können. Die Zuschauerinnen und Zuschauer lernen Mike Enslin gut kennen, das hilft enorm, mit ihm zu bangen.

Vergeblich: Mike Enslin beharrt auf seinem Recht, dort zu nächtigen

Regisseur Mikael Håfström („Escape Plan“) setzt visuelle Spezialeffekte nicht im Übermaß, sondern der Handlung dienend ein. Kubricks „Shining“ bleibt unerreicht, auch wenn Stephen King anderer Meinung sein mag. Aber „Zimmer 1408“ überzeugt doch auch, weil er beängstigende Atmosphäre auch mit kleinen Mitteln erschafft und nicht mit effekthascherischen Monströsitäten.

Quersumme 13

Die Quersumme von 1408 ist 13 – für manche eine Unglückszahl, und sie taucht direkt und indirekt mehrmals im Film auf. So lautet die Anschrift des Dolphin Hotels 2254 Lexington Avenue, die Hausnummer ergibt erneut 13. Der knapp zwölf Minuten längere Director’s Cut bringt gegenüber der Kinofassung mehr charakterliche Tiefe, ein paar modifizierte Szenen und vor allem ein alternatives Ende. Ich empfehle die längere Fassung. Welches Finale man bevorzieht, mag Geschmackssache sein, der Schluss des Director’s Cuts erscheint mir allerdings konsequenter. Über die genauen Unterschiede beider Fassungen gibt der Schnittbericht Aufschluss.

Stephen Kings Kurzgeschichte, auf der der Film basiert, entstammt der erstmals 2002 veröffentlichten Sammlung „Everything’s Eventual“, die hierzulande unter dem Titel „Im Kabinett des Todes“ erschienen ist. Unter den 14 Erzählungen befindet sich auch die 2004 verfilmte „Riding the Bullet“, deutscher Titel: „Achterbahn“. „Zimmer 1408“ erreicht nicht die Qualität der großen Stephen-King-Adaptionen wie „Shining“, „Die Verurteilten“, „Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ und „Dead Zone“, schlägt aber eine Vielzahl anderer Verfilmungen von King-Vorlagen um Längen. Gelungener Grusel mit psychologischem Tiefgang.

Das bringt den Schriftsteller an seine Grenzen …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet, Filme mit John Cusack und Samuel L. Jackson in der Rubrik Schauspieler.

… und darüber hinaus

Veröffentlichung: 27. Oktober 2008 als Collector’s Edition Blu-ray, 25. Februar 2008 als 3-Disc Limited Collector’s Edition DVD und DVD im Steelbook

Länge: 112 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 104 Min. (Kinofassung, Blu-ray), 108 Min. (Director’s Cut, DVD), 100 Min. (Kinofassung, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: 1408
USA 2007
Regie: Mikael Håfström
Drehbuch: Matt Greenberg, Scott Alexander, nach einer Kurzgeschichte von Stephen King
Besetzung: John Cusack, Samuel L. Jackson, Mary McCormack, Walter Lewis, Eric Meyers, Tony Shalhoub, Jasmine Jessica Anthony, Len Cariou, Paul Kasey, Paul Birchard, Margot Leicester
Zusatzmaterial: Audiokommentar (Director’s Cut), 4 Featurettes („Zimmer 1408 – Die Premiere“, „John Cusack in 1408“, „Im Zimmer 1408“, „Die Geheimnisse von 1408“), entfallene Szenen mit Audiokommentar, deutscher Kinotrailer, Trailershow, nur Collector’s Edition DVD: nummerierte große Pappbox mit drei Covermotiven, Postkarte und Poster
Label/Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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David Cronenberg (III): Maps to the Stars – Wenn die Menschlichkeit abhanden kommt

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Maps to the Stars

Gastrezension von Simon Kyprianou

Drama // Ein Episodenfilm: In Hollywood kreuzen sich die Wege des Selbsthilfegurus Dr. Stafford Weiss (John Cusack), seiner aus Inzest entstandenen Kinder Agatha (Mia Wasikowska) und Benjie (Evan Bird), der alternden Schauspielerin mit Mutterkomplexen Havana Segrand (Julianne Moore) und des Chauffeurs Jerome (Robert Pattinson). Aus ihren Schicksalen zeichnet David Cronenberg eine unerbittliche Groteske.

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Hilfe zur Selbsthilfe: Dr. Weiss

Wird David Cronenberg zum Pessimisten?

Cronenbergs Werk ist dominiert von Gesellschaftsanalysen und Eskapismusfantasien. Trotz all dem Exzess und der Gewalt in seinen Filmen war es immer ein tief humanistisches Kino, voller Verständnis und voller Menschlichkeit. Spätestens seit „Cosmopolis“ und nun auch in „Maps to the Stars“ – beide auch Analysen der modernen Gesellschaft – ist diese Menschlichkeit in Cronenbergs Werk beinahe ganz verloren gegangen. Er ist härter und radikaler geworden, vielleicht auch pessimistischer.

Die Bilder sind oberflächlich, genau wie die Figuren, da ist keine Tiefe mehr vorhanden, nichts Wahrhaftiges mehr – genau darum gibt es auch keine Menschlichkeit mehr. Die Figuren sind Unmenschen geworden. Man kann sich ihnen nicht mehr annähern und erst recht kein Verständnis mehr für sie aufbringen.

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Gealtert – Hannas Zukunft steht in den Sternen

Der Tod verliert an Bedeutung

Cronenbergs Kino war immer durchzogen von organischen, ausufernden Splatter-Effekten. Die Szene in „Maps to the Stars“ in der sich eine der Figuren selbst anzündet, realisiert mit grotesk miserablen CGI-Effekten, ist vielleicht die Essenz des Films: Nicht einmal mehr der Tod, der exzessive Untergang, der für Cronenbergs Werk immer so bedeutend war, der für ihn immer eine tragische Wahrhaftigkeit hatte, bedeutet jetzt noch etwas. Der Tod ist heute nur noch ein schlechter Computereffekt.

Im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen hat Cronenbergs Werk im Alter nichts an Härte und Bestimmtheit eingebüßt, „Maps to the Stars“ ist der radikalste und beste Film den man sich hat wünschen können. Cronenberg entlarvt die Karte zu den Sternen (in Hollywood übrigens Touristen-Stadtpläne, in der Wohnorte von Stars markiert sind) brutal als Fake, schaut in die Herzen von ausgebrannten, kaputten Menschen und inszeniert eine aberwitzig bittere Groteske.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von David Cronenberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Julianne Moore unter Schauspielerinnen und Filme mit John Cusack in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 3. März 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 112 Min. (Blu-ray), 107 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Maps to the Stars
KAN/USA/D/F 2014
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: Bruce Wagner
Besetzung: Julianne Moore, Mia Wasikowska, Robert Pattinson, John Cusack, Evan Bird, Olivia Williams, Sarah Gadon, Justin Kelly, Niamh Wilson, Gord Rand
Zusatzmaterial: Interviews mit David Cronenberg, Julianne Moore, Mia Wasikowska, John Cusack, Robert Pattinson, Olivia Williams, Evan Bird, Bruce Wagner, Martin Katz, B-Roll, Trailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

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Jerome hält sich als Chauffeur über Wasser

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 
 

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