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Der Mann ohne Nerven – Das Granitgesicht kann grinsen

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Breakout

Von Andreas Eckenfels

Actionkomödie // 28 Jahre Haft! Geschäftsmann Jay Wagner (Robert Duvall) landet als mutmaßlicher Mörder in einem mexikanischen Knast. Die Tat hat er nicht begangen, sein Großvater (John Huston) hat die böse Intrige gegen seinen Enkel gesponnen. Jays Ehefrau Ann (Jill Ireland) ist verzweifelt und beauftragt den abenteuerlustigen Piloten Nick Colton (Charles Bronson) und dessen Partner Hawk Hawkins (Randy Quaid), ihren Mann zu befreien. Nachdem die ersten Ausbruchsversuche scheitern, beschließt Nick schließlich, Jay mit einer waghalsigen Aktion herauszuholen. Mit einem Helikopter will er mitten im Gefängnishof landen, Jay einsammeln und mit ihm in die Freiheit fliegen. Ob sein Plan aufgeht?

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Ann will ihren Mann Jay aus dem Knast befreien – koste es, was es wolle

Der Plan ging zumindest im August 1971 auf. Der New Yorker Geschäftsmann Joel David Kaplan saß seit 1962 zu Unrecht wegen Mordes im Gefängnis Santa Maria Acatitla in Mexiko Stadt und wurde von Pilot Vic Stadter per Helikopter befreit. Die wahre Geschichte wurde in dem Buch „The 10-Second Jailbreak: The Helicopter Escape of Joel David Kaplan“ (1973) von Eliot Asinof, Warren Hinckle und William Turner zusammengefasst, welches widerrum für „Der Mann ohne Nerven“ als Grundlage diente. Angeblich war auch die CIA in den Fall involviert. Regisseur Tom Gries konzentrierte sich allerdings anders als die literarische Vorlage weniger auf die Hintergründe, weswegen Kaplan in die Intrige geriet. Vielmehr ist er daran interessiert, die Ausbruchsversuche möglichst spektakulär in Szene zu setzen.

An Bronsons Seite

Die Fluchtversuche sind mal spannend inszeniert – wenn Jay in einem Sarg versteckt aus dem Gefängnis getragen wird, dann aber wegen eines Verrats darin lebendig begraben wird, – mal durchaus amüsant – wenn sich Hawk in Frauenkleidern in den Knast schleichen will, aber von den Wachen entdeckt wird. Sie sind aber stets zum Scheitern verurteilt. Randy Quaid wurde damals schon als chaotischer Sidekick engagiert. Die zahlreichen Luftaufnahmen in „Der Mann ohne Nerven“ sorgen für zusätzlichen Reiz, beim finalen Helikopterflug sitzt der Zuschauer sozusagen auf dem Sitz neben Charles Bronson.

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Der abenteuerlustige Pilot Nick übernimmt den Job

Überhaupt ist Bronson in „Der Mann ohne Nerven“ so entspannt wie selten zu sehen. Der für seine meist wortkargen und stoischen Figuren bekannte Star ist mehr als redselig und hat häufig ein Grinsen im furchigen Granitgesicht. Das Zusammenspiel mit seiner Ehefrau Jill Ireland – es war ihr achter gemeinsamer Film – ist fast zärtlich. Wie auch sein Faustkämpfer Chaney in dem ebenfalls im Jahr 1975 erschienenen „Ein stahlharter Mann“ will Nick angeblich nur aufgrund des Geldes den Job übernehmen. Doch als Nick merkt, dass Ann für ihren Mann wirklich alles tun würde, spürt der gutherzige Pilot Zuneigung für die Frau, ohne dass es dabei zu einer Liebesbeziehung zwischen beiden kommt. Diese hätte auch nicht in die Geschichte gepasst. Nick ist ein Ehrenmann, der zu seinem Wort steht und sich nie in die Verbindung drängen würde.

Wegweisende Distributionsmaßnahme

Der unterhaltsamen und routiniert inszenierten Actionkomödie mit dem stimmungsvollen Soundtrack von Jerry Goldsmith kommt auch filmhistorisch eine bedeutende Rolle zu. Mit der Starbesetzung – Charles Bronson gelang 1974 mit „Ein Mann sieht rot“ ein echter Hit, Robert Duvall hatte zuvor „Der Pate 2“ gedreht – entschied sich das Produktionsstudio Columbia Pictures für eine bis dato kaum genutzte Distributionsmaßnahme, das sogenannte saturation booking, das bald zur gängigen Praxis in Hollywood werden sollte. In diesen Zeiten wanderten die Filmkopien in den USA üblicherweise von Stadt zu Stadt und wurden so über mehrere Monate hinweg nach und nach dem Publikum zugänglich gemacht. „Der Mann ohne Nerven“ wurde stattdessen mit enormem Marketingaufwand angeblich mit 1.300 Kopien in 1.000 US-Kinos gleichzeitig gestartet. Zuvor war US-Produzent Joseph E. Levine (1905–1987) eines der wenigen prominenten Beispiele – er wagte es 1959, den italienischen Sandalenfilm „Die unglaublichen Abenteuer des Herkules“ mit Steve Reeves in 624 Kinos landesweit parallel anlaufen zu lassen. Im Juni 1975 sollte sich auch Universal Pictures zu diesem Schritt entscheiden: Steven Spielbergs „Der weiße Hai“ startete in 409 US-Kinos gleichzeitig und löste auch dank einer enormen TV-Werbekampagne bald „Der Pate“ (1971) als erfolgreichsten Film aller Zeiten ab. Das moderne Blockbusterkino war geboren.

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Jays erste Ausbruchsversuche schlagen fehl

So viel Erfolg war „Der Mann ohne Nerven“ nicht vergönnt. Das Bronson-Vehikel konnte in den Vereinigten Staaten aber immerhin ordentliche 16 Millionen US-Dollar einspielen. Bronson und Gries drehten anschließend auch „Nevada Pass“ miteinander. Es sollte der vorletzte Spielfilm des Regisseurs werden – er starb 1977 im Alter von 54 Jahren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charles Bronson und/oder Robert Duvall sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Waghalsiger Plan: Nick will Jay mit einem Helikopter rausholen

Veröffentlichung: 17. Januar 2017 als Blu-ray, 9. April 2002 als DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Breakout
USA 1975
Regie: Tom Gries
Drehbuch: Howard B. Kreitsek, Marc Norman, Elliott Baker
Besetzung: Charles Bronson, Robert Duvall, Jill Ireland, Randy Quaid, Sheree North, John Huston, Jorge Moreno, Emilio Fernández
Zusatzmaterial Blu-ray: US-Kinotrailer, Bildergalerie, Wendecover
Vertrieb: Koch Films (Blu-ray), Sony Pictures Home Entertainment (DVD)

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

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Fotos & Packshot Blu-ray: © 2017 Koch Films / Explosive Media, Packshot Blu-ray: © 2002 Sony Pictures Home Entertainment

 

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Freud – Das wird man ja wohl noch untersuchen dürfen

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Freud – The Secret Passion

Von Ansgar Skulme

Drama // Der junge Sigmund Freud (Montgomery Clift) interessiert sich für die tiefen Ursprünge seelischer und psychischer Erkrankungen. Im Wien der 1880er-Jahre ist für unkonventionelle Methoden und ein konsequentes Eintauchen in die Abgründe des menschlichen Geistes aber noch kein Platz. Freud findet in Dr. Joseph Breuer (Larry Parks) einen offenen Befürworter und auch seine Familie unterstützt ihn nach Kräften, doch gleichzeitig droht er mit seinen Untersuchungen den Ruf seiner Angehörigen zu gefährden. Und seinen eigenen erst recht …

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Freuds (r.) größter Befürworter: Dr. Joseph Breuer

Einem Projekt, für das ursprünglich Jean-Paul Sartre das Drehbuch schreiben sollte, kann man ohne den leisesten Zweifel attestieren, von vornherein hoch ambitioniert gewesen zu sein. Sartre stellte das Buch sogar fertig und überarbeitete es nach erster Kritik, doch da es stets deutlich zu umfangreich blieb, musste Regisseur John Huston es verwerfen und Sartre zog sich enttäuscht aus der Produktion zurück. Seine erste Drehbuchversion wäre im Kino umgerechnet etwa fünf Stunden lang gelaufen, die zweite circa acht. Stattdessen erschien seine Variante später unter dem Titel „The Freud Scenario“ in gedruckter Form.

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Der Ruf ihrer Familie leidet: Freud mit seiner Ehefrau Martha

Auch ohne Sartres Vorlage geriet der Film allerdings immer noch so lang, dass er auf Anweisung des Studios zunächst auf die Länge gekürzt wurde, in der er nun auf DVD vorliegt, ehe man ihn für die Kinoauswertung noch einmal um rund 20 weitere Minuten kürzte. Die entsprechenden Passagen wurden folglich nie deutsch synchronisiert und liegen hier nun im Original mit Untertiteln vor. Erst in der nun angebotenen Fassung gibt der Film ein schlüssiges, bemerkenswert konsequentes Gesamtbild ab. Das Werk scheint keine Tabus zu kennen, über die man nicht zumindest reden könnte. So wie auch Sigmund Freud, der Begründer der Psychoanalyse, selbst.

Montgomery Clift perfekt besetzt

Das starke Drehbuch wird von bedrückenden schwarz-weißen Bildern voller großer, oftmals leer erscheinender Räume, düsterer Straßen und leerer Wege unterstützt, in denen verruchte Damen und bornierte Spießer in Schwarz und mit Zylindern umherstolzieren. Freud wandelt in einer Art Irrgarten mit unsichtbaren Mauern, wo ihn nur wenige verstehen, aber viele verhöhnen. Dabei erweist sich Montgomery Clift als geniale, fast schon tragisch gute Besetzung: ein Schauspieler, der privat selbst sehr unter Ausgrenzung litt, da seine Homosexualität nicht in der von ihm erhofften Form respektiert wurde, und der sich Zeit seines Lebens weigerte, oberflächliche heterosexuelle Liebhaberrollen zu spielen, die gut in das Hollywood der 50er-Jahre gepasst hätten. Clift war depressiv, hatte Alkohol- und Drogenprobleme sowie einen schweren Autounfall hinter sich, der seine Karriere beeinflusste. Er spielt diese Rolle – die sich stellenweise wie eine Parabel auf sein eigenes Schicksal verstehen lässt – aber mit einer Demut und Würde, die bis zum Schlussplädoyer berührt. Und obwohl John Huston ihn am Set schlecht behandelte, planten sie für 1967 mit „Spiegelbild im goldenen Auge“ bereits das dritte gemeinsame Projekt, nach „Misfits – Nicht gesellschaftsfähig“ (1961) und „Freud“. Doch dazu kam es nicht mehr.

Die kurze Karriere eines legendären Schauspielers

Montgomery Clift hatte bereits für seinen ersten Hollywood-Film „Die Gezeichneten“ (1948) eine Oscar-Nominierung errungen und es seither auf gut ein Dutzend überwiegend hochkarätige Rollen und weitere Nominierungen gebracht. „Freud“ war sein 16. Kinofilm, sollte jedoch der letzte werden, der noch zu seinen Lebzeiten veröffentlicht wurde. Seine gesundheitlichen Probleme führten zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem verantwortlichen Universal-Studio. Zunächst wollte Universal Geld von Clift, weil die Dreharbeiten seinetwegen mehrmals hatten unterbrochen werden müssen, da er sowohl psychisch als auch vor allem körperlich in keiner guten Verfassung mehr war. Als der Film in den Kinos jedoch gute Resonanz erntete, wendete sich das Blatt. Clift bekam schließlich recht und wurde entschädigt, hatte durch das langwierige Prozessieren jedoch über längere Zeit keine Rolle mehr bekommen.

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Ein ungelöster früher Fall: Carl von Schlosser (r.)

Schließlich drehte er als Nachfolgefilm zu „Freud“ den Spionagestreifen „Lautlose Waffen“ (1966), eine französische Produktion, die in Deutschland realisiert wurde. Er starb jedoch kurz nach Fertigstellung und noch vor dem Kinostart. Er wurde seinerzeit daheim bereits von einem privaten Pfleger betreut, da seine Gesundheit zu angegriffen war, doch auch der konnte das nächtliche Ableben des erst 45 Jahre alten großen Schauspielers durch einen Herzinfarkt am 23. Juli 1966 nicht verhindern. Angeblich lief in der Nacht seines Todes Clifts erster Film mit Regisseur John Huston, „Misfits“, im Fernsehen, dessen andere beide Stars, Marilyn Monroe und Clark Gable, bereits kurz nach dem Dreh verstorben waren. Auf die Frage des Pflegers, ob sich Clift den Film mit ihm ansehen wolle, soll er „Auf keinen Fall!“ entgegnet haben – nach so überlieferten Angaben des Pflegers waren dies seine letzten Worte, bevor er ihn einige Stunden später tot auffand. Montgomery Clift wurde nur 45 Jahre alt.

Ein verleugnetes Meisterwerk

Dass dieser Film trotz seines berühmten Regisseurs – selbst wenn man Montgomery Clift als Star einmal außen vor lässt – in den USA bis heute nicht auf DVD veröffentlicht wurde, scheint die Bedeutsamkeit der erzählten Geschichte regelrecht zu unterstreichen. Zu schonungslos legt das Werk Finger in Wunden, prangert gesellschaftliche Tabus, bornierten Zynismus und altkluges Einerlei an. Ganz zu schweigen von dem offenen Umgang mit Themen wie früh erwachender Sexualität, Prostitution, Vergewaltigung und Inzest. Kurzum: Der Film reiht Streitpunkte, die so mancher bis heute nicht hören oder besprechen will, aneinander wie Perlen auf einer Perlenkette.

Wir befinden uns zwar nicht mehr in den 1880er-Jahren, dennoch gibt es immer noch genügend abwertendes Geplänkel über Freud, sein Schaffen und vor allem viele der damit korrespondierenden Themen – und nach wie vor Tendenzen der Tabuisierung und des Totschweigens unliebsamer Dinge in einer vorgeblich modernen Gesellschaft. Dass ausgerechnet so ein Film in seinem Herkunftsland nach nunmehr knapp 54 Jahren noch nie auf DVD erschienen ist, ist wohl kaum reiner Zufall. Angst, dass sich ein Film von John Huston auf DVD nicht verkauft, dürfte eine geringe Rolle spielen.

Gefeiert, vergessen, wiedergefunden

Dem Drehbuch, das der Berliner Produzent des Films Wolfgang Reinhardt gemeinsam mit Charles Kaufman (basierend auf einer Story von Kaufman) verfasste, brachte die forsche, kritische Handlung eine hochverdiente Oscar-Nominierung ein. Wohlgemerkt waren in diesem Jahr nur zwei US-Filme in der Kategorie nominiert, aber weder „Freud“ noch die Komödie „Ein Hauch von Nerz“ konnten gewinnen. Reinhardt, der in seiner Karriere zwar nicht viele Filme als Autor und/oder Produzent fertigstellte, dabei allerdings eine Vorliebe für Biopics hatte, kannte Montgomery Clift schon von der Arbeit an „Rom, Station Termini“ (1953) und errang mit „Freud“ seinen größten Erfolg. Ebenso wurde auch die beklemmende, zumeist atonale und dissonante Musik von Jerry Goldsmith nominiert, der hier gewissermaßen seinen Durchbruch feierte – sie unterstützt die düsteren, trostlosen Bilder auf kongeniale Weise. Goldsmith jedoch verlor das ungleiche Duell mit Maurice Jarre und dessen Musik für das teure Epos „Lawrence von Arabien“. Bei den Golden Globes gab es zudem Nominierungen als bester Film, für den Regisseur und für die beiden größten weiblichen Rollen: Susannah York als Patientin Cecilie und Susan Kohner in ihrer letzten Kinorolle als Freuds Ehefrau. Die Directors Guild und die Writers Guild of America würdigten die Produktion ebenfalls mit Nominierungen, nicht zuletzt war „Freud“ 1963 auch auf der Berlinale zu sehen, wo er um den Goldenen Bären konkurrierte.

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Die größte Herausforderung: Cecilie Koertner

Danach jedoch – so hat es den Anschein – verschwand der Film im Giftschrank. Hierzulande entdeckte ihn der TV-Sender arte vor einigen Jahren wieder und präsentierte ihn in guter Qualität zur besten Sendezeit, auf DVD kam er jedoch erst 2012 – fast 50 Jahre nach dem Kinostart – in Großbritannien zu seiner Weltpremiere. Und das auch noch in einem Letterbox-Format, anstelle einer anamorphen Präsentation. Die vorliegende Edition von Pidax, kann sich, trotz dünnen Bonusmaterials, daher vielleicht sogar als bisher weltweit beste Veröffentlichung bezeichnen lassen. Dass der deutsche Ton in den ersten Minuten leicht asynchron ist, sei dieser lobenswerten DVD vergeben. Trotz allem ist die deutsche Fassung sehr gelungen, in der vor allem Clifts Stammsprecher Paul Edwin Roth als Sigmund Freud und der leider nur selten im Synchronstudio aktiv gewesene Carl-Heinz-Schroth als Dr. Breuer, den beiden Rollen der nimmermüden Ärzte und Forscher, brillieren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Montgomery Clift sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. Juli 2016 als DVD

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch (nur für die nicht synchronisierten Szenen)
Originaltitel: Freud – The Secret Passion
USA 1962
Regie: John Huston
Drehbuch: Charles Kaufman & Wolfgang Reinhardt
Besetzung: Montgomery Clift, Susannah York, Larry Parks, Susan Kohner, Eric Portman, Eileen Herlie, Fernand Ledoux, David McCallum, Rosalie Crutchley, David Kossoff
Zusatzmaterial: Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne (Nr. 6502), Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Pidax Film

 

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Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen: Im Garten eines Kraken

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Tentacoli

Von Volker Schönenberger

Horror-Action // Es beginnt stimmungsvoll: Eine Mutter plaudert im kalifornischen Solana Beach mit einer Bekannten, lässt ihr Kleinkind in der Nähe des Ufers nur kurz aus den Augen. Als sie sich umdreht, ist es verschwunden, der Kinderwagen treibt im Wasser … Ein alter Skipper verschwindet ebenfalls. Er taucht kurz darauf tot und völlig entstellt aus dem Wasser auf. Der Reporter Ned Turner (John Huston) untersucht die Vorfälle. Es stellt sich heraus, dass ein riesiger Krake sein Unwesen treibt.

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Turner (l.) und Gleason beraten, was zu tun ist

John Huston? Ganz recht, der große Regisseur („Der Schatz der Sierra Madre“, „African Queen“) hat eine durchaus tragende Rolle, auch wenn seine Figur in der zweiten Hälfte des Films etwas von der Bildfläche verschwindet – und das nicht, weil er ein Opfer des Oktopus wird. Huston hat immer wieder gern geschauspielert („Die Bibel“, „Chinatown“), und das nicht nur in ambitionierten Produktionen. Was mag ihn motiviert haben, in „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ mitzuwirken? Vielleicht die Aussicht auf relaxte Dreharbeiten im sonnigen Kalifornien. Ein Jahr nach dem Kraken-Horrorfilm war er mit dem Mystery-Thriller „SOS Bermuda-Dreieck“ auch nicht gerade wählerisch.

Hollywood-Starpower

In der Besetzung finden sich weitere Hollywood-Granden: Henry Fonda („Faustrecht der Prärie“) beispielsweise gibt den Unternehmer Mr. Whitehead, dessen Unterwassertunnel-Projekt den Kraken aufgeschreckt hat – keine bedeutende Rolle, weder für den Film noch für Fonda. Shelley Winters („Die Nacht des Jägers“, „Poseidon Inferno – Die Höllenfahrt der Poseidon“) spielt Ned Turners Schwester Tillie und darf in einer Szene einen riesigen Sombrero tragen. Viel mehr bleibt nicht von ihr hängen. Schließlich ist da noch Bo Hopkins („The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“, „American Graffiti“) als Meeresforscher Will Gleason, der sich der Bestie entgegenstellt.

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Ein Drink hilft immer

Viel Potenzial bleibt ungenutzt: Eine junge Frau sonnt sich auf einer Motoryacht. Als Zuschauer hofft man darauf, dass sich plötzlich ein Tentakel über die Reling schlängelt. Vergebliche Hoffnung. Kurz darauf ragen die Beine eines der Opfer aus dem Wasser und verschrecken die Frau – das sieht eher unfreiwillig komisch aus. Immerhin attackiert das Biest dann doch noch. Aber es ist einfach zu wenig zu sehen. Taucht der Kopffüßer mal in Nahaufnahme auf, erkennt man recht schnell, dass es sich um ein Tier in Normalgröße handelt, das auf vermeintlich versierte Weise in die Szenen hineingeschnitten ist – da bleibt kein Auge trocken, erst recht nicht, wenn im großen animalischen Finale zwei Killerwale den Menschen zu Hilfe eilen. Keine Frage, hier haben wir es mit italienischem Trash zu tun.

James Cameron war nicht begeistert

Regisseur Ovidio G. Assonitis gab sich für den Film den ungleich klangvolleren – ähem – Namen Oliver Hellman. Wenige Jahre später ersetzte er einen gewissen James Cameron („Terminator“) bei den Dreharbeiten zu dessen Regiedebüt „Fliegende Killer – Piranha II“. Auch jener maritime Tierhorrorfilm geht nicht unbedingt als erstklassige Visitenkarte durch.

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Mr. Whitehead (l.) maßregelt seinen Mitarbeiter

Seinerzeit im Fahrwasser von „Der weiße Hai“ unter dem Titel „Angriff aus der Tiefe“ in den bundesdeutschen Kinos gelaufen, gehört Stelvio Ciprianis beschwingter Score noch zu den Highlights des Films. Nun hat ihn Koch Films in altersgemäß solider Bild- und Tonqualität mit wunderbar schaurig-trashigem Cover erstmals auf Blu-ray sowie in Neuauflage als DVD veröffentlicht. In der Reihe „Creature Feature“ ist „Der Polyp – Die Bestie mit den Todesarmen“ gut aufgehoben, aber wohl der schwächste Film der bislang vierteiligen Reihe. Dennoch spannend, ob Koch beizeiten mit weiteren Kreaturen aufwartet.

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Angriff aus der Tiefe

Die Reihe „Creature Feature“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Shelley Winters sind unter Schauspielerinnen zu finden, Filme mit Henry Fonda in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 28. April 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Tentacoli
Alternativtitel: Angriff aus der Tiefe
IT/USA 1977
Regie: Ovidio G. Assonitis (als Oliver Hellman)
Drehbuch: Jerome Max, Tito Carpi, Steven W. Carabatsos
Besetzung: John Huston, Henry Fonda, Shelley Winters, Bo Hopkins, Cesare Danova, Alan Boyd, Sherry Buchanan, Delia Boccardo, Marc Fiorini, Claude Akins
Zusatzmaterial: 2 deutsche und 1 englischer Trailer, Radiospot, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, Wendecover, Schuber
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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