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Michael Cimino (III): Heaven’s Gate – Das Tor zum Himmel: What One Loves About Life Are the Things that Fade

Heaven’s Gate

Von Simon Kyprianou

Western // Am Anfang wird ausgelassen getanzt, viel getrunken und es werden idealistische Reden gehalten, wenn James Averill (Kris Kristofferson) und Billy Irvine (John Hurt) 1870 ihren Abschluss in Harvard machen. Ein Schnitt und zwanzig Jahre später, 1890, ist in ihnen nicht mehr viel vom jugendlichen Idealismus geblieben. Averill ist Sheriff von Johnson County in Wyoming, Irvine Mitglied der großen Ranchervereinigung Wyoming Stock Growers, die einen Krieg gegen die polnischen Einwanderer führt, die dort eine neue Heimat gefunden haben. Auf der Seite der Rinderbarone steht der Killer Nathan (Christopher Walken).

Averill hat als Sheriff alle Hände voll mit den Viehzüchtern zu tun

Cimino erzählt im Kern seines großen, langen, durchaus auch ausufernden Films ganz intim über eine ergreifende Dreiecks-Liebesgeschichte: Sowohl Averill als auch Nathan sind in die Bordell-Besitzerin Ella (Isabelle Huppert) verliebt. Averill bleibt, und das obwohl er die zentrale Figur ist, stets verschlossen und unerreichbar, Cimino kann ihm nicht nahekommen wie er den anderen Figuren nahekommt, und auch Ella kann nicht zu ihm durchdringen, so wie er nicht fähig ist, seine Gefühle für sie in Worte zu formen. Auf der anderen Seite steht Nathan, eine der vielen unerträglich ambivalenten Figuren in Ciminos Filmen, zärtlich in seiner Liebe zu Ella und kaltblütig als Mörder für die Viehzüchter. Und diese innere Erschütterung spielt Walken auch immer mit, da schwingt immer eine Unsicherheit bei ihm mit, eine Traurigkeit.

Die Liebe in Zeiten des Klassenkampfs

Die ganze Gigantomanie, die beeindruckenden Sets, durch die Vilmos Zsigmonds wunderbare Kamera schwebt, die detailversessne Ausstattung, all das ist zweitrangig, es bildet den Rahmen für Cimino, der darin seine Liebesgeschichte erzählt. Und diese Liebesgeschichte verzweigt Cimino mit seiner Erzählung über den Klassenkampf, sodass man ihre Zusammengehörigkeit begreift, die Versuche der Liebe und das tödliche Voranschreiten des amerikanischen Kapitalismus: „It’s getting dangerous to be poor these days.“

Er ist in Ella verliebt, die ein gut laufendes Bordell betreibt

In eben jenem Klassenkampf – den die Einwanderer natürlich verlieren – liegt das Scheitern einer ganzen Nation, das Cimino nur beobachten kann, immer auf Distanz zu den Mächtigen, immer hilflos wirkend. Es ist genau das Scheitern, das er am Anfang schon in diesem harten Schnitt ankündigt, von den tanzenden Studenten, zu desillusionierten, schweigenden, betrunken torkelnden Männern, die auch nur hilflos dabeistehen, während um sie herum das Projekt Zivilisation in sich zusammenfällt.

Porträt des Scheiterns Amerikas

Das mag auch der Grund sein, warum „Heaven’s Gate“ so groß gescheitert ist wie vielleicht kein Film jemals davor und danach, weil er so groß und ausführlich das Scheitern von Amerika porträtiert, das am Ende des Films ja auch selbst das titelgebende Himmelstor erreicht, weiterbestehen tut nur ein Schatten der einstigen Ideale, für immer entstellt durch die Verbrechen der Herrschenden und die zerstörte Liebe. Hier erweist sich Cimino wieder als Chronist der Vereinigten Staaten, von der Entstehung in „Heaven’s Gate“ bis hin zum Vietnamkrieg in „Die durch die Hölle gehen“ und dessen gesellschaftliche Nachbeben in „Die Letzten beißen die Hunde“ und „Im Jahr des Drachen“.

Auch Killer Nathan ist in Ella verliebt, steht aber auf der Seite der Viehzüchter

Sicherlich war dieses wunderbar wahnsinnige Projekt nur möglich, weil Cimino zuvor mit „Die durch die Hölle gehen“ einen so großen Erfolg hatte und daher auch einen Vertrauensvorschuss des Studios bekam. Diese Produktion, mit verlängerter Drehzeit, hohen Mehrkosten, Gerüchten, Cimino sei am Set verrückt geworden, und schließlich den hohen Verlusten an den Kinokassen – auch wenn das Gerücht, „Heaven’s Gate“ habe ein ganzes Studio in den Ruin getrieben nicht stimmt – endet auch eine Ära. „Heaven’s Gate“ markiert vielleicht den endgültigen Schlusspunkt des New Hollywood und für lange Zeit auch einen Schlusspunkt für das Westerngenre.

Mediabook mit Director’s Cut und Kinofassung

Im Mediabook von capelight pictures erscheint der Film endlich auch hierzulande in allen Ausführungen in hervorragender Bildqualität, im 219-minütigen Director’s Cut und in der stark verkürzten amerikanischen Kinofassung, die nur 154 Minuten läuft und deutsch untertitelt vorliegt. Letztgenannte ist aber ebenfalls unter der Leitung Ciminos entstanden und ebenfalls gelungen, hier findet Cimino zu einem etwas dynamischeren Erzählrhythmus. Ich habe für die Rezension die kurze Fassung geschaut, kannte die Langfassung aber ebenfalls und möchte nicht zwischen den Fassungen urteilen, sie haben beide ihre Vorzüge. Ebenfalls enthalten sind viele Extras, darunter ein sehr interessantes Interview mit Kameramann Vilmos Zsigmond.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Michael Cimino haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Bridges, Joseph Cotten, Willem Dafoe (in seinem Debüt – wer entdeckt ihn?), John Hurt und Christopher Walken in der Rubrik Schauspieler.

Mit denen kommt es zum blutigen Kampf

Veröffentlichung: 23. März 2018 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (2 Blu-rays & DVD) und DVD, 8. Januar 2007 als DVD (Twentieth Century Fox Home Entertainment), 23. August 2001 als DVD (MGM)

Länge: 221 Min. (Blu-ray), 154 Min. (Blu-ray, Kinofassung Recut), 210 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Heaven’s Gate
USA 1980
Regie: Michael Cimino
Drehbuch: Michael Cimino
Besetzung: Kris Kristofferson, Christopher Walken, Isabelle Huppert, Jeff Bridges, John Hurt, Sam Waterston, Brad Dourif, Joseph Cotten, Ronnie Hawkins, Paul Koslo, Geoffrey Lewis, Richard Masur, Willem Dafoe
Zusatzmaterial Mediabook: US-Kinofassung (Recut, OmU), „True Gate“ (Interview mit Jeff Bridges), „Painting Johnson County“ (Interview mit Vilmos Zsigmond), Audiokommentar, Featurette „Die Filmrestauration“, Trailer, 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2018 capelight pictures /Al!ve AG

 

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Spaceballs – Möge der Quatsch mit euch sein!

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Spaceballs

Von Volker Schönenberger

SF-Komödie // „Durchkämmt die Wüste!“ Wer hat damals nicht über den Kalauer geschmunzelt, der den Befehl von Lord Helmchen (Rick Moranis) wörtlich nahm und dessen Soldaten kurz darauf mit überdimensionalen Kämmen ausgerüstet in der Wüste umherirren sah? Zugegeben: Einige Gags der „Star Wars“-Parodie von 1987 wirken heute etwas angestaubt. Der Klamauk und all die Anspielungen kommen grobschlächtig daher, was sicher auch nicht jedermanns Sache ist. Dennoch ist zu konstatieren, dass Regisseur und Drehbuchautor Mel Brooks George Lucas‘ „Krieg der Sterne“-Saga offenbar sehr mögen muss.

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Ein finsterer Führer: Lord Helmchen (M.)

Dem vom ebenso skrupellosen wie unfähigen Präsidenten Skroob (Regisseur Brooks persönlich) beherrschten Planeten Spaceball geht die Luft zum Atmen aus. Mittels eines perfiden Plans und einer gigantischen Weltraum-Putze nebst Staubsauger will der Despot dem friedlichen Planeten Druidia die Atmosphäre mopsen. Dazu sollen Skroobs Erfüllungsgehilfen Lord Helmchen und Colonel Sandfurz (George Wyner) Prinzessin Vespa (Daphne Zuniga) entführen, um von ihrem Vater König Roland (Dick Van Patten) den Sicherheitscode des Schutzschilds von Druidia zu erpressen.

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Prinz Valium (l.) schaut entsetzt mit dem Hofstaat seiner entfleuchten Braut hinterher

Es trifft sich gut, dass Vespa just in Begleitung ihrer Android-Zofe Dotty Matrix (Lorene Yarnell Jansson, im Original mit der Stimme von Joan Rivers) von ihrer Trauung mit dem aufgedrehten (gähn) Prinz Valium (Jim J. Bullock) ins All geflohen und so vermeintlich leichte Beute ist. Zum Glück eilen zwei strahlende Helden in ihrem Weltraum-Wohnmobil zu Hilfe: Lone Starr (Bill Pullman) und sein treuer Kopilot Waldi (John Candy), ein Möter: halb Mensch, halb Köter. Und dann ist da ja auch noch die Macht des Saftes … (im Original: „the Schwartz“)

Mel Brooks – der Meister der Kino-Parodien

Western („Der wilde wilde Westen“, 1974), Horror („Frankenstein Junior“, 1974), Stummfilm („Silent Movie“, 1976), Thriller („Höhenkoller“, 1977), Historienschinken („Die verrückte Geschichte der Welt“, 1981) – Mel Brooks hatte zuvor bereits diverse Filmgenres gehörig auf die Schippe genommen, bevor er sich 1987 mit „Spaceballs“ daran machte, den Science-Fiction-Film im Allgemeinen und „Star Wars“ im Besonderen durch den Kakao zu ziehen. Das rief George Lucas auf den Plan, der glücklicherweise genug Humor bewies und seine Genehmigung erteilte, ohne die wohl manche Anspielung auf dessen Sternen-Epos nicht ganz so deutlich ausgefallen wäre. Das beginnt schon am Anfang, wenn sich nach dem das Szenario vorstellenden Schriftzug-Intro ein gigantisches, nicht enden wollendes Raumschiff ins Bild schiebt: Die „Spaceball One“ („We brake for nobody“), ähnlich einem Super-Sternenzerstörer. Wer gegen Ende des Films genau hinschaut, entdeckt auf dem Parkdeck des Space Diners sogar den dort abgestellten „Millennium Falcon“.

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Auf der Flucht vor den Spaceballs: Waldi, Dotty Matrix, Prinzessin Vespa und Lone Starr (v. l.)

Etliche Figuren sind für jeden „Star Wars“-erfahrenen Filmgucker erkennbar Parodien mit eindeutigen Pendants zum Original: Lone Starr, Waldi (in der englischen Sprachfassung übrigens Barf), Lord Helmchen (Dark Helmet), Colonel Sandfurz (Sandurz), Prinzessin Vespa, Dotty Matrix (Dot Matrix), nicht zu vergessen auch der weise Yogurt, Regisseur Brooks‘ zweite Rolle. Welche Figur der Verbrecher Pizza Mampf parodiert, ist ebenfalls klar ersichtlich, erst recht, wenn man den englischen Originalnamen kennt: Pizza the Hutt. Ihr kommt immer noch nicht drauf? Ein Tipp: Lone Starr ist bei dem Schurken verschuldet.

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Aber Hauptsache, das Handgepäck ist dabei

Etliche US-spezifische Wortspiele gehen in der deutschen Synchronisation zwangsläufig verloren. Man muss mit der amerikanischen Alltagskultur aber ohnehin vertraut sein, um alle zu verstehen, daher ist das für das Gros der deutschen Filmgucker wohl zu verschmerzen. Merchandising für seinen Film durfte Brooks nicht herstellen – hatte er aber wohl auch nicht vor, gleichwohl er speziell den Merchandising-Wahn rund um „Star Wars“ gehörig aufs Korn nahm. In Bild und Ton werden zudem etliche Kinohits parodiert oder zitiert – zu viele, um sie alle zu nennen. Begebt euch selbst auf Entdeckungsreise, es lohnt sich!

Ein Alien von ILM

Lucas‘ Effekteschmiede Industrial Light & Magic (ILM) steuerte sogar etwas bei: die Alien-Kreatur, die in der Szene im Diner aus John Hurts Bauch platzt und tanzend enteilt. Welcher Science-Fiction-Klassiker damit parodiert wird, bedarf wohl keiner gesonderten Erwähnung. Kurz davor hatte es noch eine schöne Anspielung auf „Planet der Affen“ (1968) gegeben.

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In der kalten Wüstennacht kommen Vespa und Lone einander näher

Mit all seinen Referenzen auf „Star Wars“ und andere Epen ist „Spaceballs“ ein turbulenter Klamauk geworden, der seine Entstehungszeit in den 80er-Jahren nicht verleugnen kann. Ein paar gealterten Gags zum Trotz ist die liebevoll inszenierte Space-Opera-Parodie aber auch heute noch ein großes Vergnügen – erst recht, wenn man kurz zuvor das mittlerweile sieben Episoden umfassende „Krieg der Sterne“-Epos geschaut hat.

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Unerbittliches Duell: Lone Starr gegen Lord Helmchen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Hurt und Bill Pullman sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 23. Oktober 2009 als Blu-ray, 4. September 2006 als DVD, 17. Mai 2004 als DVD (Gold Edition)

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Spaceballs
USA 1987
Regie: Mel Brooks
Drehbuch: Mel Brooks, Thomas Meehan, Ronny Graham
Besetzung: Mel Brooks, Rick Moranis, Bill Pullman, John Candy, Daphne Zuniga, George Wyner, Dick Van Patten, Jim J. Bullock, Michael Winslow, John Hurt
Zusatzmaterial (nur Blu-ray): Audiokommentar von Mel Brooks, Spaceballs: Der Filmbericht, Im Gespräch: Mel Brooks & Thomas Meehan, John Candy: Ein komisches Genie, Film in „wahnsinniger Geschwindigkeit“ anschauen, Bildergalerie, Trailer, 6 Filmschnitzer, Storyboard- und Filmvergleich
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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1984 – Big Brother is Watching You!

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1984

SF-Drama // In Zeiten von Vorratsdatenspeicherung und NSA-Abhöraffäre ist George Orwells Roman „1984“ wieder in vieler Munde. Der bedeutende englische Schriftsteller hatte das Werk in den Jahren 1946 bis 1948 unter dem Eindruck der Nazi-Diktatur und des Stalinismus geschrieben. Die DDR kannte er zu dem Zeitpunkt noch nicht. Sind wir auf dem Weg in einen derart finsteren totalitären Überwachungsstaat? Das kann hier ebenso dahingestellt bleiben wie die Frage, ob Twentieth Century Fox Home Entertainment die aktuelle politische Debatte zum Anlass genommen hat, die 1984er-Verfilmung nun erstmals auf Blu-ray und parallel in einer neuen DVD-Fassung zu veröffentlichen.

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Die Massen sind gleichgeschaltet

Jedenfalls überzeugt die Blu-ray mit klarem Bild, die fast durchgehend reduzierte Farbsättigung kommt sehr gut rüber. Allerdings ging die Körnigkeit etwas verloren, ob das im Sinne des Erfinders war? Die absolut hoffnungs- und freudlose Atmosphäre macht die Sichtung natürlich zu einem zwiespältigen Genuss – ein Vergnügen ist der Film von Michael Radford („Der Postmann“) nicht. Dafür erleben wir eine beeindruckende Vision einer nahen Zukunft, die keiner haben wollen sollte.

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Bruder Winston Smith …

Im ständig mit den beiden anderen Machtblöcken Ostasien und Eurasien Krieg führenden Ozeanien arbeitet Winston Smith (John Hurt) für das Ministerium der Wahrheit. Dort wird die Wahrheit nach den Vorgaben und Maßstäben der allmächtigen Partei gebeugt und zurechtgestutzt. Partei- und Staatsführer ist der sogenannte „Große Bruder“, der allerdings nie in Erscheinung tritt. Aber er sieht alles und hat jede Einwohnerin und jeden Einwohner im Blick. Sein überdimensionales Konterfei ist allgegenwärtig. Die „Schwester“ und „Bruder“ genannten Bürgerinnen und Bürger sind jeder Individualität beraubt.

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… füllt verbotenerweise ein Tagebuch mit geheimen Gedanken

Wie Smith von seinem Kollegen Bruder Parsons (Gregor Fisher, „Tatsächlich … Liebe“) erfährt, soll die Schokoladenration in der kommenden Woche auf 25 Gramm erhöht werden. Doppelplusgut, nicht? So freut sich Parsons. Doppelplusgut? Ganz recht. Das Geheimnis liegt in der Übersetzung vom direkten Gedanken zur kürzesten Sprachform, erfahren Smith – und wir Zuschauer – von einem weiteren Kollegen. So kommt es zum sogenannten Neusprech, einer neuen Ausdrucksform, die frei von für die Partei schädlichen Einflüssen und Kreativität ist und sich gut zum Einhämmern von Parolen eignet.

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Das fällt Gedankenpolizist O’Brien auf …

Bruder Smith zweifelt schon seit einiger Zeit an der Richtigkeit seines Tuns und des Wirkens der Partei. Und er trifft eine Gleichgesinnte: Julia (Suzanna Hamilton). Die beiden beginnen eine Beziehung, haben leidenschaftlichen Sex – und das, obwohl die Partei den Orgasmus abschaffen will. Dein Innerstes können sie nicht erfassen – und auch nicht in dein Herz eindringen. So sagt Julia zu Winston. Doch sie irrt sich. Die beiden werden ertappt, inhaftiert und zu Parteifunktionär O’Brien (Richard Burton) gebracht. Der Gedankenpolizist foltert Winston, bis der zerbricht.

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… der Winston skrupellos foltert …

Anfang der 1980er-Jahre wurde in der Bundesrepublik Deutschland permanent auf „1984“ verwiesen. Die für 1981 geplante, auf 1983 verschobene und schließlich gerichtlich untersagte Volkszählung führte zu massiven Protesten, schließlich konnten die Bundesbürger erst 1987 gezählt werden. Ständig Thema: Überwachung. Im Deutschunterricht lasen wir George Orwells Roman (ich wusste ihn zugegebenermaßen erst später richtig zu würdigen). Da meine letzte Lektüre des Buchs lange zurückliegt, gilt mit etwas Vorbehalt: Die Verfilmung von 1984 hält sich deutlich enger an die Vorlage als beispielsweise die 1956er-Adaption von Michael Anderson („Flucht ins 23. Jahrhundert“).

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… und ihm mit dessen schlimmsten Ängsten droht

„1984“ wurde zu Richard Burtons letztem Film. Er starb kurz nach Ende der Dreharbeiten, weshalb der Film ihm gewidmet ist. Sein schlechter Gesundheitszustand hatte Auswirkungen auf den Dreh: Viele seiner Szenen mussten häufiger als üblich gedreht werden, weil Burton Probleme hatte, sich seine Textzeilen zu merken. Dennoch überzeugt sein Spiel. Der eiskalte Gedankenpolizist O’Brien verlangt aber auch nicht nach ausgeprägter Mimik, seine Sätze trägt er ohnehin in frostiger Gleichgültigkeit vor. Ob George Orwell 1948 ahnte, dass sein Roman nicht nur 1984 aktuell sein würde, sondern auch 2015? Die 1984er-Verfilmung hat die nun bald 30 Jahre ebenfalls sehr gut überdauert.

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Das Glück mit Julia war von kurzer Dauer

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Richard Burton und John Hurt haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 10. September 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 113 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch
Originaltitel: 1984
GB 1984
Regie: Michael Radford
Drehbuch: Michael Radford, nach dem Roman von George Orwell
Besetzung: John Hurt, Richard Burton, Suzanna Hamilton, Cyril Cusack, Gregor Fisher
Zusatzmaterial: Originaltrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshots: © 2015 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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